Unter dem Licht des Unternehmensmondes
Von Tonkix

**Unter dem Licht des Unternehmensmondes**
Das Büro atmete in Stille, ein schlafender Organismus, dessen Herzschlag durch das leise Summen der Server und das gelegentliche Klicken der Tastatur ersetzt wurde. Das kalte Licht der Monitore durchdrang die Dämmerung wie Klingen und beleuchtete nur das Nötigste, damit die letzten Überlebenden des Tages nicht zwischen Zahlen und Tabellen verloren gingen. Clara rückte ihre Brille mit dem feinen Gestell auf der Nase zurecht, die Finger glitten mit der Präzision über das Touchpad, als würde sie jeden Zentimeter dieses Bildschirms kennen. Der Quartalsbericht konnte nicht warten – nicht, wenn jedes falsch gesetzte Komma eine weitere Nacht der Überarbeitung bedeutete, und sie hatte längst den Überblick verloren, wie viele solcher Nächte sie in den letzten Monaten verbracht hatte.
Die marineblaue Seidenbluse, die sie an diesem Morgen gewählt hatte, weil sie „professionell, aber bequem“ war, klebte nun leicht am Rücken, ein stummer Zeuge der Hitze, die die zentrale Klimaanlage nicht vertreiben konnte. Sie strich eine kastanienbraune Haarsträhne aus dem Gesicht und steckte sie mit einer automatischen Geste hinter das Ohr, während ihre grünen Augen – stets wachsam, stets analytisch – die Datenzeilen durchforsteten, als suchten sie nach einem unsichtbaren Fehler. Es lag etwas Erotisches in der Einsamkeit dieses Moments, in der Art, wie das Büro sich ihr hingab, als wäre jede entriegelte Schublade, jede geöffnete Datei eine Einladung, Geheimnisse zu lüften, die nur die Nacht kannte.
Auf der anderen Seite der dünnen Wand, die ihren Arbeitsplatz vom IT-Raum trennte, trommelte Lucas mit den Fingern in einem fast musikalischen Rhythmus auf die Tastatur. Der Takt wurde nur unterbrochen, wenn er sich vorbeugte, die Ellbogen auf den Tisch stützte und die dunklen Augen auf den Bildschirm gerichtet hielt, auf dem Codezeilen in Grün und Weiß tanzten. Das schwarze T-Shirt, das sich leicht über die Schultern spannte, zeichnete die Kurve seiner Rückenmuskeln nach, wenn er sich streckte, um die Maus zu erreichen, und der Duft von Seife, vermischt mit einem Hauch von sauberem Schweiß, lag in der Luft – ein köstlicher Kontrast zum metallischen Geruch der Computer und dem synthetischen Parfüm der Reinigungsmittel, die noch nicht verdunstet waren.
Er war nicht aus Pflicht hier. Lucas mochte die Nächte im Büro, wenn die leeren Flure zu einem privaten Spielplatz wurden, auf dem er an den Systemen herumspielen konnte, ohne unterbrochen zu werden, Grenzen austesten und Firewalls wie Puzzles behandeln konnte. Es lag etwas Verbotenes darin, allein hier zu sein, Zugang zu allem zu haben – Passwörter, Daten, das Rückgrat des Unternehmens. Doch in dieser Nacht schmeckte das Verbotene anders. Vielleicht lag es daran, wie die Stille dichter wirkte, als trüge sie eine Erwartung in sich, die er nicht benennen konnte. Oder vielleicht daran, dass er zum ersten Mal nicht ganz allein war.
Clara wusste nicht, dass er da war. Oder besser gesagt, sie wusste, dass *jemand* da war – das gedämpfte Geräusch von Schritten, das gelegentliche Klirren eines Bechers, das quietschende Drehstuhl. Doch sie hatte keine Ahnung, dass nur wenige Meter entfernt ein vierundzwanzigjähriger Mann mit einem leichten Lächeln und Händen, die einen Computer in Minuten auseinanderbauen konnten, die Sicherheitskameras mit einem Interesse beobachtete, das über das Berufliche hinausging. Er hatte sie Stunden zuvor ankommen sehen, die hohen Absätze auf dem Marmorboden wie ein Ruf widerhallend. Er hatte gesehen, wie sie das Jackett auszog und tonisierte Arme enthüllte, von denen er sich vorstellte, sie könnten sich um seinen Hals schlingen. Er hatte gesehen, wie sie sich auf die Unterlippe biss, während sie tippte, eine unbewusste Geste, die ihn den Mund trocken werden ließ.
Jetzt, als sie aufstand, um sich zu strecken, hielt Lucas den Atem an. Die Bewegung war langsam, bedacht – zuerst die Arme über den Kopf, dann das Durchbiegen des Rückens, die Bluse hob sich gerade genug, um ein Stück heller Haut über dem Bund des Bleistiftrocks zu enthüllen. Er wandte schnell den Blick ab, als wäre er auf frischer Tat ertappt worden, doch nicht bevor er die sanfte Kurve ihrer Hüfte, die Art, wie der Rock die Linie ihrer Oberschenkel nachzeichnete, registriert hatte. *Verdammt.* Er fuhr sich mit der Hand durch die dunklen Haare, verwuschelte sie noch mehr und stieß einen leisen Seufzer aus. So hatte er sich die Nacht nicht vorgestellt.
Clara, ahnungslos gegenüber dieser unfreiwilligen Beobachtung, ging mit leisen Schritten zur Teeküche. Die Kaffeemaschine gluckerte beim Einschalten, der starke, bittere Duft breitete sich in der Luft aus wie eine Einladung. Sie schloss für einen Moment die Augen, atmete tief ein und spürte, wie die Wärme der Tasse in ihre Finger kroch. Es waren diese Momente – klein, fast unmerklich –, in denen die Müdigkeit sie traf. Nicht die körperliche Erschöpfung, sondern jene andere, tiefere, die von Jahren voller Ziele, Fristen und dem ständigen Dasein als Letzte, die ging, und Erste, die kam, herrührte. Sie mochte, was sie tat. Liebte es sogar. Doch manchmal, nur manchmal, fragte sie sich, wie es wäre, alles hinter sich zu lassen und einfach… zu fühlen.
Lucas hörte das Geräusch der Kaffeemaschine und lächelte in sich hinein. Jetzt oder nie. Mit einer schnellen Bewegung schaltete er den Monitor aus und stand auf, streckte die Arme absichtlich über den Kopf, wohl wissend, dass das T-Shirt hochrutschen und ein Stück gebräunter Haut zeigen würde. Er war nicht naiv – er wusste, dass Clara älter und erfahrener war, dass sie ihn wahrscheinlich nur als Jungen sah. Doch er wusste auch, dass in dieser Nacht die Regeln anders waren. Das leere Büro, die Mitternachtsstunde, die Tatsache, dass niemand sie beobachtete… Alles schien das Unvorhersehbare zu begünstigen.
Und dann, als er um die Ecke bog, die zur Teeküche führte, war sie da.
Clara stand mit dem Rücken zu ihm, die Finger um den Henkel der Tasse geschlungen, der Körper leicht nach vorne geneigt, während sie das dunkle Getränk betrachtete, als bewahre es alle Antworten. Das Haar, zuvor in einem lockeren Dutt, fiel nun in losen Wellen über die Schultern, und das gelbliche Licht der Teeküche umriss ihre Silhouette wie ein Heiligenschein. Er blieb einen Moment stehen, beobachtete nur – die elegante Linie ihres Nackens, die Art, wie der Rock sich an ihren Körper schmiegte, den Schatten zwischen den Schulterblättern, den er sich vorstellte zu küssen.
Sie muss das Gewicht seines Blickes gespürt haben, denn sie drehte sich langsam um, die grünen Augen trafen die seinen mit einer Überraschung, die sich schnell in etwas Wärmeres, Gefährlicheres verwandelte.
— Konntest du auch nicht schlafen? — fragte er, die Stimme leise, fast ein Flüstern, als wolle er den Zauber dieses Moments nicht brechen.
Clara lächelte, ein langsames Lächeln, das auf den Lippen begann und sich in den Augen ausbreitete.
— Scheint, als wären wir die einzigen Verrückten hier.
Und dann, ohne dass einer von beiden noch etwas sagte, lud sich die Luft zwischen ihnen mit etwas Elektrischem auf, etwas, das das Herz schneller schlagen und die Hände kribbeln ließ. Lucas machte einen Schritt nach vorne, dann noch einen, bis sie nah genug waren, dass Clara seine Körperwärme spürte, dass sich der Duft von Seife und Kaffee in dem winzigen Raum zwischen ihnen vermischte.
— Brauchst du Hilfe bei irgendwas? — fragte er, die Stimme rau, die Augen auf ihre gerichtet.
Clara hob die Tasse, als wollte sie anstoßen.
— Nur dabei. Aber danke.
Er lachte, ein leises, intimes Geräusch, und für einen Moment dachte sie daran, wie einfach es wäre, die Hand auszustrecken und ihn näher zu ziehen. Wie einfach es wäre zu vergessen, dass sie im Büro waren, dass sie Kollegen waren, dass es Regeln gab.
Doch dann vibrierte Claras Telefon auf der Theke, der Bildschirm leuchtete mit einer E-Mail-Benachrichtigung auf. Sie blickte nach unten, dann zu ihm, und der Moment brach – aber nicht vollständig. Denn jetzt wussten beide.
Etwas hatte begonnen. Und es gab kein Zurück.
Das Büro war in eine so dichte Stille getaucht, dass Clara das ferne Summen der Server hören konnte, wie ein mechanisches Herz, das in langsamem Rhythmus schlug. Sie stand von ihrem Stuhl auf, die Rückenmuskeln protestierten nach Stunden über Tabellen gebeugt, und streckte die Arme über den Kopf, spürte, wie die Seidenbluse über die Haut glitt. Die Klimaanlage blies zu kalt, doch es war ihr egal – der Kontrast zur Hitze, die ihren Nacken hinaufstieg, war fast angenehm.
Die Teeküche lag am Ende des Flurs, eine Oase aus bernsteinfarbenem Licht zwischen den Schatten der leeren Etage. Die Notbeleuchtung warf ein sanftes Glimmen auf die Wände, als würde das Büro selbst dösen. Clara schob die Tür aus Milchglas auf und trat ein, die Absätze ihrer Schuhe hallten leise auf dem Marmorboden. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee vermischte sich mit dem zitronigen Aroma des Desinfektionsmittels, das das Reinigungsteam verwendet hatte – eine seltsam tröstliche Kombination.
Sie näherte sich der Maschine und beobachtete, wie die dunkle Flüssigkeit in die Tasse floss. Der Dampf stieg in trägen Spiralen auf und beschlug für einen Moment ihr eigenes Spiegelbild im polierten Metall. Dann hörte sie Schritte – leicht, fast zögernd – näher kommen.
Lucas blieb in der Tür stehen, eine Hand am Rahmen, die andere hielt einen halb vollen Kaffeebecher. Er trug ein hellblaues Hemd, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, und enthüllte definierte Unterarme und Adern, die sich unter der gebräunten Haut abzeichneten. Die obersten Knöpfe standen offen, als hätte er die Krawatte gelockert und vergessen, sie wieder zu richten. Das dunkle Haar, leicht zerzaust, fiel ihm in die Stirn, und die Augen – grün, intensiv – trafen die ihren im selben Moment.
— Entschuldige — sagte er, die Stimme leise, fast ein Flüstern. — Ich wusste nicht, dass noch jemand hier ist.
Clara lächelte, spürte das Gewicht seines Blickes wie eine Liebkosung. Sie drehte sich ganz zu ihm um und lehnte sich an die Theke.
— Ich wusste auch nicht, dass du hier bist. — Sie neigte den Kopf und musterte ihn. — Ich dachte, die IT-Leute wären schon gegangen.
— Ich hatte ein Problem mit einem der Server. — Er zuckte mit den Schultern, als wäre es etwas Alltägliches. — Kurzfristig. Aber scheint, als wäre ich nicht der Einzige, der arbeitssüchtig ist.
— Oder kaffeesüchtig — scherzte sie und hob die Tasse.
Lucas lachte, und der Klang hallte in dem kleinen Raum wider und füllte den Raum zwischen ihnen. Er machte einen Schritt nach vorne, blieb in sicherer, aber nicht zu weiter Entfernung stehen, sodass Clara seine Körperwärme spüren konnte.
— Darf ich? — Er deutete auf die Maschine.
— Klar. — Sie trat ein Stück zur Seite, gab ihm Platz, aber nicht zu viel. — Ist frisch.
Während er sich bediente, beobachtete Clara ihn aus dem Augenwinkel. Es lag etwas Absichtliches in seinen Bewegungen – die Art, wie seine Finger den Becher hielten, die Weise, wie sich seine Lippen leicht krümmten, während er den heißen Kaffee anblies. Sie ertappte sich dabei, sich vorzustellen, wie es wäre, diese Finger auf ihrer Haut zu spüren, dieselbe Sorgfalt auf etwas viel Intimeres angewandt.
— Bleibst du immer so lange? — fragte er und lehnte sich neben sie an die Theke.
— Nur wenn die Arbeit es verlangt. — Sie nahm einen Schluck und spürte, wie die Flüssigkeit leicht auf der Zunge brannte. — Und du?
— Kommt drauf an. — Er sah sie an, die Augen halb geschlossen. — Manchmal lohnt es sich zu bleiben.
Die Doppeldeutigkeit hing schwer und unvermeidlich in der Luft. Clara spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, doch sie wich seinem Blick nicht aus. Stattdessen lächelte sie langsam und bewusst.
— Und was lohnt sich?
Lucas antwortete nicht sofort. Stattdessen trat er noch einen Schritt näher, gerade genug, dass der Stoff seines Hemdes ihren Arm streifte. Clara hielt den Atem an.
— Die Gesellschaft — murmelte er, die Stimme rau. — Manchmal ist der beste Teil der Arbeit, wen man trifft, wenn alle anderen schon gegangen sind.
Sie lachte, ein leises, zitterndes Geräusch.
— Das ist sehr poetisch für einen IT-Mann.
— Ich habe meine Momente. — Er zwinkerte ihr zu, und die Geste war so natürlich, so voller Versprechungen, dass Clara eine Gänsehaut über den Rücken lief. — Außerdem haben Poesie und Code mehr gemeinsam, als du denkst. Beide erfordern Präzision.
— Und bist du präzise, Lucas?
Er antwortete nicht mit Worten. Stattdessen streckte er die Hand aus, die Finger streiften leicht ihr Handgelenk, wo der Puls beschleunigt schlug. Clara wich nicht zurück. Wollte es nicht.
— Manchmal — sagte er schließlich. — Manchmal bevorzuge ich es zu improvisieren.
Die Berührung war kurz, aber reichte aus, um eine Spur zu hinterlassen. Clara blickte nach unten, dorthin, wo seine Finger gewesen waren, und dann wieder zu ihm. Lucas‘ Augen glänzten im sanften Licht, als würden sie etwas viel Intensiveres reflektieren als die Notbeleuchtung.
— Improvisieren kann gefährlich sein — murmelte sie.
— Oder aufregend.
Die darauffolgende Stille war voller Möglichkeiten. Clara konnte ihr eigenes Herz schlagen hören, einen beschleunigten Rhythmus, der in ihren Ohren widerhallte. Sie wusste, dass sie sich zurückziehen sollte, dass sie den Kaffee beenden und zu ihrem Schreibtisch zurückkehren sollte, zu den Berichten, die noch überprüft werden mussten. Doch ihr Körper gehorchte nicht. Stattdessen trat sie noch einen Schritt näher, bis sein Duft – diese Mischung aus Seife, Kaffee und etwas Männlichem, Heißem – ihre Sinne erfüllte.
— Flirtest du immer so mit Kolleginnen? — fragte sie, die Stimme fast ein Flüstern.
— Nur mit denen, die lange bleiben. — Er lächelte, und in diesem Lächeln lag etwas Raubtierhaftes, etwas, das Claras Magen zusammenzog. — Und nur mit denen, die mich so ansehen, wie du es jetzt tust.
Sie hätte lachen sollen. Hätte etwas Geistreiches sagen sollen, etwas, das die Spannung lockerte. Doch die Worte blieben ihr im Hals stecken. Stattdessen neigte sie sich leicht nach vorne, als würde sie von einer unsichtbaren Kraft angezogen.
Lucas rührte sich nicht. Er beobachtete sie nur, die grünen Augen verdunkelten sich, während sie sich näherte. Als ihre Lippen nur noch Zentimeter voneinander entfernt waren, sprach er schließlich, die Stimme so leise, dass sie ihn kaum hörte:
— Clara…
Ihr Name aus seinem Mund war wie ein Auslöser. Sie schloss für einen Moment die Augen, spürte seinen warmen Atem auf der Haut, und dann—
Lucas‘ Telefon vibrierte in seiner Tasche, ein schrilles Summen, das den Moment wie ein Messer durchschnitt. Beide fuhren abrupt zurück, als wären sie auf frischer Tat ertappt worden. Clara legte die Hand auf die Brust und spürte, wie ihr Herz gegen die Rippen hämmerte.
Lucas zog das Gerät aus der Tasche und runzelte die Stirn, als er den Bildschirm sah.
— Verdammt — murmelte er. — Es ist der Chef.
Clara nickte und versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Sie trank einen Schluck Kaffee, doch die Flüssigkeit war nun kalt und fade.
— Geh lieber ran — sagte sie, die Stimme fester, als sie sich fühlte.
Er zögerte einen Moment, die Augen noch auf sie gerichtet, als überlegte er, ob es sich lohnte, den Anruf zu ignorieren. Doch dann seufzte er und nahm ab.
— Hallo?
Clara nutzte den Moment, um sich zu sammeln. Sie strich den Rock glatt, richtete die Bluse und tat so, als wäre sie nicht berührt. Doch innerlich vibrierte jede Zelle ihres Körpers noch von seiner Nähe, von dem *Fast*, das zwischen ihnen geschwebt hatte.
Lucas legte auf, der Gesichtsausdruck ernst.
— Ich muss das jetzt klären. — Er sah sie an, und in seinen Augen lag eine Entschuldigung. — Aber… wir reden später?
Clara lächelte, doch es war ein kleines, fast trauriges Lächeln.
— Klar.
Er zögerte noch einen Augenblick, als wollte er noch etwas sagen. Doch dann, mit einem letzten Blick voller unausgesprochener Versprechungen, drehte er sich um und verließ die Teeküche.
Clara blieb stehen und hörte, wie seine Schritte im Flur verhallten. Als die Stille sie wieder umfing, atmete sie langsam aus und spürte, wie ihr Körper noch immer kribbelte.
Sie wusste, dass sie sich jetzt nicht auf die Berichte konzentrieren konnte. Nicht nach dem, was gerade passiert war.
Und zum ersten Mal in dieser Nacht war es ihr egal.
Clara stieß die Tür der Teeküche fester auf als beabsichtigt, das Glas zitterte leicht im Rahmen. Das Geräusch hallte durch den leeren Flur, eine Erinnerung daran, dass sie allein waren, zwischen dem bereits beendeten Arbeitstag und der Nacht, die noch nicht richtig begonnen hatte. Sie brauchte Kaffee – oder etwas, das sie von dem Kribbeln in ihren Händen ablenkte, von der Erinnerung an seine Finger, die ihre berührt hatten, als sie denselben Becher früher am Abend genommen hatten. Doch als sie eintrat, stand Lucas bereits da, lehnte an der kühlen Granittheke, die Arme vor der Brust verschränkt. Das gelbliche Licht der Notbeleuchtung zeichnete Schatten unter seine Wangenknochen und betonte die Falte zwischen seinen Augenbrauen, als er sie sah.
— Noch wach? — Seine Stimme war leise, fast ein Murmeln, als fürchte er, die Stille des Büros zu brechen.
Clara lächelte und stützte sich an der gegenüberliegenden Theke ab. Der kalte Marmor unter ihren Handflächen ließ sie spüren, wie heiß sie war, als hätte sich ihr ganzer Körper in einen blanken Draht verwandelt.
— Und du? — Sie neigte den Kopf und musterte ihn. — Nicht jeder Praktikant bietet sich an, bis spät in die Nacht Serverprobleme zu lösen.
Lucas zuckte mit den Schultern, doch seine Augen ließen sie nicht los. — Serverprobleme sind interessanter, als sie scheinen. — Eine Pause. — Vor allem, wenn sie… unerwartete Verbindungen haben.
Sie lachte, der Klang hallte lauter als beabsichtigt von den gefliesten Wänden wider. Das Büro verstärkte alles: das Klirren des Löffels gegen die Tasse, das Rascheln seines Hemdes, als er sich bewegte, sogar ihren eigenen Herzschlag, der ihr in den Ohren zu pochen schien. Clara biss sich auf die Lippe und spielte mit dem Henkel ihrer Tasche, die sie noch über der Schulter trug.
— Verbindungen? — wiederholte sie und tat unschuldig. — Sprichst du von Netzwerkkabeln oder etwas… Persönlicherem?
Er antwortete nicht sofort. Stattdessen trat er einen Schritt näher und verringerte die Distanz zwischen ihnen. Sein Duft erreichte sie zuerst – eine Mischung aus neutraler Seife und etwas Wärmerem, wie Leder und frisch gebrühtem Kaffee. Clara hielt den Atem an, als er die Hand ausstreckte, nicht um sie zu berühren, sondern um die Tasse zu nehmen, die sie hielt. Seine Finger streiften ihre, absichtlich langsam, und sie spürte, wie die Hitze ihren Arm hinaufschoss und ihr den Nacken verbrannte.
— Kommt drauf an — murmelte er und trat noch näher. — Bist du der Typ, der stabile Verbindungen mag, oder testest du lieber die Geschwindigkeit, bevor du dich festlegst?
Sie unterdrückte ein ersticktes Lachen, doch ihr Körper verriet die Belustigung. Die Brustwarzen richteten sich unter dem dünnen Stoff ihrer Bluse auf, und sie musste die Arme verschränken, um es zu verbergen. Es half nichts. Lucas bemerkte es – sein Blick glitt für eine Sekunde nach unten, zu schnell, um beiläufig zu sein, bevor er wieder zu ihrem Gesicht zurückkehrte.
— Geschwindigkeit ist wichtig — gab Clara zu, die Stimme etwas rau. — Aber Stabilität auch. Niemand will eine Verbindung, die mitten im Prozess abbricht.
— Stimmt. — Er lächelte langsam und gefährlich. — Und wenn ich dir sagen würde, dass ich eine unfehlbare Methode habe, um Abbrüche zu vermeiden?
Sie hob eine Augenbraue. — Methode?
— Mhm. — Er beugte sich vor und stützte die Hände auf die Theke, eine auf jeder Seite ihres Körpers. Clara wich nicht zurück. Seine Hitze umfing sie, dicht, fast greifbar. — Sie beinhaltet strenge Tests. Wiederholungen. Und… viel Geduld.
Die Luft zwischen ihnen schien sich zu verdichten. Clara spürte seinen Atem, heiß gegen ihren eigenen Mund, und für einen Moment dachte sie daran, die Augen zu schließen und nachzugeben. Doch dann, als würde sie sich daran erinnern, wo sie waren, wich sie einen Zentimeter zurück – gerade genug, um zu verhindern, dass die Spannung sie ganz verschlang.
— Geduld ist eine Tugend — sagte sie und versuchte, fest zu klingen. — Aber ich bin nicht sehr tugendhaft.
Lucas lachte, ein tiefer, rauer Klang, der in seiner Brust vibrierte. — Ich auch nicht.
Die Stille kehrte zurück, schwer. Clara blickte zur Uhr an der Wand – elf Uhr siebenundvierzig. Das Büro war so still, dass sie das ferne Summen der Klimaanlage hören konnte, das Knacken eines Rohrs irgendwo. Es war, als würde das ganze Gebäude den Atem anhalten und warten.
— Weißt du — begann sie und spielte wieder mit dem Henkel ihrer Tasche —, dass die Unternehmensrichtlinien… nicht autorisierte Verbindungen verbieten?
— Verbieten? — Er tat überrascht. — Wusste ich nicht. Aber technisch gesehen sind wir außerhalb der Arbeitszeit. — Seine Finger streiften ihr Handgelenk, leicht wie eine Feder. — Und ich sehe keinen Vorgesetzten in der Nähe, der uns verraten könnte.
Clara schluckte. Die Haut, wo er sie berührt hatte, brannte, als wäre sie gezeichnet. Sie wusste, dass sie zurückweichen sollte, dass sie mit dem Feuer spielten. Doch das leere Büro, die Nacht draußen, die Art, wie er sie ansah – als wäre sie das Einzige Interessante in einem Meer aus Tabellen und Code – ließ jede Zelle ihres Körpers nach mehr schreien.
— Und wenn jemand es herausfindet? — fragte sie, doch ihre Stimme klang schwach, ohne Überzeugung.
Lucas trat noch näher, bis seine Knie ihre streiften. Clara spürte die Hitze, die von seinem Körper ausging, die Festigkeit der Muskeln unter dem Businesshemd. Er neigte den Kopf, seine Lippen berührten fast ihr Ohr, als er flüsterte:
— Dann streiten wir es ab. — Seine Zunge streifte ihr Ohrläppchen, schnell, elektrisierend. — Vor allem, weil… — Er wich gerade so weit zurück, um ihr in die Augen zu sehen. — Niemand glauben würde, dass Clara Santos, die perfekte Analystin, gegen die Regeln verstößt.
Sie hätte lachen sollen. Hätte ihn wegschieben, sich an die Berichte auf ihrem Schreibtisch erinnern, an ihre Karriere, an den gesunden Menschenverstand. Doch stattdessen hob sie die Hand und ließ die Finger über seine Brust gleiten, spürte den beschleunigten Herzschlag unter dem Stoff.
— Und Lucas, der Musterschüler? — neckte sie, die Stimme ein seidener Faden. — Ist er auch bereit, das Risiko einzugehen?
Er ergriff ihre Hand und verschränkte seine Finger mit ihren. Die Berührung war fest, besitzergreifend. — Ich habe schon riskiert, nur indem ich hier mit dir gesprochen habe. — Seine Lippen streiften ihre, ohne zu küssen. Nur eine Warnung. — Was ist schon ein Risiko mehr?
Clara spürte, wie ihr ganzer Körper zitterte. Es war keine Angst. Es war Vorfreude – die Art von Angst, die brennt, die einen dazu bringt, von einer Klippe springen zu wollen, nur um zu sehen, ob man fliegt.
— Du hast recht — murmelte sie und drehte das Gesicht, sodass seine Lippen ihre Wange streiften. — Vielleicht sollten wir… diese Verbindung testen.
Lucas lächelte gegen ihre Haut, und Clara spürte, wie ein Schauer ihren Rücken hinablief.
— Serverraum — sagte er, die Stimme rau. — Da gibt es etwas, das ich dir zeigen möchte.
Sie hätte nein sagen sollen. Hätte sich daran erinnern sollen, dass sie bei der Arbeit waren, dass es Kameras gab, dass jederzeit jemand auftauchen konnte. Doch als er sich zurückzog und ihr die Hand reichte, ergriff Clara sie ohne zu zögern.
Und als sie die Teeküche verließen, die leisen Schritte im Flur wie ein Herzschlag widerhallend, wusste sie, dass es kein Zurück mehr gab.
Der Flur wirkte enger, als Clara ihn in Erinnerung hatte, die weißen Gipswände reflektierten das bläuliche Licht der Notbeleuchtung, als wären sie in Wasser getaucht. Jeder Schritt hallte gedämpft vom grauen Teppich wider, doch das Geräusch ihrer Absätze und seiner Turnschuhe vermischte sich zu einem eigenen Rhythmus, einem beschleunigten Puls, der nicht nur vom Herzen kam. Lucas hielt ihre Hand noch immer fest, die Finger verschränkt mit einer Entschlossenheit, die keinen Zweifel ließ: Er würde sie nicht loslassen. Weder jetzt noch später.
— Bist du sicher, dass hier keine Kameras sind? — fragte sie, die Stimme leise, fast vom Summen der Lüftung verschluckt. Es war keine Angst, genau genommen, sondern eine Vorsicht, die sich mit jeder Sekunde auflöste und durch etwas Heißeres, Dringenderes ersetzt wurde.
Lucas blickte zurück, die dunklen Augen funkelten im kalten Licht. — Die sind alle für Wartungsarbeiten ausgeschaltet. — Er drückte ihre Hand. — Vertraust du mir?
Clara hätte lachen sollen. Ihm vertrauen? Nach einer halben Stunde Gespräch in der Teeküche, nach einem Flirt, der schon an Dreistigkeit grenzte, nach dem Gefühl seines Atems so nah, dass sie den bitteren Kaffee auf seinen Lippen fast schmecken konnte? Doch die Frage ging nicht um Vertrauen. Es ging um Verlangen. Und sie hatte den Punkt ohne Wiederkehr bereits überschritten.
— Nein — antwortete sie ehrlich. — Aber ich gehe trotzdem mit.
Das Lächeln, das er ihr schenkte, war langsam, räuberisch, als wüsste er genau, was diese Worte bedeuteten. Sie bogen um die Ecke und gingen an den leeren Arbeitsplätzen vorbei, an denen tagsüber Dutzende Menschen tippten, Anrufe entgegennahmen und vorgaben, nicht zu bemerken, wenn jemand zu lange hinsah. Jetzt waren die Monitore ausgeschaltet, die Stühle leer, und die Stille war so dicht, dass Clara ihr eigenes Blut in den Ohren pochen hören konnte.
Der Serverraum lag am Ende des Flurs, eine schwere Metalltür mit einem roten Schild: *ZUTRITT VERBOTEN*. Lucas tippte den Code in das Zahlenfeld ein, und der Mechanismus entriegelte sich mit einem trockenen Klicken. Als er die Tür aufdrückte, umfing sie ein Schwall kalter Luft, die den metallischen Geruch elektronischer Geräte und etwas anderes mit sich trug – den sauberen Duft der Seife, die er benutzte, vermischt mit dem leichten Schweiß, der bereits den Kragen seines Hemdes benetzte.
Clara betrat den Raum zuerst, ihre Augen gewöhnten sich an das Halbdunkel. Der Raum war kleiner, als sie gedacht hatte, ein enger Raum voller schwarzer Racks, die leise summten wie schlafende Bienenstöcke. Blaue und grüne Lichter blinkten in unregelmäßigen Abständen und warfen tanzende Schatten an die Wände. In der Mitte stand ein schmaler Tisch mit einem ausgeschalteten Monitor und einer unbenutzten Tastatur. Und daneben ein freier Platz – gerade groß genug für zwei Körper, die sich aneinanderfügten.
— Du hast gesagt, du hast etwas, das du mir zeigen willst — murmelte sie und drehte sich zu ihm um.
Lucas schloss die Tür hinter sich, und das Geräusch des Schlosses hallte wie ein Schuss. — Habe ich. — Er trat einen Schritt näher und verringerte die Distanz zwischen ihnen. — Aber nicht auf dem Bildschirm.
Clara spürte die Kälte der Klimaanlage auf der Haut, doch das war nicht der Grund, warum sie zitterte. Es war die Art, wie er sie ansah, als würde er sich bereits jede Kurve, jede Reaktion vorstellen. Sie verschränkte die Arme, nicht aus Abwehr, sondern um das Zittern zu unterdrücken, das sich über die Schultern, die Brüste, bis in den Unterleib ausbreitete.
— Und was ist es dann? — neckte sie. — Ein Bug im System?
Er lachte, ein rauer Klang, der in dem engen Raum widerhallte. — So etwas in der Art. — Er trat noch einen Schritt näher, jetzt so nah, dass sie die kleinen Sommersprossen auf seiner Nase sehen konnte, die feinen Linien um seine Augen, wenn er lächelte. — Ein Problem, das nur auftritt, wenn zwei Menschen… sich verbinden.
— Und du denkst, wir haben diese Verbindung?
— Ich denke nicht. Ich bin mir sicher. — Seine Hand hob sich, die Finger streiften ihren Arm und hinterließen eine Spur von Wärme selbst durch den Stoff ihrer Bluse. — Du spürst das auch, oder? Diesen… Kurzschluss.
Clara antwortete nicht. Musste sie nicht. Die Art, wie ihr Atem kürzer wurde, wie sich ihre Brustwarzen bereits unter dem BH spannten, wie sich die Hitze zwischen ihren Beinen sammelte – all das war Antwort genug.
Lucas bemerkte es. Natürlich bemerkte er es. Seine Augen glitten nach unten, verweilten dort, wo sie nicht sollten, und als er sie wieder ansah, lag etwas Hungriges in seinem Blick.
— Darf ich dir etwas zeigen? — fragte er, die Stimme jetzt noch leiser, fast ein Flüstern.
— Kommt drauf an. — Sie befeuchtete die Lippen und spürte den salzigen Geschmack ihrer eigenen Erregung. — Wirst du mich berühren?
Er antwortete nicht mit Worten. Stattdessen ergriff er ihr Handgelenk und führte ihre Hand zu seiner Brust, drückte sie gegen sein Herz. Der Rhythmus war schnell, unregelmäßig, als stünde auch er kurz davor, die Kontrolle zu verlieren.
— Spürst du das? — murmelte er. — Das ist es, was du mit mir machst. — Seine Finger glitten ihren Arm hinauf, über die Schulter, den Hals, blieben im Nacken. — Und das… — Er zog sie sanft näher, bis sich ihre Körper berührten, Hüfte an Hüfte, Brust an Brust — … ist das, was ich mit dir machen will.
Clara schloss für einen Moment die Augen und spürte seine Hitze, die Härte, die sich gegen ihren Bauch presste. Als sie sie wieder öffnete, trafen ihre Blicke auf Lucas‘ dunkle, geweitete Augen, voller eines Versprechens, dem sie keine Kraft mehr hatte zu widerstehen.
— Dann mach es — sagte sie, die Stimme fast ein Stöhnen.
Er brauchte keine weitere Aufforderung.
Lucas‘ Hände glitten zu ihrer Taille, zogen sie mit einem Ruck an sich, und dann waren seine Lippen auf ihren, heiß, fordernd, der Kuss tief von der ersten Sekunde an. Clara stöhnte gegen seine Lippen, die Hände fuhren in seine Haare und zogen ihn näher, als könnte sie ihre Körper hier und jetzt verschmelzen. Sein Geschmack war nach Kaffee und etwas Süßem, vielleicht dem Kaugummi, den er früher gekaut hatte, und sie konnte nicht genug davon bekommen.
Er drängte sie gegen den Tisch, das kalte Metall kontrastierte mit der Hitze ihrer Körper. Seine Hände erkundeten gierig, glitten über ihren Rücken, drückten ihr Gesäß, zogen sie näher, damit sie jeden Zentimeter seiner Erektion spürte, die sich gegen den Reißverschluss seiner Hose presste. Clara bog sich ihm entgegen, die Hüften bewegten sich instinktiv, suchten Erleichterung für den Druck, der zwischen ihren Beinen wuchs.
— Verdammt, Clara… — murmelte er gegen ihren Mund, die Zähne streiften ihre Unterlippe. — Du hast keine Ahnung, was ich mit dir machen will.
— Dann zeig es mir — forderte sie heraus, die Stimme rau.
Lucas zögerte nicht. Eine Hand glitt ihren Oberschenkel hinauf, schob den Bleistiftrock bis zur Taille hoch, die Finger fanden den feuchten Spitzenstoff ihres Slips. Er stöhnte, als er die Hitze spürte, die zarte Feuchtigkeit gegen die Haut.
— Scheiße… — flüsterte er, die Finger glitten unter den Spitzenstoff und fanden die geschwollene Klitoris. Clara bog sich mit einem Stöhnen, die Nägel gruben sich in seine Schultern.
— Das… — keuchte sie. — Hör nicht auf.
Er hörte nicht auf. Seine Finger arbeiteten mit grausamer Präzision, kreisten, drückten, während seine andere Hand seinen eigenen Gürtel öffnete und ihn mit schnellen Bewegungen löste. Clara spürte, wie der Stoff seiner Hose nach unten gezogen wurde, die Unterhose nachgab, und dann war seine heiße, harte Haut gegen ihren Oberschenkel gepresst, pulsierte.
— Schau nur, was du mit mir machst — murmelte er, ergriff ihre Hand und führte sie zu seinem steifen Glied. Clara umschloss es mit den Fingern, spürte das Pochen, die samtige Textur der Haut, die sich über die Härte spannte. Er stöhnte, der Kopf fiel für einen Moment zurück, bevor er sie mit noch mehr Hunger küsste.
— Ich will dich — gestand sie, die Worte zwischen Küssen. — Jetzt.
Lucas brauchte es nicht zweimal gesagt zu bekommen. Mit einer schnellen Bewegung hob er sie hoch, setzte sie auf die Tischkante, ihre Beine öffneten sich automatisch, um ihn aufzunehmen. Er zog den Slip zur Seite, die Finger kehrten zurück, erkundeten sie nun tiefer, drangen mit einer langsamen Bewegung in sie ein, die Clara laut stöhnen ließ, der Klang hallte in dem kleinen Raum wider.
— So nass… — murmelte er, die Finger drangen ein und aus, bereiteten sie vor. — So bereit.
Clara krallte sich an seinen Schultern fest, die Nägel hinterließen Spuren auf seiner Haut durch das Hemd. — Hör auf zu spielen.
Er lachte, ein dunkler, zufriedener Klang. — Geduld, Analystin. — Doch dann zog er die Finger zurück, ließ sie für einen Moment leer, der sich wie eine Ewigkeit anfühlte, bevor er sich zwischen ihren Beinen positionierte. Clara spürte die breite Spitze gegen ihren Eingang drücken, und dann, mit einer festen Bewegung, füllte er sie aus.
Sie stöhnte, zu laut, der Klang erstickte an seiner Schulter, während er sich bis zum Anschlag in sie schob. Für einen Moment bewegte sich keiner von beiden, spürten nur – die Hitze, den Druck, die Art, wie sich ihre Körper anfühlten, als wären sie füreinander gemacht.
— Verdammt… — Lucas atmete tief ein, die Arme zitterten, während er sich festhielt. — Du bist so eng…
Clara konnte nicht antworten. Stattdessen schlang sie die Beine um seine Taille und zog ihn tiefer, und dann begann er sich zu bewegen.
Die ersten Bewegungen waren langsam, kontrolliert, als wollte er jede Empfindung verlängern. Doch Clara wollte nicht langsam. Sie grub die Fersen in seinen Rücken und trieb ihn an, schneller, tiefer zu gehen, und Lucas gab mit einem rauen Stöhnen nach.
Der Tisch ächzte unter ihnen, das metallische Geräusch vermischte sich mit den erstickten Stöhnen, dem feuchten Klang ihrer sich vereinigenden Körper. Clara spürte jeden Stoß wie einen elektrischen Schlag, das Vergnügen baute sich in Wellen auf, die sie zu brechen drohten. Lucas‘ Hände waren überall – an ihren Brüsten, drückten die Brustwarzen durch die Bluse, an ihrer Taille, zogen sie bei jeder Bewegung an sich, im Nacken, hielten sie fest, während er sie mit einem Hunger küsste, der an Gewalt grenzte.
— Ich komme gleich — brachte sie hervor, die Stimme gebrochen. — Lucas, ich…
— Komm für mich — befahl er, die Stimme rau. — Ich will spüren, wie du meinen Schwanz umklammerst.
Die Worte reichten. Clara bog sich, der Orgasmus explodierte in einem Schauer aus Lust, der sie atemlos zurückließ, die inneren Muskeln zogen sich um ihn zusammen, während sie schrie, der Klang erstickte an seiner Schulter. Lucas stöhnte, die Bewegungen wurden schneller, unkontrollierter, bis auch er mit einem rauen Grunzen kam, sich tief in sie grub und sie festhielt, während sein Körper bebte.
Für einen Moment gab es nur das Geräusch ihrer keuchenden Atemzüge, das Summen der Server, Claras Herz, das so stark schlug, dass sie sicher war, er könnte es spüren.
Dann, langsam, zog sich Lucas zurück und verließ sie mit einer vorsichtigen Bewegung. Clara erschauderte bei dem Gefühl der Leere, doch bevor sie etwas sagen konnte, zog er sie in einen sanften, fast ehrfürchtigen Kuss.
— Das war… — begann sie, doch sie konnte nicht weitersprechen.
— Besser, als ich es mir vorgestellt habe — beendete er den Satz, die Stimme noch rau. — Und ich habe mir viel vorgestellt.
Clara lachte, ein leises, fast ungläubiges Geräusch. Doch dann hörte sie es – ein Geräusch im Flur. Schritte. Gedämpfte Stimmen.
— Scheiße — murmelte Lucas, die Augen weiteten sich. — Das Reinigungsteam.
Clara sprang vom Tisch, die Beine zitterten, und begann hastig, ihre Kleidung zu richten. Lucas tat dasselbe, zog den Reißverschluss seiner Hose hoch und strich das zerknitterte Hemd glatt.
— Hier lang — sagte er und zog sie zur anderen Seite des Raumes, wo eine schmale Tür zu einem Geräteschrank führte. Sie quetschten sich hinein, die Körper noch heiß, die Gerüche vermischt – Sex, Schweiß, ihr zitroniges Parfüm und seine Seife.
Draußen wurden die Stimmen lauter.
— Jemand hat das Licht in der Teeküche angelassen — sagte eine Frau.
— Das muss die IT-Abteilung gewesen sein — antwortete ein Mann. — Die vergessen immer alles.
Die Schritte entfernten sich, doch Clara und Lucas rührten sich nicht. Sie standen so nah beieinander, dass sie den Atem des anderen spüren konnten, die Hitze ihrer Körper noch pulsierte.
— Das war… — flüsterte Clara atemlos.
— Nur der Anfang — beendete Lucas den Satz und strich mit den Lippen über ihr Ohr.
Und dann öffnete sich draußen die Tür zum Serverraum.
Die Luft im Serverraum war schwer, erfüllt vom leisen Summen der Server und dem metallischen Geruch der Klimaanlage, die gegen die Hitze ankämpfte, die zwischen ihnen aufstieg. Clara spürte die Kälte der Betonwand im Rücken, noch bevor Lucas sie dagegen drückte, doch der Kontrast ließ ihre Haut nur noch mehr brennen. Er sagte nichts – musste er nicht. Seine Augen, dunkel im bläulichen Licht der LEDs, hatten in der Teeküche, in den gestohlenen Blicken, in den geflüsterten Worten zwischen Deadline und instabiler Verbindung bereits alles gesagt.
— Weißt du, wie sehr ich das wollte? — Seine Stimme war rau, fast ein Knurren, während eine Hand über ihre Taille glitt und sie an seinen festen Körper zog. Clara bog sich ihm entgegen, die Finger gruben sich in seine breiten Schultern und spürten den dünnen Stoff seines Hemdes unter den Nägeln. Der zitronige Duft ihres Parfüms vermischte sich mit dem Geruch von Seife und männlichem Schweiß, ein Aroma, das sie beißen, lecken, verschlingen lassen wollte.
— Seit wann? — neckte sie, die Lippen streiften seinen Hals und spürten den beschleunigten Puls unter der Haut. — Seit dem ersten Mal, als ich Kaffee über den Tisch gekippt habe?
Lucas lachte leise, ein Klang, der gegen ihre Brust vibrierte.
— Seit dem ersten Mal, als du mich angesehen hast, als wolltest du mich Stück für Stück auseinandernehmen. — Seine Hände glitten nach oben, die Daumen streiften die Unterseite ihrer Brüste durch die Bluse und testeten, provozierten. — Und jetzt, Clara? Willst du mich immer noch auseinandernehmen?
Sie antwortete nicht mit Worten. Stattdessen zog sie seinen Kopf nach unten und fing seinen Mund in einem Kuss ein, der nichts Schüchternes hatte. Es war purer Hunger, Zähne, die aufeinandertrafen, Zungen, die sich umschlangen, der Geschmack von Kaffee und Minze vermischte sich, während er sie gegen die Wand drückte. Clara stöhnte gegen seine Lippen, das Geräusch wurde vom Summen der Server verschluckt, doch laut genug, um Lucas erschaudern zu lassen.
— Verdammt — murmelte er, zog sich gerade so weit zurück, um ihre Bluse nach oben zu ziehen und die heiße Haut sowie die Brüste, die vom schwarzen Spitzen-BH gehalten wurden, freizulegen. — Du bist so verdammt schön.
Clara hatte keine Zeit zu antworten. Seine Lippen waren bereits im Tal zwischen ihren Brüsten, die heiße Zunge zeichnete träge Kreise, während seine Hände den BH mit einer Dringlichkeit öffneten, die sie zum Lachen brachte – bis er einen der Träger nach unten schob, eine harte Brustwarze befreite und sie in den Mund nahm. Die feuchte Hitze, der sanfte Sog, der Druck seiner Zähne – sie warf den Kopf zurück, die Finger vergruben sich in seinen Haaren und zogen ihn näher.
— Lucas… — Sein Name kam als gebrochenes Flüstern, und er antwortete mit einem Grunzen, die freie Hand glitt nach unten, über den Bleistiftrock, den sie trug, drückte ihren Oberschenkel und zog ihn nach oben, bis sie seine Taille umschloss. Der dünne Stoff seiner Hose streifte gegen den Spitzenstoff ihres Slips, und Clara stieß ein scharfes Stöhnen aus, die Hüften bewegten sich instinktiv und suchten nach mehr Reibung.
— Langsam — murmelte er gegen ihre Brust, die Zähne streiften leicht. — Ich will dich erst so kommen spüren.
Sie hatte keine Wahl. Seine Hände waren gnadenlos, eine hielt sie im Nacken, während die andere in ihren Slip glitt und sie bereits feucht und glitschig vorfand. Clara biss sich auf die Lippe, um einen Schrei zu unterdrücken, als er sie berührte, langsame, quälende Kreise, die sie zum Zittern brachten.
— So geil — flüsterte er, die Stimme rau. — So bereit.
— Nicht… auf… — Sie wusste nicht, ob sie ihn bat aufzuhören oder weiterzumachen, doch ihr Körper wusste es. Ihre Beine zitterten, die inneren Muskeln zogen sich um seine Finger zusammen, und als er zwei in sie schob und sie im richtigen Winkel krümmte, konnte Clara sich nicht mehr zurückhalten. Der Orgasmus traf sie wie eine Welle, ihr Körper bog sich gegen die Wand, die erstickten Stöhnen an seiner Schulter, während er sie festhielt und die Finger weiter in ihr arbeitete, das Vergnügen verlängerte, bis sie keuchend und mit schwachen Knien dastand.
— Das — murmelte er und küsste ihren Hals, die Lippen heiß auf der verschwitzten Haut. — Das ist erst der Anfang.
Clara hatte kaum Zeit, zu Atem zu kommen, bevor er sie umdrehte und mit dem Rücken gegen die kalte Wand drückte. Seine Hände glitten über ihre Hüften, zogen den Rock nach oben und entblößten den bereits feuchten Spitzenslip. Sie hörte, wie sein Reißverschluss geöffnet wurde, spürte die Hitze seines Körpers an ihrem Rücken, und dann—
— Lucas, warte—
Er hielt inne, der Atem schwer an ihrem Ohr.
— Was?
— Kondom — brachte sie hervor, die Stimme rau. — Hast du eins?
Eine Pause. Eine Sekunde der Anspannung. Dann lachte er, tief und dunkel.
— In der Brieftasche. Aber ich weiß nicht, ob ich mich jetzt noch von dir lösen kann.
— Dann löse dich nicht — murmelte sie und drehte das Gesicht, um in seine Unterlippe zu beißen. — Nur… schnell.
Er brauchte keine weitere Aufforderung. Innerhalb von Sekunden war die Brieftasche geöffnet, die Verpackung aufgerissen, und Clara spürte die Spitze seines Schwanzes an ihrem Eingang, heiß und hart. Sie biss sich auf die Lippe, die Finger gruben sich in die Wand, während er sie langsam, Zentimeter für Zentimeter, ausfüllte, bis er ganz in ihr war.
— Scheiße — knurrte er, die Hüften gegen ihr Gesäß gepresst. — Du bist so eng.
Clara antwortete nicht. Konnte es nicht. Das Vergnügen war zu intensiv, das Gefühl, von ihm ausgefüllt zu sein, der Kontrast zwischen der Kälte der Wand und der Hitze seines Körpers hinter ihr. Als er sich zu bewegen begann, stöhnte sie, die Hüften drängten sich ihm entgegen und suchten nach mehr Tiefe.
— So? — fragte er, die Stimme rau, die Hände hielten ihre Hüften fest. — Gefällt dir das so?
— Fester — brachte sie hervor, und er gehorchte.
Seine Bewegungen wurden schneller, brutaler, ihre Körper schlugen mit einem feuchten, rhythmischen Geräusch gegeneinander, das sich mit dem Summen der Server vermischte. Clara spürte jeden Stoß wie einen elektrischen Schlag, das Vergnügen sammelte sich in ihrem Bauch, die Beine zitterten, während er sie gegen die Wand fickte. Eine seiner Hände glitt nach vorne, die Finger fanden ihre Klitoris, und sie wusste, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde.
— Komm für mich — befahl er, die Zähne streiften ihr Ohrläppchen. — Komm auf meinem Schwanz, Clara.
Sie hatte keine Wahl. Der Orgasmus traf sie mit voller Wucht, ihr ganzer Körper zog sich zusammen, die inneren Muskeln umklammerten ihn, während er sich weiter bewegte und das Vergnügen verlängerte, bis sie keuchend und mit erstickten Stöhnen gegen seinen Arm gelehnt dastand. Er hörte nicht auf. Verlangsamte nicht. Seine Hand drückte ihre Hüfte fester, die Bewegungen wurden kürzer, dringlicher, bis er stöhnte, der Körper hinter ihr sich anspannte, während er kam.
Für einen Moment gab es kein Geräusch außer ihren keuchenden Atemzügen und dem Summen der Server. Dann, langsam, zog sich Lucas zurück und zog sie an sich, die Arme umschlossen sie von hinten, während beide zu Atem kamen.
— Das — murmelte er und küsste ihre Schulter — war besser, als ich es mir vorgestellt habe.
Clara lachte schwach und drehte sich zu ihm um. Seine Lippen waren geschwollen, die Haare zerzaust, und in seinen Augen lag etwas, das ihr einen Schauer über den Rücken jagte.
— Und jetzt? — fragte sie und ließ die Finger über seine Brust gleiten, spürte das noch immer beschleunigte Herz.
Bevor er antworten konnte, hallte ein Geräusch durch den Flur.
Schritte.
Und dann eine Stimme.
— Jemand hat das Licht in der Teeküche angelassen.
Die Stimme der Reinigungskraft durchschnitt die Luft wie eine Klinge, dünn und unerwartet. Clara spürte, wie Lucas‘ Körper sich gegen ihren versteifte, die Muskeln spannten sich unter ihren Fingern, die noch auf seiner Brust lagen. Das Geräusch der Schritte näherte sich, rhythmisch, begleitet vom Klirren von Schlüsseln und dem Rollen eines Putzwagens. Das Büro, zuvor ein Refugium aus Schatten und Seufzern, wirkte nun wie eine Falle, die sich zu schließen drohte.
— Scheiße — murmelte Lucas, die Stimme rau, während er sich von ihr löste. Seine Finger glitten über ihre Taille, als wollten sie sie nicht loslassen, doch die Dringlichkeit siegte. Er bückte sich, um das auf dem Boden liegende Hemd aufzuheben, die Muskeln seines Rückens spannten sich unter der noch feuchten Haut. Der Stoff klebte leicht an seinem Körper, und er fluchte leise, als er versuchte, es hastig anzuziehen.
Clara rührte sich nicht sofort. Für einen Moment blieb sie an die kalte Wand des Serverraums gelehnt stehen, die Lippen leicht geöffnet, sein Geschmack noch in ihrem Mund. Die Klimaanlage blies gegen ihre nackte Haut und ließ eine Gänsehaut entstehen, die nicht mehr nur von Lust, sondern auch von Adrenalin herrührte. Sie beobachtete, wie Lucas sich anzog, die schnellen, fast hektischen Bewegungen, und etwas in ihr zog sich zusammen. Es war kein Bedauern. Es war etwas Gefährlicheres: das Bewusstsein, dass es nun kein Zurück mehr gab.
— Clara — rief er und streckte ihr die Hand entgegen. Seine Augen, zuvor dunkel vor Verlangen, funkelten nun mit einer anderen Intensität, fast verzweifelt. — Wir müssen hier raus.
Sie nickte, griff aber nicht nach seiner Hand. Stattdessen bückte sie sich, um ihre eigene Bluse aufzuheben, spürte, wie der dünne Stoff an ihren noch empfindlichen Brüsten klebte. Jede Bewegung war eine Erinnerung: seine Finger, die ihre Hüften umklammerten, sein heißer Mund an ihrem Hals, das erstickte Stöhnen gegen die Wand. Sie biss sich auf die Unterlippe, um ein Lächeln zu unterdrücken, das sich Bahn brechen wollte. *Das ist wirklich passiert.*
Lucas beobachtete sie, die Augen glitten über ihren Körper mit einem Hunger, der nicht nachgelassen hatte. Als sie sich schließlich aufrichtete, bereits halb angezogen, trat er einen Schritt näher und hielt ihr Gesicht zwischen den Händen, neigte sich zu einem schnellen, wilden Kuss. Es war eine kurze Berührung, doch voller all dessen, was sie nicht laut aussprechen konnten.
— Später — flüsterte er gegen ihre Lippen, der Atem heiß. — Wir reden später.
Clara nickte erneut, doch sie antwortete nicht. Es gab keine Worte, die das erfassen konnten, was sie in diesem Moment fühlte: eine Mischung aus Euphorie, Angst und einer gierigen Neugier auf das, was als Nächstes kommen würde. Sie drehte sich um, um den BH aufzuheben, der in eine Ecke des Raumes geschleudert worden war, und spürte seinen Blick auf ihrem Rücken brennen. Als sie sich bückte, stieß er ein leises, fast knurrendes Geräusch aus, und sie lächelte, wissend, welche Wirkung sie noch auf ihn hatte.
— Hör auf damit — murmelte er, doch seine Stimme klang nicht überzeugend.
— Womit? — fragte sie unschuldig, während sie den Verschluss im Rücken schloss. Ihre Finger zitterten leicht, doch sie weigerte sich, es ihn merken zu lassen.
Lucas antwortete nicht. Stattdessen trat er von hinten an sie heran und legte die Arme um ihre Taille, zog sie an sich. Clara spürte seine Erektion, die sich selbst durch die Kleidung gegen ihr Gesäß presste, und ein Schauer lief ihr über den Rücken. Er vergrub das Gesicht in ihrem Nacken und atmete tief ein, als wollte er den Duft ihrer Haut in sich aufnehmen.
— Du bringst mich um — sagte er, die Stimme gedämpft gegen die Rundung ihrer Schulter.
Sie lachte leise und drehte sich in seinen Armen zu ihm um, die Stirn an seine gelehnt.
— Versprechungen, Versprechungen.
Die Schritte im Flur waren jetzt näher. Die Stimme der Reinigungskraft vermischte sich mit dem Klang eines irgendwo eingeschalteten Radios, einer kitschigen Melodie, die in diesem Kontext absurd wirkte. Lucas stieß einen frustrierten Seufzer aus und trat zurück, ergriff Claras Hand mit festem Griff.
— Los.
Sie verließen den Serverraum schweigend, die Finger ineinander verschlungen, als hätten sie Angst, sich auf dem Weg zu verlieren. Das Büro war nur noch von den Notleuchten erhellt, die lange Schatten auf die Tische und Trennwände warfen. Clara spürte, wie ihr Herz mit jedem Schritt schneller schlug, als würde sie jeden Moment auf frischer Tat ertappt werden. Doch in ihrer Brust war keine Schuld. Nur ein pulsierendes Verlangen, das Gefühl, dass sich etwas in ihr aufgebrochen und auf eine völlig neue Weise wieder zusammengesetzt hatte.
Als sie die Teeküche erreichten, blieb Lucas plötzlich stehen und zog sie hinter eine der Trennwände. Clara stolperte fast, doch er hielt sie fest und drückte sie gegen die Wand. Seine Augen funkelten im Halbdunkel, intensiv und hungrig.
— Was ist? — flüsterte sie verwirrt.
— Ich musste das nur… — Er zögerte, strich ihr durch die Haare und verwuschelte sie noch mehr. — Noch einmal tun.
Und dann küsste er sie erneut. Es war kein sanfter Kuss. Es war verzweifelt, als wollte er ihren Geschmack in seinem Gedächtnis verankern. Clara erwiderte ihn mit derselben Dringlichkeit, die Finger vergruben sich in seinen Haaren und zogen ihn näher. Sie spürte, wie sein Körper sich gegen ihren presste, die Härte seiner Erregung noch immer vorhanden, und eine flüssige Hitze breitete sich zwischen ihren Beinen aus.
Als sie sich trennten, waren beide außer Atem. Lucas lehnte die Stirn gegen ihre, die Augen geschlossen.
— Ich will nicht, dass das nur heute ist — murmelte er.
Clara spürte einen Kloß im Hals. Sie wollte es auch nicht. Doch das leere Büro, die Adrenalin der Heimlichkeit, die Intensität des Moments… all das war Teil dessen, was sie zueinander hingezogen hatte. Würde das im Tageslicht überleben?
— Wird es nicht — versprach sie, auch wenn sie sich nicht sicher war.
Die Schritte der Reinigungskraft waren jetzt nur noch wenige Meter entfernt. Sie trennten sich schnell und richteten ihre Kleidung mit hastigen Bewegungen. Clara strich den Rock glatt und versuchte, die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen zu ignorieren, während Lucas sich mit den Händen über das Gesicht fuhr, als wollte er sich sammeln.
— Alles in Ordnung? — fragte er und musterte sie besorgt.
Sie nickte, konnte aber ein nervöses Lächeln nicht unterdrücken.
— Besser als je zuvor.
Lucas lächelte zurück, ein langsames, gefährliches Lächeln, und ergriff erneut ihre Hand.
— Dann los.
Sie verließen die Teeküche genau in dem Moment, als die Reinigungskraft um die Ecke bog. Die Frau, eine ältere Dame mit grauen Haaren und müden Augen, blieb für einen Moment stehen, als sie die beiden sah, als würde sie etwas ahnen. Clara spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, doch sie hielt den Blick neutral und drückte leicht Lucas‘ Hand.
— Guten Abend — sagte sie, die Stimme fest, trotz des rasenden Herzschlags.
Die Reinigungskraft nickte misstrauisch und setzte ihren Weg fort, schob den Putzwagen vor sich her. Clara und Lucas warteten nicht ab, ob sie sich noch einmal umdrehte. Sie gingen schnell in Richtung der Aufzüge, die Finger noch immer verschränkt, als hätten sie Angst, sich loszulassen.
Als sich die Aufzugtüren schlossen, sahen sie sich an, die Augen funkelten vor einer Mischung aus Erleichterung und Verlangen. Clara stieß einen zitternden Seufzer aus und lehnte sich gegen die verspiegelte Wand des Aufzugs. Lucas trat näher und platzierte die Hände zu beiden Seiten ihres Körpers, hielt sie dort fest.
— Du siehst wunderschön aus — murmelte er und ließ den Blick über ihr Gesicht gleiten.
Clara lachte leise und strich mit den Fingern über seine Brust, spürte das noch immer beschleunigte Herz.
— Du siehst aus wie ein Chaos.
Er lächelte und neigte sich vor, um den Mundwinkel zu küssen.
— Es hat sich gelohnt.
Der Aufzug erreichte das Erdgeschoss, und die Türen öffneten sich mit einem sanften *Ping*. Sie trennten sich widerwillig und traten in die leere Eingangshalle des Gebäudes. Die Nacht draußen war kühl, und Clara verschränkte die Arme, um sich vor der plötzlichen Kälte zu schützen. Lucas blieb neben ihr stehen und blickte auf den fast leeren Parkplatz.
— Ich bringe dich nach Hause — bot er an.
Clara zögerte. Ein Teil von ihr wollte annehmen, wollte diesen Moment verlängern, doch ein anderer Teil wusste, dass sie Abstand brauchte, um alles zu verarbeiten, was passiert war. Sie schüttelte den Kopf.
— Lieber nicht. Wir müssen morgen noch zusammenarbeiten.
Lucas runzelte die Stirn, doch er drängte nicht. Stattdessen steckte er die Hände in die Taschen und nickte, als würde er verstehen.
— In Ordnung. Aber das ist nicht vorbei.
Sie lächelte und spürte, wie sich eine Wärme in ihrer Brust ausbreitete.
— Ich weiß.
Sie sahen sich noch einen Moment lang an, die Blicke voller unausgesprochener Versprechungen. Dann drehte sich Clara um und ging zur Bushaltestelle, spürte das Gewicht seines Blickes in ihrem Rücken. Als sie den Gehweg erreichte, blickte sie zurück und sah Lucas noch immer an derselben Stelle stehen, die Hände in den Taschen, und sie beobachten.
Sie winkte, eine kleine, diskrete Geste, und er erwiderte das Lächeln. Dann drehte er sich um und verschwand in der Nacht.
Clara blieb noch ein paar Sekunden stehen und blickte zum erleuchteten Bürogebäude in der Ferne. Das Gebäude wirkte jetzt anders, als würde es ein Geheimnis nur für sie beide hüten. Sie atmete tief ein, spürte, wie die kühle Luft ihre Lungen füllte, und lächelte.
Morgen würde ein neuer Tag sein. Doch zum ersten Mal seit langer Zeit konnte sie es kaum erwarten, dass er kam.