Grenzen der Begierde
Von Tonkix

**Grenzen der Begierde**
Der Umzugslaster hielt vor dem Haus Nummer 12 mit einem schweren Seufzen der Bremsen, als wüssten sogar die Gegenstände, dass dies nicht nur eine weitere Adresse war. Lucia stieg aus dem Auto, noch bevor die Männer mit dem Ausladen der Möbel begannen, ihre feinen Absätze versanken leicht im frisch gemähten Rasen des Vorgartens. Die Nachbarschaft atmete Stille – nicht die Leere verlassener Straßen, sondern die dichte Ruhe derer, die zwischen jahrhundertealten Bäumen und niedrigen Mauern leben, wo selbst der Wind sich diskret zu bewegen schien.
Sie rückte den Riemen ihrer Tasche auf der Schulter zurecht, die Finger streiften den rauen Stoff des Blazers, den sie trotz der späten Nachmittagshitze trug. Das Haus, in strahlendem Weiß gestrichen, das im Licht der untergehenden Sonne leuchtete, hatte große Fenster und eine Veranda aus dunklem Holz – Details, die sie auf den Fotos der Anzeige überzeugt hatten. Doch jetzt, hier stehend, spürte sie das Gewicht des Umzugs nicht in den auf dem Gehweg gestapelten Kisten, sondern in der Art, wie die Luft leichter schien, als würde der Raum selbst sie einladen, sich zu entspannen. Und das machte sie irgendwie unruhig.
Es war das Geräusch von Schritten auf trockenen Blättern, das sie sich umdrehen ließ.
Rafael stand an der Grenze zwischen den beiden Gärten, barfuß – *barfuß*, als wäre die Welt aus weicher Erde und nicht aus Gehwegen –, die Hände in den Taschen einer abgetragenen Jeans, die sich auf eine Weise an seine Oberschenkel schmiegte, die sie zu ignorieren versuchte. Das weiße T-Shirt, übersät mit Farb- und Tonflecken, klebte leicht an seiner Brust und zeichnete Muskeln nach, die nicht aus dem Fitnessstudio stammten, sondern von körperlicher Arbeit, von Stunden über Steinblöcken gebeugt. Die braunen, widerspenstigen Haare fielen ihm in feuchten Strähnen in die Stirn, und die Augen – *Gott, die Augen* – waren von einem so dunklen Grün, dass sie das Licht um sich herum zu absorbieren schienen.
— Sie müssen die neue Nachbarin sein — sagte er, und seine Stimme war genau so, wie sie es sich in den Sekunden vorgestellt hatte, in denen sie ihn beobachtet hatte: rau, mit einem spielerischen Unterton, der die Worte wie eine Einladung klingen ließ.
Lucia straffte die Schultern, als könnte sie sich mit professioneller Haltung vor seiner Präsenz schützen.
— Lucia. Lucia Viana.
— Rafael. — Er lächelte, und der linke Mundwinkel hob sich ein wenig mehr als der rechte, als kenne er ein Geheimnis. — Bildhauer. Oder, wie meine Mutter gerne sagt, *derjenige, der mit Lehm spielt und es Kunst nennt*.
Sie lachte, wider Willen. Der Laut entwich ihr, bevor sie ihn zurückhalten konnte, leicht, fast überrascht.
— Und liegt sie falsch?
— Kommt auf den Tag an. — Rafael trat einen Schritt vor, und der Geruch von Ton und Lösungsmittel erreichte sie, vermischt mit etwas Wärmerem, wie Zedernholz oder Sandelholz. — Heute zum Beispiel würde ich sagen, dass ich an etwas arbeite, das meine Mutter sehr stolz machen wird. Oder entsetzt. Ich habe mich noch nicht entschieden.
Lucia verschränkte die Arme, nicht aus Abwehr, sondern weil sie *etwas* mit den Händen tun musste. Die Sonne traf ihn voll ins Gesicht und beleuchtete die vereinzelten Sommersprossen auf seiner Nase und die kleinen Narben an seinen Fingern – Spuren eines Menschen, der keine Angst hatte, sich schmutzig zu machen.
— Und was wäre das?
Er neigte den Kopf und musterte sie, als wäre sie ein Museumsstück.
— Etwas… *Lebendiges*. — Das Wort schwebte zwischen ihnen, voller Absichten. — Aber ich habe noch nicht das richtige Modell gefunden.
Sie spürte, wie ihr die Hitze in den Nacken stieg, als wären seine Hände bereits dort und zeichneten unsichtbare Konturen. Sie strich sich eine Haarsträhne hinter das Ohr, eine automatische Geste, die ihre Unruhe verriet.
— Nun, ich hoffe, Sie finden es bald. Bevor Ihre Mutter einen Anfall bekommt.
Rafael lachte, ein tiefer Klang, der in der Luft zwischen ihnen vibrierte.
— Ah, Lucia. — Ihr Name in seinem Mund klang wie ein Versprechen. — Ich glaube, Sie haben nicht verstanden. Das Modell *ist* schon hier.
Die Stille, die folgte, war so dicht, dass sie fast ihren eigenen Herzschlag gegen die Rippen hören konnte. Die Umzugshelfer gingen mit einem Sofa an ihnen vorbei und brachen den Moment, doch die Spannung blieb, wie ein unsichtbarer Faden zwischen ihnen gespannt.
— Ich… muss noch ein paar Dinge organisieren — sagte sie und trat einen Schritt zurück. — Aber danke für den Empfang.
— Das Vergnügen war ganz meinerseits. — Rafael bewegte sich nicht, doch seine Augen folgten ihr, als sie zum Haus zurückging. — Und Lucia?
Sie blieb stehen, drehte sich aber nicht um.
— Ja?
— Falls Sie Hilfe beim Auspacken brauchen… oder irgendetwas anderes. — Die Pause war absichtlich. — Meine Tür steht immer offen.
Sie betrat das Haus, ohne zu antworten, doch sein Bild – barfuß, lächelnd, mit diesem Funkeln in den Augen – brannte sich in ihren Geist wie ein Mal. Und als sie die Tür schloss, wusste sie, dass es nicht das letzte Mal sein würde, dass sie ihn sah. Und dass sie es auch nicht wollte.
Die Nacht senkte sich über die Nachbarschaft wie ein Samtmantel, schwer und weich, nur unterbrochen vom bernsteinfarbenen Schein der Laternen, die lange Schatten in die Gärten warfen. Lucia richtete ihr schwarzes Kleid – schlicht, doch auf eine diskret elegante Weise ihre Kurven betonend – und atmete tief durch, bevor sie an der Haustür der Moreiras klingelte. Das Willkommensessen. Sie hatte sich mental darauf vorbereitet, wie sie sich verhalten, wie sie Haltung bewahren, wie sie so tun sollte, als hätten Rafaels Blicke in den letzten Wochen ihre Haut nicht wie frische Tinte gezeichnet.
Die Tür öffnete sich, bevor sie zögern konnte. Dona Clara, die Gastgeberin, lächelte mit jener echten Wärme, die nur reife Frauen zu schenken wissen.
— Lucia! Wie schön, dass Sie gekommen sind. Kommen Sie herein, alle sind schon im Wohnzimmer.
Das Gemurmel der Gespräche schwebte durch den Flur, vermischt mit dem Klirren von Gläsern und dem Duft von Gewürzen aus der Küche. Lucia begrüßte die Nachbarn mit höflichen Lächeln, tauschte Händedrucke und gemessene Worte, doch ihre Augen – Verräterinnen – durchsuchten den Raum nach *ihm*. Und da war er, an den Türrahmen gelehnt, der zum Garten führte, ein Weinglas in der Hand, die Haare noch feucht vom leichten Regen, der früher gefallen war.
Er hob das Glas in ihre Richtung, eine fast unmerkliche Geste, die ihren Magen zusammenzog.
— Anwältin, endlich begegnen wir uns auf neutralem Boden — sagte er, als Lucia näher kam, mit einer Stimme, die leise genug war, dass nur sie es hören konnte. Der Ton war leicht, doch in der Art, wie sich seine Lippen krümmten, lag eine Herausforderung.
— Neutraler Boden? — wiederholte sie und hob eine Augenbraue. — Ich dachte, wir hätten bereits geklärt, dass Ihre Tür immer offensteht.
Rafael lachte, ein rauer Klang, der zwischen ihnen vibrierte wie eine gezupfte Saite.
— Touché. Aber hier muss ich mir wenigstens keine Sorgen machen, dass Sie weglaufen, bevor ich einen Satz beendet habe.
— Wer sagt, dass ich weglaufen würde?
— Ihr Blick. — Er beugte sich ein wenig vor, gerade genug, dass der Duft von Seife und etwas Primitiverem – Holz, sauberer Schweiß – sie erreichte. — Jedes Mal, wenn wir uns nähern, weichen Sie zurück, als würde ich in Flammen stehen.
Lucia spürte, wie ihr die Hitze in den Nacken stieg. Es war keine Angst. Es war das Gegenteil. Es war das akute Bewusstsein, dass sie keine Kraft hätte, sich zu entfernen, wenn er sie in diesem Moment berühren würde.
— Vielleicht bin ich nur vorsichtig — murmelte sie und blickte auf das Glas in ihrer Hand. Der Wein schwappte, rubinrot und dickflüssig wie Blut im Licht.
— Vorsichtig. — Rafael wiederholte das Wort, als würde er es kosten. — Das mag ich. Vorsicht wird unterschätzt.
Bevor sie antworten konnte, erschien Dona Clara neben ihnen und unterbrach den Moment mit der Effizienz einer Person, die die Elektrizität in der Luft entweder nicht bemerkte (oder vorgab, sie nicht zu bemerken).
— Rafael, Schatz, könntest du Lucia mit den Vorspeisen helfen? Das Tablett ist schwer, und ich muss noch das Risotto fertig machen.
— Klar — sagte er, ohne den Blick von ihr zu lösen. — Kommen Sie, Anwältin.
Die Küche war ein kleiner Raum, erleuchtet von einer gelblichen Lampe, die goldene Schatten auf die Marmorarbeitsplatte warf. Lucia stellte sich neben das Spülbecken und beobachtete, wie Rafael das Tablett mit Canapés nahm – kleine Kunstwerke aus Räucherlachs und Frischkäsecreme. Die Art, wie sich seine langen Finger bewegten, präzise und geschmeidig, ließ sie sich vorstellen, wie es wäre, sie an anderen Stellen ihres Körpers zu spüren.
— Kochen Sie? — fragte sie, um ihren Geist abzulenken.
— Manchmal. — Er stellte das Tablett auf den Tisch und drehte sich zu ihr um, die Hände auf die Arbeitsplatte gestützt, eine auf jeder Seite ihres Körpers. Die Bewegung war subtil, doch ausreichend, um sie dort einzuschließen, zwischen dem kalten Marmor und der Hitze seines Körpers. — Aber ich ziehe es vor, mit den Händen zu erschaffen. Etwas, das bleibt.
Lucia schluckte trocken. Die Luft zwischen ihnen war schwer, dick wie verschütteter Honig.
— Und was erschaffen Sie, das nicht bleibt?
Rafael lächelte langsam, als wüsste er genau, welche Wirkung seine Worte haben würden.
— Berührungen. Küsse. — Seine Stimme wurde noch leiser, ein Flüstern, das ihr Ohr streifte. — Momente, die man im Gedächtnis bewahrt, weil man sie nicht in Ton meißeln kann.
Sie hätte sich entfernen sollen. Sie hätte ins Wohnzimmer zurückkehren, das Gespräch mit den Nachbarn wieder aufnehmen, so tun sollen, als würde dieses Spiel sie nicht berühren. Doch ihre Füße waren am Boden festgewachsen, und als Rafael sich noch ein wenig näher beugte, der Stoff seines Hemdes ihren Arm streifte, spürte Lucia, wie ihr Körper reagierte – die Brustwarzen hart unter dem Kleid, eine feuchte Hitze zwischen den Beinen.
— Sie spielen mit dem Feuer — murmelte sie.
— Oder vielleicht warte ich nur darauf, dass Sie sich verbrennen.
Und dann passierte es.
Rafael streckte die Hand aus, um eine Serviette von der Arbeitsplatte zu nehmen, und seine Finger streiften – *zufällig* – ihre Taille. Eine leichte Berührung, fast unmerklich, doch sie durchdrang den Stoff ihres Kleides wie ein elektrischer Schlag. Lucia hielt den Atem an, die Lippen leicht geöffnet, und sah, wie sich seine Augen verdunkelten, die Pupillen sich weiteten und das Grün seiner Iris verschlangen.
— Entschuldigung — sagte er, doch in seiner Stimme lag kein Bedauern. Da war Hunger.
— Es war nichts — brachte sie hervor, doch die Worte zitterten.
Rafael bewegte sich nicht. Seine Finger schwebten noch immer über ihrer Haut, als wartete er auf die Erlaubnis, weiterzugehen. Und dann, langsam, glitt seine Hand nach oben, nur wenige Zentimeter, bis sein Daumen die Seite ihrer Brust über dem Stoff streifte. Eine minimale Berührung, doch sie ließ Lucia einen abgehackten Seufzer ausstoßen.
— War das auch zufällig? — fragte sie mit rauer Stimme.
Er antwortete nicht. Stattdessen beugte er sich noch näher, bis sein Mund nur noch einen Hauch von ihrem entfernt war.
— Sag mir, dass ich aufhören soll — flüsterte er.
Lucia sagte nichts.
Rafaels Lippen krümmten sich zu einem siegreichen Lächeln, und dann schloss sich seine Hand um ihre Taille und zog sie näher. Lucias Körper prallte gegen seinen, und sie spürte die Härte seiner Erektion, die sich gegen ihren Bauch presste, heiß und fordernd. Ein Stöhnen entwich ihrer Kehle, bevor sie es zurückhalten konnte.
— Rafael… — begann sie, doch er brachte sie mit einem Kuss zum Schweigen.
Es war kein sanfter Kuss. Er war gierig, hungrig, als hätte er auf diesen Moment seit dem ersten Tag gewartet, an dem er sie gesehen hatte. Seine Zunge drang in ihren Mund ein, erkundete, beanspruchte, während seine Hände über ihren Rücken glitten und sie noch enger an sich zogen. Sie erwiderte den Kuss, ihre Finger vergruben sich in seinen Haaren, die Nägel kratzten leicht über seine Kopfhaut.
Die Welt um sie herum verschwand. Es gab keine Stimmen mehr im Wohnzimmer, kein Klirren der Gläser, keinen Essensgeruch. Es gab nur die Hitze seines Körpers, den Geschmack von Wein und Minze in seinem Mund, den Druck von Rafaels Fingern, die ihre Taille mit einer Besitzgier umklammerten, die sie erschauern ließ.
Als er sich schließlich zurückzog, waren beide außer Atem. Lucia führte die Finger zu ihren geschwollenen, empfindlichen Lippen und sah, wie sich Rafaels Brust in schnellen Bewegungen hob und senkte.
— Das — sagte er mit rauer Stimme — war definitiv kein Zufall.
Sie hätte sich schuldig fühlen sollen. Sie hätte sich Sorgen um die Nachbarn machen sollen, um den Schein, um die Tatsache, dass sie sich kaum kannten. Doch alles, was sie spürte, war ein pulsierendes Verlangen, ein Bedürfnis, das zwischen ihren Beinen pochte und nach mehr verlangte.
— Wir… wir können das hier nicht tun — murmelte sie, doch sie machte keine Anstalten, sich zu entfernen.
Rafael hielt ihr Kinn zwischen den Fingern und zwang sie, ihn anzusehen.
— Dann sag mir, wo wir es tun können.
Lucia öffnete den Mund, um zu antworten, doch bevor sie sprechen konnte, hallte Dona Claras Stimme durch den Flur:
— Rafael? Lucia? Wo steckt ihr?
Sie trennten sich sofort, als wären sie verbrannt worden. Lucia strich ihr Kleid glatt und versuchte, ihre Fassung wiederzugewinnen, während Rafael sein Hemd richtete, die Augen noch immer mit einer Intensität auf sie gerichtet, die eine Fortsetzung versprach.
— Wir kommen schon — antwortete er, ohne den Blick abzuwenden.
Lucia schluckte trocken. Sie wusste, dass von diesem Moment an nichts mehr so sein würde wie zuvor. Und als Rafael die Hand ausstreckte, um das Tablett mit den Canapés zu nehmen, streiften seine Finger absichtlich die ihren, eine stille Erinnerung an das, was gerade geschehen war.
— Nach dem Abendessen — murmelte er so leise, dass sie es fast nicht hörte. — Meine Tür. Egal wie spät.
Und dann verließ er die Küche und ließ sie allein mit ihrem unregelmäßigen Herzschlag und der Gewissheit, dass sie in dieser Nacht eine Grenze überschreiten würde, von der es keine Rückkehr gab.
Das Unwetter brach über die Nachbarschaft herein, als hätte der Himmel seine eigenen Eingeweide aufgerissen. Lucia hatte kaum Zeit, die Fenster ihres Schlafzimmers zu schließen, bevor der Regen sich in einen dichten Vorhang verwandelte, der mit fast persönlicher Wut gegen die Scheiben schlug. Die Donner grollten und erschütterten die Wände, und die Blitze erhellten den Raum in blauen Blitzen und enthüllten für Sekunden die Silhouetten der Bäume im Garten, die sich im Wind krümmten.
Sie rannte die Treppe hinunter, die nackten Füße versanken im persischen Teppich des Wohnzimmers, und ging zur Haustür. Das Schloss war verriegelt, doch das Wasser sickerte bereits darunter hindurch und bildete eine dunkle Pfütze, die sich auf dem Marmorboden ausbreitete. Lucia fluchte leise und zog mit Kraft am Schlüssel. Als sie die Tür endlich öffnete, traf sie eine Böe feuchten Windes mit voller Wucht und durchnässte ihr Seidennachthemd innerhalb von Sekunden. Der Stoff klebte an ihrem Körper und zeichnete die harten Brustwarzen nach, die vom kalten Luftzug steif geworden waren, und sie verschränkte die Arme vor der Brust, um sich zu schützen.
Dann sah sie das Licht.
Ein erleuchtetes Fenster in Rafaels Atelier auf der anderen Seite des Gartens. Der niedrige Anbau an sein Haus wirkte wie ein goldener Zufluchtsort inmitten des Sturms. Lucia zögerte einen Moment, die Zehen krümmten sich auf dem kalten Boden. Es war nicht nur der Regen, der sie dorthin trieb – es war die Erinnerung an die zufällige Berührung in der Küche, die Hitze seiner Haut unter dem Hemd, die Art, wie sich ihre Blicke seitdem verflochten, wie unsichtbare Fäden, die sie zueinander zogen.
Mit einem Seufzer, der im Tosen des Windes unterging, rannte sie los.
Die Tür des Ateliers stand einen Spalt offen, als hätte Rafael sie absichtlich so gelassen. Lucia schob sie vorsichtig auf, und der Geruch traf sie zuerst: feuchter Ton, Ölfarbe, lackiertes Holz. Es war ein dichter, fast greifbarer Duft, der sich in ihrer Kehle festzusetzen schien. Sie trat ein, schloss die Tür hinter sich mit einem leisen Klicken und blieb einen Moment stehen, um ihre Augen an das Halbdunkel zu gewöhnen.
Der Raum war größer, als er von außen wirkte. An den Wänden vermischten sich Kohlezeichnungen und unvollendete Skulpturen mit Werkzeugen, die auf den Arbeitsplatten verstreut lagen. In der Mitte stand eine erhöhte Plattform, auf der eine größere Figur aus Ton ruhte – eine weibliche Gestalt in einem frühen Stadium, doch bereits mit Kurven, die an einen echten Körper erinnerten. Lucia trat näher, fasziniert, und streckte die Hand aus, um die kalte, raue Oberfläche zu berühren. Der Ton gab leicht unter ihren Fingern nach und hinterließ eine zarte Spur.
— Nicht anfassen.
Rafaels Stimme kam von hinten, tief und rau. Lucia drehte sich um, das Herz schlug ihr bis zum Hals. Er stand unter dem Türrahmen einer Innentür, die Arme vor der nackten Brust verschränkt. Das bernsteinfarbene Licht einer Lampe warf Schatten auf die definierten Muskeln seiner Schultern, seines Bauches, und sie musste schlucken, um nicht unwillkürlich zu seufzen.
— Entschuldigung — murmelte sie und zog die Hand zurück. — Ich habe nur… noch nie eine Skulptur aus der Nähe gesehen.
Rafael bewegte sich nicht. Seine Augen, so dunkel wie die Nacht draußen, musterten ihren Körper von Kopf bis Fuß und verweilten an den Stellen, wo das nasse Nachthemd an ihrer Haut klebte.
— Du bist durchnässt.
Es war keine Frage. Lucia spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss.
— Ich habe nicht erwartet, dass der Regen so stark wird.
Er trat schließlich näher, die Schritte lautlos auf dem Holzboden. Als er vor ihr stehen blieb, umhüllte sie die Wärme seines Körpers und kontrastierte mit der Kälte, die sie noch durchdrang.
— Komm. — Rafael nahm ein Handtuch von einem Haken in der Nähe und legte es ihr um die Schultern. — Du holst dir noch eine Erkältung.
Lucia ließ es geschehen, doch als seine Finger ihren Nacken streiften, während er das Handtuch richtete, durchlief sie ein Schauer – nicht vor Kälte. Rafael bemerkte es. Seine Lippen krümmten sich zu einem langsamen, fast räuberischen Lächeln.
— Oder — flüsterte er und neigte sich so nah zu ihr, dass sein Mund nur noch Zentimeter von ihrem Ohr entfernt war — du kannst diese Kleidung ausziehen.
Sein warmer Atem ließ Lucia für einen Moment die Augen schließen. Als sie sie wieder öffnete, war Rafael einen Schritt zurückgetreten, doch die Herausforderung in seinem Blick war unmissverständlich.
— Ich… — Sie zögerte und spürte das Gewicht des nassen Nachthemds, das an ihrem Körper klebte. — Ich habe nichts zum Wechseln mitgebracht.
— Das brauchst du nicht. — Er deutete auf ein niedriges Sofa, das mit einem fleckigen Laken bedeckt war. — Du kannst dich hier abtrocknen. Ich mache dir einen Tee.
Lucia nickte, doch als er sich umdrehte, um zu gehen, streckte sie unwillkürlich die Hand aus.
— Rafael.
Er blieb stehen und blickte sie über die Schulter an.
— Danke. Dass… dass du mich hereingelassen hast.
Ein Donner explodierte am Himmel und ließ die Wände erzittern. Rafael kehrte langsam zu ihr zurück, als hätte er alle Zeit der Welt. Als er nur noch wenige Zentimeter entfernt war, spürte Lucia seinen Geruch – sauberer Schweiß, Seife, der Ton, der in seiner Haut zu haften schien.
— Du musst mir nicht danken — sagte er mit rauer Stimme. — Ich wollte, dass du kommst.
Die Worte schwebten zwischen ihnen, beladen mit etwas, das über bloße Höflichkeit hinausging. Lucia biss sich auf die Lippe und spürte, wie ihr Puls schneller wurde.
— Warum?
Rafael hob die Hand und zeichnete mit einem Finger eine langsame Linie von ihrem Schlüsselbein bis zum Tal zwischen ihren Brüsten. Die Berührung war leicht, fast unmerklich, doch Lucia spürte es, als hätte er sie mit einem glühenden Eisen gezeichnet.
— Weil ich seit dieser Nacht in der Küche — murmelte er — nicht aufhören kann, an dich zu denken.
Sie hätte zurückweichen sollen. Sie hätte sich daran erinnern sollen, dass sie Nachbarn waren, dass die ganze Nachbarschaft sie beobachtete, dass sie sich kaum kannten. Doch ihr Körper gehorchte nicht. Stattdessen beugte sie sich vor, als würde sie von einem Magneten angezogen.
— Ich auch — gestand sie mit zitternder Stimme. — Ich versuche, nicht daran zu denken, aber…
— Aber was?
— Aber wenn ich die Augen schließe, spüre ich deine Hände auf mir. — Die Worte entkamen ihr, bevor sie sie zurückhalten konnte. Lucia spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, doch sie wich seinem Blick nicht aus. — Und das macht mir Angst.
Rafael lächelte nicht. Er lachte nicht. Er hielt nur ihr Gesicht zwischen seinen Händen und strich mit den Daumen sanft über ihre Wangenknochen, mit einer Zärtlichkeit, die sie entwaffnete.
— Du musst keine Angst haben — flüsterte er. — Ich werde dir nicht wehtun.
Und dann küsste er sie, bevor sie antworten konnte.
Es war kein sanfter Kuss. Er war drängend, hungrig, als hätten beide seit Wochen auf diesen Moment gewartet. Rafaels Lippen waren heiß, fordernd, und als seine Zunge auf ihre traf, stöhnte Lucia leise auf und klammerte sich an seine Schultern, um nicht zu fallen. Rafaels Hände glitten über ihren Rücken und zogen sie näher, und Lucia spürte die Härte seiner Erektion gegen ihren Bauch.
— Verdammt — knurrte er gegen ihren Mund und unterbrach den Kuss für einen Moment. — Ich habe versucht, zu widerstehen.
— Ich auch — gab Lucia atemlos zu. — Aber ich will nicht mehr.
Rafael blickte sie einen langen Moment an, seine Augen funkelten mit etwas, das sie nicht deuten konnte. Dann, ohne ein Wort, hob er sie hoch.
Lucia stieß einen überraschten Schrei aus, doch schon bald klammerte sie sich an seinen Nacken, während er sie zum Sofa trug. Rafael legte sie vorsichtig ab und schob das fleckige Laken beiseite, damit sie auf der sauberen Oberfläche lag. Einen Moment lang betrachtete er sie nur, als wollte er sich jedes Detail einprägen – die nassen Haare, die sich ausbreiteten, die geschwollenen Lippen, die Brust, die sich mit ihrem schnellen Atem hob und senkte.
— Du bist wunderschön — murmelte er und strich mit der Hand über ihre Hüfte, während er ihr Nachthemd hochschob. — Noch schöner, als ich es mir vorgestellt habe.
Lucia bog den Rücken durch, als seine Finger die nackte Haut ihres Oberschenkels fanden. Das Nachthemd rutschte weiter nach oben und enthüllte ihren schwarzen Spitzenstring, und Rafael stöhnte.
— Scheiße.
Sie sagte nichts. Sie konnte nicht. Das Einzige, was über ihre Lippen kam, war ein Seufzer, als seine Hand in ihren String glitt und seine Finger die feuchte, heiße Stelle zwischen ihren Beinen fanden.
— Rafael… — Sein Name kam wie ein Gebet über ihre Lippen.
— Ich weiß — flüsterte er und küsste ihren Hals, während seine Finger sich in langsamen, quälenden Bewegungen bewegten. — Ich will dich auch.
Lucia schloss die Augen und gab sich den Empfindungen hin. Der Geruch von Ton vermischte sich mit seinem männlichen Duft, das Geräusch des Regens, der auf das Dach prasselte, die Wärme seines Körpers über ihrem. Als Rafael den Kopf senkte und eine Brustwarze durch den nassen Stoff ihres Nachthemds in den Mund nahm und daran saugte, konnte sie ein lautes Stöhnen nicht unterdrücken.
— Pssst — murmelte er und hob für einen Moment den Kopf. — Die Nachbarn…
— Niemand wird es hören — keuchte Lucia und zog ihn wieder an sich. — Nicht bei diesem Sturm.
Rafael brauchte keine weitere Aufforderung. Mit einer schnellen Bewegung zog er ihr das Nachthemd über den Kopf und ließ sie völlig nackt zurück. Einen Moment lang betrachtete er sie nur, seine Augen glitten über jede Kurve, jeden Schatten.
— Perfekt — sagte er mit rauer Stimme.
Dann, ohne Vorwarnung, beugte er sich hinunter und ersetzte seine Finger durch seinen Mund.
Lucia bog den Rücken durch, ihre Hände vergruben sich in seinen Haaren, während Rafaels Zunge sie mit einer verheerenden Präzision erkundete. Er hatte keine Eile. Er genoss jede ihrer Reaktionen, jedes Zittern, jedes unterdrückte Stöhnen. Als sie kurz vor dem Höhepunkt stand, zog er sich zurück und ließ sie keuchend und frustriert zurück.
— Rafael, bitte…
Er lächelte und leckte sich über die Lippen.
— Bitte was?
— Ich will dich — flehte sie und zog ihn zu sich hoch. — Jetzt.
Rafael widerstand nicht. Innerhalb von Sekunden zog er seine Hose aus und enthüllte, was sie bereits gespürt hatte: einen dicken, harten Schwanz, bereit. Lucia streckte die Hand aus, umschloss ihn mit ihren Fingern, und Rafael stöhnte und schloss für einen Moment die Augen.
— Kondom — brachte er hervor, die Stimme erstickt.
— In meiner Tasche — murmelte Lucia und deutete auf die Stelle, wo sie sie in der Nähe der Tür fallen gelassen hatte.
Rafael sprang auf, nahm die Tasche und durchwühlte sie, bis er das silberne Päckchen fand. Lucia beobachtete ihn, während er es mit den Zähnen aufriss, die Muskeln seines Rückens bewegten sich unter seiner Haut. Als er zurückkehrte, bereits geschützt, öffnete sie die Beine als Einladung.
Es gab keine Worte mehr.
Rafael drang mit einer langsamen, aber festen Bewegung in sie ein und füllte sie auf einmal aus. Lucia stöhnte, ihre Nägel gruben sich in seinen Rücken, während ihr Körper sich an die Invasion anpasste. Er blieb einen Moment stehen, gab ihr Zeit, bevor er sich zu bewegen begann.
Und dann gab es nichts mehr außer dem Geräusch des Regens, der aufeinandertreffenden Körper, den unterdrückten Stöhnen, die sich in ihren Hälsen verfingen. Rafael nahm sie mit einer Intensität, die an Verehrung grenzte, als wäre sie etwas Kostbares, etwas, das er zu zerbrechen fürchtete. Lucia klammerte sich an ihn, verloren im Vergnügen, in der Hitze, in der Gewissheit, dass dies erst der Anfang war.
Als der Orgasmus sie traf, war es wie eine Welle, die über ihr brach und sie in ein Meer von Empfindungen riss. Rafael folgte ihr kurz darauf, vergrub sein Gesicht in ihrem Nacken und stöhnte ihren Namen.
Minutenlang blieben sie so, ineinander verschlungen, keuchend, ihre Körper zitterten noch von den letzten Zuckungen der Lust. Der Regen prasselte weiterhin draußen, doch im Inneren des Ateliers schien die Welt stillzustehen.
Rafael hob den Kopf und blickte sie mit einem Ausdruck an, den Lucia nicht deuten konnte.
— Das — murmelte er und strich ihr eine feuchte Haarsträhne von der Stirn — war unvermeidlich.
Lucia lächelte und fuhr mit den Fingern über sein Gesicht.
— Ich weiß.
Er küsste sie erneut, diesmal sanft, als würde er ein Versprechen besiegeln.
— Und es ist noch nicht vorbei.
Lucia spürte, wie ein Schauer ihren Rücken hinablief. Nein, es endete nicht hier. Doch was danach kommen würde, war unbekanntes Terrain, und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie keine Angst, es zu erkunden.
Nur eine Frage schwebte in der Luft, vom Sturm geflüstert:
*Wie weit würden sie zu gehen bereit sein?*
Das erste Mal, dass sie die Hecke überquerten, die ihre Gärten trennte, war, als würde ein unsichtbarer Faden sie ziehen. Lucia konnte nicht sagen, wer den ersten Schritt gemacht hatte – ob sie es war, angezogen vom Geruch von Terpentin und männlichem Schweiß, der von Rafaels Veranda ausging, oder ob er es war, der sie vom Fenster des Ateliers aus mit diesem langsamen Lächeln beobachtete, die dunklen Augen Dinge versprachen, die sie noch nicht zu benennen wagte. Tatsache war, dass ihre Finger bereits das raue Holz seiner Hintertür berührten, als sie es bemerkte, und dann stand er da, hielt sie an der Taille fest und zog sie hinein, bevor die Welt draußen es bemerken konnte.
Rafaels Haus roch nach verbotenen Dingen: feuchter Ton, Leinöl, der Rotwein, den er in abgenutzten Gläsern servierte. Lucia strich mit den Fingerspitzen über die Arbeitsplatte, auf der eine unvollendete Skulptur unter einem fleckigen Tuch ruhte. Die Form darunter erinnerte an einen weiblichen Oberkörper, weiche Kurven und eine Hüftneigung, die sie schlucken ließ.
— Hast du mich modelliert? — fragte sie mit einer Stimme, die rauer klang, als sie beabsichtigt hatte.
Rafael lachte leise, während er die Gläser füllte. Die dunkle Flüssigkeit reflektierte das Mondlicht, das durch das Fenster fiel, und färbte seine Finger rubinrot.
— Noch nicht. Aber ich denke darüber nach.
Sie antwortete nicht. Stattdessen führte sie das Glas an die Lippen und ließ den Wein ihre Kehle verbrennen, als könnte der Alkohol rechtfertigen, was gleich passieren würde. Rafael beobachtete sie, die Augen halb geschlossen, als wüsste er bereits jeden Gedanken, der ihr durch den Kopf ging.
— Hast du Angst? — murmelte er und trat näher.
Lucia schüttelte den Kopf, doch ihr Körper verriet sie: die angespannten Schultern, der beschleunigte Atem, die bereits harten Brustwarzen unter dem dünnen Stoff ihres Kleides. Rafael lächelte zufrieden und streckte die Hand aus. Er berührte sie nicht. Er ließ seine Finger nur in der Luft zwischen ihnen schweben, als würde er sie herausfordern, die Distanz zu verringern.
Sie tat es.
Der erste Kontakt war elektrisch. Seine Handfläche gegen ihre, warm, rau von der Arbeit mit Werkzeugen. Rafael verschränkte ihre Finger und zog sie näher, bis sich ihre Körper wie Puzzleteile ineinanderfügten, die erst jetzt entdeckten, zueinander zu gehören. Lucia spürte die Wölbung seiner Erregung gegen ihren Bauch und biss sich auf die Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken.
— Du musst dich nicht zurückhalten — flüsterte er und strich mit dem Mund über ihr Ohr. — Hier sind nur wir beide.
Und dann, als hätten diese Worte einen Zauber gebrochen, gab Lucia sich hin. Ihre Hände glitten über seine Brust, spürten die festen Muskeln unter dem Leinenhemd, den beschleunigten Herzschlag. Rafael stöhnte, als sie den Stoff aus seiner Hose zog, ihre ungeduldigen Finger suchten die nackte Haut. Er half ihr, zog das Hemd mit einer schnellen Bewegung über den Kopf, und dann lagen seine Hände auf ihr, knöpften ihr Kleid mit einer Dringlichkeit auf, die an Gewalt grenzte.
Der Stoff glitt von ihren Schultern und sammelte sich zu ihren Füßen. Sie stand da, nur mit schwarzem Spitzen-BH und -Slip bekleidet, die Brustwarzen durch den dünnen Stoff sichtbar, die Brüste hoben und senkten sich mit jedem Atemzug. Rafael verschlang sie mit den Augen, seine Zunge glitt langsam über seine Lippen.
— Verdammt, Lucia — knurrte er und zog sie wieder an sich. — Du bist noch schöner, als ich es mir vorgestellt habe.
Sie hatte keine Zeit zu antworten. Seine Hände waren bereits an ihrem Rücken und öffneten den BH mit einer Geschicklichkeit, die Übung verriet. Die kühle Nachtluft berührte ihre Brustwarzen und ließ sie noch härter werden. Rafael verlor keine Zeit: Er senkte den Kopf und nahm eine von ihnen zwischen die Lippen, saugte fest, während seine freie Hand die andere Brust drückte.
Lucia bog den Rücken durch, ihre Finger vergruben sich in seinen Haaren. Jeder Zug seines Mundes, jeder leichte Biss sandte Wellen der Lust direkt in ihren Unterleib und machte sie auf eine Weise feucht, die sie sowohl beschämte als auch erregte. Rafael bemerkte es. Er bemerkte immer alles.
— Bist du schon feucht für mich, Anwältin? — murmelte er mit rauer Stimme, seine Finger glitten über ihren Bauch bis zum Rand ihres Slips.
Lucia antwortete nicht. Sie biss sich nur auf die Lippe und nickte, die Augen geschlossen, ihr ganzer Körper zitterte vor Erwartung. Rafael lachte, ein tiefer, zufriedener Laut, und dann waren seine Finger da, schoben den Stoff zur Seite und glitten zwischen ihre bereits glitschigen Falten.
— Scheiße — stöhnte er, als er spürte, wie bereit sie war. — Du bringst mich um.
Lucia konnte nicht mehr warten. Sie griff nach seiner Hand und führte sie in sich hinein, seufzte, als zwei Finger sie auf einmal penetrierten und sich krümmten, um jenen Punkt zu treffen, der sie Sterne sehen ließ. Rafael war nicht sanft. Nicht dieses Mal. Seine Finger bewegten sich mit grausamer Präzision, hinein und hinaus, während sein Daumen ihren Kitzler mit einem Druck umkreiste, der sie zum Zittern brachte.
— Rafael, bitte… — flehte sie, ihre Nägel gruben sich in seine Schultern. — Ich brauche…
— Was? — provozierte er und verlangsamte das Tempo, was sie frustriert stöhnen ließ. — Sag es.
— Dich — keuchte sie. — In mir.
Rafael brauchte es nicht zweimal zu hören. Mit einer schnellen Bewegung hob er sie hoch und trug sie zum abgenutzten Ledersofa des Ateliers, legte sie auf die Kissen, die nach ihm rochen. Lucia beobachtete, wie er seine Hose aufknöpfte, ihre Augen auf die Wölbung gerichtet, die sich befreite, dick und pulsierend. Sie leckte sich über die Lippen in Erwartung, und Rafael stöhnte, packte sie an den Hüften und zog sie an die Kante des Sofas.
— Du bringst mich um — wiederholte er und richtete sich auf sie aus.
Doch bevor er eindringen konnte, hielt Lucia ihn mit einer Hand auf der Brust zurück.
— Warte.
Rafael runzelte die Stirn, sein Atem ging schwer.
— Was ist?
Sie zögerte, ihre Finger zeichneten Kreise auf seine Haut.
— Was, wenn uns jemand sieht?
Rafaels Lächeln war langsam, räuberisch.
— Niemand wird uns sehen. — Er beugte sich vor und küsste sie hart. — Aber wenn du willst, können wir in mein Schlafzimmer gehen. Oder in deins. Oder an jeden Ort, an dem du dich sicher fühlst.
Lucia biss sich auf die Lippe. Die Vorstellung, erwischt zu werden, dass jemand aus der Nachbarschaft bemerkte, was zwischen ihnen vorging, erregte sie auf perverse Weise. Doch Rafael hatte recht. Sie mussten vorsichtig sein.
— Dein Schlafzimmer — entschied sie.
Rafael verlor keine Zeit. Er hob sie erneut in seine Arme und trug sie die Treppe hinauf, als würde sie nichts wiegen. Sein Schlafzimmer war eine Erweiterung des Ateliers: unordentlich, männlich, voller unvollendeter Skulpturen und Bücher, die auf dem Boden gestapelt waren. Das Bett jedoch war gemacht, die Laken rochen nach Waschmittel und etwas Primitiverem, etwas, das Lucia als den Geruch ihres eigenen Verlangens erkannte.
Er legte sie vorsichtig hin, als wäre sie aus Porzellan, doch sobald sich ihre Körper wieder trafen, verschwand die Zärtlichkeit. Rafael küsste sie hungrig, seine Hände erkundeten jeden Zentimeter ihrer Haut, als wollte er sie auswendig lernen. Lucia erwiderte es auf dieselbe Weise, kratzte über seinen Rücken, biss in seine Schulter, stöhnte, als er schließlich mit einer langsamen, tiefen Bewegung in sie eindrang, die sie den Rücken durchbiegen und seinen Namen schreien ließ.
— Verdammt, Lucia — stöhnte er und begann sich zu bewegen. — Du bist so eng…
Sie konnte nicht antworten. Sie klammerte sich nur an ihn, ihre Nägel gruben sich in seine Haut, während Rafael sie mit immer schnelleren, härteren Stößen nahm. Das Bett knarrte unter ihnen, der Klang vermischte sich mit ihren Stöhnen und dem feuchten Geräusch ihrer sich vereinigenden Körper. Lucia spürte den Orgasmus nahen, eine heiße Welle, die in ihrem Unterleib begann und sich durch ihren ganzen Körper ausbreitete.
— Rafael, ich komme… — brachte sie hervor, bevor die Worte in einem Schrei untergingen.
Er folgte ihr kurz darauf, vergrub sein Gesicht in ihrem Nacken, während er kam, sein Körper zitterte unter der Wucht der Erlösung. Minutenlang blieben sie so, keuchend, ihre Körper vom Schweiß aneinandergeklebt, ihre Herzschläge allmählich wieder normal.
Rafael hob den Kopf und blickte sie mit einem Ausdruck an, den Lucia nicht deuten konnte. Da war etwas – etwas jenseits des Verlangens, etwas, das sie sowohl ängstigte als auch faszinierte.
— Das war nicht nur Sex — murmelte er und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Lucia spürte, wie sich ihr Herz zusammenzog.
— Ich weiß.
Er küsste sie erneut, diesmal sanft, als würde er ein Versprechen besiegeln.
— Und es wird nicht nur das sein.
Sie antwortete nicht. Das musste sie nicht. Beide wussten, dass dies größer war als sie, größer als jedes Geheimnis, das sie bewahren konnten.
Doch während Rafael sie näher an sich zog und sie in seine Arme schloss, konnte Lucia nicht anders, als sich zu fragen: Wie weit würden sie zu gehen bereit sein?
Und, noch wichtiger, was würde passieren, wenn die Welt draußen es herausfand?
Der Vollmond hing über der Nachbarschaft wie ein wachsames Auge und goss sein silbernes Licht über die Dächer und Gärten, alles in einen fast übernatürlichen Glanz tauchend. Lucia beobachtete ihn vom Fenster ihres Schlafzimmers aus, ihre Finger trommelten gegen das kalte Glas, während die Erinnerung an das letzte Treffen mit Rafael auf ihrer Haut brannte. Er hatte etwas von einer Überraschung geflüstert, von einer Nacht, die anders sein würde als alle anderen. *„Zieh etwas an, das schmutzig werden darf“*, hatte er gesagt, mit diesem schiefen Lächeln, das ihren Magen zusammenzog. Sie hatte ein leichtes Leinenkleid gewählt, ohne etwas darunter – nur ihre Haut und die Erwartung.
Als sie an die Tür von Rafaels Atelier klopfte, drang bereits Musik nach draußen: etwas Schweres, Pulsierendes, wie ein Herzschlag. Er öffnete die Tür langsam, seine dunklen Augen funkelten im Licht der Kerzen, die den Raum in goldenen und bernsteinfarbenen Tönen erleuchteten. Der Geruch von feuchtem Ton und Ölfarbe umfing sie, vermischt mit dem erdigen Duft ihres eigenen Körpers, der bereits auf seine Anwesenheit reagierte.
— Du bist gekommen — sagte er, als würde er zweifeln. Doch in seiner Stimme lag noch etwas anderes, eine Rauheit, die verriet, wie sehr auch er bereits erregt war.
Lucia trat ein, ohne zu antworten, ihre nackten Füße versanken im abgenutzten Teppich, der den Zementboden bedeckte. Das Atelier war verwandelt: Kerzen standen in Nischen und auf Regalen, ihre Reflexe tanzten an den unverputzten Ziegelwänden; ein langer Tisch war mit einem sauberen Tuch bedeckt, auf dem ein Block frischer, noch feuchter Ton lag; und in der Mitte stand ein hoher Hocker, wie ihn Modelle in Zeichenkursen benutzen.
— Was ist das? — fragte sie, obwohl sie es bereits wusste.
Rafael schloss die Tür hinter sich, das Klicken des Schlosses klang wie eine Einladung. Er trat näher, seine Finger streiften ihre Schulter, bevor sie ihren Arm hinabglitten und eine Spur von Hitze hinterließen.
— Eine Skulptur nach dem Leben. Aber ich werde nicht meine Augen benutzen, um dich einzufangen.
Lucia schluckte trocken. Die Vorstellung erregte und verunsicherte sie gleichermaßen. Er hatte immer gewusst, wie er sie entwaffnen konnte, wie er Begierde in etwas Greifbares, fast Schmerzhaftes verwandeln konnte.
— Und was wirst du benutzen?
Er lächelte langsam, seine Lippen krümmten sich, als würden sie ein Geheimnis hüten.
— Meine Hände.
Die Luft zwischen ihnen verdichtete sich. Rafael nahm eine abgenutzte Lederschürze und band sie ihr mit bedachten Bewegungen um die Taille, seine Fingerknöchel streiften die freiliegende Haut ihres Bauches. Der Stoff war rau gegen ihre Haut, ein köstlicher Kontrast zur Weichheit des Kleides.
— Steig hinauf — forderte er sie mit einer Geste auf den Hocker auf.
Lucia gehorchte und setzte sich auf die kalte Holzoberfläche. Die Position ließ sie verletzlich wirken, die Knie leicht gespreizt, das Kleid rutschte ihre Oberschenkel hinauf. Rafael beobachtete jedes Detail, als würde er sich die Kurve ihrer Hüfte, den Schatten zwischen ihren Beinen, die Art, wie sich ihre Brustwarzen bereits unter dem dünnen Stoff abzeichneten, einprägen.
— Vertraust du mir? — fragte er, nahm eine Handvoll Ton und knetete ihn zwischen seinen Fingern. Die Masse gab mit einem feuchten, klebrigen Geräusch nach.
Sie nickte, doch er hielt ihr Kinn fest und zwang sie, ihm in die Augen zu sehen.
— Ich muss es hören.
— Ja — flüsterte Lucia. — Ich vertraue dir.
Rafael stieß einen Seufzer aus, als hätte sie ihm etwas Kostbares geschenkt. Dann, ohne Vorwarnung, tauchte er seine Hände in den Ton und führte sie zu ihr.
Der erste Kontakt war eine Überraschung: die kalte, schwere Masse gegen die warme Haut ihres Oberschenkels. Lucia zuckte zusammen, bewegte sich aber nicht. Rafael verteilte den Ton langsam, seine Finger glitten nach oben, umrundeten ihren Hüftknochen, drückten leicht, bevor sie sich zurückzogen. Es war eine seltsame, fast klinische Liebkosung, doch die Art, wie er sie ansah – als wäre jede Berührung eine Frage –, verwandelte alles in etwas Intimes, Verbotenes.
— Atme — murmelte er, als er bemerkte, dass sie die Luft anhielt.
Lucia gehorchte, und die Luft entwich ihr in einem zitternden Seufzer, als seine Hände höher glitten, ihre Taille, ihre Flanken, ihre Brüste formten. Der Ton war rau, doch Rafael bearbeitete ihn mit einer Zärtlichkeit, die sie den Rücken durchbiegen ließ, mehr suchend. Er beeilte sich nicht, jede Bewegung war eine Erkundung, eine Entdeckung. Als seine Daumen ihre bereits harten und empfindlichen Brustwarzen streiften, stöhnte sie, der Laut wurde von der Musik verschluckt, die nun aus ihr selbst zu kommen schien.
— Rafael…
— Pssst — unterbrach er sie, seine Finger tauchten erneut in den Ton. — Ich bin noch nicht fertig.
Dieses Mal kniete er sich vor sie, seine Hände glitten ihre Oberschenkel hinauf und verteilten die Masse, bis ihre Haut bedeckt und glänzend im Kerzenlicht war. Lucia spürte das Gewicht des Tons, die Feuchtigkeit, die an ihrem Kleid klebte, doch es kümmerte sie nicht. Sie war hypnotisiert von der Art, wie er sie ansah, als wäre sie das perfekteste Werk, das er je berührt hatte.
Dann bewegten sich seine Hände nach innen.
Die erste Berührung war fast zufällig: seine Finger streiften den feuchten Rand zwischen ihren Beinen, wo sich der Ton mit ihrer eigenen Hitze vermischte. Lucia keuchte, ihre Hüften neigten sich unwillkürlich nach vorne. Rafael lächelte nicht, beschleunigte nicht. Er fuhr fort, seine Hände arbeiteten in langsamen Kreisen und verteilten die Masse, bis ihre Vulva bedeckt war, die äußeren Lippen vom Ton verklebt, der Eingang pulsierte vor Erwartung.
— Verdammt — murmelte er mit rauer Stimme. — So bist du wunderschön.
Lucia konnte nicht antworten. Seine Finger drangen leicht in sie ein, gerade genug, um zu spüren, wie feucht sie war, wie ihr Körper reagierte, selbst unter der kalten Tonschicht. Sie stöhnte, ihre Nägel gruben sich in das Holz des Hockers, und Rafael stöhnte mit ihr, als würde ihr Klang ihn genauso berühren wie sie.
— Ich will dich spüren — sagte er und zog seine Finger zurück. — Aber nicht so.
Bevor sie fragen konnte, was er meinte, nahm Rafael ein feuchtes Tuch und begann, den Ton von ihrem Körper zu wischen, entfernte ihn in langen Streifen und enthüllte die Haut darunter – gerötet, empfindlich, lebendig. Als er zwischen ihren Beinen ankam, war Lucia bereits außer Atem, ihre Muskeln zitterten.
— Rafael, bitte…
Er ließ sie nicht warten. Seine Finger kehrten zurück, diesmal ohne Barrieren, glitten durch die Feuchtigkeit, die aus ihr sickerte, fanden ihre geschwollene Klitoris. Lucia bog den Rücken durch, ein Schrei entwich ihrer Kehle, als er sie mit Präzision berührte, als wüsste er genau, was sie brauchte.
— So — flüsterte er und strich mit den Lippen über ihr Ohr. — Komm für mich.
Und sie kam. Es war kein sanfter Orgasmus, sondern eine Explosion, die sie wie ein Blitz durchfuhr, ihren Körper in Krämpfen zusammenziehen ließ, ihre Hüften sich gegen seine Hand bewegten, immer mehr suchend. Rafael hielt sie fest, eine Hand an ihrer Taille, die andere zwischen ihren Beinen, und verlängerte das Vergnügen, bis sie nicht mehr konnte.
Als sie schließlich gegen ihn sank, umschlossen Rafaels Arme sie und zogen sie näher. Lucia spürte seinen Herzschlag, stark gegen ihren Rücken, seine Brust hob und senkte sich im Gleichklang mit ihrer.
— Ich bin noch nicht fertig — murmelte er und küsste ihre Schulter.
Sie lachte schwach, doch das Lachen erstarb in ihrer Kehle, als er sie umdrehte und ihre Gesichter sich gegenüberstanden.
— Ich will dich ganz.
Lucia blickte auf den Tisch, auf den unberührten Tonblock. Sie verstand.
— Dann forme mich — sagte sie mit fester Stimme trotz des Zitterns in ihren Beinen.
Rafael küsste sie, lang und tief, bevor er mehr Ton nahm. Diesmal würde es keine Eile geben. Er legte sie auf den Tisch, das Tuch schützte ihre Haut, und begann zu arbeiten. Seine Hände waren überall – an ihren Brüsten, ihrem Bauch, ihren Oberschenkeln –, doch es war nicht nur der Ton, den er formte. Es war sie. Jede Berührung war eine Frage, ein Versprechen, ein Geständnis.
Lucia schloss die Augen und ließ sich treiben. Die Musik, der Geruch des Tons, die Wärme der Kerzen, das Gewicht seiner Hände – alles verschmolz zu einer einzigen, überwältigenden Empfindung. Als Rafael schließlich in sie eindrang, seine Hände noch immer mit Ton bedeckt, die ihre Hüften umklammerten, wusste sie, dass es kein Zurück mehr gab.
Er nahm sie langsam, jeder Stoß eine Studie, eine Entdeckung. Lucia klammerte sich an ihn, ihre Nägel hinterließen Spuren auf seinem Rücken, ihr Mund suchte den seinen in verzweifelten Küssen. Als sie zum zweiten Mal kam, war es mit einem Schrei, der von den Wänden des Ateliers widerhallte, ihr Körper zitterte unter seinem.
Rafael folgte ihr kurz darauf, vergrub sein Gesicht in ihrem Nacken, während er sich in ihr ergoss, ihre Körper vom Schweiß und Ton verklebt.
Minutenlang blieben sie so, keuchend, ihre Herzschläge allmählich wieder normal. Dann hob Rafael den Kopf und blickte sie mit einem Ausdruck an, den Lucia nicht deuten konnte. Da war etwas – etwas jenseits des Verlangens, etwas, das sie sowohl ängstigte als auch faszinierte.
— Das war nicht nur Sex — murmelte er und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Lucia spürte, wie sich ihr Herz zusammenzog.
— Ich weiß.
Er küsste sie erneut, diesmal sanft, als würde er ein Versprechen besiegeln.
— Und es wird nicht nur das sein.
Sie antwortete nicht. Das musste sie nicht. Beide wussten, dass dies größer war als sie, größer als jedes Geheimnis, das sie bewahren konnten.
Doch während Rafael sie näher an sich zog und sie in seine Arme schloss, konnte Lucia nicht anders, als sich zu fragen: Wie weit würden sie zu gehen bereit sein?
Und, noch wichtiger, was würde passieren, wenn die Welt draußen es herausfand?
Der Regen dieses Morgens hatte die Nachbarschaft reingewaschen und die Luft mit dem Duft von feuchter Erde und Jasmin erfüllt. Lucia erwachte mit der Sonne, die durch die Leinenvorhänge fiel, ihr Körper noch gezeichnet von der vergangenen Nacht – Rafaels Finger, die Wege auf ihrer Haut zeichneten, der getrocknete Ton in den Falten ihrer Hüften, das geflüsterte Versprechen zwischen zerwühlten Laken. Sie streckte sich und spürte den köstlichen Schmerz in ihren Muskeln, und lächelte, als ihr Telefon mit einer Nachricht von ihm vibrierte:
*"Der Zaun zwischen unseren Häusern ist alt. Wie wäre es, wenn wir ihn heute einreißen?"*
Sie strich mit den Fingern über die Worte und spürte, wie ihr die Hitze in den Nacken stieg. Es war nicht nur ein Zaun. Es war das letzte Überbleibsel des Geheimnisses, die letzte Barriere zwischen dem, was sie waren, und dem, was sie sein könnten. Lucia atmete tief durch, tippte *„Komm zuerst her“* und warf das Telefon aufs Bett, bevor sie aufstand.
Als Rafael ankam, stand sie in der Küche, in Baumwollshorts und einem weiten T-Shirt, das von einer Schulter rutschte, die Haare noch feucht von der Dusche. Er betrat das Haus, ohne zu klopfen, als gehöre es ihm bereits, und blieb in der Tür stehen, seine Augen musterten sie mit einer langsamen, absichtlichen Gründlichkeit. Der Duft von frischem Kaffee vermischte sich mit dem zitrusartigen Duft seines Parfüms, und Lucia spürte, wie ihr Körper reagierte, noch bevor er sie berührte.
— Du siehst wunderschön aus — murmelte er und trat näher.
— Ich habe mich noch nicht einmal fertig gemacht.
— Genau das.
Er zog sie an der Taille zu sich, presste ihre Körper aneinander, und Lucia spürte die Rauheit seiner Hände – Hände eines Bildhauers, gewohnt zu formen und zu drücken – unter ihrem T-Shirt, ihre Haut verbrennen. Sie stöhnte leise, als seine Lippen die ihren fanden, der Kuss tief, hungrig, als wären Jahre und nicht Stunden seit ihrem letzten Mal vergangen. Rafael hob sie auf die Marmorarbeitsplatte und schob die Kaffeetassen zur Seite, und sie schlang ihre Beine um seine Hüften, spürte die Härte seiner Erregung durch den dünnen Stoff ihrer Shorts.
— Rafael… — flüsterte sie und bog sich, als seine Zähne ihren Hals streiften.
— Ich weiß. Aber der Zaun wird sich nicht von allein einreißen.
Sie lachte atemlos und schob ihn sanft weg.
— Später.
— Später — stimmte er zu, ließ sie aber nicht los. Stattdessen biss er sanft in ihr Ohrläppchen und ließ sie erschaudern. — Aber nicht viel später.
Sie tranken Kaffee auf der Veranda, ihre nackten Füße berührten sich unter dem Tisch, während sie den Tag planten. Rafael hatte einen Entwurf mitgebracht: ein Rankgitter aus Schmiedeeisen mit Kletterrosen, die er selbst in seinem Atelier gezogen hatte. *„Es wird über den alten Zaun wachsen“*, erklärte er und skizzierte auf einer Serviette mit einem Bleistift. *„Und wenn es blüht, wird niemand mehr sehen können, wo mein Haus aufhört und deins anfängt.“*
Lucia beobachtete die Linien, die er zeichnete, die Art, wie sich die Muskeln seiner Unterarme bewegten, und spürte eine Welle von Zärtlichkeit, die so intensiv war, dass es fast wehtat.
— Du hast wirklich an alles gedacht, nicht wahr?
— Nur an das, was wichtig ist — antwortete er und hob die Augen zu ihr.
Die Sonne stand hoch, als sie begannen. Rafael brachte die Werkzeuge, ein altes Radio, das Bossa Nova spielte, und eine Flasche Rotwein zum *„Feiern“*. Lucia lachte, als er sie zwang, Arbeitshandschuhe anzuziehen – *„Du bist Anwältin, keine Steinmetzin“* –, doch sie beschwerte sich nicht, als er sie dazu brachte, ihm beim Vermessen der Pfähle zu helfen. Bei jeder Bewegung streiften sich ihre Körper, die Hände verweilten länger als nötig, die Blicke trafen sich mit einer Vertrautheit, die die Luft zwischen ihnen knistern ließ.
— Du wirst mich ablenken — protestierte sie, als er sie gegen die Hauswand drückte, seine Hände ihre Handgelenke über ihrem Kopf festhielten.
— Gut — murmelte er und strich mit den Lippen über ihre. — Dann sind wir schneller fertig.
Doch sie wurden nicht schneller. Der Nachmittag dehnte sich zu einem Spiel der Provokationen: Rafael forderte sie heraus, einen Nagel einzuschlagen, und lachte, als sie daneben traf; Lucia neckte ihn, indem sie sich absichtlich bückte, um ein Werkzeug aufzuheben, und wusste, dass ihre Shorts ihre Oberschenkel hinaufrutschten. Als die Sonne zu sinken begann und den Himmel in Orange und Rosa tauchte, war das Rankgitter fast fertig, doch sie waren verschwitzt, mit Erde bedeckt und hatten geschwollene Lippen von so vielen gestohlenen Küssen.
— Wir brauchen eine Dusche — sagte sie und strich sich über den Hals, wo sich Staub mit Schweiß vermischte.
— Zusammen?
— Natürlich.
Sie betraten das Haus Hand in Hand, ließen die Werkzeuge im Garten verstreut, die Schuhe an der Tür. Die Dusche war klein, und Rafael drängte sie gegen die kalten Fliesen, das warme Wasser lief zwischen ihnen hinab, während er sie küsste, als wäre es das erste Mal. Lucia schlang die Arme um seinen Nacken und spürte die Härte seiner Erektion gegen ihren Bauch, stöhnte, als seine Hände über ihren Rücken glitten und ihren Po umfassten.
— Ich liebe es, wenn du das tust — gestand sie atemlos.
— Was tun?
— Mich berühren, als wäre ich dein.
Rafael hielt inne, das Wasser lief über sein Gesicht, und er hielt ihr Kinn mit fester Hand.
— Du *bist* mein.
Sie antwortete nicht. Das musste sie nicht. Stattdessen glitt sie langsam hinab, kniete sich auf den nassen Boden und nahm ihn in den Mund. Rafael stöhnte, seine Finger vergruben sich in ihren Haaren, und Lucia nahm ihn tief in sich auf, spürte den salzigen Geschmack auf ihrer Zunge, die Macht, ihn so zu haben – entwaffnet, hingegeben. Als er sie wieder hochzog und sie mit einem hungrigen Kuss küsste, wusste sie, dass er am Limit war.
— Ich will dich in mir — flüsterte sie gegen seine Lippen.
Rafael zögerte nicht. Er drehte sie um, drückte sie gegen die Duschwand und drang mit einer einzigen, tiefen Bewegung in sie ein. Lucia bog den Rücken durch, ihre Nägel kratzten über die Fliesen, während er sie ausfüllte, jeder Stoß intensiver als der vorherige. Das Wasser prasselte auf sie herab, vermischte sich mit Schweiß, Stöhnen und dem feuchten Geräusch ihrer sich vereinigenden Körper.
— Verdammt, Lucia… — knurrte er und biss in ihre Schulter.
Sie spürte den Orgasmus nahen, eine heiße Welle, die sich in ihrem Unterleib aufbaute, und zog sich enger um ihn zusammen, was Rafael ein raues Stöhnen entlockte. Als sie kam, war es mit einem erstickten Schrei gegen seinen Arm, ihr Körper zitterte, ihre Knie wurden weich. Rafael hielt sie fest, bewegte sich weiter in ihr, verlängerte das Vergnügen, bis auch er sich ergoss, mit einem langen, kehligen Stöhnen.
Sie blieben so, keuchend, das Wasser wusch Schweiß und Sex ab, bis Rafael die Dusche abstellte und sie ins Bett trug, in ein Handtuch gewickelt. Lucia kuschelte sich an ihn und spürte seinen Herzschlag, stark gegen ihre Brust.
— Wir müssen noch das Rankgitter fertig machen — murmelte sie schläfrig.
— Morgen — antwortete er und küsste ihre Stirn. — Heute brauchen wir nur das hier.
Und so fand die Nachbarschaft sie am nächsten Tag vor: Hand in Hand im Garten, den letzten Pfahl des Rankgitters einschlagend, während Rafaels Rosen zu sprießen begannen. Einige Nachbarn blieben stehen, um zuzusehen, neugierig, doch niemand sagte etwas. Vielleicht, weil Lucia und Rafael zum ersten Mal nichts zu verbergen versuchten. Vielleicht, weil die Art, wie sie sich ansahen, die Art, wie sich ihre Hände ohne nachzudenken fanden, alles sagte, was gesagt werden musste.
Als sie fertig waren, nahm Rafael eine Flasche Champagner und zwei Gläser, und sie stießen unter der Nachmittagssonne an.
— Auf die Zukunft — sagte er und stieß sein Glas gegen ihres.
— Auf die Zukunft — wiederholte Lucia lächelnd.
Und als er sie dort, vor allen, küsste, wusste sie, dass es keine Grenzen mehr gab. Weder zwischen ihnen noch zwischen Begierde und Liebe. Es gab nur das: die Sonne auf der Haut, den Geschmack des Champagners, seinen Körper an ihrem, und die Gewissheit, dass sie gemeinsam alles aufbauen konnten.