Gelöste Fesseln
Von Tonkix

**Gelöste Fesseln**
Das Wohnzimmer lag in einem gemütlichen Halbdunkel, erleuchtet nur vom bernsteinfarbenen Schimmer der Stehlampe in der Ecke und den tanzenden Flammen des Kamins. Das Feuer knisterte leise, warf bewegliche Schatten über die dunklen Holzmöbel und die Bücherregale, die Zeugen jahrelanger Gespräche, Schweigen und Nächte wie diese waren. Draußen schlug ein feiner Regen gegen die Fenster, ein gleichmäßiger Rhythmus, der sich mit dem Ticken der Wanduhr vermischte, als würde die Zeit selbst zwischen ihnen atmen.
Clara hatte sich auf das Ledersofa gekauert, die nackten Füße auf dem Couchtisch abgestützt, die langen, zarten Finger um ein Glas Rotwein geschlungen. Die dunkle Flüssigkeit reflektierte das Licht, fast schwarz im schwachen Schein, und sie drehte es langsam, beobachtete, wie die Weinbeine an den Wänden des Kristallglases hinabliefen. Der Duft von Vanille und Zimt schwebte in der Luft, von den Kerzen, die sie früher angezündet hatte – ein Versuch, das Gewicht der Routine zu vertreiben, das sie in den letzten Monaten erstickte. Der schwarze Seidenbademantel rutschte von ihren Schultern, enthüllte die sanfte Kurve ihres Schlüsselbeins und die schwarze Spitze des BHs darunter, als würde sie selbst mit der Idee flirten, sich ganz zu entkleiden.
Rafael stand am Kamin, die Hände in den Taschen seiner hellen Leinenhose vergraben. Das weiße Hemd, leicht am Kragen geöffnet, ließ die Konturen seiner Brustmuskeln erahnen, noch immer definiert trotz der Jahre im Büro und schlafloser Nächte. Er beobachtete Clara mit einem Blick, der zwischen Zärtlichkeit und etwas Dunklerem schwankte, etwas, das sie nicht entschlüsseln konnte. Es lag eine Spannung in der Luft, nicht von Wut, sondern von Hunger – ein Hunger, den keiner von beiden laut auszusprechen wagte.
— Glaubst du, wir begehren uns noch? — Die Frage entschlüpfte Claras Lippen, bevor sie sie zurückhalten konnte. Das Glas blieb auf halbem Weg zu ihrem Mund stehen, und sie spürte das Gewicht der Stille, die folgte, nur unterbrochen vom Knacken eines Astes im Kamin.
Rafael drehte sich langsam um, die grünen Augen auf sie gerichtet. Es lag etwas Raubtierhaftes in der Art, wie er sie ansah, als würde er jeden Zentimeter von ihr abschätzen, jedes unausgesprochene Wort.
— Warum fragst du das? — Seine Stimme war tief, rau, als müssten die Worte eine Barriere aus Verlangen durchdringen, bevor sie zu ihr gelangten.
Clara nahm einen Schluck Wein und spürte, wie die Flüssigkeit leicht in ihrer Kehle brannte. Es war nicht nur der Alkohol. Es war die nackte, rohe Wahrheit, die sie nicht hinunterschlucken konnte.
— Weil wir seit Monaten Sex haben, als wäre es eine Verpflichtung. — Sie stellte das Glas mit einem leisen Klicken auf den Tisch. — Als wäre es etwas, das man im Kalender abhaken muss: *Mittwoch, 22 Uhr, mechanischer Sex*. — Ihre Finger spielten mit dem Saum des Bademantels, zogen ihn leicht über die Knie. — Und ich vermisse die Zeit, in der wir uns ansahen und wussten, dass es schweißtreibend, chaotisch, *notwendig* sein würde.
Rafael stieß ein trockenes Lachen aus und fuhr sich mit der Hand durch das braune Haar, das an den Schläfen leicht ergraut war. Er trat näher, setzte sich auf die Sofakante, nah genug, um ihre Körperwärme zu spüren, aber ohne sie zu berühren.
— Glaubst du, ich vermisse das nicht? — Er neigte den Kopf, die Augen wanderten über ihren Körper, als würde er sie im Geiste entkleiden. — Aber wir sind nicht mehr diese Studenten, die nach einer Party auf dem Küchenboden gevögelt haben. Wir haben Rechnungen zu bezahlen, Meetings, Geschäftsessen… — Seine Stimme verlor sich, als wüsste selbst er, wie hohl diese Ausreden klangen.
Clara streckte die Hand aus, die Finger streiften sein Knie. Es war eine leichte, fast beiläufige Berührung, aber voller Absicht.
— Und wenn wir uns eine Möglichkeit *ausdenken*, wieder diese Studenten zu sein? — Sie ließ die Frage in der Luft hängen und beobachtete seine Reaktion. — Nur für eine Nacht. Nur um uns daran zu erinnern, wie es ist.
Rafael hielt den Atem an. Sie sah, wie sein Adamsapfel arbeitete, wie er trocken schluckte, und wusste, dass sie ins Schwarze getroffen hatte. Er wollte. *Natürlich wollte er.* Aber etwas hielt ihn zurück, etwas, das nicht nur Müdigkeit war.
— Wovon redest du, Clara? — Seine Stimme klang schroffer, als er beabsichtigt hatte.
Sie lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln. Ihre Hand glitt über sein Knie, hinauf zu seinem Oberschenkel, spürte, wie sich der Muskel unter der Berührung anspannte.
— Ich rede von *Freiheit*. — Ihre Finger hielten Zentimeter vor seinem Schritt inne, und sie spürte die Hitze, die von dort ausstrahlte, selbst durch den Stoff der Hose. — Davon, uns nicht an Etiketten zu klammern. Davon, dass wir *andere Menschen begehren* dürfen… und trotzdem nach Hause kommen und vögeln können, als wäre es das erste Mal.
Rafael schloss für einen Moment die Augen, als versuchte er, etwas in sich zu bändigen. Als er sie wieder öffnete, war das Grün dunkler, intensiver.
— Hast du schon mal daran gedacht? — Die Frage kam fast wie ein Flüstern.
Clara antwortete nicht sofort. Stattdessen beugte sie sich vor, die Lippen streiften sein Ohr, während sie sprach:
— Ich träume davon. — Ihr Atem war heiß, feucht. — Davon, dass wir mit anderen schlafen… und uns dann hier auf diesem Sofa wiederfinden, mit dem Geschmack von ihnen noch in unseren Mündern.
Rafael stöhnte leise, ein Geräusch, das sie in seiner Brust vibrieren spürte. Seine Hände fanden ihre Taille, zogen sie näher, bis sie fast auf seinem Schoß saß. Der Bademantel öffnete sich weiter, enthüllte die schwarze Spitze des BHs und die Kurve ihrer Brüste.
— Du bist gefährlich — murmelte er, die Lippen streiften ihren Hals.
— Und du liebst das. — Clara bog den Rücken durch, presste sich gegen ihn. — Du liebst die Vorstellung, mich mit einem anderen Mann zu sehen. Dich vorzustellen, wie es wäre, mich zu berühren, nachdem er mich schon berührt hat.
Rafael drückte sie mit einer plötzlichen Bewegung zurück gegen das Sofa, die Hände hielten ihre Handgelenke über ihrem Kopf fest. Das Feuer des Kamins spiegelte sich in seinen Augen und ließ sie fast golden erscheinen.
— Du hast keine Ahnung, worum du bittest. — Seine Stimme war ein Knurren, aber darin lag eine rohe, unübersehbare Erregung.
Clara lächelte herausfordernd.
— Dann zeig es mir.
Für einen langen Moment starrten sie sich nur an, die Luft zwischen ihnen geladen mit Elektrizität. Dann ließ Rafael ihre Handgelenke los und wich zurück, atmete tief durch.
— Nicht heute. — Er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, als versuchte er, sich zu sammeln. — Ich muss darüber nachdenken. Ich muss *verstehen*, was das bedeutet.
Clara drängte nicht. Sie wusste, dass er recht hatte. Das war nichts, was man im Eifer des Gefechts entscheiden sollte. Aber sie wusste auch, dass der Samen bereits gepflanzt war. Und dass er früher oder später keimen würde.
Sie stand auf, richtete den Bademantel und ging zum Fenster. Der Regen hatte aufgehört und die Welt draußen feucht und glänzend im Licht der Straßenlaternen zurückgelassen. Auf der anderen Straßenseite blinkte ein elegantes Bar-Schild in Neonfarben, einladend.
— Morgen Abend — sagte sie, ohne ihn anzusehen. — Wir gehen aus. Nur wir beide. Und dann entscheiden wir.
Rafael antwortete nicht. Doch als Clara sich schließlich umdrehte, sah sie, dass er sie mit einem Ausdruck beobachtete, der Begehren, Angst und eine gierige Neugierde mischte.
Und sie wusste, dass auf die eine oder andere Weise nichts mehr zwischen ihnen so sein würde wie zuvor.
Die Bar war einer dieser Orte, die entdeckt, nicht beworben werden wollten. Ein schmaler Raum zwischen alten Gebäuden im Stadtzentrum, mit einer diskreten Fassade aus dunklem Holz und einem polierten Messingschild, das in geschwungenen Lettern nur *„Nocturne“* verkündete. Drinnen roch die Luft nach gereiftem Bourbon, weichem Leder und dem zitronigen Duft von Orangenschalen, die langsam in einem Kristallaschenbecher verbrannten. Das Licht war gedämpft, golden, als wäre es durch einen Nebel aus Verlangen gefiltert, und der Klang des Live-Jazz – ein klagendes Saxophon, ein Klavier, das lose Noten flüsterte – füllte die Pausen zwischen den Gesprächen.
Clara betrat den Raum zuerst, die dünnen Absätze ihrer Satinpumps klackten auf dem schwarzen Marmorboden. Sie hatte das Kleid mit Bedacht gewählt: ein enges Modell aus weinroter Seide, das sich wie eine zweite Haut an ihre Kurven schmiegte und die Schultern freiließ, die zarte Linie ihres Schlüsselbeins enthüllte. Rafael folgte zwei Schritte hinter ihr, die Hände in den Taschen seines Blazers vergraben, die Augen musterten die Umgebung mit einer Mischung aus Anspannung und Faszination. Er sagte nichts, aber Clara spürte das Gewicht seines Blicks auf ihrem Rücken, als versuchte er, jedes Detail von ihr zu memorieren, bevor etwas – oder jemand – alles veränderte.
Sie setzten sich in eine diskrete Ecke, nahe einem hohen Mahagonitisch, wo ein dreiflammiger Kerzenleuchter tanzende Schatten auf die Kristallgläser warf. Rafael bestellte einen puren Whisky, Clara einen Gin Tonic mit einer Scheibe Gurke und einer Prise rosa Pfeffer. Der erste Schluck brannte angenehm in ihrer Kehle, als würde er etwas in ihr wecken, das lange geschlafen hatte.
— Du siehst wunderschön aus — murmelte Rafael und beugte sich zu ihr, um ihr ins Ohr zu flüstern. — Aber das wusstest du schon.
Clara lächelte und drehte das Glas zwischen den Fingern.
— Du siehst auch nicht schlecht aus. — Sie strich mit der Fingerspitze über seinen Handrücken, eine kleine Geste, aber voller Versprechen. — Aber ich glaube, heute geht es nicht um uns.
Rafael stieß ein leises Lachen aus, doch seine Augen verrieten die Anspannung. Er trank die Hälfte seines Whiskys auf einmal, als bräuchte er flüssigen Mut.
— Willst du das wirklich?
— *Wollen* ist ein starkes Wort — antwortete sie und blickte zur anderen Seite der Bar, wo ein Mann in dunklem Anzug mit einer platinblonden Frau sprach. — Aber ich bin neugierig. Und müde von der Routine.
Rafael hatte keine Zeit zu antworten. In diesem Moment erschien Daniel.
Er näherte sich nicht sofort. Zuerst war er nur eine Präsenz am Rande von Claras Blickfeld – der Schatten eines Mannes, der sich an die Theke lehnte, ein Cognacglas in der Hand, die langen, eleganten Finger das Getränk mit bedächtiger Langsamkeit drehten. Als er sich schließlich umdrehte, war es, als wäre die Luft in der Bar dichter geworden. Daniel hatte diese Art von Schönheit, die nicht schrie, sondern flüsterte: dunkle Haut, leicht mandelförmige grüne Augen, ein Dreitagebart, der ihm den Anschein gab, als wäre er gerade von einer langen Reise zurückgekehrt. Der Anzug saß perfekt, aber die Krawatte war locker, als kümmere er sich nicht sonderlich um Förmlichkeiten.
Er blickte Clara an. Nicht nur ein beiläufiger Blick, sondern eine langsame, ausgiebige Musterung, die ihren Körper wie eine unsichtbare Liebkosung abtastete. Als sich ihre Blicke schließlich trafen, lag darin ein Glanz, den Clara sofort erkannte: *Hunger*.
— Darf ich? — Seine Stimme war tief, leicht rau, als hätte er die letzte Nacht in einem Rockkonzert geschrien.
Clara zögerte nur eine Sekunde, bevor sie nickte. Rafael umklammerte sein Glas fester, sagte aber nichts.
Daniel zog einen Hocker heran und setzte sich neben sie, nicht zu nah, aber nah genug, dass Clara die Wärme seines Körpers spürte. Er bat nicht um Erlaubnis, sie zu berühren, aber als er die Hand ausstreckte und mit den Fingerknöcheln über ihre nackte Schulter strich, war es, als würde ein elektrischer Strom durch ihre Haut fahren.
— Sind Sie allein hier? — fragte er, obwohl er wusste, dass sie es nicht war.
— Nein — antwortete Clara, ohne den Blick von ihm abzuwenden. — Aber mein Mann beobachtet mich.
Daniel drehte sich nicht um, um Rafael anzusehen. Stattdessen lächelte er, ein langsames, gefährliches Lächeln, und näherte seinen Mund ihrem Ohr.
— Und gefällt ihm, was er sieht?
Clara spürte den heißen Atem auf ihrer Haut, den Duft von Cognac und etwas anderem – etwas Holzigem, Männlichem. Sie antwortete nicht. Stattdessen legte sie die Hand auf sein Knie, unter dem Tisch, und drückte leicht.
Rafael, auf der anderen Seite, sah alles. Er sah, wie Claras Finger unter der Leinentischdecke verschwanden, sah Daniels Ausdruck für einen Moment erstarren, bevor er sich in etwas zwischen Überraschung und Lust verwandelte. Er spürte, wie das Blut in seinen Schläfen pochte, sein Herz so laut schlug, dass es fast die Musik übertönte. Ein Teil von ihm wollte aufstehen, Clara am Arm packen und nach Hause bringen. Ein anderer Teil – ein Teil, von dem er nicht wusste, dass er existierte – wollte bleiben und zusehen.
— Bist du immer so direkt? — fragte Daniel mit leiser Stimme, fast ein Flüstern.
— Nur, wenn es sich lohnt — antwortete sie und zog die Hand langsam zurück, ließ die Finger über seinen Oberschenkel gleiten, bevor sie zu ihrem eigenen Glas zurückkehrte.
Daniel lachte, ein tiefer, vibrierender Klang, und blickte schließlich zu Rafael. Es war kein herausfordernder Blick, sondern einer der Komplizenschaft – als würde er sagen: *Ich weiß, was du fühlst, und ich verurteile dich nicht dafür.* Rafael hielt seinem Blick stand, lächelte aber nicht. Er hob nur schweigend sein Glas zu einem stummen Toast, bevor er den Rest des Whiskys in einem Zug trank.
— Habt ihr eine Vereinbarung? — fragte Daniel und wandte sich wieder Clara zu.
— Noch nicht — sagte sie und drehte das Eis in ihrem Glas. — Aber wir arbeiten daran.
Daniel nickte, als verstünde er genau, was das bedeutete. Dann beugte er sich ohne Vorwarnung vor und küsste ihre Schulter. Es war ein schneller, fast keuscher Kuss, aber Clara spürte, wie seine Zunge für den Bruchteil einer Sekunde ihre Haut berührte, und das reichte, um ihren ganzen Körper erschauern zu lassen.
— Ich heiße Daniel — sagte er, als wäre der Name ein Angebot.
— Clara.
— Clara — wiederholte er, als würde er den Klang auf der Zunge testen. — Ich mag deinen Namen. Er passt zu dir.
Rafael rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Es war nicht Eifersucht – zumindest nicht nur Eifersucht. Es war etwas Komplexeres: Erregung, ja, aber auch Angst. Angst, die Kontrolle zu verlieren, Angst, dass Clara das mehr genießen könnte als ihn, Angst, dass er am Ende nur ein Zuschauer seines eigenen Lebens sein würde.
— Wollt ihr, dass ich gehe? — fragte Daniel, als hätte er seine Gedanken gelesen.
— Nein — antwortete Clara, bevor Rafael etwas sagen konnte. — Aber vielleicht brauchen wir etwas Zeit.
Daniel lächelte, verstand den Wink. Er stand auf, strich sich über das Revers seines Anzugs und reichte Clara die Hand. Sie zögerte einen Moment, bevor sie sie nahm, ließ sich von ihm vom Hocker helfen. Ihre Körper kamen sich für einen Augenblick nah, und Clara roch ihn – Sandelholz, sauberer Schweiß, etwas Animalisches und Wildes.
— Es war mir ein Vergnügen — sagte er und führte ihre Hand an seine Lippen. Der Kuss war lang, seine Lippen warm auf ihrer Haut.
— Das Vergnügen war ganz meinerseits — antwortete Clara mit etwas rauer Stimme.
Daniel warf Rafael einen letzten Blick zu, bevor er sich entfernte und in der Menge der Bar verschwand. Clara beobachtete, wie er ging, die Hüften im Takt der Musik wiegend, bis er durch die Tür verschwand.
Als sie sich zu Rafael umdrehte, fand sie ihn mit dunklen Augen und etwas beschleunigtem Atem vor.
— Und? — fragte sie und trat so nah an ihn heran, dass sich ihre Körper fast berührten. — Willst du immer noch darüber nachdenken?
Rafael antwortete nicht. Stattdessen nahm er ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie mit einer Dringlichkeit, die beide überraschte. Es war ein verzweifelter Kuss, als würde er versuchen, ein Revier zu markieren, aber auch, als würde er sich von etwas verabschieden.
Als sie sich voneinander lösten, war Clara außer Atem.
— Morgen — flüsterte sie. — Wir entscheiden morgen.
Rafael nickte, doch seine Augen wanderten bereits zur Tür, durch die Daniel verschwunden war.
Und Clara wusste in diesem Moment, dass die Entscheidung bereits gefallen war.
Das Hotelzimmer *La Royale* roch nach gealtertem Leder und Jasmin, ein Duft, der sich wie ein Versprechen um die Mahagonimöbel wand. Clara betrat es zuerst, die Absätze versanken im dicken Teppich, die Hände noch feucht vor Nervosität. Der Aufzug war ein verschwommenes Spiegelbild aus Blicken gewesen, Daniel hinter ihr, sein heißer Atem im Nacken, die Finger leicht über die Kurve ihres Rückens streichend, als sich die Türen schlossen. Sie hatte das Gewicht dieser Berührung wie ein Brandmal gespürt, etwas, das selbst durch den Stoff ihres Kleides brannte.
— Du bist wunderschön — murmelte er, die Stimme tief, fast ein Knurren. — Aber das wusste ich schon.
Clara lächelte und drehte sich langsam um. Daniel lehnte an der gegenüberliegenden Wand, die Hände in den Taschen, die Augen musterten sie mit bedächtiger Langsamkeit. Der hellgraue Anzug saß perfekt über seinen breiten Schultern, doch die Krawatte war bereits gelockert, als hätte er begonnen, sich auszuziehen, noch bevor sie angekommen waren. Sie bemerkte das Detail und biss sich auf die Unterlippe, spürte, wie die Hitze in ihren Schenkeln aufstieg.
— Du sprichst, als hättest du mich schon einmal gesehen — neckte sie und warf ihre Tasche auf den Marmortisch in der Mitte.
— Das habe ich. In der Bar. In dieser Nacht, in der du allein getanzt hast, als gäbe es niemanden sonst. — Er trat einen Schritt vor, verringerte den Abstand zwischen ihnen. — Und jetzt sehe ich dich wieder.
Clara lachte, ein leises Geräusch, doch ihr Körper verriet die Erregung. Die Brustwarzen waren bereits hart unter dem Spitzen-BH, und sie wusste, dass Daniel es bemerkte, denn seine Augen wanderten für einen Sekundenbruchteil nach unten, bevor sie wieder die ihren trafen.
— Und was hast du noch gesehen? — fragte sie herausfordernd.
Er antwortete nicht mit Worten. Stattdessen streckte er die Hand aus, die Finger strichen über die Perlenkette, die sie trug – ein Geschenk von Rafael, vor Jahren. Daniel hielt sie zwischen Zeige- und Mittelfinger, zog leicht daran, als würde er die Widerstandsfähigkeit testen.
— Dass du gern berührt wirst — sagte er mit rauer Stimme. — Aber nicht auf jede Art.
Clara hielt den Atem an, als er die Kette losließ und die Hand zu ihrem Nacken gleiten ließ, die Finger in ihr offenes Haar schlangen. Die Berührung war fest, besitzergreifend, aber nicht grob. Er neigte ihren Kopf nach hinten, entblößte ihre Kehle, und bevor sie reagieren konnte, war sein Mund dort, heiß, feucht, saugte an der empfindlichen Haut direkt unter ihrem Ohr.
— *So* — murmelte er gegen ihre Haut. — Oder so.
Daniels Zunge zeichnete einen langsamen Pfad bis zu ihrem Schlüsselbein, und Clara stöhnte, die Hände fanden instinktiv seine Schultern. Das Kleid, ein enges Modell aus schwarzer Seide, fühlte sich plötzlich zu eng an, erstickend. Sie wollte es ausziehen, wollte seine Haut an ihrer spüren, doch etwas hielt sie zurück – ein Zögern, ein letzter Rest von Kontrolle.
— Warte — flüsterte sie und schob ihn leicht von sich.
Daniel wich zurück, die dunklen Augen funkelten zwischen Belustigung und Ungeduld.
— Angst?
— Nein. — Clara schluckte. — Ich will dich nur erst sehen.
Er hob eine Augenbraue, protestierte aber nicht. Stattdessen griff er nach der Krawatte und zog sie mit einem Ruck aus, ließ sie zu Boden fallen. Dann folgten die Knöpfe des Hemdes, einer nach dem anderen, enthüllten eine definierte, leicht gebräunte Brust mit einer feinen Linie dunkler Haare, die bis zum Bund seiner Hose führte. Clara verfolgte die Bewegung mit den Augen, der Mund wurde trocken.
— Gefällt es dir? — fragte er mit tiefer, fast schnurrender Stimme.
Sie antwortete nicht. Sie trat näher, die zitternden Hände berührten seine Brust, spürten die Hitze seiner Haut, die angespannten Muskeln unter ihren Fingerspitzen. Daniel rührte sich nicht, ließ sie erkunden, doch als sie den Gürtel erreichte, hielt er ihr Handgelenk fest.
— Nicht so schnell.
Bevor sie protestieren konnte, drehte er sie um und drückte sie gegen die Wand. Daniels Körper war eine warme, feste Barriere hinter ihr, und Clara spürte die harte Wölbung seiner Erektion an ihrem Po, selbst durch die Kleidung hindurch. Er schob ihr Haar zur Seite und küsste ihren Nacken, die Zähne streiften leicht die empfindliche Haut.
— Du stehst darauf, provoziert zu werden — murmelte er, die Hände glitten über ihre Arme bis zu ihren Brüsten. — Du stehst darauf, zu spüren, dass du jederzeit die Kontrolle verlieren könntest.
Clara bog den Rücken durch, drückte die Hüften nach hinten, suchte mehr Kontakt. Daniel lachte leise und zufrieden und drückte ihre Brüste mit den Händen, die Daumen kreisten um die Brustwarzen, bis sie stöhnte.
— Bitte — flehte sie mit gebrochener Stimme.
— Bitte *was*?
— *Das*.
Er brauchte keine weitere Aufforderung. Mit einer schnellen Bewegung zog er den Reißverschluss ihres Kleides auf und ließ es zu Boden fallen. Clara stand nur noch in schwarzer Spitzenunterwäsche da, die Seidenstrümpfe von einem Strapsgürtel gehalten, die Absätze noch an den Füßen. Daniel drehte sie zu sich um, die Augen hungrig über jede Kurve gleitend.
— *Verdammt* — flüsterte er.
Clara lächelte zufrieden und streckte die Hand nach dem Knopf seiner Hose aus. Diesmal hielt er sie nicht auf. Sie entkleidete ihn langsam, genoss jeden Zentimeter enthüllter Haut, bis er nackt vor ihr stand, die Erektion dick und pulsierend, auf sie gerichtet wie eine Anklage.
— Deine Runde — sagte er mit rauer Stimme.
Clara zögerte nicht. Sie öffnete den BH, ließ die Brüste frei, und schob dann das Höschen über die Beine, trat es zur Seite. Daniel zog sie an sich, die großen Hände umfassten ihre Taille, und hob sie mühelos hoch, trug sie zum Bett. Sie fiel auf die ägyptischen Baumwolllaken, der Körper öffnete sich für ihn wie eine Blüte.
Daniel legte sich nicht sofort zu ihr. Er blieb am Bettrand stehen und betrachtete sie, die Finger zeichneten einen langsamen Pfad von ihrem Oberschenkel bis zum Knie, dann wieder nach oben, näher an das pulsierende Zentrum zwischen ihren Beinen.
— Du bist nass — stellte er fest, die Stimme voller Befriedigung.
Clara biss sich auf die Lippe und nickte. Er kniete sich aufs Bett, die Hände auf ihre Oberschenkel gelegt, spreizte sie noch weiter. Als sein Mund ihren Schoß fand, bog Clara den Rücken durch, ein Stöhnen entwich ihren Lippen.
— *Daniel* — keuchte sie, die Hände krallten sich in die Laken.
Er antwortete nicht. Seine Zunge war unerbittlich, erkundete jede Falte, jeden empfindlichen Punkt, bis Clara sich wand, die Beine zitterten. Als er schließlich aufhörte, war sie außer Atem, die Augen glasig vor Verlangen.
— Ich will dich in mir — bat sie mit rauer Stimme.
Daniel lächelte langsam und gefährlich, positionierte sich zwischen ihren Beinen. Doch statt sie sofort zu nehmen, rieb er die Spitze seines Glieds gegen ihren Eingang, provozierte, testete.
— So? — fragte er spöttisch.
Clara stöhnte frustriert und hob die Hüften, versuchte, ihn in sich zu zwingen. Daniel lachte und wich zurück, ließ sie leer.
— Oder so?
Diesmal drang er mit einem Finger in sie ein, dann mit zweien, dehnte sie langsam, während sein Mund eine Brustwarze fand und fest daran saugte. Clara schrie auf, die Nägel gruben sich in seinen Rücken.
— *Jetzt* — flehte sie.
Daniel widerstand nicht länger. Mit einer schnellen Bewegung drang er bis zum Anschlag in sie ein und ließ sie erneut aufschreien. Das Vergnügen war fast schmerzhaft, so intensiv, dass Clara spürte, wie ihre Augen brannten. Er begann sich zu bewegen, erst langsam, dann schneller, die Hüften schlugen gegen ihre mit wachsender Dringlichkeit.
— Du bist *perfekt* — knurrte er, die Stimme rau vor Verlangen.
Clara antwortete nicht. Sie konnte nicht. Ihr Körper stand in Flammen, jeder Stoß brachte sie näher an den Rand. Als sie kam, war es mit einem erstickten Schrei gegen seine Schulter, die Nägel hinterließen Spuren auf seiner Haut. Daniel hörte nicht auf. Er bewegte sich weiter, jagte seinem eigenen Höhepunkt nach, bis er schließlich stöhnte, tief in sie eindrang und sich in ihr ergoss.
Für einen langen Moment blieben sie reglos, keuchend, die schweißnassen Körper aneinandergepresst. Clara spürte Daniels Herzschlag gegen das ihre, schnell, unregelmäßig. Er küsste ihre Schulter, dann den Hals, dann die Lippen, ein langsamer, tiefer Kuss, der sie erneut stöhnen ließ.
— Willst du noch mehr? — murmelte er, die Stimme voller Versprechen.
Clara lächelte, die Finger zeichneten träge Kreise auf seinen Rücken.
— Immer.
Währenddessen, Kilometer entfernt, saß Rafael auf dem Sofa im Wohnzimmer, ein unberührtes Glas Whisky in der Hand. Das Haus war zu still, das Echo seiner eigenen Gedanken ohrenbetäubend. Er hatte versucht, einen Film zu schauen, dann ein Buch zu lesen, doch die Worte tanzten sinnlos auf der Seite. Alles, woran er denken konnte, war Clara, in diesem Moment, mit *ihm*.
Die Eifersucht war ein lebendiges Ding, das unter seiner Haut kroch, doch es gab noch etwas anderes – eine krankhafte Neugier, eine kranke Erregung. Er fragte sich, wie es sein würde. Ob Clara stöhnte, ob sie nach mehr bettelte, ob sie einen anderen Mann so ansah, wie sie früher *ihn* angesehen hatte.
Rafael schloss die Augen und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, versuchte, die Bilder zu vertreiben. Doch sie kamen zurück, hartnäckig. Clara nackt, Clara verschwitzt, Clara mit leicht geöffneten Lippen in einem Stöhnen. Er umklammerte das Glas fester, die Knöchel wurden weiß.
Dann vibrierte sein Handy. Eine Nachricht.
*Sofia: „Bist du noch wach?“*
Er starrte einen langen Moment auf den Bildschirm, bevor er antwortete.
*Rafael: „Ja.“*
Die Antwort kam fast sofort.
*Sofia: „Willst du Gesellschaft?“*
Rafael zögerte. Doch nur für eine Sekunde.
*Rafael: „Ja.“*
Und als er das Handy ausschaltete, wusste er, dass es kein Zurück mehr gab.
Der Aufzug fuhr lautlos nach oben, die Stockwerkszahlen blinkten wie ferne Sterne. Rafael spürte das Gewicht des Handys in der Tasche, heiß gegen seinen Oberschenkel, als würde Sofias Nachricht dort noch brennen. Die Tür öffnete sich mit einem leisen *Ding*, und er trat in den mit Teppich ausgelegten Flur, die Schritte gedämpft vom dicken Stoff. Zimmer 1204 lag am Ende des Ganges, eine schwarze Tür mit goldener Klinke, diskret und elegant.
Er klopfte zweimal, das Geräusch hallte durch die Leere des Hotels. Die Tür öffnete sich fast sofort.
Sofia stand dort, in einen roten Seidenbademantel gehüllt, der kaum ihre Oberschenkel bedeckte. Der Stoff glänzte im gelblichen Licht der Nachttischlampe, betonte die Konturen ihrer Brüste, den tiefen Ausschnitt, der die sanfte Kurve ihrer Brustwarzen enthüllte. Sie lächelte langsam, als wüsste sie genau, welche Wirkung sie hatte.
— Du hast lange gebraucht — sagte sie mit leiser, fast flüsternder Stimme. — Ich dachte schon, du hättest es dir anders überlegt.
Rafael trat ein, die Augen auf sie gerichtet. Das Zimmer war klein, aber luxuriös: ein Kingsize-Bett mit ägyptischen Baumwolllaken, ein Spiegel an der Decke, eine Flasche Champagner in einem Eiskübel auf dem Nachttisch. Die Luft roch nach Vanille und etwas anderem, etwas Süßem und leicht Metallischem, wie Pheromone.
— Ich ändere meine Meinung nicht — antwortete er mit rauer Stimme.
Sofia schloss die Tür hinter ihm und drehte den Schlüssel im Schloss mit einem trockenen Klicken. Dann ging sie langsam zum Bett, die Hüften wiegten sich auf eine Weise, die Rafael trocken schlucken ließ. Sie setzte sich auf die Kante, kreuzte die Beine und beobachtete ihn, die dunklen Augen funkelten mit einer Intensität, die er nicht deuten konnte.
— Du bist nervös — stellte sie fest und neigte den Kopf. — Das ist süß.
— Ich bin nicht nervös.
— Lügner. — Sie lachte, ein musikalisches Geräusch, und streckte die Hand aus. — Komm her.
Rafael zögerte für eine Sekunde. Das Gewicht des Eherings an seinem Finger fühlte sich schwerer an als je zuvor. Doch dann trat er näher, setzte sich neben sie, und Sofias Duft umhüllte ihn – blumig, mit einem Hauch von Gewürzen, wie Jasmin und Kardamom. Sie hielt sein Kinn mit den Fingern und drehte sein Gesicht zu sich.
— Du hast das noch nie gemacht, oder?
— Nein.
— Aber du willst es.
Er antwortete nicht. Er musste es nicht.
Sofia lächelte zufrieden und ließ die Hand über seine Brust gleiten, blieb über seinem Herzen liegen. Es schlug schnell, unregelmäßig.
— Entspann dich — murmelte sie, die Lippen fast seine berührend. — Ich beiße nicht. Es sei denn, du bittest darum.
Bevor Rafael reagieren konnte, küsste sie ihn. Es war kein sanfter, erkundender Kuss. Es war gierig, fordernd, ihre Zunge drang in seinen Mund ein mit einer Selbstsicherheit, die ihn atemlos machte. Er schmeckte den Wein, den sie getrunken hatte, süß und sauer, und etwas anderes, etwas, das er nicht benennen konnte – vielleicht den Geschmack der Übertretung.
Sofias Hände glitten nach unten und öffneten sein Hemd mit präzisen Bewegungen. Als ihre Finger seine Haut berührten, zuckte er zusammen. Sie lachte gegen seine Lippen.
— Lecker — flüsterte sie. — Ich wusste es.
Rafael schloss für einen Moment die Augen und versuchte, sich auf die Empfindungen zu konzentrieren: die Wärme ihres Körpers gegen seinen, die Seide des Bademantels, die über seine freigelegte Haut strich, das Geräusch ihres beschleunigten Atems, das die Stille des Zimmers füllte. Doch dann, wie ein Geist, drang Claras Bild in seinen Geist ein – Clara mit *ihm*, Clara stöhnend, Clara, die sich einem anderen Mann hingab.
Er riss sich abrupt los, die Brust hob und senkte sich schnell.
— Was ist? — fragte Sofia mit halb geschlossenen Augen.
— Nichts.
— Lüg mich nicht an. — Sie hielt sein Gesicht mit beiden Händen fest und zwang ihn, sie anzusehen. — Wenn du aufhören willst, hören wir auf. Aber tu nicht so, als wärst du nicht hier.
Rafael atmete tief durch. Sie hatte recht. Er war hier. Und so sehr ihn die Schuld auch zerfraß, es gab etwas Stärkeres – etwas, das ihn weitermachen ließ, selbst wenn es wehtat.
— Ich brauche nur… eine Minute.
Sofia nickte und stand auf, ging zum Nachttisch. Sie nahm die Champagnerflasche, füllte zwei Gläser und kehrte zu ihm zurück. Sie reichte ihm eines, die Finger streiften seine.
— Trink. Das hilft.
Er nahm einen Schluck. Die kalte Flüssigkeit rann seine Kehle hinab und hinterließ ein Kribbeln. Sofia beobachtete ihn, während er trank, die Augen auf seine Lippen gerichtet.
— Besser?
— Ein bisschen.
— Gut. — Sie trat wieder näher, diesmal langsamer, als wüsste sie, dass er Zeit brauchte. — Denn ich werde dich nicht entkommen lassen.
Diesmal, als sie ihn küsste, wich Rafael nicht zurück. Er ließ zu, dass ihre Hände seinen Körper erkundeten, dass ihre Finger über seinen Bauch glitten, dass sich der Seidenbademantel öffnete und die nackte Haut darunter enthüllte. Sofia war erfahren, wusste genau, wie man berührte, wie man provozierte, wie man seinen Körper reagieren ließ, selbst wenn der Verstand widerstand.
Sie drückte ihn aufs Bett, setzte sich rittlings auf seinen Schoß, die Knie zu beiden Seiten seiner Hüften. Rafael spürte ihr Gewicht, die Hitze zwischen ihren Beinen, und stöhnte leise. Sofia lächelte zufrieden und begann, ihre eigene Kleidung zu öffnen, ließ den Bademantel langsam fallen und enthüllte einen durchtrainierten Körper, feste Brüste, bereits harte Brustwarzen.
— Gefällt dir, was du siehst? — fragte sie mit rauer Stimme.
Rafael antwortete nicht. Stattdessen packte er ihre Hüften und zog sie näher, spürte die Reibung der Seide gegen seine Erektion. Sofia lachte, ein tiefes, kehliges Geräusch, und beugte sich vor, um ihn erneut zu küssen, diesmal mit mehr Dringlichkeit.
— Du bist ein größerer Schurke, als du aussiehst — murmelte sie gegen seine Lippen.
— Und du bist… — er suchte nach dem richtigen Wort — …intensiv.
— Ist das ein Kompliment?
— Es ist eine Feststellung.
Sofia lachte und stand auf, ließ ihn auf dem Bett zurück. Sie ging zum Nachttisch und öffnete eine Schublade, holte eine Flasche duftendes Öl heraus. Rafael beobachtete sie, das Herz schlug ihm bis zum Hals, während sie zum Bett zurückkehrte, die Augen funkelten vor Versprechen.
— Dreh dich um — befahl sie.
Er gehorchte und spürte, wie die Matratze unter ihrem Gewicht nachgab, als sie sich hinter ihn kniete. Ihre Hände berührten seinen Rücken und verteilten das warme Öl auf seiner Haut. Der Duft von Mandeln und Vanille breitete sich im Zimmer aus, vermischte sich mit dem Aroma von Sex, das bereits in der Luft lag.
Sofia massierte seine Schultern, die Finger drückten auf Punkte, von denen er nicht wusste, dass sie verspannt waren. Rafael schloss die Augen und ließ sich von der Empfindung tragen. Doch dann glitten ihre Hände tiefer, umrundeten seine Taille, sanken bis zum Bund seiner Hose.
— Du bist wunderschön — flüsterte sie, die Lippen streiften sein Ohr. — Ich wusste, dass du so sein würdest.
Rafael antwortete nicht. Er konnte nicht. Ihre Hände waren magisch und ließen seinen Körper auf eine Weise reagieren, von der er nicht wusste, dass sie möglich war. Als sie ihn schließlich berührte, bog er den Rücken durch, ein Stöhnen entwich seinen Lippen.
— So — murmelte sie und beschleunigte den Rhythmus. — Lass mich dich sehen.
Er gab sich hin, ließ sie ihn führen, ihn an den Rand bringen. Und als er dort ankam, war es mit Claras Namen auf den Lippen – auch wenn er ihn nicht laut ausgesprochen hatte.
Sofia schien es nicht zu stören. Sie lächelte nur zufrieden und legte sich neben ihn, zog ihn näher an sich.
— Du warst besser, als ich erwartet hatte — sagte sie und strich mit den Fingern über seine schweißnasse Brust.
Rafael antwortete nicht. Er war noch außer Atem, der Körper zitterte leicht. Er blickte zur Decke, zum Spiegel, der die beiden verschlungenen Körper reflektierte, und spürte eine Mischung aus Scham und Erregung.
— Willst du mir erzählen, woran du gedacht hast? — fragte Sofia und spielte mit den Haaren auf seiner Brust.
— Nein.
— Schon gut. — Sie kuschelte sich an ihn, den Kopf auf seine Schulter gelegt. — Aber ich weiß es.
Rafael schloss die Augen. Sie hatte recht. Und er wusste auch, dass dies auf irgendeine Weise alles verändern würde.
Als er sich schließlich erhob, um zu gehen, begann der Himmel bereits zu dämmern. Sofia beobachtete ihn vom Bett aus, das Laken um ihren Körper gewickelt, ein träges Lächeln auf den Lippen.
— Kommst du wieder? — fragte sie.
Rafael zog sein Hemd an und spürte ihren Duft, der sich in den Stoff eingeprägt hatte.
— Ich weiß es nicht.
— Ich hoffe es.
Er antwortete nicht. Er verließ nur das Zimmer und ließ das Echo einer Nacht zurück, die keine Umkehr zuließ.
Im Taxi auf dem Weg nach Hause blickte er auf sein Handy. Eine Nachricht von Clara blinkte auf dem Bildschirm.
*„Bin morgen zurück. Wir müssen reden.“*
Rafael seufzte und steckte das Telefon in die Tasche. Ja, sie mussten reden. Aber er hatte keine Ahnung, was er sagen sollte.
Die Wohnung lag in einer dichten Stille, als Rafael ankam. Das Morgenlicht drang durch die halb geöffneten Vorhänge und malte goldene Streifen auf den Holzboden, als zögere die Sonne, diesen Raum zu betreten, der so voller unausgesprochener Worte war. Er zog die Schuhe an der Tür aus, das Geräusch des Leders auf dem Boden hallte zu laut wider, und legte den Schlüssel auf die Küchenarbeitsplatte. Der Duft von frischem Kaffee hing noch in der Luft, vermischt mit Claras zitronigem Parfüm – etwas, das ihm nun seltsam fern erschien, als gehöre es einem anderen Leben an.
Sie stand auf dem Balkon, in einen dunkelblauen Seidenbademantel gehüllt, den er nicht kannte, das feuchte Haar fiel in losen Wellen über ihre Schultern. Der Morgenwind spielte mit den Spitzen und wirbelte sie in kleinen Strudeln auf. Rafael blieb an der Glastür stehen und beobachtete sie einen Moment lang. Clara blickte auf die Stadt hinaus, die Finger um die Kaffeetasse geschlungen, der Ausdruck undurchdringlich. Als sie ihn schließlich bemerkte, lächelte sie nicht. Sie neigte nur leicht den Kopf, als würde sie ihn in ein unbekanntes Territorium einladen.
— Du bist früh dran — sagte sie mit leiser, rauer Stimme.
— Der Verkehr war gut.
Eine Lüge. Er hatte unterwegs in einer Bäckerei angehalten und Brötchen gekauft, die nun in einer Papiertüte auf dem Küchentisch verbrannten, unberührt. Er wusste nicht, ob sie Hunger hatte. Er wusste nicht einmal, ob er selbst welchen hatte.
Clara nahm einen Schluck Kaffee und stellte die Tasse auf den eisernen Balkontisch. Das Geräusch von Glas auf Metall klang wie ein Signal. Rafael trat näher und zog einen Stuhl heran. Der Stoff ihres Bademantels streifte seinen Arm, als er sich setzte, und er spürte die Wärme ihrer Haut durch die dünne Seide. Eine Wärme, die nicht nur vom Duschen kam.
— Du siehst anders aus — murmelte sie und musterte sein Gesicht, als würde sie nach Spuren suchen.
— Du auch.
Es stimmte. Etwas lag in ihren Lippen, eine definiertere Kurve, als wären sie mit mehr Leidenschaft geküsst worden, als er es je getan hatte. Und in ihren Augen – dieser Schatten von etwas Wildem, etwas, das er erkannte, weil er es nun selbst in sich trug.
— Ich habe mit ihm geschlafen — sagte Clara ohne Umschweife. — Zweimal.
Rafael rührte sich nicht. Er atmete nur tief durch, spürte, wie die Luft zum ersten Mal in seine Lungen strömte. Es war keine Überraschung. Nicht einmal Eifersucht. Es war etwas Komplexeres, eine Mischung aus Erleichterung und Erregung, als könnte er endlich benennen, was er fühlte.
— Ich auch — gestand er. — Mit einer Frau namens Sofia.
Clara hob die Augenbrauen, ein fast unmerkliches Lächeln spielte um ihre Lippen.
— Sofia?
— Sie ist… — Rafael suchte nach dem richtigen Wort. — Erfahren.
— Und wie war es?
Die Frage hing zwischen ihnen, geladen mit einer Neugier, die über bloße Information hinausging. Es war eine Einladung. Rafael blickte auf ihre Hände, die auf dem Tisch lagen, die langen, eleganten Finger, die kurz geschnittenen Nägel. Er erinnerte sich daran, wie diese Finger den Körper eines anderen Mannes erkundet hatten, und spürte, wie sein Blut schneller pulsierte.
— Es war intensiv — sagte er mit tieferer Stimme. — Sie hat mir Dinge gezeigt, von denen ich nicht wusste, dass ich sie wollte.
Clara beugte sich vor, der Bademantel öffnete sich leicht an den Oberschenkeln. Rafael sah den Schatten dazwischen, die sanfte Kontur ihrer Haut, und blickte für eine Sekunde weg, als wäre das zu viel.
— Zum Beispiel? — fragte sie mit zitternder Stimme.
— Zum Beispiel… — Er zögerte, doch die Wahrheit pochte bereits zwischen ihnen. — Zum Beispiel, berührt zu werden, ohne dass ich darum bitten muss. Zum Beispiel, nicht fragen zu müssen. Zum Beispiel zu spüren, dass mein Körper nicht nur mir gehört, sondern auch ihr, für ein paar Stunden.
Clara biss sich auf die Unterlippe, die Zähne gruben sich in das rosige Fleisch. Rafael spürte, wie sein eigener Körper reagierte, die Erinnerung an Sofias Berührung vermischte sich mit Claras Gegenwart, so nah.
— Ich habe dich vermisst — gestand sie plötzlich. — Mitten in allem. Als er in mir war, habe ich die Augen geschlossen und an dich gedacht, wie du mich ansiehst.
Rafael schluckte trocken. Das Bild war so lebendig, dass er es fast schmecken konnte.
— Ich auch — gab er zu. — Als sie mich geblasen hat, habe ich mir vorgestellt, es wären deine Hände. Dass du es bist, die mich so ansieht, wie nur du es kannst.
Die Luft zwischen ihnen wurde dichter, geladen mit Elektrizität. Clara stand langsam auf, der Bademantel öffnete sich weiter und enthüllte die Kurve ihrer Brüste, die bereits harten Brustwarzen unter der Seide. Sie umrundete den Tisch und blieb vor ihm stehen, die Knie fast seine berührend.
— Ich will dir alles erzählen — sagte sie mit rauer Stimme. — Jedes Detail. Aber zuerst muss ich, dass du mich küsst.
Rafael zögerte nicht. Er stand auf und nahm ihr Gesicht in beide Hände, die Daumen strichen über ihre Wangenknochen. Der erste Kontakt ihrer Lippen war sanft, fast schüchtern, als würden sie sich nach Jahren wiederfinden. Doch dann stöhnte Clara gegen seinen Mund, die Finger vergruben sich in seinen Haaren, zogen ihn näher, und der Kuss wurde zu etwas Hungrigem, Verzweifeltem.
Er drückte sie gegen die Balkonwand, der Bademantel öffnete sich vollständig und enthüllte ihren nackten Körper darunter. Rafael erkundete jeden Zentimeter mit den Händen, als wollte er sich die Textur ihrer Haut, die Konturen ihrer Kurven, die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen neu einprägen. Clara bog den Rücken durch, die Brüste boten sich ihm dar, und Rafael senkte den Kopf, nahm eine Brustwarze zwischen die Lippen und saugte fest daran.
— Verdammt — stöhnte sie, die Nägel gruben sich in seine Schultern. — Ich habe gespürt, wie sehr ich dich in mir vermisst habe.
Rafael hob sie hoch, ihre Beine schlangen sich um seine Taille, und trug sie ins Wohnzimmer. Das Sofa war verlockend, doch er brachte sie ins Schlafzimmer und warf sie mit einer plötzlichen Bewegung aufs Bett. Clara lachte, ein tiefes, kehliges Geräusch, während er sein Hemd auszog, die Augen auf sie gerichtet.
— Du wirst mir alles erzählen — befahl er mit rauer Stimme. — Jedes Detail. Wie er dich berührt hat. Wie du gekommen bist.
Clara stützte sich auf die Ellbogen, die Brüste wippten leicht mit ihrem beschleunigten Atem.
— Zuerst du — sagte sie, die Augen funkelten. — Ich will wissen, wie sie dich zum Kommen gebracht hat.
Rafael zog den Rest seiner Kleidung aus, sein Schwanz war bereits hart und pochte. Er kniete sich aufs Bett, zog Clara näher und führte sie so, dass sie sich auf ihn setzte. Die Empfindung ihrer Haut gegen seine war fast unerträglich.
— Sie hat mich geblasen, bis ich nicht mehr konnte — sagte er, die Lippen streiften ihr Ohr. — Und dann ist sie langsam auf mich geritten, als wollte sie mich quälen.
Clara stöhnte, die Hüften begannen sich in langsamen Kreisen zu bewegen, sein Schwanz glitt zwischen ihren feuchten Lippen hindurch.
— Und bist du gekommen? — fragte sie mit zitternder Stimme.
— Nein — gestand Rafael. — Ich habe mich zurückgehalten. Ich wollte, dass es mit dir ist.
Clara hielt für einen Moment inne, die Augen weit aufgerissen, der Atem stockte. Dann stöhnte sie und senkte sich mit einem Mal auf ihn, nahm ihn ganz in sich auf. Rafael stöhnte, die Finger gruben sich in ihr Fleisch, spürten jede Kontraktion, jede Bewegung.
— Erzähl mir den Rest — bat er mit gebrochener Stimme. — Erzähl mir, wie es mit ihm war.
Clara begann sich zu bewegen, erst langsam, dann schneller, die Brüste wippten bei jedem Stoß. Sie schloss für einen Moment die Augen, als würde sie die Szene noch einmal durchleben.
— Er hat mich gegen die Wand gedrückt — sagte sie mit unterbrochener Stimme. — Seine Hände waren größer als deine. Rauher. Er hat mich hochgehoben, als würde ich nichts wiegen.
Rafael spürte eine Welle von Eifersucht, vermischt mit Erregung, und stieß die Hüften nach oben, drang noch tiefer ein.
— Und hat es dir gefallen?
— Ja — gestand sie, die Augen öffneten sich und trafen die seinen. — Aber nicht so sehr, wie es mir jetzt gefällt.
Rafael drehte sie plötzlich um, legte sie auf alle viere aufs Bett, der Rücken gewölbt, der Po nach oben gereckt. Er drang von hinten in sie ein, mit Kraft, und Clara schrie auf, die Nägel kratzten über die Laken.
— So? — fragte er mit rauer Stimme. — Hat er dich so gefickt?
— Nein — stöhnte sie. — Es war… langsamer. Vorsichtiger.
Rafael verlangsamte das Tempo, die Bewegungen wurden tiefer, bedächtiger. Er beugte sich über sie, biss leicht in ihr Ohrläppchen.
— Und bist du so gekommen?
— Nein — gestand sie mit zitternder Stimme. — Ich bin gekommen, als er mich umgedreht und geküsst hat. Als er mir in die Augen gesehen und gesagt hat, dass ich schön bin.
Rafael spürte, wie etwas in ihm brach. Er zog an ihren Haaren, zwang sie, ihn anzusehen.
— Du bist schön — sagte er mit belegter Stimme. — Und ich will, dass du jetzt kommst. Ich will spüren, wie du meinen Schwanz umklammerst, während ich dich fülle.
Clara stöhnte, die Hüften bewegten sich im Einklang mit seinen, jeder Stoß tiefer, intensiver. Rafael spürte, wie sich der Orgasmus näherte, ein heißer Druck an der Basis seiner Wirbelsäule, und beschleunigte das Tempo, die Hoden schlugen gegen sie.
— Komm für mich — befahl er. — Jetzt.
Clara schrie auf, der ganze Körper verkrampfte sich, die inneren Muskeln umklammerten ihn fest. Rafael hielt nicht mehr stand. Mit einem rauen Stöhnen drang er bis zum Anschlag in sie ein und kam, das Vergnügen so intensiv, dass es ihn fast blendete.
Für einen langen Moment war nur das Geräusch ihrer keuchenden Atemzüge zu hören, ihre Körper zitterten leicht. Dann sank Clara aufs Bett und zog ihn mit sich. Rafael legte sich neben sie, die Körper noch verbunden, die Haut feucht von Schweiß.
— Werden wir das wieder tun? — fragte sie nach einer Weile.
Rafael antwortete nicht sofort. Er blickte zur Decke und spürte das Gewicht der Frage. Es ging nicht nur um Sex. Es ging um Vertrauen. Um Grenzen. Um das Ausmaß dessen, wozu sie bereit waren.
— Ich weiß es nicht — gestand er schließlich. — Aber ich glaube, wir müssen darüber reden, was das für uns bedeutet.
Clara drehte sich zu ihm um, die Augen ernst.
— Ich will dich nicht verlieren — sagte sie. — Aber ich will auch nicht zurück zu dem, was wir vorher waren.
Rafael strich ihr über die Wange, der Daumen fuhr über ihre Haut.
— Ich auch nicht.
Sie schwiegen noch eine Weile, die Körper kamen zur Ruhe, die Gedanken ordneten sich. Dann stand Clara auf, nahm den Bademantel vom Boden und wickelte ihn um sich.
— Lass uns Kaffee trinken — sagte sie. — Und reden. Richtig.
Rafael nickte und zog seine Hose an. Doch während er Clara in die Küche folgte, schwebte eine Frage beharrlich in seinem Kopf: *Was genau waren sie dabei neu zu definieren?*
Die Küche war in das goldene Morgenlicht getaucht, der Duft von frischem Kaffee vermischte sich mit dem zitronigen Aroma des Spülmittels, das Clara für die Tassen verwendet hatte. Sie bewegte sich mit einer Gelassenheit, die Rafael seit Wochen nicht mehr an ihr gesehen hatte – die Hüften wiegten sich leicht unter dem Seidenbademantel, das Haar noch zerzaust von der letzten Nacht. Er beobachtete sie von der Tür aus, die Finger trommelten gegen den Rahmen, der Körper vibrierte noch immer von Sofias Berührung, Claras Mund, dem Wirrwarr der Empfindungen, die ihn wie ein elektrischer Strom durchflutet hatten.
— Stehst du da nur rum oder kommst du mir helfen? — fragte sie, ohne sich umzudrehen, während sie die Porzellankanne nahm.
Rafael lächelte trotz allem. Das war typisch für sie: selbst das schwierigste Gespräch in etwas Alltägliches, fast Banales zu verwandeln. Er trat näher, nahm zwei Tassen aus dem Schrank, die Finger streiften für einen Moment länger als nötig die ihren. Die Berührung sandte einen Schauer über Claras Rücken, die sich auf die Unterlippe biss, bevor sie den Kaffee einschenkte.
— Schwarz, ohne Zucker — sagte er, als wäre es ein Ritual.
— Als könnte ich das vergessen.
Sie setzten sich an den Küchentisch, denselben, an dem sie vor Monaten über Rechnungen und gesellschaftliche Verpflichtungen gesprochen hatten, an dem Clara Zettel mit Einkaufslisten hinterließ und Rafael Ideen für Arbeitsprojekte kritzelte. Jetzt lag etwas Neues in der Luft zwischen ihnen, etwas, das noch keinen Namen hatte, aber wie ein dritter Körper im Raum pulsierte.
— Also — begann Clara und drehte die Tasse zwischen den Händen —, was machen wir jetzt?
Rafael atmete tief durch. Sofias Worte hallten noch in seinem Kopf nach: *„Du musst nicht zwischen Begehren und Liebe wählen. Du musst nur wählen, ehrlich zu sein.“* Er streckte die Hand über den Tisch und legte sie auf ihre.
— Wir legen Regeln fest — sagte er mit fester Stimme, doch seine Augen verrieten eine Verletzlichkeit, die Clara seine Finger drücken ließ. — Regeln, die für uns beide funktionieren.
Sie hob eine Augenbraue, ein langsames Lächeln spielte um ihre Lippen.
— Wie ein Vertrag?
— Wie eine Vereinbarung — korrigierte er. — Zwischen zwei Menschen, die sich lieben, aber auch… mehr wollen.
Clara stieß ein leises Lachen aus und beugte sich vor. Der Bademantel öffnete sich leicht und enthüllte die Kurve ihrer Brüste, und Rafael spürte, wie sein Blut schneller pulsierte. Es ging nicht nur um Sex. Es ging um die Art, wie sie ihn jetzt ansah – als wäre er ein unbekanntes Territorium, etwas, das es zu erkunden, aber nicht zu erobern galt.
— Okay — sagte sie mit rauer Stimme. — Los geht’s. Erste Regel: keine Lügen. Keine Auslassungen. Wenn einer von uns mit jemandem schläft, muss der andere es wissen. Nicht unbedingt vorher, aber kurz danach.
Rafael nickte. Die Vorstellung, von den Details von Claras Nacht mit Daniel zu erfahren, erregte und erschreckte ihn gleichermaßen.
— Einverstanden. Aber mit einer Bedingung: keine Namen, es sei denn, wir fragen danach. Ich will nicht wissen, wer es ist, nur… was du gefühlt hast.
Clara biss sich auf die Lippe und stellte sich vor, wie Daniel sie gegen die Hotelzimmerwand drückte, seine Hände auf ihren Hüften, sein heißer Mund an ihrem Hals. Sie wusste, dass Rafael dasselbe tat – sich an Sofia erinnerte, an die Art, wie sie ihn geführt hatte, an das Gefühl, von jemandem begehrt zu werden, der nichts als unmittelbare Lust erwartete.
— Zweite Regel — fuhr sie fort, die Stimme nun leiser, fast ein Flüstern. — Wir beide müssen weiterhin miteinander schlafen. Viel. Egal, mit wie vielen Menschen wir uns einlassen, dieses Bett hier — sie deutete mit dem Kopf zum Schlafzimmer — ist heilig.
Rafael spürte, wie sein Schwanz unter der Hose hart wurde. Er erinnerte sich an die letzte Nacht, wie Clara ihn mit einer Wildheit geritten hatte, die er seit Jahren nicht mehr an ihr gesehen hatte, als wollte sie ein Revier markieren, als müsste sie ihm in Erinnerung rufen, dass sie es war, die er am Ende wählte. Er beugte sich vor, nah genug, um ihren Atem zu spüren, süß und warm.
— Und wenn ich dir jedes Detail erzählen will, was ich mit Sofia gemacht habe? — murmelte er. — Wenn ich beschreiben will, wie sie mich geblasen hat, wie ich in ihrem Mund gekommen bin, wie sie gelacht hat, als ich sagte, ich hätte so etwas noch nie gemacht?
Clara erschauderte, die Brustwarzen wurden hart unter dem Bademantel. Sie wusste, dass er Grenzen testete, aber sie wusste auch, dass genau das sie wollte – herausgefordert, provoziert, gezwungen zuzugeben, dass die Vorstellung sie feucht werden ließ.
— Dann erzähle ich dir, wie Daniel mich von hinten genommen hat — antwortete sie mit fester Stimme, doch die Augen verdunkelten sich vor Verlangen. — Wie er mich an den Haaren gepackt und zweimal kommen lassen hat, bevor er selbst in mir gekommen ist.
Rafael stöhnte leise und zog Clara auf seinen Schoß. Sie wehrte sich nicht, setzte sich rittlings auf ihn, der Bademantel öffnete sich vollständig. Er packte ihre Hüften, die Finger gruben sich in das weiche Fleisch, und küsste sie mit einem Hunger, der nicht nur körperlich war. Es war ein Hunger nach Besitz, nach Bestätigung, nach dem Beweis, dass sie trotz anderer Körper immer noch einander gehörten.
— Dritte Regel — sagte er zwischen Küssen, der Mund wanderte ihren Hals hinab. — Keine Eifersucht zur falschen Zeit. Wenn einer von uns spürt, dass es zu viel wird, reden wir. Aber wir dürfen daraus keinen Wettbewerb machen.
Clara bog den Rücken durch und bot ihm ihre Brüste dar. Rafael verlor keine Zeit – er nahm eine Brustwarze zwischen die Zähne und biss leicht zu, bis sie stöhnte und die Nägel über seinen Rücken kratzte.
— Vierte Regel — keuchte sie. — Wir müssen uns weiterhin begehren. Egal, was da draußen passiert, wenn wir zusammen sind, muss es… intensiv sein.
Rafael lächelte gegen ihre Haut, die Hand glitt zwischen ihre Beine. Clara war bereits nass, die Klitoris geschwollen und pulsierte unter seinen Fingern.
— Das wird kein Problem sein — murmelte er, bevor er zwei Finger in sie einführte.
Clara stöhnte laut, die Hüften bewegten sich in einem verzweifelten Rhythmus. Sie klammerte sich an seine Schultern, die Nägel hinterließen rote Spuren, und küsste ihn mit einer Dringlichkeit, die Rafael den Atem raubte. Er fickte sie mit den Fingern, direkt dort in der Küche, der Kaffee vergessen, die Welt draußen auf nichts reduziert als das Geräusch ihrer Körper, die sich trafen, die erstickten Stöhnen, das Vergnügen, das wie eine Welle anschwoll, die kurz vor dem Brechen stand.
— Fünfte Regel — sagte Rafael mit rauer Stimme, die Finger arbeiteten noch immer in ihr. — Wir müssen mindestens einmal pro Woche zusammen kommen. Nur wir beide. Ohne Ablenkungen. Ohne an andere zu denken.
Clara lachte, ein atemloses, köstliches Geräusch, und biss sich auf die Unterlippe.
— Das ist keine Regel, das ist ein Geschenk.
Sie stand abrupt auf und zog ihn an der Hand. Rafael folgte ihr, die Augen auf das Wiegen ihrer Hüften gerichtet, während sie ins Schlafzimmer gingen. Das Bett war noch ungemacht, die Laken rochen nach Sex und Schweiß, die Erinnerung an die letzte Nacht hing in der Luft wie eine Einladung.
Clara legte sich hin und spreizte die Beine für ihn, die Finger spielten bereits mit ihrer eigenen Klitoris.
— Komm — befahl sie. — Zeig mir, wie du es willst.
Rafael brauchte keine weitere Aufforderung. Er zog die Hose mit einer schnellen Bewegung aus, sein Schwanz war hart und pochte, und positionierte sich zwischen ihren Schenkeln. Doch statt sofort in sie einzudringen, hielt er seinen Schwanz und rieb ihn gegen ihre feuchte Spalte, benetzte die Eichel mit ihren Säften und provozierte sie.
— Verdammt, Rafael — stöhnte Clara und hob die Hüften, versuchte, ihn in sich zu zwingen.
— Geduld — murmelte er und lächelte. — Wir haben den ganzen Tag.
Er beugte sich vor und küsste sie langsam, die Zunge erkundete ihren Mund, während seine rechte Hand weiterhin mit ihrer Klitoris spielte. Clara wand sich unter ihm, die Stöhnen wurden lauter, verzweifelter. Als er schließlich in sie eindrang, tat er es mit quälender Langsamkeit, jeder Zentimeter eine köstliche Folter.
— So — flüsterte sie, die Nägel gruben sich in seinen Rücken. — So, ganz langsam…
Rafael gehorchte und bewegte sich in einem langsamen, tiefen Rhythmus, die Hüften trafen sich in einem Hin und Her, das Clara Sterne sehen ließ. Er beobachtete sie, hypnotisiert von der Art, wie sie sich hingab – die leicht geöffneten Lippen, die halb geschlossenen Augen, der Körper, der sich wie eine Opfergabe bog.
— Ich liebe dich — sagte er mit belegter Stimme, und Clara wusste, dass es nicht nur eine Floskel war. Es war ein Versprechen.
— Ich liebe dich auch — antwortete sie und zog ihn näher an sich, die Körper verschmolzen zu einem.
Sie kamen zusammen, wie sie es vereinbart hatten, die Körper zitterten, die Stöhnen vermischten sich in der Luft. Rafael kam mit einem rauen Knurren in ihr, die Finger in ihr Haar vergraben, während Clara sich um ihn zusammenzog und jeden Tropfen Lust aus ihm herauspresste.
Als sie sich schließlich voneinander lösten, die Körper noch zitternd, kuschelte sich Clara an ihn, den Kopf auf Rafaels Brust.
— Also — sagte sie nach einer Weile mit schläfriger Stimme. — Werden wir das wirklich tun?
Rafael küsste sie auf den Scheitel und spürte den Duft ihres Haares, das warme Gewicht ihres Körpers an seinem.
— Ich glaube, wir tun es schon.
Clara lächelte und schloss die Augen. Es war kein Ende. Es war ein Anfang – eine neue Art von Liebe, freier, ehrlicher, intensiver als alles, was sie zuvor gekannt hatten. Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie keine Angst. Sie spürte nur eine köstliche Vorfreude auf das, was kommen würde.