Feuer im Regen

Von Tonkix
Feuer im Regen
**Feuer im Regen** Der Regen fiel, als hätte der Himmel seine eigenen Adern aufgerissen – dicke, schwere Vorhänge aus Wasser, die die Straßen in dunkle Flüsse verwandelten. Blitze durchzuckten in unregelmäßigen Abständen den Horizont und erhellten für Sekunden den glänzenden Asphalt, die geparkten Autos wie treibende Boote, die Pfützen, die das Neonlicht der erloschenen Schilder spiegelten. Der Wind heulte zwischen den Gebäuden hindurch, trug den Geruch von nassem Asphalt und Ozon mit sich, ein metallischer Duft, der im Hals kleben blieb. Es war einer dieser Stürme, die ohne Vorwarnung kommen, die die Stadt innerhalb von Minuten unter sich begraben. Laura drückte die Tür der Bar mit der Schulter auf, das Gewicht des Tages noch immer in den Knochen. Das Holz knarrte, widerstand einen Moment, bevor es nachgab, und ein Schwall warmer, feuchter Luft entwich auf die Straße, vermischte sich mit dem Duft von altem Alkohol und lackiertem Holz. Sie schüttelte den Schirm aus und verteilte Wassertropfen auf dem abgetretenen Fliesenboden, strich sich mit einer Hand durch das kastanienbraune Haar, das nun an Stirn und Nacken klebte. Die einst makellose Seidenbluse haftete wie eine zweite Haut an ihr, die oberen Knöpfe geöffnet und die Wölbung ihrer Brüste sowie der Schatten dazwischen enthüllend. Die hohen Absätze hallten im fast leeren Raum wider, jeder Schritt ein kleiner Sieg gegen die Müdigkeit. Die Bar war einer dieser Orte, die am Rande der Zeit überlebten, ein Zufluchtsort für diejenigen, die nicht gefunden werden wollten. Die Wände waren mit dunklem Holz verkleidet, über die Jahrzehnte vom Rauch vergilbt, und die Tische aus rissigem Marmor zeigten Flecken von zurückgelassenen Gläsern. In der Ecke blinkte ein alter Jukebox in blauem und rotem Licht, spielte jedoch nichts – die Stille wurde nur vom Trommeln des Regens auf dem Zinkdach und dem gelegentlichen Klirren eines Glases, das auf die Theke gestellt wurde, unterbrochen. Hinter der Theke trocknete ein Mann ein Glas mit einem karierten Tuch, seine Bewegungen langsam, fast träge, als existiere die Welt draußen nicht. Daniel hob den Blick, als sie eintrat, und für einen Moment hielt das Tuch in seiner Bewegung inne. Es war kein überraschter Blick, sondern ein abschätzender – schnell, präzise, als wüsste er bereits genau, wonach er bei ihr suchte. Seine Augen waren grün, ein dunkler, tiefer Ton wie Moos nach dem Regen, und das schwache Licht der Bar ließ seine Pupillen wie poliertes Glas glänzen. Der Dreitagebart umrahmte einen kräftigen Kiefer, und die leicht geöffneten Lippen schienen eine Frage zu enthalten, die er noch nicht zu stellen wagte. Die Arme, von einem schwarzen kurzärmeligen T-Shirt freigelegt, waren von feinen Adern durchzogen und definierten Muskeln gezeichnet, als wäre jede Bewegung darauf ausgelegt, Energie zu sparen – aber auch Aufmerksamkeit zu erregen. Laura spürte das Gewicht dieses Blicks und zögerte einen Moment, als wäre sie bei etwas Verbotenem ertappt worden. Doch es war niemand da, der es hätte bezeugen können, nur der Barkeeper – ein Mann mittleren Alters mit müden Augen –, der sie mit professioneller Gleichgültigkeit beobachtete. Sie ging zur Theke, die Finger über die feuchte Oberfläche gleiten lassend, und setzte sich auf einen der hohen Hocker, das abgenutzte Leder unter ihrem Gewicht quietschend. Der Geruch von Whisky und Zitrone hing in der Luft, vermischt mit dem erdigen Aroma von nassem Holz. — Einen Whisky. Doppelt — bestellte sie, die Stimme heiser vor Müdigkeit, aber noch fest. — Mit Eis. Daniel antwortete nicht sofort. Er beendete das Abtrocknen des Glases, stellte es sorgfältig ins Regal hinter sich, bevor er sich ihr zuwandte. Seine langen, geschickten Finger – Finger eines Musikers, wie sie bemerkte – streiften über die Theke, während er eine dunkle Glasflasche mit einem vom Alter abgenutzten Etikett nahm. — Doppelt ist für die, die es eilig haben — sagte er, die Stimme leise, fast ein Flüstern. — Und du wirkst nicht wie eine Frau, die es eilig hat. Laura hob eine Augenbraue, überrascht von der Dreistigkeit. Doch etwas in seinem Tonfall, eine fast gefährliche Sanftheit, ließ sie lächeln. — Vielleicht habe ich es eilig, den Tag zu vergessen, den ich hatte. Er schenkte den Drink mit Präzision ein, die bernsteinfarbene Flüssigkeit fiel wie flüssiger Honig ins Glas. Das Eis klirrte, als er es zu ihr hinschob, seine Finger einen Moment länger als nötig die ihren streiften. Eine leichte Berührung, fast unmerklich, doch genug, um die Luft zwischen ihnen dichter werden zu lassen. — Dann bist du hier genau richtig — sagte Daniel und lehnte sich leicht über die Theke. Die Bewegung ließ sein T-Shirt über den Schultern spannen und enthüllte die Wölbung seiner Rückenmuskeln. — Diese Bar ist perfekt, um Dinge zu vergessen. Laura nahm das Glas, die Finger um das kalte Glas schließend. Der erste Schluck brannte in ihrer Kehle, doch es war ein gutes Brennen, das sich in der Brust ausbreitete und bis in den Unterleib hinabzog. Sie schloss für einen Moment die Augen, ließ den Alkohol seine Wirkung entfalten, und als sie sie wieder öffnete, beobachtete Daniel sie noch immer. Nicht aufdringlich, sondern mit einer fast wissenschaftlichen Neugier, als versuche er, ein Rätsel zu entschlüsseln. — Arbeitest du hier? — fragte sie, mehr um das Stille zu brechen als aus echtem Interesse. — Nur heute — antwortete er und nahm ein weiteres Glas, um sich selbst einen kleineren Schluck einzuschenken. — Ich bin auf der Durchreise. Die Stadt gehört nicht mir. — Und wohin gehst du? — Wohin der Wind mich trägt. — Er lächelte, ein langsames, träges Lächeln, als wüsste er, dass die Antwort ein Klischee war, es ihn aber nicht kümmerte. — Und du? Bist du auf der Durchreise oder lebst du hier? — Ich lebe hier. Leider. — Leider? Laura zuckte mit den Schultern und drehte das Glas zwischen den Fingern. — Manchmal fühlt es sich an, als hätte die Stadt mich verschluckt und würde mich nie wieder loslassen. Daniel antwortete nicht sofort. Stattdessen führte er das Glas an die Lippen und nahm einen Schluck, die Augen nie von ihren lassend. Die Stille zwischen ihnen war nicht unangenehm, aber geladen, als wartete jeder darauf, dass der andere den nächsten Schritt tat. — Bestellst du immer Whisky, wenn du etwas vergessen willst? — fragte er schließlich. — Nein. Manchmal bestelle ich Wein. Aber heute brauche ich etwas Stärkeres. — Und funktioniert es? — Was? — Zu vergessen. Laura zögerte. Der Alkohol begann bereits, ihre Gedanken zu lösen, ließ sie wie Blätter in einem Fluss treiben. Sie blickte auf das Glas, dann zu ihm, und für einen Moment überlegte sie zu lügen. Doch etwas in Daniels Augen, eine rohe Ehrlichkeit, ließ sie die Wahrheit sagen. — Nein. Es funktioniert nie. Er nickte, als wäre das genau die Antwort, die er erwartet hatte. Dann streckte er ohne Vorwarnung die Hand über die Theke aus, seine Finger streiften den Handrücken von ihr. Eine leichte Berührung, fast beiläufig, doch genug, um ihren Körper reagieren zu lassen, bevor ihr Verstand protestieren konnte. Seine Haut war warm, an manchen Stellen rau, als hätte er sein Leben damit verbracht, Gitarrensaiten zu berühren. — Vielleicht versuchst du, die falschen Dinge zu vergessen — murmelte er. Laura wich nicht zurück. Stattdessen drehte sie die Hand, ließ seine Finger zwischen die ihren gleiten, eine kurze, aber intime Berührung. Der Barkeeper wischte Gläser am anderen Ende der Theke ab, ahnungslos gegenüber der Spannung, die sich zwischen ihnen aufgebaut hatte. Der Regen draußen fiel weiter, ein ständiges, hypnotisches Geräusch, als würde sich die ganze Welt in Wasser auflösen. — Und was schlägst du vor, was ich versuchen sollte zu vergessen? — fragte sie, die Stimme leiser als beabsichtigt. Daniel lächelte, ein Lächeln, das nicht mehr träge, sondern scharf war, voller Versprechungen. — Nichts — sagte er. — Vielleicht solltest du versuchen, dich zum ersten Mal seit langer Zeit an etwas zu erinnern. Laura spürte, wie ihr Herz schneller schlug, ein unregelmäßiger Rhythmus, der in ihren Ohren widerhallte. Der Whisky brannte in ihrem Magen, doch die Hitze, die sich in ihrem Körper ausbreitete, kam nicht vom Alkohol. Sie kam von ihm. Von dieser unerwarteten Nähe, diesem Spiel aus Blicken und Berührungen, das unschuldig schien, es aber nicht war. — Und du? — fragte sie und versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen. — Was versuchst du zu vergessen? Daniel antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm er die Whiskyflasche und schenkte sich und ihr noch einen Schluck ein, obwohl sie den ersten noch nicht ausgetrunken hatte. — Nichts, das es wert wäre — sagte er schließlich. — Aber vielleicht muss auch ich mich an etwas erinnern. Laura hob das Glas, die Finger noch leicht zitternd, und stieß mit ihm an, ein stummer Toast. Das Klirren des Glases wurde vom Regen übertönt, doch die Geste war klar. Eine Vereinbarung. Eine Kapitulation. — Dann erinnern wir uns gemeinsam — sagte sie. Und als sich seine Lippen zu einem langsamen Lächeln verzogen, wusste Laura, dass diese Nacht nicht vom Vergessen handeln würde. Sie würde vom Fühlen handeln. Vom Brennen. Der erste Schluck brannte wie flüssiges Feuer in Lauras Kehle, hinterließ eine langsame, köstliche Spur. Der Whisky war nicht von der feinsten Sorte – diese bescheidene Bar hatte keine Ansprüche auf Eleganz –, aber er erfüllte seinen Zweck: Er wärmte von innen, löste die unsichtbaren Knoten, die der Regen und die Müdigkeit in ihren Schultern geknüpft hatten. Sie schloss für einen Moment die Augen und ließ die Hitze sich in ihrer Brust, in ihren Armen ausbreiten, bis in die Fingerspitzen, die trotz der schwülen Luft im Raum noch kalt waren. Als sie sie wieder öffnete, war Daniel da und beobachtete sie mit diesem Lächeln, das Geheimnisse zu bergen schien. Er hatte das Geschirrtuch gegen eine halb leere Whiskyflasche eingetauscht und hielt sie zwischen den Fingern, als wäre sie eine Einladung. — Nicht jeden Tag bestellt eine Frau puren Whisky in so einem Laden — sagte er und neigte den Kopf. Seine Stimme war tief, rau, als hätte er die letzte Nacht auf einer Bühne geschrien oder jemandem Versprechungen ins Ohr geflüstert. — Normalerweise ist es Bier oder dieser süße Mist, den die Leute bestellen, um vorzugeben, etwas Elegantes zu trinken. Laura hob eine Augenbraue und drehte das Glas zwischen den Fingern. — Und du? Was bestellt ein durchreisender Musiker in einer leeren Bar an einem regnerischen Abend? — Dasselbe wie du — antwortete er ohne zu zögern. — Etwas, das brennt. Die Art, wie er das sagte – mit den Augen auf sie gerichtet, den Mund leicht geöffnet –, ließ Laura einen Schauer spüren, der nichts mit der Kälte zu tun hatte. Sie nahm einen weiteren, längeren Schluck, und als sie das Glas auf die Theke stellte, streiften Daniels Finger die ihren. Eine flüchtige Berührung, fast zufällig, doch genug, um die Rauheit seiner Haut, die Wärme seiner Handfläche, den leichten Druck wie eine Frage zu spüren. — Bist du allein hier? — fragte sie und versuchte, lässig zu klingen, obwohl sie wusste, dass sie es nicht war. Daniel lachte, ein tiefer, rauer Klang, der in seiner Brust vibrierte. — Kommt drauf an, was du unter "allein" verstehst. Der Barbesitzer ist vor einer Stunde gegangen, und der letzte Gast ist fluchend im Regen verschwunden. — Er beugte sich vor, die Ellbogen auf die Theke gestützt, und Laura konnte seinen Geruch wahrnehmen: billige Seife vermischt mit etwas Primitiverem, wie Leder und sauberer Schweiß. — Aber wenn du wissen willst, ob außer uns noch jemand hier ist, lautet die Antwort nein. Sie hätte sich unbehaglich fühlen sollen. Hätte daran denken sollen, wie unklug es war, hier mit einem Fremden in einer leeren Bar zu sitzen, während die Stadt draußen in Wasser und Dunkelheit versank. Doch die Wahrheit war, dass Laura sich nicht erinnern konnte, wann sie sich das letzte Mal so lebendig gefühlt hatte. Jeder Atemzug schien tiefer, jeder Laut klarer: das Trommeln des Regens auf dem Vordach, das Knarren des Holzes unter seinen Ellbogen, das eigene Herz, das so stark schlug, dass sie schwören konnte, er könne es hören. — Bleibst du immer so lange in leeren Bars? — fragte sie und blickte auf ihr Glas. — Nur, wenn sich die Gesellschaft lohnt. Laura lachte, doch der Klang glich mehr einem Seufzer. Sie drehte das Glas erneut zwischen den Fingern und beobachtete, wie die bernsteinfarbene Flüssigkeit das gelbliche Licht der Deckenlampe reflektierte. — Und woran merkst du, ob sich die Gesellschaft lohnt? Daniel antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm er die Flasche und schenkte beiden noch einen Whisky ein, füllte ihr Glas fast bis zum Rand. Als er fertig war, streiften seine Finger erneut die ihren, diesmal mit Absicht. Laura wich nicht zurück. — Ich mag Frauen, die wissen, was sie wollen — sagte er schließlich, die Stimme tief. — Und die keine Angst haben, danach zu fragen. Sie hob das Glas und hielt seinem Blick stand. — Und wenn ich mehr als einen Whisky will? Daniels Lächeln wurde breiter, langsam und gefährlich. — Dann bist du hier genau richtig. Er schob die Flasche in ihre Richtung, ließ sie aber nicht los. Ihre Finger umschlossen das kalte Glas, und für einen Moment bewegte sich keiner von beiden. Laura konnte die Wärme seiner Hand durch die Flasche spüren, als würde der Whisky darin bereits zu brennen beginnen. Als sie schließlich losließ, war es nur, um das Glas an die Lippen zu führen, doch Daniel trank nicht. Stattdessen beobachtete er sie mit einer Intensität, die ihre Haut kribbeln ließ. — Du zitterst — sagte er nach einer Weile. — Mir ist nicht kalt. — Ich weiß. Er streckte die Hand aus, langsam, als bitte er um Erlaubnis. Laura rührte sich nicht, als seine Finger ihr Handgelenk streiften, über die empfindliche Haut zum Ellbogen glitten und dann ihren Arm hinauf, eine Spur aus Feuer hinterlassend. Als er ihre Schulter erreichte, hielt er inne, der Daumen zeichnete langsame Kreise in die Kurve ihres Halses. — Du bist Anwältin, oder? — fragte er, als würde er sie nicht auf diese Weise berühren, als würde er nicht ihren ganzen Körper dazu bringen, sich ihm entgegenzuneigen, ohne dass sie es verhindern konnte. Laura nickte, die Stimme rauer als beabsichtigt. — Woher weißt du das? — Die Aktentasche auf dem Stuhl neben dir. — Er neigte den Kopf in Richtung des leeren Sitzes, auf dem sie ihre Sachen abgelegt hatte. — Und die Art, wie du das Glas hältst. Als würdest du gleich einen Deal aushandeln. Sie lachte, doch der Klang erstarb, als Daniel sich noch näher zu ihr beugte, sein Knie unter der Theke das ihre streifte. Laura konnte die Hitze seines Körpers spüren, selbst durch die Kleidung hindurch, und für einen Moment stellte sie sich vor, wie es wäre, wenn nichts zwischen ihnen wäre – keine Theke, kein Stoff, keine Distanz. — Und du? — fragte sie und versuchte, ihre Stimme fest klingen zu lassen. — Was macht ein Musiker, wenn er nicht in leeren Bars spielt? — Vergessen — antwortete er schlicht. — Oder es zumindest versuchen. Seine Finger lagen noch immer an ihrem Hals, der Daumen streichelte nun die Linie ihres Kiefers. Laura schloss für einen Moment die Augen und ließ sich in das Gefühl sinken. Als sie sie wieder öffnete, war Daniel nah genug, um die kleinen goldenen Flecken in seinen braunen Augen zu erkennen, den Umriss des Dreitagebarts, die Art, wie sich seine Lippen leicht öffneten, als warteten sie auf etwas. — Was versuchst du zu vergessen? — fragte sie flüsternd. Daniel antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm er die Whiskyflasche und schenkte sich und ihr noch einen Schluck ein, obwohl sie den ersten noch nicht ausgetrunken hatte. — Nichts, das es wert wäre — sagte er schließlich. — Aber vielleicht muss auch ich mich an etwas erinnern. Laura hob das Glas, die Finger noch leicht zitternd, und stieß mit ihm an, ein stummer Toast. Das Klirren des Glases wurde vom Regen übertönt, doch die Geste war klar. Eine Vereinbarung. Eine Kapitulation. — Dann erinnern wir uns gemeinsam — sagte sie. Und als sich seine Lippen zu einem langsamen Lächeln verzogen, wusste Laura, dass diese Nacht nicht vom Vergessen handeln würde. Sie würde vom Fühlen handeln. Vom Brennen. Der erste Schluck brannte wie flüssiges Feuer in Lauras Kehle, hinterließ eine langsame, köstliche Spur. Der Whisky war nicht von der feinsten Sorte – diese bescheidene Bar hatte keine Ansprüche auf Eleganz –, aber er erfüllte seinen Zweck: Er wärmte von innen, löste die unsichtbaren Knoten, die der Regen und die Müdigkeit in ihren Schultern geknüpft hatten. Sie schloss für einen Moment die Augen und ließ die Hitze sich in ihrer Brust ausbreiten, in ihren Armen, bis in die Fingerspitzen, die trotz der schwülen Luft im Raum noch kalt waren. Als sie sie wieder öffnete, war Daniel da und beobachtete sie mit diesem Lächeln, das Geheimnisse zu bergen schien. Er hatte das Geschirrtuch gegen eine halb leere Whiskyflasche eingetauscht und hielt sie zwischen den Fingern, als wäre sie eine Einladung. — Nicht jeden Tag bestellt eine Frau puren Whisky in so einem Laden — sagte er und neigte den Kopf. Seine Stimme war tief, rau, als hätte er die letzte Nacht auf einer Bühne geschrien oder jemandem Versprechungen ins Ohr geflüstert. — Normalerweise ist es Bier oder dieser süße Mist, den die Leute bestellen, um vorzugeben, etwas Elegantes zu trinken. Laura hob eine Augenbraue und drehte das Glas zwischen den Fingern. — Und du? Was bestellt ein durchreisender Musiker in einer leeren Bar an einem regnerischen Abend? — Dasselbe wie du — antwortete er ohne zu zögern. — Etwas, das brennt. Die Art, wie er das sagte – mit den Augen auf sie gerichtet, den Mund leicht geöffnet –, ließ Laura einen Schauer spüren, der nichts mit der Kälte zu tun hatte. Sie nahm einen weiteren, längeren Schluck, und als sie das Glas auf die Theke stellte, streiften Daniels Finger die ihren. Eine flüchtige Berührung, fast zufällig, doch genug, um die Rauheit seiner Haut, die Wärme seiner Handfläche, den leichten Druck wie eine Frage zu spüren. — Du bist so schön — murmelte er, während seine Lippen ihren Hals hinabwanderten und eine Spur aus Feuer hinterließen. — Ich habe dich angestarrt, seit du hereingekommen bist, und mir vorgestellt, wie es wäre, dich zu küssen. Laura neigte den Kopf zurück, gab ihm mehr Zugang, während ihre Nägel sich in seine Schultern gruben. — Und? — provozierte sie, die Stimme zitternd. — Hat es sich gelohnt, zu warten? Daniel lachte, ein dunkler, zufriedener Klang, bevor er ihre Lippen erneut einfing. Diesmal war der Kuss langsamer, tiefer, als wolle er ihren Geschmack in sich aufnehmen. Laura erwiderte ihn mit derselben Intensität, ihre Zunge traf die seine in einem Rhythmus, der etwas viel Intimeres nachahmte. Sie spürte seinen harten Körper an ihrem, den Beweis seines Verlangens, der sich gegen ihren Oberschenkel presste, und das Gefühl ließ sie schwindelig werden. — Mehr, als du dir vorstellen kannst — antwortete er schließlich und zog sich gerade so weit zurück, dass sie seine Augen sehen konnte. Etwas Wildes lag in seinem Blick, etwas, das sie den Atem anhalten ließ. — Aber ich will mehr. Laura zögerte nicht. Sie hielt sein Gesicht zwischen den Händen und zog ihn wieder zu sich, küsste ihn mit einem Hunger, der sogar sie selbst überraschte. Es gab keinen Raum mehr für Zweifel, für Zögern. Die Bar, der Regen, die Welt draußen – alles war verschwunden. Es gab nur noch sie beide, die Hitze, das Verlangen, das drängende Bedürfnis, das zwischen ihnen wie ein elektrischer Strom pulsierte. Daniels Hände glitten nach unten, packten ihre Taille mit festem Griff, als fürchte er, sie könnte entkommen. Laura hatte nicht die geringste Absicht, irgendwohin zu gehen. Sie presste sich enger an ihn, spürte jeden Muskel, jede Kurve seines Körpers, und stöhnte, als seine Zähne ihre Unterlippe streiften. — Daniel — flüsterte sie, sein Name klang wie ein Gebet. Er antwortete mit einem noch tieferen Kuss, seine Hände erkundeten nun ihren Rücken, glitten hinab zur Kurve ihrer Hüfte. Laura spürte, wie die Welt sich drehte, als er sie näher an sich zog, bis kein Raum mehr zwischen ihnen war, bis jeder Atemzug geteilt wurde. Und dann, plötzlich, hob er sie hoch. Es war eine schnelle, fast ruckartige Bewegung, und Laura schlang instinktiv die Beine um seine Taille, die Arme um seinen Hals. Daniel trug sie mühelos, die Lippen nie von ihren lassend, während er sich durch die Bar bewegte, mit einer Entschlossenheit, die sie atemlos machte. Sie wusste nicht, wohin sie gingen – und in diesem Moment war es ihr egal. Was auch immer als Nächstes kommen würde, es würde intensiv sein. Das alte Sofa knarrte unter dem Gewicht der beiden, als Daniel sie darauf absetzte, die rostigen Federn protestierten mit einem Stöhnen, das zwischen ihren Seufzern unterging. Sie spürte noch immer die Wärme seiner Hände an ihrer Taille, die Festigkeit, mit der er sie getragen hatte, als wäre sie etwas zu Kostbares, um losgelassen zu werden. Nun, zwischen den abgenutzten Kissen, blickte sie ihn mit leicht geöffneten Lippen an, die Brust hob und senkte sich in einem schnellen Rhythmus. Daniel wich nicht aus. Das gelbliche Licht der einzigen Lampe im hinteren Teil der Bar tauchte sein Gesicht in goldene Schatten, betonte die Linie seines Kiefers, die Kurve seiner noch feuchten Lippen vom vorherigen Kuss. Er kniete sich vor sie, die Hände glitten über ihre Oberschenkel, die Finger zeichneten langsame Kreise auf dem Stoff ihres Rocks, als würde er jeden Zentimeter memorieren, bevor er ihn für sich beanspruchte. — Weißt du überhaupt, was du mit mir anstellst? — Seine Stimme war rau, fast ein Knurren, und Laura spürte, wie ein Schauer ihren Rücken hinablief. Sie biss sich auf die Unterlippe, die Finger krallten sich in den abgenutzten Stoff des Sofas. — Zeig es mir. Es war eine Herausforderung, eine Einladung, eine Kapitulation. Daniel brauchte nicht mehr. Mit einer fließenden Bewegung zog er ihre Bluse nach oben, die Finger öffneten geschickt einen Knopf nach dem anderen, bis der Stoff sich teilte und ihre blasse Haut sowie die Konturen ihres schwarzen Spitzen-BHs enthüllte. Laura bog den Rücken durch, als seine Hände über ihren Bauch glitten, die Daumen die Kante des elastischen Bunds streiften und neckten. — Wunderschön — murmelte er und beugte sich vor, um einen Kuss direkt unter ihrem Nabel zu platzieren. — So wunderschön, dass es wehtut. Laura vergrub die Finger in seinem Haar und zog ihn näher, spürte seinen warmen Atem auf ihrer Haut. — Hör nicht auf. Er lachte leise, ein dunkler, gefährlicher Klang, bevor er mit den Lippen höher wanderte und eine Spur feuchter Küsse hinterließ. Als er das Tal zwischen ihren Brüsten erreichte, stöhnte Laura auf, ihr ganzer Körper spannte sich in Erwartung an. Daniel ließ sie nicht warten. Mit einer präzisen Bewegung öffnete er den BH und schloss die Lippen um eine Brustwarze, saugte mit einem Druck, der sie noch weiter durchbiegen ließ, die Nägel in seine Schultern grub. — *Verdammt* — zischte sie zwischen den Zähnen hindurch. Daniel antwortete mit einem kehligen Laut, die Hände erkundeten nun ihren Rücken und zogen sie näher, als wolle er ihre Körper an dieser Stelle verschmelzen. Laura spürte die Hitze zwischen ihren Beinen, ein pulsierendes Bedürfnis, das sie sich gegen ihn winden ließ. Sie brauchte mehr. Sie brauchte ihn. Mit einer plötzlichen Bewegung schob sie Daniel zurück und wechselte die Positionen, bis er auf dem Sofa lag und sie über ihm. Seine Augen funkelten vor Überraschung und Verlangen, und sie lächelte langsam, absichtlich, während sie sich vorbeugte, um ihn zu küssen. Ihre Lippen trafen sich in einem Aufeinandertreffen von Zungen und Zähnen, der Geschmack von Whisky noch präsent, vermischt mit seinem einzigartigen Aroma. — Meine Runde — flüsterte sie an seinem Mund, bevor sie mit den Lippen seinen Hals hinabwanderte, die empfindliche Haut mit den Zähnen neckte und seinen beschleunigten Puls unter ihrer Zunge spürte. Daniel stöhnte, die Hände ballten sich neben seinem Körper zu Fäusten, als würde er darum kämpfen, sie nicht zu berühren. Laura erlaubte es nicht. Sie glitt weiter nach unten, die Finger öffneten geschickt sein Hemd und enthüllten seine gemeißelte Brust, gezeichnet von feinen Narben, die sie nicht widerstehen konnte, mit den Fingerspitzen nachzuzeichnen. Als sie den Bund seiner Hose erreichte, hielt sie inne und blickte ihn mit einem provokanten Lächeln an. — Ungeduldig? — fragte sie, die Finger mit dem Knopf spielend. — Du spielst mit dem Feuer — antwortete er, die Stimme angespannt. — Ich mag es zu brennen. Mit einer schnellen Bewegung öffnete sie seine Hose und zog sie zusammen mit der Unterwäsche nach unten, befreite ihn. Daniel war hart, die Haut heiß und seidig unter ihren Fingern, und Laura konnte nicht widerstehen, die Hand um ihn zu legen und ihn in ihrer Handfläche pulsieren zu spüren. Daniel stieß ein raues Stöhnen aus, die Hüften hoben sich instinktiv. — Laura… — knurrte er, ihr Name klang wie eine Warnung. Sie ignorierte es. Sie beugte sich vor, die Lippen schwebten über der Spitze, der warme Atem neckte ihn. — Was willst du? — Dich — knurrte er, die Hände vergruben sich in ihrem Haar und zogen sie näher. — Nur dich. Laura lächelte, bevor sie ihn in den Mund nahm, langsam und absichtlich, spürte, wie er ihre Zunge füllte, der salzige, männliche Geschmack ihre Sinne überflutete. Daniel stöhnte laut, die Finger packten ihr Haar fester und führten sie in einem Rhythmus, der ihre eigenen Hüften vor Verlangen winden ließ. Sie nahm ihn tief in den Hals, spürte, wie er unter ihr zitterte, bevor sie sich zurückzog, die Lippen glänzend. — Verdammt, Laura — keuchte er, die Augen dunkel vor Verlangen. — Du bringst mich um. Sie lachte leise, stieg wieder zu ihm hoch, um ihn zu küssen und ihn seinen eigenen Geschmack auf ihren Lippen spüren zu lassen. — Noch nicht. Mit einer schnellen Bewegung befreite sie sich von Rock und Slip und warf sie zusammen mit seinen Kleidern auf den Boden. Daniel zog sie an sich, die Hände erkundeten jede Kurve, jeden Zentimeter nackter Haut, als wolle er ihren Körper mit seinen Berührungen memorieren. Als seine Finger zwischen ihre Beine glitten, stöhnte Laura auf, bog sich gegen seine Hand, spürte, wie er sie neckte, den empfindlichsten Punkt umkreiste, bevor er zwei Finger in sie gleiten ließ. — So nass — murmelte er, die Lippen streiften ihr Ohrläppchen. — So bereit. Laura biss sich auf die Lippe, die Hüften bewegten sich instinktiv, suchten mehr. — Daniel, bitte… Er ließ sie nicht warten. Mit einer schnellen Bewegung positionierte er sie über sich und führte sie nach unten, bis sie ihn ganz in sich spürte. Laura stöhnte laut auf, die Nägel gruben sich in seine Schultern, ihr ganzer Körper zog sich um ihn zusammen. Daniel hielt sie an der Taille fest, die Finger gruben sich in ihre Haut, während er sie in einem langsamen, quälenden Rhythmus führte, jede Bewegung tief und absichtlich. — Sieh mich an — befahl er, die Stimme rau. Laura öffnete die Augen und begegnete seinem Blick, dunkel und intensiv, voller eines Verlangens, das ihr eigenes widerspiegelte. Sie bewegte sich über ihm, die Hüften kreisten, spürte, wie er jeden richtigen Punkt in ihr traf. Daniel stöhnte, die Finger packten ihre Taille fester und zogen sie bei jedem Stoß nach unten. — Genau so — knurrte er. — Genau so. Laura beschleunigte den Rhythmus, das Vergnügen baute sich in immer intensiveren Wellen auf, jede Bewegung brachte sie näher an den Rand. Daniel setzte sich auf, umschlang sie mit den Armen, die Lippen fanden die ihren in einem hungrigen Kuss, während er sie mit mehr Kraft, tiefer, nahm. Sie stöhnte gegen seinen Mund, ihr ganzer Körper zitterte, am Rande des Abgrunds. — Komm mit mir — flüsterte er, die Zähne streiften ihren Hals. Und Laura ließ sich fallen. Mit einem erstickten Schrei zerfiel sie um ihn herum, der Orgasmus durchfuhr sie in heftigen Wellen, ihr ganzer Körper zuckte in Ekstase. Daniel hielt sie fest, die Hüften bewegten sich in einem frenetischen Rhythmus, bis auch er seine Erlösung fand, ein raues Stöhnen entwich seinen Lippen, während er sich in ihr ergoss. Für einen Moment gab es nichts außer dem Geräusch ihrer keuchenden Atemzüge, Lauras Körper zitterte noch leicht auf seinem. Daniel zog sie näher an sich, die Arme umschlossen sie in einer festen Umarmung, die Lippen legten sanfte Küsse auf ihre Schulter. — Das war… — begann Laura, doch die Worte versagten. — Ich weiß — murmelte er, die Finger zeichneten träge Kreise auf ihren Rücken. Sie schloss die Augen und spürte das Gewicht seines Körpers, die Wärme seiner Haut, den Geruch von Sex und Schweiß, vermischt mit dem holzigen Aroma der Bar. Für einen Moment schien alles perfekt. Doch dann hallte das ferne Geräusch einer sich öffnenden Tür durch den Flur, gefolgt von gedämpften Schritten. Daniel hob den Kopf, die Augen verengten sich. — Verdammt. Laura zuckte zusammen, die Finger krallten sich in die imaginären Laken – oder besser gesagt, in den abgenutzten Stoff des Sofas. — Kommt da jemand? Er nickte, der Ausdruck angespannt. — Der Barbesitzer. Er schließt normalerweise früher. — Und jetzt? Daniel blickte sie an, ein langsames Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. — Jetzt ziehen wir uns an. Und dann… — er beugte sich vor, die Lippen streiften ihr Ohr — entscheiden wir, ob diese Nacht hier endet. Laura spürte einen Schauer durch ihren Körper laufen, trotz der Hitze, die sie noch immer umgab. Sie wusste, dass sie nicht wollte, dass es endete. Noch nicht. Das graue Morgenlicht drang durch die Ritzen der Jalousien und malte blasse Streifen auf ihre ineinander verschlungenen Körper. Laura erwachte langsam, als würde sie aus einem flüssigen Traum auftauchen, die Muskeln noch schwer vom Vergnügen, die Haut empfindlich gegen die kühle Luft. Der Geruch von altem Holz vermischte sich mit getrocknetem Schweiß und dem Restduft von Sex, ein Aroma, das an den Wänden, den zerknüllten Laken auf dem Boden und sogar in ihren Poren zu haften schien. Neben ihr atmete Daniel tief, die Brust hob und senkte sich in einem langsamen, fast trägen Rhythmus. Einer seiner Arme war unter ihrem Körper eingeklemmt, der andere lag besitzergreifend um ihre Taille, selbst im Schlaf. Sie drehte den Kopf, um ihn zu beobachten. Seine dunklen Wimpern warfen Schatten auf die Wangenknochen, und der Dreitagebart umrahmte seinen Kiefer in einer rauen Linie. Die Lippen, noch leicht geschwollen von den Küssen der letzten Nacht, waren leicht geöffnet, als wäre er kurz davor, etwas zu sagen. Laura lächelte, ein Lächeln, das aus müder Zufriedenheit und der seltsamen Vertrautheit entstand, neben einem Fremden aufzuwachen, der irgendwie jeden Zentimeter ihres Körpers zu kennen schien. Vorsichtig ließ sie die Finger über seinen Unterarm gleiten, zeichnete die hervortretenden Adern und die feinen Narben nach, die Geschichten von Gitarrensaiten und schlaflosen Nächten erzählten. Daniel bewegte sich, die Augen öffneten sich langsam und richteten sich auf sie. Für einen Moment lag Verwirrung darin – ein Funke Überraschung, als hätte auch er nicht erwartet, sie hier vorzufinden. Dann setzte die Erkenntnis ein, gefolgt von einem langsamen, trägen Lächeln, das ihren Magen zusammenziehen ließ. — Guten Morgen — murmelte er, die Stimme rau vom Schlaf und von allem, was sie getan hatten. — Guten Morgen — antwortete sie, die Kehle trocken. — Der Regen hat aufgehört. Er hob den Kopf gerade so weit, um durch das Fenster zu spähen. Der Himmel war noch immer bedeckt, doch die Wolken hatten sich verzogen und hinterließen ein opakes Grau, fast silbrig, als wäre die ganze Welt gewaschen worden und würde nun langsam trocknen. Daniel blickte wieder zu ihr, die Finger spielten mit einer Strähne ihres Haares, wickelten sie auf und ab. — Wachst du immer so adrett auf nach einer Nacht wie der letzten? — fragte er, die Stimme voller Ironie. Laura lachte, ein tiefer, rauer Klang. — Adrett? — Sie blickte an sich herab: die zerknitterte Bluse, die halb geöffnete Hose, die von Knutschflecken gezeichneten Brüste, die unter der Kleidung sichtbar sein würden. — Ich glaube nicht. — Eben. — Er rückte näher, die Lippen streiften ihre Schulter. — Du siehst aus wie ein Chaos. Und das gefällt mir. Sie schloss die Augen, als seine Zähne leicht in ihre Haut bissen, ein Schauer durchlief sie. Doch dann ließ das Geräusch einer zuschlagenden Tür irgendwo in der Bar sie zusammenzucken. Die Realität kehrte mit voller Wucht zurück: das abgenutzte Sofa, die leeren Flaschen, die auf der Theke vergessen worden waren, das gnadenlose Morgenlicht. — Verdammt — brummte Daniel und rückte ein Stück von ihr ab. — Der Besitzer kommt wahrscheinlich. Laura setzte sich auf und zog die Laken über ihren Körper, obwohl sie wusste, dass es sinnlos war. Der Stoff fühlte sich kalt an auf ihrer warmen Haut, und sie fröstelte. Daniel stand mit einer fließenden Bewegung auf, nahm sein Hemd vom Boden und zog es ohne Eile an, die Muskeln seines Rückens spannten sich unter der Haut. Sie beobachtete ihn, wie seine Finger die Knöpfe mit fast ritueller Präzision schlossen, als wäre jede Bewegung eine Art, sich wieder zusammenzusetzen. — Musst du gehen? — fragte er und drehte sich zu ihr um. Laura zögerte. Ein Teil von ihr wollte ja sagen, dass ein Stapel Akten im Büro auf sie wartete, Meetings, Deadlines. Doch der andere Teil, der noch seinen Geschmack im Mund spürte, der noch das Echo der gestrigen Stöhnen in sich vibrieren fühlte, wollte nirgendwo hingehen. — Nicht sofort — gab sie zu. Daniel lächelte, ein Lächeln, das zugleich Erleichterung und Herausforderung war. — Gut. Denn ich dachte daran, Kaffee zu machen. Er streckte die Hand aus, und Laura ergriff sie, ließ sich vom Sofa hochziehen. Der Boden war kalt unter ihren nackten Füßen, und sie erschauderte, doch es war ihr egal. Daniel führte sie in die kleine Küche im hinteren Teil der Bar, einen engen Raum mit einer alten Kaffeemaschine, einem Spülbecken voller schmutziger Gläser und einem Herd, der mehrere Jahrzehnte überlebt zu haben schien. Er schaltete die Kaffeemaschine ein, das Geräusch der schwarzen Flüssigkeit, die in die Kanne tropfte, durchbrach die angenehme Stille zwischen ihnen. — Machst du immer Kaffee für die Frauen, die du hierher bringst? — fragte Laura und lehnte sich an die Arbeitsplatte. Daniel lachte, drehte sich zu ihr um. — Nur für die, die es wert sind. Sie hob eine Augenbraue. — Und ich bin es wert? Er antwortete nicht sofort. Stattdessen trat er einen Schritt vor, klemmte sie zwischen seinen Armen ein, die Hände auf die Arbeitsplatte zu beiden Seiten ihres Körpers gestützt. Laura spürte den Geruch von Kaffee, vermischt mit seinem Duft, eine seltsam intime Kombination. — Du bist mehr wert als Kaffee — murmelte er, die Lippen fast ihre berührend. — Aber da ich hier keinen Champagner habe, muss Kaffee reichen. Sie lachte, doch der Klang erstarb in ihrer Kehle, als er sie küsste. Diesmal lag keine Dringlichkeit darin, kein hastiges Verlangen wie in der Nacht zuvor. Es war ein langsamer, erkundender Kuss, als würde er die Form ihres Mundes memorieren, die Art, wie sie reagierte. Laura ließ sich fallen, die Hände glitten in sein Haar und zogen ihn näher. Der vergessene Kaffee zischte leise, der Dampf stieg in trägen Spiralen auf. Als sie sich voneinander lösten, atmeten beide schwer. Daniel legte die Stirn an ihre, die Augen geschlossen. — Ich will nicht, dass das endet — gestand er, die Stimme leise. Laura spürte einen Stich in der Brust. Sie wollte es auch nicht. Doch das Leben bestand nicht aus Nächten wie dieser, aus zufälligen Begegnungen, die wie Feuer brannten und vor dem Morgengrauen erloschen. Oder vielleicht doch, und sie hatten nur vergessen, wie man so lebte. — Ich auch nicht — gab sie schließlich zu. Daniel trat gerade so weit zurück, um zwei Tassen Kaffee einzuschenken. Er reichte ihr eine, die Finger streiften die ihren einen Moment länger als nötig. Laura führte die Tasse an die Lippen und spürte, wie die Wärme sich in ihrem Körper ausbreitete. Der Kaffee war stark, bitter, genau wie sie ihn mochte. — Also — sagte er und lehnte sich neben sie an die Arbeitsplatte —, was machen wir jetzt? Laura blickte ihn an, das Herz schlug ein wenig schneller. — Wir könnten damit anfangen, Telefonnummern auszutauschen. Daniel lächelte, nahm das Handy aus der Tasche. — Das ist ein Anfang. Sie tauschten die Nummern aus, die Finger tippten mit bedachter Langsamkeit, als wäre jede Ziffer ein Versprechen. Als sie fertig waren, steckte Daniel das Handy weg und blickte sie an, die dunklen Augen voller etwas, das Laura nicht deuten konnte. — Und danach? — fragte sie. Er antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm er ihre Tasse und stellte sie zusammen mit seiner ins Spülbecken. Dann hielt er ihr Gesicht zwischen den Händen, die Daumen zeichneten Kreise auf ihre Wangenknochen. — Danach — murmelte er — sehen wir weiter. Und dann küsste er sie erneut. Diesmal gab es kein altes Sofa, keine leere Bar, keinen Regen draußen. Es gab nur sie beide, den Geschmack von Kaffee auf der Zunge, die Wärme ihrer Körper, die sich erneut trafen, als wüssten sie, dass dies die letzte Gelegenheit war, sich ineinander zu verlieren. Als sie sich voneinander lösten, war Laura atemlos. Daniel legte die Stirn an ihre, die Augen geschlossen. — Ich weiß nicht, was das war — sagte er schließlich. — Aber ich bereue es nicht. Laura lächelte, spürte, wie ihr die Tränen in den Augen brannten. — Ich auch nicht. Sie zogen sich schweigend an, die Bewegungen langsam, als würden sie das Unvermeidliche hinauszögern. Als Laura bereit war zu gehen, begleitete Daniel sie zur Hintertür der Bar. Die Luft draußen war frisch, feucht, der Geruch von nasser Erde drang in ihre Nase. Sie atmete tief ein und spürte das Gewicht der endenden Nacht. — Kommst du wieder? — fragte er und lehnte sich an den Türrahmen. Laura blickte ihn an und prägte sich jedes Detail ein: die dunklen Augen, das schiefe Lächeln, die Art, wie der Wind sein Haar zerzauste. — Ich weiß es nicht. Daniel nickte, als hätte er diese Antwort erwartet. — Schon gut. Sie trat einen Schritt vor und küsste ihn ein letztes Mal. Ein sanfter, fast keuscher Kuss, der alles sagte, was die Worte nicht konnten. Als sie sich zurückzog, hielt er ihre Hand einen Moment lang fest, die Finger verschränkt. — Pass auf dich auf, Laura. — Du auch, Daniel. Und dann drehte sie sich um und ging den nassen Gehweg entlang, die Absätze klapperten auf dem Beton. Sie blickte nicht zurück. Sie wusste, wenn sie es täte, würde sie nicht gehen können. Hinter ihr blieb Daniel in der Tür stehen und beobachtete sie, bis sie um die Ecke bog und verschwand. Dann ging er in die Bar zurück und schloss die Tür mit einem leisen Klicken. Die Stille, die folgte, war anders als in der Nacht zuvor. Es lag keine Spannung darin, keine Erwartung. Nur die Ruhe von etwas, das vorbei war, aber irgendwie weiter in ihm brennen würde. Laura ging durch die leeren Straßen des Morgens, ihr Körper vibrierte noch immer vom Echo seiner Berührung. Als sie ihr Auto erreichte, blieb sie einen Moment stehen und blickte zum Himmel. Die Wolken hatten sich vollständig aufgelöst und einen blassen, fast durchsichtigen Blauton hinterlassen. Sie lächelte, ein trauriges und zufriedenes Lächeln, und stieg ins Auto. Während der Fahrt spielte das Radio ein altes Lied, eines von diesen, die von zufälligen Begegnungen und unvermeidlichen Abschieden handelten. Laura drehte die Lautstärke hoch und ließ die Melodie die Stille füllen. Sie wusste, dass sie irgendwann zurückblicken und sich fragen würde, ob das alles real gewesen war. Doch für den Moment reichte es zu wissen, dass sie sich für eine Nacht erlaubt hatte zu brennen. Und manchmal war das intensivste Feuer das, das nur ein paar Stunden währte.

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