Flammen im Halbdunkel
Von Tonkix

**Flammen im Halbdunkel**
Der Saal pulsierte wie ein lebendiger Organismus, ein Herz, das im Takt der wummernden Bässe elektronischer Musik schlug, die von den verspiegelten Wänden widerhallten. Stroboskoplichter durchschnitten in unregelmäßigen Abständen das Halbdunkel, tauchten den Raum in elektrisches Blau, rubinrotes Rot und ein fast hypnotisches Violett, als wäre die Luft selbst berauscht. Die Hitze war drückend, aufgeladen vom Schweiß der Körper, die sich in unterschiedlichen Rhythmen bewegten – einige synchron, andere verloren in ihren eigenen Welten. Der Geruch von Alkohol, teurem Parfüm und etwas Primitiverem, vielleicht dem Duft der Begierde, schwebte zwischen lauten Lachen und gedämpftem Geflüster.
Clara stand am Rand dieses kontrollierten Chaos, wie immer. Ihr schwarzes Kleid, klassisch geschnitten und aus seidigem Stoff, bildete einen Kontrast zur Extravaganz der anderen Gäste – zu kurze Kleider, zu enge Anzüge, Make-up, das wie Rüstungen glänzte. Sie hielt das Weinglas mit derselben Präzision, mit der sie einen juristischen Akt hielt: fest, aber ohne zu sehr zu drücken, als fürchte sie, etwas zu zerbrechen. Die dunkle Flüssigkeit spiegelte das flackernde Licht wider, tanzte in winzigen Wellen bei jeder subtilen Bewegung ihrer Finger. Ihre Augen, tiefbraun und fast melancholisch, schweiften ohne Eile durch die Menge, als suche sie nach etwas, dessen Namen sie nicht kannte.
Es war nicht ihre erste Firmenfeier, doch etwas an ihr fühlte sich fehl am Platz, als gehöre sie in ein anderes Bild. Vielleicht lag es an der Art, wie die Leute zu laut lachten, oder wie die Körper sich ohne Hemmungen aneinander rieben. Oder vielleicht lag es an ihr selbst – an ihrer eigenen Haut, die ihr an diesem Abend zu eng schien, als warte ihr ganzer Körper auf etwas, das nie kam.
Auf der anderen Seite des Saals tanzte Laura.
Es gab kein anderes Wort, um zu beschreiben, was sie tat. Sie war eine Naturgewalt, ein Wirbel aus Kurven und fließenden Bewegungen, der Blicke wie ein Magnet anzog. Ihr Kleid, ein smaragdgrüner Ton, der im Licht schimmerte, schmiegte sich an ihren Körper wie eine zweite Haut und ließ wenig der Fantasie über. Das dunkle Haar, offen in wilden Wellen, schwang im Takt der Musik, und ihre Lippen – in einem dunklen Rot, fast wie Wein – krümmten sich zu einem Lächeln, das Geheimnisse zu kennen schien, die die anderen noch nicht entdeckt hatten.
Sie tanzte nicht *zur* Musik. Sie tanzte *mit* der Musik, als wäre jede Note eine Verlängerung ihres eigenen Körpers. Ihre Hüften bewegten sich in langsamen, hypnotischen Kreisen, die Hände glitten durch die Luft, als streichelten sie etwas Unsichtbares. Als eine Frau in silbernem Kleid versuchte, sich ihr zu nähern, lächelte Laura nur, schüttelte leicht den Kopf und drehte sich, ließ die andere mit einer graziösen Schulterbewegung hinter sich.
Dann trafen sich ihre Blicke.
Es war kein zufälliges Zusammentreffen. Es war ein Schock, als hätten sich zwei elektrische Ströme in der Luft gekreuzt. Laura blieb für eine Sekunde – nur eine Sekunde – stehen und neigte den Kopf, als würde sie etwas abwägen. Ihr Lächeln wurde breiter, langsam und bedacht, und Clara spürte, wie sich etwas in ihrem Magen zusammenzog. Es war kein Unbehagen. Es war etwas Gefährlicheres, Heißeres.
Sie wandte den Blick zuerst ab, führte das Glas mit einer fast defensiven Geste an die Lippen. Der Wein rann ihre Kehle hinab, bitter und heiß, und sie fragte sich, ob sie nicht schon beim ersten Glas hätte aufhören sollen. Oder beim zweiten. Oder ob sie die Einladung zu dieser verdammten Party überhaupt hätte annehmen sollen.
Doch dann spürte sie eine leichte Berührung am Arm.
— Bist du hier allein?
Lauras Stimme war sanft, aber mit einem spielerischen Unterton, als kenne sie die Antwort bereits. Clara drehte sich um, und da stand sie, weniger als einen Meter entfernt, das smaragdgrüne Kleid schimmerte im Licht, die dunklen Augen auf sie gerichtet mit einer Intensität, die Clara den Atem raubte.
— Ich… — Clara zögerte. — Bin mit Kollegen hier. Aber sie sind… beschäftigt.
Laura lachte, ein tiefer, musikalischer Klang, der sich mit der Musik vermischte.
— Zu beschäftigt, um die interessanteste Frau der Party zu bemerken? Was für eine Verschwendung.
Clara spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Sie war nicht an so direkte Komplimente gewöhnt, schon gar nicht von jemandem wie Laura. Sie öffnete den Mund, um zu antworten, doch die Worte erstarben in ihrer Kehle, als Laura einen Schritt näher kam und den Abstand zwischen ihnen verringerte.
— Tanzt du nicht? — fragte Laura und neigte den Kopf.
— Ich… ich bin nicht besonders gut darin.
— Unsinn. Tanzen hat nichts mit Können zu tun. Es geht ums Fühlen.
Und bevor Clara protestieren konnte, nahm Laura ihre freie Hand – die, die nicht das Glas hielt – und zog sie sanft zu sich. Ihre Finger waren warm, fast schon brennend gegen Claras Haut.
— Komm. Nur ein Lied.
Clara hätte ablehnen sollen. Hätte den Kopf schütteln, eine Ausrede erfinden, in ihre sichere Ecke zurückkehren sollen. Doch etwas in diesen dunklen Augen, in diesen Händen, die sie bereits führten, ließ sie nachgeben.
Und als Laura sie näher zog, reagierte Claras Körper, bevor ihr Verstand protestieren konnte.
Die Musik pulsierte in tiefen Wellen, vibrierte in Claras Brust wie ein zweites Herz. Der Saal war erfüllt von einem goldenen Nebel aus Stroboskoplichtern, Körper bewegten sich in unvollkommener Synchronizität, Schweiß und Parfüm vermischten sich in der dichten Luft. Sie spürte noch immer die Hitze von Lauras Fingern auf ihrer Haut, den Abdruck dieser festen Hand, die sie aus sich selbst herausgezogen hatte, wenn auch nur für ein paar Sekunden. Nun stand sie am Rand der Tanzfläche und beobachtete die Menge mit einer Mischung aus Faszination und Unbehagen. Der Wein im Glas zitterte leicht, spiegelte das innere Beben wider, das sie zu verbergen versuchte.
Dann tauchte Laura wieder auf.
Nicht wie eine Erscheinung, sondern wie etwas Unvermeidliches – als hätte sich die Luft um Clara herum verdichtet und sie ins Zentrum dieser Energie gezogen. Laura erschien zwischen zwei tanzenden Körpern, das dunkle Haar fiel in losen Wellen über ihre Schultern, die Lippen in einem Rot, das das Licht um sie herum zu absorbieren schien. Sie lächelte, doch es war kein gewöhnliches Lächeln. Es war das Lächeln, das Versprechungen in sich trug, das Dinge wusste, die Clara sich noch nicht zu denken traute.
— Du bist verschwunden — sagte Laura, ihre raue Stimme übertönte den Rhythmus der Musik. — Ich dachte schon, ich hätte dich erschreckt.
Clara schluckte trocken. Der Alkohol hatte bereits die Kanten ihrer Vorsicht abgeschliffen, ließ sie leichter, durchlässiger werden. Doch etwas in ihr widerstand noch, ein Selbstschutzinstinkt, der ihr zuflüsterte, sich nicht hinreißen zu lassen.
— Ich brauchte nur… ein bisschen Luft — log sie, denn die Wahrheit – dass sie geflohen war, um wieder zu Atem zu kommen, um zu verstehen, was mit ihrem Körper geschah – war zu beschämend, um sie auszusprechen.
Laura neigte den Kopf, ihre Augen funkelten mit einer Belustigung, die Clara nicht deuten konnte. Sie trat einen Schritt näher, verringerte den Abstand zwischen ihnen noch mehr. Lauras Duft – etwas Zitrusartiges mit einem Hauch von Gewürzen – erreichte Clara und vermischte sich mit dem Geruch von Schweiß und Alkohol in der Luft. Es war berauschend.
— Luft? — Laura wiederholte das Wort, als wäre es lustig. — Hier drinnen ist es eher wie in einer Sauna. Aber wenn du wirklich Luft willst… — Sie streckte die Hand aus, ihre Finger streiften leicht Claras Handgelenk. — Ich kenne einen besseren Ort.
Clara spürte die Berührung wie einen elektrischen Schlag. Es war nicht das erste Mal, dass jemand sie berührte, doch etwas war anders daran – an der Art, wie Laura keine Erlaubnis fragte, als wüsste sie bereits, dass Clara nicht ablehnen würde. Und tatsächlich, sie lehnte nicht ab. Als Laura ihre Finger mit Claras verschränkte, ließ diese sich wegziehen von der Tanzfläche, weg vom Lärm, weg von allem, was nicht dieser Moment war.
Sie durchquerten den Saal schweigend, doch es war kein unbehagliches Schweigen. Es war die Art von Stille, die einem Geständnis vorausgeht, die das Gewicht ungesagter Dinge trägt. Clara spürte die Blicke auf sich – einige neugierig, andere neidisch –, doch es kümmerte sie nicht. Für eine Nacht zumindest wollte sie jemand sein, der keine Angst hatte, gesehen zu werden.
Der Balkon war eine Oase der Ruhe inmitten des pulsierenden Chaos der Party. Das Licht hier war sanfter, gefiltert durch die Voile-Vorhänge, die im Nachtwind flatterten. Die frische Luft traf Claras Gesicht und ließ sie erschaudern. Oder vielleicht lag es daran, dass Laura noch immer ihre Hand hielt, die warmen Finger einen Kontrast zur nächtlichen Kühle bildeten.
— Besser? — fragte Laura und ließ sie nur los, um sich auf das schmiedeeiserne Geländer zu stützen.
Clara nickte und trat ebenfalls näher. Das Metall war kalt unter ihren Armen, doch sie bemerkte es kaum. Ihre Augen waren auf Laura gerichtet, auf die Art, wie das Mondlicht ihr Profil nachzeichnete, auf die Kurve der Lippen, die wie zum Küssen gemacht schienen.
— Kommst du oft zu diesen Partys? — fragte Clara und versuchte, lässig zu klingen.
Laura lachte, ein tiefer, melodischer Klang.
— Manchmal. Kommt drauf an, wer sie gibt. — Sie drehte sich zu Clara um und stützte die Ellbogen auf das Geländer. — Und du? Anwältin, oder? Du bist wohl eher der Typ für schicke Dinner und politische Gespräche.
Clara spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Es war keine Frage, sondern eine Provokation.
— Ich mag tanzen — sagte sie und überraschte sich selbst. — Ich bin nur nicht besonders gut darin.
— Lügnerin. — Laura trat näher, ihre Augen fixierten Claras. — Du tanzt sehr gut, wenn du willst.
Claras Herzschlag beschleunigte sich. Es lag etwas Gefährliches in der Art, wie Laura sprach, als wäre jedes Wort eine Einladung zu etwas Größerem. Sie öffnete den Mund, um zu antworten, doch die Worte erstarben, als Laura die Hand hob und mit den Fingerknöcheln über ihre Wange strich.
— Du bist wunderschön — flüsterte Laura, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch. — Aber ich glaube, das weißt du selbst nicht.
Clara spürte, wie ihr die Luft wegblieb. Noch nie hatte jemand so mit ihr gesprochen, mit so viel Intensität, so viel Gewissheit. Sie hätte sich zurückziehen, etwas Geistreiches sagen sollen, um die Spannung zu lösen, doch alles, was sie tun konnte, war, regungslos dazustehen, während Lauras Finger über ihre Haut glitten und eine Spur aus Feuer hinterließen.
— Laura… — begann sie, doch die andere Frau schüttelte den Kopf.
— Pssst. — Laura trat noch näher, bis sich ihre Körper fast berührten. — Du musst nichts sagen. Nur… fühlen.
Und dann, bevor Clara reagieren konnte, nahm Laura ihr Gesicht in die Hände und küsste sie.
Es war kein sanfter, kein zögerlicher Kuss. Er war drängend, hungrig, als hätte Laura lange auf diesen Moment gewartet. Clara schmeckte Wein auf ihren Lippen, vermischt mit etwas Süßem, etwas, das sie nicht benennen konnte. Für einen Moment widerstand ihr Körper – schließlich kannte sie diese Frau kaum –, doch dann biss Laura sanft in ihre Unterlippe, und jede Kontrolle, die Clara noch gehabt hatte, zerbrach.
Sie stöhnte, ein leises, unwillkürliches Geräusch, und klammerte sich an Lauras Schultern, zog sie näher. Lauras Hände glitten zu ihrer Taille, umklammerten sie fest, als fürchte sie, Clara könnte fliehen. Doch Clara wollte nicht fliehen. Sie wollte mehr. Mehr von diesem Kuss, mehr von dieser Berührung, mehr von allem, was Laura ihr bot.
Als sie sich voneinander lösten, atmeten beide schwer. Laura lehnte ihre Stirn gegen Claras, die Augen geschlossen, als würde sie den Moment auskosten.
— Ich wusste es — murmelte sie.
— Was wusstest du? — fragte Clara mit zitternder Stimme.
Laura öffnete die Augen und lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln.
— Dass es dir gefallen würde.
Der Balkon erschien wie eine unerwartete Zuflucht, ein Seufzer der Erleichterung mitten im pulsierenden Chaos der Party. Laura hielt Claras Hand – eine einfache Geste, doch voller Absicht – und führte sie zwischen den Körpern hindurch, die sich im Takt der Musik bewegten, zwischen lauten Lachen und klirrenden Gläsern. Die feuchte Hitze des Saals wich einer frischen Brise, sobald sie die Glastür durchquerten, und Clara spürte, wie die Luft ihre Lungen füllte, als könnte sie zum ersten Mal in dieser Nacht wirklich atmen.
— Hier ist es besser — murmelte Laura und ließ sie nur los, um sich auf das schmiedeeiserne Geländer zu stützen, die Finger leicht auf der kalten Oberfläche trommelnd. — Weniger Lärm, mehr Platz zum… Nachdenken.
Clara zögerte für einen Moment, der Wein noch warm in ihren Adern, die Erinnerung an den Kuss – *diesen Kuss* – brannte auf ihren Lippen. Sie trat langsam näher, die Absätze hallten auf dem Holzboden wider, und blieb neben Laura stehen, die Arme verschränkt, als müsste sie sich vor ihrem eigenen Körper schützen, der sie ständig daran erinnerte, wie gut es war, berührt zu werden. Der Himmel über ihnen war mit Sternen übersät, doch die Stadt um sie herum leuchtete zu hell, als dass sie mehr als blasse Punkte in der Dunkelheit gewesen wären.
— Kommst du oft hierher? — fragte Clara, und hasste den leicht ironischen Ton, der mitschwang. Das war nicht das, was sie sagen wollte. Sie wollte fragen *Warum ich?*, *Warum jetzt?*, *Was zum Teufel geht hier mit mir vor?*
Laura lachte, ein tiefer, rauer Klang, und drehte sich zu ihr um, die Ellbogen noch immer auf das Geländer gestützt. Das Licht aus dem Inneren des Hauses badete eine Hälfte ihres Gesichts, während die andere im Schatten lag, als wäre sie zwei Menschen zugleich: die extrovertierte Künstlerin, die mitten auf der Tanzfläche tanzte, und diese Frau mit den dunklen Augen, die sie ansah, als wollte sie sie verschlingen.
— Nur wenn ich Luft brauche — antwortete sie und neigte den Kopf. — Oder wenn ich jemanden sehe, der… ein bisschen mehr Aufmerksamkeit verdient.
Clara spürte, wie ihr die Hitze in den Nacken stieg. *Aufmerksamkeit.* Das Wort klang wie eine Einladung, wie ein Versprechen. Sie wandte den Blick ihren eigenen Händen zu, die auf dem kalten Eisen ruhten, und bemerkte, dass sie leicht zitterten.
— Bist du immer so? — fragte sie und versuchte, lässig zu klingen. — Direkt?
— Nur wenn ich etwas will — sagte Laura, und dann, als wäre es das Natürlichste der Welt, streckte sie die Hand aus und strich mit den Fingern über Claras Handgelenk. Eine leichte, fast unmerkliche Berührung, doch genug, um ihre Haut zum Kribbeln zu bringen. — Und ich will *dich*, Clara. Seit dem Moment, in dem ich dich dort stehen sah, das Glas in der Hand, als wäre es das Einzige, das dich am Boden hält.
Clara schluckte trocken. Es war nicht fair. Es war nicht fair, dass Laura so sprach, mit dieser tiefen, geheimnisvollen Stimme, nicht fair, dass ihre Finger überall, wo sie sie berührten, Feuer hinterließen. Sie hätte zurückweichen sollen. Hätte sagen sollen, dass es spät sei, dass sie gehen müsse, dass *das* – was auch immer *das* war – keine gute Idee sei. Doch die Worte starben in ihrer Kehle, als Laura einen Schritt näher trat und den Abstand zwischen ihnen verringerte, und Lauras Duft – etwas Zitrusartiges und Warmes, wie Bergamotte und erhitzte Haut – die Luft erfüllte.
— Du bist nervös — stellte Laura fest, nicht als Frage, sondern als Tatsache. Ihre Finger glitten Claras Arm hinauf, langsam, bedacht, zeichneten die Konturen ihres Ellbogens, ihrer Schulter nach, bis sie ihren Hals erreichten. — Warum?
— Weil… — Clara schloss für einen Moment die Augen, spürte Lauras Daumen, der ihren beschleunigten Puls an der Halsbeuge streichelte. — Weil ich so etwas normalerweise nicht tue.
— Was denn?
— *Das.* — Sie öffnete die Augen und begegnete Lauras Blick, dunkel und intensiv. — Fremde auf Balkonen küssen. Zulassen, dass sie mich berühren, als wäre ich… als wäre ich *ihre*.
Laura lächelte, ein langsames, fast räuberisches Lächeln.
— Und wenn ich will, dass du es bist?
Claras Herzschlag beschleunigte sich. Sie hätte Angst haben sollen. Hätte Angst haben sollen vor der Art, wie Laura sie ansah, vor der Art, wie ihre Hände genau zu wissen schienen, wo sie sie berühren mussten, um sie zum Zittern zu bringen. Doch die Angst war etwas Fernes, übertönt von der Hitze, die sich in ihrem Körper ausbreitete, von dem Verlangen, das zwischen ihren Beinen pulsierte, von dem rohen Bedürfnis, mehr zu spüren.
— Du kennst mich nicht — flüsterte sie, doch ihre Stimme klang schwach, fast wie eine Bitte.
— Ich weiß genug — antwortete Laura, und dann, bevor Clara protestieren konnte, beugte sie sich vor und strich mit den Lippen über den Mundwinkel von Clara. Es war kein Kuss. Es war eine Provokation. Eine Warnung. — Ich weiß, dass es dir gefällt, wenn ich das tue.
Clara stieß einen zitternden Seufzer aus. Lauras Lippen waren weich, warm, und das leichte Streifen über ihre Haut war eine köstliche Folter. Sie wollte mehr. Sie wollte *alles.* Doch etwas in ihr widerstand noch, ein dünner Faden Selbstbeherrschung, der sich weigerte zu reißen.
— Laura… — begann sie, doch die andere Frau unterbrach sie mit einer weiteren Berührung, diesmal glitten ihre Finger über Claras Schlüsselbein, sanken langsam hinab zur Wölbung ihrer Brust und blieben dort schweben, als würden sie um Erlaubnis bitten.
— Darf ich? — murmelte Laura, ihr Mund so nah an Claras Ohr, dass ihr warmer Atem die empfindliche Haut kitzelte. — Oder hast du noch Angst?
Clara antwortete nicht. Stattdessen nahm sie Lauras Hand und führte sie nach unten, drückte sie gegen ihren eigenen Körper, spürte die Hitze von Lauras Handfläche durch den dünnen Stoff ihres Kleides. Laura stöhnte leise, ein gutturaler Laut, der zwischen ihnen vibrierte, und dann schlossen sich ihre Finger um Claras Brust, drückten mit einem Druck, der an Schmerz grenzte, aber *genau* das war, was sie brauchte.
— Verdammt — flüsterte Laura, und dann war ihr Mund an Claras Hals, küsste, biss sanft, hinterließ eine Spur aus Feuer auf ihrer Haut. — Du bist so empfindlich…
Clara bog den Rücken durch, drängte sich gegen Lauras Hand, die Brustwarzen hart unter der Berührung. Noch nie hatte sie sich so gefühlt – so bloßgestellt, so *begehrt.* Jede Liebkosung war eine Frage, jedes Stöhnen eine Antwort. Und Laura schien das zu verstehen, denn ihre Bewegungen waren langsam, erkundend, als würde sie jede Reaktion von Claras Körper memorieren.
— Gefällt dir das? — fragte Laura und zwickte leicht in Claras Brustwarze, sodass diese aufstöhnte. — Oder willst du mehr?
— Mehr — brachte Clara hervor, ihre Stimme rau. — *Bitte.*
Laura lächelte gegen ihre Haut, die Zähne streiften leicht, bevor ihre Hand noch weiter hinabglitt, über Claras Bauch, bis sie am Saum des Kleides innehielt. Ihre Finger spielten mit dem Stoff, zogen ihn Zentimeter für Zentimeter hoch, bis die kühle Nachtluft die freigelegte Haut von Claras Oberschenkeln berührte.
— So schön — murmelte Laura, und dann bewegte sich ihre Hand nach innen, die Finger streiften den Spitzenstoff von Claras Slip und spürten die feuchte Hitze, die sich bereits dort sammelte. — Und so nass…
Clara biss sich auf die Lippe, um nicht laut zu stöhnen. Sie war beschämt, erregt, *verzweifelt.* Noch nie hatte sie jemandem erlaubt, sie so offen, so *intim* zu berühren. Doch mit Laura fühlte sich alles richtig an. Alles fühlte sich *unvermeidlich* an.
— Laura… — flüsterte sie, ihre Nägel gruben sich in Lauras Schultern. — Ich weiß nicht… ich weiß nicht, ob…
— Pssst — unterbrach Laura sie und küsste sie sanft auf die Lippen. — Du musst nichts wissen. Nur fühlen.
Und dann glitten ihre Finger unter Claras Slip, fanden genau die Stelle, an der sie am meisten berührt werden wollte. Clara bog sich gegen Lauras Hand, ein Stöhnen entwich ihren Lippen, während Laura begann, ihre Finger in langsamen Kreisen zu bewegen, zu drücken, zu reizen, sie an den Rand von etwas zu führen, von dem sie nicht wusste, ob sie bereit dafür war.
— Genau so — murmelte Laura, ihre Stimme rau vor Verlangen. — Lass es geschehen.
Clara schloss die Augen und gab sich der Berührung hin, dem Vergnügen, das in ihr wie eine Welle anschwoll, die kurz davor war zu brechen. Doch dann, als sie fast so weit war, als ihr ganzer Körper zitterte und sich ihre Muskeln in Erwartung zusammenzogen, hörte Laura auf.
— Nein — protestierte Clara, ihre Stimme fast ein Schluchzen.
Laura lachte leise, ihre Finger blieben an Ort und Stelle, bewegten sich jedoch nicht.
— Noch nicht — sagte sie und küsste Clara erneut, langsam, tief. — Ich will, dass du mich bittest.
Clara öffnete die Augen und begegnete Lauras Blick, dunkel und voller Versprechungen.
— Bitte — flüsterte sie ohne Scham. — Bitte hör nicht auf.
Laura lächelte triumphierend, und dann begannen ihre Finger sich wieder zu bewegen, schneller jetzt, fordernder, führten Clara über die Klippe und darüber hinaus. Und als der Orgasmus sie traf, war es, als würde ihr ganzer Körper in Flammen aufgehen, eine Lohe, die sie vollständig verzehrte und sie zitternd und atemlos in Lauras Armen zurückließ.
Für einen Moment sagte keine von beiden etwas. Das einzige Geräusch waren ihre keuchenden Atemzüge, vermischt mit dem fernen Gemurmel der Party. Clara lehnte ihre Stirn an Lauras Schulter und versuchte, sich zu fangen, doch ihr Körper zitterte noch immer, *brannte* noch immer.
— Das — murmelte Laura und küsste ihre Schläfe — war erst der Anfang.
Clara hob den Kopf und begegnete ihrem Blick. Da war etwas, etwas mehr als Verlangen, etwas, das sie nicht zu benennen wagte.
— Und was kommt jetzt? — fragte sie, ihre Stimme noch immer zitternd.
Laura lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln, und nahm ihr Gesicht in die Hände, bis sich ihre Lippen fast berührten.
— Jetzt — flüsterte sie — finden wir es heraus. Zusammen.
Der Balkon lag im Halbdunkel, nur das silberne Mondlicht, das durch die Blätter der Bäume fiel, erhellte ihn. Die kühle Nachtluft streichelte Claras Haut, doch die Hitze, die in ihr aufstieg, kam nicht vom Wind – sie kam von innen, ein langsames Feuer, das sich jedes Mal entzündete, wenn Laura näher kam. Sie hatten sich nahe dem schmiedeeisernen Geländer niedergelassen, die Ellbogen berührten sich fast, die Schultern streiften sich leicht, während das Gespräch zwischen gedämpftem Lachen und verstohlenen Blicken dahinfloss. Die Musik der Party drang nur noch als fernes Raunen zu ihnen, gedämpft durch die dicken Wände der Villa, ließ nur das Geräusch der Stimmen, das gelegentliche Klirren eines Glases und das Rascheln der Blätter im Wind übrig.
Laura beugte sich näher, ihr süßlich-zitroniger Duft vermischte sich mit dem Geruch von feuchter Erde und Jasmin aus dem Garten. Clara spürte Lauras warmen Atem an ihrem Ohr, als sie flüsterte:
— Du zitterst.
Es stimmte. Ihre Finger, die eben noch fest das fast leere Glas umklammert hatten, bebten nun leicht, als wäre das Glas zu schwer zu halten. Sie antwortete nicht. Musste sie auch nicht. Laura wusste es. Hatte es von Anfang an gewusst, seit dem ersten Blick, den sie auf der Tanzfläche gewechselt hatten, als Clara sich zum ersten Mal seit Jahren erlaubt hatte, wirklich gesehen zu werden.
— Du musst keine Angst haben — murmelte Laura, und ihre Hand glitt Claras Arm hinauf, langsam, bedacht, als würde sie messen, wie viel sie aushalten konnte, bevor sie zerbrach. Ihre Finger fanden Claras, verschränkten sich für einen Moment, bevor Laura sie sanft näher zu sich zog. — Ich werde dir nicht wehtun.
Clara wollte ihr glauben. Doch das Problem war nicht die Angst, verletzt zu werden – es war die Angst zu *wollen*. Etwas so intensiv zu begehren, dass es kein Zurück mehr gab. Sich einer Leidenschaft hinzugeben, von der sie wusste, dass sie sie vollständig verzehren könnte.
— Ich habe keine Angst vor dir — sagte sie, ihre Stimme leise, fast eine Herausforderung.
Laura lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln, und kam noch näher, bis ihre Lippen nur noch einen Atemzug von Claras entfernt waren. Die Welt um sie herum schien den Atem anzuhalten.
— Dann beweis es.
Es war die letzte Warnung. Oder vielleicht war es keine Warnung, sondern eine Kapitulation – ihre, Claras, von allem, was sie bis dahin unterdrückt hatten. Lauras Lippen fanden die ihren in einem Kuss, der nicht sanft war, nicht zögerlich. Er war drängend, hungrig, als wären beide am Verdursten und hätten erst jetzt Wasser gefunden. Clara stöhnte gegen Lauras Mund, ein tiefer, rauer Laut, der aus einem Ort in ihr zu kommen schien, den sie so lange verschlossen hatte, dass sie vergessen hatte, dass er existierte.
Lauras Hände verloren keine Zeit. Sie glitten über Claras Taille, zogen sie mit einer Kraft an sich, die Clara aufkeuchen ließ. Claras Körper reagierte, bevor ihr Verstand es verarbeiten konnte – ihre Hüften bewegten sich instinktiv, drängten sich gegen Laura, suchten Erlösung für den Druck, der zwischen ihren Beinen wuchs. Lauras Finger fanden den Saum von Claras Bluse, glitten darunter, zeichneten langsame, quälende Kreise auf ihre nackte Haut. Jede Berührung war ein Funke, jede Liebkosung ein Versprechen auf etwas Größeres, Intensiveres.
— Verdammt — murmelte Laura gegen ihre Lippen, ihre Stimme rau vor Verlangen. — Du bist so heiß.
Clara konnte nicht antworten. Ihr Verstand war benebelt, ihr ganzer Körper konzentrierte sich auf die Empfindungen – die Hitze von Lauras Haut unter ihren Händen, die Art, wie Lauras Lippen ihren Hals hinabglitten und eine Spur aus Feuer auf ihrem Schlüsselbein hinterließen. Sie neigte den Kopf zurück, bot sich an, gab sich hin, und Laura verlor keine Zeit. Ihr Mund fand die empfindliche Stelle direkt unter Claras Ohr, biss sanft zu, bevor sie daran saugte, fest genug, um eine Spur zu hinterlassen.
— Laura… — Ihr Name entwich Claras Lippen wie eine Bitte, ein Geständnis.
— Pssst — flüsterte Laura, ihre Finger glitten nun über Claras Körper – in ihren Haaren, zogen sie sanft, um ihren Hals freizulegen; an ihrer Taille, drückten sie sie gegen das Geländer; an ihren Oberschenkeln, hoben sie den Saum ihres Kleides, bis die kühle Nachtluft ihre erhitzte Haut berührte. Clara spürte das kalte Metall des Geländers im Rücken, ein köstlicher Kontrast zu der Hitze, die von Laura ausging, die sie umhüllte, die sie verzehrte.
— Gefällt dir das? — fragte Laura, ihre Finger zeichneten träge Linien an der Innenseite von Claras Oberschenkel, kamen gefährlich nah an den Mittelpunkt ihres Verlangens. — Gefällt es dir, so berührt zu werden?
Clara konnte nicht mit Worten antworten. Stattdessen bewegten sich ihre Hüften, suchten mehr, und Laura lachte leise, ein dunkler, zufriedener Laut.
— Ich wusste es — murmelte sie, und dann fanden ihre Finger endlich, wonach sie gesucht hatten, glitten über den dünnen Spitzenstoff von Claras Slip. — Verdammt, du bist so nass.
Clara stöhnte, der Laut erstickte an Lauras Schulter, während ihre Finger sich in langsamen Kreisen bewegten, drückten, reizten. Jede Berührung war eine Folter, jede Bewegung ein Versprechen auf etwas, von dem sie wusste, dass es sie zerstören und gleichzeitig neu erschaffen würde.
— Laura, bitte — flehte sie, ihre Nägel gruben sich in Lauras Arme.
— Bitte was? — flüsterte Laura, ihre Lippen streiften Claras Ohr, während ihre Finger unerbittlich weitermachten. — Sag mir, was du willst.
Clara hatte keine Worte. Keinen Atem. Alles, was sie tun konnte, war, sich an Laura zu klammern, während das Vergnügen in ihr wuchs, eine Welle, die drohte, sie vollständig zu verschlingen. Und dann, als sie dachte, sie könnte nicht mehr, gab Laura nach – ihre Finger glitten unter den Spitzenstoff, fanden die feuchte Hitze von Clara, und sie stöhnte mit, als wäre die bloße Berührung genug, um sie selbst an den Rand zu bringen.
— Genau so — murmelte Laura, ihre Finger bewegten sich nun schneller, tiefer. — Komm für mich, Clara.
Und Clara gehorchte.
Der Orgasmus traf sie wie eine Welle, brach über ihr zusammen mit einer Kraft, die ihr den Atem raubte. Ihr Körper bog sich gegen Laura, die Muskeln zogen sich in lustvollen Krämpfen zusammen, während sie aufschrie, der Laut erstickte an Lauras Schulter. Laura hielt sie fest, ihre Finger bewegten sich weiter, verlängerten den Höhepunkt, bis Clara zitternd, erschöpft und vollständig ergeben war.
Für einen langen Moment sagte keine von beiden etwas. Das einzige Geräusch waren ihre keuchenden Atemzüge, vermischt mit dem fernen Gemurmel der Party und dem Rascheln der Blätter im Wind. Clara lehnte ihre Stirn an Lauras Schulter und versuchte, sich zu fangen, doch ihr Körper zitterte noch immer, *brannte* noch immer, als würde das Feuer, das Laura in ihr entfacht hatte, nicht so schnell erlöschen.
— Das — murmelte Laura und küsste ihre Schläfe, ihre Lippen warm gegen Claras feuchte Haut — war erst der Anfang.
Clara hob den Kopf und begegnete ihrem Blick. Da war etwas, etwas mehr als Verlangen, etwas, das sie nicht zu benennen wagte. Doch bevor sie darüber nachdenken konnte, nahm Laura ihr Gesicht in die Hände und küsste sie erneut, langsam und tief, als würde sie jeden Moment auskosten.
— Lass uns reingehen — flüsterte Laura gegen ihre Lippen. — Bevor ich dich hier vor allen Leuten ficke.
Clara spürte, wie ein Schauer über ihren Rücken lief. Es war keine Drohung. Es war ein Versprechen. Und sie konnte es kaum erwarten, herauszufinden, was Laura sonst noch für sie bereithielt.
Der Flur war schmal, nur von kleinen, in den Sockel eingelassenen Lampen erhellt, deren goldenes Licht lange Schatten an die Wände aus Reispapier warf. Clara folgte Laura mit zögernden Schritten, die Absätze ihrer Schuhe versanken im flauschigen Teppich, jede Bewegung hallte wider in dem beschleunigten Pochen ihres eigenen Körpers. Lauras Hand hielt die ihre fest, die Finger verschränkt, als wären sie eine einzige Verlängerung aus Haut und Hitze. Es gab keine Worte mehr. Nur das Geräusch ihres keuchenden Atems, das Rascheln der Stoffe, das leise Knistern der Kleider, während sie sich im Gleichklang bewegten.
Die Tür zum Zimmer öffnete sich mit einem leisen Klicken und enthüllte einen kleinen, fast schon zu intimen Raum. Ein Himmelbett, bedeckt mit weißen Leinenlaken, stand in der Mitte, flankiert von zwei Nachttischen mit bereits entzündeten Kerzen. Der Duft von Lavendel und geschmolzenem Wachs erfüllte Claras Nase und vermischte sich mit dem süßlichen Parfüm, das von Lauras Haut aufstieg. Das halb geöffnete Fenster ließ einen Hauch frischer Luft herein, ließ die Voile-Vorhänge leicht flattern, als würden sie den beiden Geheimnisse zuflüstern.
Laura schloss die Tür mit dem Fuß, ohne Claras Hand loszulassen. Das Geräusch des einrastenden Schlosses wirkte wie ein Auslöser. Plötzlich war die Welt draußen – das Lachen, die Musik, das Gemurmel der Party – verschwunden. Übrig blieb nur dieses Zimmer, dieser Moment, diese beiden Frauen und die Elektrizität, die zwischen ihnen knisterte, so intensiv, dass Clara sie fast sehen konnte, wie Funken, die in der Luft tanzten.
— Du zitterst — murmelte Laura und drehte sich zu ihr um. Ihre Finger glitten über Claras Arm, zeichneten langsame Kreise auf die Haut, die vom Ausschnitt ihres Kleides freigelegt wurde.
— Es ist kalt — log Clara, ihre Stimme klang rauer als beabsichtigt.
Laura lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln, als wüsste sie genau, was diese Worte verbargen. Ihre Lippen streiften Claras Hals, warm und feucht, und entlockten ihr ein unwillkürliches Seufzen.
— Es ist nicht kalt — flüsterte sie, ihr Atem kitzelte Claras Ohr. — Es ist das, was du fühlst, wenn ich das tue.
Ihre Zähne streiften leicht ihr Ohrläppchen, und Clara bog instinktiv den Rücken durch, ihre Hände fanden Lauras Schultern, um sich festzuhalten. Das Seidenkleid rutschte ein wenig, enthüllte den dünnen Träger ihres BHs, und Laura verlor keine Zeit. Ihr Mund wanderte hinab über ihr Dekolleté, küsste, biss sanft, markierte die Haut mit einer Dringlichkeit, die Clara fragen ließ, ob das alles real war. Ob sie real war. Ob dieses überwältigende Verlangen, das seit Jahren in ihr geschlummert zu haben schien, wirklich ihr gehörte.
— Laura… — ihr Name entwich Claras Lippen wie eine Bitte, doch sie wusste nicht genau, worum sie bat. Mehr? Weniger? Dass es niemals aufhörte?
Laura antwortete nicht sofort. Stattdessen zog sie Clara näher, bis sich ihre Körper berührten, Brust an Brust, Herz an Herz. Dann, mit bedachter Langsamkeit, streiften ihre Lippen Claras, ein Kuss, der sanft begann, sich aber schnell vertiefte, ihre Zungen trafen sich in einem langsamen, sinnlichen Rhythmus.
Als sie sich voneinander lösten, stützte Laura ihre Stirn gegen Claras, ihre Finger noch immer in deren Haaren verstrickt.
— Das war nicht nur eine Nacht — murmelte sie. — Das weißt du, oder?
Clara nickte, spürte, wie das Gewicht dieser Worte sich wie ein Versprechen auf ihre Brust legte.
— Ich weiß.
Laura lächelte, und diesmal war es ihr gewohntes Lächeln – selbstbewusst, verschmitzt, voller Versprechungen.
— Gut. Denn ich lasse dich nicht entkommen.
Clara lachte, doch der Laut erstarb in ihrer Kehle, als Laura sie zurück auf die Matratze drückte und ihren Körper mit dem ihren bedeckte. Die Küsse wurden drängender, die Hände fordernder, und Clara spürte, wie das Verlangen erneut in ihr erwachte, langsam und beharrlich, wie eine Flamme, die sich weigerte zu erlöschen.
— Laura… — stöhnte sie, als Lauras Finger die empfindliche Stelle zwischen ihren Beinen fanden, bereits feucht und pulsierend.
— Pssst — flüsterte Laura und biss sanft in ihr Ohrläppchen. — Ich sagte doch, ich bin noch nicht fertig mit dir.
Und dann gab es keine Worte mehr. Nur Seufzer, erstickte Stöhnen gegen die Haut der anderen, das feuchte Geräusch sich vereinigender Körper, den langsamen, köstlichen Rhythmus, der sie erneut an den Rand führte.
Als sie schließlich erschöpft und befriedigt zusammenbrachen, war die Sonne bereits höher am Himmel gestiegen und tauchte das Zimmer in goldenes Licht. Laura legte sich auf den Rücken, zog Clara an ihre Brust, und die beiden blieben so liegen, lauschten dem Geräusch ihrer eigenen, sich beruhigenden Atemzüge.
— Und jetzt? — fragte Clara nach einem langen Schweigen.
Laura drehte den Kopf und küsste ihre Schläfe.
— Jetzt — sagte sie, ihre Stimme voller Versprechungen — sehen wir, wohin das führt.
Clara lächelte und schloss die Augen. Sie wusste nicht, was die Zukunft bringen würde, ob das eine Woche, einen Monat oder ein ganzes Leben halten würde. Doch zum ersten Mal hatte sie keine Angst. Denn in diesem Moment, mit Lauras Körper an ihrem, mit ihrem gemeinsamen Duft in der Luft, mit der Gewissheit, dass dies erst der Anfang war, wusste sie, dass es sich lohnen würde.
Und als Laura sie zu einem weiteren, langsamen und tiefen Kuss an sich zog, gab Clara sich hin. Denn schließlich waren manche Dinge größer als die Angst. Größer sogar als die Vernunft.
Es waren Flammen im Halbdunkel.
Und sie fingen gerade erst an zu brennen.