Dünne Wände, Stärkere Begierden

Von Tonkix
**Dünne Wände, Stärkere Begierden** Der Umzug kam wie ein erleichtertes Aufatmen nach Monaten der Erstickung. Clara zog den letzten Karton durch den engen Flur des Gebäudes, die hohen Absätze hallten auf dem kalten Marmorboden wider, jeder Schritt eine Erinnerung daran, dass sie endlich allein war. Nicht im traurigen Sinne des Wortes, sondern in diesem scharfen Gefühl der Erleichterung, wenn man nach stundenlangen Meetings endlich die engen Schuhe auszieht. Die Scheidung war sauber, fast steril verlaufen – kein Geschrei, kein zerschlagenes Geschirr, nur die kalte Unterschrift auf dem Papier und das Gefühl, dass sich etwas in ihr gelöst hatte, wie eine alte Haut, die schmerzlos abfällt. Die Wohnung war klein, aber perfekt. Weiße Wände, große Fenster, durch die das Nachmittagslicht in goldenen Pfützen auf den hellen Holzboden fiel. Sie strich mit der Hand über den Türrahmen, spürte die raue Stelle, wo die Farbe abblätterte, und lächelte. Es war real. Es gehörte ihr. Und vor allem: Es war still. Zumindest tagsüber. Die erste Nacht war ein Schock. Clara hatte sich gerade hingelegt, der Körper noch angespannt von den Erinnerungen der letzten Monate – die schlaflosen Nächte, die mitleidigen Blicke der Kollegen, die Art, wie Daniel sie jetzt ansah, als wäre sie ein Stück gesprungenes Porzellan. Die Bettdecke roch nach Lavendel, das Kissen bewahrte noch den Duft des Waschmittels, und sie schloss die Augen, bereit, in die Vergessenheit abzutauchen. Da hörte sie es. Ein leises Stöhnen, fast ein Seufzer, aber geladen mit etwas, das ihren Körper reagieren ließ, noch bevor ihr Verstand es verarbeitet hatte. Es kam von der Wand neben dem Bett, jener, die ihr Schlafzimmer von der Nachbarwohnung trennte. Clara öffnete die Augen, das Herz schlug schneller. Ein weiterer Laut, diesmal länger, tiefer, als würde jemand etwas zurückhalten, das sich nicht zurückhalten ließ. Sie setzte sich auf, die Finger krallten sich in das Laken. Das konnte nicht sein. Doch es war so. Die Geräusche gingen weiter, rhythmisch, steigerten sich zu etwas fast Musikalischem – eine Melodie der Lust, die durch die dünne Wand drang, als gäbe es keine Barriere. Clara spürte, wie ihr die Hitze in den Nacken stieg, die Oberschenkel sich unwillkürlich zusammenpressten. Es war falsch, zuzuhören, es war aufdringlich, aber sie konnte sich nicht rühren. Jeder Seufzer des Nachbarn hallte in ihr wider, weckte einen Hunger, von dem sie geglaubt hatte, ihn zusammen mit der Ehe begraben zu haben. Am nächsten Tag erwachte Clara mit dem Gefühl, berührt worden zu sein. Nicht von Händen, sondern von etwas Subtilerem – dem Echo eines Verlangens, das nicht ihr eigenes war, das nun aber in ihrer Haut wohnte. Sie stand langsam auf, die Beine noch zitternd, und ging zur Wand. Sie legte die Handfläche auf den Putz, als könnte sie die Wärme auf der anderen Seite spüren. — Wer bist du? — flüsterte sie, die Stimme rau vom Schlaf und etwas anderem. Das Gebäude war alt, eines von denen, die Geheimnisse in den Ritzen des Bodens und in den Flüstern der Rohre bewahren. Sie kannte die Nachbarn vom Sehen – die Frau aus der 302, die immer Einkaufstaschen trug und schüchtern grüßte; das Paar aus der 401, das sonntags laut stritt; der Mann aus der 503, der niemandem in die Augen sah. Doch der aus der 204, jener neben ihrer Wohnung, war ein Rätsel. Sie hatte ihn nur einmal flüchtig gesehen, als sie mit dem Umzug ankam. Groß, dunkles, leicht zerzaustes Haar, als wäre er gerade aufgewacht – oder gerade mit etwas anderem beschäftigt gewesen. Er trug ein Hemd mit offenem Kragen, die Ärmel hochgekrempelt, sodass die kräftigen Unterarme mit den hervortretenden Adern zu sehen waren, die Clara sich warm unter ihren Fingern vorstellte. Er trug eine tragbare Lautsprecherbox, die Kopfhörer hingen wie eine Kette um seinen Hals. Als sich ihre Blicke im Flur trafen, zögerte er einen Moment, als wollte er etwas sagen, nickte dann aber nur und ging weiter. Clara verbrachte den Tag damit, nicht an ihn zu denken. Oder besser gesagt, nicht an *das* zu denken. Doch die Geräusche der vergangenen Nacht kehrten in Blitzen zurück – der Rhythmus, der abgehackte Atem, die Art, wie die Lust sich um ihn wand wie ein Seil. Sie ertappte sich dabei, wie sie sich auf die Lippe biss, während sie die Bücher im Regal ordnete, die Finger über die Lederrücken glitten, als wären es andere Dinge. Am Abend legte sie sich früher als gewöhnlich hin, der Körper noch empfindlich für die kleinste Berührung. Die Wohnung war still, doch sie wusste, es war nur eine Frage der Zeit. Und dann passierte es. Zuerst ein gedämpftes Geräusch, als würde sich jemand im Dunkeln bewegen. Dann ein langer Seufzer, gefolgt von einem Stöhnen, das Clara erschauern ließ. Sie schloss die Augen, die Hände ballten sich neben ihrem Körper zu Fäusten. Es war nicht fair. Es war nicht fair, dass er da war, so nah, so *lebendig*, während sie sich fühlte wie eine langsam schmelzende Eisskulptur. Die Geräusche wurden intensiver, und Clara widerstand nicht. Sie ließ die Hand unter die Bettdecke gleiten, die Finger fanden die warme Haut ihres Bauches, glitten langsam hinab zum Rand ihres Slips. Sie war feucht. Mehr, als sie erwartet hatte. Mehr, als sie zugeben würde. Auf der anderen Seite der Wand beschleunigte sich der Rhythmus, und Clara folgte, die Finger bewegten sich in langsamen Kreisen, drückten dort, wo es wehtat. Sie biss sich auf die Lippe, um keinen Laut von sich zu geben, doch ein Stöhnen entwich trotzdem, leise, fast unhörbar. Und dann, auf der anderen Seite, eine Pause. Stille. Clara erstarrte. Hatte er es gehört? Ihr Herz schlug so laut, dass sie sicher war, er könnte es hören. Doch dann begannen die Geräusche wieder, drängender, als wäre auch er überrascht worden. Und diesmal hielt Clara sich nicht zurück. Sie ließ die Finger schneller arbeiten, der Atem wurde unregelmäßig, bis die Lust sie wie eine Welle durchflutete, sie zitternd und keuchend zurückließ. Auf der anderen Seite der Wand hallte ein letztes, langes und zufriedenes Stöhnen wider, bevor die Stille wieder einkehrte. Clara blieb liegen, die Finger noch feucht, der ganze Körper vibrierte von der Intensität dessen, was gerade geschehen war. Sie kannte seinen Namen nicht. Sie wusste nichts über ihn. Doch irgendwie waren sie jetzt verbunden. Und sie hatte das Gefühl, dass dies erst der Anfang war. Clara erwachte mit der Sonne, die ihr voll ins Gesicht schien, die Erinnerung an die vergangene Nacht noch zwischen den Beinen pulsierte. Das Laken war zu ihren Füßen verknüllt, die Haut feucht von Schweiß, und für einen Moment fragte sie sich, ob alles nur ein Traum gewesen war. Doch als sie sich umdrehte, spürte sie das sanfte Pochen im Unterleib, die Erinnerung an ihre eigenen Finger, die sie mit einer Dringlichkeit erkundet hatten, wie sie es noch nie zuvor getan hatte. Und die Stille auf der anderen Seite der Wand. Oder besser gesagt, die Stille *vor* der Stille. Sie stand langsam auf, die Muskeln protestierten leicht, als würde ihr Körper noch die Anspannung der Nacht in sich tragen. Im Bad, als sie sich im Spiegel betrachtete, bemerkte sie die leichten Zahnabdrücke auf ihrer Unterlippe, die Rötung der Brustwarzen, den Glanz in ihren Augen. *Er hat es gehört*, dachte sie, und der Gedanke ließ sie erschaudern. Nicht aus Scham, sondern aus etwas Heißerem, Gefährlicherem. Etwas, das sie dazu brachte, es wiederholen zu wollen. Das Frühstück war schnell und fast mechanisch. Clara schaltete den Fernseher ein, während sie einen Toast zubereitete, zappte durch die Kanäle ohne Interesse, bis sie bei einem alten Liebesfilm hängen blieb. Die Szene war banal: Ein Paar küsste sich im Regen, die Körper aneinandergedrückt, die Hände erkundeten unter den nassen Kleidern. Doch etwas in der Art, wie die Kamera das Verlangen einfing, wie die Schauspieler sich ansahen, ließ ihren Magen sich zusammenziehen. Sie drehte die Lautstärke ein wenig auf, gerade genug, dass das gedämpfte Stöhnen den Raum erfüllte. Und dann, wie ein Test, ließ sie den Film laufen. Die Wohnung war still, abgesehen vom sinnlichen Flüstern des Fernsehers. Clara setzte sich auf das Sofa, die Beine unter sich gezogen, und tat so, als würde sie ein juristisches Dokument lesen, das sie aus dem Büro mitgebracht hatte. Doch ihre Augen konnten sich nicht auf die Worte konzentrieren. Stattdessen lauschte sie. Wartete. Nichts. Vielleicht war er nicht zu Hause. Vielleicht schlief er. Vielleicht— Ein gedämpftes Geräusch kam von der Wand. Clara hielt den Atem an. Es war kein Stöhnen, nicht genau. Es klang eher wie… eine Note? Ein tiefer Akkord, fast ein Schnurren, von einem Instrument, das sie nicht erkannte. *Er spielt*, erkannte sie, und der Gedanke ließ sie lächeln. Lucas, der zurückgezogene Musiker, antwortete auf die Provokation, ohne zu wissen, dass es eine Provokation war. Sie stand auf, näherte sich der Wand, die sie trennte, und legte die Handfläche dagegen, als könnte sie die Vibrationen der Musik durch den Putz spüren. Die Melodie war langsam, geschmeidig, voller Kurven und berechneter Pausen. Es war die Art von Musik, die den Körper von selbst bewegen ließ, die die Hüften wiegen und die Finger über die eigene Haut gleiten ließ. Clara schloss die Augen und ließ sich von dem Klang umhüllen. --- Lucas saß auf dem Boden seines improvisierten Studios, den Rücken an die Wand gelehnt, die ihr Apartment teilte. Die Gitarre lag in seinem Schoß, doch diesmal spielte nicht sie. Es war das E-Piano, dessen Tasten auf die leichteste Berührung mit einer fast sündhaften Sanftheit reagierten. Er hatte an diesem Morgen nichts komponieren wollen. Eigentlich war er mit einer schmerzhaften Erektion aufgewacht, die Erinnerung an die Stöhnen der vergangenen Nacht brannte in seinem Kopf. *Sie*, dachte er, ohne ihren Namen zu kennen, ohne zu wissen, wie ihr Gesicht aussah. Nur eine Stimme, ein Seufzer, ein Körper, der sich auf der anderen Seite der Wand der Lust hingab. Und jetzt diese Musik. Er wusste nicht, woher sie kam. Die Noten schienen einfach in ihm zu entstehen, als wären sie schon irgendwo in ihm geschrieben und warteten nur darauf, befreit zu werden. Es war eine sinnliche, fast hypnotische Melodie, mit einem Rhythmus, der den Pulsschlag des Blutes, das Auf und Ab eines beschleunigten Atems nachahmte. Er spielte langsam, ließ die Finger über die Tasten gleiten, spürte das Vergnügen, etwas zu erschaffen, das lebendig wirkte. Dann, plötzlich, ein Stöhnen. Lucas hielt inne, das Herz schlug ihm bis zum Hals. *Nein*, dachte er. *Das kann nicht sein.* Doch da war es, unverkennbar: das gedämpfte Geräusch einer Frau, die sich der Lust hingab. Und es kam aus der Nachbarwohnung. *Sie macht das mit Absicht.* Der Gedanke traf ihn wie ein Schlag in den Magen. Er stand auf, die Gitarre fiel fast zu Boden, und presste das Ohr an die Wand. Der Ton des Fernsehers war jetzt lauter, und zwischen den Dialogen und der Filmmusik konnte er die Seufzer, die rhythmischen Bewegungen, das Rascheln von Stoff hören. *Sie provoziert mich.* Und, Gott, es funktionierte. Lucas kehrte zum Klavier zurück, doch jetzt zitterten seine Hände. Die Musik, die daraus hervorkam, war nicht mehr nur eine Melodie – es war eine Antwort. Jede Note war eine Einladung, eine Herausforderung, ein Versprechen. Er spielte lauter, intensiver, ließ den Klang den Raum zwischen ihnen füllen, als könnte er die Wand durchdringen und *sie* direkt berühren. --- Clara hielt es nicht mehr aus. Der Klang des Klaviers war zu viel. Die Art, wie er sich mit den Stöhnen aus dem Fernseher verflocht, als würden die beiden miteinander tanzen, war unerträglich erotisch. Sie stand auf, die Beine zitterten, und ging in die Küche, um ein Glas Wasser zu holen. Doch ihre Hand rutschte am Tresen ab, und das Glas fiel mit einem lauten *Klang* ins Spülbecken. Sie erstarrte. Auf der anderen Seite verstummte das Klavier abrupt. Stille. Clara hielt den Atem an, die Finger krallten sich in den Rand des Spülbeckens. *Er hat es gehört*, dachte sie. *Er weiß, dass ich hier bin.* Und dann, als wollte er es bestätigen, kehrte der Klang zurück – doch diesmal anders. Langsamer. Bewusster. Fast… *persönlich.* Es war, als würde er *für sie* spielen. Sie schloss die Augen und ließ den Kopf nach hinten sinken, die Lippen leicht geöffnet. Der Klang umhüllte sie, drang in sie ein, ließ ihren Körper auf eine Weise reagieren, von der sie nicht wusste, dass sie möglich war. Ohne nachzudenken, führte sie die Hand zum Knopf ihrer Jogginghose und schob die Finger hinein. Ein Stöhnen entwich ihr, bevor sie es zurückhalten konnte, leise, fast unhörbar. Und dann, auf der anderen Seite, eine lange, vibrierende Note, als hätte er den Laut auf seiner eigenen Haut gespürt. --- Lucas konnte nicht mehr denken. Die Musik hatte sich in etwas Primitives, Instinktives verwandelt. Jedes Mal, wenn er Claras Seufzer hörte – *ja, er wusste jetzt, dass sie es war* –, bewegten sich seine Hände schneller, drängender. Er stellte sich vor, wie sie aussah: lag sie auf dem Sofa? Saß sie auf dem Boden, den Rücken an die Wand gelehnt, wie er? War sie nackt? Oder noch bekleidet, die Finger unter dem Stoff arbeitend? Er wollte es wissen. Er *musste* es wissen. Dann hörte er plötzlich auf zu spielen. Die darauffolgende Stille war ohrenbetäubend. Lucas hielt den Atem an. Wartete. Eine Sekunde. Zwei. Drei. Und dann, als wäre es ein Signal, ein leises Geräusch von der anderen Seite: das Knarren einer sich öffnenden Tür. Clara verließ die Wohnung. Er sprang auf, das Herz hämmerte in seiner Brust. *Sie geht weg*, dachte er panisch. *Sie geht weg, und ich werde nie erfahren, wer sie ist.* Doch dann hörte er ein anderes Geräusch: das Klimpern von Schlüsseln, das Klicken des Schlosses. Sie kam *zurück*. Lucas rannte zur Wohnungstür, blieb aber stehen, bevor er sie öffnete. Was sollte er sagen? *Hallo, ich bin dein Nachbar, der dich letzte Nacht hat stöhnen hören und jetzt von dir besessen ist?* Nein. Das wäre Wahnsinn. Doch dann schloss sich Claras Tür mit einem leisen *Klick*, und er hörte ihre Schritte näher kommen. Sie war im Flur. Er war im Flur. Und plötzlich schien die Welt stillzustehen. Der Flur des Gebäudes roch nach Bohnerwachs und etwas Subtilerem, kaum wahrnehmbar – das zitronige Parfüm, das Clara sich morgens in den Nacken gesprüht hatte, vermischt mit dem sauberen Schweiß von jemandem, der gerade vom Fitnessstudio zurückgekehrt war. Sie blieb vor der Tür der 302 stehen, die Finger noch zitternd, als sie den Schlüssel ins Schloss steckte. Das Metall knirschte leicht, ein Geräusch, das in der hohlen Stille des engen Raums widerhallte. Da hörte sie es. Schritte. Nicht die eiligen Schritte von jemandem, der die Treppe hinabläuft, auch nicht das träge Schlurfen von jemandem, der Einkaufstaschen trägt. Es waren langsame, bedachte Schritte, als würde jeder Schritt abgemessen. Clara drehte langsam den Kopf, das noch feuchte Haar vom Duschen fiel ihr über die Schultern, und sah ihn. Lucas. Er stand nur wenige Meter entfernt, die Hand an die Wand gestützt, als bräuchte er Halt. Er trug ein schwarzes Hemd mit langen Ärmeln, die oberen Knöpfe offen, sodass die Kurve seines Schlüsselbeins zu sehen war, und eine Leinenhose, die locker auf seinen Hüften saß. Die Augen – dunkel, fast schwarz – waren mit einer Intensität auf sie gerichtet, die die Luft zwischen ihnen vibrieren ließ. Clara spürte das Gewicht dieses Blicks wie eine körperliche Berührung, etwas, das über ihre Haut glitt und eine Spur von Hitze hinterließ. — Hi — sagte er, die Stimme rau, als wäre er gerade aufgewacht. Oder als hätte er die ganze Nacht wach gelegen und nachgedacht. Sie schluckte trocken. *Er weiß es.* Die Gewissheit traf sie wie ein Schlag in den Magen. Es gab keine Möglichkeit, es nicht zu wissen. Die dünnen Wände, die gedämpften Stöhnen, die Musik, die sie spät in der Nacht laufen ließ – all das war ein stummer Dialog zwischen ihnen, ein Tanz aus Provokationen und Antworten. Und jetzt, hier im Flur, stand das Spiel kurz davor, sich zu ändern. — Hi — antwortete sie und versuchte, lässig zu klingen. Doch ihre Stimme kam leiser heraus als beabsichtigt, fast ein Flüstern. Sie räusperte sich und tat so, als würde sie in ihrer Tasche nach etwas suchen. — Du… wohnst auch hier? Lucas lächelte. Es war kein breites Lächeln, das die Zähne zeigte, sondern etwas Zurückhaltenderes, fast Gefährliches. Als wüsste er, dass sie log. — Dritter Stock — sagte er und deutete mit dem Kinn nach oben. — 303. Clara nickte, als wüsste sie nicht genau, wo er wohnte. Als hätte sie nicht die letzten Nächte damit verbracht, sich die Einrichtung seiner Wohnung vorzustellen, zu raten, wo sein Bett stand, wo er sich berührte, wenn er sie auf der anderen Seite der Wand stöhnen hörte. — Clara — stellte sie sich vor und streckte die Hand aus. — 302. Er blickte einen Moment länger als nötig auf ihre Hand, bevor er sie ergriff. Seine Finger waren lang, an den Spitzen schwielig – Finger eines Musikers, dachte sie. Und warm. So warm, dass Clara spürte, wie sich die Hitze ihren Arm hinauf ausbreitete, bis in den Nacken, sodass ihre Haut kribbelte. — Lucas — sagte er schließlich und ließ sie los. Doch nicht, bevor er mit dem Daumen leicht über ihr Handgelenk strich, eine fast unmerkliche Geste, die sie den Atem anhalten ließ. Der Flur schien zu schrumpfen. Die Luft wurde dichter, erfüllt von ihrem beider Geruch – ihrem Parfüm, seiner Seife, dem frisch gewaschenen Schweiß zweier Körper, die wussten, was Begierde war. Clara lehnte sich gegen die Tür, der Rücken presste sich gegen das kalte Holz, als bräuchte sie diesen Kontrast, um nicht einfach dort zu zerfließen. — Du… — begann sie, zögerte dann. *Was sagen?* *Fragen, ob er es gehört hat?* *Ob es ihm gefallen hat?* *Ob er sich auch selbst berührt hat, während er an sie dachte?* Lucas neigte den Kopf, als könnte er ihre Gedanken lesen. — Ich habe komponiert — sagte er langsam. — Ein neues Lied. — Ah. — Clara biss sich auf die Lippe. — Das muss… interessant sein. Er lachte, ein tiefer, kehliger Laut, der in ihrer Brust widerhallte. — Ja. Interessant ist ein Wort. Stille. Eine dieser geladenen Stille, in der jede Sekunde wie eine Ewigkeit wirkte. Clara spürte ihr Herz so laut schlagen, dass sie sicher war, er könnte es hören. Dann, plötzlich, trat Lucas einen Schritt näher, verringerte noch mehr den Abstand zwischen ihnen. — Willst du es hören? — fragte er, die Stimme fast ein Flüstern. Sie blinzelte. — Was? — Die Musik. — Er lächelte, doch seine Augen ließen keinen Zweifel: Es war nicht nur die Musik, zu der er sie einlud. — Ich kann sie dir vorspielen. Clara wusste, dass es eine Ausrede war. Sie wusste, dass sie, wenn sie zustimmte, eine Grenze überschreiten würde, von der es kein Zurück mehr gab. Doch das Verlangen hatte sie bereits erfasst, heiß und pulsierend, und die Vorstellung, mit ihm allein zu sein, seinen Körper so nah an ihrem zu spüren, zu hören, was er schuf, wenn die Spannung zwischen ihnen unerträglich wurde… war zu viel. — Ich… — Sie atmete tief durch. — Gerne. Lucas sagte nichts. Er streckte nur die Hand aus, die Finger leicht gekrümmt, als würde er sie zum Tanzen auffordern. Clara blickte auf diese Hand – stark, fähig, die Hand eines Mannes, der wusste, wie man seinen Körper einsetzte – und spürte, wie ein Schauer über ihren Rücken lief. Dann, ohne weiter nachzudenken, legte sie ihre Hand in seine. Die Berührung war elektrisch. Als würde ein Strom zwischen ihnen fließen und jede Nervenendung entzünden. Lucas schloss die Finger um ihre, fest, aber ohne zu drücken, und zog sie sanft in Richtung seiner Wohnung. Der Weg zur Tür der 303 war kurz, doch er schien eine Ewigkeit zu dauern. Clara spürte jeden Schritt, als würde sie über glühende Kohlen gehen. Sein Geruch wurde stärker – Holz, Leder, etwas Süßes und Männliches, das sie nicht identifizieren konnte, das sie aber noch näher zu ihm ziehen wollte. Als sie an der Tür ankamen, zögerte Lucas einen Moment, als würde auch er spüren, dass es ab diesem Moment kein Zurück mehr gab. Dann öffnete er die Tür. Die Wohnung war kleiner, als sie es sich vorgestellt hatte, aber mit einer fast obsessiven Präzision aufgeräumt. Ein schwarzer Flügel stand in der Mitte des Raumes, die Tasten glänzten im sanften Licht, das durch das Fenster fiel. Notenblätter lagen auf dem Boden verstreut, einige mit Bleistiftnotizen versehen. Das abgenutzte Ledersofa stand an der gegenüberliegenden Wand, und darauf lag eine Gitarre, als wäre sie hastig dort abgelegt worden. — Entschuldige die Unordnung — sagte er und schloss die Tür hinter ihr. Das Klicken des Schlosses klang wie ein Schlusspunkt, als wären sie nun gemeinsam in diesem Raum gefangen. Clara antwortete nicht. Sie war zu sehr damit beschäftigt, alles in sich aufzunehmen – die Wärme des Raumes, das Geräusch seines Atems hinter ihr, die Art, wie die Stille zwischen ihnen pulsierte. Dann, ohne Vorwarnung, ging Lucas an ihr vorbei und streifte dabei leicht ihren Arm, als er sich dem Klavier näherte. — Setz dich — sagte er und deutete auf das Sofa. Sie gehorchte und sank in das weiche Leder. Das Material knarrte leicht unter ihrem Gewicht, ein Geräusch, das sie innerlich zusammenzucken ließ. Lucas setzte sich nicht sofort ans Klavier. Stattdessen blieb er daneben stehen, die Hände auf den polierten Deckel gestützt, die Augen auf sie gerichtet. — Du bist Anwältin, oder? — fragte er plötzlich. Clara blinzelte, überrascht. — Woher weißt du das? Er zuckte mit den Schultern, ein Lächeln spielte um seine Lippen. — Ich habe dich neulich am Telefon gehört. Irgendwas über einen Prozess. Ihr Gesicht wurde heiß. *Er hat aufgepasst.* *Er hat mehr gehört als nur die Stöhnen.* — Ja — bestätigte sie und schlug die Beine übereinander. Die Bewegung ließ den Stoff ihres Rocks ein wenig hochrutschen und enthüllte mehr von ihrem Oberschenkel. Lucas folgte der Bewegung mit den Augen, und Clara sah, wie sein Adamsapfel sich bewegte, als er schluckte. — Und du… — begann sie, zögerte dann. — Du bist Musiker. — Ja — sagte er einfach. Dann, als hätte er eine Entscheidung getroffen, setzte er sich ans Klavier. Die Tasten knarrten leicht unter seinen Fingern. Clara hielt den Atem an. Lucas begann nicht sofort zu spielen. Zuerst sah er sie an, die dunklen Augen brannten mit einer Intensität, die sie auf dem Sofa unruhig werden ließ. Dann bewegten sich langsam seine Hände. Die erste Note war tief, fast ein Flüstern. Eine Melodie, die sanft begann, aber bald an Kraft gewann und den Raum zwischen ihnen wie eine physische Präsenz erfüllte. Clara spürte, wie der Klang in ihrer Brust vibrierte, in ihren Rippen, als wäre jede Note ein Finger, der über ihre Haut strich. Und dann, ohne Vorwarnung, begann Lucas zu singen. Seine Stimme war rau, tief, voller einer Emotion, die sie nicht benennen konnte. Die Worte waren auf Englisch, etwas über Verlangen und dünne Wände, über Geräusche, die ohne Erlaubnis entkamen. Claras ganzer Körper reagierte – die Brustwarzen richteten sich unter der Bluse auf, die Hitze sammelte sich zwischen ihren Beinen, der Atem wurde schneller, flacher. Sie bemerkte nicht, dass sie sich nach vorne lehnte, bis ihre Hände sich auf dem Sofa abstützten, die Finger sich ins Leder gruben. Lucas beobachtete sie, während er sang, die Augen wichen nie von ihren, als wäre jedes Wort eine Einladung, eine Provokation. Und dann hörte er plötzlich auf. Die darauffolgende Stille war so dicht, dass Clara fast stöhnte. Sie wollte mehr. Sie *brauchte* mehr. — Warum hörst du auf? — fragte sie mit zitternder Stimme. Lucas antwortete nicht. Stattdessen stand er vom Klavierhocker auf und ging auf sie zu. Clara spürte, wie ihr Herz schneller schlug, das Blut pochte in ihren Schläfen. Er blieb vor ihr stehen, so nah, dass sie die Wärme seines Körpers spüren konnte, den Geruch seiner Haut, vermischt mit dem Duft des Klaviers. — Weil — sagte er mit rauer Stimme — ich nicht will, dass du die Musik hörst. Sie runzelte die Stirn. — Nicht? — Nein. — Er beugte sich vor, stützte die Hände auf die Armlehnen des Sofas und schloss sie zwischen seinen Armen ein. — Ich will, dass du sie *fühlst*. Und dann küsste er sie, bevor sie antworten konnte. Lucas’ Lippen waren weicher, als Clara es sich vorgestellt hatte, doch die Dringlichkeit, mit der er sie küsste, ließ keinen Raum für Zärtlichkeiten. Es war ein Kuss voller alten Hungers, einer, der sich in schlaflosen Nächten und erstickten Seufzern gegen Kissen angesammelt hatte. Sie erwiderte ihn mit der gleichen Intensität, die Hände glitten über seine Arme, bis sie seine breiten Schultern fanden, spürte die Anspannung der Muskeln unter dem Hemd. Das Sofa knarrte leicht, als sie sich noch näher an ihn schmiegte, mehr Nähe suchte, mehr Druck, mehr *ihn*. Lucas stöhnte gegen ihren Mund, ein rauer Laut, der zwischen ihnen vibrierte, und Clara spürte, wie ihr ganzer Körper reagierte – die Brustwarzen richteten sich unter dem dünnen Stoff ihrer Bluse auf, die Hitze breitete sich zwischen ihren Beinen aus. Er biss sanft in ihre Unterlippe, bevor er das Gesicht gerade so weit zurückzog, dass er murmeln konnte: — Du hast keine Ahnung, wie sehr ich das tun wollte. — Dann zeig es mir — forderte sie heraus, die Stimme atemloser, als sie beabsichtigt hatte. Er brauchte keine weitere Ermutigung. Lucas’ Hände glitten über ihren Rücken, zogen sie näher an sich, während sein Mund ihren Hals hinabwanderte und eine Spur aus feuchten Küssen und sanften Bissen hinterließ, die Clara den Rücken durchbiegen ließen. Sie spürte, wie seine Zähne über die empfindliche Haut direkt unter ihrem Ohr strichen, und erschauderte, ein Stöhnen entwich ihr, bevor sie es zurückhalten konnte. Das Geräusch hallte durch die Wohnung, und für einen Moment erstarrten beide. Die dünnen Wände. Die Erinnerung an das, was sie trennte – und das, was sie verband – entfachte etwas noch Wilderes zwischen ihnen. Clara packte Lucas’ Haare und zog ihn zurück zu ihrem Mund, während er sie mit einer fließenden Bewegung vom Sofa hob. Sie schlang die Beine um seine Taille und spürte die Härte seiner Erektion genau dort, wo sie sie am meisten brauchte. — Verdammt — knurrte er, die Hände packten ihren Po, während er sie durch die Wohnung trug. — Du bringst mich um, bevor die Nacht vorbei ist. — Besser glücklich sterben — erwiderte sie und lachte leise, doch das Lachen verwandelte sich in ein Seufzen, als er sie gegen die Wand neben dem Klavier drückte. Ihr Körper glitt langsam nach unten, bis ihre Füße den Boden berührten, doch Lucas ließ sie nicht los. Stattdessen hielt er ihr Gesicht zwischen den Händen und küsste sie erneut, diesmal langsamer, als wollte er ihren Geschmack auswendig lernen. Clara spürte, wie seine Finger über ihren Arm glitten, eine Gänsehaut hinterließen, bis sie sich mit ihren verflochten. Er führte ihre Hand nach unten und drückte sie gegen seinen Schritt, und Clara brauchte keine weiteren Anweisungen. Sie packte ihn durch die Jeans und hörte ihn leise fluchen. — Du stehst also darauf, mich zu provozieren, oder? — fragte er, die Stimme rau, während er ihr Kinn knabberte. — Ich gebe nur zurück, was ich bekomme — flüsterte sie und drückte ihn erneut. Lucas stöhnte, die Hüften drängten sich unwillkürlich gegen ihre Hand. Dann, plötzlich, ließ er sie los und trat einen Schritt zurück. Clara wollte schon protestieren, doch er lächelte nur – ein langsames, gefährliches Lächeln – und streckte die Hand aus. — Tanz mit mir. Sie zögerte einen Moment, doch der Glanz in seinen Augen war unwiderstehlich. Sie nahm seine Hand, ließ sich in die Mitte des Raumes ziehen. Die Wohnung war fast dunkel, nur das bernsteinfarbene Licht der Lampe neben dem Klavier erhellte den Raum. Die Musik hallte noch irgendwo in ihrer Erinnerung wider – eine sinnliche Melodie ohne Worte, aber voller Versprechungen. Lucas zog sie an sich, eine Hand an ihrer Taille, die andere hielt ihre gegen seine Brust. Sein Körper war warm, fest, und Clara spürte, wie sein Herz unter ihrer Handfläche schnell und unregelmäßig schlug. Sie begannen, sich langsam zu bewegen, fast ohne Rhythmus, als würden sie die Schritte des anderen lernen. Doch bald wurde der Tanz intensiver, die Körper pressten sich aneinander, die Hüften rieben auf eine Weise aneinander, die Clara auf die Lippe beißen ließ, um nicht laut zu stöhnen. — Spürst du das? — murmelte er, sein Mund nahe an ihrem Ohr. — Als würden die Wände uns zuhören? Clara erschauderte. Ja, sie spürte es. Jeder Seufzer, jede Berührung von Stoff, jeder Herzschlag von ihnen schien verstärkt, als würde die ganze Wohnung mit der Spannung zwischen ihnen vibrieren. Sie neigte den Kopf nach hinten, entblößte ihren Hals, und Lucas nutzte die Gelegenheit – er küsste die empfindliche Haut, dann das Schlüsselbein, während seine Hände über ihren Rücken glitten und sie noch näher an sich zogen. — Ich wollte, dass du weißt — sagte er mit rauer Stimme —, wie sehr ich dich gehört habe. Jede Nacht. Clara schloss die Augen und spürte seinen warmen Atem auf ihrer Haut. Ihre Hände glitten über seine Arme, spürten die angespannten Muskeln, bis sie seinen Nacken fanden und ihn zu einem Kuss herunterzogen. Diesmal gab es keine Eile. Es war ein langsamer, tiefer, erkundender Kuss, als hätten sie alle Zeit der Welt. Doch ihr Körper schrie nach mehr, und Clara spürte, wie sich ihre Nägel leicht in seine Schultern gruben, als er in ihre Unterlippe biss. — Lucas — stöhnte sie, sein Name kam wie eine Bitte über ihre Lippen. Er antwortete, indem er sie fester an sich zog, die Hüften pressten sich auf eine Weise an ihre, die keinen Zweifel daran ließ, was er wollte. Clara spürte die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen, ihr ganzer Körper pochte vor Verlangen. Seine Hände glitten nach unten, packten ihren Po und hoben sie leicht an, und sie widerstand nicht – sie schlang die Beine erneut um seine Taille und spürte, wie seine Erektion genau dort drückte, wo sie sie brauchte. — Verdammt, Clara — knurrte er, die Lippen an ihrem Hals. — Du machst mich verrückt. Sie lachte leise, doch das Lachen verwandelte sich in ein Stöhnen, als er sie erneut gegen die Wand drückte, die Hände glitten unter ihre Bluse und zogen sie nach oben. Clara hob die Arme, ließ ihn sie ausziehen, und spürte bald die kühle Luft der Nacht auf ihrer nackten Haut. Lucas verlor keine Zeit – seine Lippen fanden eine Brustwarze, saugten fest daran, während die freie Hand die andere Brust knetete. Clara bog den Rücken durch, die Nägel gruben sich in seine Schultern, das Vergnügen war so intensiv, dass sie fast das Gleichgewicht verlor. Sie spürte, wie seine Zähne über die empfindliche Brustwarze strichen, und stöhnte laut, ohne sich darum zu kümmern, ob der Nachbar auf der anderen Seite der Wand sie hören konnte. Lucas hob den Kopf, die Augen dunkel vor Verlangen, und für einen Moment sahen sie sich nur an, keuchend. — Ich will dich — sagte er mit rauer Stimme. — Jetzt. Clara antwortete nicht. Stattdessen zog sie ihn zu einem weiteren Kuss, die Hände glitten zu seinem Jeansknopf. Lucas half ihr, trat einen Schritt zurück, um das Hemd auszuziehen, und enthüllte eine muskulöse Brust, leicht mit feinen Haaren bedeckt. Clara strich mit den Händen darüber, spürte die warme Haut, die angespannten Muskeln unter ihren Fingern, bevor sie die Jeans nach unten schob. Er kickte das Kleidungsstück beiseite und stand nur noch in Boxershorts da, die Erektion deutlich unter dem dünnen Stoff. Clara biss sich auf die Lippe, die Augen auf ihn gerichtet, bevor sie sich langsam hinkniete. Lucas stöhnte, als sie die Boxershorts nach unten zog und ihn befreite, und zögerte nicht – sie umschloss ihn mit der Hand, spürte die seidige Textur und die pulsierende Härte, bevor sie ihn in den Mund nahm. — Clara — knurrte er, die Hände vergruben sich in ihren Haaren. Sie hörte nicht auf. Sie leckte ihn langsam, spürte den salzigen Geschmack, bevor sie ihn tiefer nahm, die Hände arbeiteten im Einklang mit ihrem Mund. Lucas stöhnte laut, die Hüften drängten sich leicht nach vorne, und Clara spürte die Macht dieses Moments – er war ihr ausgeliefert, und sie liebte es. Doch dann zog er sie hoch und küsste sie mit erneuter Dringlichkeit. — Genug — murmelte er gegen ihren Mund. — Ich muss in dir sein. Clara widersprach nicht. Sie ließ sich zum Sofa tragen, wo Lucas sie sanft hinlegte, bevor er sich zwischen ihre Beine kniete. Er zog ihren Slip aus, die Finger streiften die empfindliche Haut ihrer Oberschenkel, und Clara spürte, wie ihr ganzer Körper vor Vorfreude zitterte. Als er endlich ihren Kitzler berührte, stöhnte sie laut, der Rücken bog sich durch. — So nass — murmelte er, die Finger glitten mühelos. — So bereit. Clara konnte nicht sprechen. Sie konnte nur fühlen – seine Finger, die sie erkundeten, sie provozierten, bis sie am Rande des Abgrunds stand. Doch dann hörte er auf und ließ sie keuchend zurück, die Augen auf sie gerichtet, während er die Finger zum Mund führte und sie langsam ableckte. — Köstlich — sagte er mit rauer Stimme. Sie wäre fast auf der Stelle gekommen. Lucas stand auf, holte etwas aus seiner Brieftasche, bevor er zu ihr zurückkehrte. Clara beobachtete wie gebannt, wie er das Kondom überstreifte, die Bewegungen präzise und drängend. Dann war er über ihr, der Körper presste sie gegen das Sofa, und Clara öffnete die Beine, um ihn aufzunehmen. Für einen Moment sah er sie nur an, die Augen dunkel und intensiv. — Bist du sicher? — fragte er mit leiser Stimme. Clara antwortete, indem sie ihn näher zu sich zog, die Lippen fanden sich in einem verzweifelten Kuss. — Ich war mir noch nie so sicher in meinem Leben. Und dann drang er in sie ein. Clara stöhnte laut, die Nägel gruben sich in seinen Rücken, während er sich langsam bewegte, um ihr Zeit zu geben, sich an ihn zu gewöhnen. Doch bald wich die Langsamkeit etwas Wilderem, Dringenderem, und sie passte sich jedem Stoß an, die Körper verschmolzen und trennten sich in einem Rhythmus, der die Wände der Wohnung erzittern ließ. — Mehr — bat sie mit gebrochener Stimme. — Fester. Lucas gehorchte. Die Bewegungen wurden tiefer, intensiver, und Clara spürte, wie der Orgasmus sich wie eine Welle näherte. Sie klammerte sich an ihn, die Lippen fanden seinen Hals, bissen leicht hinein, während die Lust sie verzehrte. — Verdammt, Clara — stöhnte er mit rauer Stimme. — Ich komme gleich. — Komm mit mir — flüsterte sie und spürte, wie sich ihr Körper um ihn zusammenzog. Und dann passierte es. Der Orgasmus traf sie mit voller Wucht, ließ sie den Rücken durchbiegen, die Stöhnen hallten durch die Wohnung. Lucas folgte ihr kurz darauf, die Bewegungen verloren den Rhythmus, während er sich ein letztes Mal tief in sie stieß, der Körper zitterte. Für einen langen Moment blieben sie so liegen, keuchend, die Körper ineinander verschlungen. Clara spürte sein Herz gegen ihres schlagen, schnell und unregelmäßig, und lächelte gegen seine Haut. Doch dann, als würde er sich plötzlich daran erinnern, wo sie waren, hob Lucas den Kopf, die Augen trafen ihre. — Die Wände — murmelte er, ein langsames Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. Clara lachte leise, doch das Geräusch erstarb in ihrer Kehle, als er sie erneut küsste, diesmal sanft, als würde er versprechen, dass dies erst der Anfang war. Und zum ersten Mal seit langer Zeit glaubte sie ihm. Lucas zog sie mit einer geschmeidigen Bewegung in die Wohnung, die Hände fest an ihrer Taille, während die Tür hinter ihnen mit einem leisen Klicken ins Schloss fiel. Der Raum war klein, nur vom bernsteinfarbenen Licht einer Lampe in der Ecke erhellt, das tanzende Schatten an die Wände warf, die mit Notenblättern und Plakaten obskurer Bands bedeckt waren. Die Luft roch nach altem Kaffee, poliertem Holz und etwas anderem – dem männlichen Duft von Lucas, eine Mischung aus Sandelholz und sauberem Schweiß, die sie tief einatmete, als könnte sie ihn in sich aufnehmen. — Bist du sicher? — murmelte er gegen ihren Mund, die Finger glitten bereits unter den Saum ihrer Bluse und berührten die warme Haut ihrer Taille. Clara antwortete nicht mit Worten. Stattdessen zog sie ihn näher zu sich, die Lippen fanden sich in einem hungrigen Kuss, die Hände vergruben sich in seinen dunklen, leicht feuchten Haaren im Nacken. Sie schmeckte Minze und etwas Süßeres, vielleicht den Wein, den er zuvor getrunken hatte, und stöhnte leise, als seine Zähne über ihre Unterlippe strichen. — Ich will dich — flüsterte sie mit rauer Stimme. — Seit dem ersten Mal, als ich dich durch die Wand gehört habe. Lucas stieß ein kehliges Geräusch aus, fast ein Knurren, und drückte sie gegen die nächste Wand. Seine Hände erkundeten ihren Körper mit einer Dringlichkeit, die sie atemlos machte – die Finger zeichneten die Konturen ihrer Brüste durch den dünnen Stoff der Bluse nach, glitten über die Kurve ihrer Hüfte, zogen sie näher an sich, sodass sie seine harte Erektion an ihrem Oberschenkel spürte. — Du hast keine Ahnung, was du mit mir gemacht hast — sagte er mit rauer Stimme, die Lippen glitten über ihren Hals und hinterließen eine Spur aus Feuer. — Ich lag wach, hörte dich dich berühren und stellte mir vor, wie es wäre, dich zu schmecken. Clara bog sich gegen ihn, die Nägel gruben sich in seine breiten Schultern. Die kalte Wand in ihrem Rücken kontrastierte mit der Hitze, die von seinem Körper ausging, und sie gab sich der Empfindung hin, die Hüften bewegten sich instinktiv gegen seine. — Dann zeig es mir — forderte sie heraus und zog die Bluse über den Kopf, ließ sie zu Boden fallen. Lucas verlor keine Zeit. Seine Lippen fanden die Vertiefung zwischen ihren Brüsten, die Zunge zeichnete langsame, feuchte Kreise auf die empfindliche Haut, während die Hände den BH mit einer Geschicklichkeit öffneten, die von Übung zeugte. Als der Stoff fiel, wich er einen Schritt zurück, die dunklen Augen musterten ihren Körper mit einer Intensität, die sie erschaudern ließ. — Verdammt, Clara — murmelte er mit bewundernder Stimme. — Du bist wunderschön. Sie hatte keine Zeit zu antworten. Lucas hob sie mühelos in seine Arme und trug sie zum abgenutzten Sofa in der Mitte des Raumes. Er legte sie auf die Kissen, der Körper bedeckte ihren, während die Lippen über ihren Bauch wanderten und feuchte Küsse und sanfte Bisse hinterließen, die sie sich winden ließen. — Lucas… — stöhnte sie, die Hände vergruben sich in seinen Haaren, als sein Mund die empfindliche Brustwarze fand und fest daran saugte. Er lachte leise, der warme Atem strich über ihre Haut. — Pssst — flüsterte er, die Finger glitten in ihre Hose und fanden sie bereits feucht und bereit. — Die Wände, erinnerst du dich? Clara biss sich auf die Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken, als seine Finger sich in langsamen, quälenden Kreisen zu bewegen begannen. Das Vergnügen war fast unerträglich, und sie bog sich gegen seine Hand, die Hüften bewegten sich im Einklang mit dem Rhythmus, den er vorgab. — Gefällt dir das? — fragte er, die Stimme ein raues Flüstern an ihrem Ohr. — Ja — keuchte sie, die Nägel gruben sich in seinen Rücken. — Mehr. Lucas ließ sie nicht warten. Mit einer schnellen Bewegung zog er ihr die Hose aus, ließ sie nur noch im Slip zurück, und kniete sich zwischen ihre Beine. Die dunklen Augen trafen ihre für einen Moment, als würde er um Erlaubnis bitten, und Clara nickte, die Beine öffneten sich instinktiv. Diesmal provozierte er sie nicht. Sein Mund senkte sich mit einer Gier auf sie, die sie aufschreien ließ, die Lippen und die Zunge arbeiteten in einem unerbittlichen Rhythmus. Clara packte seine Haare, die Hüften bewegten sich gegen sein Gesicht, während die Lust sie verzehrte, jeder Berührung sandte Wellen der Hitze durch ihren Körper. — Lucas, ich… — versuchte sie zu warnen, doch die Worte verloren sich in einem Stöhnen, als er sie über die Klippe trieb, der Orgasmus explodierte in intensiven Wellen, die sie keuchend zurückließen. Er hörte nicht auf. Er leckte und saugte weiter, verlängerte das Vergnügen, bis sie schlaff war und die Muskeln zitterten. Erst dann wich er zurück, die Lippen glänzten, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. — Du schmeckst köstlich — murmelte er und küsste sie tief. Clara schmeckte sich selbst auf seinen Lippen und stöhnte, die Hände glitten über sein Hemd und zogen es ihm über den Kopf. Die Körper passten perfekt zusammen, Haut an Haut, und sie spürte seine Erektion, heiß und hart, gegen ihren Oberschenkel drücken. — Deine Runde — flüsterte sie und drückte ihn auf das Sofa, setzte sich rittlings auf ihn. Lucas lachte, doch das Geräusch verwandelte sich in ein Stöhnen, als sie seinen Hosenknopf öffnete und ihn befreite, die Finger umschlossen ihn fest. Er schloss die Augen, der Kopf fiel nach hinten, während sie sich zu bewegen begann, die Hüften rieben in einem langsamen, provozierenden Rhythmus gegen seine. — Clara… — stöhnte er, die Hände packten ihre Hüften. — Ich halte das nicht aus, wenn du so weitermachst. Sie lächelte, beugte sich vor und küsste ihn, die Zunge glitt gegen seine, während die Bewegungen schneller, drängender wurden. — Dann halt es nicht aus — flüsterte sie gegen seine Lippen. Lucas brauchte keine weitere Ermutigung. Mit einer schnellen Bewegung drehte er sie auf den Rücken, die Körper fanden wieder zueinander. Clara spürte die Spitze seiner Erektion gegen sich drücken und bog sich ihm entgegen, begierig. — Bitte — bat sie, die Nägel gruben sich in seine Schultern. Er ließ sie nicht warten. Mit einem einzigen Stoß drang er in sie ein und füllte sie vollständig aus. Clara schrie auf, die Finger vergruben sich in seinen Haaren, während er sich zu bewegen begann, die Hüften schlugen in einem unerbittlichen Rhythmus gegen ihre. — Du bist so eng — stöhnte er, die Lippen fanden ihren Hals und knabberten an der empfindlichen Haut. — So perfekt. Clara konnte nicht antworten. Das Vergnügen war überwältigend, jeder Stoß sandte Wellen der Hitze durch ihren Körper. Sie schlang die Beine um seine Taille, zog ihn näher, tiefer, während die Stöhnen durch die Wohnung hallten. — Fester — bat sie mit rauer Stimme. — Ich will dich spüren. Lucas gehorchte. Die Bewegungen wurden schneller, intensiver, die Körper prallten in einem frenetischen Rhythmus aufeinander. Clara spürte, wie sich der Orgasmus erneut näherte, der ganze Körper zitterte, während er sie an den Rand trieb. — Komm mit mir — flüsterte er mit rauer Stimme. Und dann passierte es. Die Lust traf sie mit voller Wucht, ließ sie den Rücken durchbiegen, die Stöhnen hallten durch die Wohnung. Lucas folgte ihr kurz darauf, die Bewegungen verloren den Rhythmus, während er sich ein letztes Mal tief in sie stieß, der Körper zitterte. Für einen langen Moment blieben sie so liegen, keuchend, die Körper ineinander verschlungen. Clara spürte sein Herz gegen ihres schlagen, schnell und unregelmäßig, und lächelte gegen seine Haut. Doch dann, als würde er sich plötzlich daran erinnern, wo sie waren, hob Lucas den Kopf, die Augen trafen ihre. — Die Wände — murmelte er, ein langsames Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. Clara lachte leise, doch das Geräusch erstarb in ihrer Kehle, als er sie erneut küsste, diesmal sanft, als würde er versprechen, dass dies erst der Anfang war. Und zum ersten Mal seit langer Zeit glaubte sie ihm. Doch als ihr Atem sich schließlich beruhigte und der Schweiß auf ihrer Haut zu trocknen begann, spürte Clara ein flaues Gefühl im Magen. Es war nicht nur die kühle Luft der Nacht. Es war etwas Tieferes, eine Frage, auf die sie keine Antwort wusste. Lucas drehte sich auf die Seite, zog sie an seine Brust, die Finger zeichneten träge Kreise auf ihren Rücken. — Was ist los? — fragte er sanft. Clara zögerte. Es war nicht der Moment für Zweifel, doch sie waren da, hartnäckig. — Und jetzt? — murmelte sie, die Finger spielten mit den Haaren auf seiner Brust. Lucas schwieg einen Moment. Dann seufzte er und zog sie näher an sich, die Lippen streiften ihre Schläfe. — Jetzt — sagte er leise — sehen wir, was passiert. Und obwohl die Worte einfach waren, spürte Clara ihr Gewicht. Denn zum ersten Mal ging es nicht nur um Verlangen. Es ging um etwas mehr. Etwas, für das keiner von ihnen bereit war, einen Namen zu finden. Das Morgenlicht drang wie ein Eindringling in Lucas’ Schlafzimmer ein, gefiltert durch die dünnen Vorhänge, die das grelle Sonnenlicht kaum dämpften. Clara erwachte vor ihm, die Augen noch schwer vom Schlaf und etwas anderem – einer Mischung aus Befriedigung und Unruhe, die sich wie ein zu straff gespannter Seidenfaden um ihre Brust legte. Das Laken war zu ihren Füßen verknüllt, und ihre Haut, noch warm von der vergangenen Nacht, spürte nun die kühle Luft des Raumes. Neben ihr atmete Lucas langsam, der Arm lag besitzergreifend und doch lässig über ihrer Hüfte. Sie drehte den Kopf, um ihn zu betrachten. Die dunklen Wimpern berührten seine Wangenknochen, und der leicht geöffnete Mund atmete warm und roch nach Schlaf und getrocknetem Schweiß. Clara spürte, wie ein Schauer über ihren Rücken lief, nicht vor Kälte, sondern vor Erinnerung – die erstickten Stöhnen gegen das Kissen, seine Hände, die ihre Handgelenke über dem Kopf festhielten, die Art, wie er sie angesehen hatte, während er in sie eindrang, als wollte er jedes Detail von ihr in seiner Netzhaut verewigen. Es war zu viel. Es war zu wenig. Es war gefährlich. Vorsichtig löste sie sich aus seiner Umarmung und setzte sich auf die Bettkante. Der Boden war kalt unter ihren Füßen, und die Berührung mit dem glatten Holz ließ sie erschaudern. Im Bad spiegelte sich eine Frau, die sie kaum wiedererkannte: die geschwollenen Lippen, die Brustwarzen, die noch empfindlich auf die Berührung der Luft reagierten, das zerzauste Haar, als wäre es von gierigen Fingern durchwühlt worden. Sie strich mit den Fingern über ihren Hals, spürte die leichten Male, die Lucas’ Zähne hinterlassen hatten, und schloss die Augen. *Was habe ich getan?* Als sie ins Schlafzimmer zurückkehrte, war er wach, saß gegen das Kopfende gelehnt, die Bettdecke bis zur Taille hochgezogen. Seine Augen folgten ihr, während sie sich bewegte, und in ihnen lag etwas – eine Intensität, die nicht nur Verlangen war, sondern auch eine stille Frage. Clara zögerte, dann nahm sie sein Hemd vom Boden und zog es an, spürte den Stoff, der noch nach ihnen beiden roch. — Guten Morgen — sagte sie, die Stimme rau vom Schlaf und etwas anderem. Lucas lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln, das ihren Magen zusammenziehen ließ. — Guten Morgen — antwortete er und streckte die Hand aus. — Komm her. Sie sollte ablehnen. Sie sollte ihre Sachen nehmen, sich anziehen und gehen, bevor es noch komplizierter wurde. Doch seine Finger verflochten sich bereits mit ihren, zogen sie zurück ins Bett, und Clara ließ sich neben ihn fallen, der Körper reagierte, bevor der Verstand protestieren konnte. — Du bist so still — murmelte er, die Lippen streiften ihr Ohr, während seine Hand über ihren nackten Oberschenkel glitt. — Ich denke nach — gab sie zu, der Atem beschleunigte sich, als seine Finger ihre Haut erkundeten. — Worüber? Clara zögerte. *Darüber, wie falsch das ist. Darüber, dass ich dich nicht wollen sollte. Darüber, dass ich nicht aufhören kann, dich zu wollen.* — Darüber, wie dünn die Wände sind — sagte sie schließlich und blickte zu der Stelle, wo die Wand ihres Schlafzimmers auf seine traf. — Darüber, dass wahrscheinlich jeder in diesem Gebäude uns letzte Nacht gehört hat. Lucas lachte, ein tiefer, vibrierender Laut, der in ihrer Brust widerhallte. — Glaubst du, das kümmert mich? — Mich kümmert es. — Warum? — Er neigte den Kopf, die Finger zeichneten träge Kreise auf ihre Haut. — Bereust du es? Clara öffnete den Mund, um zu sagen, dass es ein Fehler gewesen sei, dass sie alles vergessen und weitermachen sollten, als wäre nichts passiert. Doch die Worte erstarben in ihrer Kehle, als er sie auf sich zog, das Laken rutschte herunter und enthüllte seine morgendliche Erektion, hart und fordernd gegen ihren Bauch. — Nein — flüsterte sie, die Stimme brach. — Ich bereue es nicht. Lucas lächelte zufrieden und zog sie zu einem Kuss heran. Es war langsam, tief, als hätte er alle Zeit der Welt, um ihren Mund zu erkunden, um den Geschmack des Kaffees zu kosten, den sie noch nicht getrunken hatten. Als er sich zurückzog, glänzten seine Augen mit etwas, das über reine Lust hinausging. — Was ist dann das Problem? — Das Problem — sagte sie, die Hände auf seiner Brust, spürte seinen schnellen Herzschlag unter den Handflächen — ist, dass das keine einmalige Sache sein sollte. — Wer hat das gesagt? — Ich. Du. Die Situation. Lucas hielt ihr Gesicht zwischen den Händen und zwang sie, ihn anzusehen. — Clara, ich bin kein Junge. Ich werde nicht so tun, als würde ich dich nicht wollen, nur weil wir uns auf eine… unkonventionelle Weise kennengelernt haben. — Er machte eine Pause, die Daumen strichen über ihre Wangenknochen. — Und du bist auch kein Mädchen. Warum tun wir also so, als wäre das nur Sex? Sie spürte, wie ihr die Tränen in die Augen schossen, doch sie ließ sie nicht fallen. Denn er hatte recht. Denn tief in ihrem Inneren wusste sie, dass es nicht nur das war. Nicht für sie. Nicht nach der Art, wie er sie angesehen hatte, während er sie zum Höhepunkt brachte, als wäre sie das Einzige, was auf der Welt zählte. — Ich weiß nicht — gab sie zu, die Stimme brach. — Ich will nur nicht verletzt werden. Lucas zog sie näher an sich, umarmte sie auf eine Weise, die zugleich tröstend und besitzergreifend war. — Ich will dich auch nicht verletzen — murmelte er gegen ihr Haar. — Aber wir müssen jetzt nichts entscheiden. Wir können es einfach… geschehen lassen. Clara schloss die Augen und atmete seinen Geruch ein – Seife, Schweiß, Sex. Es war verlockend. Es war beängstigend. Es war genau das, was sie wollte. — Und wenn wir es bereuen? — fragte sie, die Stimme gedämpft gegen seine Brust. — Dann bereuen wir es zusammen — antwortete er einfach. — Aber ich glaube nicht, dass das passieren wird. Sie antwortete nicht. Stattdessen küsste sie ihn erneut, diesmal mit mehr Dringlichkeit, als wollte sie sich selbst beweisen, dass sie noch die Kontrolle darüber hatte. Doch als seine Hände nach unten glitten, das Hemd, das sie trug, hochschoben und ihre Brüste der kühlen Morgenluft preisgaben, wusste Clara, dass es keine Kontrolle gab. Es gab nur sie beide und das Verlangen, das zwischen ihnen brannte wie ein Feuer, das nicht zu löschen war. Lucas drehte sie auf den Rücken, bedeckte ihren Körper mit seinem, und Clara bog den Rücken durch, als er eine Brustwarze in den Mund nahm und fest genug daran saugte, um sie stöhnen zu lassen. Die Wände waren dünn. Die Nachbarn waren wahrscheinlich wach. Doch in diesem Moment war es egal. — Lucas… — flüsterte sie, die Nägel gruben sich in seine Schultern. — Pssst — murmelte er, der Mund wanderte zur anderen Brust. — Lass sie hören. Und sie ließ es zu. Später, als sie erschöpft und zufrieden nebeneinander lagen, bemerkte Clara, dass es zwischen ihnen keine Verlegenheit mehr gab. Nur eine seltsame Ruhe, als hätten sie eine Grenze überschritten und festgestellt, dass es auf der anderen Seite kein Bedauern gab, nur Erleichterung. — Was machst du heute? — fragte sie, die Finger spielten mit den Haaren auf seiner Brust. — Komponieren — antwortete er und küsste ihre Handfläche. — Vielleicht schreibe ich ein Lied über eine Nachbarin, die mich verrückt macht. Clara lachte, doch ihr Herz schlug schneller. — Wag es ja nicht. — Warum nicht? — Er lächelte verschmitzt. — Möchtest du nicht in einem Lied unsterblich werden? — Ich bevorzuge es, auf andere Weise unsterblich zu werden — erwiderte sie und setzte sich rittlings auf ihn. Lucas stöhnte, die Hände packten ihre Hüften. — Das lässt sich einrichten. Und so verloren sie sich erneut – diesmal mit der Gewissheit, dass es nicht das letzte Mal sein würde.

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