Feuer in den Bergen: Verbotene Nächte in der Pension der Begierden
Von Tonkix

**Feuer in den Bergen: Verbotene Nächte in der Pension der Begierden**
Der Wind schnitt durch die Berge wie eine Klinge, scharf und unerbittlich, und trug den Duft von Kiefern und feuchter Erde mit sich. Clara zog ihren Wollmantel enger um sich, die Finger am Lenkrad taub, während sich die kurvenreiche Straße vor ihr entfaltete, sich zwischen nebelverhangenen Abgründen hindurchschlängelte. Das GPS flackerte unsicher, als zögere selbst die Technik angesichts dieser wilden Weite. Sie war stundenlang gefahren, auf der Flucht vor der Stadt, vor knappen Deadlines, vor endlosen Meetings, die ihr die Energie aussaugten wie Vampire. *Refugium der Wolken*, stand auf dem rustikalen Holzschild, fast verschluckt vom Gestrüpp. Ein zu poetischer Name für jemanden wie sie, die seit Jahren nicht mehr wusste, was Frieden war.
Die Pension tauchte plötzlich auf, eingebettet zwischen moosbewachsenen Felsen und jahrhundertealten Bäumen. Ein Gebäude aus Stein und Holz, mit Balkonen, die sich wie ausgebreitete Arme über das Tal neigten. Das goldene Licht der Fenster flackerte einladend, und Clara spürte, wie sich eine Last von ihren Schultern löste. *Hier*, dachte sie. *Hier, endlich.*
Sie parkte den Wagen mit einem Seufzer, die Rückenmuskeln protestierten nach Stunden in derselben Position. Die eisige Luft drang ins Wageninnere, als sie die Tür öffnete, und sie erschauderte – nicht nur wegen der Kälte, sondern wegen der Stille. Kein Hupen, keine Stimmen, gedämpft vom Beton, kein ständiges Summen der Computer. Nur das Schweigen, durchbrochen vom Rascheln der Blätter und dem fernen Murmeln eines Baches. Sie schloss für einen Moment die Augen und ließ den Klang auf sich wirken, als könnte er sie von innen reinigen.
Es war der Geruch von brennendem Holz, der sie zurückholte. Clara folgte dem Duft zum Eingang der Pension, wo sich eine schwere Eichenholztür öffnete, noch bevor sie die Klingel berühren konnte. Und dann stand er da.
Lucas.
Er war nicht groß, aber etwas an seiner Haltung – breite Schultern, ein fester Brustkorb unter dem karierten Flanellhemd, die hochgekrempelten Ärmel, die kräftige, von Adern durchzogene Unterarme enthüllten, die Geschichten harter Arbeit erzählten – ließ ihn größer wirken. Das dunkle, leicht zerzauste Haar fiel in widerspenstigen Strähnen über die Stirn, und die Augen… ach, die Augen. Grün wie der Wald nach dem Regen, aber mit einem Glühen, das zu brennen schien. Er musterte sie mit einer Intensität, die ihr den Atem raubte, als kenne er sie bereits, als wisse er genau, was sie hinter der Fassade der kompetenten Managerin verbarg.
— Willkommen, Clara — sagte er, die Stimme tief, mit einem Akzent, den sie nicht einordnen konnte. Nicht ganz von hier, aber auch von keinem Ort, den sie kannte. Es war eine Stimme, die vom Bergwind geformt schien, rau und sanft zugleich.
— Danke — brachte sie hervor, überrascht vom leichten Zittern in ihrer eigenen Stimme. — Ich… ich habe online gebucht.
Lucas lächelte, und etwas an dieser Geste – langsam, bedacht – ließ ihren Magen sich zusammenziehen.
— Ich weiß. Ich habe auf dich gewartet.
Die Worte schwebten zwischen ihnen, aufgeladen mit einer Bedeutung, die Clara nicht zu entschlüsseln wagte. Er trat zur Seite und bat sie herein, und sie ging an ihm vorbei, bewusst der Wärme, die von seinem Körper ausging, dem Geruch von Seife, Leder und etwas Urtümlicherem, wie feuchte Erde und Feuer.
Das Innere der Pension war noch gemütlicher, als die Fotos es vermuten ließen. Ein Kamin knisterte in der Mitte des Hauptraums und warf tanzende Schatten an die Steinwände. Persische Teppiche bedeckten den Holzboden, und abgenutzte Ledersessel luden zum Verweilen ein. Doch was ihre Aufmerksamkeit fesselte, war die Aussicht. Eine ganze Glaswand öffnete sich zum Tal, wo sich der Nebel wie Rauch zwischen den Bäumen wand. Es war atemberaubend.
— Wow — murmelte sie und trat näher ans Fenster. — Das ist wunderschön.
— Warte, bis du es morgen siehst — sagte Lucas und blieb neben ihr stehen. So nah, dass sie die Wärme seines Körpers spüren konnte, ohne ihn zu berühren. — Wenn die Sonne aufgeht, sieht es aus, als stünde die ganze Welt in Flammen.
Clara schluckte. Es lag etwas Gefährliches in der Art, wie er sprach, als sei jedes Wort ein Versprechen. Oder eine Drohung.
— Arbeitest du hier? — fragte sie, bemüht, lässig zu klingen.
— Ich bin der örtliche Führer — antwortete er, die grünen Augen auf sie gerichtet. — Und dafür verantwortlich, dass die Gäste sich nicht verlaufen. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Sie lachte, doch der Klang klang seltsam, als sei ihre Kehle wie zugeschnürt.
— Und wenn ich mich verirre?
Lucas’ Lächeln wurde breiter, langsam, räuberisch.
— Dann muss ich dich finden.
Die Stille, die folgte, war mit etwas aufgeladen, das Clara nicht benennen konnte. Er brach sie zuerst, drehte sich um und nahm ihren Koffer.
— Ich zeige dir dein Zimmer. Du musst müde sein.
— Bin ich — gab sie zu und folgte ihm die knarrende Holztreppe hinauf. — Sehr.
— Dann lasse ich dich ausruhen — sagte er und blieb vor einer dunklen Holztür stehen. — Aber wenn du etwas brauchst… — Er reichte ihr den Schlüssel, die Finger streiften die ihren einen Augenblick länger als nötig. — Ich bin immer in der Nähe.
Clara nickte und spürte das Gewicht seines Blicks noch, nachdem er sich entfernt hatte. Sie betrat das Zimmer und schloss die Tür, lehnte sich mit einem Seufzer dagegen. Der Raum war schlicht, aber gemütlich: ein Himmelbett mit weißen Laken, ein bereits entfachter Kamin, ein Fenster mit Blick auf den Wald. Sie trat näher und berührte das kalte Glas mit den Fingerspitzen.
Draußen, zwischen den Bäumen, sah sie Lucas zum Schuppen gehen, das Licht der Abenddämmerung vergoldete seinen Rücken. Er blieb einen Moment stehen, als spüre er ihren Blick, und blickte hinauf. Selbst aus der Entfernung konnte Clara das Lächeln erkennen, das er ihr zuwarf, bevor er im Schatten verschwand.
Und dann, zum ersten Mal seit Jahren, spürte sie etwas, das nicht Müdigkeit war, nicht Stress, nicht der ständige Druck, immer die Beste sein zu müssen.
Es war Verlangen.
Und das erschreckte sie mehr als jedes Vorstandsmeeting.
Der Tisch war wie eine Einladung zur Sünde gedeckt. Weißes Leinentuch, rustikales Keramikgeschirr, das aussah, als sei es von denselben Händen geformt worden, die es benutzten, matt schimmerndes Silberbesteck, das im flackernden Kerzenlicht glänzte. Der Speisesaal der Pension war klein, intim, mit hohen Fenstern, durch die die Schwärze der Nacht draußen zu sehen war, wo der Wind heulte wie ein gefangenes Tier. Clara betrat den Raum langsam, die Absätze versanken leicht im flauschigen Teppich, das schwarze Kleid – schlicht, aber wie eine zweite Haut an ihren Kurven – streifte über die frisch eingecremte Haut. Sie hatte dieses Kleid ohne nachzudenken gewählt, doch jetzt, unter Lucas’ Blick, fühlte sie sich, als hätte sie jedes Detail geplant.
Er stand neben dem Kamin, eine Hand auf dem steinernen Sims abgestützt, die andere hielt ein Glas Rotwein, das er langsam drehte, als lese er die Botschaften, die der Wein an den Wänden des Kristalls hinterließ. Er trug ein cremefarbenes Leinenhemd, offen am Kragen, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt und enthüllten kräftige Unterarme, gezeichnet von Adern, die Clara sich mit den Fingerspitzen nachzeichnen wollte. Als er sie sah, verzogen sich seine Lippen zu einem langsamen, trägen Lächeln, als wisse er bereits, was kommen würde.
— Du bist gekommen — sagte er, die Stimme tief und rau, als hätte er stundenlang schweigend geschrien.
Clara hob eine Augenbraue, herausfordernd.
— Du schienst dir so sicher, dass ich nicht kommen würde.
— Nein. — Er trat einen Schritt näher, das Feuerlicht tanzte in seinen dunklen Augen. — Ich war mir sicher, dass du kommen würdest. Ich wusste nur nicht, ob du den Mut hättest, dir selbst einzugestehen, warum.
Sie öffnete den Mund, um zu kontern, doch die Worte erstarben in ihrer Kehle, als er näher kam und ihr das Glas reichte. Die Geste war lässig, doch seine Finger streiften die ihren absichtlich, eine gezielte, elektrisierende Berührung. Clara spürte die Hitze ihren Arm hinaufsteigen, sich in ihrer Brust ausbreiten, bis in den Unterleib hinab. Sie nahm das Glas, die Lippen berührten das Kristall dort, wo seine gewesen waren.
— Und was wäre der Grund, deiner Meinung nach? — fragte sie, bemüht, gleichgültig zu klingen, doch ihre Stimme klang atemloser als beabsichtigt.
Lucas antwortete nicht sofort. Stattdessen beugte er sich leicht vor, gerade genug, dass sie seinen Geruch wahrnahm – verbranntes Holz, Rosmarinseife, etwas Urtümlicheres, Männliches, das ihre Brustwarzen unter dem dünnen Stoff des Kleides hart werden ließ. Als er sprach, war es fast ein Flüstern, als teile er ein Geheimnis:
— Weil du den ganzen Nachmittag daran gedacht hast, wie meine Finger deine berührt haben, als ich dir den Schlüssel gab. Weil du auf meinen Mund geschaut hast, als ich lächelte. Weil du dir, als ich sagte, ich sei immer in der Nähe, genau vorgestellt hast, was das bedeuten könnte.
Clara schluckte. Der Wein brannte süß und kräftig in ihrer Kehle wie ein Omen. Sie sollte es leugnen. Sollte lachen, einen Witz machen, das Thema wechseln. Doch etwas in der Intensität seines Blicks, in der Art, wie er sie entblößte, ohne sie auch nur zu berühren, hinderte sie daran zu lügen.
— Und du? — konterte sie, die Stimme nun fest. — Hast du den Tag damit verbracht, dir vorzustellen, wie ich an deinem Tisch sitze, oder war es nur eine Ablenkung, um langweilige Gäste zu ertragen?
Er lachte, ein tiefer, kehliger Laut, der in der Luft zwischen ihnen vibrierte.
— Ach, Clara. — Er trat noch näher, das Knie streifte das ihre unter dem Tisch. — Ich habe keine langweiligen Gäste. Nur dich.
Das Abendessen wurde schweigend serviert, doch es war kein unangenehmes Schweigen. Es war geladen wie die Luft vor einem Gewitter. Der erste Gang wurde gebracht: eine dampfende Kürbissuppe mit Ingwer, duftend. Clara tauchte den Löffel ein, führte ihn an die Lippen, und Lucas beobachtete sie mit fast räuberischer Aufmerksamkeit. Als sie leise stöhnte – ein unwillkürlicher Laut reinen Genusses –, lächelte er zufrieden.
— Gefällt es dir?
— Es ist köstlich — gab sie zu und leckte sich über die Lippen. — Aber ich glaube, das wusstest du schon.
— Ich wusste, dass es dir schmecken würde. — Er führte seinen eigenen Löffel zum Mund, die Augen ließen die ihren nicht los. — Manche Dinge weiß man einfach.
Der zweite Gang wurde von einer Frau mittleren Alters gebracht, die diskret lächelte und kaum einen Blick auf sie warf, bevor sie wieder verschwand. Eine Forelle, begleitet von Maronenpüree und einer Portweinsoße, die im Kerzenlicht glänzte. Clara schnitt ein Stück ab, führte es zum Mund, und der Geschmack explodierte auf ihrer Zunge – reich, komplex, fast sündhaft. Sie schloss für einen Moment die Augen, genoss es, und als sie sie wieder öffnete, fand sie Lucas’ Blick, der sie mit einem Ausdruck beobachtete, der an Hunger grenzte.
— Du siehst mich an, als wäre ich das Hauptgericht — murmelte sie, unfähig, ein Lächeln zu unterdrücken.
— Und wenn ich dir sagen würde, dass du genau das bist?
Clara spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, doch sie wich seinem Blick nicht aus. Stattdessen nahm sie ihr Weinglas und trank einen langen Schluck, ließ den Alkohol ihre Kehle verbrennen, ihre Nerven beruhigen.
— Ich würde sagen, du bist sehr von dir überzeugt.
— Und das gefällt dir.
Es war keine Frage. Es war eine Feststellung. Und sie konnte es nicht leugnen.
— Vielleicht — gab sie zu und spielte mit der Gabel. — Oder vielleicht gefällt es mir nur, dich herauszufordern.
Lucas lachte erneut, ein Laut, der etwas in ihr zusammenziehen ließ. Er beugte sich vor, die Ellbogen auf den Tisch gestützt, die Finger verschränkt, als halte er sich zurück, um nicht die Hand auszustrecken und sie zu berühren.
— Clara — sagte er, die Stimme tief, fast ein Knurren. — Ich versuche nicht. Ich warte.
— Worauf?
— Dass du aufhörst, so zu tun, als wolltest du nicht dasselbe wie ich.
Der Wind draußen heulte lauter, als würde er seine Worte wiederholen. Clara spürte ihr Herz schneller schlagen, das Blut in ihren Adern pulsieren. Sie sollte aufstehen. Sollte gehen. Doch der Wein, die Wärme des Kamins, die Art, wie er sie ansah – als wäre sie die einzige Frau auf der Welt –, alles verschwörte sich, um sie hier zu halten.
— Und wenn ich sage, dass ich nicht weiß, was ich will? — fragte sie herausfordernd.
Lucas lächelte langsam, gefährlich.
— Dann muss ich es dir zeigen.
Er stand auf, umrundete den Tisch und blieb neben ihr stehen. Clara hielt den Atem an, als er sich vorbeugte, die Lippen fast ihr Ohr berührten.
— Beende dein Abendessen — flüsterte er. — Danach bringe ich dich an einen Ort, wo uns der Wind nicht stören wird.
Und dann, bevor sie antworten konnte, trat er zurück und kehrte an seinen Platz zurück, als wäre nichts geschehen. Clara blickte auf ihren Teller, der Appetit plötzlich ein anderer.
Es war kein Hunger nach Essen mehr.
Es war Hunger nach ihm.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit war sie sich nicht sicher, ob sie bis zum Ende der Mahlzeit warten konnte.
Der verschneite Wald hüllte sie in ein dickes Schweigen, durchbrochen nur vom Knacken der Äste unter den Stiefeln und dem eisigen Atem, der zwischen Claras Lippen entwich. Sie folgte Lucas auf einem schmalen Pfad, die Hände in den Taschen ihres Wollmantels vergraben, die Augen auf seinen breiten Rücken gerichtet, der von einer wasserdichten Jacke bedeckt war, die sich wie eine zweite Haut an seinen Körper schmiegte. Die Luft roch nach Kiefern und feuchter Erde, und jeder Atemzug brannte leicht in ihren Lungen, als hätte der Winter Zähne und würde sie langsam hineinbeißen.
— Vorsicht mit diesem Stein — warnte er und drehte sich gerade so weit um, dass sie sein halbes Lächeln sehen konnte. — Ich will nicht, dass du dir den Knöchel verstauchst, bevor wir ankommen.
Clara hob eine Augenbraue, amüsiert.
— Machst du dir Sorgen um mich oder um die Möglichkeit, mich zurücktragen zu müssen?
Lucas lachte, ein tiefer Laut, der zwischen den Bäumen verlorenging.
— Beides. Aber hauptsächlich um das Zweite. Du wirkst leicht, aber ich wette, du bist schwerer, als du aussiehst.
Sie schnaubte gespielt empört.
— Ist das ein Kompliment oder eine Provokation?
— Warum nicht beides? — Er streckte die Hand aus und half ihr, eine rutschige Stelle zu umgehen. Seine Finger waren warm, selbst durch die Handschuhe, und Clara spürte die Hitze ihren Arm hinaufsteigen, als hätte die Berührung eine unsichtbare Spur hinterlassen. — Außerdem mag ich Herausforderungen.
Sie antwortete nicht, doch die Röte auf ihren Wangen hatte nichts mit der Kälte zu tun.
Der Pfad öffnete sich plötzlich und gab den Blick frei auf eine Lichtung, wo sich eine kleine Holzhütte zwischen die Bäume schmiegte. Das Dach war mit Schnee bedeckt, und ein dünner Rauchfaden stieg aus dem Schornstein auf und zeichnete Spiralen in die eisige Luft. Clara blieb überrascht stehen.
— Was ist das?
— Das Ofuro — antwortete Lucas, zog die Handschuhe aus und steckte sie in die Tasche. — Ein heißes Bad, nur für uns. Ich dachte, nach Stunden in der Kälte verdienst du es, dich zu entspannen.
Clara zögerte. Die Vorstellung, sich vor ihm auszuziehen, selbst wenn es nur für ein Bad war, ließ ihren Magen sich vor Vorfreude zusammenziehen. Doch der eisige Wind und die Verheißung von Wärme waren zu verlockend.
— Und du? — fragte sie, bemüht, lässig zu klingen.
— Ich kenne den Ort schon — sagte er mit einem Lächeln, das nichts verriet. — Aber wenn du Gesellschaft willst, werde ich nicht ablehnen.
Sie lachte nervös.
— Lustig. Du wirkst nicht wie jemand, der irgendetwas ablehnt.
— Kommt drauf an, was angeboten wird.
Die Luft zwischen ihnen war geladen, und Clara wandte den Blick als Erste ab, tat so, als interessiere sie sich für die Hütte. Doch innerlich regte sich etwas, eine Mischung aus Neugier und Angst davor, was passieren würde, wenn sie nachgab.
— In Ordnung — sagte sie schließlich. — Aber nur, weil meine Finger einfrieren.
Lucas antwortete nicht. Er öffnete nur die Holztür und ließ die Wärme und den Dampf sie umhüllen, noch bevor sie eintrat.
Das Innere der Hütte war klein, aber gemütlich. Ein Kamin knisterte in einer Ecke und warf goldene Reflexe an die Wände aus polierten Baumstämmen. In der Mitte stand eine dunkle Holzbadewanne, groß genug für zwei Personen, die überquoll von dampfendem Wasser. Getrocknete Blütenblätter schwammen auf der Oberfläche, und der Duft von Kräutern – Lavendel, vielleicht, oder etwas Zitroniges – vermischte sich mit dem Dampf und schuf ein Aroma, das Clara schwindelig werden ließ.
— Wie hast du das gemacht? — fragte sie und zog den Mantel aus, um ihn an einen Haken an der Wand zu hängen.
— Magie — antwortete Lucas und schloss die Tür hinter sich. — Oder ein sehr effizientes Heizsystem. Du darfst dir aussuchen, woran du lieber glaubst.
Clara lachte, doch der Laut erstarb in ihrer Kehle, als er begann, sein eigenes Hemd aufzuknöpfen. Die Bewegungen waren langsam, bedacht, als wisse er genau, welche Wirkung er auf sie hatte. Sie drehte sich um, tat so, als richte sie ihr Haar, doch ihre Augen konnten nicht anders, als im beschlagenen Fensterglas die Reflexion zu verfolgen, wie sich das Hemd öffnete und die gebräunte Haut und die definierten Muskeln seiner Schultern enthüllte.
— Willst du so reingehen? — Seine Stimme war näher, als sie erwartet hatte, und Clara zuckte zusammen, als sie seinen warmen Atem im Nacken spürte.
— Ich… — Sie schluckte. — Ich habe keinen Badeanzug dabei.
— Ich auch nicht.
Die Stille, die folgte, war so dicht, dass Clara fast ihren eigenen Herzschlag hören konnte. Langsam drehte sie sich um, ihre Augen trafen die seinen. Lucas lächelte nicht mehr. Sein Ausdruck war ernst, intensiv, als warte er auf etwas – eine Erlaubnis, vielleicht, oder ein Zeichen, dass sie bereit war.
— Du musst dich nicht beeilen — murmelte er, als könnte er ihre Gedanken lesen. — Das Wasser bleibt so lange warm, wie du brauchst.
Clara nickte, doch ihre Hände waren bereits am Knopf ihrer Jeans, die Finger zitterten. Sie zog sich schnell aus, als könnte sie mit den Kleidern auch die Scham, die Zweifel, die Angst ablegen, dass er, einmal nackt, alles sehen würde, was sie zu verbergen versuchte. Als sie sich schließlich der Badewanne zuwandte, trug sie nur noch ihre Unterwäsche – ein schwarzes Spitzen-Set, das sie an diesem Morgen ohne besonderen Grund gewählt hatte, das sich nun aber anfühlte, als wäre es genau für diesen Moment gemacht.
Lucas sagte nichts. Er beobachtete sie nur, die Augen glitten über jede Kurve, jede Linie ihres Körpers, als würde er sie sich einprägen. Dann, mit einer fließenden Bewegung, zog er die Hose aus und stieg ins Wasser, versank bis zu den Schultern mit einem zufriedenen Seufzer.
— Komm — forderte er sie auf und streckte die Hand aus.
Clara zögerte einen Moment, bevor sie näher trat. Das Wasser war wunderbar heiß, fast zu heiß, und als sie bis zum Hals eintauchte, entspannten sich ihre Muskeln sofort. Der Dampf stieg um sie herum auf und hüllte sie in einen intimen Nebel, als hätte die Welt draußen aufgehört zu existieren.
Eine Weile sprach keiner von ihnen. Clara schloss die Augen und ließ die Wärme in ihre Knochen dringen, während Lucas sich an den Rand der Wanne lehnte, die Arme entlang des Holzes ausgestreckt. Sie konnte seinen Blick auf sich spüren, doch es kümmerte sie nicht. Es war etwas Befreiendes, dort zu sein, nackt und verletzlich, ohne so tun zu müssen, als wolle sie nicht, was gerade passierte.
— Du bist wunderschön — sagte er plötzlich.
Clara öffnete die Augen. Lucas beobachtete sie mit einer Intensität, die ihr den Atem raubte.
— Du hast mich noch nicht richtig gesehen — murmelte sie und versuchte, die Spannung zu lösen.
— Ich habe genug gesehen.
Sie lachte, doch der Laut klang schwach, fast unhörbar. Dann, ohne nachzudenken, streckte sie die Hand aus und berührte sein Knie unter Wasser. Die Haut war weich, warm, und Clara spürte, wie sich der Muskel unter ihren Fingern anspannte.
— Und du? — fragte sie, die Stimme leiser als beabsichtigt. — Bist du auch schön?
Lucas antwortete nicht. Stattdessen nahm er ihre Hand und zog sie zu sich, sodass Clara durch das Wasser glitt, bis sie zwischen seinen Beinen saß. Die Bewegung war so schnell, dass sie nicht protestieren konnte – nicht, dass sie es gewollt hätte. Als sie es bemerkte, saß sie auf ihm, ihre Körper berührten sich fast, getrennt nur durch die dünne Wasserschicht und den Spitzenstoff ihrer Unterwäsche.
— Warum findest du es nicht heraus? — flüsterte er, die Lippen so nah an ihren, dass Clara den Geschmack seines Atems spüren konnte.
Sie brauchte keine weitere Ermutigung. Ihre Hände glitten über seine Schultern, spürten die Textur seiner Haut, die Konturen der Muskeln, die feine Narbe direkt unter dem Schlüsselbein – ein Geheimnis, das sie entschlüsseln wollte. Lucas stöhnte leise, als ihre Finger seine Brustwarzen streiften, und Clara lächelte zufrieden über die Reaktion.
— Gefällt dir das? — fragte sie und wiederholte die Bewegung.
— Du weißt, dass es so ist.
Sie beugte sich vor, ihre Lippen streiften sein Ohr.
— Und das?
Lucas atmete scharf ein, seine Hände umklammerten ihre Taille.
— Clara…
— Was? — Sie biss sanft in sein Ohrläppchen und spürte, wie er erschauderte. — Gefällt es dir nicht?
— Es gefällt mir zu sehr — gab er zu, die Stimme rau. — Das macht mir Angst.
Sie zog sich gerade so weit zurück, dass sie ihm in die Augen sehen konnte. Da war etwas, eine Verletzlichkeit, die sie nicht erwartet hatte, als gäbe es hinter der Selbstsicherheit einen Teil von ihm, der noch zweifelte.
— Warum? — fragte sie sanft.
Lucas zögerte. Dann, mit einem Seufzer, nahm er ihr Gesicht in seine Hände.
— Weil ich nicht will, dass es aufhört.
Die Worte schwebten zwischen ihnen, aufgeladen mit Bedeutung. Clara spürte, wie sich ihr Herz zusammenzog, doch bevor sie antworten konnte, zog Lucas sie in einen Kuss. Diesmal gab es kein Zögern, kein Spiel. Es war ein hungriger, verzweifelter Kuss, als wüssten beide, dass dieser Moment zu zerbrechlich war, um zu überdauern.
Seine Hände glitten über ihren Rücken, zogen sie näher, und Clara spürte die Erektion gegen ihren Bauch drücken, getrennt nur durch den dünnen Spitzenstoff ihres Slips. Sie stöhnte gegen seine Lippen, ihr Körper reagierte instinktiv, die Beine öffneten sich ein wenig mehr, als wüsste er genau, was sie wollte.
Lucas unterbrach den Kuss, seine Lippen glitten über ihren Hals, hinterließen eine Spur aus Feuer auf der empfindlichen Haut. Clara bog den Rücken durch, bot sich ihm an, und er ließ sich nicht lange bitten. Seine Zähne streiften ihr Schlüsselbein, seine Zunge zeichnete langsame Kreise um ihre Brustwarze, selbst durch den nassen Stoff der Unterwäsche.
— Lucas… — flüsterte sie, ihre Nägel gruben sich in seine Schultern.
— Was? — murmelte er, der Mund noch beschäftigt. — Willst du, dass ich aufhöre?
— Nein. — Das Wort kam als Stöhnen. — Bitte hör nicht auf.
Er lachte leise, der Laut vibrierte gegen ihre Haut.
— Dann sag mir, was du willst.
Clara zögerte. Sie war nie gut darin gewesen, zu sagen, was sie wollte, doch hier, in diesem Moment, mit dem Körper in Flammen und dem Verstand getrübt von Lust, kamen die Worte ohne Mühe.
— Ich will, dass du mich berührst — sagte sie, die Stimme zitterte. — Dass du mich… alles fühlen lässt.
Lucas brauchte keine weitere Ermutigung. Seine Hände glitten über ihre Taille, zogen den Slip zur Seite, und dann fanden seine Finger genau die Stelle, an der Clara ihn am meisten brauchte. Sie keuchte auf, ihre Hüften bewegten sich instinktiv, suchten mehr Druck, mehr Reibung.
— So? — fragte er, die Finger kreisten langsam, quälten sie.
— Mehr — bat sie, die Stimme fast ein Schluchzen.
Lucas gehorchte, beschleunigte den Rhythmus, und Clara spürte, wie sich die Lust in ihr aufbaute, eine Feder, die kurz davor stand, sich zu lösen. Doch bevor sie den Höhepunkt erreichen konnte, hielt er inne und zog die Hand zurück.
— Noch nicht — sagte er, die Stimme rau. — Ich will, dass du mit mir kommst.
Clara öffnete die Augen, verwirrt, doch bevor sie protestieren konnte, hob Lucas sie hoch und setzte sie auf den Rand der Wanne. Das Wasser rann über ihren Körper und ließ sie bloß und verletzlich zurück. Er kniete sich ins Wasser, seine Hände umklammerten ihre Oberschenkel mit festem Griff, und dann, ohne Vorwarnung, ersetzte sein Mund seine Finger.
Clara schrie auf, der Laut hallte durch die Hütte, ihre Hände vergruben sich in seinem Haar. Lucas zeigte keine Gnade. Seine Zunge erkundete, provozierte, trieb sie immer höher, bis sie an nichts anderes mehr denken konnte als an die Lust, die sich zwischen ihren Beinen aufbaute.
— Lucas, ich… — versuchte sie zu warnen, doch die Worte verloren sich in einem Stöhnen, als er sie mit zwei Fingern penetrierte und sie im perfekten Winkel krümmte.
Der Orgasmus traf sie wie eine Welle, zerriss sie in tausend Stücke, und Clara klammerte sich an ihn, die Muskeln zitterten, ihr ganzer Körper ergab sich der Lust. Lucas hörte nicht auf, bis sie völlig erschöpft war, ihre Stöhnen sich in schwache Seufzer verwandelten.
Als er sich schließlich zurückzog, zog er sie zurück ins Wasser und umarmte sie fest. Clara legte den Kopf an seine Schulter, das Herz raste noch, die Haut kribbelte.
— Das war… — begann sie, doch die Worte fehlten ihr.
— Nur der Anfang — beendete Lucas den Satz und küsste ihre Schläfe.
Clara lächelte, doch innerlich nagte etwas an ihr. Denn jetzt, nachdem sie gekostet hatte, was er zu bieten hatte, wusste sie, dass es nicht genug sein würde. Sie wollte mehr. Sie wollte alles.
Und zum ersten Mal war sie sich nicht sicher, ob Lucas bereit war, es ihr zu geben.
Die Nacht hatte sich über das Refugium der Wolken gelegt wie ein schwerer Mantel, voller unausgesprochener Versprechen. Clara strich sich mit den Fingern durch das noch feuchte Haar vom Bad, der Dampf des Ofuros haftete an ihrer Haut wie ein zweites, dünnes und unsichtbares Gewebe. Das Zimmer lag in Stille, nur das ferne Knistern des Kamins im Hauptraum drang durch die Holzwände. Sie zog das schwarze Seidennachthemd an, das sie im Koffer mitgebracht hatte – ein Impuls, eine Hoffnung – und schlüpfte in die flauschigen Pantoffeln, spürte den Kontrast zwischen der Kälte des Bodens und der Hitze, die noch zwischen ihren Beinen pulsierte.
Das hatte sie nicht geplant. Oder vielleicht doch, tief in ihrem Inneren.
Der Flur war leer, nur von den Petroleumlampen erleuchtet, die von der Decke hingen und tanzende Schatten an die Wände warfen. Die Luft roch nach Kiefern und etwas anderem – Rauch von brennendem Holz, vielleicht, oder dem Duft ihrer eigenen Begierde, die langsam wie Glut unter Asche brannte. Clara blieb vor Lucas’ Tür stehen. Einen Moment zögerte sie. Was sollte sie sagen? *Ich bin gekommen, um zu holen, was du begonnen hast?* *Ich will beenden, was das heiße Wasser unvollendet ließ?* Doch die Worte waren unnötig. Er würde es wissen. Sie wussten es beide.
Sie hob die Hand und klopfte. Drei leichte Schläge, als teste sie die Festigkeit des Holzes. Oder ihren eigenen Mut.
Die Tür öffnete sich fast sofort, als hätte er gewartet. Lucas stand barfuß da, nur in einer grauen Jogginghose, die tief auf seinen Hüften saß und das definierte V der Muskeln enthüllte, das bis zu seiner Leiste hinabführte. Sein nackter Oberkörper glänzte im bernsteinfarbenen Licht der Nachttischlampe, Wassertropfen hingen noch in den dunklen Brusthaaren, als wäre er gerade aus der Dusche gestiegen. Der Geruch von männlicher Seife und etwas Urtümlicherem – sauberer Schweiß, erhitzte Haut – drang in Claras Sinne. Sie schluckte.
— Du bist gekommen — sagte er, die Stimme rau, als wären die Worte aus einer tiefen Stelle in ihm gerissen worden.
Es war keine Frage. Es war eine Feststellung.
Clara trat ein, ohne zu antworten, die Füße versanken im flauschigen Teppich. Lucas’ Zimmer war kleiner als ihres, aber lebendiger – Kleidung lag über dem Stuhl, eine halbvolle Cognacflasche stand auf dem Nachttisch, das Feuer im Kamin knisterte laut, als hätte jemand gerade die Flammen geschürt. Das Bett war ungemacht, die Laken zerwühlt, und für einen Moment stellte sie sich vor, wie er dort gelegen hatte, allein, sich selbst berührte, während er an sie dachte.
— Ich konnte nicht warten — gab sie zu und drehte sich zu ihm um. Das Nachthemd rutschte von ihren Schultern, zu dünn, um die bereits harten Brustwarzen zu verbergen. — Nicht nach gestern.
Lucas schloss die Tür mit einem leisen Klicken und lehnte sich dagegen, die Arme vor der Brust verschränkt. Seine Augen glitten langsam über ihren Körper, als würde er jede Kurve, jeden Schatten auswendig lernen. Sie spürte das Gewicht dieses Blicks wie eine körperliche Berührung, eine Liebkosung, die feurige Spuren auf ihrer Haut hinterließ.
— Du zitterst — murmelte er.
— Es ist kalt.
— Nein, ist es nicht.
Sie lachte, ein tiefer, nervöser Laut. — Nein, ist es nicht.
Er trat näher, langsam, als fürchte er, sie zu erschrecken. Doch Clara wich nicht zurück. Als seine großen Hände ihre Taille umfassten, stieß sie einen Seufzer aus, den sie nicht wusste, dass sie angehalten hatte. Die Wärme seines Körpers drang durch die Seide und verbrannte sie. Lucas neigte den Kopf, seine Lippen streiften ihr Ohr.
— Was willst du, Clara?
Die Frage war einfach, doch sie trug das Gewicht all dessen, was ungesagt geblieben war. Sie schloss die Augen und spürte seinen warmen Atem auf ihrer Haut.
— Dich — flüsterte sie. — Nur dich.
Er brauchte nichts weiter.
Lucas’ Hände glitten über ihren Rücken, zogen sie mit einer Dringlichkeit an sich, die seine scheinbare Ruhe Lügen strafte. Clara bog sich ihm entgegen, spürte seine Härte gegen ihren Bauch, und ein Stöhnen entwich ihren Lippen, als er sanft in ihr Ohrläppchen biss. Ihr Körper reagierte sofort, die Hüften bewegten sich von selbst, suchten Kontakt, Reibung, Erlösung.
— Geduld — murmelte er, doch seine eigenen Hände verrieten ihn, glitten nach unten, packten ihre Pobacken und drückten fest zu. — Wir haben die ganze Nacht.
— Ich will keine Geduld — erwiderte sie und grub die Nägel in seine Schultern. — Ich will dich in mir. Jetzt.
Lucas lachte, ein dunkler, zufriedener Laut, und dann drückte er sie gegen die Wand. Der Aufprall presste ihr die Luft aus den Lungen, doch bevor sie wieder atmen konnte, war sein Mund auf ihrem, gierig, fordernd. Seine Zunge drang ein, erkundete, dominierte, während seine Hände ihr Nachthemd hochschoben und sie entblößten. Die kalte Nachtluft streifte ihre nackte Haut, doch die Hitze seines Körpers ersetzte sie schnell und verbrannte sie.
Sie packte sein Haar und zog ihn näher, während er mit den Lippen über ihren Hals, ihre Brüste hinabglitt, biss, leckte, bis ihre Brustwarzen hart und schmerzend waren. Als er eine davon in den Mund nahm und fest saugte, stöhnte Clara laut auf, die Beine gaben nach. Lucas hielt sie fest, eine Hand zwischen ihren Schenkeln, die Finger streiften die Feuchtigkeit, die bereits zwischen ihnen hinablief.
— So nass — flüsterte er, die Stimme voller Verlangen. — Warst du schon so, bevor du hierherkamst?
— Seit gestern — gab sie zu, atemlos. — Seit du mich im Ofuro berührt hast.
Er knurrte, ein animalischer Laut, und dann hob er sie hoch. Clara schlang die Beine um seine Taille und spürte die Härte seiner Erektion genau dort, wo sie ihn am meisten brauchte. Lucas trug sie zum Bett und legte sie auf die Laken, sein Körper bedeckte den ihren in einer fließenden Bewegung. Einen Moment lang betrachtete er sie nur, die Augen dunkel im Feuerschein.
— Du bist wunderschön — sagte er, die Stimme rau. — Aber so, mit geschwollenen Lippen und der von meinen Zähnen gezeichneten Haut… bist du unwiderstehlich.
Clara streckte die Hand aus und zog ihn zu sich herab, und er widerstand nicht. Ihre Körper passten perfekt zusammen, als wären sie füreinander gemacht. Sie spürte sein Gewicht, die zurückgehaltene Kraft in den Muskeln, die unter ihren Händen zitterten, und wusste, dass er sich für sie zurückhielt.
— Halte dich nicht zurück — flüsterte sie und biss in seine Unterlippe. — Ich halte das aus.
Lucas stöhnte, die Hüften bewegten sich in einem langsamen, quälenden Rhythmus gegen sie. — Du hast keine Ahnung, worum du bittest.
— Dann zeig es mir.
Er brauchte keine weitere Ermutigung.
Mit einer schnellen Bewegung drehte Lucas Clara auf den Bauch und zog ihre Hüften nach oben, sodass sie auf allen vieren war. Sie bog den Rücken durch und bot sich ihm an, und hörte, wie seine Hose hastig heruntergezogen wurde. Der Stoff streifte ihre Pobacken, und dann war er da, die Spitze seiner Erektion stupste gegen ihren feuchten Eingang.
— Letzte Chance — sagte er, die Stimme angespannt. — Wenn du nein sagst, höre ich auf.
Clara blickte über die Schulter und sah ihm in die Augen. — Wenn du jetzt aufhörst, bringe ich dich um.
Lucas lachte, doch der Laut verwandelte sich in ein Stöhnen, als er mit einer einzigen Bewegung in sie eindrang und sich bis zum Anschlag in ihr vergrub. Clara schrie auf, die Lust vermischte sich mit einem kurzen Schmerz, doch ihr Körper passte sich schnell an und umschloss ihn, presste ihn zusammen. Er blieb einen Moment reglos, die Finger gruben sich in ihre Hüften, als müsse er sich beherrschen.
— Verdammt — knurrte er. — Du bist so eng.
Clara bewegte die Hüften und forderte ihn heraus. — Und du bist zu groß, um stillzuhalten.
Er brauchte keine weitere Aufforderung.
Lucas begann sich zu bewegen, erst langsam, jeder Stoß tief und bedacht, als wolle er jede ihrer Reaktionen auswendig lernen. Doch bald wurde der Rhythmus schneller, ihre Körper prallten gegeneinander, das Bett knarrte unter ihnen. Clara vergrub das Gesicht im Kissen und erstickte ihre Stöhnen, doch Lucas zog an ihren Haaren und zwang sie, den Rücken durchzubiegen.
— Versteck dich nicht — befahl er, die Stimme rau. — Ich will dich hören.
Sie gehorchte und ließ die Laute frei, vermischte sie mit seinen Grunzlauten, dem Geräusch ihrer aufeinandertreffenden Körper, dem Knistern des Kamins. Die Lust wuchs in ihr, eine heiße, überwältigende Welle, und dann war sie da, riss sie mit sich.
— So, genau so — murmelte er und beschleunigte den Rhythmus. — Komm für mich, Clara. Komm mit mir.
Sie konnte nicht widerstehen.
Der Orgasmus traf sie wie ein Blitz, zerriss sie von innen nach außen und ließ ihren ganzen Körper zittern. Lucas hielt sie fest, bewegte sich weiter in ihr, verlängerte die Lust, bis auch er den Höhepunkt erreichte, sich tief in ihr vergrub und einen rauen Stöhnlaut gegen ihren Nacken ausstieß.
Einen langen Moment blieben sie so, keuchend, die schweißnassen Körper aneinandergedrückt. Dann löste sich Lucas von ihr und legte sich neben sie, zog sie in seine Arme. Clara schmiegte sich an seine Brust und hörte seinen Herzschlag, so schnell wie ihren eigenen.
— Das war… — begann sie, doch die Worte fehlten ihr.
— Ich weiß — murmelte er und küsste ihre Stirn.
Sie blieben eine Weile so liegen, schweigend, spürten nur die Gegenwart des anderen. Doch dann bewegte sich Clara und drehte sich zu ihm um.
— Was ist? — fragte Lucas und zeichnete mit den Fingern träge Muster auf ihren Rücken.
— Nichts — log sie, doch er kannte sie schon zu gut. Er drehte sie auf den Rücken und hielt sie unter sich fest, die dunklen Augen auf sie gerichtet.
— Sprich.
Clara zögerte, doch dann entschied sie, dass zwischen ihnen kein Platz mehr für Lügen war.
— Ich will nicht, dass es aufhört.
Lucas antwortete nicht sofort. Er betrachtete sie nur, als versuche er, etwas in ihrem Gesicht zu entschlüsseln. Dann, mit einem Seufzer, rollte er sich auf die Seite und zog sie auf sich.
— Ich auch nicht — gab er schließlich zu. — Aber du reist morgen ab.
Clara sagte nichts. Sie wusste, dass er recht hatte. Doch das machte es nicht leichter.
— Und wenn es nicht das Ende ist? — fragte sie, die Stimme sanft, fast schüchtern.
Lucas schloss für einen Moment die Augen, als erwäge er ihre Worte. Als er sie wieder öffnete, lag etwas Neues in seinem Blick – etwas, das Clara nicht entschlüsseln konnte.
— Dann finden wir es heraus — sagte er und zog sie in einen langsamen, tiefen Kuss.
Und für den Moment war das genug.
Der erste Sonnenstrahl durchbrach den halb geöffneten Vorhang wie eine goldene Klinge, durchschnitt die Dämmerung des Zimmers und fiel auf die zerwühlten Laken. Clara öffnete langsam die Augen und spürte das warme Gewicht von Lucas’ Arm, der noch immer um ihre Taille lag, seinen gleichmäßigen, tiefen Atem im Nacken. Einen Moment lang blieb sie reglos liegen und nahm die raue Textur der Haare auf seiner Brust an ihrem Rücken wahr, den Geruch von verbranntem Holz und getrocknetem Schweiß, der in den Laken hing, das gedämpfte Heulen des Windes draußen, als schliefe die ganze Welt noch unter einer Schneedecke.
Doch die Uhr auf dem Nachttisch log nicht: halb sieben. Ihr Flug ging um zehn, und die Fahrt zum Flughafen würde fast zwei Stunden dauern. Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, schlüpfte sie aus dem Bett, die nackten Füße versanken im flauschigen Teppich. Die morgendliche Kälte ließ ihre Haut kribbeln, und sie wickelte sich in Lucas’ Bademantel, der noch seine Wärme und den zitronigen Duft seiner Seife bewahrt hatte. Als sie sich dem Fenster näherte, zog sie den Vorhang gerade so weit zur Seite, um hinauszuspähen: Der Berg war in Nebel gehüllt, doch der Himmel begann sich in Rosa- und Orangetönen zu färben, als hätte jemand einen Aquarellpinsel über den Horizont gezogen.
— Gehst du so?
Lucas’ Stimme, vom Schlaf rau, ließ ihr Herz einen Sprung machen. Sie drehte sich um und sah ihn auf einen Ellbogen gestützt, die Haare zerzaust, die Augen halb geschlossen, aber aufmerksam. In seiner Haltung lag etwas Raubtierhaftes, als hätte er noch nicht entschieden, ob er sie gehen lassen oder zurück ins Bett ziehen würde.
— Ich wollte dich nicht wecken — sagte sie und zog den Bademantel enger um sich.
— Lüge. — Er lächelte langsam und gefährlich. — Du wolltest mich hier allein lassen, mit der Erinnerung an deinen Duft in den Laken.
Clara spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Genau das hatte sie gewollt. Sie wollte den Abschied nicht teilen, wollte nicht seinen Gesichtsausdruck sehen, wenn sie Lebewohl sagte. Doch Lucas stand bereits auf, nackt, die Rückenmuskeln bewegten sich unter der gebräunten Haut, während er sich streckte. Sie wandte den Blick ab, doch nicht schnell genug: Sie sah die Spuren ihrer Zähne auf seiner Schulter, die Kratzer ihrer Nägel an seinen Oberschenkeln, die Beweise einer Nacht, die nicht mit dem Morgen enden würde.
— Ich muss duschen — murmelte sie und versuchte, sachlich zu klingen.
— Musst du? — Er trat einen Schritt näher, und Clara wich zurück, bis sie die kalte Wand im Rücken spürte. — Oder versuchst du nur zu fliehen?
— Lucas…
— Pssst. — Er nahm ihr Gesicht in die Hände, der Daumen strich über ihre Unterlippe. — Ich weiß. Du hast einen Flug zu erwischen. Ein Büro, das auf dich wartet. Ein Leben, das keinen Bergführer mit schwieligen Händen und einer Vorliebe für billigen Cognac einschließt.
Sie lachte, doch der Laut klang erstickt. — So ist es nicht.
— Wie dann?
Clara schloss die Augen. Sie wollte es nicht sagen. Wollte nicht, dass er wusste, dass sie zum ersten Mal seit Jahren Angst vor etwas hatte, das nichts mit einem überfälligen Bericht oder einem Meeting mit Investoren zu tun hatte. Angst davor, dass all das sich in eine weitere schöne, aber leere Erinnerung verwandeln würde, sobald sie dieses Zimmer verließ.
— Ich will nur nicht, dass es ein Abschied ist.
Lucas antwortete nicht. Stattdessen beugte er sich vor und küsste ihre Stirn, dann die Nase, dann die Lippen, langsam, als würde er den Umriss ihres Mundes auswendig lernen. Als er sich zurückzog, waren seine Augen ernst.
— Dann lass es nicht sein.
Sie verstand es erst, als er sich umdrehte und etwas aus der Schublade des Nachttischs nahm: ein kleines Notizbuch und einen Stift. Er reichte es ihr schweigend. Clara zögerte, doch dann öffnete sie das Buch und schrieb ihren Namen, gefolgt von einer Telefonnummer. Als sie fertig war, riss sie das Blatt heraus und faltete es in der Mitte, unsicher, was sie damit tun sollte.
— Lass es hier — sagte er, nahm das Papier und legte es auf den Nachttisch. — Wenn ich dich finden will, rufe ich an.
— Und wenn ich dich vorher finden will?
Lucas lächelte, doch hinter diesem Lächeln lag ein Schatten. — Dann weißt du, wo du mich findest.
Das Badezimmer war kalt, die Fliesen eisig unter ihren Füßen. Clara drehte die Dusche auf und ließ das heiße Wasser über ihren Körper laufen, versuchte, das Gefühl loszuwerden, einen Fehler zu begehen. Doch egal, wie oft sie sich mit Seife einrieb, spürte sie noch immer seine Berührung an jeder Stelle – die Spuren seiner Finger an ihren Hüften, das Pochen zwischen ihren Beinen, den salzigen Geschmack, der noch auf ihren Lippen haftete.
Als sie herauskam, in ein Handtuch gewickelt, war Lucas bereits angezogen, trug ein kariertes Flanellhemd und abgetragene Jeans. Er stand mit dem Rücken zu ihr und blickte aus dem Fenster, drehte sich jedoch um, als er sie hörte.
— Ist dein Koffer gepackt?
Sie nickte und zeigte auf die kleine Reisetasche neben der Tür. Er nahm sie wortlos und trug sie zur Zimmertür, doch bevor er sie öffnete, blieb er stehen.
— Clara.
Sie hob den Blick, und was sie in seinem Gesicht sah, ließ ihr den Atem stocken. Es war keine Traurigkeit, keine Resignation. Es war etwas Gefährlicheres: Hoffnung.
— Vergiss mich nicht.
Die Worte hingen schwer zwischen ihnen. Clara spürte einen Kloß im Hals, doch sie zwang sich zu einem Lächeln.
— Unmöglich.
Er öffnete die Tür, und der Flur der Pension war still, nur das ferne Pfeifen eines Wasserkochers in der Küche war zu hören. Lucas begleitete sie zur Rezeption, wo die Besitzerin der Pension, eine Frau mit grauen Haaren und scharfem Blick, bereits mit einem in Alufolie eingewickelten Frühstück wartete.
— Für unterwegs — sagte sie und reichte Clara das Päckchen mit einem wissenden Lächeln.
Clara bedankte sich und vermied es, Lucas anzusehen. Sie wusste, wenn sie es täte, würde sie nicht von hier wegkommen.
Der Mietwagen war mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt, und sie brauchte einige Minuten, um ihn freizukratzen, die Hände zitterten vor Kälte. Als sie schließlich den Motor startete, stand Lucas noch immer in der Tür der Pension, die Arme verschränkt, der Wind zerzauste sein Haar. Sie ließ das Fenster herunter.
— Willst du dort stehen bleiben, bis ich außer Sichtweite bin?
— Vielleicht.
Sie lachte, doch der Laut klang gebrochen. — Dann werde ich mich Zeit lassen.
Er antwortete nicht. Stand nur da, reglos, während sie den Gang einlegte und die kurvenreiche Straße hinabfuhr. Im Rückspiegel sah sie ihn kleiner werden, bis er nur noch ein dunkler Punkt vor der Holzfassade der Pension war. Und dann, als sie die erste Kurve nahm, verschwand er.
Die Fahrt zum Flughafen war ein Nebel aus wirren Gedanken. Sie schaltete das Radio ein, doch nach ein paar Minuten wieder aus, unfähig, die fröhliche Musik zu ertragen. Stattdessen ließ sie die Stille den Wagen erfüllen, unterbrochen nur vom Knirschen der Reifen im Schnee und dem Geräusch ihres eigenen Atems. Als sie auf dem Parkplatz des Flughafens ankam, war es fast Zeit für den Check-in. Sie nahm den Koffer und das vergessene Frühstück vom Beifahrersitz, doch als sie den Wagen abschloss, fiel ihr etwas auf: ein Stück Papier, das unter dem Scheibenwischer klemmte.
Mit klopfendem Herzen zog sie es hervor. Es war ein Blatt aus demselben Notizbuch, in das sie ihre Nummer geschrieben hatte. In großen, unregelmäßigen Buchstaben hatte Lucas geschrieben:
**„Es war kein Abschied. Es war ein ‚bis bald‘.“**
Und darunter, in kleineren Buchstaben:
**„Ruf mich an, wenn du angekommen bist. Oder früher. Oder nie. Aber wisse, dass ich auf dich warten werde.“**
Clara drückte das Papier an ihre Brust und spürte, wie ihr die heißen Tränen über die Wangen liefen. Es war nicht das Ende. Nicht einmal ein Abschied. Es war ein Versprechen – ein Versprechen von Feuer, von Bergen, von verbotenen Nächten, die noch kommen würden.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit glaubte sie an Versprechen.