Zimmer 1208: Eine Nacht ohne Schicksal

Von Tonkix
Zimmer 1208: Eine Nacht ohne Schicksal
**Zimmer 1208: Eine Nacht ohne Schicksal** Die Lobby des Grand Hotel Miramar roch nach gealtertem Leder und Jasmin, eine Mischung, die sich an die Wände aus schwarzem Marmor klammerte wie ein Parfüm, das zu kostbar war, um jemals abgewaschen zu werden. Lara durchquerte den polierten Boden, ihre feinen Absätze klackerten in einem trockenen Rhythmus, jeder Schritt hallte wider von der Erschöpfung nach zwölf Stunden Flug, drei verpassten Anschlussflügen und einer Verspätung, die ihren makellosen Leinenanzug in ein zerknittertes Tuch verwandelt hatte. Die Klimaanlage blies ihr eiskalt in den Nacken wie eine Klinge, doch sie spürte es kaum – ihre Haut war taub, die Rückenmuskeln verkrampft in Knoten, die kein Spa der Welt in dieser Nacht lösen könnte. Der Rezeptionist, ein Mann mit kantigem Gesicht und ölig-schmeichelnder Stimme, schob die Magnetkarte über den Tresen mit einem professionellen Lächeln. *„Zimmer 1208, Fräulein Viana. Ich hoffe, Ihr Aufenthalt wird… erfrischend.“* Lara griff nach der Karte mit Fingern, die leicht zitterten – nicht vor Kälte, sondern vor unterdrückter Gereiztheit. Erfrischend. Als ob eine Nacht in einem Fünf-Sterne-Hotel die Tatsache auslöschen könnte, dass sie das wichtigste Meeting des Quartals verpasst hatte, dass ihr Chef sie am Telefon mit dieser Mischung aus Mitleid und Enttäuschung angesehen hatte, dass ihre Karriere ihr zum ersten Mal seit fünf Jahren wie Sand zwischen den Fingern zerrann. Sie blickte nicht zurück, als sie zu den Aufzügen ging. Sie sah nicht die Kristalllüster, die goldenes Licht auf die Samtsofas tropfen ließen, noch die eingetopften Palmen, die sich leicht im künstlichen Wind wiegten. Ihr Fokus galt dem verzerrten Spiegelbild in den polierten Metalltüren des Aufzugs – eine Frau mit stramm zurückgebundenem kastanienbraunem Haar, dunklen Ringen unter den grünen Augen, Lippen, die in einem Rot geschminkt waren, das nun zu aggressiv für ihr blasses Gesicht wirkte. Lara atmete langsam aus, als könnte sie mit dem Atem auch die Anspannung ausstoßen, die ihr die Rippen zuschnürte. Der Aufzug kam mit einem sanften *Ding*, und sie betrat ihn, drückte den Knopf für den zwölften Stock mit mehr Kraft als nötig. --- Auf der anderen Seite der Lobby, auf einem hohen Barhocker aus rotem Leder, drehte Daniel sein Whiskyglas zwischen den Fingern und beobachtete, wie die bernsteinfarbene Flüssigkeit das bernsteinfarbenen Lampen reflektierte. Die Bar im Foyer war einer dieser Orte, die dazu da waren, gesehen zu werden, nicht genutzt – kühle Designermöbel, Hintergrundmusik, die niemand hörte, Kellner, die wie diskrete Schatten umherglitten. Doch er mochte es hier. Er mochte die Art, wie die Menschen kamen und gingen, jeder mit seiner eigenen Geschichte, seiner eigenen Müdigkeit. Es war wie ein Stummfilm, nur besser, denn wenn man genau hinsah, konnte man die Dialoge hören, die sie nicht aussprachen. Daniel trank nicht viel. Drei Fingerbreit Whisky reichten, um die Zunge zu lockern, ohne die Sinne zu benebeln. Und er brauchte seine Sinne heute Nacht scharf. Irgendetwas lag in der Luft – eine statische Elektrizität, als würde das Hotel den Atem anhalten. Vielleicht lag es daran, dass er zum ersten Mal seit Monaten keinen Auftritt hatte, keinen Vertrag zu unterschreiben, keine Groupie im Nachbarzimmer. Nur er, seine Gitar im Koffer zu seinen Füßen, und das Versprechen einer Nacht ohne Ziel. Dann ging sie vorbei. Lara. Er sah sie, noch bevor sie in sein Blickfeld trat – zuerst das Klackern ihrer Absätze auf dem Marmor, ein *Klack-Klack* in drängendem Rhythmus, das das Gemurmel der Gespräche in der Lobby durchdrang. Dann der Geruch. Es war kein Parfüm. Es war etwas Subtileres, Intimeres: der Duft einer Frau, die gerade aus einem Flugzeug gestiegen war, eine Mischung aus Leder der Business-Class-Sitze, Flughafenkaffee und diesem leichten, fast unmerklichen Schweiß, der nach Stunden der Anspannung zurückblieb. Als sie schließlich auftauchte, reagierte Daniels Körper, noch bevor er das Bild verarbeitet hatte – eine Hitze im Nacken, ein Ziehen in der Brust, als hätte jemand einen unsichtbaren Faden zwischen ihnen gespannt. Sie war groß, aber nicht so groß wie die Models, die normalerweise hinter den Kulissen seiner Shows herumliefen. Sie trug ein Kostüm, das *„erfolgreiche Managerin“* schrie, doch das Jackett stand offen, die Bluse war leicht verrutscht, als hätte sie während des Fluges mit dem Stoff gekämpft. Die Haare, zu einem Knoten gebunden, der kurz davor stand, sich zu lösen, ließen die zarte Kurve ihres Halses frei, und Daniel stellte sich vor, wie es wäre, seine Lippen dort hinzudrücken, den beschleunigten Puls unter ihrer Haut zu spüren. Er nahm einen Schluck Whisky und ließ die Flüssigkeit seine Kehle verbrennen. Er war nicht der Typ, der Frauen in Bars ansprach. Er glaubte nicht an Schicksal, an zufällige Begegnungen, an all diesen romantischen Mist, den seine Songtexte normalerweise ausbeuteten. Doch an ihr war etwas – etwas in der Art, wie sie sich bewegte, als trüge sie die Last der Welt auf den Schultern, sich aber weigerte, ihn sehen zu lassen, wie sehr es schmerzte. Der Aufzug schloss sich hinter ihr mit einem metallischen Seufzer. Daniel lächelte seinem eigenen Spiegelbild im Glas zu. --- Lara presste ihren Rücken gegen die Aufzugswand und schloss für einen Moment die Augen. Das kalte Metall linderte das Brennen auf ihrer Haut, aber nicht genug. Sie brauchte eine Dusche. Sie brauchte ein Bett. Vor allem aber brauchte sie, dass diese Nacht endlich vorbei war. Die Türen begannen sich zu schließen, als sich eine Hand dazwischenschob. *„Entschuldigung, können Sie halten?“* Die Stimme war tief, rau, mit einem Akzent, den sie nicht sofort einordnen konnte. Lara öffnete die Augen und sah einen Mann mit leicht geöffnetem schwarzem Hemd, die ersten Knöpfe offen, sodass eine dünne Silberkette zum Vorschein kam. Er hatte braune Augen, fast golden im künstlichen Licht, und einen Dreitagebart, der ihm das Aussehen eines Mannes verlieh, der gerade aus tiefem Schlaf erwacht war – oder seit Tagen nicht geschlafen hatte. Sie zögerte einen Moment, bevor sie den Knopf drückte, der die Türen offenhielt. *„Natürlich.“* Der Mann betrat den Aufzug mit einem Nicken und trug eine Gitarre in einem schwarzen Koffer. *„Danke. Diese Aufzüge sind tückisch.“* Lara antwortete nicht. Sie blickte nach vorne, auf die Zahlen, die im Display aufleuchteten, spürte die Wärme seines Körpers neben sich. Er roch nach billiger Seife und Zigarettenrauch, eine seltsam tröstliche Kombination. Als der Aufzug im siebten Stock hielt, spürte sie einen Stich der Enttäuschung – als hätte sie irgendwie erwartet, dass er mit ihr bis in den zwölften Stock fahren würde. *„Gute Nacht“*, sagte er und ging mit einem halben Lächeln hinaus. *„Gute Nacht“*, antwortete sie, und die Türen schlossen sich, bevor sie sich davon abhalten konnte, ihm noch einen letzten Blick zuzuwerfen. Der Aufzug setzte seine Fahrt fort, und Lara atmete aus, ohne zu merken, dass sie die Luft angehalten hatte. Ihr Körper vibrierte noch dort, wo sein Arm ihren gestreift hatte, ein leichtes Kribbeln, das sich über ihren Unterarm, die Schulter, bis in den Nacken ausbreitete. Sie schüttelte den Kopf, verärgert über sich selbst. Diese Nacht war schon lang genug gewesen. Und doch, als sich die Türen im zwölften Stock öffneten, konnte sie nicht umhin zu denken, dass sie – vielleicht – noch nicht vorbei war. Lara drückte den Aufzugknopf fester als nötig, als könnte die Dringlichkeit der Geste die Kabine schneller herbeirufen. Der Hotelflur roch nach neuem Teppichboden und Zitronendesinfektionsmittel, ein künstlicher Duft, der sich mit der Müdigkeit in ihren Schultern vermischte. Sie hatte kaum die High Heels ausgezogen, als sie aus dem Taxi gestiegen war, und jetzt pochten ihre Füße protestierend auf dem kalten Marmorboden. Die Aufzugtüren öffneten sich mit einem sanften *Ding* und enthüllten einen leeren, von gelblichem Licht erleuchteten Raum. Lara trat ein, erleichtert, den Raum nicht mit jemandem teilen zu müssen. Sie drückte den Knopf für den zwölften Stock und lehnte sich gegen die verspiegelte Wand, betrachtete ihr Spiegelbild – das kastanienbraune Haar, einst in einem perfekten Knoten gebunden, jetzt in widerspenstigen Strähnen; die grünen Augen mit den dunklen Ringen darunter; die einst makellose weiße Seidenbluse, jetzt zerknittert vom Sicherheitsgurt des Flugzeugs. Dann hörte sie eilige Schritte im Flur. Ein Mann erschien im Aufzugseingang, die Finger klopften schnell gegen den Türrahmen, um sie offen zu halten. Lara richtete sich instinktiv auf, als könnte ihre Haltung wettmachen, dass sie gleich einen winzigen Raum mit einem Fremden teilen würde. Er betrat den Aufzug mit einer fließenden, fast tänzerischen Bewegung und drückte den Knopf für den siebten Stock, bevor sich die Türen schlossen. — Entschuldigung — sagte er mit rauer Stimme, als wäre er gerade aufgewacht oder stundenlang gesungen. — Ich wollte Sie nicht erschrecken. Lara schüttelte den Kopf, ein automatisches Lächeln auf den Lippen. — Schon gut. Ich bin auch nicht gerade gut im Timing. Der Aufzug begann zu steigen, und die Stille zwischen ihnen dehnte sich aus, dicht wie die Luft vor einem Gewitter. Sie spürte das Gewicht seines Blicks auf sich, noch bevor sie den Kopf drehte. Als sie es schließlich tat, begegnete sie dunklen, fast schwarzen Augen, die sie mit einer Intensität fixierten, die ihr den Atem raubte. Er hatte ein kantiges Gesicht, gezeichnet von einem Dreitagebart, der ihm einen Hauch von verführerischer Nachlässigkeit verlieh. Die leicht geöffneten Lippen schienen für träge Lächeln und geflüsterte Worte gemacht. — Sie sind im zwölften Stock — bemerkte er, als würde das etwas erklären. — Langer Flug? — Verspätung — antwortete sie, überrascht von der Leichtigkeit, mit der die Worte kamen. — Und Sie? — Hotelbar. — Er neigte den Kopf, als würde er abwägen, ob sie weitere Erklärungen verdiente. — Manchmal beobachte ich gerne Menschen. Sie sind interessanter, wenn sie denken, dass niemand hinschaut. Lara lachte, ein leises, unerwartetes Geräusch. — Und was haben Sie heute herausgefunden? — Dass Managerinnen auf Geschäftsreisen ihre Taschen auf eine ganz bestimmte Art halten. — Er ahmte die Geste nach, die Finger um einen imaginären Griff geklammert. — Als wären sie jederzeit bereit, loszurennen. Sie blickte auf ihre eigene Hand, die noch immer den Griff der Tasche umklammerte, und lachte erneut. — Schuld ist der Stress. — Oder das Misstrauen. — Er trat einen Schritt näher, verringerte die Distanz zwischen ihnen. — Reisen Sie immer allein? — Meistens. — Lara spürte, wie ihr die Hitze in den Nacken stieg. — Und Sie? — Immer. — Seine Stimme war sanft, fast ein Flüstern. — Aber heute beginne ich zu denken, dass das vielleicht keine so gute Idee war. Der Aufzug hielt im siebten Stock mit einem leichten Ruckeln, und Lara hielt den Atem an. Er bewegte sich nicht. Stattdessen lehnte er sich leicht zurück, als würde er sich auf etwas vorbereiten. — Das ist mein Stock — sagte er, ohne Anstalten zu machen, auszusteigen. — Oh. — Ihr Herz schlug schneller. — Gute Nacht dann. — Gute Nacht. — Er zögerte, die Finger streiften den Türrahmen. — Übrigens, ich heiße Daniel. — Lara. — Freut mich, Lara. — Ihr Name klang anders aus seinem Mund, als würde er jede Silbe auskosten. — Ich hoffe, Ihre Nacht wird… weniger stressig als der Flug. Sie lächelte, spürte das Gewicht der Andeutung. — Ich auch. Die Türen begannen sich zu schließen, und Lara streckte instinktiv die Hand aus, als wollte sie sie aufhalten. Daniel lachte, ein tiefes, raues Geräusch, und trat einen Schritt zurück. — Bis bald, Managerin. — Bis bald. Die Türen schlossen sich, und Lara atmete aus, ohne zu merken, dass sie die Luft angehalten hatte. Der Aufzug setzte seine Fahrt fort, doch jetzt schien der Raum kleiner, als wäre sein Geruch – billige Seife, Zigarettenrauch, etwas Dunkleres und Männlicheres – noch immer in der Luft. Sie berührte ihre Lippen mit den Fingern, als könnte sie das Echo dieses Gesprächs bewahren. Der zwölfte Stock schien plötzlich so weit weg. Und zum ersten Mal in dieser Nacht hatte sie keine Eile, anzukommen. Der Aufzug ließ sie im zwölften Stock mit einem sanften *Ding* aus, als würde auch das Gebäude den Atem anhalten. Lara ging den mit Teppich ausgelegten Flur entlang, ihre Absätze sanken leicht in den dicken Stoff ein, während sich der Geruch von Reinigungsmitteln und recycelter Klimaanlagenluft mit dem Hauch von Daniels Parfüm vermischte – etwas Zitrusartiges mit einem holzigen Unterton, das sich in ihre Haut zu brennen schien. Sie strich sich über den Arm, als könnte sie noch die Wärme seiner Berührung im Aufzug spüren, diese zufällige Berührung, die alles andere als zufällig gewesen war. Zimmer 1208 hatte eine schwere Tür aus dunklem Holz mit einem elektronischen Schloss, das grün aufleuchtete, als sie die Karte näherte. Drinnen war es fast vollständig dunkel, nur das bläuliche Licht des Weckers und das schwache Glimmen der Stadt draußen, das durch die halb geöffneten Vorhänge drang, durchbrachen die Finsternis. Lara warf ihre Tasche auf das Sofa in der Ecke, zog die Schuhe mit einem erleichterten Seufzer aus und steuerte direkt die Minibar an. Sie brauchte etwas Starkes. Etwas, das brannte. Der Single-Malt-Whisky war eiskalt, doch sie goss ihn pur ein, ohne Eis, und trank die Hälfte in einem Zug. Die Flüssigkeit brannte sich ihren Weg hinab, eine Feuerlinie, die sich in ihrer Brust ausbreitete und sich in ihrem Magen niederließ, als könnte sie die letzten vierundzwanzig Stunden – den verspäteten Flug, das abgesagte Meeting, den Kunden, der sie wie eine inkompetente Praktikantin behandelt hatte – einfach wegbrennen. Sie schloss die Augen, spürte, wie der Alkohol fast sofort wirkte, eine warme Welle, die ihre verspannten Schultermuskeln lockerte. Doch es reichte nicht. Lara zog das Jackett aus und ließ es aufs Bett fallen, öffnete die ersten Knöpfe ihrer Bluse. Die Klimaanlage war stark, doch es kümmerte sie nicht. Sie brauchte Bewegung, Geräusche, etwas, das nicht die hohle Stille des Zimmers war. Sie griff zum Telefon und wählte den Zimmerservice, bestellte einen zweiten Drink – diesmal einen Gin Tonic mit viel Zitrone und einer Prise Pfeffer. *„Um die Süße zu brechen“*, erklärte sie der Rezeptionistin, die nicht überrascht wirkte. Während sie wartete, betrachtete sie sich im Badezimmerspiegel. Das kastanienbraune Haar, normalerweise makellos, war leicht zerzaust, einige Strähnen hatten sich aus dem tiefen Dutt gelöst. Die grünen Augen, sonst so scharf, hatten einen anderen Glanz – etwas zwischen Müdigkeit und einer Erregung, die sie nicht benennen wollte. Sie strich sich über die Augenringe, als könnte sie sie wegwischen, und lachte dann über sich selbst. Wen versuchte sie zu täuschen? Es war nicht der Schlaf, der sie wachhielt. Das Klopfen an der Tür ließ sie zusammenzucken. Der Kellner, ein junger Mann mit professionellem Lächeln, reichte ihr das Tablett mit dem hohen Glas, das mit Eis und einer Zitronenscheibe gefüllt war. Lara bedankte sich, gab ein großzügiges Trinkgeld und schloss die Tür mit dem Fuß. Der Gin Tonic war perfekt – kalt, säuerlich, mit diesem prickelnden Hauch, der in der Nase kitzelte. Sie nahm einen langen Schluck, spürte den Geschmack von Wacholder und Alkohol auf der Zunge, und beschloss dann: Sie würde nicht hierbleiben. Die Hotelbar war einer dieser Orte, die so gestaltet waren, dass sie anspruchsvoll wirkten, ohne snobistisch zu sein – goldenes Licht, dunkle Ledersofas, eine Wand voller Flaschen, die das bernsteinfarbene Leuchten der Lampen reflektierten. Zu dieser Stunde waren nur wenige Gäste da, ein paar Manager mit geöffneten Sakkos und ein älteres Paar, das etwas zu laut lachte, als würde es etwas feiern. Lara wählte einen Hocker in der Ecke der Theke, wo das Licht schwächer war, und bestellte einen dritten Drink – diesmal einen Negroni, weil sie etwas Bitteres brauchte, um die Süße auszugleichen, die sich in ihrem Körper auszubreiten begann. Dann sah sie ihn. Daniel saß ein paar Hocker weiter, ein Glas Whisky in der Hand und ein träges Lächeln im Gesicht. Er trug ein schwarzes Hemd, die ersten Knöpfe offen, und das dunkle Haar war leicht zerzaust, als hätte er mehrmals mit den Fingern hindurchgefahren. Als sich ihre Blicke trafen, hob er das Glas zu einem stummen Toast, und Lara spürte, wie ihr die Hitze in den Nacken stieg. — Managerin — sagte er und näherte sich mit der gleichen Natürlichkeit, als würde er ein unterbrochenes Gespräch fortsetzen. — Sagen Sie nicht, dass Sie allein trinken. — Und wenn doch? — Lara hob eine Augenbraue und drehte das Glas zwischen den Fingern. — Dann würde ich sagen, dass das eine Verschwendung eines guten Negroni ist. — Er setzte sich auf den Hocker neben sie, so nah, dass sie die Wärme seines Körpers spürte. — Und auch, dass Sie die Gelegenheit verpassen, eine sehr interessante Geschichte zu hören. — Ach ja? — Sie nahm einen Schluck und ließ die Bitterkeit des Drinks sich mit dem Lächeln vermischen, das sich ihren Weg bahnen wollte. — Und was wäre das für eine Geschichte? Daniel beugte sich vor, als würde er ein Geheimnis teilen. — Die Geschichte davon, wie ich heute Nacht die schönste Frau des Hotels kennengelernt habe und wie sie mich im Aufzug stehen ließ, ohne mir auch nur ihren Namen zu verraten. Lara lachte, ein leichtes Geräusch, das sogar sie selbst überraschte. Es war das erste Mal seit Tagen, dass sie wirklich lachte, ohne dieses Gewicht auf der Brust. — Sie sind lächerlich. — Und Sie weichen der Frage aus. — Er deutete auf ihr Glas. — Darf ich? Sie zögerte einen Moment, schob dann aber den Negroni in seine Richtung. Daniel nahm einen Schluck, die Augen ließen die ihren nicht los, und leckte sich dann auf eine Weise über die Lippen, die Lara auf ihrem Hocker hin und her rutschen ließ. — Gut — sagte er und gab ihr das Glas zurück. — Aber nicht so gut, wie der Geschmack Ihres Mundes wäre. Lara verschluckte sich fast an ihrem eigenen Drink. Er lachte, ein tiefes, raues Geräusch, und bestellte beim Barkeeper einen weiteren Whisky. — Sind Sie immer so? — fragte sie und versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen. — So wie? — So… direkt. Daniel zuckte mit den Schultern, als wäre die Antwort offensichtlich. — Das Leben ist kurz. Warum Zeit mit Umschweifen verschwenden? — Weil die Menschen manchmal nicht bereit sind, die Wahrheit zu hören. — Und Sie? — Er kam noch näher, seine Stimme sank zu einem Flüstern. — Sind Sie bereit zu hören, dass ich, seit ich Sie im Aufzug gesehen habe, nicht aufhören kann, daran zu denken, wie es wäre, Sie zu küssen? Laras Herzschlag beschleunigte sich. Die Bar schien plötzlich wärmer, die Luft dichter. Sie blickte auf seine Lippen – voll, leicht feucht vom Whisky – und dann in seine Augen, dunkel und glänzend, als wüssten sie genau, welche Wirkung sie hatten. — Sie sind gefährlich — murmelte sie. — Und Sie mögen das. — Er lächelte langsam und selbstsicher. — Ich kann es in Ihren Augen sehen. Sie hätte nein sagen sollen. Sie hätte den Drink austrinken, die Rechnung bezahlen und ins Zimmer zurückkehren sollen. Doch stattdessen beugte sich Lara vor, bis ihre Lippen fast sein Ohr berührten. — Beweisen Sie es. Daniel zögerte nicht. Er hielt ihr Gesicht mit einer Hand, die Finger warm auf ihrer Haut, und küsste sie. Es war kein sanfter, vorsichtiger Kuss – es war ein hungriger Kuss, als hätte er seit dem Aufzug darauf gewartet. Lara schmeckte Whisky und etwas Süßeres, etwas, das nur er sein konnte, und stöhnte leise gegen seinen Mund. Als sie sich trennten, atmeten beide schwer. — Das — sagte er mit rauer Stimme — war besser, als ich es mir vorgestellt habe. Lara lachte, doch der Klang war zittrig. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, als könnte sie seinen Geschmack bewahren. — Und jetzt? Daniel lächelte, dieses Lächeln, das Dinge versprach, die sie nicht einmal zu benennen wagte. — Jetzt entscheiden wir, ob wir hierbleiben, wo uns jeder sehen kann… — sein Daumen strich langsam, absichtlich über ihre Unterlippe — oder ob wir an einen privateren Ort gehen. Lara blickte auf ihr fast leeres Glas, dann in seine Augen. Die Bar schien plötzlich zu klein, die Wände zu nah. Sie stand auf, spürte, wie ihre Beine leicht zitterten, und nahm seine Hand. — Gehen wir. Der Aufzug fuhr langsam nach oben, als hätte sich die Zeit zwischen ihnen gedehnt. Lara drückte den Knopf für den zwölften Stock mit Fingern, die leicht zitterten – nicht aus Nervosität, sondern aus dieser elektrischen Vorfreude, die ihre Haut durchfloss, seit Daniel seine Finger mit ihren im Bar verschränkt hatte. Der matte Spiegel an den Wänden warf nur verschwommene Silhouetten zurück, doch sie spürte das Gewicht seines Blicks, heiß und beharrlich, als könnte er sie dort auf der Stelle entkleiden, ohne Eile. — Sie sind so still — murmelte er mit tiefer, rauer Stimme, während er sich von hinten näherte. Sein Atem roch nach Whisky und Minze, und sie spürte die Wärme seines Körpers an ihrem Rücken, noch bevor er sie berührte. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, als seine Lippen die Kurve ihres Nackens streiften, ein leichter, fast unmerklicher Kuss, doch genug, um ihr Herz schneller schlagen zu lassen. — Ich denke nach — antwortete sie, ihre Stimme atemloser, als sie beabsichtigt hatte. — Worüber? — Seine Finger glitten über ihre Taille und zogen sie näher an sich. Lara spürte seine Erregung an ihrem Rücken, und ein Stöhnen entwich ihren Lippen, bevor sie es zurückhalten konnte. — Darüber, wie verrückt das ist — gab sie zu und drehte sich zu ihm um. Der Aufzug hielt mit einem sanften Ruck, und die Türen öffneten sich, enthüllten den leeren, von bernsteinfarbenem Licht erleuchteten Flur. — Darüber, dass ich Sie kaum kenne. Daniel lächelte, dieses langsame, gefährliche Lächeln, das sie bereits zu erkennen begann. — Manchmal ist der Wahnsinn das Einzige, das Sinn ergibt — sagte er und zog sie aus dem Aufzug. Die Türen schlossen sich hinter ihnen mit einem leisen Klicken, und der Flur schien sich um die beiden zu verengen, als hätte sich die ganze Welt auf diesen Moment, diesen Raum zwischen ihnen reduziert. Lara antwortete nicht. Stattdessen führte sie ihn zur Tür von Zimmer 1208, die Finger zitterten, während sie versuchte, die Magnetkarte ins Schloss zu stecken. Daniel drängte sie nicht. Stattdessen stellte er sich hinter sie, die Hände links und rechts von ihr an die Wand gestützt, ohne sie zu berühren. Sie spürte seine Hitze an ihrem Rücken, den Geruch seiner Haut vermischt mit dem holzigen Parfüm, das er trug, und ein Schauer durchlief ihren Körper, als seine Lippen ihr Ohrläppchen streiften. — Lass mich helfen — flüsterte er, und seine Finger legten sich über ihre, führten die Karte, bis das grüne Licht aufleuchtete und die Tür mit einem Klicken entriegelt wurde. Das Zimmer lag im Halbdunkel, nur das sanfte Licht der Stadt drang durch die halb geöffneten Vorhänge. Lara trat zuerst ein, spürte den weichen Teppich unter ihren nackten Füßen – sie hatte die Schuhe in der Bar ausgezogen, ohne es zu merken. Daniel schloss die Tür hinter sich, und für einen Moment standen sie nur da, regungslos, sahen einander an, als wollten sie jedes Detail in Erinnerung behalten. Dann trat Lara langsam auf ihn zu, als würde sie sich unter Wasser bewegen. Ihre Finger fanden den Kragen seines Hemdes und zogen ihn näher. Als sich ihre Lippen erneut trafen, gab es kein Zögern mehr. Der Kuss war tief, hungrig, als wollten sie einander verschlingen. Daniel drückte sie gegen die Wand neben der Tür, seine Hände glitten über ihre Hüften, zogen sie näher an sich, während seine Zunge ihren Mund mit einer Dringlichkeit erkundete, die ihre Beine weich werden ließ. — Verdammt — murmelte er gegen ihre Lippen, die Stimme rau. — Wissen Sie eigentlich, was Sie mit mir machen? Lara lachte, ein leises, atemloses Geräusch, während ihre Hände über seine Brust glitten und die definierten Muskeln unter dem Hemd spürten. — Ich glaube, ich habe eine Ahnung — antwortete sie und zog sein Hemd aus der Hose mit schnellen, ungeduldigen Bewegungen. Die Knöpfe öffneten sich einer nach dem anderen und enthüllten die gebräunte Haut und die festen Konturen seines Bauches. Sie strich mit den Fingerspitzen über seine Brust, spürte den kräftigen Herzschlag unter ihrer Handfläche. Daniel stöhnte, als sie den Kopf neigte und seine Brustwarze mit der Zunge umspielte, leicht daran knabberte, bevor sie ihre Erkundung fortsetzte. Seine Hände vergruben sich in ihrem Haar und zogen sie näher, während sie tiefer ging, jeden Zentimeter freigelegter Haut küsste und den salzigen Geschmack und den männlichen Duft in sich aufnahm, der von ihm ausging. — Lara — flüsterte er, ihr Name klang wie ein Gebet. — Wenn du so weitermachst, halte ich nicht lange durch. Sie lächelte gegen seine Haut, ihre Lippen streiften seinen Bauchnabel, während ihre Hände zum Gürtel hinabglitten. — Wer hat gesagt, dass ich will, dass es lange dauert? Daniel stöhnte rau auf, als sie den Reißverschluss seiner Hose öffnete und sein Glied mit der Hand umschloss, spürte die heiße, feste Pulsation unter ihren Fingern. Er war hart, bereit, und die bloße Berührung ließ eine flüssige Hitze zwischen ihren Beinen aufsteigen. Lara streichelte ihn langsam, erkundete jeden Zentimeter, während er sich mit einer Hand an der Wand abstützte, die andere noch immer in ihrem Haar vergraben, zog sie mit jeder Bewegung näher. — Du bist gefährlich — murmelte er, die dunklen Augen auf sie gerichtet, während sie vor ihm auf die Knie ging. — Du hast noch nichts gesehen — antwortete sie, bevor sie seine Spitze in den Mund nahm. Daniel stieß einen kehligen Laut aus, als sie ihn mit den Lippen umschloss, ihre Zunge glitt in langsamen, bedachten Bewegungen an ihm entlang. Er war groß, und sie nahm ihn langsam in sich auf, spürte, wie er in ihrem Mund pulsierte, während seine Hände sich fester in ihr Haar krallten. Lara genoss die Kontrolle, die sie in diesem Moment hatte, die Art, wie er unter ihrer Berührung zitterte, die Art, wie seine Stöhnen den stillen Raum erfüllten. — Scheiße — stöhnte er und zog sie hoch, bevor sie ihn zum Höhepunkt bringen konnte. — Ich will dich. Jetzt. Lara widersprach nicht. Stattdessen ließ sie zu, dass er sie hochhob, seine starken Hände umfassten ihre Oberschenkel, während er sie zum Bett trug. Sie fiel rücklings auf die weiche Matratze, und Daniel positionierte sich zwischen ihren Beinen, die Augen voller Verlangen, während er sie betrachtete. Er zog ihr Kleid hoch und entblößte ihren schwarzen Spitzenstring, strich mit den Fingern über den Saum des Stoffes und neckte sie. — Du bist wunderschön — murmelte er, beugte sich vor und küsste die Innenseite ihres Oberschenkels. — Jeder Zentimeter von dir. Lara bog den Rücken durch, als seine Lippen ihre empfindliche Haut fanden, küssten und leicht bissen, während seine Hände nach unten glitten und den String zur Seite schoben. Sie war feucht, bereit, und als seine Zunge sie zum ersten Mal berührte, entwich ihr ein Stöhnen. — Daniel — flüsterte sie, die Hände verkrampften sich in den Laken, während er sie mit dem Mund erkundete, langsam und bedacht. Er wusste genau, was er tat, jede Bewegung darauf ausgelegt, sie an den Rand des Abgrunds zu bringen, bevor er sich zurückzog und sie atemlos und verzweifelt zurückließ. — Was willst du? — fragte er, hob den Blick zu ihr, während seine Finger langsam in sie eindrangen und spürten, wie sie sich um sie zusammenzog. — Dich — antwortete sie mit zitternder Stimme. — In mir. Jetzt. Daniel brauchte keine zweite Aufforderung. Er stand auf, zog Hose und Unterwäsche mit schnellen Bewegungen aus, bevor er sich zwischen ihren Beinen positionierte. Lara beobachtete ihn, die Augen dunkel vor Verlangen, während er ein Kondom aus seiner Brieftasche nahm und es mit festen Händen überzog. Dann beugte er sich über sie, seine Lippen fanden die ihren in einem tiefen Kuss, während er sich an ihrem Eingang positionierte. — Sieh mich an — bat er mit rauer Stimme. Lara gehorchte, die Augen auf seine gerichtet, als er langsam in sie eindrang, Zentimeter für Zentimeter, füllte sie auf eine Weise, die ihren ganzen Körper erzittern ließ. Sie stöhnte, als er innehielt, gab ihr einen Moment, sich anzupassen, bevor er sich zu bewegen begann, erst langsam, dann schneller, während das Vergnügen zwischen ihnen wuchs. — Verdammt, Lara — stöhnte er, die Hände umfassten ihre Hüften mit festem Griff, während er das Tempo erhöhte. — Du fühlst dich so gut an. Sie antwortete nicht. Stattdessen schlang sie die Beine um seine Taille und zog ihn näher, spürte ihn mit jedem Stoß tiefer. Das Zimmer füllte sich mit dem Geräusch ihrer sich vereinigenden Körper, mit Stöhnen und Seufzern, während das Vergnügen in ihr wuchs, eine Welle, die sie vollständig zu verschlingen drohte. Daniel beugte sich vor, um sie erneut zu küssen, seine Zunge erkundete ihren Mund, während seine Hände nach unten glitten und den empfindlichen Punkt zwischen ihren Beinen fanden. Lara schrie auf, als er sie berührte, das Vergnügen verstärkte sich mit jeder Bewegung, bis sie nicht mehr an sich halten konnte. — Daniel — stöhnte sie, ihr ganzer Körper bebte, als der Orgasmus sie mit voller Wucht traf und sie den Rücken durchbog, während sie ihn fest umklammerte. Er hörte nicht auf. Stattdessen bewegte er sich weiter, verlängerte ihr Vergnügen, während er seinen eigenen Höhepunkt suchte. Lara spürte, wie er den Punkt erreichte, sein Körper spannte sich an, während er sie mit mehr Kraft nahm, bevor er ein raues Stöhnen ausstieß und auf ihr zusammensackte. Für einen Moment lagen sie nur da, atemlos, ihre Körper ineinander verschlungen, ihr Schweiß vermischte sich. Lara strich mit den Fingern über seinen Rücken, spürte, wie seine Muskeln unter ihrer Berührung zitterten, während er sein Gesicht in ihrem Nacken vergrub und tief einatmete. — Das — murmelte er mit gedämpfter Stimme — war viel besser, als ich es mir vorgestellt habe. Lara lachte leise und zufrieden, während sie ihn fester umarmte. — Es ist noch nicht vorbei — flüsterte sie und strich mit den Lippen über sein Ohr. Daniel hob den Kopf, die dunklen Augen funkelten mit einer neuen Welle des Verlangens. — Nein? — Nein — antwortete sie und zog ihn näher. — Die Nacht ist noch lang. Daniel brauchte keine weitere Ermutigung. Mit einer fließenden Bewegung drehte er sie auf die Seite und zog Lara mit sich, bis sie auf ihm saß, die Knie in die weiche Matratze gedrückt, seine Hände nun frei, um jede Kurve ihres Körpers zu erkunden. Das schwache Licht der Nachttischlampe warf goldene Schatten auf ihre Haut, betonte den Glanz des Schweißes, der sich bereits zwischen ihren Brüsten, an der Taille, an den Hüften bildete. — So bist du wunderschön — murmelte er, seine Finger zeichneten langsame Kreise an der Innenseite ihrer Oberschenkel, ließen sie den Rücken durchbiegen. — Ganz offen, ganz mein. Lara biss sich auf die Unterlippe, spürte das Gewicht seines Blicks auf sich, die Art, wie er sie ansah, als wäre sie das Kostbarste, das er je gesehen hatte. Es war etwas Befreiendes, hier zu sein, nackt, entblößt, ohne Scham, ohne Vorbehalte. Sie beugte sich vor, stützte die Hände auf seine Brust und spürte den beschleunigten Rhythmus seines Herzschlags unter ihrer Handfläche. — Und du — flüsterte sie und strich mit den Lippen über seinen Hals, spürte den salzigen Geschmack seiner Haut — bist viel mehr, als ich erwartet habe. Daniel lachte, ein tiefes, raues Geräusch, während seine Hände zu ihren Pobacken glitten und fest zupackten. — Dann zeig mir, was du noch willst — forderte er heraus, die Daumen zeichneten gefährliche Linien nahe dem Zentrum ihres Vergnügens. Lara zögerte nicht. Sie richtete sich ein wenig auf und führte ihn mit langsamer Absicht in sich ein, spürte, wie er sie Zentimeter für Zentimeter ausfüllte, dehnte, bis sie vollständig vereint waren. Ein langes, zitterndes Stöhnen entwich ihren Lippen, während sie sich zu bewegen begann, erst langsam, dann mit mehr Selbstvertrauen, einen Rhythmus fand, der sie beide keuchen ließ. Daniel hielt ihre Hüften fest, half ihr, die Kontrolle zu behalten, ließ sie aber das Tempo bestimmen. Seine Augen ließen die ihren nicht los, selbst als sein Atem schwerer, drängender wurde. Lara spürte jede Bewegung wie eine Welle des Vergnügens, immer intensiver, immer tiefer. Sie lehnte sich zurück, stützte die Hände auf seine Oberschenkel und änderte den Winkel – und es war, als würde ein elektrischer Strom durch sie hindurchfahren. — Oh Gott — stöhnte sie, die Finger gruben sich in seine Haut. — Genau so… genau so… Daniel brauchte keine weiteren Anweisungen. Er setzte sich auf, umschlang sie mit den Armen und zog sie näher, während sein Mund eine ihrer Brustwarzen fand und fest daran saugte. Lara schrie auf, das Vergnügen vermischte sich mit dem leichten, köstlichen Schmerz, und sie beschleunigte ihre Bewegungen, jagte dem Höhepunkt nach, der sich bereits tief in ihrem Bauch aufbaute. — Komm für mich — befahl er mit rauer Stimme, während eine Hand zwischen ihre Körper glitt und genau den Punkt fand, der sie die Kontrolle verlieren ließ. Lara konnte nicht widerstehen. Der Orgasmus traf sie wie eine Welle, brach über ihr zusammen in heftigen Zuckungen, ließ sie zittern, während sie seinen Namen schrie, ihre inneren Muskeln ihn fest umklammerten. Daniel stöhnte, spürte, wie sich ihr Körper um ihn zusammenzog, doch er hörte nicht auf. Er hielt sie fest, bewegte sich weiter in ihr, verlängerte ihr Vergnügen, bis sie schlaff, atemlos, die Lippen leicht geöffnet in einem zufriedenen Seufzer, dalag. — Noch nicht — murmelte er und küsste sie mit erneuter Dringlichkeit. — Noch nicht vorbei. Lara hatte kaum Zeit, zu Atem zu kommen, bevor er sie auf den Rücken drehte und sie an die Bettkante zog, ihre Beine hingen über die Kante. Er kniete sich auf den Boden, zog sie näher, bis ihre Hüften mit seinem Mund auf einer Höhe waren. Lara riss die Augen auf, ein Protest formte sich bereits auf ihren Lippen, doch er gab ihr keine Chance. — Vertrau mir — sagte er, die dunklen Augen auf sie gerichtet, während seine Lippen die Innenseite ihres Oberschenkels streiften. Lara schluckte schwer, ihr Herz schlug so schnell, dass sie es im Hals spürte. Noch nie hatte sie jemandem das erlaubt, noch nie hatte sie sich so verletzlich, so entblößt gefühlt. Doch etwas in der Art, wie er sie ansah, als wäre sie das Einzige, das zählte, ließ sie nicken, wenn auch zögernd. Daniel verlor keine Zeit. Die erste Berührung seiner Zunge war langsam, bedacht, zog eine heiße, feuchte Linie von ihrem Eingang bis zu ihrem empfindlichsten Punkt. Lara bog den Rücken durch, ein Stöhnen entwich ihren Lippen, während sich ihre Finger in die Laken krallten. Er hatte keine Eile, erkundete jede Falte, jeden Zentimeter, als würde er ihren Geschmack, ihre Textur, die Art, wie sie auf jede Berührung reagierte, auswendig lernen. — Verdammt — stöhnte sie, ihre Beine zitterten, während er den Druck erhöhte, seine Zunge in langsamen, dann schnellen, dann wieder langsamen Kreisen arbeitete, als würde er mit ihr spielen, ihre Grenzen testen. Daniel hielt ihre Oberschenkel fest, hielt sie an Ort und Stelle, während sein Mund sie verschlang, die Lippen saugten, die Zunge eindrang, bis Lara sich wand, ihre Hüften sich wie von selbst bewegten, immer mehr, immer mehr forderten. Noch nie hatte sie etwas so Intensives gefühlt, eine Empfindung, die fast an Schmerz grenzte, doch zu gut war, um aufzuhören. — Daniel… ich werde… — brachte sie hervor, die Stimme unterbrochen, die Nägel gruben sich in seine Haut. Er hörte nicht auf. Stattdessen beschleunigte er das Tempo, seine Zunge arbeitete nun im Einklang mit seinen Fingern, die in sie glitten und sich im perfekten Winkel krümmten. Lara schrie auf, ihr ganzer Körper verkrampfte sich, als ein weiterer Orgasmus sie durchfuhr, stärker als der vorherige, ließ sie atemlos, kraftlos, völlig ihm ausgeliefert. Daniel stand auf, die Lippen glänzend, die Augen dunkel vor Zufriedenheit. Er beugte sich über sie, küsste sie hart, ließ sie ihren eigenen Geschmack auf seiner Zunge schmecken. Lara stöhnte gegen seinen Mund, die Arme schlangen sich um seinen Nacken und zogen ihn näher. — Du bist unglaublich — murmelte er mit rauer Stimme, während seine Hand zwischen ihre Körper glitt und sich wieder in sie führte. Lara stöhnte, als er sie erneut ausfüllte, seine Bewegungen nun langsamer, tiefer, als wollte er jeden Moment auskosten. Sie schlang die Beine um seine Taille und zog ihn näher, spürte jeden Stoß wie ein Versprechen. — Mehr — flüsterte sie und strich mit den Lippen über sein Ohr. — Fester. Daniel brauchte keine weitere Ermutigung. Er drehte sie auf die Seite, zog eines ihrer Beine nach oben und änderte erneut den Winkel, und Lara spürte, als würde er Stellen in ihr berühren, die noch nie zuvor erreicht worden waren. Ihre Stöhnen wurden lauter, drängender, während er sie immer näher an den Rand brachte. — Komm mit mir — befahl er mit angespannter Stimme, seine Finger fanden erneut ihre Klitoris. Lara konnte nicht widerstehen. Das Vergnügen traf sie wie eine Explosion, ließ sie schreien, während sich ihr Körper um ihn zusammenzog und ihn mit sich in den Abgrund riss. Daniel stöhnte, sein ganzer Körper spannte sich an, während er sich in ihr ergoss, seine Bewegungen wurden langsamer, sanfter, bis beide regungslos dalagen, atemlos, ihre Körper noch immer vereint. Für einen langen Moment sagte keiner von beiden etwas. Lara spürte seinen Herzschlag gegen ihre Brust, ihr Schweiß vermischte sich, die Hitze ihrer Körper pulsierte noch immer. Sie strich mit den Fingern durch sein Haar, spürte die Feuchtigkeit in seinem Nacken, während er sein Gesicht in ihrem Hals vergrub und tief einatmete. — Das — murmelte er mit gedämpfter Stimme — war noch besser, als ich es mir vorgestellt habe. Lara lachte leise und zufrieden, während sie ihn fester umarmte. — Es ist noch nicht vorbei — flüsterte sie und strich mit den Lippen über sein Ohr. Daniel hob den Kopf, die dunklen Augen funkelten mit einer neuen Welle des Verlangens. — Nein? — Nein — antwortete sie und zog ihn näher. — Die Nacht ist noch lang. Und während die ersten Sonnenstrahlen durch die Vorhänge von Zimmer 1208 drangen, hatte keiner von beiden die geringste Absicht zu schlafen. Der erste Sonnenstrahl war keine Warnung, sondern eine Invasion. Ein goldener, hartnäckiger Streifen, der sich über den Teppich schob, die Bettkante hinaufkroch und sich wie ein neugieriger Finger auf Laras Haut niederließ. Sie blinzelte, die Wimpern verklebt vom Schlaf und dem Schweiß der vergangenen Nacht, und spürte das Gewicht von Daniels Körper noch immer auf ihrem – nicht mehr im frenetischen Rhythmus der letzten Stunden, sondern jetzt regungslos, als hätte die Zeit beschlossen, eine Pause einzulegen. Er atmete langsam, sein warmer Atem streifte ihre Schulter, die Arme noch immer um ihre Taille geschlungen, als fürchte er, sie würde sich in Luft auflösen, wenn er sie losließe. Lara bewegte die Finger langsam und zeichnete träge Kreise auf seinen Rücken. Die Haut dort war weich, gezeichnet von kleinen Narben – eine dünne Linie nahe der Schulter, vielleicht von einem Fahrradsturz in der Kindheit; eine andere, tiefere, nahe den Rippen, nach der sie nicht fragen konnte. Daniel murmelte etwas Unverständliches und kuschelte sich enger an sie, die Hüfte drückte sich auf eine Weise gegen sie, die einen Schauer über ihren Rücken jagte. Sie lächelte, ihre Lippen streiften seine Stirn. — Du bist wach — sagte sie, die Stimme rau vom Schlaf und von Stunden des unterdrückten Stöhnens gegen das Kissen. — Nein — brummte er, doch das Lächeln gegen ihre Haut verriet ihn. — Ich träume noch. — Wovon träumst du? — Von einer Frau, die mich mitten in der Nacht geweckt hat, nur um mir zu sagen, dass ich es nicht richtig mache. Lara lachte leise, ihre Finger glitten in sein Haar. — Und hast du es richtig gemacht? — Natürlich nicht. — Er hob den Kopf, die Augen halb geschlossen gegen das Licht, das nun das Zimmer flutete. — Aber ich habe mich verbessert. — Sehr verbessert — stimmte sie zu und zog ihn zu einem langsamen, trägen Kuss heran, als hätten sie alle Zeit der Welt. Seine Lippen schmeckten nach Whisky und etwas Süßerem, etwas, das sie nicht benennen konnte. Vielleicht war es der Geschmack der Nacht, die hinter ihnen lag. Als sie sich trennten, stützte Daniel das Kinn auf ihre Brust und betrachtete sie mit einer Intensität, die sie sich entblößt fühlen ließ, selbst nach allem, was sie geteilt hatten. — Du musst gehen — sagte sie, bevor er sprechen konnte. Es war keine Frage, kein Befehl. Nur eine Feststellung. — Ich weiß. — Er bewegte sich nicht. — Aber ich will nicht. — Ich auch nicht. Eine Stille breitete sich zwischen ihnen aus, beladen mit unausgesprochenen Dingen. Das Zimmer roch nach Sex und Schweiß, nach zerwühlten Laken und teurem Parfüm, vermischt mit dem erdigen Duft seiner Haut. Lara schloss für einen Moment die Augen und ließ die Realität um sich herum einsinken: das gedämpfte Geräusch eines Servierwagens, der den Flur entlangrollte, das Summen der Klimaanlage, das Gewicht seines Körpers auf ihrem. Es war real. Und gleichzeitig fühlte es sich schon wie ein Traum an. — Was machst du heute? — fragte Daniel und brach das Schweigen. — Ein Taxi zum Flughafen nehmen. Flug nach São Paulo in drei Stunden. — Geschäftlich? — Immer. — Sie seufzte. — Und du? — Probe mit der Band am Nachmittag. Danach wahrscheinlich trinken, bis ich vergesse, dass diese Nacht vorbei ist. Lara lachte, doch es lag ein Hauch von Traurigkeit darin. — Du wirst es nicht vergessen. — Nein. — Er stützte sich auf die Ellbogen und blickte sie mit einer Ernsthaftigkeit an, die ihr den Atem raubte. — Und du auch nicht. Sie antwortete nicht. Sie musste es nicht. Stattdessen streckte sie die Hand aus und berührte sein Gesicht, die Finger zeichneten die Linie seines Kiefers nach, den Dreitagebart, der leicht kratzte. Daniel drehte das Gesicht und küsste ihre Handfläche, die Lippen warm und weich. — Ich sollte gehen — murmelte er, machte aber keine Anstalten aufzustehen. — Solltest du. — Aber ich schaffe es nicht. — Ich weiß. Sie blieben noch ein paar Minuten so, sahen sich nur an, als wollten sie sich jedes Detail einprägen – die Form ihrer Augen, die Kurve der Lippen, die Art, wie das Morgenlicht Schatten auf ihre Gesichter malte. Lara spürte ihren Herzschlag langsam, als wüsste er, dass etwas zu Ende ging, auch wenn sie es nicht zugeben wollte. Schließlich löste sich Daniel von ihr und rollte sich mit einem Stöhnen zur Seite. Die kühle Luft des Zimmers traf ihre Haut, wo zuvor sein Körper gewesen war, und Lara zog das Laken bis zu den Schultern hoch, plötzlich ihrer Nacktheit bewusst. Er setzte sich auf die Bettkante, die nackten Füße auf dem Teppich, und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht, als wollte er richtig aufwachen. — Ich gehe duschen — sagte er und blickte über die Schulter zu ihr. — Kommst du mit? Lara zögerte. Ein Teil von ihr wollte ja sagen, wollte zulassen, dass das warme Wasser Schweiß und Müdigkeit wegspülte, wollte seine Hände spüren, die ihren Rücken einseiften, seine Lippen, die ihren Nacken küssten, während der Dampf sie einhüllte. Doch ein anderer Teil, der Teil, der wusste, dass die Nacht enden musste, schüttelte den Kopf. — Ich habe schon geduscht. Gestern. — Sie zwang sich zu einem Lächeln. — Bevor du kamst. Daniel nickte, als würde er verstehen. Er stand auf und ging zu dem Stuhl, auf dem seine Kleidung lag, nahm zuerst die Jeans. Lara beobachtete, wie sich die Muskeln seines Rückens bewegten, während er sich anzog, die Art, wie sich seine Schultern zusammenzogen, als er das T-Shirt über den Kopf zog. Es war unfair, dass jemand nach einer Nacht wie dieser so gut aussehen konnte. Als er fertig war, setzte er sich wieder aufs Bett, diesmal ihr zugewandt. Er holte sein Handy aus der Tasche, tippte etwas ein und hielt es ihr hin. — Meine Nummer — sagte er. — Falls du mal in Porto Alegre bist. Lara nahm das Gerät, ihre Finger streiften seine. Die Berührung war kurz, doch genug, um ihren Magen zusammenziehen zu lassen. Sie speicherte die Nummer und gab ihm das Handy zurück, dann griff sie nach ihrer Handtasche auf dem Nachttisch. Aus der Tasche zog sie eine Visitenkarte – weiß, mit eleganten schwarzen Buchstaben: *Lara Mendes, Marketingdirektorin, Vanguard Group*. — Falls du einen Grund brauchst, nach São Paulo zu kommen — sagte sie und reichte sie ihm. Daniel nahm die Karte, seine Finger streiften absichtlich die ihren. — Ich werde sie wie einen Schatz hüten — murmelte er, und sie konnte nicht sagen, ob er scherzte oder es ernst meinte. Dann stand er auf. Lara tat es ihm gleich, zog das Laken mit sich, um ihren Körper zu bedecken, während sie zur Tür ging. Daniel blieb vor ihr stehen, seine Augen glitten über ihr Gesicht, als wollte er sich jedes Detail einprägen. — Ich will nicht, dass das ein Abschied ist — sagte er mit leiser Stimme. — Ist es nicht — antwortete sie, auch wenn sie wusste, dass es eine Lüge war. Er lächelte, ein trauriges, schönes Lächeln, und beugte sich vor, um sie zu küssen. Es war ein anderer Kuss als die vorherigen – langsam, fast ehrfürchtig, als wollte er ihren Geschmack für später bewahren. Lara schloss die Augen und ließ sich darauf ein, ihre Finger vergruben sich ein letztes Mal in seinem Haar. Als sie sich trennten, legte Daniel die Stirn an ihre. — Wenn du deine Meinung über die Dusche änderst… — Werde ich nicht. Er lachte, ein leises, resigniertes Geräusch. — Ich weiß. Dann trat er zurück, öffnete die Tür und ging hinaus. Lara blieb im Türrahmen stehen, das Laken noch immer um ihren Körper gewickelt, und beobachtete, wie er den Flur entlangging. Er blickte nicht zurück. Das musste er nicht. Die Tür schloss sich mit einem leisen Klicken. Lara blieb noch einen Moment stehen, lauschte dem Geräusch seiner sich entfernenden Schritte, dem Summen des Aufzugs, der kam, den Türen, die sich öffneten und schlossen. Dann kehrte sie ins Zimmer zurück und lehnte sich gegen die Tür, ließ das Laken zu Boden fallen. Das Zimmer sah genau so aus, wie sie es verlassen hatten – Vorhänge halb geöffnet, Bett zerwühlt, leere Wasserflaschen auf dem Nachttisch. Sie ging zum Fenster und zog die Vorhänge ganz auf, ließ das Sonnenlicht den Raum fluten. Draußen erwachte die Stadt bereits, Autos hupten, Menschen eilten auf den Gehwegen, die Welt drehte sich weiter, als wäre nichts geschehen. Doch etwas war geschehen. Lara atmete tief durch und drehte sich um, nahm Daniels Karte vom Tisch. Sie strich mit den Fingern über die handschriftliche Nummer, spürte die leicht ungleichmäßige Tinte, als hätte er den Stift fester aufgedrückt als nötig. Dann steckte sie sie in ihre Handtasche, zusammen mit ihrer eigenen Karte, die nun ein anderes Gewicht zu tragen schien. Sie wusste nicht, ob sie ihn anrufen würde. Sie wusste nicht, ob er sie anrufen würde. Doch im Moment spielte das keine Rolle. Was zählte, war, dass sie sich für eine Nacht auf eine Weise verloren hatten, die weder Zeit noch Entfernung auslöschen konnten. Und das, dachte sie, während sie ins Badezimmer ging, um richtig zu duschen, war mehr, als die meisten Menschen je erlebten.

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