Das Geheimnis der oberen Etage
Von Tonkix

**Das Geheimnis der oberen Etage**
Lucas’ Wohnung roch nach altem Kaffee und zerknülltem Papier. Die Wände, in einem verblassten Grau gestrichen, das einst Blau gewesen war, saugten die Stille auf wie ein Schwamm und gaben sie als gedämpftes Echo zurück. Er mochte diese kontrollierte Leere, die Art, wie das Nachmittagslicht sich durch die Jalousien zwängte und goldene Streifen auf seinen Schreibtisch zeichnete, wo Manuskriptstapel wie wackelige Türme balancierten. Schreiben war sein Refugium, seine Art, die Welt zu zähmen – oder zumindest so zu tun, als täte er es.
Doch an diesem Nachmittag geschah etwas Ungewöhnliches.
Ein Geräusch.
Es war nicht das übliche Hausgeräusch – das Knarren der Rohre, das Stöhnen des Aufzugs, die Stimme der Hausmeisterin, die sich mit dem Portier über die Gegensprechanlage stritt. Es war etwas… Organischeres. Ein Schleifen nackter Füße über den Holzboden, gefolgt von einem langen Seufzer, fast wie ein Klagen. Lucas hob den Blick von der Tastatur, die Finger noch über den Tasten schwebend. Das Geräusch kam von der Decke, direkt aus der Wohnung über seiner, von der er bis dahin geglaubt hatte, sie stünde seit Monaten leer.
Er runzelte die Stirn. Das Haus war alt, eines dieser in den 70ern zu Wohnungen umgebauten Stadthäuser, mit Wänden dünn wie Seidenpapier und ohne Schallisolierung. Doch dieses Geräusch stammte nicht von Rohren. Es war menschlich. Allzu menschlich.
Er stand auf, die nackten Füße versanken im abgetretenen Teppich, und ging in die Mitte des Zimmers, als könnte die Position ihm helfen, den Ursprung zu entschlüsseln. Dann kam ein weiteres Geräusch – ein gedämpftes Stöhnen, gefolgt von einem dumpfen Aufprall, als wäre etwas (oder jemand) gegen die Wand gefallen. Lucas’ Herzschlag beschleunigte sich. Es war keine Angst. Es war Neugier. Und etwas anderes, etwas, das er noch nicht benennen wollte.
Er trat ans Fenster und schob den Vorhang beiseite. Draußen atmete die Stadt in Sepiatönen, die untergehende Sonne tauchte die Gebäude in ein rostiges Gold. Die Luft war schwer, geladen mit Elektrizität, als stünde ein Gewitter bevor. Doch es war nicht nur das Wetter, das ihn unruhig machte. Es war das Gefühl, dass etwas – oder jemand – in sein privates Reich eingedrungen war, diesen Raum, in dem er allein herrschte.
Er kehrte zum Schreibtisch zurück, doch er konnte sich nicht konzentrieren. Die Worte auf dem Bildschirm wirkten tot, leblos. Stattdessen schärften sich seine Ohren und fingen jedes noch so kleine Geräusch von oben ein. Ein Knarren. Ein Seufzer. Das Klirren eines Glases, das auf eine Glasfläche gestellt wurde. Und dann das Geräusch, das ihm den Atem raubte: ein leises, weibliches Lachen, voller einer Bosheit, die er nicht deuten konnte.
Wer zum Teufel war da oben?
Lucas strich sich mit der Hand übers Gesicht, spürte den rauen Bartstoppeln an der Handfläche. Vielleicht ein neuer Mieter. Oder ein Besucher. Oder – und diese Möglichkeit ließ ihn schlucken – jemand, der wie er die Einsamkeit bevorzugte, aber nicht die absolute Stille. Der Gedanke faszinierte ihn. Und erregte ihn.
Er stand wieder auf und ging in die Küche, wo er ein Glas mit Wasser füllte. Er trank langsam, die Augen auf die Decke gerichtet, als könnte er durch die Schichten aus Beton und Gips hindurchsehen. Die Wohnung darüber war ein Rätsel. Er hatte sie nie offen gesehen, war nie jemandem begegnet, der ein- oder ausging. Das Einzige, was er wusste, war, dass hin und wieder das Licht anging und wieder ausging, als würde jemand nur vorbeikommen, um eine Spur zu hinterlassen, ein Zeichen der Anwesenheit.
Doch an diesem Abend war die Anwesenheit unübersehbar.
Er legte sich ins Bett, doch der Schlaf wollte nicht kommen. Er lag da, die Augen offen, und lauschte. Das Haus schien lebendig, pulsierte mit einer Energie, die er seit Jahren nicht mehr gespürt hatte. Und dann, als er schon fast aufgeben wollte, hörte er es wieder. Ein Stöhnen. Kein Schmerzenslaut. Ein Lustlaut.
Lucas spürte, wie sein Körper reagierte, noch bevor er das Geräusch verarbeitet hatte. Eine Hitze stieg in seinem Bauch auf, breitete sich in seiner Brust, seinen Schenkeln aus. Er schloss die Augen und stellte sich vor. Eine Frau. Allein. Oder nicht. Die Stöhnen wurden lauter, drängender, unterbrochen von Worten, die er nicht verstand. *„Mehr… bitte… so…“* Die Stimme war rau, geflüstert, als wollte die Person nicht gehört werden – oder doch.
Er drehte sich im Bett um, unruhig. Es ging ihn nichts an. Es ging ihn nichts an. Doch sein Körper log nicht. Die Erektion drückte gegen den Stoff seiner Unterhose, verlangte nach Erlösung. Er zögerte. Dann, mit einem Seufzer der Kapitulation, ließ er die Hand nach unten gleiten, die Finger um den harten Schaft schlossen. Er stellte sich die Szene oben vor: eine Frau, die auf dem Bett lag, die Beine gespreizt, die Finger (oder die eines anderen) jeden Zentimeter feuchter Haut erkundeten. Er stellte sich ihren Mund vor, halb geöffnet, die Lippen feucht, die Stöhnen, als würden sie ihr entrissen.
Das Tempo seiner Hand beschleunigte sich, folgte den Geräuschen von der Decke. Jeder Seufzer, jedes Keuchen, jedes geflüsterte Wort war ein weiterer Ansporn. Er verlor sich in der Fantasie, stellte sich vor, er wäre derjenige, der dort oben war, berührte, kostete, besaß. Der Orgasmus traf ihn mit unerwarteter Intensität, sein ganzer Körper verkrampfte sich, während er ein Stöhnen im Kissen erstickte.
Als er wieder zu sich kam, war die Wohnung über ihm still.
Lucas lag da, keuchend, der Schweiß kühlte auf seiner Haut. Die Luft war schwer, drückend. Er fühlte sich zugleich gesättigt und hungrig, als hätte er etwas Verbotenes gekostet und wollte nun mehr. Mehr wovon genau? Er wusste es nicht. Doch eines war sicher: Er würde nicht ignorieren können, was dort oben geschah.
Und zum ersten Mal seit langem wollte er das auch nicht.
Das Schweigen im Flur wurde vom Quietschen der Aufzugtür unterbrochen. Lucas hob den Blick vom Buch, das er nur zum Schein las – eine abgenutzte Hardcover-Ausgabe von *Der Fremde*, deren Rücken schon so oft durchgeblättert worden war, ohne dass eine einzige Zeile seine Aufmerksamkeit gefesselt hätte. Die Schritte waren leicht, fast unmerklich, doch das Echo auf dem kalten Marmorboden des Hauses verstärkte sie, machte sie zu etwas Absichtlichem, als wäre jeder Tritt mit dem Absatz eine Einladung.
Sie stieg die letzten Stufen der Treppe mit einer berechneten Eleganz hinab, die Hände um den Griff einer schwarzen Ledertasche geklammert, die wie eine zweite Haut an ihrer Schulter hing. Das Kleid, in einem tiefen Weinrot, schmiegte sich mühelos an ihren Körper, betonte die Kurve ihrer Hüften und die schmale Taille. Die Haare, zu einem lockeren Dutt gebunden, ließen dunkle Strähnen entkommen, die ihren Nacken streiften, und Lucas hatte das Gefühl, dass er, wenn er die Hand ausstreckte, die Wärme ihrer Haut unter seinen Fingern spüren würde.
— Entschuldigung — sagte sie und blieb einen halben Meter vor ihm stehen. Ihre Stimme war tief, rau, als wäre sie gerade erst aufgewacht oder hätte stundenlang geflüstert. — Ist der Aufzug schon wieder kaputt?
Lucas schloss das Buch mit einem leisen Knall, der Daumen markierte die Seite. Es war nicht das erste Mal, dass der Aufzug Probleme machte, aber es war das erste Mal, dass sich jemand außer dem Hausmeister dafür zu interessieren schien.
— Scheint so. Zumindest bis morgen.
Sie neigte den Kopf, musterte ihn mit Augen, die mehr zu absorbieren schienen, als sie preisgaben. Sie waren grün, aber nicht irgendein Grün – dunkler, wie Moos im Kerzenlicht, mit goldenen Reflexen, die aufblitzten, wenn sie die Pupillen bewegte. Eine Farbe, die an dichte Wälder und Geheimnisse zwischen Bäumen denken ließ.
— Wohnen Sie schon lange hier? — fragte sie und rückte die Tasche auf ihrer Schulter zurecht. Die Bewegung ließ den Stoff des Kleides über ihren Brüsten spannen, und Lucas blickte für einen Moment zur Seite, als wäre er auf frischer Tat ertappt worden.
— Seit etwa zwei Jahren. — Er zögerte, dann fügte er hinzu: — Sind Sie neu hier?
— Bin gestern eingezogen. — Ein kurzes, fast unmerkliches Lächeln spielte um ihre Lippen. — Clara.
— Lucas.
Ihr Name schwebte zwischen ihnen, leicht wie Rauch. Clara streckte die Hand aus, und als Lucas sie ergriff, spürte er, dass ihre Handfläche kühler war als erwartet, die langen Finger umschlossen seine mit einer Festigkeit, die nicht zu ihrer scheinbaren Zerbrechlichkeit passte. Es lag etwas Absichtliches in der Geste, als würde sie testen, wie weit sie gehen konnte, bevor sie sich zurückzog.
— Schreiben Sie? — Sie deutete mit einem Kinnheben auf das Buch.
— Ich versuche es. — Lucas lachte, ein kurzes, unbeholfenes Geräusch. — Aber ich verbringe wohl mehr Zeit damit, aus dem Fenster zu starren, als Worte aufs Papier zu bringen.
Clara hob eine Augenbraue, neugierig.
— Und was sehen Sie da?
— Nichts Interessantes. — Er log. In Wahrheit sah er viel: die Lichter der umliegenden Häuser, die wie künstliche Sterne blinkten, die Schatten der Nachbarn, die sich hinter den Vorhängen bewegten, die Art, wie die Stadt nachts den Atem anzuhalten schien. Doch das würde er ihr nicht sagen. Noch nicht.
— Schade. — Clara trat einen Schritt zurück, als wollte sie sich verabschieden, blieb dann aber stehen. — Ich mag Dinge, die auf den ersten Blick nicht interessant wirken. Manchmal sind sie die Aufschlussreichsten.
Lucas spürte das Gewicht dieser Worte wie eine Einladung. Oder vielleicht war es nur die Art, wie sie ihn ansah – als wüsste sie bereits Dinge über ihn, die er selbst nicht kannte.
— Ich wohne in der 302 — sagte sie und deutete vage zur Decke. — Falls Sie Zucker brauchen… oder ein besseres Buch als dieses, wissen Sie, wo Sie mich finden.
— Ich werde daran denken.
Sie lächelte erneut, doch diesmal lag eine Herausforderung in ihrem Blick. Als würde sie abwarten, ob er den Mut hätte, an ihre Tür zu klopfen.
— Gute Nacht, Lucas.
— Gute Nacht, Clara.
Sie drehte sich um und stieg die Treppe hinauf, die Schritte machten kein Geräusch, als würde sie über die Stufen schweben. Lucas blieb stehen und beobachtete sie, bis sie auf dem Treppenabsatz des dritten Stocks verschwunden war. Erst dann bemerkte er, dass er den Atem angehalten hatte.
Ihr Duft hing noch in der Luft – eine Mischung aus Jasmin und etwas Dunklerem, wie gealtertes Leder oder Gewürze, die er nicht benennen konnte. Er führte unwillkürlich die Hand zur Nase, als könnte er diesen Duft in seinem Gedächtnis bewahren.
Als er sich schließlich in Bewegung setzte, war es, um die Treppe hinter ihr hinaufzusteigen, langsam, als wäre jede Stufe eine Entscheidung. Im dritten Stock blieb er vor der Tür der 302 stehen. Das Holz war dunkel, poliert, mit einer Messingklinke, die im gelblichen Licht des Flurs glänzte. Für einen Moment dachte er daran zu klopfen. Sich eine Ausrede einfallen zu lassen – er brauchte etwas Salz oder eine Meinung zu einem Absatz, der nicht gelingen wollte.
Doch er tat es nicht.
Stattdessen legte er die Handfläche gegen die Tür und spürte die Kälte des Metalls durch das Holz. Er stellte sich Clara auf der anderen Seite vor, an die Wand gelehnt, wie sie seinen Schritten lauschte, die sich entfernten. Er stellte sich vor, wie sie lächelte, als wüsste sie genau, was er dachte.
Und vielleicht wusste sie es ja.
Lucas stieg die Treppe hinab, das Herz schlug schneller als es sollte. Als er sein Stockwerk erreichte, blieb er vor seiner eigenen Tür stehen und blickte nach oben, als könnte er durch die Decke, durch die Balken und den Beton hindurch bis in ihre Wohnung sehen.
Er hörte ein gedämpftes Geräusch von oben – ein Schleifen von Möbeln, vielleicht, oder das Klirren eines Glases, das auf einen Tisch gestellt wurde. Dann Stille.
Er betrat seine Wohnung, schloss die Tür hinter sich ab und blieb im Dunkeln stehen, lauschte.
Nichts.
Doch er wusste, dass von nun an jedes Geräusch von oben einen Namen haben würde. Und ein Gesicht.
Der Aufzug war ein Kubus aus Spiegeln und Stille, ein Ort, an dem sich Körper unwillkürlich näherkamen und Worte starben, bevor sie ausgesprochen wurden. Lucas kannte den Rhythmus der Metalltüren, das vertraute Quietschen beim Schließen, das elektrische Summen, das der Bewegung vorausging. Doch seit Clara eingezogen war, hatte sich der Aufzug in etwas anderes verwandelt – ein Territorium der Möglichkeiten, ein Raum, in dem selbst das Atmen wie ein Geständnis wirkte.
Es war an einem späten Nachmittag, als das Haus fast leer war, dass sie sich dort zum ersten Mal seit ihrer Begegnung auf der Treppe wiedersahen. Lucas kam von der Bäckerei zurück, die braune Papiertüte in der Hand verströmte den warmen Duft von frischem Baguette, als er ihre Schritte im Flur hörte. Er musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, dass es Clara war; er würde diesen Klang überall erkennen – leicht, aber nicht zerbrechlich, als wäre jeder Schritt eine Entscheidung. Die Aufzugtür stand bereits offen, wartete, und er trat ein, drückte ohne nachzudenken den Knopf für den dritten Stock.
Sie erschien im letzten Moment, als hätte sie die Zeit genau berechnet, damit die Türen sich nicht schließen konnten, bevor sie einsteigen konnte. Sie trug ein schwarzes Kleid, eng genug, um die Kurve ihrer Hüften zu betonen, der Stoff zu dünn, um die Konturen ihrer Brüste zu verbergen, wenn das Flurlicht darauf fiel. Die Haare, zu einem lockeren Dutt gebunden, ließen einige Strähnen im Nacken frei, und Lucas musste den Impuls unterdrücken, die Hand auszustrecken und sie zwischen den Fingern zu zwirbeln.
— Guten Abend — sagte sie, die Stimme leise, fast ein Flüstern, als wollte sie die Stille des Aufzugs nicht stören.
— Guten Abend — antwortete er, und das Wort klang rauer, als er beabsichtigt hatte.
Clara drückte den Knopf für den vierten Stock, und der Aufzug setzte sich mit einem Ruck in Bewegung. Für einen Moment sprach keiner von beiden. Lucas beobachtete aus dem Augenwinkel, wie sie den Riemen ihrer Tasche auf der Schulter zurechtrückte, die langen, zarten Finger, die Nägel in einem dunklen Rot lackiert, das zu ihrem Lippenstift passte. Er fragte sich, ob sie das mit Absicht tat – ob sie Farben wählte, die Spuren hinterließen.
— Sie kommen immer spät nach Hause — bemerkte sie und brach das Schweigen.
— Ich arbeite nachts besser — sagte er, und weil der Satz zu schroff klang, fügte er hinzu: — Und Sie?
— Kommt drauf an. — Sie neigte den Kopf, als würde sie abwägen, wie viel sie preisgeben sollte. — Manchmal brauche ich Lärm. Manchmal Stille.
Der Aufzug hielt im dritten Stock, und Lucas zögerte, bevor er ausstieg. Er wollte diesen Moment nicht enden lassen, wusste aber auch nicht, wie er ihn verlängern sollte. Als sich die Türen zu schließen begannen, streckte er die Hand aus und hielt sie auf, sah sie an.
— Wenn Sie Stille brauchen… — begann er und ließ den Satz in der Luft hängen, als wäre der Rest offensichtlich.
Clara lächelte, ein langsames, fast unmerkliches Lächeln, das Lucas’ Magen zusammenzog.
— Ich werde daran denken — sagte sie, und dann schlossen sich die Türen zwischen ihnen.
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Die folgenden Begegnungen verliefen ähnlich: kurz, aufgeladen, voller unausgesprochener Dinge. Im Flur, im Aufzug, in der Waschküche des Hauses – immer wenn sie sich über den Weg liefen, gab es diesen Moment des Wiedererkennens, als hätten beide darauf gewartet, ohne es zuzugeben. Clara tauchte immer häufiger auf, als wüsste sie genau, wann Lucas gehen oder kommen würde. Und er wiederum passte seine eigenen Zeiten an ihre an, um die Chancen auf eine Begegnung zu erhöhen.
Eines Morgens traf er sie in der Eingangshalle, kurz vor dem Gehen. Sie trug einen langen, grauen Wollmantel, der bis zu den Knien reichte, und Stiefel mit hohen Absätzen, die ihre Schritte auf dem Marmor widerhallen ließen. Lucas war in Jogginghose und Hausschuhen, die Haare noch vom Schlaf zerzaust, doch als er sie sah, fühlte er sich entblößt, als könnte sie durch die weiten Kleidungsstücke hindurchsehen.
— Gehen Sie zur Arbeit? — fragte er, nur um Gespräch zu beginnen.
— Ja — antwortete sie und rückte den Schal um ihren Hals zurecht. — Und Sie?
— Nur Kaffee holen.
Sie blickte auf die leere Tasse in seiner Hand, dann in sein Gesicht, als würde sie prüfen, ob er log.
— Kaffee ist gut — sagte sie schließlich. — Aber manchmal braucht man etwas anderes.
Lucas spürte, wie ihm die Hitze in den Nacken stieg. Es war keine Frage, aber auch keine Feststellung. Es war eine Einladung oder eine Provokation – er wusste es nicht genau.
— Und was brauchen Sie? — wagte er zu fragen.
Clara lächelte, antwortete aber nicht. Stattdessen öffnete sie die Haustür und ließ die kalte Morgenluft herein, die den Saum ihres Mantels anhob. Für einen Moment sah Lucas die nackte Haut ihrer Oberschenkel, die Konturen der schwarzen Strümpfe, die bis zur Mitte ihrer Beine reichten, und musste den Blick abwenden, bevor das Verlangen offensichtlich wurde.
— Bis später, Lucas — sagte sie und ging, ließ ihn mit der leeren Tasse in der Hand und einem Körper, der pulsierte.
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Im Aufzug wurden die Dinge intensiver. Sie begannen, sich versehentlich – oder vielleicht absichtlich – zu berühren. Einmal, als der Aufzug abrupt zwischen zwei Stockwerken stehen blieb, verlor Clara das Gleichgewicht und stützte sich an ihm ab, die Hände auf seiner Brust. Er hielt ihre Taille instinktiv fest, und sie blieben einen Moment länger so stehen, als sie sollten, die Körper aneinandergedrückt, der Atem beschleunigt. Als der Aufzug wieder in Bewegung kam, wich Clara langsam zurück, als wollte sie den Kontakt nicht ganz lösen.
— Entschuldigung — murmelte sie, doch sie klang nicht reumütig.
— Kein Grund, sich zu entschuldigen — sagte er, und seine Stimme klang tiefer als beabsichtigt.
Ein anderes Mal betrat er den Aufzug und fand sie mit dem Rücken zu ihm, im Spiegel zu betrachten. Sie trug ein enges Kleid mit dünnen Trägern, das ihre Schultern freiließ, und Lucas konnte nicht anders: Seine Augen glitten über die Kurve ihres Rückgrats, die zarte Linie ihres Nackens, die Stelle, an der die Haut auf den Stoff traf. Als sie sich umdrehte, wich er nicht aus.
— Gefällt Ihnen, was Sie sehen? — fragte sie, ohne Bosheit, aber auch ohne Scham.
— Ja — gab er zu, denn Lügen wäre sinnlos gewesen.
Clara lächelte zufrieden und drückte den Knopf für den vierten Stock.
— Dann sehen Sie vielleicht eines Tages mehr.
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Die Blicke wurden kühner, die Worte zweideutiger. An einem späten Nachmittag trafen sie sich im Flur, Clara hatte eine Einkaufstasche in der Hand, und etwas darin erregte Lucas’ Aufmerksamkeit: der Hals einer Weinflasche, das dunkle Grün des Glases.
— Abendessen? — fragte er und deutete mit dem Kopf auf die Tasche.
— Vielleicht — antwortete sie. — Oder vielleicht nur ein Glas.
— Allein?
— Kommt drauf an.
— Worauf?
— Darauf, wer an meine Tür klopft.
Lucas spürte, wie sein Herz schneller schlug. Es war das erste Mal, dass sie so deutlich machte, dass die Entscheidung bei ihm lag. Er hätte etwas sagen, eine direkte Einladung aussprechen können, doch stattdessen nickte er nur, als wüsste er, dass dieses Spiel noch nicht vorbei war.
— Ich werde darüber nachdenken — sagte er und ging an ihr vorbei, spürte ihren Duft – etwas Blumiges mit einem Hauch von Gewürzen – noch in der Luft, selbst als er sich entfernte.
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In dieser Nacht konnte Lucas nicht schreiben. Er saß am Schreibtisch und starrte auf den Bildschirm, doch die Worte kamen nicht. Stattdessen war sein Geist oben, stellte sich Clara in ihrer Wohnung vor, vielleicht beim Weintrinken, vielleicht wartend. Er stand auf, ging zum Fenster und blickte auf die Straße, sah jedoch nichts außer seinem eigenen Spiegelbild.
Dann hörte er es.
Ein gedämpftes Geräusch, als wäre etwas zu Boden gefallen. Dann Schritte – leicht, aber deutlich –, gefolgt vom Geräusch einer Tür, die geöffnet und geschlossen wurde. Lucas trat an die Wand, die die Wohnungen trennte, legte das Ohr daran und blieb regungslos stehen, lauschte.
Nichts.
Doch er wusste, dass sie da war. Und er wusste, dass früher oder später einer von ihnen nicht widerstehen könnte.
Der Donner durchschnitt die Stille wie eine Klinge und spaltete den Himmel in zwei Hälften. Lucas hob den Blick vom Computerbildschirm, wo die Worte sich hartnäckig weigerten zu kommen, und sah das Spiegelbild des Blitzes an den Wänden tanzen. Das weiße, fast gespenstische Licht erhellte für einen Moment das halbvolle Whiskyglas auf dem Tisch, das aufgeschlagene Notizbuch mit hingekritzelten, unvollendeten Sätzen, den langgezogenen Schatten seiner eigenen Gestalt an der Wand. Er seufzte, strich sich mit den Fingern durch die Haare und stand auf, angezogen vom Geräusch des Regens, der gegen das Fenster prasselte wie ungeduldige Finger.
Das Haus schien in dieser Nacht anders zu atmen. Die Rohre stöhnten im Wind, die Wände knarrten, und von irgendwoher drang das Echo gedämpfter Musik – vielleicht aus Claras Wohnung. Lucas lehnte die Stirn gegen die kalte Scheibe und spürte den Kontrast zwischen der Wärme seines Körpers und der feuchten Kälte, die durch die Fensterrahmen kroch. Draußen war die Stadt ein verschwommener Fleck aus Lichtern, die Scheinwerfer der Autos zogen sich wie verlorene Glühwürmchen durch den Regenschleier. Dann kam ein weiterer Donner, näher, ließ die Scheiben erzittern.
Da hörte er es.
Ein dumpfer Aufprall, als wäre etwas Schweres zu Boden gefallen. Dann eilige Schritte, das Geräusch einer Tür, die mit Wucht zugeschlagen wurde. Lucas runzelte die Stirn. Das war kein Geräusch, das man versehentlich machte – es klang, als würde jemand rennen, vielleicht erschrocken. Er zögerte einen Moment, doch die Neugier siegte. Er griff zum Handy, leuchtete auf das Display – 0:20 Uhr – und ging barfuß zur Wohnungstür, die Füße versanken im flauschigen Teppich.
Im Flur war die Luft geladen mit statischer Elektrizität. Die Lampen flackerten, drohten auszugehen, und für einen Moment blieb er regungslos stehen, lauschte dem Stöhnen des Hauses unter dem Sturm. Dann hörte er es wieder: Schritte. Nicht von oben, sondern die Treppe herunter. Schnell, fast verzweifelt. Lucas trat ans Geländer und blickte nach unten, doch die Dunkelheit der Eingangshalle verschluckte alles. Einen Augenblick später jedoch ging das Licht des Aufzugs an, und er sah sie.
Clara.
Sie stand mitten im Flur, durchnässt, die dunklen Haare klebten an Gesicht und Hals, die weiße Bluse haftete wie eine zweite Haut am Körper, durchscheinend genug, um den Umriss des schwarzen Spitzen-BHs darunter zu enthüllen. Ihre Hände zitterten leicht, während sie versuchte, die Wohnungstür – ihre, neben seiner – zu öffnen, doch der Schlüssel passte nicht ins Schloss. Lucas spürte, wie ihm die Luft wegblieb. Es war nicht nur der Regen, der sie so aussehen ließ. Da war noch etwas anderes: die angespannten Schultern, der beschleunigte Atem, die halb geöffneten Lippen, als wäre sie den Tränen nah.
— Clara? — Seine Stimme klang rau, fast wie ein Flüstern.
Sie drehte sich abrupt um, die Augen weit aufgerissen, und für einen Moment schien sie ihn nicht zu erkennen. Dann durchflutete Erleichterung ihr Gesicht wie ein Blitz.
— Lucas… — Ihr Name kam ihr als gebrochener Hauch über die Lippen. — Ich… ich bekomme die Tür nicht auf.
Er dachte nicht nach. Mit drei Schritten war er bei ihr und nahm ihr den Schlüssel aus der Hand, spürte die Kälte ihrer nassen Haut an seiner. Claras Finger waren eiskalt, fast taub.
— Lass mich mal versuchen.
Das Schloss gab mit einem leisen Klicken nach, und er schob die Tür auf, doch Clara trat nicht ein. Sie blieb stehen, die Arme um sich geschlungen, als wollte sie sich vor etwas – oder sich selbst – schützen. Lucas zögerte, dann berührte er sanft ihre Schulter.
— Du zitterst.
— Ich… ich habe nicht damit gerechnet, dass es so stark regnet. — Ihre Stimme war ein Murmeln, kaum hörbar unter dem Tosen des Sturms. — Ich bin nur schnell Wein holen gegangen und… und plötzlich stand ich mitten im Unwetter.
Es war eine Lüge. Er wusste, dass es eine Lüge war. Die Art, wie sie den Blick mied, die Anspannung in ihrem Nacken, die verkrampften Finger – alles schrie danach, dass da noch mehr war. Doch er fragte nicht. Stattdessen zog er sie sanft am Handgelenk in seine Wohnung.
— Komm rein. Ich hol dir ein Handtuch.
Clara wehrte sich nicht. Sie ließ sich von ihm durch den schmalen Flur führen, die nackten Füße hinterließen feuchte Spuren auf dem Holzboden. Als sie das Wohnzimmer erreichten, schaltete Lucas die Stehlampe in der Ecke ein und tauchte den Raum in ein warmes, bernsteinfarbenes Licht. Der Kontrast zum Sturm draußen wirkte fast unwirklich. Sie blieb in der Mitte des Zimmers stehen, die Arme um die Ellbogen geschlungen, die Augen wanderten durch den Raum – die gestapelten Bücher, den Schreibtisch mit dem offenen Laptop, die halbvolle Whiskyflasche. Dann trafen sich ihre Blicke, und etwas in ihren Augen blitzte auf.
— Du hast geschrieben?
— Versucht. — Lucas holte ein Badetuch aus dem Schrank und trat auf sie zu. — Es klappt nicht so richtig.
— Warum nicht?
— Weil mein Kopf woanders ist. — Er blieb vor ihr stehen, nah genug, um ihren Duft wahrzunehmen – Jasmin vermischt mit etwas Dunklerem, Animalischerem, das er schon kannte. — Genauer gesagt, eine Etage höher.
Clara wich seinem Blick nicht aus. Ihre Lippen öffneten sich, als wollte sie etwas sagen, doch stattdessen nickte sie nur. Lucas hob das Handtuch und begann, mit langsamen Bewegungen ihre Haare zu trocknen, die Finger streiften sanft ihre Stirn, die Schläfen, ihren Nacken. Clara schloss für einen Moment die Augen und ließ ein leises Seufzen hören. Als sie sie wieder öffnete, lag etwas Wildes darin.
— Du hörst die Geräusche aus meiner Wohnung.
Es war keine Frage.
— Manchmal. — Er fuhr mit dem Handtuch über ihre Schultern, spürte die nasse Haut darunter. — Geräusche, die ich nicht deuten kann.
— Und was glaubst du, was sie bedeuten?
Lucas lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln.
— Dass du nicht so verschlossen bist, wie du tust.
Clara lachte, ein kurzes, fast ersticktes Geräusch.
— Oder dass ich ein viel interessanteres Leben führe als du.
— Möglich. — Er ließ das Handtuch auf ihre Schultern sinken und umfasste ihr Gesicht mit den Händen, die Daumen strichen über ihre Lippen. — Aber ich glaube lieber, dass es eine Einladung ist.
Sie wich nicht zurück. Stattdessen beugte sie sich vor, ihre Lippen fast an seinen.
— Und wenn es so wäre?
— Dann nehme ich an.
Der Kuss war wie der Sturm draußen – gewaltsam, unausweichlich, voller Blitze. Clara krallte sich in sein Hemd, zog ihn näher, während er sie gegen die Wand drückte, die Hände glitten über ihren nassen Rücken, spürten die Kurve ihrer Wirbelsäule, die Anspannung der Muskeln unter der Haut. Sie biss in seine Unterlippe, ein leises Stöhnen entwich ihrer Kehle, und Lucas antwortete mit einem Knurren, die Hände glitten zu ihrer Taille, zogen sie enger an sich.
— Du hast keine Ahnung, wie sehr ich das wollte — murmelte er an ihrem Mund, die Zähne streiften die empfindliche Haut ihres Halses.
— Doch. — Clara zog sein Hemd nach oben, die Finger hinterließen feurige Spuren auf seiner nackten Brust. — Weil ich es auch wollte.
Ihr Oberteil lag schon auf dem Boden, als er sie zum Sofa trug und auf die Kissen legte. Clara bog den Rücken durch, als seine Hände den Verschluss ihres BHs fanden, die Finger glitten unter den Stoff, um ihre Brüste zu streicheln, die Brustwarzen schon hart unter seiner Berührung. Sie stöhnte, die Finger vergruben sich in seinen Haaren, zogen ihn nach unten, zu einem weiteren Kuss – diesmal langsamer, tiefer, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Doch Zeit war etwas, das sie nicht hatten.
Lucas ließ seine Lippen über ihren Hals, ihr Schlüsselbein gleiten, bis er ihre Brüste erreichte, nahm eine Brustwarze in den Mund, während seine Hand in ihre Jeans glitt und die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen fand. Clara keuchte, die Nägel gruben sich in seine Schultern.
— Verdammt, Lucas…
— Ich weiß. — Er lächelte an ihrer Haut. — Ich bin auch verrückt nach dir.
Sie zog ihn zu einem weiteren Kuss zurück, die Beine öffneten sich weiter, luden ihn ein, weiterzugehen. Und das tat er. Er ließ seinen Mund über ihren Körper wandern, zog die nasse Jeans aus, die Hände umfassten ihre Oberschenkel, während seine Zunge das Zentrum ihrer Lust fand. Sie schrie auf, ihr ganzer Körper verkrampfte sich, die Finger krallten sich so fest in seine Haare, dass es wehtat.
— Hör nicht auf — flehte sie, die Stimme rau. — Bitte, hör nicht auf.
Lucas hörte nicht auf. Nicht, bis er spürte, wie ihr Körper unter seinem Mund erzitterte, bis er ihren Namen von ihren Lippen als gebrochenes Stöhnen hörte. Erst dann richtete er sich auf, die Lippen glänzend, die Augen dunkel vor Verlangen.
Clara zog ihn zu sich hoch, küsste ihn mit einem Hunger, der ihm den Atem raubte. Ihre Hände fanden den Reißverschluss seiner Hose, zogen ihn mit drängender Eile herunter, und als er endlich in sie eindrang, war es, als würde sich die ganze Welt auf diesen einen Moment reduzieren – auf die feuchte Hitze, den Rhythmus ihrer sich vereinenden Körper, die Seufzer und Stöhnen, die sich mit dem Geräusch des Regens draußen vermischten.
Sie kamen fast gleichzeitig, Clara presste sich an ihn, die Nägel hinterließen Spuren auf seinem Rücken, während er das Gesicht in ihrem Hals vergrub, der ganze Körper bebte unter der Wucht des Orgasmus.
Für einen langen Moment gab es nichts außer dem Geräusch ihrer keuchenden Atemzüge, dem heftigen Herzschlag, dem Regen, der gegen das Fenster prasselte. Dann bewegte sich Clara, die Finger zeichneten träge Kreise auf seiner Brust.
— Das… — murmelte sie, die Stimme noch zitternd — war besser, als ich es mir vorgestellt habe.
Lucas lachte leise und küsste ihren Scheitel.
— Es ist noch nicht vorbei.
Clara hob die Augen, ein schalkhaftes Lächeln spielte um ihre Lippen.
— Ach nein?
— Nein. — Er drehte sie auf den Bauch, die Hände glitten über ihren Rücken, spürten die Kurve ihrer Wirbelsäule, die Weichheit ihrer Haut. — Denn ich habe noch nicht jeden Zentimeter von dir erkundet.
Und als der Sturm Stunden später endlich nachließ, lagen sie noch immer da – vereint, ineinander verschlungen, die Körper gezeichnet von der Lust, Lucas’ Gedanken schon bei der nächsten Begegnung.
Denn jetzt, da sie begonnen hatten, gab es kein Zurück mehr.
Das erste Mal war nur der Anfang gewesen. Wie ein Buch, das man auf einer beliebigen Seite aufschlägt und plötzlich nicht mehr weglegen kann, stellten Clara und Lucas fest, dass das Verlangen nicht nachließ – es verwandelte sich nur, nahm neue Formen an, neue Geschmacksrichtungen. Die Treffen wurden zu einem Ritual, jedes intensiver als das vorherige, als würde sein Körper schon wissen, was ihr Körper wollte, noch bevor sie es selbst wusste.
Es war immer so: eine zufällige Berührung im Aufzug, ein langer Blick im Flur, ein Zettel unter der Tür mit einer Uhrzeit und einer Adresse – manchmal seine Wohnung, manchmal ein diskretes Hotel in der Innenstadt, manchmal ihre eigene Wohnung, wenn die nächtliche Stille garantierte, dass niemand sie hören würde. Clara mochte die Abwechslung. Sie sagte, die Unvorhersehbarkeit halte das Feuer am Brennen, die Erwartung sei genauso köstlich wie der Akt selbst.
An diesem Nachmittag kam Lucas mit einer Einkaufstasche und einem Lächeln nach Hause, das er nicht verbergen konnte. Darin befanden sich eine Flasche Mandelöl, ein Paar Samthandfesseln in Schwarz und ein Buch mit erotischen Gedichten, das er zufällig in einem Antiquariat entdeckt hatte. Er wusste nicht, ob sie es mögen würde, doch allein der Gedanke, es gemeinsam zu erkunden, erregte ihn auf eine fast schmerzhafte Weise.
Als die Gegensprechanlage klingelte, wartete er bereits.
— Komm hoch — sagte er mit rauer Stimme und legte auf, bevor sie antworten konnte.
Clara betrat die Wohnung wie eine warme Brise, die Haare noch feucht vom leichten Regen, der früher am Tag gefallen war, ihr Duft aus Jasmin und etwas Dunklerem, Animalischerem umfing ihn, noch bevor sie die Tür hinter sich schloss. Sie trug ein schwarzes, enges Kleid, das sich wie eine zweite Haut an ihren Körper schmiegte. Die hohen Absätze klackerten auf dem Holzboden, und Lucas spürte, wie sich sein ganzer Körper anspannte.
— Du siehst mich an, als wolltest du mich verschlingen — murmelte sie und ließ die Tasche mit einer bewusst langsamen Bewegung aufs Sofa fallen.
— Weil ich das genau will.
Sie lachte, ein tiefes, kehliges Geräusch, und trat näher, die Finger glitten über seine Brust bis zum Knopf seines Hemdes.
— Dann tu es.
Diesmal gab es keine Eile. Lucas zog sie an sich, die Hände zu groß für ihre schmale Taille, und küsste sie, als hätten sie alle Zeit der Welt. Ihre Zunge traf auf seine, heiß und gierig, und er schmeckte Rotwein und etwas Süßeres, wie geschmolzenen Honig. Als sie sich voneinander lösten, waren ihre Lippen rot und geschwollen, und in ihren Augen lag ein Versprechen, das er schon kannte.
— Ich habe etwas für dich mitgebracht — sagte er und griff nach der Tasche.
Clara hob eine Augenbraue, neugierig, und durchwühlte die Sachen. Als sie die Handfesseln sah, breitete sich ein langsames Lächeln auf ihrem Gesicht aus.
— Du magst also Spiele, Schriftsteller?
— Nur, wenn du sie auch magst.
Sie nahm die Fesseln, strich mit dem Daumen über den weichen Samt und legte sie dann auf den Couchtisch neben die Ölflasche.
— Später. Zuerst will ich etwas anderes.
Bevor er fragen konnte, kniete sie sich vor ihn, die Hände arbeiteten bereits an seinem Gürtel, am Reißverschluss, befreiten ihn mit einer Dringlichkeit, die sein Blut zum Pochen brachte. Als ihre Lippen ihn umschlossen, stöhnte Lucas auf, die Finger vergruben sich in ihren dunklen Haaren, zogen sie nur so fest, dass sie zischte. Clara wusste genau, was sie tat – wann sie schneller werden musste, wann langsamer, wann sie die Zunge, die Zähne, den Rachen einsetzen musste. Er spürte, wie seine Beine nachgaben, der Atem zu einem abgehackten Keuchen wurde, und musste sich an der Wand abstützen, um nicht zu fallen.
— Verdammt… — murmelte er mit rauer Stimme. — Du bringst mich um.
Sie lachte gedämpft, der warme Atem streifte seine empfindliche Haut, und zog sich dann zurück, ließ ihn am Rande des Abgrunds.
— Noch nicht.
Lucas zog sie hoch, küsste sie mit einem Hunger, den er nicht kontrollieren konnte, und drückte sie gegen die Wand. Das Kleid rutschte mühelos hoch, enthüllte die nackte Haut darunter – kein Slip, nur sie, feucht und bereit. Er hob sie hoch, ihre Beine schlangen sich um seine Hüften, und drang mit einer einzigen, tiefen Bewegung in sie ein. Clara stöhnte, die Nägel gruben sich in seine Schultern, und er begann sich zu bewegen, jeder Stoß fester als der vorherige, als wollte er sie von innen markieren.
— Mehr — flüsterte sie mit gebrochener Stimme. — Fester.
Er gehorchte.
Die Nacht brach herein, ohne dass sie es bemerkten. Als sie schließlich innehielten, erschöpft und verschwitzt, lagen sie auf dem Boden, zwischen hastig hingeworfenen Kissen und Decken, ihr Körper verschlungen mit seinem, als wäre er ein Teil seiner eigenen Haut. Lucas zeichnete träge Kreise auf ihren Rücken, spürte, wie sich ihr Atem beruhigte, ihr Herz im Gleichtakt mit seinem schlug.
— Du bist gefährlich — murmelte er und küsste ihre Schulter.
— Und du liebst das.
Er widersprach nicht.
In den folgenden Tagen wurden die Begegnungen kühner. Clara brachte ihm bei, die Fesseln zu benutzen, ihn am Kopfende des Bettes festzubinden, ihn ihren Fingern, ihrem Mund, ihrer Zunge auszuliefern, bis er um Erlösung flehte. Lucas entdeckte, dass er es liebte, sie so zu sehen – verletzlich, hingegeben, die Lippen halb geöffnet in Stöhnen, die sie nicht zurückhalten konnte. Und wenn er der Gefesselte war, ihre Hände jeden Zentimeter seines Körpers mit einer Präzision erkundeten, die ihn verrückt machte, verstand er die Macht, die im Sich-Fallenlassen lag.
Eines Nachts, nach Stunden des Spiels, die sie gezeichnet und erschöpft zurückließen, stand Clara auf und ging zu ihrer Tasche. Sie holte einen kleinen, schwarzen, glatten Gegenstand mit einem gebogenen Griff hervor.
— Hast du so etwas schon mal benutzt? — fragte sie und drehte ihn zwischen den Fingern.
Lucas spürte, wie sein Körper sofort reagierte.
— Nein.
— Dann hast du heute Glück.
Sie kehrte zum Bett zurück, das schalkhafte Lächeln auf den Lippen, und brachte es ihm bei. Zuerst bei ihr, dann bei ihm, und schließlich bei beiden gleichzeitig, ihre Körper bewegten sich in einem Tanz ohne Anfang und Ende. Als sie kamen, war es, als würde die ganze Welt beben – ein Erdbeben der Lust, das sie keuchend auf dem Boden zurückließ, die Körper bedeckt mit Schweiß und Kratzspuren.
— Du bist eine Hexe — murmelte Lucas und zog sie näher an sich.
— Und du bist mein gelehriger Schüler.
Er lachte, doch etwas in ihrer Stimme ließ ihn innehalten. Ein anderer Ton, fast melancholisch.
— Was ist los?
Clara zögerte, die Finger spielten mit seinen Haaren.
— Nichts. Ich dachte nur, dass… das nicht ewig dauern kann.
Lucas spürte einen Stich in der Brust.
— Warum nicht?
Sie antwortete nicht. Stattdessen küsste sie ihn mit einer Intensität, die mehr sagte als Worte. Und als sie sich zurückzog, glänzten ihre Augen mit einer Emotion, die er nicht deuten konnte.
— Lass uns genießen, solange es dauert — flüsterte sie.
Und das taten sie.
Doch in dieser Nacht, während Clara in seinen Armen schlief, fand Lucas keinen Schlaf. Etwas lag in der Luft, eine Spannung, die er nicht benennen konnte. Als würde der Zauber jeden Moment brechen können. Und zum ersten Mal fragte er sich, was danach kommen würde.
Die Morgendämmerung breitete sich wie ein feuchter Schleier über der Stadt aus, und Lucas’ Wohnung lag in einer dichten Stille, durchbrochen nur vom unregelmäßigen Rhythmus von Claras Atem. Er beobachtete sie im Schlaf, die dunklen Wimpern warfen zarte Schatten auf ihre Wangenknochen, die Lippen leicht geöffnet, als bewahrten sie selbst im Schlaf Geheimnisse. Die Bettdecke war bis zu ihrer Taille heruntergerutscht und enthüllte die sanfte Kurve ihrer Schultern, die rötlichen Male, die seine eigenen Hände Stunden zuvor hinterlassen hatten. In diesem Moment lag etwas Heiliges – als hätte die Zeit innegehalten, um ihm zu erlauben, jedes Detail in sich aufzunehmen.
Doch die Zeit hält nie inne. Niemals.
Der erste Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmte, war der Geruch von Kaffee. Clara war vor ihm aufgewacht, wie immer, und bewegte sich nun mit der lautlosen Effizienz von jemandem, der schon daran gewöhnt war, aufzubrechen. Lucas hörte das Klirren der Tasse gegen die Untertasse, das leise Pfeifen des Wasserkochers, und wusste, noch bevor er die Augen ganz öffnete, dass dieser Morgen anders sein würde.
Als er aufstand, fand er sie am Tisch im Wohnzimmer sitzend, in einer Seidenbluse, die er nicht kannte – vielleicht etwas Neues, extra für diesen Anlass gekauft. Der marineblaue Stoff betonte den warmen Ton ihrer Haut, und die Haare, noch feucht von der Dusche, fielen in weichen Wellen über ihre Schultern. Sie hielt die Tasse mit beiden Händen, als suchte sie Wärme, obwohl die Wohnung stickig war.
— Guten Morgen — sagte er und trat langsam näher.
Clara hob den Blick, und für einen Moment sah Lucas etwas über ihr Gesicht huschen – etwas wie Erleichterung oder vielleicht Reue. Doch dann lächelte sie, auf diese Art, die ihn immer entwaffnete, und streckte die Hand nach ihm aus.
— Hast du schlecht geschlafen?
— Ich konnte nicht einschlafen, nachdem du eingeschlafen warst.
Sie lachte leise, ein Geräusch, das gegen seine Haut vibrierte.
— Lügner. Du schnarchst.
— Nur, wenn ich erschöpft bin – von all der Befriedigung, die ich dir verschaffe.
Clara biss sich auf die Lippe, doch das Lächeln erreichte ihre Augen nicht. Lucas setzte sich neben sie und nahm die Tasse, die sie ihm anbot. Der Kaffee war stark, bitter, genau wie sie ihn mochte. Er trank einen Schluck und spürte, wie die Flüssigkeit auf seiner Zunge brannte, als wäre ihr Körper noch immer in seinen Sinnen eingeprägt.
— Wirst du mir sagen, was los ist? — fragte er schließlich.
Clara stellte die Tasse mit übertriebener Vorsicht ab, als fürchte sie, das Glas könnte zwischen ihren Fingern zerspringen.
— Ich habe gestern Abend einen Anruf bekommen. Nachdem du eingeschlafen warst.
Lucas runzelte die Stirn.
— Von wem?
— Von der Immobilienfirma. Die Wohnung, auf die ich gewartet habe… ist endlich frei geworden.
Er spürte, wie sich der Boden unter ihm bewegte, als hätte das ganze Haus ein Beben erfasst. Das war unmöglich. Nicht nach allem.
— Du hast mir nicht gesagt, dass du nach einer anderen Wohnung suchst.
— Ich habe viele Dinge nicht gesagt, Lucas.
— Warum?
Sie seufzte und strich mit den Fingern über den Rand der Tasse.
— Weil ich wusste, dass das passieren würde. Dass es wehtun würde. Und ich wollte nicht verderben, was wir hatten.
— Also ist es das? Du gehst einfach?
— Ich habe keine Wahl.
— Wir haben immer eine Wahl.
Clara schloss für einen Moment die Augen, als hätten seine Worte sie getroffen. Als sie sie wieder öffnete, lag eine Entschlossenheit darin, die er noch nie bei ihr gesehen hatte.
— Du verstehst das nicht. Ich bin nicht wie du. Ich kann nicht einfach… bleiben.
— Warum nicht?
— Weil ich nirgendwo hingehöre, Lucas. So ist mein Leben. Ich ziehe um, ich fange neu an, ich gehe weiter. So sind die Dinge nun mal.
— Und wir? — Seine Stimme klang schroffer, als er beabsichtigt hatte. — Was sind wir dann? Ein Zeitvertreib? Eine Ablenkung, während du deine Koffer packst?
Clara stand abrupt auf und stieß dabei den Stuhl um. Das Geräusch hallte durch die Wohnung, zu laut, wie ein Schrei.
— Wag es nicht, das, was wir erlebt haben, kleinzureden. Wag es nicht.
Lucas stand ebenfalls auf, die Fäuste an seinen Seiten geballt.
— Dann erklär es mir. Erklär mir, wie etwas so Intensives, so… Reales einfach aufhören kann, nur weil du beschlossen hast, dass es Zeit ist zu gehen.
— Es ist keine Entscheidung. Es ist eine Notwendigkeit.
— Notwendigkeit wofür?
— Zu überleben! — Ihre Stimme brach, und für einen Moment bröckelte die Fassade. Clara atmete tief durch, versuchte sich zu fassen. — Ich kann mich nicht binden, Lucas. Ich kann mir das nicht erlauben.
— Warum nicht?
— Weil die Menschen, die ich liebe… sie verschwinden. Sie gehen weg. Und ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass du mich eines Tages auch so ansehen könntest, als wäre ich eine Last.
Die Worte hingen schwer zwischen ihnen, beladen mit einem alten Schmerz, den Lucas nicht kannte. Er trat einen Schritt vor und streckte die Hand aus, um ihr Gesicht zu berühren.
— Ich würde dich nie so sehen.
— Das weißt du nicht.
— Doch.
Clara schloss die Augen und lehnte sich gegen seine Handfläche. Für einen Moment dachte Lucas, sie würde nachgeben, würde sich überreden lassen zu bleiben. Doch dann wich sie mit einer festen Bewegung zurück und griff nach der Tasche, die auf dem Sofa lag.
— Ich habe den Umzug schon gebucht. Sie kommen morgen.
— Morgen?
— Ja.
— Und du hast nicht daran gedacht, es mir früher zu sagen?
— Ich wollte nicht, dass du versuchst, mich zum Bleiben zu überreden.
— Und wenn ich es trotzdem versuche?
Clara lächelte, doch es war ein trauriges Lächeln, die Art von Lächeln, die einem Abschied vorausgeht.
— Du kannst es versuchen. Aber es wird nichts nützen.
Lucas spürte, wie die Wut in ihm aufstieg, vermischt mit einem Schmerz, den er nicht benennen konnte. Er wollte schreien, sie schütteln, sie dazu bringen zu verstehen, dass das, was sie hatten, mehr war als eine flüchtige Affäre. Doch stattdessen blieb er nur stehen, während sie auf die Tür zuging.
— Clara.
Sie blieb stehen, drehte sich aber nicht um.
— Ich werde mich nicht verabschieden.
— Was wirst du dann sagen?
— Dass ich dich nie vergessen werde. Dass das, was wir erlebt haben, real war. Dass ich… — Ihre Stimme brach. — Dass ich mir wünsche, die Dinge wären anders.
Und dann ging sie.
Die Tür schloss sich mit einem leisen Klicken, und plötzlich wirkte die Wohnung größer, kälter. Lucas blieb regungslos stehen und lauschte dem Geräusch ihrer Schritte, die sich im Flur entfernten, dem Quietschen des Aufzugs, der Stille, die sich danach ausbreitete. Er wusste nicht, wie lange er so dastand, nur die Tür anstarrte, als erwarte er, dass sie zurückkäme.
Doch sie kam nicht zurück.
Am nächsten Tag hörte Lucas die Geräusche von oben – eilige Schritte, gedämpfte Stimmen, das Schleifen von Möbeln. Langsam stieg er die Treppe hinauf, als ginge er zu seiner eigenen Hinrichtung. Als er Claras Wohnung erreichte, stand die Tür offen, und zwei Männer in Uniform trugen eine Kiste hinaus.
— Hey — rief er und versuchte, lässig zu klingen. — Wissen Sie, wohin Sie die Sachen bringen?
Einer der Männer zuckte mit den Schultern.
— Irgendwo in die Innenstadt. Sie hat nichts Genaues gesagt.
Lucas nickte, spürte, wie sich seine Brust zusammenzog. Er betrat die Wohnung, oder das, was von ihr übrig war. Die Wände waren kahl, die Schränke leer, ihr Duft – dieser Jasmin mit etwas Dunklerem, Intimerem – hing noch in der Luft, begann sich aber schon zu verflüchtigen. Er ging zum Fenster, wo früher ein Sessel gestanden hatte, und blickte auf die Straße hinunter. Genau dort hatten sie sich zum ersten Mal geküsst, im schwachen Licht einer Straßenlaterne, während der Regen gegen die Scheibe prasselte.
— Wirst du mich vermissen?
Claras Stimme kam von hinten, sanft, fast ein Flüstern. Lucas drehte sich langsam um. Sie stand in der Tür, in Jeans und einem einfachen T-Shirt, die Haare zu einem unordentlichen Dutt gebunden. So wirkte sie jünger, verletzlicher.
— Jeden Tag — antwortete er.
Clara betrat die Wohnung und schloss die Tür hinter sich. Für einen Moment standen sie sich nur gegenüber, als würden sie sich gegenseitig ins Gedächtnis einprägen.
— Ich habe etwas für dich dagelassen — sagte sie schließlich und deutete auf den Couchtisch.
Lucas trat näher und sah einen weißen Umschlag mit seinem Namen in ihrer eleganten Handschrift. Er nahm ihn, spürte das Gewicht des Papiers zwischen seinen Fingern.
— Was ist das?
— Mach ihn auf, wenn ich weg bin.
Er wollte protestieren, wollte verlangen, dass sie blieb, dass sie erklärte, dass sie ihm etwas gab, an dem er sich festhalten konnte. Doch stattdessen nickte er nur.
Clara trat näher, legte die Hand auf seine Brust, genau dort, wo sein Herz schlug.
— Dir wird es gut gehen — murmelte sie.
— Und dir?
Sie antwortete nicht. Stattdessen küsste sie ihn – ein langsamer, tiefer Kuss, voller all dessen, was sie nicht sagen konnten. Als sie sich zurückzog, standen Tränen in ihren Augen.
— Ich muss gehen.
Lucas hielt ihr Gesicht zwischen seinen Händen, als könnte er sie allein durch die Kraft seines Willens dort festhalten.
— Ich liebe dich — flüsterte er.
Clara schloss die Augen, als hätten die Worte sie verletzt.
— Sag das nicht.
— Warum nicht?
— Weil es alles noch schwerer macht.
— Es sollte nicht leicht sein.
Sie lächelte traurig.
— Nein, sollte es nicht.
Und dann, mit einem letzten Blick, drehte sie sich um und verließ die Wohnung. Lucas blieb stehen und lauschte dem Geräusch ihrer Schritte, die sich entfernten, dem Geräusch des Aufzugs, der nach unten fuhr, der Stille, die sich danach ausbreitete.
Erst als er sicher war, dass sie gegangen war, öffnete er den Umschlag.
Darin lag ein Schlüssel – klein, golden, mit einer eingravierten Nummer: *407*. Und ein handgeschriebener Zettel:
*„Falls du mich eines Tages brauchst, weißt du, wo du mich findest. Aber warte nicht zu lange. Ich bleibe nie lange am selben Ort.“*
Lucas schloss die Finger um den Schlüssel und spürte das kalte Metall in seiner Handfläche. Er wusste, dass er ihr nicht folgen würde. Nicht jetzt. Vielleicht nie.
Doch er wusste auch, dass ein Teil von ihm, egal wo sie war, immer bei ihr sein würde.
Und das war zumindest etwas.