Feuer in den Bergen: Verbotene Nächte in der Pension im Tal
Von Tonkix

**Feuer in den Bergen: Verbotene Nächte in der Pension im Tal**
Die erste Windbö traf Claras Wagen wie ein eisiger Faustschlag und ließ das Lenkrad in ihren Händen erzittern. Die Scheibenwischer kämpften gegen den Schnee, der in dicken Flocken fiel und die Welt in einen verschwommenen Schleier aus Weiß und Grau verwandelte. Sie umklammerte das Lenkrad fester, die Knöchel weiß unter dem schwachen Licht des Armaturenbretts. *Warum zum Teufel habe ich diesen Job angenommen?*, dachte sie und biss sich auf die Unterlippe, bis sie den metallischen Geschmack von rissigem Lippenstift spürte.
Die Pension sollte laut GPS gleich da sein, doch der Handybildschirm flackerte hartnäckig, als weigere sich das Tal selbst, seine Geheimnisse preiszugeben. Clara stieß einen Seufzer aus, der die Scheibe beschlug, und zeichnete für einen Moment ein schiefes Herz mit dem Finger, bevor sie es mit dem Ärmel ihres Mantels wegwischte. *Pathetisch.* Aber besser, als zuzugeben, dass ihr in den letzten Monaten selbst Klischees realer erschienen als ihre eigene Schriftstellerei.
Dann sah sie sie.
Die Pension im Tal tauchte aus dem Sturm auf wie eine Fata Morgana aus einem Märchen: ein Gebäude aus Stein und Holz, mit erleuchteten Fenstern, die warmes Gold auf den Schnee warfen. Die Lichter flackerten, als hätte jemand in jeder Ecke Kerzen angezündet, und das schräge Dach sah aus wie der Zuckerhut einer Hexe. Clara parkte den Wagen mit einem Ruck, der Motor hustete, bevor er verstummte. Einen Moment lang blieb sie sitzen und lauschte der plötzlichen Stille – nur der Wind, der zwischen den Bäumen heulte, und das ferne Knistern eines Kamins.
Die Kälte traf sie wie eine Klinge, als sie die Tür öffnete. Sie zog die Kapuze ihres Mantels über den Kopf, doch der Wind fand ihren Nacken, glitt unter den Kragen wie neugierige Finger. Der Schnee klebte an ihren Wimpern, schmolz zu kalten Tränen, die ihr über die Wangen liefen. Clara fluchte leise, zog den Rollkoffer über den unebenen Steinweg, jeder Schritt ein kleines Desaster. Als sie endlich die Tür der Pension erreichte, zitterten ihre Hände so sehr, dass sie den eisernen Türgriff kaum drehen konnte.
Die Wärme umfing sie wie eine Umarmung. Die Diele war ein Refugium aus Düften: Zimt, brennendes Holz, etwas Zitroniges und Süßes – vielleicht Orange oder Bergamotte. Clara schloss für einen Moment die Augen und ließ den Geruch in ihre Lungen dringen, als könnte sie die Ruhe des Ortes durch den Geruchssinn in sich aufnehmen. Als sie sie wieder öffnete, lächelte eine Frau mit graumeliertem Haar, das zu einem lockeren Dutt gebunden war, hinter dem Empfangstresen.
— Guten Abend, meine Liebe. Sie müssen Clara sein. — Die Stimme war warm wie Honig, der über frisches Brot fließt. — Ich bin Dona Marta. Willkommen in der Pension im Tal.
Clara lächelte erleichtert. — Danke. Die Straße… war etwas kompliziert.
— Das kann ich mir vorstellen. Dieser Sturm hat uns alle überrascht. — Dona Marta schob einen alten Schlüssel über den Tresen, das kalte Metall klirrte gegen den Marmor. — Ihr Zimmer ist die Nummer 7, am Ende des Flurs. Es brennt schon ein Kaminfeuer, und eine Flasche Wein wartet auf Sie.
— Das klingt… perfekt.
— Und das ist es. — Die Frau zwinkerte ihr zu. — Genießen Sie es. Und wenn Sie etwas brauchen, rufen Sie einfach.
Clara zog den Koffer den Flur entlang, die Absätze ihrer Stiefel versanken im flauschigen Teppich. Zimmer 7 war genau so, wie versprochen: ein Himmelbett mit einer Patchworkdecke, ein fröhlich knisternder Kamin und auf dem Nachttisch eine Flasche Rotwein mit einem handgeschriebenen Zettel: *"Für kalte Nächte. — D.M."*
Sie ließ sich aufs Bett fallen, versank in der weichen Matratze und stöhnte leise. Die Last auf ihren Schultern fühlte sich hier ein wenig leichter an. Doch dann, als wolle das Universum sie daran erinnern, dass sie nicht allein war, drang ein Geräusch durch die dünne Wand: das Knarren eines Bettes, ein unterdrücktes Seufzen, das Klirren von Gläsern.
Clara runzelte die Stirn. *Jemand ist schon da.*
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Auf der anderen Seite der Wand streckte Lucas die Arme über den Kopf, die Rückenmuskeln protestierten nach Stunden über Skizzen von Bauprojekten gebeugt. Der Kamin in seinem Zimmer warf tanzende Schatten an die Steinwände, und der Wein, den er sich früher bestellt hatte, hinterließ einen Geschmack von dunklen Früchten auf der Zunge.
Er hatte nicht vorgehabt, so lange in der Pension zu bleiben. Eigentlich war er nur gekommen, um dem Büro, den unmöglichen Deadlines und den endlosen Meetings zu entfliehen. Doch etwas an diesem Ort – die Stille, der Schnee, die Art, wie das Kaminfeuer alles langsamer erscheinen ließ – hatte ihn hier festgehalten. Und jetzt, nach drei Tagen, fühlte er sich fast wieder… menschlich.
Ein Donner grollte draußen und ließ die Fenster erzittern. Lucas stand auf, nackt, und ging zum Balkon. Der Schnee wirbelte herab und bedeckte die Berge wie ein Mantel. Er atmete tief ein, spürte, wie die eisige Luft in seinen Lungen brannte. *Das ist Leben*, dachte er. Nicht diese Glas- und Stahlwände, die er für andere entwarf, sondern *das* – die Natur, die Stille, das Feuer.
Dann hörte er es.
Ein gedämpftes Geräusch, als würde jemand auf der anderen Seite der Wand lachen. Lucas neigte den Kopf und lauschte. Es war ein weibliches Lachen, leicht, fast musikalisch. Neugierig trat er näher an die Wand, die sein Zimmer von Claras trennte.
Und dann ein weiteres Geräusch: ein tieferes, längeres Seufzen.
Lucas spürte, wie sein Körper reagierte, bevor er es überhaupt realisierte. Das Blut schoss schneller durch seine Adern und wärmte ihn von innen. Er schloss die Augen, stellte sich vor – *wer könnte dort sein? Wie würde sie aussehen?* – und als er sie wieder öffnete, glitt seine Hand bereits über seinen eigenen Körper, im Rhythmus der Geräusche von nebenan.
Doch dann, als hätte das Schicksal einen grausamen Sinn für Humor, verstummten die Geräusche.
Lucas stieß ein frustriertes, leises Lachen aus und kehrte zum Bett zurück. *Morgen*, dachte er. *Morgen finde ich heraus, wer sie ist.*
Und während draußen der Sturm tobte, schlugen zwei Herzen schneller, ohne zu ahnen, dass der Zufall sie in wenigen Stunden in die Arme des anderen treiben würde.
Der Morgen kam langsam, als hätte auch die Zeit sich vom Gewicht der vergangenen Nacht mitreißen lassen. Der Sturm hatte nachgelassen, doch der Himmel hing noch voller dichter, grauer Wolken, die ein blasses Licht über die Berge filterten. Die eisige Luft drang durch die Ritzen der Fenster und trug den Geruch von nassem Kiefernholz und feuchter Erde mit sich.
Lucas erwachte vor Tagesanbruch, der Körper noch vibrierend von der Erinnerung an die Geräusche, die ihn bis spät in die Nacht wachgehalten hatten. Er stand langsam auf, als könnte jede plötzliche Bewegung das Bild, das sich in seinem Kopf formte – die Frau von nebenan, ihre Seufzer, die Art, wie ihre Stimme sich um etwas Tiefes in ihm zu winden schien – vertreiben. Er duschte schnell, das heiße Wasser rann über seine angespannten Muskeln, und zog ein Flanellhemd und dunkle Jeans an, als könnte er sich so vor der Kälte schützen… oder vor etwas anderem.
Clara hatte schlecht geschlafen. Fragmentarische Träume hatten sie verfolgt – Hände, die nicht ihre eigenen waren, geflüsterte Stimmen, die Hitze eines unbekannten Körpers, der sich gegen ihren presste. Als sie die Augen öffnete, war das Zimmer von einem kalten Licht erhellt, und für einen Moment dachte sie, Schritte vor der Tür gehört zu haben. Doch es war nur der Wind, der gegen die Scheiben klopfte wie ungeduldige Finger. Sie stand auf, wickelte sich in den flauschigen Bademantel der Pension und ging zum Fenster. Unten erstreckte sich das Tal in einem weißen Mantel, unterbrochen nur von den dunklen Silhouetten der Bäume. Sie atmete tief ein, spürte, wie die eisige Luft in ihren Lungen brannte, und beschloss, dass sie Kaffee brauchte. Viel Kaffee.
Die Diele der Pension im Tal war ein Refugium aus Wärme und Gemütlichkeit. Die dunklen Holzwände reflektierten das orangefarbene Licht des Kamins, der leise knisterte und tanzende Schatten auf die abgenutzten Ledersofas warf. Ein Duft von Zimt und Nelken schwebte in der Luft, vermischt mit dem Geruch von Toast und frischem Kaffee. Clara stieg langsam die Treppe hinab, die Finger glitten über das polierte Geländer, die Augen noch schwer vom Schlaf. Als sie die letzte Stufe erreichte, blieb sie stehen.
Er war da.
Mit dem Rücken zu ihr, nahe dem Kamin, hielt er eine dampfende Tasse in den Händen. Lucas. Der Mann, der, ohne es zu wissen, ihre Nächte mit verbotenen Fantasien bevölkert hatte. Er trug ein dunkelblaues Flanellhemd, die Ärmel bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, und enthüllte kräftige Unterarme, gezeichnet von feinen Adern. Die braunen Haare, leicht zerzaust, fielen ihm in die Stirn, und sie hatte den Drang, sie mit den Fingern zurückzustreichen, nur um zu sehen, wie er reagieren würde. Doch sie rührte sich nicht. Beobachtete nur.
Als spürte er das Gewicht ihres Blicks, drehte Lucas sich langsam um.
Ihre Blicke trafen sich.
Und etwas in der Luft veränderte sich.
Clara spürte, wie ihr Herz schneller schlug, als wäre sie auf frischer Tat ertappt worden. Er musterte sie mit einer Intensität, die sie den Atem anhalten ließ – grüne Augen, tief, als könnten sie mehr sehen als nur die Oberfläche. Ein langsames Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus, als kenne er ein Geheimnis. Oder als wäre er dabei, eines zu entdecken.
— Guten Morgen — sagte er, die Stimme rau, tief. — Ich hoffe, der Sturm hat Sie nicht wachgehalten.
Clara zögerte einen Moment. *Er weiß es.* Aber wie? Es sei denn… es sei denn, er hatte *sie* auch gehört. Der Gedanke ließ sie erröten, doch sie hob das Kinn, herausfordernd.
— Nicht der Sturm — antwortete sie und trat näher. — Aber vielleicht etwas… oder jemand.
Lucas hob eine Augenbraue, neugierig. Das Spiel hatte begonnen.
— Jemand? — wiederholte er mit gespielter Unschuld. — Hier? Außer uns beiden?
Sie lächelte, nahm eine Tasse Kaffee vom Tresen und goss sich ein. Die heiße Flüssigkeit brannte auf ihrer Zunge, doch es war ihr egal. Es war gut, etwas Reales zu spüren.
— Vielleicht — murmelte sie und blickte ihn über den Rand der Tasse hinweg an. — Oder vielleicht mag ich es einfach, mir Dinge einzubilden.
Lucas lachte, ein tiefer Klang, der in ihrer Brust widerhallte. Er trat näher, verringerte den Abstand zwischen ihnen, und nahm eine Flasche Glühwein, die dampfend auf dem Tisch neben dem Kamin stand.
— Wein? — bot er an und schenkte zwei Gläser ein. — Ich glaube, den brauchen wir. Das Frühstück kann warten.
Clara nahm das Glas, ihre Finger streiften die seinen einen Moment länger als nötig. Die Berührung sandte einen Schauer über ihren Rücken.
— Einverstanden — sagte sie und führte den Wein an die Lippen. Die Flüssigkeit war süß, mit Noten von Gewürzen, und brannte beim Hinunterschlucken, verbreitete Wärme in ihrem ganzen Körper. — Aber nur, wenn Sie mir verraten, was Sie *wirklich* wachgehalten hat.
Lucas sah sie an, die Augen funkelten gefährlich. Er beugte sich vor, so nah, dass sie den Duft von Seife auf seiner Haut riechen konnte, vermischt mit dem holzigen Aroma des Weins.
— Und wenn ich sagen würde, dass es dasselbe war, das *Sie* wachgehalten hat?
Claras Herzschlag beschleunigte sich. Sie wich seinem Blick nicht aus.
— Dann würde ich sagen, dass Sie unfair spielen.
— Oder vielleicht — murmelte er, die Stimme fast ein Flüstern — bin ich einfach nur ehrlich.
Die darauffolgende Stille war geladen. Das Feuer knisterte, die Flammen warfen goldene Reflexe in ihre Augen. Clara spürte, wie ihr Körper auf seine Nähe reagierte – die Wärme des Kamins war nichts im Vergleich zu dem Feuer, das zwischen ihnen zu lodern schien. Sie nahm einen weiteren Schluck Wein, ließ den Alkohol sie von innen wärmen, und dann, ohne nachzudenken, streckte sie die Hand aus und berührte seinen Arm. Der Flanell war weich unter ihren Fingern, doch die Haut darunter war warm und fest.
— Und wenn ich sagen würde, dass es mir egal ist? — fragte sie mit leiser Stimme.
Lucas antwortete nicht mit Worten. Stattdessen nahm er ihre Hand, drehte sie langsam, um ihr Handgelenk freizulegen. Clara hielt den Atem an, als er seine Lippen auf die empfindliche Haut dort drückte. Die Berührung war leicht, fast keusch, doch genug, um ihren ganzen Körper erschauern zu lassen.
— Dann — sagte er und hob den Blick zu ihr — würde ich sagen, dass wir Zeit verschwenden.
Clara spürte, wie ihr die Luft wegblieb. Sie wollte ihn an sich ziehen, wollte seine Lippen auf ihren spüren, wollte *alles*. Doch etwas hielt sie zurück. Vielleicht die Angst, den Zauber zu brechen, oder vielleicht einfach die Erregung, diesen Moment hinauszuzögern, das Verlangen wachsen zu lassen, bis es unerträglich wurde.
— Noch nicht — flüsterte sie und trat einen Schritt zurück. — Lass uns sehen, wohin uns das führt.
Lucas lächelte, ein langsames, räuberisches Lächeln.
— Bis zum Ende, Clara — sagte er und hob sein Glas zu einem stummen Toast. — Bis zum Ende.
Sie blieben dort, nahe dem Kamin, tranken Wein und unterhielten sich, als gäbe es die Welt draußen nicht. Sie sprachen über Belanglosigkeiten – das Wetter, die Pension, die Bücher, die Clara schrieb, die Architekturprojekte von Lucas – doch jedes Wort war mit etwas mehr geladen. Jedes Lachen, jede zufällige Berührung, jeder verlängerte Blick fühlte sich wie ein Versprechen an.
Als Claras Glas leer war, stellte sie es auf den Tisch und blickte aus dem Fenster. Der Schnee hatte aufgehört zu fallen, doch der Himmel war noch immer schwer, als stünde ein weiterer Sturm bevor.
— Was hältst du von einem Spaziergang? — fragte Lucas und folgte ihrem Blick. — Bevor das Wetter wieder schlechter wird.
Clara zögerte einen Moment. Ein Spaziergang bedeutete mehr Zeit miteinander, mehr Gelegenheiten, das Verlangen wachsen zu lassen. Doch es bedeutete auch Raum zum Atmen, zum Nachdenken. Und den brauchte sie.
— Warum nicht? — antwortete sie schließlich. — Aber nur, wenn du mir den besten Weg zeigst.
Lucas lächelte und streckte die Hand aus.
— Versprochen.
Und als sich ihre Finger ineinander verschränkten, wusste Clara, dass er nicht nur einen Spaziergang anbot.
Es war eine Wahl.
Und sie hatte sich bereits entschieden.
Die Nacht hatte sich über das Tal gelegt wie ein Mantel aus schwarzem Samt, durchwirkt mit silbernen Lichtpunkten. Der Sturm hatte eine Pause eingelegt, doch die Luft trug noch die feuchte Kälte des schmelzenden Schnees, vermischt mit dem Duft von Kiefern und nasser Erde. Clara und Lucas verließen die Pension Hand in Hand, die Finger verschränkt, als würden sie sich schon seit Jahren kennen. Die Wärme des Kamins und des Weins brannte noch in ihren Adern, doch jetzt war es die Kälte, die sie verband, das Bedürfnis, sich näher zu kommen, um sich zu wärmen.
Der unebene Steinpfad schlängelte sich zwischen hohen Bäumen hindurch, deren kahle Äste sich wie skelettartige Arme gegen den sternenklaren Himmel streckten. Der fast volle Mond tauchte alles in ein bläuliches Licht und verwandelte den verbliebenen Schnee in einen Teppich aus Kristallen, der unter ihren Schritten knirschte. Clara atmete tief ein und spürte, wie die schneidende Luft ihre Lungen füllte. Es war, als wäre die Welt gewaschen, gereinigt worden, und jetzt blieb nur diese absolute Stille, unterbrochen allein vom Klang ihrer Atemzüge und dem Wind, der zwischen den trockenen Blättern flüsterte.
— Bist du schon mal hier nachts spazieren gegangen? — fragte Lucas mit leiser Stimme, als wolle er die Ruhe des Ortes nicht stören.
— Nein — gab Clara zu und drückte seine Hand ein wenig fester. — Aber es scheint, als bewahre das Tal seine Geheimnisse besser, wenn die Sonne untergegangen ist.
Lucas lächelte, die weißen Zähne blitzten in der Dunkelheit.
— Geheimnisse… oder einfach Wahrheiten, die erst sichtbar werden, wenn nichts mehr da ist, das uns ablenkt.
Sie blickte ihn neugierig an. Sein Profil war eine klare Linie gegen den Himmel, die gerade Nase, der markante Kiefer, der Schatten des Dreitagebarts, der ihm einen Hauch kontrollierter Rebellion verlieh. Er wirkte wie ein Mann, der das Gewicht wichtiger Entscheidungen trug, der aber in diesem Moment alles hinter sich gelassen hatte. Wie sie.
— Und welche Wahrheiten hast du hier gefunden? — fragte sie.
Lucas blieb stehen und drehte sich zu ihr um. Der Wind zerzauste sein dunkles Haar, ließ einige Strähnen in die Stirn fallen. Clara hatte den Drang, sie wegzustreichen, mit den Fingern über diese freigelegte Haut zu fahren, doch sie hielt sich zurück.
— Dass manche Dinge stärker sind als die Vernunft — sagte er mit rauer Stimme. — Dass der Körper weiß, was er will, lange bevor der Verstand es begreift.
Claras Herzschlag beschleunigte sich. Sie spürte, wie die Hitze in ihrem Nacken aufstieg, trotz der Kälte. Es war nicht nur der Wein, nicht nur die Abgeschiedenheit der Pension. Es war er. Die Art, wie er sie ansah, als könnte er durch die Schichten ungeschriebener Worte und kreativer Blockaden direkt zu der Frau vordringen, die sie sogar vor sich selbst zu verbergen versuchte.
— Und was will dein Körper jetzt? — fragte sie herausfordernd.
Lucas trat einen Schritt näher, verringerte den Abstand zwischen ihnen. Sein Duft – eine Mischung aus holziger Seife, dem Leder seiner Jacke und etwas Primitiverem, etwas, das von seiner Haut ausging – drang in ihre Sinne. Sie hielt den Atem an.
— Dasselbe wie deiner — murmelte er, die freie Hand hob sich, um ihr Gesicht zu streicheln. Der Daumen strich langsam über ihre Unterlippe, bedächtig, absichtlich. — Aber ich werde nichts nehmen, was du nicht geben willst.
Sie schloss für einen Moment die Augen, spürte die Berührung wie ein Brennen. Als sie sie wieder öffnete, lag Feuer in ihrem Blick.
— Und wenn ich geben will?
Lucas’ Lächeln wurde breiter, doch es lag kein Triumph darin. Nur Erleichterung. Als hätte auch er auf diese Antwort gewartet.
— Dann gehen wir weiter — sagte er mit leiser Stimme. — Bevor ich hier den Verstand verliere.
Sie setzten ihren Weg fort, doch jetzt war jeder Schritt ein Tanz. Ihre Körper streiften sich, die Hände fanden und trennten sich, die Finger verschränkten und lösten sich, als würden sie Grenzen austesten. Der Pfad führte sie zu einer Lichtung, wo der Schnee fast vollständig geschmolzen war und einen Teppich aus Moos und trockenen Blättern freigelegt hatte. In der Mitte erhob sich ein großer, flacher Stein wie ein natürlicher Altar, vom Mondlicht beschienen.
Lucas blieb stehen und drehte sich zu Clara um.
— Hier — sagte er und deutete auf den Stein. — Das ist der beste Ort, um die Sterne zu sehen.
Sie blickte nach oben. Der Himmel war eine Explosion aus Licht, Millionen funkelnder Punkte, verstreut wie Diamantenstaub. Doch Clara konnte sich nicht auf die Sterne konzentrieren. Nicht mit ihm so nah, seine Körperwärme strahlte wie ein Hochofen.
— Es ist wunderschön — murmelte sie, doch ihre Augen waren auf ihn gerichtet.
Lucas verstand. Er verstand immer.
— Du bist wunderschön — sagte er mit rauer Stimme. — Schöner als jeder Stern.
Clara spürte, wie sich ihre Brust zusammenzog. Es war nicht nur Verlangen. Es war etwas Tieferes, etwas, das sie gleichermaßen erschreckte und anzog. Sie trat einen Schritt näher, eliminierte den Abstand zwischen ihnen. Lucas’ Körper war eine feste, warme Wand, und sie presste sich gegen ihn, spürte jeden Muskel, jede Kurve. Er stöhnte leise, die Hände hoben sich, um ihre Taille zu umfassen.
— Clara… — flüsterte er, als wäre ihr Name ein Gebet.
Sie antwortete nicht mit Worten. Stattdessen hob sie das Gesicht und fing seine Lippen mit ihren ein.
Der Kuss war zunächst langsam, erkundend. Lucas schmeckte nach Rotwein und Gewürzen, und Clara verlor sich in ihm, in der Textur seiner Lippen, dem sanften Druck seiner Zähne, der Zunge, die sich mit ihrer in einem uralten Tanz verflocht. Doch die Langsamkeit hielt nicht an. Das bis dahin zurückgehaltene Verlangen explodierte wie eine Flamme, die Sauerstoff findet. Lucas’ Hände glitten über ihren Rücken, zogen sie noch näher, während ihre sich in seinen Haaren vergruben und ihn nach unten zogen, als wolle sie ihre beiden Körper zu einem verschmelzen.
Der Wind wehte um sie herum, kalt und schneidend, doch Clara spürte ihn nicht. Lucas’ Hitze umhüllte sie, brannte, verzehrte. Sie bog den Körper gegen seinen, spürte die deutliche Wölbung seines Verlangens, die sich gegen ihren Bauch presste. Ein Stöhnen entwich ihren Lippen, vom Kuss erstickt, doch Lucas hörte es. Er wich nur so weit zurück, dass er ihr in die Augen sehen konnte, der Atem ging schnell.
— Bist du sicher? — fragte er, die Stimme rau vor Verlangen.
Clara zögerte nicht.
— Sicherer als bei irgendetwas seit langer Zeit.
Das genügte. Lucas hob sie an der Taille und setzte sie auf den kalten Stein. Clara keuchte ob des Temperaturunterschieds – der eisige Stein gegen die warme Haut ihrer Oberschenkel –, doch das Frösteln hielt nicht an. Lucas’ Hände waren überall, glitten über ihre Beine, zogen sie an den Rand des Steins, passten sich zwischen ihre Schenkel ein. Sie schlang die Beine um seine Hüften und zog ihn näher, spürte die Härte seiner Erektion genau dort, wo sie sie am meisten brauchte.
— Verdammt, Clara… — Lucas stöhnte und vergrub das Gesicht in ihrem Nacken. Seine Lippen fanden die empfindliche Haut, und er begann zu küssen, zu lecken, sanft zu beißen, was ihr Seufzer entlockte. — Du hast keine Ahnung, was du mit mir anstellst.
— Doch — brachte sie hervor, die Stimme stockend. — Weil es dasselbe ist, was du mit mir anstellst.
Lucas’ Hände glitten unter ihr Shirt, fanden die Brüste, die nur vom dünnen Stoff des BHs bedeckt waren. Er drückte sie sanft, die Daumen strichen über die bereits harten Brustwarzen, und Clara bog den Rücken durch, bot sich ihm weiter an. Der Wind wehte um sie herum und trug das Geräusch ihrer unterdrückten Stöhnen davon, vermischte sie mit dem Rascheln der Blätter.
— Ich muss dich berühren — murmelte Lucas gegen ihre Haut. — Ich muss dich spüren.
Clara brauchte keine weitere Aufforderung. Sie lehnte sich zurück, stützte sich auf die Hände und hob die Hüften, damit er ihre Jeans und den Slip herunterziehen konnte. Die kalte Luft traf ihre freigelegte Haut, doch sie wurde fast sofort durch die Hitze von Lucas’ Mund ersetzt. Er zögerte nicht. Seine Lippen fanden ihr Zentrum, und die Zunge begann mit einer verheerenden Präzision zu arbeiten.
Clara schrie auf, der Klang hallte über die Lichtung. Ihre Hände vergruben sich in seinen Haaren und zogen ihn näher, während ihre Beine vor der Intensität der Empfindungen zitterten. Er verschlang sie, als wäre sie die letzte Mahlzeit auf Erden, die Zunge glitt, die Lippen saugten, die Zähne streiften sanft. Jede Bewegung war darauf ausgelegt, sie an den Rand des Abgrunds zu bringen, und Clara gab sich hin, die Hüften bewegten sich im Rhythmus, den er vorgab.
— Lucas… — stöhnte sie, der ganze Körper zitterte. — Ich komme…
— Komm für mich — befahl er mit rauer Stimme. — Ich will dich spüren.
Und sie kam. Der Orgasmus traf sie wie eine Welle, brach über ihr zusammen und riss sie in ein Meer aus Lust. Clara bog den Rücken durch, die Muskeln zogen sich zusammen, die Stöhnen verwandelten sich in erstickte Schreie gegen Lucas’ Schulter. Er hörte nicht auf. Er leckte sie weiter, verlängerte das Vergnügen, bis sie es nicht mehr aushielt und seinen Kopf wegschob, lachend und keuchend.
— Genug… — brachte sie hervor, die Stimme zitterte. — Ich kann nicht mehr.
Lucas richtete sich auf, die Lippen glänzten, die Augen dunkel vor Verlangen. Er beugte sich über sie und fing ihren Mund in einem tiefen Kuss ein, ließ sie ihren eigenen Geschmack auf seinen Lippen schmecken. Clara stöhnte gegen seine Lippen, die Hände glitten über seine Jacke und zogen sie herunter, verzweifelt danach, seine Haut an ihrer zu spüren.
— Ich brauche dich — flüsterte sie, die Nägel kratzten über den Stoff seines Hemdes. — Jetzt.
Lucas brauchte keine weitere Aufforderung. Er wich nur so weit zurück, dass er den Reißverschluss seiner Hose öffnen konnte, und befreite seine Erektion, die gegen den Stoff drückte. Clara blickte nach unten, biss sich auf die Unterlippe, als sie seine Größe sah, die Dicke, den Tropfen Flüssigkeit, der an der Spitze glänzte. Sie streckte die Hand aus, umschloss ihn mit den Fingern und spürte die samtige Textur, die Härte, die Hitze.
— Verdammt… — Lucas stöhnte, die Hüften bewegten sich unwillkürlich gegen ihre Hand. — Clara, wenn du so weitermachst, halte ich nicht mehr lange durch.
Sie lächelte verschmitzt und drückte leicht zu.
— Dann halte nicht mehr durch.
Das genügte. Lucas zog sie an den Rand des Steins, die Hände umfassten ihre Oberschenkel und öffneten sie für ihn. Clara spürte seine Spitze, die sich gegen ihren Eingang presste, heiß und fordernd. Sie hielt den Atem an, die Augen auf seine gerichtet.
— Bist du sicher? — fragte er erneut, die Stimme angespannt von der Anstrengung, sich zu beherrschen.
— Ja — flüsterte sie. — Bitte.
Lucas zögerte nicht länger. Mit einer langsamen, aber festen Bewegung drang er in sie ein.
Clara schrie auf, der Klang hallte über die Lichtung. Das Vergnügen war fast schmerzhaft, das Gefühl, so vollständig, so perfekt ausgefüllt zu werden, dass sie einige Sekunden brauchte, um sich anzupassen. Lucas blieb regungslos, die Muskeln zitterten vor Anstrengung, sich nicht zu bewegen, und gab ihr Zeit, sich an ihn zu gewöhnen.
— Alles in Ordnung? — fragte er mit rauer Stimme.
Clara nickte, die Nägel gruben sich in seine Schultern.
— Mehr als in Ordnung — brachte sie hervor. — Beweg dich jetzt.
Lucas brauchte keine weitere Aufforderung. Er begann sich zu bewegen, zunächst langsam, jeder Stoß tief und bedächtig. Clara schlang die Beine um seine Hüften und zog ihn näher, spürte, wie jeder Zentimeter von ihm in sie hineinglitt und wieder heraus, sie ausfüllte, vervollständigte. Der Rhythmus steigerte sich allmählich, die Körper prallten mit mehr Kraft aufeinander, der Stein knarrte unter ihnen.
— Schneller — bat Clara mit stockender Stimme. — Bitte, Lucas…
Er gehorchte. Die Stöße wurden schneller, tiefer, jeder riss ein Stöhnen von ihr los. Das Geräusch von Haut auf Haut vermischte sich mit dem Wind, den Seufzern, den keuchenden Lauten, die Lucas’ Lippen entkamen. Clara spürte, wie das Vergnügen erneut in ihr aufstieg, ein Feuerball im Bauch, der sich im ganzen Körper ausbreitete.
— Ich komme — warnte sie mit zitternder Stimme.
— Komm mit mir — befahl Lucas, die Hüften bewegten sich mit mehr Dringlichkeit. — Jetzt, Clara.
Und sie kam. Der Orgasmus traf sie wie ein Blitz, der ganze Körper zog sich zusammen, die Muskeln umklammerten Lucas mit Kraft. Er stöhnte, der Rhythmus wurde unregelmäßig, bis er sich mit einem tiefen Knurren ein letztes Mal in sie versenkte und kam, die Hitze breitete sich in ihr aus.
Für einige Sekunden war nichts zu hören außer ihren keuchenden Atemzügen. Lucas legte die Stirn an ihre, die Körper noch vereint, die Herzen schlugen im gleichen schnellen Rhythmus. Clara strich mit den Fingern durch sein Haar, spürte den Schweiß in seinem Nacken, das Zittern seiner Muskeln.
— Das war… — begann sie, fand aber keine Worte.
— Ich weiß — murmelte Lucas und küsste sie sanft. — Ich auch.
Sie blieben so, umarmt, und lauschten dem Wind und den Geräuschen der Nacht. Doch dann begann die Kälte einzudringen, und Clara erschauderte.
Lucas wich zurück und blickte sie besorgt an.
— Dir ist kalt.
— Ein wenig — gab sie zu und lächelte.
Er half ihr aufzustehen und reichte ihr Slip und Jeans. Clara zog sich schnell an, spürte den kalten Stoff auf der noch empfindlichen Haut. Lucas tat es ihr gleich, dann streckte er ihr die Hand entgegen.
— Lass uns zurückgehen — sagte er mit sanfter Stimme.
Clara verschränkte ihre Finger mit seinen, zögerte jedoch.
— Und wenn uns jemand gesehen hat?
Lucas lächelte verschmitzt.
— Dann sollen sie neidisch sein.
Sie begannen den Rückweg zur Pension, die Körper kribbelten noch, die Lippen waren geschwollen, die Herzen leicht. Doch als sie sich den Lichtern der Pension näherten, spürte Clara einen Anflug von Zweifel. Was würde jetzt passieren? Würden sie wieder zu zwei Fremden werden, die sich zufällig begegnet waren, oder war diese Nacht erst der Anfang?
Lucas schien die Veränderung in ihr zu spüren. Er blieb stehen und drehte sich zu ihr um, hielt ihr Gesicht zwischen den Händen.
Lucas hielt Claras Gesicht zwischen den Händen, die Daumen zeichneten langsame Kreise auf ihre noch vom Wind geröteten Wangen. Die Luft zwischen ihnen war geladen, nicht mehr von der Kälte der Nacht, sondern von der Hitze, die sich seit dem ersten Blick in der Diele aufgebaut hatte. Er neigte den Kopf, die Lippen schwebten nur Zentimeter von ihren entfernt, als bitte er wortlos um Erlaubnis.
— Du denkst zu viel nach — murmelte er mit rauer Stimme. — Und ich will nicht, dass du nachdenkst.
Clara spürte seinen warmen Atem auf ihrem Mund, den Duft von Wein und Gewürzen, vermischt mit ihrem eigenen Lavendel- und Schnee-Duft. Sie sollte etwas Kluges erwidern, doch die Worte verloren sich, als er sie endlich küsste. Es war kein sanfter Kuss, einer von denen, die um Entschuldigung bitten oder Grenzen austesten. Es war gierig, als hätte er die ganze Nacht auf diesen Moment gewartet, und jetzt gab es keinen Raum mehr für Zögern.
Claras Hände glitten über seine Arme, spürten die Festigkeit der Muskeln unter dem Stoff seines Hemdes, während er sie näher zog und jeden Abstand zwischen ihnen eliminierte. Ihr Körper reagierte sofort, die Brustwarzen verhärteten sich unter dem BH, die Haut kribbelte dort, wo er sie berührte. Als er sanft in ihre Unterlippe biss, entwich ihr ein Stöhnen, das im Kuss verloren ging.
— Lass uns in dein Zimmer gehen — flüsterte er gegen ihren Mund, die Stimme rau vor Verlangen. — Bevor ich hier den Verstand verliere.
Clara antwortete nicht mit Worten. Sie nickte nur, die Finger verschränkten sich mit seinen, während sie ihn in Richtung Pension zog. Der Weg zum Zimmer war ein Nebel aus verstohlenen Berührungen und Blicken, die brannten. Im Flur drückte er sie gegen die Wand, die Hände glitten über ihre Taille und zogen sie gegen seinen Körper, damit sie die deutliche Wölbung seines Verlangens spürte. Clara bog den Rücken durch, die Hitze zwischen ihren Beinen intensivierte sich, während er ihren Hals küsste, die Zähne über die empfindliche Haut unter ihrem Ohr strichen.
— Du hast keine Ahnung, was du mit mir anstellst — murmelte er, die Stimme gedämpft gegen ihre Haut.
Doch, das hatte sie. Weil sie dasselbe spürte.
Als sie endlich das Zimmer erreichten, hatte Clara kaum Zeit, die Tür zu schließen, bevor Lucas sie dagegen drückte, die Hände hielten ihre Handgelenke über ihrem Kopf, während sein Mund erneut auf ihren traf. Der Kuss war verzweifelt, als fürchteten beide, der Moment könnte sich wie Rauch auflösen, wenn sie innehielten. Doch es gab kein Zurück mehr. Das Verlangen, das sich seit dem ersten Schluck Glühwein, seit dem ersten verstohlenen Blick am Kamin aufgebaut hatte, brach nun in einem primitiven Bedürfnis aus.
Lucas ließ ihre Handgelenke los, nur um ihr Shirt über den Kopf zu ziehen, die Finger öffneten geschickt den BH mit einer Leichtigkeit, die Übung verriet. Als der Stoff zu Boden fiel, wich er einen Moment zurück, die dunklen Augen musterten ihren Körper mit einer Intensität, die Clara sich entblößt, verletzlich, *begehrt* fühlen ließ. Sie verschränkte instinktiv die Arme vor der Brust, doch er hielt ihre Handgelenke fest und zog sie nach unten.
— Versteck dich nicht vor mir — sagte er mit leiser, fast befehlender Stimme. — Du bist wunderschön.
Und dann kniete er sich vor sie.
Clara hielt den Atem an, als er ihre Hose aufknöpfte und sie zusammen mit dem Slip herunterzog, sodass sie völlig nackt vor ihm stand. Die kühle Luft des Zimmers streifte ihre feuchte Haut, doch die Hitze von Lucas’ Körper, so nah, ließ sie die Kälte vergessen. Er berührte sie nicht sofort. Er blieb einfach dort, kniete, die Augen auf den Punkt zwischen ihren Beinen gerichtet, als würde er jedes Detail memorieren.
— Lucas… — flüsterte sie mit zitternder Stimme.
Er hob den Blick, ein langsames Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
— Ich will dich schmecken.
Und bevor sie antworten konnte, umfasste er ihre Oberschenkel, öffnete sie leicht, und sein Mund fand ihr Zentrum.
Clara bog den Rücken gegen die Tür, die Hände vergruben sich in seinen Haaren, während er sie mit quälender Langsamkeit leckte. Jede Bewegung seiner Zunge war bedacht, erkundend, provozierend, bis sie sich wand, die Stöhnen unkontrolliert entkamen. Er hielt sie fest, die großen Hände umfassten ihre Pobacken, hielten sie an Ort und Stelle, während er sie verschlang, als gäbe es nichts auf der Welt, das er mehr wollte als diesen Moment.
— Bitte… — flehte sie, ohne genau zu wissen, worum. Um mehr? Um weniger? Dass er nie aufhörte?
Lucas hob den Kopf gerade so weit, dass er gegen ihre Haut murmeln konnte:
— Bitte was?
Clara biss sich auf die Lippe, versuchte sich zu konzentrieren, doch das Vergnügen war zu viel.
— Ich will dich in mir spüren.
Er lachte leise, der warme Atem gegen ihr empfindliches Fleisch.
— Noch nicht.
Und dann saugte er sie wieder, intensiver jetzt, die Finger gesellten sich zu seinem Mund, drangen mit langsamen, tiefen Bewegungen in sie ein. Clara spürte, wie sich der Orgasmus wie eine Welle näherte, der ganze Körper zitterte, die Muskeln zogen sich in Erwartung zusammen. Als er sie schließlich zum Höhepunkt brachte, war es mit grausamer Präzision, die Zunge drückte auf ihren Kitzler, während die Finger sie ausfüllten, und riss ihr einen erstickten Schrei von den Lippen, den sie mit der Hand über ihrem eigenen Mund dämpfte.
Lucas stand langsam auf, die Lippen glänzten, die Augen dunkel vor Befriedigung. Er zog sie in einen tiefen Kuss, ließ sie ihren eigenen Geschmack auf seinen Lippen schmecken, und Clara stöhnte gegen seinen Mund, der Körper zitterte noch.
— Jetzt — flüsterte er mit rauer Stimme —, jetzt werde ich dich ficken.
Die Worte sandten einen Schauer über ihren Rücken. Lucas hob sie mühelos hoch und trug sie zum Bett, wo er sie auf die kalten Laken legte. Sie beobachtete, wie er sich auszog, die Bewegungen schnell, ungeduldig, als wolle er keine Sekunde mehr verlieren. Das Hemd fiel zu Boden und enthüllte eine breite Brust, gezeichnet von einigen feinen Narben – Spuren eines gelebten, nicht nur geträumten Lebens. Clara streckte die Hand aus und fuhr mit den Fingern über eine davon, und er hielt den Atem an.
— Woher kommt die? — fragte sie mit sanfter Stimme.
— Aus einem anderen Leben — antwortete er, nahm ihre Hand und küsste sie schnell auf die Handfläche. — Jetzt ist nicht die Zeit, darüber zu reden.
Sie bestand nicht darauf. Denn er hatte recht. Jetzt war nicht die Zeit für Worte.
Lucas zog den Rest seiner Kleidung aus, und Clara konnte nicht anders, als leise zu seufzen, als sie ihn völlig nackt sah. Er war prachtvoll – breite Schultern, schmale Hüften, kräftige Oberschenkel, und zwischen ihnen der Beweis, wie sehr er sie wollte. Er kniete sich aufs Bett, zog sie näher zu sich, die Hände glitten über ihre Beine und öffneten sie erneut für ihn.
— Hast du ein Kondom? — fragte sie plötzlich, sich der Realität bewusst werdend, die in den Moment eindrang.
Er nickte, griff nach seiner Brieftasche in der Hose auf dem Boden. Clara beobachtete, wie er die Packung mit den Zähnen aufriss, die Bewegung effizient, fast animalisch. Als er sich schließlich zwischen ihren Beinen positionierte, spürte sie seine Spitze gegen ihren Eingang drücken, heiß und fordernd. Sie bog den Rücken durch, ungeduldig.
— Bitte — wiederholte sie, die Stimme ein gebrochenes Flüstern.
Lucas ließ sie nicht länger warten. Mit einer einzigen Bewegung drang er in sie ein, füllte sie vollständig aus und riss beiden ein Stöhnen heraus. Clara grub die Nägel in seinen Rücken, die Hüften hoben sich instinktiv, um seinen Bewegungen zu begegnen, während er langsam begann – zunächst langsam, als wolle er jeden Moment auskosten, doch bald beschleunigte sich der Rhythmus, angetrieben von einem Verlangen, das nicht mehr zu zügeln war.
Das Bett knarrte unter ihnen, das Geräusch vermischte sich mit den erstickten Stöhnen und dem keuchenden Atem. Clara schlang die Beine um seine Hüften und zog ihn näher, spürte jeden Zentimeter von ihm in sich gleiten und wieder heraus, füllte sie aus, vervollständigte sie. Der Rhythmus wurde allmählich schneller, die Körper prallten mit mehr Kraft aufeinander, jeder Stoß riss ihr ein Stöhnen heraus.
— Sieh mich an — befahl er mit rauer Stimme.
Clara öffnete die Augen und begegnete seinem Blick im Dunkeln. Da war etwas – etwas jenseits des Verlangens, eine Verbindung, die über das Physische hinausging, etwas, das sie nicht benennen konnte, das sie aber mit einer fast beängstigenden Intensität spürte. Er hielt ihr Gesicht, die Daumen strichen über ihre Wangen, während er sich weiter in ihr bewegte, immer schneller, immer tiefer, bis sie spürte, wie sich der Orgasmus erneut näherte, intensiver als der erste.
— Ich komme — warnte sie mit zitternder Stimme.
— Komm mit mir — befahl er, die Hüften bewegten sich mit mehr Dringlichkeit. — Jetzt, Clara.
Und sie kam. Der Orgasmus traf sie wie ein Blitz, der ganze Körper zog sich zusammen, die Muskeln umklammerten ihn mit Kraft. Er stöhnte, der Rhythmus wurde unregelmäßig, bis er sich mit einem tiefen Knurren ein letztes Mal in sie versenkte und kam, die Hitze breitete sich in ihr aus.
Für einige Sekunden bewegte sich keiner von beiden. Sie blieben so, ineinander verschlungen, die keuchenden Atemzüge vermischten sich in der Stille des Zimmers. Clara strich mit den Fingern durch sein feuchtes Haar, spürte das Gewicht seines Körpers auf sich, die Wärme seiner Haut, den Geruch von Sex und Schweiß, vermischt mit dem Duft der Kerzen, die noch auf dem Nachttisch brannten.
Er hob den Kopf und blickte sie mit einem Ausdruck an, den sie nicht deuten konnte. Da war Befriedigung, ja, aber auch etwas anderes – etwas, das fast wie… Verletzlichkeit wirkte.
— Alles in Ordnung? — fragte er mit sanfter Stimme.
Clara lächelte und zog ihn in einen langsamen Kuss.
— Besser als in Ordnung.
Lucas rollte zur Seite und zog sie mit sich, sodass sie auf seiner Brust lag. Seine Finger zeichneten träge Kreise auf ihren Rücken, während sie den gleichmäßigen Rhythmus seines Herzschlags hörte.
— Und jetzt? — fragte sie mit leiser Stimme.
Er antwortete nicht sofort. Er streichelte sie nur weiter, als wolle er die Textur ihrer Haut memorieren.
— Jetzt — sagte er schließlich —, sehen wir, was der Morgen bringt.
Das Zimmer roch nach geschmolzenem Wachs und erhitzter Haut, ein dichter Duft, der sich wie Rauch in der Luft verfing. Clara spürte das Gewicht von Lucas auf sich, nicht wie eine Last, sondern wie ein Anker – etwas, das sie im Moment, im Jetzt verankerte und verhinderte, dass sie in der Strömung des Verlangens davontreiben würde. Seine Hände, zunächst zögerlich, erkundeten nun ihren Körper mit einer Dringlichkeit, die an Hingabe grenzte, als wäre jede Kurve, jede Narbe, jeder Porus ein Territorium, das mit Lippen, Zunge und Zähnen kartografiert werden musste.
Sie bog den Rücken durch, als er sanft in die empfindliche Haut ihres Halses biss, ein Stöhnen entwich zwischen ihren zusammengepressten Zähnen. Der Klang schien ihn noch mehr zu entfachen. Lucas hielt ihre Handgelenke über ihrem Kopf mit einer Hand fest, während die andere zwischen ihre Oberschenkel glitt und mit geschickten Fingern den Punkt fand, an dem sich die Hitze konzentrierte. Clara stöhnte lauter, der Körper wand sich unter seiner Berührung, die Nägel gruben sich in die bereits zerwühlten Laken.
— *Verdammt*— knurrte er gegen ihren Mund, die Stimme rau vor Verlangen. — Du bist so… nass.
Sie antwortete nicht. Sie konnte nicht. Die Worte lösten sich in dem Nebel aus Lust auf, der ihren Verstand umhüllte. Stattdessen zog sie ihn in einen gierigen Kuss, die Zunge drang in seinen Mund ein mit derselben Gier, mit der er sie berührte. Lucas stöhnte, der Klang vibrierte gegen ihre Lippen, und ließ ihre Handgelenke los, nur um ihre Hüften zu packen und sie leicht anzuheben, um sich besser zwischen ihren Beinen zu positionieren.
Der erste Druck war langsam, bedacht. Clara spürte, wie ihr Körper für einen Moment widerstand – nicht aus mangelndem Verlangen, sondern aus purer Ungläubigkeit, dass etwas so Großes dort hineinpassen könnte. Doch dann drang er ein, Zentimeter für Zentimeter, füllte sie auf eine Weise aus, die ihre Augen verdrehen ließ. Sie biss sich auf die Unterlippe, versuchte, den Schrei zu unterdrücken, der in ihrer Kehle aufstieg, doch Lucas ließ es nicht zu. Mit einer abrupten Bewegung zog er ihr Kinn hoch und zwang sie, ihn anzusehen.
— Versteck dich nicht vor mir — befahl er mit rauer Stimme. — Ich will dich hören.
Und dann begann er sich zu bewegen.
Es gab keine Zärtlichkeit mehr. Nicht jetzt. Was zwischen ihnen war, war ein rohes, primitives Bedürfnis, als wären ihre Körper füreinander gemacht, als hätten sie Jahre darauf gewartet. Lucas stieß mit Kraft zu, jeder Stoß riss ein kehliges Geräusch aus Clara heraus, etwas zwischen Stöhnen und Schluchzen. Sie grub die Nägel in seinen Rücken, spürte, wie sich die Muskeln unter der schweißnassen Haut anspannten, und er knurrte zustimmend, beschleunigte den Rhythmus.
— So… — brachte sie hervor, die Stimme gebrochen. — *Genau so.*
Er gehorchte.
Das Bett knarrte unter ihnen, ein rhythmisches Geräusch, das sich mit den erstickten Stöhnen, den keuchenden Seufzern und dem dumpfen Aufprall ihrer Körper vermischte. Clara spürte, wie sich das Vergnügen in ihrem Bauch wie eine Feder aufrollte, immer enger, immer unerträglicher. Sie versuchte, es hinauszuzögern, diesen Moment zu verlängern, doch Lucas ließ es nicht zu. Mit einer berechneten Bewegung änderte er den Winkel und traf einen Punkt in ihr, der sie den Rücken durchbiegen und schreien ließ, die Beine zitterten um seine Hüften.
— *Scheiße*— fluchte er mit zusammengebissenen Zähnen. — Du wirst mich zu früh kommen lassen.
Clara lachte, ein atemloses, delirantes Geräusch, und zog ihn nach unten, biss fest genug in seine Schulter, um eine Spur zu hinterlassen. Lucas stöhnte, der ganze Körper bebte, und dann spürte sie es – er verlor die Kontrolle. Die Stöße wurden unregelmäßig, verzweifelt, und sie wusste, dass er kurz davor war. Mit einer letzten Anstrengung schlang Clara die Beine um seine Hüften und zog ihn noch tiefer in sich hinein, dann flüsterte sie ihm ins Ohr:
— Komm für mich.
Das genügte.
Lucas vergrub das Gesicht in ihrem Nacken, der ganze Körper spannte sich an, während ein langes, raues Stöhnen seiner Kehle entwich. Clara spürte, wie sich die Hitze in ihr ausbreitete, die rhythmischen Kontraktionen seines Höhepunkts verlängerten ihren eigenen, und dann sank sie auf die Matratze zurück, die Muskeln erschöpft, die Haut brannte.
Für einen langen Moment war nichts zu hören außer ihren keuchenden Atemzügen und dem Wind, der draußen heulte und gegen die Fenster schlug, als wolle er herein. Der Sturm hatte sich verstärkt, Donner grollte in der Ferne, und Clara dachte in einem Moment der Klarheit, dass das Wetter draußen perfekt widerspiegelte, was gerade zwischen ihnen passiert war – wild, unbezähmbar, unvermeidlich.
Lucas rollte zur Seite und zog sie mit sich, und Clara schmiegte sich an seine Brust, lauschte seinem unregelmäßigen Herzschlag. Er strich ihr die schweißnassen Haare aus dem Gesicht und küsste ihre Stirn mit einer Zärtlichkeit, die im Kontrast zur Wildheit von Minuten zuvor stand.
— Du… — begann er, doch brach ab, als wären die Worte entflohen.
Clara lächelte und zeichnete träge Kreise auf seine Brust.
— Ich was?
Er schüttelte den Kopf, die Lippen verzogen sich zu einem müden Lächeln.
— Nichts. Nur… dass es sich gelohnt hat zu warten.
Sie antwortete nicht. Sie musste nicht. Stattdessen schloss sie die Augen und ließ sich von der Wärme seines Körpers umhüllen, wissend, dass sie zum ersten Mal seit langer Zeit nicht allein in diesem Bett war. Und dass, egal was der Morgen bringen würde, diese Nacht bereits alles verändert hatte.
Draußen tobte der Sturm weiter. Doch hier, zwischen den zerwühlten Laken und dem Duft von Sex in der Luft, herrschte nur Stille – und das stille Versprechen, dass dies nicht das Ende war.
Das erste Morgenlicht drang schüchtern durch die Leinenvorhänge und malte goldene Streifen auf die noch verschlungenen Körper. Clara erwachte vor Lucas, die Wimpern flatterten gegen das sanfte Licht, während sie versuchte, die Konturen des Zimmers zu erkennen – die Keramiklampe auf dem Nachttisch, die Jacke über der Stuhllehne, die leere Weinflasche auf dem Boden, stumme Zeugin der vergangenen Nacht. Ihr Körper schmerzte auf eine gute Weise, als würde jeder Muskel die Erinnerung an die Bewegungen, die Berührungen, die geflüsterten Worte gegen die Haut bewahren.
Sie bewegte sich langsam, versuchte, ihn nicht zu wecken, doch Lucas’ Arm zog sie mit schläfriger Besitzergreifung zurück. Er murmelte etwas Unverständliches, das Gesicht in die Kurve ihres Halses gepresst, und Clara lächelte, spürte seinen warmen Atem auf ihrem Schlüsselbein. Sein Duft – Rosmarinseife vermischt mit getrocknetem Schweiß und dem moschusartigen Aroma von Sex – haftete noch an ihrer Haut, und sie widerstand nicht, als er sie auf den Rücken drehte, die grünen Augen noch schwer vom Schlaf, doch bereits funkelnd vor einem Hauch von Schalk.
— Guten Morgen — sagte er mit rauer Stimme, die Finger zeichneten die Kontur ihrer Hüfte unter dem Laken nach.
— Guten Morgen — antwortete sie und strich über seine Brust, spürte den langsamen, trägen Herzschlag. — Wachst du immer so auf?
— Wie denn?
— Als hättest du schon die nächste Runde geplant.
Lucas lachte tief und kehlig und zog sie näher, bis ihre Körper perfekt ineinanderpassten, wie Teile eines Puzzles, die erst jetzt Sinn ergaben.
— Nur wenn ich neben jemandem aufwache, der mich vergessen lässt, dass die Welt existiert.
Clara hob eine Augenbraue, konnte das Lächeln jedoch nicht unterdrücken. Es lag etwas köstlich Gefährliches darin, so aufzuwachen, ohne Eile, ohne Regeln, ohne die Notwendigkeit, so zu tun, als wäre die vergangene Nacht nicht mehr als ein Zufall gewesen. Sie streckte sich, spürte die Steifheit in den Beinmuskeln, das leichte Brennen zwischen den Schenkeln, und genoss jede Empfindung. Das Laken rutschte von ihrem Körper, als sie sich aufsetzte und ihren nackten Rücken der kühlen Morgenluft aussetzte, und Lucas verlor keine Zeit – sein Mund fand die Kurve ihrer Wirbelsäule und küsste jeden Wirbel, als wäre es das erste Mal.
— Wenn du so weitermachst — murmelte sie und lehnte sich zurück —, verpassen wir das Frühstück.
— Und? — antwortete er, die Zähne streiften sanft die empfindliche Haut ihrer Taille. — Ich esse schon.
Clara lachte, doch das Lachen verwandelte sich in ein Seufzen, als er sie zurück aufs Bett zog und sich mit bedachter Langsamkeit über sie rollte. Das Gewicht seines Körpers war beruhigend, vertraut auf eine Weise, die sie nicht erwartet hatte. Lucas’ Hände erkundeten ihren Körper, als würde er ihn auswendig lernen – die bereits harten Brustwarzen unter der Berührung, die Kurve ihres Bauches, die Feuchtigkeit zwischen ihren Beinen, die er mit langsamen, quälenden Kreisbewegungen seiner Finger hervorrief.
— Du bist unersättlich — flüsterte sie und bog sich gegen seine Hand.
— Und du liebst das — antwortete er, bevor er ihren Mund in einem Kuss fing, der nach Versprechen und noch nicht getrunkenem Kaffee schmeckte.
Doch Claras Magen knurrte laut genug, um den Zauber zu brechen, und beide lachten, der Klang hallte durch das Zimmer wie ein Geständnis. Lucas wich widerwillig zurück und strich sich durch das zerzauste Haar.
— Also gut, also gut. Frühstück. Aber nur, weil du Energie für später brauchst.
— Später? — Clara tat empört, doch der Glanz in ihren Augen verriet sie.
— Oder jetzt sofort, wenn du lieber möchtest.
Sie schob ihn spielerisch weg, stand auf und griff nach dem flauschigen Bademantel, der hinter der Tür hing. Der weiche Stoff umhüllte ihren Körper, und sie spürte Lucas’ Blick, der jeder Bewegung folgte, als würde er sie noch immer berühren.
— Zieh dich an — befahl sie und warf ihm ein Handtuch zu. — Oder ich frühstücke allein.
— Das wäre ein Verbrechen — brummte er, gehorchte jedoch, stand auf und streckte die Arme über den Kopf, die Rückenmuskeln spannten sich unter dem Morgenlicht.
Clara beobachtete ihn einen Moment länger als nötig, bevor sie sich umdrehte und die Balkontüren öffnete. Die eisige Bergluft strömte ins Zimmer und trug den Duft von Kiefern und feuchter Erde mit sich. Der Sturm der vergangenen Nacht hatte nachgelassen und den Himmel in einem makellosen Blau hinterlassen, ohne Wolken, und die Berge in der Ferne waren mit einer dünnen Schneeschicht bedeckt, die in der Sonne glitzerte. Es war atemberaubend.
Lucas trat hinter sie, umschlang ihre Taille und legte das Kinn auf ihre Schulter.
— Schön, nicht wahr?
— Sehr — stimmte sie zu, doch sie blickte nicht auf die Landschaft.
Er lachte, küsste die empfindliche Stelle unter ihrem Ohr.
— Du bist gefährlich, Clara.
— Und du magst das.
— Mehr, als ich sollte.
Sie blieben einen Moment so stehen, schweigend, spürten nur die Wärme des anderen gegen die Kälte des Morgens. Dann drehte sich Clara in seinen Armen um und blickte ihn mit einer Ernsthaftigkeit an, die es zuvor nicht gegeben hatte.
— Was passiert jetzt? — fragte sie mit leiser Stimme.
Lucas antwortete nicht sofort. Stattdessen strich er mit den Fingern über ihr Gesicht, als wolle er sich jedes Detail einprägen.
— Ich weiß es nicht. Aber es muss nicht mehr sein als das, was es schon ist.
— Und was ist es?
— Etwas Gutes. Etwas, das keine Etiketten braucht.
Clara lächelte erleichtert. Sie wollte keine Definitionen, nicht jetzt. Nicht, wenn alles noch so neu, so intensiv war. Stattdessen nahm sie seine Hand und zog ihn zurück in den Flur.
— Lass uns frühstücken, bevor es kalt wird.
Der Speisesaal der Pension war fast leer, bis auf ein älteres Paar, das in einer Ecke Tee trank, und eine Frau, die in der Nähe des Fensters ein Buch las. Der Duft von frischem Brot und frisch gebrühtem Kaffee erfüllte die Luft, und Clara spürte, wie ihr das Wasser im Mund zusammenlief. Sie setzten sich an einen Tisch nahe dem Kamin, wo die Glut noch knisterte, und bestellten ein Tablett mit Obst, Käse, Brot und hausgemachter Marmelade.
Lucas schenkte beiden Kaffee ein und beobachtete sie über den Rand seiner Tasse hinweg, während sie Butter auf eine Scheibe Vollkornbrot strich.
— Worüber schreibst du? — fragte er plötzlich.
Clara zögerte, überrascht von der Frage.
— Romane. Liebesgeschichten, im Grunde.
— Und warum hast du eine Schreibblockade?
Sie zuckte mit den Schultern, doch ein Schatten lag in ihren Augen.
— Weil ich manchmal das Gefühl habe, alles gesagt zu haben, was es zu sagen gibt. Oder dass niemand mehr zuhören will.
— Oder vielleicht brauchst du einfach eine neue Perspektive — schlug er vor und stibitzte ein Stück Käse vom Tablett.
Clara beobachtete ihn neugierig.
— Und was wäre das für eine Perspektive?
— Die von jemandem, der nicht nach Liebe sucht, sie aber trotzdem findet.
Sie lachte, doch der Klang war ein wenig zittrig.
— Das ist sehr poetisch für einen Architekten.
— Ich habe meine Momente.
Sie aßen eine Weile schweigend, tauschten verstohlene Blicke und Lächeln aus, die mehr sagten als Worte. Clara bemerkte, dass sie zum ersten Mal seit Monaten nicht das Gewicht der leeren Seite spürte. Vielleicht lag es an der Bergluft. Vielleicht lag es an ihm.
Als sie fertig waren, stand Lucas auf und streckte die Hand aus.
— Lass uns einen Spaziergang machen?
Sie nahm seine Hand ohne zu zögern, und die beiden traten in den Garten der Pension hinaus, wo die Sonne bereits das mit Reif bedeckte Gras erwärmte. Die Berge erhoben sich um sie herum, majestätisch und schweigend, wie Wächter eines Geheimnisses, das nur die beiden kannten.
— Fährst du morgen ab? — fragte sie plötzlich.
Lucas blieb stehen und blickte sie mit einer Intensität an, die ihr Herz schneller schlagen ließ.
— Ja. Ich habe ein Meeting in São Paulo.
— Und danach?
— Danach weiß ich es nicht.
Clara nickte und versuchte, den Stich der Enttäuschung in ihrer Brust zu ignorieren. Sie hatte kein Recht, etwas zu erwarten. Doch dann hielt er ihr Gesicht zwischen den Händen, die Daumen strichen über ihre Wangen.
— Aber ich will, dass es kein Abschied ist.
— Was willst du dann?
— Ein *bis bald*.
Sie lächelte, spürte, wie ihr die Tränen in den Augen brannten.
— Das kann ich akzeptieren.
Und dann, ohne ein weiteres Wort, zog er sie in einen Kuss. Es gab keine Eile, keine Dringlichkeit. Es war ein langsamer, tiefer Kuss, der das Versprechen trug, dass dies nicht das Ende war – nur der Anfang von etwas, das noch keinen Namen hatte.
Als sie sich voneinander lösten, blickte Clara zu den Bergen hinauf, spürte den kalten Wind im Gesicht und wusste, dass dieser Ort auf eine Weise immer ein Teil von ihr sein würde. Und dass, egal wo sie war, ein Teil von ihr immer ihm gehören würde.
Lucas verschränkte seine Finger mit ihren, und gemeinsam kehrten sie in die Pension zurück, während die Berge schweigend Zeugen des Beginns von etwas wurden, das weder Zeit noch Entfernung auslöschen konnten.