Grenzen der Begierde
Von Tonkix

**Grenzen der Begierde**
Der Umzug kam wie ein Seufzer nach Monaten der Erstickung. Lucas stieg vom Umzugswagen, der Rücken schmerzte, die Muskeln noch angespannt von der Anstrengung, die Kisten zu tragen, doch seine Augen sogen bereits die Stille des Ortes auf. Das Haus, ein helles Holzchalet mit Satteldach, schien einem alten Märchen entsprungen – jene Art von Bauwerk, das nach stillstehender Zeit roch, nach langen Nächten und Versprechen auf Neuanfänge. Der Vorgarten war ein Durcheinander wilder Blumen, Gänseblümchen und vom Wind geneigte Sonnenblumen, als hätte jemand dort Träume gesät und vergessen, sie zu stutzen.
Er atmete tief durch. Die Luft schmeckte nach feuchter Erde und etwas Süßem, vielleicht der Jasmin, der sich am lebenden Zaun zur Linken emporrankte. Es war anders als in der Stadt, wo der vorherrschende Geruch der von heißem Asphalt und Abgasen war. Hier hatte sogar die Stille eine Textur.
— Brauchen Sie Hilfe mit den schwereren Kisten?
Die Stimme kam von hinten, leicht, fast musikalisch. Lucas drehte sich um und stand einer Frau mit kastanienbraunen Haaren gegenüber, die zu einem nachlässigen Dutt gebunden waren, einzelne Strähnen tanzten um ihr Gesicht. Sie trug ein geblümtes Kleid, kurz genug, um ihre sonnengebräunten Beine zu zeigen, und abgetragene Ledersandalen. Ihre Augen – groß, grün, mit einem neugierigen Funkeln – musterten ihn mit einer Intensität, die ihn für einen Moment den Blick abwenden ließ.
— Ah, nein, danke. Ich bin schon fertig – log er, denn in Wahrheit hatte er noch die Hälfte der Sachen auszuladen, doch etwas an ihrer Gegenwart machte ihn verlegen.
— Clara – sie streckte die Hand aus, und die Geste war so natürlich, dass er nicht ablehnen konnte. – Ihre Nachbarin. Willkommen in der Nachbarschaft.
Der Händedruck war fest, ihre Haut warm. Lucas spürte, wie die Wärme seinen Arm hinaufstieg, ein Kribbeln, das ihn dazu brachte, ihre Hand schneller loszulassen, als er beabsichtigt hatte.
— Lucas.
— Schriftsteller, nicht wahr? – sie neigte den Kopf, als wüsste sie bereits etwas über ihn. – Ich habe die Bücher in den Kisten gesehen. Oder sind Sie nur ein Sammler von Romanen?
Er lachte überrascht.
— Ich bin Schriftsteller, ja. Oder zumindest war ich das, bevor… – er zögerte, doch sie beendete den Satz für ihn.
— Bevor das Leben beschloss, dass Sie ein neues Kapitel brauchen.
Es war ein dummer Satz, einer von denen, die Leute sagen, um die Leere zu füllen, doch die Art, wie sie es sagte – mit einem Lächeln, das nicht nur Höflichkeit war, sondern etwas Tieferes, fast Verschworeneres – ließ es wahr klingen.
— So in etwa – stimmte er zu und blickte zu ihrem Haus hinüber, das seinem glich, aber mit Spitzenvorhängen an den Fenstern und Kräutertöpfen auf der Veranda. – Und Sie? Leben Sie schon lange hier?
— Fünf Jahre. Lang genug, um alle Geheimnisse des Ortes zu kennen. – Sie verschränkte die Arme, und die Bewegung ließ den Stoff des Kleides sich enger um ihre Brüste spannen. Lucas zwang seine Augen, nicht nach unten zu wandern. – Einschließlich der Tatsache, dass der Herr vom Nachbarhaus um drei Uhr morgens seine Pflanzen gießt und dass Dona Maria zwei Straßen weiter den besten Maiskuchen der Gegend backt.
— Und der Ehemann? – Die Frage entschlüpfte ihm, bevor er sie zurückhalten konnte.
Clara blinzelte, als hätte sie das nicht erwartet. Für einen Moment verdunkelte sich ihr Blick, doch dann kehrte das Lächeln zurück, strahlender als zuvor.
— Ricardo reist viel. Er ist Ingenieur, arbeitet an internationalen Projekten. – Sie zuckte mit den Schultern, als würde das alles erklären. – Manchmal glaube ich, er mag Flughäfen mehr als zu Hause.
Lucas wusste nicht, was er sagen sollte. Es ging ihn schließlich nichts an. Doch etwas an der Art, wie sie es sagte – als hätten die Worte einen Beigeschmack von Resignation – ließ ihn unbehaglich werden.
— Nun, wenn Sie etwas brauchen… – sie deutete auf ihr Haus. – Ich bin immer hier. Vor allem morgens, wenn der Kaffee frisch ist.
— Ich werde daran denken.
Sie winkte, ging bereits in Richtung ihrer Veranda, blieb dann aber auf halbem Weg stehen.
— Ach, und Lucas? – rief sie und drehte sich mit einem schelmischen Lächeln um. – Wenn Sie etwas Heißes schreiben, sagen Sie Bescheid. Ich lese gern vor dem Schlafengehen.
Er blieb stehen und beobachtete, wie sie das Haus betrat, das Wiegen ihrer Hüften unter dem Kleid, die Art, wie die Sonne auf ihren nackten Rücken fiel. Als die Tür sich schloss, ließ er die Luft entweichen, die er unwillkürlich angehalten hatte.
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Die erste Nacht im neuen Haus war seltsam. Lucas räumte die Bücher ins Regal, ordnete die Küche, testete die Dusche (das warme Wasser ließ auf sich warten, doch als es kam, fühlte es sich an wie eine Umarmung). Doch selbst nachdem alles eingeräumt war, wirkte das Haus noch leer. Es lag nicht nur am Fehlen neuer Möbel oder Bilder an den Wänden – es war das Gefühl, dass etwas fehlte, etwas, das er nicht benennen konnte.
Er beschloss, einen Tee zuzubereiten. Während das Wasser kochte, schweiften seine Augen zum Küchenfenster, das direkt in den hinteren Garten hinausging. Und dann sah er sie.
Clara saß auf der Holzterrasse, die nackten Füße auf das Geländer gestützt, ein Weinglas in der Hand. Sie trug einen blauen Seidenbademantel, locker um die Taille gebunden, und der Stoff rutschte von ihren Schultern und enthüllte den dünnen Träger eines schwarzen Nachthemds. Sie blickte zum Himmel, als suchte sie etwas zwischen den Sternen, und Lucas fragte sich, ob auch sie dieses Leere spürte, diesen Stich der Einsamkeit, der ihn manchmal mitten in der Nacht weckte.
Er hätte wegschauen sollen. Hätte sich vom Fenster abwenden, die Vorhänge schließen, so tun sollen, als hätte er nichts gesehen. Doch er konnte nicht. Er blieb regungslos stehen, während sie das Glas an die Lippen führte, die Bewegung langsam, bedacht, als wäre jeder Schluck ein Versprechen.
Dann drehte sie den Kopf.
Für einen Moment trafen sich ihre Blicke. Lucas spürte, wie sein Herz schneller schlug, eine Hitzewelle seinen Nacken hinaufstieg. Clara lächelte nicht, winkte nicht. Sie hob nur das Glas zu einem stummen Toast, als wüsste sie, dass er die ganze Zeit dort gestanden hatte, als wäre dies ein Spiel, dessen Regeln sie beide bereits kannten.
Er hob seine Teetasse als Antwort, eine alberne Geste, die jedoch etwas zwischen ihnen besiegelte.
Als sie sich schließlich erhob und das Haus betrat, blieb Lucas in der Küche stehen, der Tee vergessen, die Haut noch kribbelnd von der Berührung ihres Blickes.
Und zum ersten Mal seit Monaten spürte er etwas anderes als Einsamkeit.
Er spürte Begierde.
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Der Supermarkt roch nach frischem Brot und Zitronenreiniger, ein Duft, der ihn immer an die Sonntagsmorgende im Haus seiner Großmutter erinnerte, als die Welt noch einfach schien. Lucas schob den Einkaufswagen mit einer Hand, die andere hielt eine auf einen Zettel gekritzelte Einkaufsliste – Reis, Eier, Kaffee, *Rotwein (optional)*. Er hasste Einkaufen, doch nach drei Tagen von Instantnudeln und Toast gab es keine Ausreden mehr.
Als er um die Ecke der Obst- und Gemüseabteilung bog, sah er sie.
Clara stand mit dem Rücken zu ihm, die kastanienbraunen Haare zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, die hellblaue Leinenbluse vom Nachmittagsheiß klebte an ihrem Körper. Sie wählte Tomaten mit derselben Hingabe, die jemand einem Kunstwerk widmen würde, drehte jede einzelne zwischen den Fingern, drückte leicht auf das Fruchtfleisch, um die Festigkeit zu prüfen. Lucas zögerte, der Einkaufswagen quietschte leise, als er ihn anhielt. Er wollte sie nicht stören, doch er wollte auch nicht unbemerkt vorbeigehen.
— *Ich wette, Sie planen selbstgemachte Tomatensauce* – sagte er, bevor er sich zurückhalten konnte.
Sie drehte sich langsam um, als hätte sie gewusst, dass er dort stand. Ihre Lippen öffneten sich zu einem langsamen Lächeln, die grünen Augen funkelten mit etwas, das Belustigung oder Provokation sein konnte.
— *Und wenn?* – fragte sie und hob eine perfekte Tomate zwischen den Fingern. – *Haben Sie ein geheimes Rezept für mich, Schriftsteller?*
— *Kommt drauf an. Nehmen Sie Ratschläge von jemandem an, der sogar Wasser anbrennen lässt?*
Sie lachte, ein klarer, ansteckender Klang, und für einen Moment verflog das Gewicht der letzten Monate. Clara legte die Tomate in den Einkaufswagen und trat näher, die Schritte leicht, fast tänzerisch.
— *Dann werde ich es Ihnen wohl beibringen müssen. Aber nur, wenn Sie versprechen, meine Küche nicht abzufackeln.*
Er hätte nein sagen sollen. Hätte eine Ausrede erfinden sollen – *Ich habe eine Deadline, muss schreiben, meine Katze ist krank* – irgendetwas, um den Abstand zu wahren, den er sich seit jener Nacht am Fenster auferlegt hatte. Doch die Wahrheit war, dass er keinen Abstand wollte. Nicht, wenn sie ihn so ansah, als wäre er der einzige Mensch in diesem überfüllten Supermarkt.
— *Ich verspreche, nichts in Brand zu stecken* – sagte er, und sie belohnte ihn mit einem weiteren Lächeln.
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Claras Haus roch nach Zimt und frisch gebrühtem Kaffee. Lucas blieb auf der Schwelle stehen, plötzlich bewusst, wie schwer die Entscheidung wog, die er getroffen hatte, als er die Einladung annahm. Der Holzzaun zwischen ihren Gärten wirkte dort niedriger, als könnte man ihn mit einem Stoß umwerfen. Er zog die Schuhe aus, wie sie es ihm aufgetragen hatte, und spürte den kühlen Fliesenboden unter den Füßen.
— *Fühlen Sie sich wie zu Hause* – sagte Clara und verschwand in der Küche. – *Der Kaffee ist gleich fertig.*
Er trat ans Wohnzimmerfenster, dasselbe, durch das er sie so oft beobachtet hatte. Von hier aus konnte er seinen Garten sehen, den Holztisch, an dem er zu schreiben pflegte, den Farn, den er impulsiv gekauft hatte und der langsam einging. Der Zaun teilte die Räume, doch nicht die Blicke. Nicht die Gedanken.
— *Nehmen Sie Zucker?* – ihre Stimme kam aus der Küche, begleitet vom Klirren der Tassen.
— *Ein bisschen* – antwortete er, obwohl es nicht stimmte. Er mochte seinen Kaffee bitter, so wie er die Dinge ungeschminkt mochte. Doch etwas an Clara ließ ihn die Dinge versüßen wollen.
Sie kehrte mit einem Tablett zurück – zwei dampfende Tassen, einen Teller mit buttrigen Keksen, eine Zuckerdose mit einem kleinen Silberlöffel. Sie stellte alles auf den Couchtisch zwischen Sofa und Sessel und setzte sich zuerst, die Beine unter sich gezogen. Das Kleid rutschte ein wenig hoch und enthüllte die sanfte Kurve ihres Oberschenkels.
Lucas setzte sich in den Sessel und hielt einen sicheren Abstand. Oder versuchte es zumindest.
— *Also, Schriftsteller* – sagte sie, nahm die Tasse und blies in den Kaffee, bevor sie einen Schluck trank. – *Was hat Sie in diese so… ruhige Nachbarschaft verschlagen?*
— *Ich brauchte Stille* – antwortete er und spielte mit dem Henkel der Tasse. – *Und einen Neuanfang. Nach der Scheidung wirkte die Stadt… zu laut.*
Sie musterte ihn einen Moment, die grünen Augen aufmerksam, als suchte sie nach etwas jenseits der Worte.
— *Und haben Sie gefunden, wonach Sie gesucht haben?*
— *Ich weiß es noch nicht* – gab er zu. – *Aber ich glaube, ich bin auf dem richtigen Weg.*
Ein langsames Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
— *Oder auf dem falschen* – murmelte sie, und der Tonfall ließ die Luft zwischen ihnen dichter werden.
Er antwortete nicht. Musste er auch nicht.
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Der Kaffee wurde zwischen leichten Gesprächen getrunken – Bücher, Filme, die letzte Staffel einer Serie, die beide hassten –, doch unter jedem Wort lag etwas, eine unterirdische Strömung, die sie näher zueinander zog. Als Clara sich vorbeugte, um einen Keks zu nehmen, streifte ihr Arm seinen, und er spürte die Wärme ihrer Haut selbst durch den Stoff ihrer Bluse.
— *Entschuldigung* – sagte sie, doch sie wich nicht zurück.
— *Nicht nötig* – antwortete er, die Stimme rauer als beabsichtigt.
Sie sah ihn an, die Lippen leicht geöffnet, und für einen Moment dachte er, sie würde etwas sagen. Doch dann klingelte ihr Telefon, ein schriller Ton, der den Moment wie ein Messer durchschnitt. Clara runzelte die Stirn, als sie den Namen auf dem Display sah.
— *Es ist mein Mann* – sagte sie, und der Name hing schwer und unbehaglich zwischen ihnen. – *Ich bin gleich zurück.*
Sie nahm den Anruf entgegen, während sie sich entfernte, die Stimme leise, fast unhörbar. Lucas blieb allein im Wohnzimmer zurück, der Kaffee vergessen in der Tasse, das Herz schneller schlagend, als es sollte. Er blickte erneut aus dem Fenster, zum Zaun, zu seinem Garten, zu dem Tisch, auf dem sein Laptop an diesem Morgen offen stehen geblieben war. Er konnte den letzten Satz sehen, den er geschrieben hatte: *"Die Begierde ist eine verräterische Sache. Sie versteckt sich im Schatten, bis man sie nicht mehr ignorieren kann."*
— *Entschuldige* – sagte Clara, als sie ins Wohnzimmer zurückkehrte. – *Er wollte nur wissen, ob ich den Wein besorgt habe, den er bestellt hatte.*
— *Alles in Ordnung* – antwortete Lucas, obwohl es das nicht war.
Diesmal setzte sie sich näher zu ihm, nicht in den Sessel, sondern auf das Sofa, nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. Ihr Parfüm – etwas Blumiges mit einer Note Vanille – erfüllte die Luft zwischen ihnen.
— *Wo waren wir stehengeblieben?* – fragte sie, die Stimme sanft, fast ein Flüstern.
— *Ich glaube, wir waren kurz davor, einen Fehler zu begehen* – sagte er, und die Worte kamen heraus, bevor er sie zurückhalten konnte.
Sie wich nicht zurück. Im Gegenteil, sie lehnte sich noch ein wenig näher, die Augen auf seine gerichtet.
— *Oder vielleicht waren wir kurz davor, etwas zu beginnen, das schon vor langer Zeit hätte beginnen sollen.*
Er hätte aufstehen sollen. Hätte sagen sollen, dass er gehen müsse, dass er ein Kapitel zu beenden habe, dass er das nicht tun könne. Doch als sie die Hand ausstreckte und sein Gesicht berührte, die Finger warm auf seiner Haut, wusste er, dass er nirgendwo hingehen würde.
— *Clara…* – begann er, doch sie unterbrach ihn mit einem Kuss.
Es war kein sanfter Kuss. Er war drängend, hungrig, als hätte auch sie wochenlang darauf gewartet. Ihre Lippen waren weich, doch der Druck war fest, und als ihre Zunge auf seine traf, spürte Lucas, wie die Welt sich neigte. Er zog sie näher zu sich, die Hände glitten über ihren Rücken, spürten die Kurve ihrer Wirbelsäule, ihren beschleunigten Atem.
Sie wich zuerst zurück, die Lippen geschwollen, die Augen dunkel.
— *Der Zaun* – murmelte sie und blickte zum Fenster. – *Er wird uns nie aufhalten.*
Er antwortete nicht. Musste er auch nicht.
Denn in diesem Moment war der Zaun bereits gefallen.
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Der Wind heulte wie ein verletztes Tier, als Clara an Lucas’ Tür klopfte. Drei schnelle, drängende Schläge, gefolgt von einer Pause, die eine Ewigkeit zu dauern schien, bevor sie das Klopfen wiederholte, diesmal fester. Er saß am Küchentisch, die Finger schwebten über der Tastatur des Laptops, der Bildschirm erleuchtete sein Gesicht mit einem bläulichen, kalten Schein. Das Licht der Lampe schwankte im Windstoß, warf tanzende Schatten an die Wände, als würde das Haus selbst atmen.
Als er die Tür öffnete, drang die feuchte Luft des Sturms in den Raum, trug den Geruch von nasser Erde und Ozon mit sich. Clara war durchnässt, die kastanienbraunen Haare klebten an Stirn und Hals, die weiße Bluse haftete wie eine zweite Haut am Körper. Die Regentropfen liefen ihr übers Gesicht, vermischten sich mit den Tränen, die sie mit einem zitternden Lächeln zu verbergen versuchte.
— *Bei mir ist der Strom ausgefallen* – sagte sie, die Stimme vom fernen Donner gedämpft. – *Und der Generator springt nicht an. Ich glaube, die Sicherung ist durchgebrannt.*
Lucas trat zur Seite und ließ sie eintreten. Die Wärme ihres Körpers traf ihn, noch bevor sie die Schwelle überquerte, eine Welle feuchter Hitze, die im Kontrast zur Kälte der Nacht stand. Er schloss die Tür hinter ihr, doch der Wind schien mit eingedrungen zu sein, ließ die Vorhänge wie Geister flattern.
— *Du zitterst* – bemerkte er, die Stimme rau.
Clara verschränkte die Arme, versuchte, das Zittern zu unterdrücken. – *Es ist nur die Kälte.*
Doch das stimmte nicht. Ihre Augen, dunkel und glänzend, verrieten etwas anderes. Angst, vielleicht. Oder etwas Gefährlicheres.
Lucas holte ein Handtuch aus dem Flurschrank und reichte es ihr. Als Clara es nahm, streiften ihre Finger seine, eine kurze Berührung, die jedoch ausreichte, um einen elektrischen Strom durch seinen Arm zu jagen. Sie trocknete zuerst ihr Gesicht, dann die Haare, die Bewegungen langsam, fast träge, als würde sie das Gefühl, umsorgt zu werden, genießen.
— *Ich schau mir mal die Sicherung an* – sagte er und versuchte, die Art zu ignorieren, wie ihre Bluse sich bei jeder Bewegung an ihre Brüste schmiegte. – *Aber du solltest diese nassen Sachen ausziehen.*
Clara hob den Blick, und für einen Moment funkelte etwas zwischen ihnen. Eine Erkenntnis. Eine Einladung.
— *Hast du etwas, das ich anziehen kann?*
Er zögerte, nickte dann und ging ins Schlafzimmer. Er holte ein graues T-Shirt, weich vom vielen Tragen, und eine Jogginghose, die ihr wahrscheinlich zu weit sein würde. Als er ins Wohnzimmer zurückkehrte, stand Clara mitten in der Küche, das Handtuch wie ein Schal um die Schultern gewickelt. Das flackernde Licht der Kerze, die er angezündet hatte, beleuchtete eine Hälfte ihres Gesichts, während die andere im Halbdunkel lag.
— *Hier* – sagte er und reichte ihr die Kleidung.
Sie nahm sie, bewegte sich jedoch nicht. Stattdessen sah sie ihn an, die Lippen leicht geöffnet, als wollte sie etwas sagen. Doch sie sagte nichts. Sie ließ nur das Handtuch zu Boden fallen und begann, ihre Bluse aufzuknöpfen.
Lucas hätte wegschauen sollen. Hätte etwas sagen sollen, irgendetwas, um dieses geladene Schweigen zu brechen. Doch er blieb regungslos stehen, während sich die Knöpfe einer nach dem anderen öffneten und die feuchte, rosige Haut darunter enthüllten. Ihr BH war aus schwarzer Spitze, fast durchsichtig durch die Nässe, und als sie die Bluse von den Schultern gleiten ließ, sah er die Umrisse ihrer harten Brustwarzen unter dem Stoff.
— *Clara…* – murmelte er, doch das Wort erstarb in seiner Kehle.
Sie trat einen Schritt vor, die nackten Füße lautlos auf dem Holzboden. – *Willst du mir nicht helfen?*
Er schluckte. Seine Hände zitterten, als er sie zu ihr führte, die Finger streiften die weiche Haut ihrer Arme, bevor sie zu den Trägern ihres BHs glitten. Der Verschluss war vorne, und er öffnete ihn mit einem leisen Klicken, spürte das Gewicht ihrer Brüste, die sich gegen seine Handflächen befreiten.
Sie stieß einen Seufzer aus, als er sie berührte, die Finger zeichneten langsame Kreise um ihre Brustwarzen, spürten, wie sie sich noch mehr unter seiner Berührung verhärteten. Clara legte den Kopf in den Nacken, die Lippen leicht geöffnet, und er konnte nicht widerstehen. Er beugte sich vor und fing ihren Mund mit seinem ein, küsste sie mit einem Hunger, der ihn selbst überraschte.
Der Kuss war tief, feucht, verzweifelt. Ihre Zungen verschlangen sich, erkundeten, kosteten, während seine Hände über ihren Rücken glitten und sie näher zu sich zogen. Sie stöhnte gegen seinen Mund, ein tiefer, kehliger Laut, der sein Blut in Wallung brachte. Er drückte sie gegen die Wand, die Hände umfassten ihre Hüften, spürten die Kurve ihres Körpers, die sich an seinen schmiegte.
— *Lucas…* – flüsterte sie und wich gerade so weit zurück, um zu atmen. – *Wir können nicht…*
— *Ich weiß* – antwortete er, doch er hörte nicht auf. Er küsste ihren Hals, spürte den salzigen Geschmack von Regen und Schweiß, während seine Hände nach unten glitten und ihren nassen Rock hochschoben.
Sie hielt ihn nicht auf. Stattdessen hob sie ein Bein und schlang es um seine Hüfte, ließ ihn sie fester gegen die Wand drücken. Er konnte ihre Hitze durch den dünnen Stoff ihres Slips spüren, und als seine Finger sie fanden, war sie bereits nass.
— *Verdammt* – stöhnte er, die Stimme rau vor Verlangen.
Clara biss sich auf die Lippe, die Augen geschlossen, die Finger krallten sich in seine Schultern, während er sie berührte, langsam und bedacht, spürte, wie sie unter seinen Händen zitterte. Sie war so nah, so bereit, und er wollte mehr. Er wollte ihren Geschmack spüren, wollte sie seinen Namen schreien hören.
Doch dann durchbrach ein Geräusch die Luft.
Das Brummen eines Motors. Das Quietschen von Reifen auf nassem Asphalt.
Clara stieß Lucas mit Kraft von sich, die Augen weit aufgerissen. – *Das ist er.*
Er wich zurück, das Herz schlug so heftig, als würde es gleich zerspringen. Clara bückte sich, um das Handtuch vom Boden aufzuheben, wickelte es mit fahrigen Bewegungen um ihren Körper, während sich die Garagentür ihres Hauses mit einem metallischen Quietschen öffnete.
— *Mein Gott* – flüsterte sie, die Stimme zitterte. – *Er darf mich nicht so sehen.*
Lucas blickte zum Fenster. Der Regen fiel noch immer in dichten Vorhängen, doch durch ihn hindurch war die Silhouette eines Mannes zu erkennen, der aus dem Auto stieg, den Kopf gegen den Wind gesenkt.
— *Geh ins Badezimmer* – sagte er, hob ihre Kleidung vom Boden auf und reichte sie ihr. – *Schnell.*
Sie nickte, die Augen noch immer auf ihn gerichtet, als wollte sie sich jedes Detail seines Gesichts einprägen. Dann, ohne ein weiteres Wort, rannte sie den Flur entlang, die nackten Füße lautlos auf dem Boden.
Lucas blieb in der Küche stehen, der Atem ging schnell, der Körper pochte noch vor Verlangen. Er hörte, wie sich die Haustür nebenan öffnete, die tiefe Stimme von Claras Ehemann durch den Garten hallte.
— *Clara? Bist du da?*
Er schloss die Augen und versuchte, sich zu beruhigen. Doch als er sie wieder öffnete, sah er etwas auf dem Boden liegen. Ihr Slip, schwarz und spitzenbesetzt, vergessen in der Eile.
Er hob ihn auf, spürte den feuchten Stoff zwischen den Fingern, und steckte ihn in die Tasche seiner Hose.
Der Sturm tobte noch immer draußen, doch der wahre Sturm stand erst bevor.
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Das erste Mal war in seinem Schlafzimmer, zwischen vier Wänden, die noch nach frischer Farbe und Einsamkeit rochen. Clara kam durch die Hintertür, wie verabredet, die Schritte leicht auf dem nassen Gras, das Sommerkleid klebte an ihrer Haut durch die feuchte Hitze des Nachmittags. Lucas erwartete sie mit halb geöffnetem Fenster, die Klimaanlage summte leise, eine Flasche Rotwein stand bereits geöffnet auf dem Nachttisch. Sie trat ein, ohne ein Geräusch zu machen, schloss die Tür hinter sich mit einem leisen Klicken, und für einen Moment standen sie da, sahen sich an, als könnten sie nicht glauben, dass dies wirklich geschah.
— Hast du abgeschlossen? – fragte er, die Stimme rau.
— Ja. – Sie biss sich auf die Unterlippe, die Augen wanderten über seinen Körper, der nur eine weite Jogginghose trug. – Und die Vorhänge zugezogen.
Er nickte, doch keiner von beiden bewegte sich. Die Stille zwischen ihnen war dicht, erfüllt von allem, was sie noch nicht gesagt hatten. Dann trat Clara einen Schritt vor, dann noch einen, bis ihre Hände seine Brust fanden, die Finger flach auf der warmen Haut. Lucas stieß einen zitternden Seufzer aus, als hätte er tagelang die Luft angehalten, und zog sie an sich, ihre Lippen trafen sich in einem Kuss, der langsam begann, fast schüchtern, sich aber schnell in etwas Drängenderes, Hungrigeres verwandelte.
Seine Hände glitten über ihren Rücken, zogen den Reißverschluss ihres Kleides nach unten, während ihre sich in seinen Haaren verhedderten und ihn näher zu sich zogen. Der Stoff fiel zu Claras Füßen, ließ sie nur in schwarzer Unterwäsche zurück, derselben, die er in der Nacht des Sturms in seiner Tasche aufbewahrt hatte. Lucas stöhnte gegen ihren Mund, der Laut gedämpft, und schob sie sanft aufs Bett, bedeckte ihren Körper mit seinem.
— Bist du sicher? – murmelte er, die Lippen streiften ihr Ohr, der Atem heiß.
— Ja. – Das Wort kam wie ein Seufzer, und Clara bog sich ihm entgegen, die Nägel gruben sich in seine Schultern. – Aber es muss schnell gehen.
Er lachte leise, ein dunkler, vielversprechender Klang. – Schnell ist nicht mein Stil.
Und dann gab es keine Worte mehr. Nur das Geräusch des beschleunigten Atems, das Knarren des Bettes, das Rascheln der Laken. Lucas erkundete jeden Zentimeter von ihr mit Händen, Lippen, Zunge, als wollte er sich jede Kurve, jede Reaktion einprägen. Clara wand sich unter ihm, die gedämpften Stöhnen gegen das Kissen, die Beine schlangen sich um seine Hüften. Als er schließlich in sie eindrang, war es mit quälender Langsamkeit, die Augen auf ihre gerichtet, beobachtete er jeden Ausdruck von Lust, der über ihr Gesicht huschte.
— Verdammt, Clara… – flüsterte er, die Stimme gebrochen, während er sich zu bewegen begann, jeder Stoß tiefer als der vorherige.
Sie biss sich auf die Lippe, um nicht zu schreien, die Nägel hinterließen rote Spuren auf seinen Armen. – Fester – bat sie, die Stimme fast ein Stöhnen. – Bitte.
Er gehorchte, die Hüften schlugen gegen ihre in einem Rhythmus, der sie atemlos machte, der Schweiß rann zwischen ihren Körpern. Das Bett knarrte, das Geräusch wurde vom Regen gedämpft, der draußen zu fallen begann, als würde auch der Himmel an diesem verbotenen Moment teilnehmen. Clara kam zuerst, ihr Körper zog sich in Krämpfen um ihn zusammen, die Lippen öffneten sich zu einem stummen Schrei. Lucas folgte ihr kurz darauf, vergrub das Gesicht in ihrem Hals, während er sich gehen ließ, der Körper bebte unter der Wucht des Orgasmus.
Für einen langen Moment blieben sie regungslos liegen, die Körper ineinander verschlungen, der Atem beruhigte sich allmählich. Dann lachte Clara leise, ein sanfter, fast ungläubiger Laut.
— Das war… – begann sie, beendete den Satz jedoch nicht.
— Ich weiß – antwortete er und küsste ihre Schulter, schmeckte den salzigen Schweiß auf der Zunge.
Sie drehte sich zu ihm um, die Augen leuchteten mit etwas, das über die Lust hinausging. – Wir können das nicht noch einmal tun.
Lucas hob eine Augenbraue, ein ironisches Lächeln auf den Lippen. – Das sagst du jetzt.
— Im Ernst. – Sie setzte sich auf und zog das Laken über ihren Körper, als würde sie sich plötzlich daran erinnern, wo sie war. – Wenn uns jemand sieht…
— Niemand wird uns sehen – unterbrach er sie und zog sie zurück in seine Arme. – Und wenn doch, leugnen wir es.
Clara seufzte, doch sie wehrte sich nicht, als er sie erneut küsste, die Hände bereits wieder ihren Körper erkundeten. – Das ist Wahnsinn.
— Ja – stimmte er zu, die Lippen glitten über ihren Hals. – Aber es ist der beste Wahnsinn, den ich je erlebt habe.
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Die folgenden Treffen waren von derselben Dringlichkeit geprägt, von demselben verzweifelten Bedürfnis, sich zu berühren, sich lebendig zu fühlen. Sie trafen sich an verschiedenen Orten – in seinem Schlafzimmer, in ihrem Garten, wenn der Ehemann verreist war, sogar in Lucas’ Auto, das in einer verlassenen Straße am Rande der Nachbarschaft geparkt war. Jedes Mal war es intensiver, riskanter, als würden sie gegen die Zeit, gegen die Möglichkeit, entdeckt zu werden, ankämpfen.
Eines Nachmittags erschien Clara mit einer Einkaufstasche bei ihm.
— Was ist das? – fragte Lucas und beobachtete, wie sie Flaschen mit Massageöl, Duftkerzen und ein Glas herausholte, das wie Honig aussah.
— Wir machen das richtig – sagte sie mit einem schelmischen Lächeln. – Ohne Eile.
Er widersprach nicht. Er ließ sich von ihr ins Schlafzimmer führen, wo die Kerzen bereits brannten und der Duft von Lavendel die Luft erfüllte. Clara schob ihn aufs Bett und zog sein Hemd mit langsamen, bedachten Bewegungen aus. Dann nahm sie das Honigglas und goss etwas auf seine Brust, beobachtete, wie die goldene Flüssigkeit über seine definierten Muskeln lief.
— Du bist verrückt – murmelte er, machte jedoch keine Anstalten, sie aufzuhalten.
— Pssst – flüsterte sie, beugte sich vor und leckte den Honig ab, die Zunge heiß und feucht auf seiner Haut. – Fühl einfach.
Und er fühlte. Jede Berührung, jede Liebkosung, jedes Lecken war wie ein Funke, der etwas in ihm entzündete, das nicht mehr zu kontrollieren war. Clara massierte ihn mit dem Öl, die Hände glitten über seinen Körper, erkundeten jeden Zentimeter mit einer Geduld, von der er nicht wusste, dass sie sie besaß. Als sie sich schließlich auf ihn setzte, war es mit quälender Langsamkeit, die Hüften bewegten sich in trägen Kreisen, die Augen auf seine gerichtet.
— Gefällt es dir, mich so zu sehen? – fragte sie, die Stimme leise, fast ein Flüstern. – Außer Kontrolle?
— Ja – gab er zu, die Hände umfassten ihre Hüften fester und führten sie in einen schnelleren Rhythmus. – Verdammt, ja.
Sie lachte, ein sanfter, zufriedener Laut, und beugte sich vor, um ihn zu küssen, die Lippen süß vom Honig. – Dann genieß es.
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Doch nicht alles war Lust. Es gab Momente, in denen die Schuld sie wie eine eiskalte Welle traf, erstickend. Clara kam mit geröteten Augen, als hätte sie geweint, und Lucas fragte nicht nach. Er zog sie einfach in seine Arme und küsste sie, bis sie vergaß, bis die gedämpften Stöhnen gegen das Kissen das Einzige waren, das zählte.
Eines Nachts, nach einem besonders intensiven Treffen, setzte sich Clara auf die Bettkante, die Knie an die Brust gezogen, die Augen auf die Wand gerichtet.
— Ich kann das nicht mehr tun – sagte sie, die Stimme gebrochen.
Lucas trat näher und legte einen Arm um sie. – Warum nicht?
— Weil ich verheiratet bin, Lucas. – Sie drehte sich zu ihm um, die Augen voller Tränen. – Und selbst wenn er mich seit Monaten nicht mehr berührt, selbst wenn ich nichts für ihn empfinde, ändert das nichts daran, dass ich ihn betrüge.
Er wusste nicht, was er sagen sollte. Ein Teil von ihm wollte schreien, dass sie mehr verdiente, dass sie jemanden verdiente, der sie so begehrte wie er, der sie so berührte wie er. Doch ein anderer Teil verstand es. Denn auch er spürte die Schuld, das Gewicht des Wissens, dass er eine andere Person dazu brachte, Versprechen zu brechen, die einst wichtig gewesen waren.
— Was soll ich tun? – fragte er schließlich.
Clara schüttelte den Kopf, eine Träne lief ihr über die Wange. – Ich weiß es nicht. Ich… weiß es einfach nicht.
Er zog sie näher zu sich, küsste ihre Stirn, ihre Augenlider, ihre Lippen. – Lass uns später darüber nachdenken – murmelte er. – Jetzt bleib einfach hier bei mir.
Und sie blieb. Denn trotz allem war das Verlangen stärker als die Schuld. Stärker als die Angst. Stärker als alles andere.
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In der folgenden Woche trafen sie sich in ihrem Garten, unter dem Schutz der Veranda, während der Ehemann bei der Arbeit war und der Regen in dicken silbernen Vorhängen fiel. Clara zog ihn ins Haus, die Lippen bereits auf seinen, die Hände verzweifelt bemüht, seine Kleidung auszuziehen. Sie schafften es kaum bis ins Wohnzimmer, bevor sie auf das Sofa fielen, die Körper bewegten sich in einem frenetischen Rhythmus, als wüssten sie, dass dies das letzte Treffen sein könnte.
Als sie fertig waren, blieben sie keuchend liegen, die Körper ineinander verschlungen, der Schweiß vermischt mit dem Regen, der noch immer draußen fiel. Clara zeichnete mit den Fingerspitzen träge Kreise auf seine Brust, die Augen auf die Decke gerichtet.
— Und wenn wir entdeckt werden? – fragte sie leise.
Lucas antwortete nicht sofort. Stattdessen drehte er sich zu ihr um, die Augen ernst. – Dann gehen wir damit um.
Sie lächelte, doch es lag keine Freude darin. – Du machst es so einfach klingen.
— Ist es nicht. – Er hielt ihr Gesicht zwischen den Händen, die Daumen strichen über ihre Wangen. – Aber es lohnt sich.
Clara schloss die Augen und legte die Stirn an seine. – Lohnt es sich?
— Ja – flüsterte er. – Jede Sekunde.
Und in diesem Moment, mit dem Regen, der gegen die Fenster schlug, und dem Geruch von Sex in der Luft, glaubte sie ihm fast. Fast.
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Das Nachbarschaftsfest dauerte bereits Stunden, als Clara auf der hinteren Veranda erschien, das marineblaue Kleid klebte wie eine zweite Haut an ihrem Körper, die offenen Haare wehten im Nachtwind. Sie hielt ein fast leeres Weinglas in der Hand, die Lippen leicht vom dunklen Wein befleckt, und ihre Augen suchten etwas – oder jemanden – zwischen den Schatten des Gartens. Lucas stand dort, lehnte an einem Baum und beobachtete sie mit der Intensität eines Mannes, der jede Kurve dieses Körpers, jeden Seufzer, den sie ausstieß, wenn er sie berührte, bereits kannte.
Die Luft roch nach frisch gemähtem Gras und dem süßen Rauch der Grills, vermischt mit Claras Parfüm, einem zitrusartigen Duft, der ihn immer benommen machte. Sie lächelte, als sie ihn sah, ein langsames, fast träges Lächeln, als wüsste sie genau, was er dachte. Und er tat es. Er dachte daran, wie es wäre, sie hinter diesen Baum zu ziehen, wie seine Finger sich im dünnen Stoff ihres Kleides verlieren würden, wie sie gegen seinen Mund stöhnen würde, wenn er sie dort küsste, wo jeder sie sehen könnte.
— Du versteckst dich – sagte sie und trat näher. Die Stimme war leise, rau, als würde sie bereits das Kommende vorwegnehmen.
— Und du suchst Ärger – antwortete er und streckte die Hand aus, um ihre zu berühren. Die Finger verschränkten sich für einen Moment, eine schnelle Berührung, die jedoch ausreichte, um sein Blut in Wallung zu bringen.
Clara lachte, ein leiser Klang, der im Lärm des Festes unterging. – Vielleicht mag ich Ärger.
Sie wartete nicht auf eine Antwort. Mit einer schnellen Bewegung zog sie ihn an der Hand und führte ihn weg von den Lichtern der Veranda, in die dunkelste Ecke des Gartens, wo die Bäume einen dichten Vorhang bildeten und das Mondlicht kaum hindurchdrang. Der Klang der Musik und der Lachen wurde gedämpft, als hätte die Welt draußen aufgehört zu existieren. Übrig blieben nur sie, der Geruch feuchter Erde und die Hitze ihrer so nahen Körper.
— Hier – flüsterte sie und drückte ihn gegen den Baumstamm. – Niemand wird uns sehen.
Er brauchte keine weitere Aufforderung. Ihre Hände waren bereits auf seiner Brust, glitten nach unten, bis sie den Saum seines Hemdes fanden und es aus der Hose zogen. Claras Finger waren flink, ungeduldig, als könnte auch sie nicht länger warten. Lucas hielt ihr Gesicht zwischen den Händen und küsste sie, ein tiefer, hungriger Kuss, der sie beide gegen den Mund des anderen stöhnen ließ. Ihre Zunge war heiß, fordernd, und er verschlang sie, als wäre es das Letzte, was er im Leben tun würde.
— Du hast keine Ahnung, wie sehr ich dich will – murmelte er gegen ihre Lippen, die Hände glitten nach unten, umfassten ihre Taille und zogen sie näher zu sich. Ihr Körper schmiegte sich an seinen, weich und geschmeidig, und er spürte die Hitze zwischen ihren Beinen selbst durch den Stoff ihres Kleides.
— Doch – antwortete sie atemlos. – Denn ich will dich genauso.
Clara wich gerade so weit zurück, um ihr Kleid hochzuziehen und die nackten Oberschenkel zu enthüllen, die blasse Haut schimmerte im schwachen Mondlicht. Sie trug keinen Slip. Lucas schluckte trocken, die Augen auf sie gerichtet, der Mund trocken vor Verlangen. Mit einer schnellen Bewegung setzte sie sich auf ihn, die Beine um seine Hüften geschlungen, das Kleid um die Hüften gerafft. Die raue Rinde des Baumes kratzte über seinen Rücken, doch er spürte es kaum. Alles, was zählte, war die feuchte Hitze zwischen ihren Beinen, die Art, wie sie sich an ihm rieb, die leisen Stöhnen, die ihrer Kehle entwichen.
— Verdammt, Clara – knurrte er, die Hände umfassten ihre Hüften fester und führten ihre Bewegungen. – Du bringst mich um.
Sie lachte, ein rauer, gefährlicher Klang, und biss sich auf die Unterlippe. – Nur wenn du aufhörst.
Er hörte nicht auf. Ihre Hände waren an seinem Gürtel, öffneten ihn mit Dringlichkeit, und dann war seine Hose offen, die Erektion frei, pulsierte gegen Claras weiche Haut. Sie verlor keine Zeit. Mit einer schnellen Bewegung ließ sie sich auf ihn sinken, nahm ihn ganz in sich auf, und beide stöhnten gleichzeitig, der Lust so intensiv, dass es fast schmerzte.
— Ja – flüsterte sie, die Nägel gruben sich in seine Schultern. – So.
Lucas hielt ihre Hüften fester, half ihr, sich zu bewegen, auf und ab in einem Rhythmus, der sie verrückt machte. Das Geräusch ihrer feuchten, verzweifelten Körper vermischte sich mit dem Rascheln der Blätter und dem fernen Gemurmel des Festes. Jeder Stoß war tiefer, intensiver, als würden sie versuchen, zu einem einzigen Wesen zu verschmelzen. Clara warf den Kopf zurück, die Haare fielen ihr in Kaskaden über den Rücken, und er nutzte die Gelegenheit, um ihren Hals zu küssen, die empfindliche Haut zu knabbern, den salzigen Geschmack ihres Schweißes zu spüren.
— Du bist so gut – murmelte er, die Stimme rau. – So eng… verdammt.
Sie antwortete nicht mit Worten. Stattdessen beschleunigte sie den Rhythmus, die Bewegungen wurden frenetischer, verzweifelter. Lucas spürte, wie sich der Orgasmus näherte, eine heiße, überwältigende Welle, die von der Basis seiner Wirbelsäule ausging und sich im ganzen Körper ausbreitete. Er versuchte, sich zurückzuhalten, wollte, dass es für immer dauerte, doch Clara war unerbittlich. Mit einem langen, kehligen Stöhnen kam sie, ihr Körper bebte über ihm, die inneren Muskeln zogen sich fest um ihn zusammen.
Es war zu viel. Mit einem Knurren drehte Lucas sie um, drückte sie gegen den Baum, die Hände hielten ihre Handgelenke über ihrem Kopf. Er drang erneut in sie ein, hart, ein-, zwei-, dreimal, bis sein eigener Orgasmus ihn wie ein Blitz traf, ihn atemlos zurückließ, die Knie fast nachgaben.
Für einen Moment blieben sie regungslos stehen, die Körper noch vereint, der Atem ging schnell. Clara lehnte die Stirn an seine Brust, die Lippen leicht geöffnet, die Augen geschlossen. Lucas ließ ihre Handgelenke los und umarmte sie, zog sie näher zu sich, als wollte er sie für immer dort behalten.
— Das war… – begann sie, beendete den Satz jedoch nicht.
— Wahnsinn – beendete er und küsste ihren Scheitel.
— Ja. – Sie seufzte. – Aber ich will nicht, dass es aufhört.
Lucas sagte nichts. Stattdessen hielt er ihr Gesicht zwischen den Händen und küsste sie erneut, ein langsamer, tiefer Kuss, voller unausgesprochener Versprechen. Als sie sich voneinander lösten, funkelte etwas in Claras Augen, das über das Verlangen hinausging. Etwas Gefährlicheres.
— Was machen wir jetzt? – fragte sie leise.
Er hatte keine Antwort. Oder besser gesagt, er hatte eine, doch es war keine Antwort, die sie hören wollte. Noch nicht.
— Wir leben – sagte er schließlich. – Einen Tag nach dem anderen.
Clara lächelte, doch in ihren Augen lag ein Schatten des Zweifels. – Und wenn das nicht reicht?
Lucas antwortete nicht. Stattdessen zog er sie näher zu sich, die Lippen fanden die ihren erneut. Denn in diesem Moment waren Worte nicht nötig. Was sie hatten, war größer als jede Erklärung.
Sie blieben dort, umarmt, bis die Geräusche des Festes wieder in ihr Bewusstsein drangen. Jemand rief Claras Namen aus der Ferne, und die beiden wichen schnell voneinander, richteten ihre Kleidung mit zitternden Händen. Sie strich ihr Kleid glatt, versuchte, ihre Fassung wiederzugewinnen, doch ihre Lippen waren noch geschwollen, die Augen funkelten mit einer Intensität, die nicht unbemerkt bleiben würde.
— Ich gehe zuerst – sagte sie und sah ihn mit einem Ausdruck an, der Angst und Erregung mischte. – Warte ein paar Minuten.
Lucas nickte und beobachtete, wie sie sich entfernte, die Hüften leicht wiegend, als würde sie noch immer sein Gewicht in sich spüren. Als sie zwischen den Bäumen verschwand, lehnte er den Kopf gegen den Stamm und schloss die Augen, versuchte, sein noch immer rasendes Herz zu beruhigen.
Er wusste, dass er nicht mehr zurückkonnte. Und zum ersten Mal wollte er das auch nicht.
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Der feine Morgenregen rann an den Fenstern von Lucas’ Haus herab und zeichnete krumme Linien auf das Glas, als würde die Zeit zögern, weiterzugehen. Er saß am Küchentisch, die Finger trommelten auf die bereits kalte Kaffeetasse, die Augen auf den Zaun gerichtet, der seinen Garten von Claras trennte. Das abgenutzte Holz, an einigen Stellen gesplittert, wirkte zerbrechlicher denn je – als würde ein einziger Stoß genügen, um ihn zusammenbrechen zu lassen und all die Lügen mitzureißen, die sie gesponnen hatten.
Das Handy vibrierte neben seiner linken Hand. Eine Nachricht von ihr: *"Ich muss dich sehen. Heute. Bevor ich den Mut verliere."*
Er schloss die Augen für einen Moment und spürte das Gewicht dieser Worte. Es war nicht mehr nur Verlangen. Es war etwas, das schmerzte, das die Brust wie eine unsichtbare Hand zusammendrückte. Er stand auf, wusch die Tasse mit langsamen, bedachten Bewegungen, als könnte das Aufschieben des Unvermeidlichen etwas ändern. Als er in den Garten hinaustrat, war die Luft feucht, der Geruch nasser Erde vermischte sich mit dem zitrusartigen Parfüm, das Clara immer in ihrem Gefolge hinterließ.
Sie stand am Zaun, die Arme vor der Brust verschränkt, die Finger um ihre eigenen Ellbogen geklammert. Sie trug ein leichtes Kleid mit dünnen Trägern, das die Kurve ihrer Schultern und das Schlüsselbein betonte – dasselbe Schlüsselbein, das er so oft geküsst hatte, als könnte er seinen Namen dort einprägen. Die offenen Haare fielen in dunklen Wellen über ihren Rücken, und als sie ihn sah, öffneten sich ihre Lippen, doch kein Wort kam heraus.
— Du bist gekommen – sagte sie schließlich, die Stimme leise, fast vom Wind verschluckt.
— Natürlich bin ich gekommen.
— Ich wusste nicht, ob du kommen würdest.
— Ich komme immer.
Sie lachte kurz, ohne Humor. – Nicht davon rede ich.
Lucas trat näher, bis nur noch der Zaun sie trennte. Er streckte die Hand aus, die Finger strichen über das raue Holz, als könnte er ihre Wärme auf der anderen Seite spüren. – Ich weiß.
Clara schloss die Augen für einen Moment, als würde sie Kraft sammeln. Als sie sie wieder öffnete, lag eine Entschlossenheit in ihnen, die er zuvor nicht gesehen hatte. – Ich habe mit ihm gesprochen.
Die Worte fielen wie Steine zwischen sie. – Und?
— Und es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. – Sie biss sich auf die Unterlippe, eine Geste, die er gut kannte, ein Zeichen dafür, dass sie gegen die Tränen kämpfte. – Er schien nicht einmal überrascht. Er sagte, er wüsste es schon. Dass er es schon lange wüsste.
— Er hat das gesagt?
— Ja. – Clara stieß einen zitternden Seufzer aus. – Er sagte, er würde lieber so tun, als sähe er es nicht, weil es so einfacher wäre. Dass er nicht verlieren wollte, was wir haben.
Lucas spürte eine Welle der Wut in seiner Kehle aufsteigen. – Und was *hast* du, Clara? Was gibt er dir, außer Schweigen und Abwesenheit?
Sie antwortete nicht sofort. Stattdessen streckte sie die Hand durch die Latten des Zauns, die Finger suchten die seinen. Als sie sich berührten, war es, als würde ein Stromkreis geschlossen. – Nichts – gab sie zu, die Stimme gebrochen. – Er gibt mir nichts. Nicht mehr.
Er verschränkte seine Finger mit ihren und zog sie näher zu sich, bis das Holz des Zauns gegen ihre Brüste und Hüften drückte. – Warum bleibst du dann noch dort?
— Weil ich Angst hatte. – Ihre Augen glänzten feucht. – Angst, egoistisch zu sein. Angst, zu verletzen. Angst, herauszufinden, dass das, was wir haben, nicht echt ist.
— Clara. – Er ließ ihre Hand los, nur um ihr Gesicht zu halten, die Daumen wischten die Tränen weg, die ihr über die Wangen liefen. – Glaubst du, das hier ist eine Lüge?
Sie schloss die Augen und lehnte die Stirn an seine, obwohl der Zaun sie noch immer trennte. – Nein. Aber ich weiß nicht, ob ich damit leben kann.
— Dann lebe nicht damit. – Seine Stimme klang schroffer als beabsichtigt. – Lebe nicht mit der Hälfte von etwas. Lebe nicht mit Brosamen. Du verdienst mehr.
Sie stieß ein ersticktes Schluchzen aus, die Finger krallten sich in sein Hemd. – Und wenn ich nicht weiß, wie?
— Ich bringe es dir bei.
Für einen langen Moment blieben sie so, atmeten dieselbe Luft, die Körper gegen den Zaun gepresst, als könnten sie ihn durch die Kraft des Verlangens durchbrechen. Dann wich Clara zurück und wischte sich mit dem Handrücken über das Gesicht. – Ich muss gehen. Er ist zu Hause.
Lucas spürte, wie sich seine Brust zusammenzog. – Wann wirst du mit ihm sprechen?
— Heute. – Sie atmete tief durch. – Heute beende ich das.
Er nickte, obwohl jede Faser seines Körpers schrie, sie aufzuhalten, sie auf seine Seite des Zauns zu ziehen und nie wieder gehen zu lassen. – Ich werde hier sein.
Clara lächelte, ein zerbrechliches, aber ehrliches Lächeln. – Ich weiß.
Sie drehte sich um, um zu gehen, blieb aber nach ein paar Schritten stehen. – Lucas?
— Ja?
— Wenn ich heute Nacht an deine Tür klopfe, lässt du mich dann herein?
Er zögerte nicht. – Immer.
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Die Nacht brach langsam herein, als würde der Himmel zögern, der Dunkelheit Platz zu machen. Lucas ging im Wohnzimmer auf und ab, die Hände in den Taschen, die Ohren gespitzt auf jedes Geräusch von der Straße. Die Uhr an der Wand zeigte halb elf. Dann elf. Dann halb zwölf.
Er hatte bereits zwei Gläser Whisky getrunken, doch der Alkohol brannte nicht mehr wie früher. Er hinterließ nur einen bitteren Geschmack im Mund, ein Gefühl der Leere im Magen. Als es an der Tür klopfte, raste sein Herz.
Er öffnete, ohne nachzudenken.
Clara stand da, die Augen gerötet, das Gesicht blass. Sie trug einen langen Mantel über dem Pyjama, die Füße nackt, die Nägel in einem dunklen Rot lackiert, das er gut kannte. Sie sagte nichts. Sie trat nur ein, schloss die Tür hinter sich mit einem leisen Klicken und drehte sich dann zu ihm um, die Lippen zitterten.
— Es ist vorbei – flüsterte sie.
Lucas fragte nicht, ob es ihr gut ging. Er fragte nicht, wie es gewesen war. Er wusste, dass es keine Rolle spielte. Stattdessen streckte er die Hand aus, und als sie sie ergriff, zog er sie an sich, umarmte sie mit einer Umarmung, die alles sagte, was Worte nicht konnten.
Sie vergrub das Gesicht an seiner Brust, die Schultern zuckten in stummen Schluchzern. Er streichelte ihr Haar, küsste ihre Stirn, flüsterte sinnlose Dinge – Versprechen, Entschuldigungen, Schwüre, die keiner von ihnen hören musste. Als sie den Kopf hob, die Augen noch feucht, aber nun mit einer Entschlossenheit, die ihn den Atem anhalten ließ, wusste er, dass sich etwas für immer verändert hatte.
— Ich will mich nicht mehr verstecken – sagte sie, die Stimme fest. – Ich will keine Angst mehr haben.
— Dann hab keine.
Sie hielt sein Gesicht zwischen den Händen, die Daumen strichen über seine Wangenknochen, als wollte sie sich jedes Detail einprägen. – Ich will dich. Ganz dich. Nicht nur die Stücke, die wir im Dunkeln stehlen.
Lucas spürte, wie etwas in ihm zerbrach – etwas Altes, Rostiges, das nicht mehr gebraucht wurde. Er zog sie näher zu sich, bis sich ihre Körper perfekt aneinanderschmiegten, als wären sie dafür gemacht. – Du hast mich.
Und dann, zum ersten Mal, küssten sie sich ohne Eile. Ohne Angst. Ohne den Schatten eines anderen, der über ihnen schwebte. Ihre Lippen waren weich, warm, und als ihre Zunge die seine fand, war es, als würde sich die ganze Welt auf diesen Moment, diese Berührung, diesen Geschmack reduzieren.
Er hob sie auf die Arme und trug sie zum Sofa, wo er sie behutsam hinlegte, als wäre sie aus Glas. Clara zog sein Hemd über den Kopf, die Finger zeichneten die Muskeln seiner Brust, die alten Narben, die Geschichten erzählten, die sie noch nicht kannte. Er tat dasselbe mit ihr, schob den Mantel von ihren Schultern, zog den Träger ihres Pyjamas nach unten und entblößte die nackte Haut unter seinen Berührungen.
— Du bist wunderschön – murmelte er, der Mund glitt über ihren Hals, ihre Brüste, ihren Bauch, bis seine Lippen die Hitze zwischen ihren Beinen fanden. Clara bog den Rücken durch, ein Stöhnen entwich ihrer Kehle, die Hände vergruben sich in seinen Haaren.
— Lucas… bitte…
Er ließ sie nicht warten. Er kam wieder nach oben, küsste sie tief, während seine Hände jeden Zentimeter ihrer Haut erkundeten, jede Kurve, jedes Geheimnis, das sie so lange gehütet hatte. Als er schließlich in sie eindrang, war es mit bedachter Langsamkeit, als wollte er diesen Moment für immer in seinem Gedächtnis festhalten.
Clara schlang die Beine um seine Hüften und zog ihn tiefer in sich, die Hüften bewegten sich in einem Rhythmus, der gleichzeitig vertraut und neu war. Sie waren keine heimlichen Liebhaber mehr. Sie waren keine Gefangenen verstohlener Blicke und halb geöffneter Türen. Sie waren nur sie beide, einander hingegeben, ohne Barrieren, ohne Lügen.
— Ich liebe dich – flüsterte sie, die Nägel gruben sich in seinen Rücken.
Lucas vergrub das Gesicht in ihrem Hals, schmeckte den salzigen Geschmack ihrer Haut, den Duft ihres Parfüms vermischt mit Schweiß. – Ich liebe dich auch.
Und als sie den Höhepunkt erreichten, war es, als würde die ganze Welt in Farben explodieren – rot, golden, ein Feuer, das brannte, ohne zu zerstören. Sie blieben so liegen, ineinander verschlungen, die Körper noch bebend, die Herzschläge beruhigten sich allmählich.
Clara kuschelte sich an ihn, der Kopf lag auf seiner Brust. – Was machen wir jetzt?
Lucas küsste ihren Scheitel und spürte ihr Gewicht, ihre Wärme, die Realität, dass sie wirklich da war, ohne sich verstecken zu müssen. – Jetzt leben wir.
Sie lächelte an seiner Haut. – Zusammen?
— Immer.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte keiner von beiden Angst vor dem Morgen.