Das Geheimnis des oberen Stockwerks
Von Tonkix

**Das Geheimnis des oberen Stockwerks**
Lucas’ Wohnung roch nach altem Kaffee und zerknülltem Papier, eine Mischung, die für ihn den Duft domestizierter Einsamkeit ausmachte. Die Wände seines Studios, tapeziert mit Büchern und mit Klebeband befestigten Notizen, saugten das Schweigen der Morgenstunden auf wie ein Schwamm, um es bei Einbruch der Nacht in gedämpften Echos zurückzugeben. Er schrieb im Licht einer Tischlampe, deren gelblicher Schein sein Gesicht in Schatten tauchte und die Falten um seine Augen betonte – Spuren schlafloser Nächte und Gedanken, die sich hartnäckig weigerten, zu Worten zu werden.
Er war ein Mann präziser Routinen: Er erwachte mit der Sonne, die gegen sein Schlafzimmerfenster schlug, bereitete Kaffee in der italienischen Kanne zu, die wie eine gereizte Katze zischte, und verbrachte die ersten Morgenstunden damit, Ideen in ledergebundene Notizbücher zu kritzeln. Am Nachmittag las er sich selbst laut vor, als wolle er das Gewicht jedes Satzes in der Luft prüfen. Doch in letzter Zeit hatte sich etwas verändert. Nicht die Worte lenkten ihn ab, sondern die Geräusche, die von der Decke kamen.
Zuerst waren es die Schritte.
Leicht, fast unmerklich, als ginge jemand auf Baumwolle. Doch Lucas kannte den Rhythmus des Hauses – Herr Almeida aus der 302 schleifte die Füße, als trüge er Blei in den Schuhen; Frau Marta aus der 201 hatte eine Art, mit den Absätzen zu klackern, die den Kronleuchter im Wohnzimmer zum Klingeln brachte. Diese Schritte jedoch waren anders. Sie waren schnell, fast tänzerisch, als wäre die Person über ihm immer in Eile, aber ohne wirkliche Hast. Manchmal blieben sie abrupt stehen, als hätte ihr Besitzer sich an etwas Wichtiges erinnert. Manchmal beschleunigten sie sich, als würde jemand vor etwas fliehen.
Dann kamen die Flüstertöne.
Es waren keine klaren Stimmen, sondern Klangfetzen, die durch die Ritzen der Decke drangen und sich mit dem Brummen des Kühlschranks und dem Zischen der Heizung vermischten. Lucas neigte den Kopf, um besser zu hören, die Finger reglos über der Tastatur seines Laptops. Ein unterdrücktes Lachen. Ein Seufzer. Das Rascheln von Stoff an Stoff, als würde sich jemand hastig ausziehen – oder anziehen. Er schloss die Augen und stellte sich vor: Hände, die über warme Haut glitten, Lippen, die ein Ohr streiften, Worte, die im Flüsterton gesprochen wurden.
*— Magst du das?* — murmelte er vor sich hin, wiederholte, was er zu hören geglaubt hatte, die Stimme rau von stundenlangem Schweigen.
Die Neugier fraß ihn auf. In den letzten Tagen hatte Lucas den Roman, an dem er schrieb – eine Geschichte über einen Mann, der sich in den Schatten einer Frau verliebt –, beiseitegelegt und begonnen, die Zeiten der Geräusche zu notieren. *23:47 Uhr: schnelle Schritte, als würde jemand barfuß laufen. 00:12 Uhr: unterdrücktes Lachen, vielleicht von einer Frau. 01:05 Uhr: plötzliches Schweigen, als hätte jemand den Atem angehalten.* Er zeichnete mentale Grundrisse der Wohnung über sich, versuchte zu erraten, wo das Schlafzimmer, das Wohnzimmer, die Küche lagen. Er stellte sich eine Frau mit dunklen Haaren vor, vielleicht rothaarig, die sich wie eine Erscheinung durch das Halbdunkel bewegte. Oder einen großen Mann mit großen Händen, der sie aus der Ferne beobachtete und auf den richtigen Moment wartete, um sich zu nähern.
In dieser Nacht war das Haus stiller als sonst. Der Regen schlug mit monotoner Beharrlichkeit gegen die Fenster, und der Wind ließ die Vorhänge wie faule Geister schwanken. Lucas hatte eine Flasche Rotwein geleert – eine neue Gewohnheit, die ihm beim Einschlafen half – und lag nun auf dem Sofa, die Augen auf die Decke gerichtet. Die Risse im Putz bildeten Muster, die er noch nie bemerkt hatte: eine Spirale hier, eine geschwungene Linie dort, wie Adern unter der blassen Haut der Wohnung.
Dann hörte er es.
Ein Möbelrücken. Ein dumpfer Schlag, als wäre etwas Schweres gefallen. Und dann das Geräusch, das ihn den Atem anhalten ließ: ein Stöhnen. Kein Schmerzenslaut, kein Schreckensschrei – ein Stöhnen der Lust. Tief, unterdrückt, aber unverkennbar. Lucas setzte sich abrupt auf, das Herz schlug ihm bis zum Hals. Das Geräusch kam erneut, diesmal länger, als würde jemand versuchen, einen Seufzer zwischen den Zähnen zu ersticken.
Er stand auf, die nackten Füße versanken im flauschigen Teppich. Er näherte sich der Wand, die seine Wohnung vom Flur des oberen Stockwerks trennte, und presste das Ohr gegen die kühle Tapete. Das Stöhnen kam wieder, begleitet von einem Murmeln, das er nicht entziffern konnte. *Bitte. So. Hör nicht auf.* Die Worte waren undeutlich, doch der Tonfall war klar: Verlangen.
Lucas spürte, wie das Blut in seinen Schläfen pochte. Ein Teil von ihm wollte sich zurückziehen, sich aufs Sofa legen und so tun, als hätte er nichts gehört. Doch ein anderer Teil – jener, der ihn nächtelang wachhielt, während er über verbotene Leidenschaften schrieb – trieb ihn vorwärts. Er schlich auf Zehenspitzen zur Wohnungstür, öffnete sie langsam und spähte in den leeren Flur. Das gelbliche Licht der Neonlampen flackerte, als würde das Haus mit ihm den Atem anhalten.
Der Aufzug stand im dritten Stock. Lucas zögerte einen Moment, bevor er sich entschied, die Treppe zu nehmen. Die Marmorstufen waren kalt unter seinen Füßen, und das eiserne Geländer knarrte bei jedem Schritt. Als er im vierten Stock ankam, blieb er vor der Tür der Wohnung 401 stehen – der einzigen neben seiner. Der Name auf dem Schild war abgewischt, als hätte jemand die Buchstaben absichtlich entfernt.
Er hob die Hand zur Klingel, drückte sie aber nicht. Stattdessen legte er die Handfläche gegen das Holz der Tür und spürte die raue Textur unter den Fingern. Einen Moment lang glaubte er, Schritte auf der anderen Seite zu hören, als stünde jemand dort, so nah wie er. Dann das Geräusch eines sich drehenden Schlosses.
Lucas wich instinktiv zurück, das Herz raste. Die Tür öffnete sich nur wenige Zentimeter und gab einen Spalt Dunkelheit frei. Er hielt den Atem an. Nichts. Keine Bewegung, kein Geräusch. Nur der Duft von etwas Süßem und leicht Metallischem – vielleicht Frauenparfüm, vermischt mit dem Aroma von Kerzenwachs.
*— Wer ist da?* — flüsterte eine Frauenstimme von der anderen Seite, so leise, dass er sie kaum hörte.
Lucas öffnete den Mund, um zu antworten, doch die Worte erstarben in seiner Kehle. Die Tür schloss sich mit einem leisen Klicken, und er blieb im Flur stehen, spürte, wie das Schweigen sich wie eine schwere Decke über ihn legte. Als er in seine Wohnung zurückkehrte, verließ ihn das Gefühl nicht, dass etwas – oder jemand – ihn beobachtete.
In dieser Nacht träumte er von Schritten an der Decke. Und von einer Frau, die ihr Gesicht nie zeigte.
Der Aufzug roch nach altem Leder und kaltem Metall, ein Duft, den Lucas in- und auswendig kannte – wie er jedes Knarren der Türen, jedes Ruckeln der abgenutzten Mechanik kannte. Er betrat die enge Kabine mit der Eile eines Mannes, der keine Zeit verlieren wollte, doch das Gewicht des ledergebundenen Buches in seiner Hand ließ ihn langsamer werden. *Dracula*, Taschenbuchausgabe mit vergilbten Seiten, ein Fundstück aus dem Antiquariat an der Ecke. Er blätterte gedankenverloren darin, der Daumen strich über die rauen Kanten des Papiers, während sich die Türen mit einem pneumatischen Seufzer schlossen.
Dann sah er sie.
Sie stand in der gegenüberliegenden Ecke, so reglos, dass sie eine Statue hätte sein können – wäre da nicht das schwache Glimmen des gelblichen Lichts gewesen, das sich in ihren Haaren spiegelte: eine Kaskade dunkler, fast schwarzer Strähnen, die in unordentlichen Wellen über ihre Schultern fielen. Sie trug ein moosgrünes Kleid, eng an der Taille und locker an den Hüften, als wäre es für den Körper einer anderen genäht worden – oder vielleicht für ihren, aber in einem anderen Leben. Der Stoff schien mit ihr zu atmen, hob und senkte sich im langsamen Rhythmus ihres Atems. Lucas hielt den seinen für eine Sekunde an, zwei, drei – lange genug, dass sie die Augen hob.
Ihre Blicke trafen sich.
Es war kein flüchtiger Blick, wie man ihn aus Höflichkeit tauscht und im nächsten Moment vergisst. Es war etwas Dichteres, Feuchteres, als wären ihre Augen zwei Tümpel dunklen Honigs, in die er ohne Vorwarnung versank. Ihre Pupillen weiteten sich ein wenig, gerade genug, dass Lucas spürte, wie ihm die Hitze in den Nacken stieg. Sie lächelte nicht sofort. Zuerst beobachtete sie ihn nur mit einer Intensität, die ihn nackt fühlen ließ, als könnte sie durch das Baumwollhemd, durch die Haut hindurch bis zu den Gedanken sehen, die ihn in den letzten Nächten wachgehalten hatten – jenen, in denen er sich unbekannte Hände vorstellte, die über die Decke seines Schlafzimmers strichen, Finger, die auf den Dielen über seinem Bett drückten.
*— Guten Abend* — sagte sie schließlich.
Ihre Stimme war tief, rau, als wäre sie gerade erst aufgewacht oder gerade erst gekommen. Lucas schluckte trocken.
*— Guten Abend* — antwortete er und hasste den leicht heiseren Klang seiner eigenen Stimme, als hätte er die ganze Nacht geschrien. Er versuchte, sich zusammenzureißen, doch der Aufzug ruckelte, und er verlor das Gleichgewicht, das Buch entglitt seinen Händen. Bevor er sich bücken konnte, war sie schon da, in die Hocke gegangen, die langen, blassen Finger hielten den Einband mit einer Zartheit, die im Kontrast zur Dringlichkeit ihrer Bewegungen stand.
*— Dracula* — murmelte sie und strich mit dem Daumen über den geprägten Titel. *— Magst du Gruselgeschichten?*
*— Ich mag Geschichten, die einen nicht schlafen lassen* — sagte Lucas und bereute es sofort. Es klang anmaßend, oder schlimmer noch, klischeehaft.
Doch sie lächelte. Kein höfliches Lächeln, wie man es aus Höflichkeit schenkt. Ein langsames Lächeln, das auf ihren Lippen begann und sich wie Tinte im Wasser über ihr Gesicht ausbreitete, bis es ihre Augen erreichte. Und dann, als hätte sie sich plötzlich an etwas erinnert, stand sie langsam auf und reichte ihm das Buch.
*— Clara* — sagte sie, als würde der Name alles erklären.
*— Lucas.*
Ihre Finger berührten sich einen Moment länger als nötig. Ihre Haut war kühl, trotz der feuchten Hitze im Aufzug, und Lucas spürte ein Kribbeln seinen Arm hinaufsteigen, als hätte er etwas Lebendiges und Gefährliches berührt. Sie zog die Hand nicht sofort zurück. Stattdessen neigte sie leicht den Kopf, als würde sie etwas jenseits der metallenen Wände hören.
*— Du wohnst im dritten Stock, nicht wahr?* — fragte sie, obwohl ihre Stimme keinen fragenden Tonfall hatte. Es war eine Feststellung, als wüsste sie es bereits.
*— Ja. Und du…?*
*— Über dir.*
Der Aufzug hielt mit einem Ruck. Die Türen öffneten sich zum zweiten Stock, doch keiner von beiden bewegte sich. Lucas spürte das Gewicht ihres Blicks auf sich, als würde sie darauf warten, dass er etwas sagte – oder vielleicht etwas tat. Aber was? Sie bitten, mit hochzukommen? Sie auf einen Kaffee einladen? Sie hier und jetzt gegen die kalte Aufzugwand küssen?
Bevor er sich entscheiden konnte, trat sie einen Schritt vor, ging so nah an ihm vorbei, dass die Luft zwischen ihnen knisterte. Ihr Duft traf ihn wie eine Welle – etwas Blumiges, aber mit einem erdigen Unterton, wie Jasmin vermischt mit feuchter Erde. Er drehte instinktiv den Kopf, folgte der Bewegung ihres Körpers, und für einen Moment trafen sich ihre Blicke erneut. Diesmal lächelte sie nicht. Sie beobachtete ihn nur mit einem Ausdruck, den er nicht deuten konnte – Neugier? Verlangen? Oder etwas Düstereres, wie eine Warnung?
*— Bis bald, Lucas* — sagte sie und verließ den Aufzug.
Er blieb wie betäubt stehen, während sich die Türen wieder schlossen. Erst als die Kabine weiter nach oben fuhr, bemerkte er, dass sie nicht den Knopf für ihr Stockwerk gedrückt hatte. Und dass sie trotz ihrer Worte *„Bis bald“* keine Spur hinterlassen hatte, wohin sie ging.
Im dritten Stock öffneten sich die Türen zum leeren Flur. Lucas trat langsam hinaus, seine Schritte hallten auf dem kalten Marmorboden. Ihre Wohnung lag direkt über seiner. Er blickte zur Decke, als könnte er durch die Schichten aus Beton und Holz hindurchsehen, als könnte er sie dort oben im Dunkeln stehen sehen, wie sie seinen Schritten lauschte.
Und dann, von oben, kam ein Geräusch.
Es war kein Schritt, nicht genau. Es klang eher wie ein Gleiten, etwas, das sich leicht über den Boden zog. Das Geräusch wurde von einem so dichten Schweigen gefolgt, dass Lucas den Atem anhielt. Als er schließlich ausatmete, spürte er die warme Luft auf seinen Lippen und bemerkte, dass er lächelte.
Die Nacht hatte gerade erst begonnen.
Die Waschküche lag im Keller des Hauses, ein feuchter Raum, erleuchtet von summenden Neonlampen, die wie in Glas gefangene Insekten klangen. Der Geruch von Waschpulver und Weichspüler vermischte sich mit dem metallischen Duft der Maschinen und schuf eine Atmosphäre, die für Lucas immer etwas Klinisches, fast Aseptisches gehabt hatte. Doch an diesem Nachmittag schien die Luft anders. Dichter. Oder vielleicht lag es nur an ihm, an seinen Sinnen, die durch die Erwartung geschärft waren, durch die Erinnerung an Claras Lächeln im Aufzug, an die Art, wie ihre Augen an seinen gehangen hatten, bevor sich die Türen schlossen.
Er war mit einem Korb schmutziger Wäsche hinuntergegangen, eine fadenscheinige Ausrede, um wie ein neugieriger Geist durch das Haus zu streifen. Er hatte nicht wirklich damit gerechnet, sie dort zu treffen. Nicht wirklich. Doch als sich die Tür der Waschküche mit einem Quietschen öffnete, stand sie da, über eine der Maschinen gebeugt, die langen Finger am Temperaturregler. Ihr kastanienbraunes Haar fiel in losen Wellen über ihre Schultern, und das dünne Strickoberteil, leicht feucht, klebte an einigen Stellen an ihrem Rücken, als wäre sie im Regen gewesen, ohne sich darum zu kümmern.
Lucas blieb in der Tür stehen, der Weidenkorb auf der Hüfte abgestützt. Clara drehte sich nicht sofort um. Vielleicht hatte sie seine Schritte gehört, oder vielleicht spürte sie seine Anwesenheit einfach, so wie er ihre im dunklen Flur gespürt hatte. Als sie schließlich die Augen hob, lag etwas Herausforderndes in der Art, wie sie seinen Blick hielt, als würde sie sagen: *Ich wusste, dass du kommen würdest.*
*— Brauchst du Hilfe damit?* — Seine Stimme klang rauer als beabsichtigt, doch sie schien es nicht zu bemerken. Oder, wenn doch, war es ihr egal.
Clara neigte den Kopf, ein langsames Lächeln zeichnete sich auf ihren Lippen ab. *— Kommt drauf an. Bist du nützlich, oder nur schön anzusehen?*
*— Ich kann beides sein.*
*— Hm.* — Sie trat von der Maschine zurück, ließ den Deckel offen und ging auf ihn zu. Jeder Schritt war eine Provokation, ihre Hüften schwangen leicht, als würde sie zu einer Musik tanzen, die nur sie hören konnte. Sie blieb weniger als einen Meter entfernt stehen, nah genug, dass er die Wärme ihres Körpers spürte, den zitrusartigen Duft vermischt mit dem Geruch sauberer Wäsche. *— Dann beweis es.*
Lucas brauchte keine weitere Aufforderung. Er stellte den Korb auf den Boden und näherte sich den Leinentaschen, die sie neben dem Trockner abgestellt hatte. Es waren drei, schwer, voller sorgfältig gefalteter Wäsche. Als er sich bückte, um eine davon aufzuheben, streiften seine Finger versehentlich – oder nicht – die ihren. Clara wich nicht zurück. Stattdessen verharrten ihre Finger auf seinen, als würden sie die Textur seiner Haut, die Temperatur prüfen.
*— Du wäschst viel auf einmal* — bemerkte er und hob eine der Taschen. Das Gewicht überraschte ihn, und er tat so, als würde er damit kämpfen, ließ dabei seinen Arm an ihrem entlangstreifen.
*— Ich habe ein kompliziertes Verhältnis zur Sauberkeit* — sagte sie und beobachtete ihn mit diesen grünen Augen, die das Licht der Waschküche zu absorbieren und in dunkleren, tieferen Tönen zurückzugeben schienen. *— Manchmal wasche ich Dinge nur, um eine Ausrede zu haben, sie anzufassen.*
Lucas spürte, wie ihm die Luft wegblieb. *— Und was fasst du an, wenn du wäschst?*
Sie lachte leise, ein Geräusch, das in seiner Brust vibrierte. *— Alles. Bettlaken. Handtücher. Unterwäsche.* — Sie machte eine Pause, ihre Lippen verzogen sich zu einem schalkhaften Lächeln. *— Vor allem Unterwäsche.*
Er schluckte trocken. *— Und was fühlst du, wenn du sie anfasst?*
*— Wärme.* — Sie kam noch näher, bis sich ihre Körper fast berührten. *— Feuchtigkeit.* — Ihre Finger glitten über seinen Arm, leicht wie Schmetterlingsflügel, und blieben an seinem Handgelenk liegen, wo die Ader pochte. *— Druck.*
Lucas ließ die Taschen mit einem dumpfen Schlag zu Boden fallen. Die Wäsche verteilte sich, einige Stücke fielen in Kaskaden heraus, doch das war ihm egal. Nicht, wenn Clara so nah war, dass er die Sommersprossen auf ihrer Nase zählen konnte, ihren warmen Atem an seinen Lippen spürte.
*— Du spielst mit dem Feuer* — murmelte er.
*— Und du lässt dich gerne verbrennen.*
Sie hatte nicht Unrecht. Es gab etwas an Clara, das ihn auf eine Weise anzog, die er nicht erklären konnte – es war nicht nur Schönheit, nicht nur das Geheimnisvolle. Es war die Art, wie sie ihn ansah, als wüsste sie schon, was er wollte, bevor er es sich selbst eingestand. Als wüsste sie, dass unter der Oberfläche des ruhigen, kontrollierten Mannes ein Abgrund des Verlangens lauerte, den er kaum zu erkunden wagte.
*— Warum das obere Stockwerk?* — fragte er plötzlich, die Stimme kaum mehr als ein Flüstern. *— Warum hast du diese Wohnung gewählt?*
Clara antwortete nicht sofort. Stattdessen bückte sie sich und hob ein Stück Wäsche auf, das zu Boden gefallen war – ein schwarzes Spitzenhöschen, so dünn, dass es aus Rauch zu bestehen schien. Sie hielt es zwischen den Fingern und betrachtete es mit einem Ausdruck, der Neugier und Besitzanspruch zugleich verriet.
*— Weil ich Dinge mag, die außer Reichweite sind* — sagte sie schließlich und faltete das Höschen sorgfältig, bevor sie es zurück in die Tasche legte. *— Und weil ich weiß, dass jemand da unten lauscht.*
Lucas spürte, wie sein Herz schneller schlug. *— Und was willst du, dass ich höre?*
Sie drehte sich zu ihm um, ihre Augen funkelten mit etwas, das Belustigung, Herausforderung oder beides sein konnte. *— Alles.*
Einen Moment lang rührte sich keiner von beiden. Das Summen der Lampen schien lauter, der Geruch von Waschmittel intensiver. Dann streckte Clara die Hand aus und berührte sein Gesicht, ihre Finger glitten über seinen Kiefer, als würden sie die Textur seiner Haut, die Rauheit des unrasierten Bartes memorieren.
*— Du bist Schriftsteller* — sagte sie, als würde das etwas erklären. *— Du magst Geschichten.*
*— Ich mag gute Geschichten.*
*— Und wenn ich dir sage, dass meine gefährlich ist?*
*— Dann würde ich sagen, dass ich bereit bin, das Risiko einzugehen.*
Sie lächelte, doch in diesem Lächeln lag etwas Trauriges, als wüsste sie etwas, das er noch nicht verstand. *— Pass auf, was du dir wünschst, Lucas. Manchmal sind die Dinge, die wir am meisten begehren, die, die uns am meisten zerstören.*
Bevor er antworten konnte, trat sie zurück und hob die Taschen vom Boden auf, mit einer Leichtigkeit, die ihr Gewicht Lügen strafte. *— Ich muss los. Ich habe Wäsche zu waschen.*
*— Lass mich helfen* — insistierte er und nahm eine der Taschen, bevor sie protestieren konnte. Ihre Finger berührten sich erneut, und diesmal war es kein Versehen.
*— Na gut* — willigte sie nach einer Pause ein. *— Aber nur, weil du höflich gefragt hast.*
Sie fuhren gemeinsam mit dem Aufzug nach oben, die Taschen zwischen ihnen wie eine fragile Barriere. Clara drückte den Knopf für den fünften Stock, aber nicht für ihre eigene Etage. Lucas fragte nicht, warum. Es lag etwas Absichtliches in jeder ihrer Gesten, in jedem unausgesprochenen Wort, und er begann zu verstehen, dass es bei Clara besser war, die Fragen auf später zu verschieben.
Als sich die Türen öffneten, trat sie zuerst hinaus, blieb dann aber im Flur stehen und drehte sich mit einem Blick zu ihm um, der wie ein Versprechen wirkte.
*— Morgen* — sagte sie. *— Um Mitternacht. Meine Wohnung.*
*— Warum Mitternacht?*
*— Weil das die Stunde ist, in der die Monster zum Spielen herauskommen.*
Und dann war sie verschwunden und ließ ihn im Flur stehen, während das Echo ihrer Worte in seinem Kopf widerhallte wie eine Einladung – oder eine Warnung.
Lucas blickte zur Decke, als könnte er durch sie hindurchsehen, als könnte er Clara dort oben im Dunkeln stehen sehen, wie sie wartete. Und zum ersten Mal war er sich nicht sicher, ob er herausfinden wollte, was dort oben war.
Doch er wusste, dass er gehen würde.
Der Wind heulte gegen die Fenster wie ein eingesperrtes Tier, kratzte mit unsichtbaren Krallen am Glas. Lucas saß an seinem Schreibtisch, das Notizbuch vor sich aufgeschlagen, der Stift über der leeren Seite schwebend. Die Worte kamen nicht. Nicht in dieser Nacht. Nicht, während der Himmel draußen einstürzte, Blitze die Dunkelheit in bläulichen Blitzen zerrissen, die die Wohnung für flüchtige Sekunden erhellten, als würde selbst die Zeit zögern.
Er stand auf, ging in die Küche und goss sich einen Whisky ein. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit brannte in seiner Kehle, doch nicht genug, um die Unruhe zu ersticken, die ihn seit der Begegnung in der Waschküche verzehrte. Clara. Ihr Name hallte in seinem Kopf wider wie ein Mantra, eine Silbe, geladen mit Versprechungen und Gefahren. *Morgen. Um Mitternacht.* Er blickte auf die Uhr. Es fehlten noch drei Stunden.
Ein Donnern erschütterte das Haus. Die Lichter flackerten einmal, zweimal, bevor sie ganz erloschen und alles in eine dichte, fast greifbare Dunkelheit tauchten. Das darauf folgende Schweigen wurde nur vom hektischen Trommeln des Regens auf dem Fensterbrett unterbrochen. Lucas tastete nach seinem Handy und schaltete die Taschenlampe ein. Das schwache Licht beleuchtete kaum seine nackten Füße auf dem kalten Boden.
Dann hörte er es.
Drei Schläge an der Tür. Trocken. Dringend.
Er zögerte. Er erwartete niemanden. Nicht in dieser Nacht, nicht mit dem ganzen Haus im Dunkeln, die Flure in Labyrinthe aus Schatten verwandelt. Die Schläge ertönten erneut, fordernder. Lucas durchquerte das Wohnzimmer, das Herz schlug ihm schneller als es sollte. Er öffnete die Tür.
Clara stand da, durchnässt. Das Wasser lief ihr aus den dunklen Haaren, klebte sie an Gesicht und Schultern. Die weiße Bluse, jetzt durchsichtig, schmiegte sich wie eine zweite Haut an ihren Körper und enthüllte die Konturen ihrer vom Kälte steifen Brustwarzen. Sie zitterte, aber nicht vor Angst. In ihren Augen lag etwas anderes – ein Funke, eine Herausforderung.
*— Der Strom ist ausgefallen* — sagte sie, die Stimme tief und rau. *— Und ich… ich kriege die Kerzen nicht anzuzünden.*
Lucas antwortete nicht sofort. Das Licht des Handys beleuchtete sein Gesicht in seltsamen Winkeln, betonte den angespannten Kiefer, die leicht geöffneten Lippen. Er konnte ihren Geruch wahrnehmen – Regen vermischt mit etwas Süßem, wie Jasmin und erwärmte Haut. Der Duft umhüllte ihn, berauschend.
*— Komm rein* — sagte er schließlich und trat zur Seite, um sie hereinzulassen.
Clara zögerte einen Moment, als würde sie die Konsequenzen abwägen, diese Schwelle zu überschreiten. Dann, mit einer fließenden Bewegung, trat sie ein. Die Tür schloss sich hinter ihr mit einem leisen Klicken und schloss sie von der Außenwelt aus.
Die Wohnung lag in einem bläulichen Halbdunkel, die einzigen Lichtquellen waren die Taschenlampe des Handys und die gelegentlichen Blitze der Blitze. Lucas beobachtete Clara, während sie ihre nassen Schuhe auszog und sie neben der Tür abstellte. Ihre nackten Füße hinterließen feuchte Spuren auf dem Boden. Sie drehte sich zu ihm um, die Arme vor der Brust verschränkt, als würde sie versuchen, das Zittern zu unterdrücken.
*— Hast du Kerzen?* — fragte sie.
*— Im Küchenschrank. Aber ich weiß nicht, ob sie viel helfen werden.*
*— Warum?*
*— Weil das Problem nicht das Licht ist. Es ist die Dunkelheit.*
Clara lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln. *— Hast du Angst vor der Dunkelheit, Lucas?*
*— Nein. Aber ich habe Angst vor dem, was sie verbirgt.*
Sie trat einen Schritt auf ihn zu. Die Bluse klebte an ihrem Körper und zeichnete jede Kurve, jeden Schatten nach. Er konnte die Konturen ihrer Brustwarzen sehen, steif unter dem dünnen Stoff, und wie ihr Atem ihre Brüste schnell und flach hob und senkte.
*— Und was, glaubst du, verbirgt die Dunkelheit?* — murmelte sie, die Stimme fast ein Flüstern.
*— Dinge, die man besser nicht sieht.*
*— Oder Dinge, die du *sehen willst*, aber nicht den Mut dazu hast.*
Er antwortete nicht. Er musste nicht. Die Luft zwischen ihnen war geladen, elektrisch, wie die Atmosphäre vor einem Gewitter. Clara trat noch einen Schritt näher, jetzt so nah, dass er die Wärme ihres Körpers spürte, ihren warmen Atem an seinem Gesicht.
*— Du zitterst* — sagte er.
*— Nicht vor Kälte.*
*— Wovor dann?*
Sie antwortete nicht. Stattdessen hob sie die Hand und berührte sein Gesicht, ihre kalten Finger glitten über seinen Kiefer, seinen Hals, bis sie auf seiner Brust ruhten, wo sein Herz unregelmäßig schlug. Lucas hielt den Atem an.
*— Spürst du das?* — fragte sie.
*— Was?*
*— Die Spannung. Als würde jeden Moment etwas… *platzen*.*
Er schluckte trocken. *— Ich spüre es.*
Clara neigte den Kopf, die Lippen leicht geöffnet, die Augen auf seine gerichtet. *— Und wenn ich dir sagen würde, dass ich will, dass es platzt?*
Lucas dachte nicht nach. Es gab keinen Raum mehr für Gedanken. Er hielt ihr Gesicht zwischen seinen Händen, die Daumen strichen über ihre Wangenknochen und spürten die weiche, feuchte Haut. Clara schloss die Augen, ein Seufzer entwich ihren Lippen.
*— Dann würde ich sagen, dass du mit dem Feuer spielst* — murmelte er.
*— Und wenn ich *mich verbrennen* will?*
Er küsste sie.
Es gab kein Zögern. Keinen Zweifel. Ihre Lippen waren weich, warm, und als er sie an sich zog, spürte er, wie ihr Körper nachgab, sich an seinen schmiegte, als wären sie füreinander gemacht. Clara stöhnte gegen seinen Mund, ein tiefer, kehliger Laut, und ihre Hände fuhren in sein Haar, zogen ihn näher, tiefer.
Der Kuss wurde gierig. Ihre Zunge erkundete seine mit einer Dringlichkeit, die ihn schwindelig machte, die Zähne stießen zusammen, die Lippen bewegten sich in einem frenetischen Rhythmus, als würden sie versuchen, einander zu verschlingen. Lucas drückte sie gegen die Wand, sein Körper presste sich gegen ihren, spürte jede Kurve, jedes Zittern. Ihre Hände glitten über seinen Rücken, die Nägel kratzten leicht über die Haut unter seinem Hemd und hinterließen Spuren, von denen er wusste, dass sie später brennen würden.
*— Verdammt* — knurrte er und wich gerade so weit zurück, um Luft zu holen. *— Du bringst mich um.*
Clara lächelte, die Lippen geschwollen, die Augen dunkel und funkelnd mit einer Boshaftigkeit, die er noch nie zuvor an ihr gesehen hatte. *— Nur, wenn du artig bittest.*
Er küsste sie erneut, diesmal langsamer, kostete sie. Ihr Geschmack war berauschend – süß, mit einem Hauch von etwas Metallischem, wie Wein und Sturm. Seine Hände glitten über ihren Körper, erkundeten, memorierten. Er umfasste ihre Brüste durch die nasse Bluse, die Daumen strichen über ihre Brustwarzen und spürten, wie sie sich unter der Berührung noch mehr versteiften. Clara bog den Rücken durch, ein Stöhnen entwich ihrer Kehle.
*— Lucas…* — flüsterte sie, sein Name klang wie ein Gebet.
Er antwortete nicht. Stattdessen zog er ihr die Bluse nach oben und riss sie mit einer schnellen Bewegung herunter. Der Stoff fiel mit einem feuchten Geräusch zu Boden. Clara war von der Taille aufwärts nackt, ihre Brüste entblößt, die blasse Haut kontrastierte mit der Dunkelheit um sie herum. Er senkte den Kopf, nahm eine Brustwarze zwischen die Lippen und saugte fest daran. Clara stöhnte, die Hände griffen in sein Haar und zogen ihn näher.
*— Ja…* — keuchte sie. *— Ja, verdammt…*
Er wechselte zwischen ihren Brüsten hin und her, leckte, knabberte, spürte, wie ihr Körper unter seinen Händen zitterte. Dann, ohne Vorwarnung, hob er sie hoch, ihre Beine schlangen sich um seine Taille. Clara lachte, ein tiefer, rauer Laut, während er sie zum Sofa trug. Er legte sie behutsam ab, die Augen nie von ihren lassend, beobachtete jede Reaktion, jedes Zittern.
*— Du bist wunderschön* — murmelte er, die Stimme rau vor Verlangen.
Clara lächelte, ihre Finger zeichneten die Konturen seiner Lippen nach. *— Und du redest zu viel.*
Er lachte, doch das Lachen erstarb in seiner Kehle, als sie sein Hemd nach oben zog und es mit derselben Dringlichkeit herunterriss, mit der er ihre Bluse entfernt hatte. Ihre Körper trafen sich erneut, Haut an Haut, warm, feucht. Lucas küsste ihren Hals, spürte den schnellen Puls unter seinen Lippen, glitt hinab zu ihrem Schlüsselbein, ihren Brüsten, ihrem Bauch. Er blieb dort stehen, die Finger in den Bund ihrer Hose gehakt.
*— Darf ich?* — fragte er, die Stimme ein Flüstern.
Clara nickte, die dunklen Augen auf seine gerichtet. *— Bitte.*
Er öffnete den Knopf ihrer Hose und zog sie zusammen mit dem Höschen herunter, enthüllte ihren Körper vollständig. Clara lag nackt vor ihm, verletzlich, und doch lag etwas Mächtiges in ihrer Haltung, als wüsste sie genau, welche Wirkung sie auf ihn hatte. Lucas kniete sich zwischen ihre Beine, die Finger zeichneten einen langsamen Pfad an der Innenseite ihres Oberschenkels und spürten, wie sich ihre Haut unter der Berührung zusammenzog.
*— Du bist perfekt* — murmelte er, bevor er den Kopf senkte und sie kostete.
Clara bog den Rücken durch, ein unterdrückter Schrei entwich ihren Lippen, als seine Zunge ihren Kitzler fand. Er leckte sie langsam, genoss sie, spürte den salzigen, süßen Geschmack ihrer Erregung. Ihre Hände griffen in sein Haar, zogen ihn näher, tiefer, während er sie mit dem Mund erkundete, die Finger in einem langsamen, quälenden Rhythmus ein- und ausführten.
*— Lucas…* — stöhnte sie, ihr Körper bebte. *— Ich komme…*
*— Komm für mich* — befahl er, die Stimme rau. *— Jetzt.*
Und sie gehorchte.
Der Orgasmus traf sie mit voller Wucht, ihr Körper wand sich, die Muskeln spannten sich um seine Finger. Lucas hörte nicht auf, verlängerte das Vergnügen, bis sie keuchend dalag, die Augen geschlossen, der Atem unregelmäßig.
Als er sich schließlich zurückzog, war Clara schlaff, die Lippen leicht geöffnet, die Brust hob und senkte sich schnell. Er stand auf, zog Hose und Unterwäsche aus und befreite seine Erektion, die vor Verlangen pochte. Clara öffnete die Augen, ein träges Lächeln auf den Lippen, und streckte die Hand aus, umschloss ihn mit ihren Fingern.
*— Deine Runde* — murmelte sie.
Er stöhnte, als sie ihn zu streicheln begann, die Bewegungen langsam, absichtlich. Doch es war nicht genug. Nicht nach allem. Er hielt ihr Handgelenk fest und schob ihre Hand weg.
*— Ich brauche dich* — sagte er, die Stimme rau. *— Jetzt.*
Clara nickte und zog ihn zu sich heran. Lucas positionierte sich zwischen ihren Beinen, spürte die Feuchtigkeit, die Wärme. Er küsste sie erneut, verschlang sie, während er mit einer einzigen Bewegung in sie eindrang.
Beide stöhnten gleichzeitig auf. Clara war eng, heiß, und das Gefühl, in ihr zu sein, war fast zu viel. Lucas hielt einen Moment inne, ließ sie sich anpassen, die Augen auf ihre gerichtet, beobachtete jede Reaktion.
*— Alles okay?* — fragte er, die Stimme angespannt.
Clara lächelte, die Nägel gruben sich in seinen Rücken. *— Besser als je zuvor.*
Und dann begann er, sich zu bewegen.
Ihre Körper trafen sich in einem urtümlichen, verzweifelten Rhythmus. Jeder Stoß entlockte ihr ein Stöhnen, jede Bewegung ließ das Sofa unter ihnen knarren. Lucas küsste sie erneut, verschluckte die Laute, die sie von sich gab, spürte, wie das Vergnügen in ihm wuchs wie eine Welle, die kurz davor stand, zu brechen.
*— Fester* — bat sie, die Stimme rau. *— Bitte…*
Er gehorchte. Er erhöhte das Tempo, die Hüften schlugen mit Kraft gegen ihre, die Körper prallten in einem Fieber des Verlangens aufeinander. Clara schrie, ihr Körper bog sich, die Muskeln spannten sich um ihn, während ein weiterer Orgasmus sie durchzuckte. Das Gefühl war zu viel. Lucas konnte sich nicht mehr zurückhalten. Mit einem Knurren drang er ein letztes Mal in sie ein, das Vergnügen explodierte in Wellen, die ihn atemlos zurückließen.
Sie blieben ineinander verschlungen liegen, die Körper schweißnass, keuchend. Der Regen prasselte weiterhin gegen die Fenster, der Wind heulte, doch in der Wohnung schien die Welt stillzustehen. Lucas küsste Claras Schulter und schmeckte das Salz ihrer Haut.
*— Das war…* — begann er, doch er konnte den Satz nicht beenden.
*— Unerwartet?* — ergänzte sie mit einem Lächeln auf den Lippen.
*— Ich wollte *intensiv* sagen.*
Clara lachte, ein sanfter, musikalischer Laut. *— Das auch.*
Er rollte zur Seite und zog sie an sich, ihre Körper noch immer verbunden. Clara schmiegte sich an ihn, den Kopf an seine Brust gelehnt, und lauschte dem unregelmäßigen Schlag seines Herzens.
*— Und jetzt?* — fragte er leise.
Clara hob den Kopf, ihre dunklen Augen trafen seine. *— Jetzt? Jetzt hat die Nacht gerade erst begonnen.*
Und im Dunkeln lächelte Lucas. Denn plötzlich war er sich einer Sache sicher: Das Geheimnis des oberen Stockwerks hatte gerade erst begonnen.
Claras Körper bog sich gegen seinen, die Haut noch feucht vom ersten Kuss, die Lippen leicht geöffnet in einem Seufzer, der zwischen dem Prasseln des Regens und dem fernen Donner verloren ging. Lucas brauchte keine weitere Einladung. Seine Hände, zuvor noch zögerlich, glitten nun mit Dringlichkeit über ihre Kurven, als wäre jeder Zentimeter eine Karte, die er bereits auswendig kannte. Clara antwortete mit derselben Gier, die Finger gruben sich in seine Schultern, die Nägel hinterließen Spuren, die mehr brannten als jede Liebkosung.
*— Weißt du überhaupt, wie sehr ich das wollte?* — murmelte er an ihrem Hals, die Zähne streiften die empfindliche Haut direkt unter ihrem Ohr.
Clara lachte, ein rauer, fast gefährlicher Laut. *— Seit du mich im Aufzug gesehen hast?* — Sie zog seinen Kopf zurück und zwang ihn, ihr in die Augen zu sehen. *— Oder seit du angefangen hast, meine Schritte mitten in der Nacht zu hören?*
Lucas antwortete nicht. Er musste nicht. Die Wahrheit stand ihm ins Gesicht geschrieben, in der Art, wie ihre Körper sich aneinanderschmiegten, in der Weise, wie sie sich gegen ihn bewegte, als wüsste sie bereits genau, was ihn die Kontrolle verlieren lassen würde. Er drückte sie gegen die Wand, die Hände glitten über ihre Hüften und zogen sie näher an sich, bis kein Raum mehr zwischen ihnen war. Der dünne Stoff von Claras Nachthemd war eine lächerliche Barriere, und er riss es mit einer einzigen Bewegung herunter, ließ sie nackt im schwachen Licht der Kerzen zurück, die er hastig angezündet hatte.
Sie protestierte nicht. Im Gegenteil, ihre Finger arbeiteten bereits an den Knöpfen seines Hemdes, öffneten sie mit quälender Langsamkeit. Als das Hemd schließlich zu Boden fiel, presste Clara die Handflächen gegen seine Brust und erkundete jeden Muskel, jede Narbe, als würde sie ihn auswendig lernen. Lucas hielt den Atem an, als sie sich vorbeugte, die Lippen über seine Brustwarze strichen, bevor sie leicht daran knabberte.
*— Verdammt* — stöhnte er, die Hände vergruben sich in ihrem Haar.
Clara lächelte zufrieden und setzte ihre Erkundung fort, küsste sich mit feuchten Küssen über seinen Bauch, bis sie den Gürtel erreichte. Ihre Finger arbeiteten präzise, und bald lagen seine Hose und Unterwäsche auf dem Boden. Er war hart, pulsierte, und als sie ihn mit der Hand umschloss, verlor er fast das Gleichgewicht.
*— Du bist gefährlich* — murmelte er, die Stimme rau.
*— Und du liebst es* — erwiderte sie, bevor sie sich vor ihm hinkniete.
Die erste Berührung ihrer Zunge war wie ein elektrischer Schlag. Lucas schloss die Augen, die Hände suchten Halt an der Wand hinter ihr, die Finger vergruben sich in Claras Haar, während sie ihn in den Mund nahm, langsam, absichtlich. Er konnte jede Bewegung spüren, jedes Saugen, jedes Mal, wenn sie ihn tiefer nahm, bis sich seine Stöhnen mit dem Geräusch des Regens vermischten, das gegen die Fenster prasselte.
*— Clara…* — warnte er, die Stimme zitterte.
Sie hörte nicht auf. Im Gegenteil, sie beschleunigte das Tempo, die Hände arbeiteten im Einklang mit ihrem Mund, bis er es nicht mehr aushielt. Mit einem Knurren zog er sie hoch und küsste sie mit einer Wildheit, die sie beide zum Stolpern brachte, bis sie auf dem Sofa landete. Clara fiel lachend auf den Rücken, doch das Lachen erstarb in ihrer Kehle, als Lucas sich zwischen ihre Beine kniete, die Hände auf ihre Oberschenkel legte und sie für sich öffnete.
*— Jetzt bin ich dran* — sagte er, bevor er eintauchte.
Die erste Berührung seiner Zunge ließ sie den Rücken durchbiegen, ein erstickter Schrei entwich ihren Lippen. Lucas hatte keine Eile. Er erkundete jeden Zentimeter von ihr, kostete sie, neckte sie, bis Clara sich unter ihm wand, die Hände in seinem Haar vergraben, die Hüften sich in einem verzweifelten Rhythmus bewegten.
*— Lucas… bitte…* — flehte sie, die Stimme gebrochen.
Er lächelte gegen ihre Haut, bevor er sich erhob und sie hochzog. Clara küsste ihn gierig, schmeckte sich selbst auf seinen Lippen, und stieß ihn dann zurück aufs Sofa, setzte sich mit einer Selbstsicherheit auf ihn, die ihn noch mehr erregte. Sie senkte sich ab, nahm ihn mit einer fließenden Bewegung in sich auf, und beide stöhnten gleichzeitig auf.
*— Scheiße* — flüsterte er, die Hände umklammerten ihre Hüften.
Clara begann sich zu bewegen, langsam zunächst, doch bald beschleunigte sie das Tempo, jede Bewegung intensiver als die vorherige. Lucas beobachtete sie, fasziniert. Sie war so schön, das Haar fiel ihr über die Schultern, die Lippen leicht geöffnet, die dunklen Augen auf seine gerichtet. Er konnte spüren, wie das Vergnügen in ihm wuchs, ein Druck, der jeden Moment zu explodieren drohte, doch er wollte nicht, dass es endete. Noch nicht.
Mit einer schnellen Bewegung drehte er sie auf den Rücken und brachte sie in eine Position auf allen Vieren auf dem Sofa. Clara blickte über die Schulter zu ihm zurück, ein herausforderndes Lächeln auf den Lippen.
*— Magst du es, die Kontrolle zu haben, Schriftsteller?* — fragte sie, die Stimme provokant.
Lucas antwortete nicht. Stattdessen drang er mit einem kraftvollen Stoß in sie ein, entlockte ihr einen überraschten Lustschrei. Er bewegte sich mit Dringlichkeit, jeder Stoß tiefer als der vorherige, die Hände umklammerten ihre Hüften fest. Clara antwortete mit derselben Intensität, drückte sich gegen ihn, ihre Stöhnen verwandelten sich in zusammenhanglose Worte.
*— Mehr…* — bat sie, die Stimme rau. *— Fester…*
Lucas gehorchte. Er packte sie an den Haaren und zog sie zurück, während er sich weiter in ihr bewegte, jeder Stoß entlockte ihr ein lauteres, verzweifelteres Stöhnen. Er konnte spüren, wie sich der Orgasmus näherte, eine Welle, die ihn zu verschlingen drohte, doch er hielt sich zurück, wollte diesen Moment, dieses Gefühl der Vollkommenheit verlängern.
*— Komm für mich* — befahl er, die Stimme rau.
Clara gehorchte. Mit einem Schrei löste sie sich in Zuckungen auf, ihr Körper bebte unter ihm. Das Gefühl war zu viel. Lucas konnte sich nicht mehr zurückhalten. Mit einem Knurren drang er ein letztes Mal in sie ein, das Vergnügen explodierte in Wellen, die ihn atemlos zurückließen.
Sie fielen gemeinsam aufs Sofa, die Körper schweißnass, keuchend. Der Regen prasselte weiterhin gegen die Fenster, der Wind heulte, doch in der Wohnung schien die Welt stillzustehen. Lucas küsste Claras Schulter und schmeckte das Salz ihrer Haut.
*— Das war…* — begann er, doch er konnte den Satz nicht beenden.
*— Intensiv?* — ergänzte sie mit einem Lächeln auf den Lippen.
*— Viel mehr als das* — antwortete er und zog sie näher an sich.
Clara schmiegte sich an ihn, den Kopf an seine Brust gelehnt, und lauschte dem unregelmäßigen Schlag seines Herzens. Einen Moment lang sagte keiner von beiden etwas. Das Schweigen zwischen ihnen war angenehm, geladen mit etwas, das über das körperliche Vergnügen hinausging. Doch dann bewegte sich Clara, ihre Finger zeichneten träge Kreise auf seine Brust.
*— Willst du immer noch wissen, was es mit dem oberen Stockwerk auf sich hat?* — fragte sie leise.
Lucas zögerte. Ein Teil von ihm wollte fragen, wollte verstehen, was hinter diesem Geheimnis steckte, hinter dieser Frau, die mehr zu wissen schien, als sie preisgab. Doch ein anderer Teil, der noch immer vom Vergnügen berauscht war, wollte es nicht wissen. Zumindest nicht jetzt.
*— Morgen* — antwortete er und küsste ihre Stirn. *— Heute will ich nur dich.*
Clara lächelte, doch in ihren dunklen Augen lag etwas, das er nicht deuten konnte. Sie stand auf, ihre Bewegungen waren anmutig, und ging zum Couchtisch, wo sie ihre Tasche abgestellt hatte. Als sie zum Sofa zurückkehrte, hielt sie einen kleinen metallischen Gegenstand in der Hand.
*— Dann, Schriftsteller* — sagte sie und hielt ihn zwischen den Fingern —, *— wie wäre es, wenn wir noch ein bisschen weiter erkunden?*
Lucas blickte auf den Gegenstand und erkannte ihn als Vibrator. Sein Körper reagierte sofort, das Verlangen kehrte mit voller Wucht zurück.
*— Du bist voller Überraschungen* — murmelte er und zog sie zurück in seine Arme.
Clara lachte, ein sanfter, musikalischer Laut. *— Du hast keine Ahnung.*
Und im Dunkeln wurde Lucas klar, dass sie recht hatte. Das Geheimnis des oberen Stockwerks hatte gerade erst begonnen. Und er konnte es kaum erwarten, herauszufinden, was Clara noch verbarg.
Der Wecker von Lucas klingelte um sieben Uhr morgens, ein nerviges Summen, das das Schweigen wie eine Klinge durchschnitt. Er streckte den Arm aus und tastete auf dem Nachttisch nach dem Knopf, doch bevor er ihn drücken konnte, legte sich eine zarte Hand über seine. Claras Finger waren kühl und kontrastierten mit der Wärme seines Körpers unter der Bettdecke.
*— Noch nicht* — murmelte sie, die Stimme rau vom Schlaf und von etwas anderem, das sein Blut schneller fließen ließ, selbst nach allem, was sie in der Nacht zuvor getan hatten.
Er drehte sich zu ihr um und erwartete, in diese dunklen Augen zu blicken, die ihn seit der ersten Begegnung im Aufzug hypnotisiert hatten. Doch Clara saß bereits am Bettrand, den Rücken ihm zugewandt, das kastanienbraune Haar fiel in losen Wellen über ihre Schultern. Das Morgenlicht fiel durch das halb geöffnete Fenster und tauchte ihre Haut in Gold, enthüllte Spuren, von denen er wusste, dass sie von seinen eigenen Händen stammten.
*— Musst du gehen?* — fragte er und versuchte, die Enttäuschung in seiner Stimme zu verbergen.
Clara neigte den Kopf, als würde sie etwas jenseits der Wände der Wohnung hören. Dann stand sie auf, ohne zu antworten. Lucas konnte nicht anders: Seine Augen folgten den Konturen ihres Körpers, der Art, wie sich ihre Hüften mit einer fast katzenhaften Anmut bewegten, als wäre jeder Schritt darauf berechnet, ihn verrückt zu machen. Sie hob ihr Höschen vom Boden auf und zog es über ihre langen Beine, dann die Bluse, die ihre Brüste kaum bedeckte, bevor sie sie mit einer absichtlichen Langsamkeit zuknöpfte.
*— Du provozierst mich* — sagte er, die Stimme rau.
Sie lächelte, doch es war nicht dasselbe rätselhafte Lächeln wie in der Nacht zuvor. Es lag etwas Melancholisches darin, als wüsste sie etwas, das er noch nicht verstand.
*— Vielleicht* — antwortete sie schließlich und blickte ihn an. *— Oder vielleicht gefällt es mir einfach, dich so zu sehen.*
„So.“ Wach, hart, mit der Bettdecke, die gefährlich tief auf seinen Hüften lag. Lucas atmete tief durch und versuchte, sich zu beherrschen. Es war nicht fair. Nach Stunden, in denen sie jeden Zentimeter des Körpers des anderen erkundet hatten, nach Flüstern und Stöhnen und im Dunkeln geflüsterten Versprechungen, schaffte sie es immer noch, ihn sich fühlen zu lassen, als wäre es das erste Mal.
*— Bleib* — bat er und streckte die Hand aus. *— Wenigstens zum Kaffee.*
Clara zögerte. Einen Moment lang dachte Lucas, sie würde nachgeben, dass sie ins Bett zurückkehren und ihn erneut in sich verlieren lassen würde. Doch dann schüttelte sie langsam den Kopf.
*— Ich kann nicht.*
Bevor er protestieren konnte, trat sie näher und beugte sich über ihn, ihre Lippen streiften seine in einem sanften, fast keuschen Kuss. Der Kontrast zur Intensität der vergangenen Nacht war unerträglich. Lucas versuchte, sie näher zu ziehen, doch sie entzog sich ihm mit einer fließenden Bewegung und ließ ihn mit ihrem Geschmack im Mund und einem Gefühl der Leere in der Brust zurück.
*— Clara…*
*— Ich hinterlasse dir einen Zettel* — sagte sie und ging bereits in Richtung Wohnzimmer.
Lucas stand auf und wickelte das Laken um seine Hüften, als könnte es ihn vor dem beschützen, was auch immer gerade passierte. Er folgte ihr ins Wohnzimmer, wo Clara bereits ihre Schuhe anzog, die Tasche über der Schulter. Sie bewegte sich mit einer kontrollierten Eile, als wüsste sie genau, wie viel Zeit ihr blieb, bevor er sie aufhalten würde.
*— Du kannst nicht einfach gehen* — sagte er und versuchte, seine Stimme fest klingen zu lassen. *— Nicht nach gestern.*
Clara blieb vor der Tür stehen. Einen Moment lang stand sie mit dem Rücken zu ihm, die Schultern angespannt. Als sie sich umdrehte, sahen ihre Augen anders aus. Es lag kein schelmisches Funkeln mehr darin, keine Verheißung von mehr. Stattdessen lag etwas darin, das fast wie… Bedauern wirkte.
*— Gestern war real* — sagte sie leise. *— Aber heute ist heute.*
Und dann, bevor er antworten konnte, öffnete sie die Tür und ging.
Lucas blieb mitten im Wohnzimmer stehen, das Laken rutschte ihm aus den Fingern, die kühle Morgenluft traf auf seine Haut. Einen Moment lang dachte er daran, ihr nachzulaufen, Antworten zu verlangen. Doch etwas hielt ihn zurück. Vielleicht war es die Art, wie sie diese Worte gesagt hatte, als wüsste sie, dass er sie nicht verstehen würde. Oder vielleicht war es die Tatsache, dass er tief im Inneren bereits ahnte, dass Clara nicht die Art von Frau war, die sich festhalten ließ.
Mit einem Seufzer drehte er sich um und ging in die Küche, wo der Kaffee noch warm war. Er goss sich eine Tasse ein, die Bewegungen mechanisch, der Geist woanders. Erst als er ins Wohnzimmer zurückkehrte, sah er den Zettel.
Er lag auf dem Couchtisch, in der Mitte gefaltet, mit seinem Namen in einer eleganten, geneigten Schrift. Lucas zögerte, bevor er ihn aufhob, als könnte das Papier seine Finger verbrennen. Als er ihn schließlich öffnete, sprangen ihm die Worte entgegen wie ein Flüstern:
*„Lucas,
Gestern Nacht war… unerwartet. Und perfekt. Doch du weißt genauso gut wie ich, dass manche Dinge nicht dazu bestimmt sind, verstanden zu werden, sondern nur erlebt.
Such nicht nach mir. Zumindest jetzt noch nicht. Wenn ich will, dass du mich findest, wirst du es wissen. Bis dahin bewahre, was passiert ist, als unser Geheimnis.
Und mach dir keine Sorgen. Es ist nicht vorbei. Es hat gerade erst begonnen.
— C“
Er las den Zettel zwei-, dreimal, als könnten sich die Worte bei jedem Lesen in ihrer Bedeutung ändern. Doch das taten sie nicht. Clara war gegangen. Und irgendwie wusste er, dass sie nicht so schnell zurückkehren würde.
Zuerst kam die Wut. Eine heiße Welle, die in seiner Brust aufstieg, vermischt mit der Frustration, keine Gelegenheit gehabt zu haben, etwas zu sagen, ihre Telefonnummer nicht gefragt, nichts getan zu haben, außer sie gehen zu lassen. Doch dann, wie ein Gegenpol, kam etwas anderes: die Aufregung. Das Geheimnis. Die Verheißung, dass dies kein Abschied, sondern ein *„Bis bald“* war.
Lucas faltete den Zettel sorgfältig und steckte ihn in die Tasche seiner Hose, die auf dem Boden lag. Dann ging er zum Fenster und zog die Vorhänge auf. Draußen war der Tag hell, die Sonne spiegelte sich in den Pfützen, die der nächtliche Sturm hinterlassen hatte. Er suchte nach ihr auf der Straße, zwischen den eiligen Passanten, doch von Clara war keine Spur zu sehen.
*„Such nicht nach mir.“*
Er lächelte, trotz allem. Clara kannte ihn nicht so gut, wie sie dachte. Denn Lucas war Schriftsteller. Und Schriftsteller waren vor allem Jäger von Geschichten. Und ihre, dessen war er sich sicher, war noch lange nicht zu Ende.
Mit einem letzten Blick auf die Straße wandte er sich vom Fenster ab und ging ins Bad. Er brauchte eine Dusche. Er musste nachdenken. Und vor allem musste er einen Weg finden, Clara klarzumachen, dass er, wenn sie bereit war, gefunden zu werden, auf sie warten würde.
Denn jetzt hatte sich das Spiel verändert. Und Lucas liebte ein gutes Geheimnis.