Kreuzfeuer
Von Tonkix
**Kreuzfeuer**
Die Bar roch nach abgelagertem Whisky und teurem Parfüm, eine Mischung, die wie vergessener Zigarettenrauch im Hals klebte. Das bernsteinfarbene Licht der Spots spiegelte sich in den Kristallgläsern und zeichnete goldene Halos auf die polierten Mahagonitische, während das Gemurmel der Gespräche in einem stetigen, fast hypnotischen Summen unterging. Es war genau die Art von Ort, die Clara instinktiv wählte: elegant genug, um nicht vulgär zu wirken, aber belebt genug, damit niemand ihre Anwesenheit bemerkte. Sie glitt auf den hohen Barhocker mit der Präzision einer Frau, die die Stille beherrschte, die Beine unter dem engen Bleistiftrock gekreuzt, der ihre Oberschenkel umschmeichelte, ohne zu viel zu verraten. Der Stoff flüsterte über ihre Haut, eine subtile Erinnerung daran, dass hinter der Rüstung der Anwältin etwas Weicheres lag.
Der Tag war eine Abfolge erschöpfender Verhandlungen gewesen, unsicherer Mandanten und eines Richters mit der Geduld eines Heiligen am Fastentag. Sie lockerte den Knoten ihrer Fliege – ein Detail, das sie immer das Gefühl von Kontrolle gab, selbst wenn alles zusammenbrach – und fuhr sich mit den Fingern durch das kastanienbraune Haar, das zu einem tiefen Dutt gebunden war und sich bereits langsam löste. Der Spiegel hinter der Theke fing ihr Spiegelbild ein: müde, aber noch scharfe grüne Augen, Lippen in einem dezenten Rot, das im schwachen Licht kaum zu erkennen war. Clara lächelte nicht. Sie musste nicht.
Sie bestellte einen Gin Tonic mit zwei Zitronenscheiben, ohne Zucker. Der Barkeeper, ein Mann mit flinken Händen und professionellem Blick, servierte das Getränk mit der Zeremonie eines Mannes, der wusste, dass sie nicht der Typ war, der Fehler duldete. Der erste Schluck brannte auf ihrer Zunge, aber sie zuckte nicht mit der Wimper. Der Alkohol glitt wie eine kalte Klinge hinab und löste die Anspannung in ihren Schultern. Sie schloss die Augen für eine Sekunde und erlaubte sich den Luxus, nicht Clara Viana, Partnerin der gefürchtetsten Kanzlei der Stadt, zu sein. Nur eine Frau allein in einer Bar, mit schmerzenden Füßen in hochhackigen Pumps und einem Geist, der zum ersten Mal seit Stunden leer war.
Auf der anderen Seite des Raumes beobachtete Rafael.
Er war seit einer halben Stunde dort, tat so, als interessiere er sich für die Cocktailkarte, während sein Blick immer wieder zu der reglosen Gestalt an der Theke wanderte. Es war nicht nur ihre Haltung – aufrecht, als hätte sie ein Buch auf dem Kopf balanciert – oder die Art, wie ihre langen Finger das Glas umschlossen, als würde sie einen Vertrag unterschreiben statt zu trinken. Es war etwas Subtileres: die Art, wie sie über dem Chaos um sie herum zu schweben schien, als existierten die Bar, die Menschen, sogar die Luft nur als Kulisse für sie. Rafael kannte diese Art von Präsenz. Er kultivierte sie selbst.
Er rückte den Ärmel seines Hemdes zurecht, die silbernen Manschettenknöpfe klirrten leise gegen das Holz des Tisches. Sein maßgeschneiderter anthrazitfarbener Anzug saß perfekt auf den breiten Schultern, aber er fühlte ihn wie eine zweite Haut – vertraut, bequem, fast unsichtbar. Die Armbanduhr, eine Patek Philippe, die er von einem dankbaren Kunden erhalten hatte, zeigte halb elf. Zu spät für Meetings, zu früh, um die Nacht aufzugeben. Er hatte den ganzen Tag auf Baustellen verbracht, über Beleuchtungswinkel mit Ingenieuren diskutiert und den Verkehr von São Paulo innerlich verflucht. Doch jetzt, hier, mit dem Geruch von gealtertem Leder und Alkohol in der Luft, spürte er etwas anderes: eine Neugier, die sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengab.
Clara bemerkte nicht, wie er sich näherte. Sie war zu sehr damit beschäftigt, ihr eigenes Spiegelbild zu betrachten, als suche sie etwas Verlorenes darin. Rafael blieb einen Schritt entfernt stehen, nah genug, um ihre Wärme zu spüren, aber ohne ihren Raum zu invadieren. Ihr Duft erreichte ihn zuerst – etwas Zitrusartiges mit Bergamotte-Noten und einem Hauch Vanille, als wäre sie gerade aus einem langen Bad gestiegen. Er lächelte in sich hinein. Frauen, die so rochen, wussten genau, was sie taten.
— Dieser Ort wird nach elf besser – sagte er mit tiefer, aber klarer Stimme, die den Lärm um sie herum durchdrang. – Vorher ist es nur eine schöne Bar mit gelangweilten Leuten.
Clara drehte den Kopf langsam, als würde die Bewegung berechnete Anstrengung erfordern. Ihre grünen Augen musterten ihn in einer Sekunde: der perfekte Haarschnitt, der Dreitagebart, der einen Hauch kontrollierter Rebellion verlieh, die Art, wie das Hemd sich an seine Arme schmiegte und Muskeln unter dem teuren Stoff erahnen ließ. Sie lächelte nicht, aber etwas blitzte in ihrem Blick auf – ein Funke des Erkennens, vielleicht, oder nur das Licht, das sich in den Gläsern spiegelte.
— Und woher wissen Sie das? – fragte sie mit sanfter, aber herausfordernder Stimme.
— Weil ich seit Jahren hierherkomme. – Rafael stützte einen Ellbogen auf die Theke und lehnte sich leicht in ihre Richtung. – Und weil Sie bis jetzt die einzige Person zu sein scheinen, die zur falschen Zeit am richtigen Ort ist.
Eine Pause. Clara nahm einen weiteren Schluck von ihrem Drink, ihre feuchten Lippen hinterließen eine diskrete Spur am Glas. Rafael blickte nicht weg. Er wusste, dass sie entschied, ob es sich lohnte zu antworten, ob er ihre Aufmerksamkeit verdiente. Es war ein altes Spiel – das Spiel, wer zuerst nachgab. Aber Clara war nicht die Art von Frau, die leicht nachgab.
— Oder vielleicht bin ich die Einzige, die weiß, dass es die richtige Zeit nicht gibt – sagte sie schließlich. – Nur Menschen, die sich das Gegenteil einreden.
Rafael lachte, ein tiefer, rauer Klang, der einige lose Strähnen ihres Dutts leicht bewegte. Er streckte die Hand aus, als wolle er ihren Arm berühren, hielt aber auf halbem Weg inne und ließ die Finger in der Luft zwischen ihnen schweben.
— Darf ich Ihnen einen Drink anbieten? – fragte er, obwohl er die Antwort bereits kannte. – Oder möchten Sie lieber weiter über die Zeit philosophieren?
Clara blickte auf seine Hand, dann in sein Gesicht. Da war etwas Gefährliches, ein Versprechen, das sie nicht bereit war anzunehmen – aber auch nicht ablehnen wollte.
— Kommt darauf an – sagte sie, die Stimme fast ein Flüstern. – Philosophieren Sie normalerweise mit allen Frauen, die Sie in Bars treffen?
— Nur mit denen, die eine gute Ablenkung brauchen.
Sie antwortete nicht. Stattdessen schob sie ihr leeres Glas in seine Richtung, eine so subtile Geste wie eine Einladung. Rafael verstand. Er bestellte einen weiteren Gin Tonic für sie und einen Whisky für sich, und als der Barkeeper die Getränke vor sie stellte, streiften seine Finger versehentlich – oder vielleicht auch nicht – ihre. Die Berührung war kurz, aber genug, um eine Spur von Hitze auf Claras Haut zu hinterlassen.
Sie wich nicht zurück.
Auf der anderen Seite des Raumes wechselte die Musik zu etwas Langsamerem, eine Saxophonmelodie, die sich wie Rauch zwischen die Tische schlängelte. Rafael beugte sich noch näher, bis sein Atem ihren Hals streifte.
— Sind Sie immer so nach der Arbeit? – murmelte er. – Oder nur, wenn Sie sich einreden, dass Sie keine Gesellschaft wollen?
Clara drehte das Gesicht, ihre Lippen fast seine berührend. Ihre grünen Augen funkelten mit etwas, das er nicht entziffern konnte – Wut, Verlangen oder nur der Widerschein des Alkohols.
— Ich muss mich zu nichts überreden – sagte sie.
Und dann, ohne Vorwarnung, lächelte sie. Kein breites Lächeln, keine offensichtliche Einladung, sondern etwas Gefährlicheres: ein Lächeln, das sagte, dass sie genau wusste, was sie tat, und dass er sich mehr anstrengen müsste, wenn er herausfinden wollte, wie weit sie zu gehen bereit war.
Rafael spürte, wie das Blut schneller durch seine Adern strömte. Er erkannte eine Frau, die sich nicht leicht hingab. Und aus irgendeinem Grund machte das alles nur noch interessanter.
Draußen ging das hektische Treiben der Stadt weiter, ahnungslos gegenüber dem Spiel, das hier zwischen zwei Gläsern und einer mit Möglichkeiten geladenen Stille begann.
Die Bar war jetzt voller, das Gemurmel der Gespräche vermischte sich mit dem Klirren der Gläser und dem gedämpften Klang eines Jazzstücks aus den Lautsprechern. Rafael nahm Clara nicht aus den Augen, während er sich von der Theke erhob, sein Körper bewegte sich mit der Selbstsicherheit eines Mannes, der wusste, dass jeder seiner Schritte berechnet war. Er nahm ein kurzes Glas mit zwei Fingern Whisky – demselben, den sie trank – und durchquerte den Raum, als wäre der Abstand zwischen ihnen ein Drahtseil, das er mit Leichtigkeit beherrschte.
Clara sah ihn im Spiegel hinter der Theke näher kommen. Sie drehte sich nicht um. Sie blieb aufrecht sitzen, die Finger spielten mit dem Rand des Glases, als würde sie entscheiden, ob dies eine Invasion oder eine Einladung war. Sein Duft erreichte sie, noch bevor er neben ihr stehen blieb – etwas Holzartiges mit einem Hauch von Gewürzen, warm wie die Haut eines Mannes, der gerade aus der Dusche gekommen war.
— Gehört Ihnen dieser Ort? – fragte Rafael und stützte einen Ellbogen auf die Theke mit einer Natürlichkeit, die an Provokation grenzte. Das Glas in seiner Hand schwankte leicht, die bernsteinfarbene Flüssigkeit reflektierte das goldene Licht der Bar.
Clara hob langsam den Blick, als würde jede Bewegung bewusste Anstrengung kosten. Das Grün ihrer Iris wirkte dort dunkler, fast schwarz im Halbdunkel.
— Die Bar? – Sie zog eine Augenbraue hoch. – Nein. Aber wenn es so wäre, würde ich für Gesellschaft bezahlen lassen.
Er lachte, ein tiefer, rauer Klang, der in ihrer Brust vibrierte, noch bevor er sich noch etwas näher zu ihr beugte und den Abstand zwischen ihnen verringerte. Die Wärme seines Körpers war greifbar, als würde er eine eigene Energie ausstrahlen.
— Dann ist es gut, dass ich Bezahlung mitgebracht habe. – Er schob das Glas in ihre Richtung, die Finger streiften leicht das polierte Holz der Theke. – Zwölf Jahre alter Whisky. Ich dachte, Sie verdienen etwas Besseres als dieses Gift, das Sie da trinken.
Clara berührte das Glas nicht. Stattdessen führte sie ihr eigenes an die Lippen und nahm einen langsamen Schluck, die Augen auf ihn gerichtet, während sie schluckte. Der Alkohol brannte in ihrer Kehle, aber sie zuckte nicht mit der Wimper.
— Und wenn ich es nicht mag, wenn man mir etwas unterstellt?
— Unterstellt? – Er tat empört und legte die Hand auf die Brust. – Ich bin nur höflich. Ein Mann bietet einer schönen Frau in einer Bar einen Drink an. Das ist fast ein Gesetz.
— Fast. – Sie lächelte, diesmal offener, aber immer noch mit diesem Hauch von Herausforderung. – Aber Gesetze wurden gemacht, um gebrochen zu werden.
Rafael kam noch näher, bis sein Knie leicht ihr Bein unter der Theke streifte. Die Berührung war kurz, fast zufällig, aber genug, um die Luft zwischen ihnen noch dichter werden zu lassen.
— Dann sind Sie also die Art von Frau, die Regeln bricht.
— Kommt auf die Regeln an. – Clara nahm schließlich das Glas, das er ihr angeboten hatte, ihre Finger streiften seine einen Moment länger als nötig. – Und auf die Konsequenzen.
Er beobachtete, wie sie den Whisky an die Lippen führte, wie sich ihr Hals beim Schlucken bewegte, wie ihre Zunge schnell über die Unterlippe fuhr. Jedes Detail war eine stille Provokation.
— Und wenn ich Ihnen sagen würde, dass die Konsequenzen… interessant sein könnten?
Clara antwortete nicht sofort. Stattdessen drehte sie das Glas zwischen den Fingern und ließ das Licht über die bernsteinfarbene Flüssigkeit tanzen.
— Interessant wie?
— Wie eine Nacht, die Sie nicht vergessen werden.
Sie lachte, ein sanfter, gefährlicher Klang.
— Sind Sie immer so direkt?
— Nur, wenn es sich lohnt.
Die Stille, die folgte, war mit etwas geladen, das keiner von beiden zu benennen wagte. Die Bar um sie herum schien verschwunden zu sein – das Geräusch der Gespräche, das Klirren der Gläser, sogar der Geruch von Alkohol und Parfüm verflüchtigten sich und ließen nur die elektrische Spannung zurück, die zwischen ihnen pulsierte.
Schließlich drehte sich Clara zu ihm um, ihre Knie streiften seine unter der Theke. Die Berührung war diesmal absichtlich, und Rafael wich nicht zurück.
— Und was lässt Sie denken, dass ich an einer unvergesslichen Nacht interessiert bin?
— Es ist keine Frage des Denkens. – Er beugte sich vor, seine Stimme sank zu einem rauen Flüstern. – Es ist eine Frage des Wissens.
Ihre Lippen öffneten sich, als wollte sie antworten, aber statt Worten hielt sie nur seinen Blick, ihre grünen Augen funkelten mit einer Intensität, die Rafaels Brust zusammenzog.
— Sie sind gefährlich – murmelte sie.
— Nur für die, die Risiken mögen.
Clara antwortete nicht. Stattdessen führte sie das Glas erneut an die Lippen und nahm einen langsamen Schluck, als würde sie nicht nur den Whisky genießen, sondern auch das Spiel, das sich zwischen ihnen entfaltete. Als sie das Glas absetzte, zogen ihre Finger eine langsame Spur am Rand, als würde sie etwas Unsichtbares zeichnen.
— Und wenn ich sage, dass ich keine Risiken eingehe?
— Dann würden Sie lügen. – Rafael hielt ihr Glas fest, bevor sie es auf die Theke zurückstellen konnte, seine Finger umschlossen ihre für einen Moment. – Jeder geht Risiken ein. Der Unterschied ist, ob man den Mut hat, es zuzugeben.
Sie zog ihre Hand nicht weg. Stattdessen ließ sie zu, dass er sie hielt, seine Finger warm gegen ihre.
— Und Sie? – fragte sie mit leiser Stimme. – Geben Sie Ihre zu?
— Immer.
Sein Daumen strich über die weiche Haut ihres Handgelenks und spürte den beschleunigten Puls darunter. Clara wich nicht zurück. Stattdessen beugte sie sich noch etwas näher, bis ihr Atem sein Gesicht streifte.
— Dann geben Sie mir etwas zu – murmelte sie.
— Was?
— Dass Sie nicht nur aus Höflichkeit hier sind.
Rafael lächelte langsam und räuberisch.
— Ich tue nie etwas nur aus Höflichkeit.
Sie lachte, ein tiefer, zufriedener Klang, als hätte er gerade etwas bestätigt, das sie bereits wusste.
— Gut. Denn ich auch nicht.
Die Bar um sie herum schien plötzlich wieder zu existieren, das Geräusch der Gespräche und der Musik drang wie eine Welle in den Raum zwischen ihnen ein. Doch keiner von beiden kümmerte sich darum. Rafael hielt noch immer ihr Handgelenk, sein Daumen zeichnete langsame Kreise auf ihre Haut, und Clara machte keine Anstalten, sich zu entfernen.
— Also – murmelte er mit rauer Stimme –, was schlagen Sie vor, was wir jetzt tun?
Clara sah ihn lange an, als würde sie ihre Optionen abwägen. Dann, mit einer bewussten Bewegung, lehnte sie sich zurück und löste ihre Hand mit einer langsamen, provokativen Berührung von seiner.
— Ich schlage vor, wir gehen von hier weg.
Rafael zögerte nicht. Er nahm ihr Glas und stellte es zusammen mit seinem auf die Theke, beide jetzt leer, als wären sie nicht vom Alkohol, sondern von der Spannung zwischen ihnen geleert worden.
— Nach Ihnen.
Clara stand auf, das schwarze Kleid schmiegte sich an ihren Körper, während sie sich bewegte, die hohen Absätze machten ein sanftes Geräusch auf dem Holzboden. Rafael folgte ihr und spürte das Gewicht ihres Blicks auf sich, während sie vor ihm herging, die Hüften schwangen auf eine Weise, die sein Blut in Wallung brachte.
Draußen war die Nacht kühl, die Luft erfüllt vom Geruch von frischem Regen und nassem Asphalt. Clara blieb auf dem Gehweg stehen und drehte sich zu ihm um, mit einem Lächeln, das Dinge versprach, die keiner von beiden laut auszusprechen wagte.
— Wohin?
Rafael antwortete nicht sofort. Stattdessen trat er einen Schritt näher, verringerte den Abstand zwischen ihnen, bis sich ihre Körper fast berührten. Er konnte ihre Wärme spüren, die Art, wie ihr Atem sich leicht beschleunigte.
— Wohin Sie wollen.
Sie lachte, ein tiefer, rauer Klang, und dann, ohne Vorwarnung, packte sie seinen Jackenaufschlag und zog ihn näher zu sich heran.
— Ich will an einen Ort, an dem wir Lärm machen können.
Rafael spürte, wie sein ganzer Körper auf diese Worte reagierte. Er nahm ihre Hand, seine Finger verschränkten sich mit ihren in einer Dringlichkeit, die keiner von beiden zu verbergen versuchte.
— Dann lass uns gehen.
Und ohne weitere Worte begannen sie, durch die beleuchteten Straßen der Stadt zu gehen, ihre Schritte beschleunigten sich, ihre Körper streiften sich bei jeder Bewegung, als könnten sie es nicht erwarten, dorthin zu gelangen, wo auch immer das sein mochte.
Die verschränkten Hände brannten. Clara spürte das Gewicht von Rafaels Blick auf sich, während sie gingen, der Druck seiner Finger gegen ihre wie ein stummes Versprechen. Die Nacht war kühl, aber die Luft zwischen ihnen schien elektrisch geladen, jeder Atemzug heißer als der vorherige. Die Bar lag hinter ihnen, ebenso wie die unnötigen Worte, übrig blieb nur der Rhythmus der Schritte auf dem feuchten Gehweg und das gedämpfte Geräusch der Stadt um sie herum – ferne Motoren, vereinzelte Lacher, das Klirren einer Flasche, die irgendwo weggeworfen wurde.
Rafael war der Erste, der die Stille brach, aber nicht mit Worten. Mit einer sanften Bewegung zog er sie näher zu sich heran und drückte sie gegen die Wand eines alten Gebäudes, wo das bernsteinfarbene Licht einer Laterne sie kaum erreichte. Claras Rücken traf auf den rauen Ziegelstein, und sie bog ihren Körper leicht, als wüsste sie bereits, was kommen würde. Er zögerte nicht. Er beugte sich vor, seine Lippen streiften zuerst den Mundwinkel, dann glitten sie tiefer, entlang ihres Kiefers, bis sie die empfindliche Stelle direkt unter ihrem Ohr fanden. Ein Seufzer entwich Claras Lippen, und sie spürte, wie seine Finger ihre fester umklammerten.
— Weißt du überhaupt, was du mit mir machst? – Rafaels Stimme war ein raues Flüstern, seine Lippen noch an ihrer Haut.
Clara lächelte, drehte ihr Gesicht, um seinen Mund in einem langsamen, tiefen Kuss zu fangen. Rafaels Zunge drang mit kontrollierter Dringlichkeit in sie ein, als würde er etwas Verbotenes kosten. Sie antwortete mit derselben Intensität, ihre Nägel gruben sich leicht in seinen Handrücken und entlockten ihm ein leises Stöhnen. Als sie sich trennten, waren beide außer Atem.
— Ich habe eine ziemlich klare Vorstellung – antwortete sie mit schleppender Stimme, die Augen halb geschlossen. – Aber ich glaube, du magst es, so zu tun, als wüsstest du es nicht.
Rafael lachte, ein tiefer Klang, der gegen ihre Brust vibrierte. Er hielt ihr Kinn zwischen seinen Fingern und neigte es für einen weiteren Kuss, diesmal gieriger, fordernder. Seine Hände glitten über ihren Körper, umrundeten die Kurve ihrer Taille, ihre Hüften, bis sie sich auf die Rückseite ihrer Oberschenkel legten und sie näher an sich zogen. Clara spürte seine Härte, die sich gegen sie presste, und ein Schauer lief ihr über den Rücken.
— Ich mag es, so zu tun, als wäre vieles anders – flüsterte er an ihrem Mund. – Aber nicht jetzt.
Sie antwortete nicht. Stattdessen biss sie leicht in seine Unterlippe und entlockte ihm ein Knurren der Lust. Rafael ließ sie für einen Moment los, gerade genug, um ihre Hand wieder zu ergreifen und sie zurück auf den Gehweg zu ziehen. Sie gingen noch ein paar Meter, ihre Körper streiften sich bei jedem Schritt, die Finger fest verschränkt, als fürchteten sie, sich loszulassen. Die Spannung zwischen ihnen war fast greifbar, ein gespanntes Seil, das kurz vor dem Reißen stand.
Diesmal war es Clara, die stehen blieb und ihn in den Eingang eines geschlossenen Ladens zog, wo die Dunkelheit sie wie ein Mantel umhüllte. Rafael brauchte keine Einladung. Er drückte sie gegen die Wand, seine Hände glitten unter den dünnen Stoff ihrer Bluse und fanden die warme, weiche Haut. Clara stöhnte auf, als seine Finger die Spitze ihres BHs streiften, ihre Brustwarzen bereits hart unter der Berührung.
— Du bist wunderschön – murmelte er, seine Lippen jetzt an ihrem Hals, saugten leicht und hinterließen Male, von denen sie wusste, dass sie bis zum nächsten Tag bleiben würden. – Und ich will dich ganz sehen.
Clara antwortete nicht mit Worten. Stattdessen zog sie sein Hemd aus der Hose, ihre Finger erkundeten gierig die definierten Muskeln seines Bauches, die Linie der Haare, die unter dem Bund verschwand. Rafael stöhnte auf, als sie tiefer glitt und die Beweise seines Verlangens fand, das bereits unter dem Stoff pulsierte. Er packte sie an den Handgelenken und drückte sie gegen die Wand.
— Wenn du so weitermachst, kommen wir nirgendwo an – warnte er mit rauer Stimme.
Sie lächelte herausfordernd.
— Und wer hat gesagt, dass ich irgendwo ankommen will?
Rafael widerstand nicht. Er eroberte ihren Mund erneut, diesmal mit einem Hunger, der keinen Raum für Spielereien ließ. Seine Hände glitten zu ihrem Rock, hoben ihn langsam an, die Finger streiften die nackte Haut ihrer Oberschenkel. Sie stöhnte gegen seine Lippen, als er den Spitzenstoff ihres Slips fand, der bereits feucht war.
— Rafael… – sein Name kam als gebrochenes Flüstern über ihre Lippen.
— Was? – fragte er, seine Finger zeichneten langsame Kreise auf den Stoff und neckten sie.
— Ich… – sie schluckte schwer, ihr ganzer Körper zitterte. – Ich will dich.
Er brauchte keine weitere Ermutigung. Mit einer schnellen Bewegung zog er ihren Slip zur Seite, seine Finger glitten mit einer Leichtigkeit in sie hinein, die Clara dazu brachte, den Rücken durchzubiegen und ihre Nägel in seine Schultern zu graben. Rafael beobachtete sie, seine dunklen Augen auf ihre gerichtet, während er sie berührte, langsam, absichtlich, als wollte er jede Reaktion auswendig lernen.
— So? – fragte er mit einem Knurren in der Stimme.
— Mehr – bat sie mit abgehacktem Atem.
Er gehorchte, beschleunigte das Tempo, seine Finger drangen tiefer ein und krümmten sich in ihr. Clara biss sich auf die Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken, aber Rafael ließ es nicht zu. Er beugte sich vor, fing den Laut mit seinem Mund auf und verschluckte ihn, während er sie weiter bewegte, immer schneller, bis sie zitterte, die Beine schwach wurden und ihr ganzer Körper sich anspannte.
— Komm für mich – befahl er mit rauer Stimme.
Und sie gehorchte. Clara zerfiel in seinen Armen, der Orgasmus durchflutete sie in Wellen, ihre inneren Muskeln zogen sich um seine Finger zusammen. Rafael hörte nicht auf, bis sie völlig erschlafft in seinen Armen lag, seine Lippen noch an ihren, jeden Seufzer verschluckend.
Als er sich schließlich zurückzog, hob er seine Finger an den Mund und leckte sie langsam ab, ohne den Blick von ihr zu wenden.
— Du schmeckst nach Sünde – murmelte er.
Clara lächelte, noch immer außer Atem.
— Und du schmeckst nach Ärger.
Rafael lachte, zog sie für einen weiteren Kuss an sich, diesmal sanfter, aber nicht weniger intensiv. Als sie sich trennten, hielt er ihr Gesicht zwischen seinen Händen und strich mit den Daumen über ihre Wangen.
— Meine Wohnung ist drei Blocks von hier entfernt – sagte er mit leiser, von Versprechungen erfüllter Stimme. – Kommst du mit?
Clara zögerte nicht.
— Ich komme.
Und Hand in Hand begannen sie erneut zu gehen, ihre Schritte jetzt schneller, ihre Körper noch immer vibrierend von dem, was gerade passiert war. Die Stadt um sie herum schien verschwunden zu sein, übrig blieben nur sie, die Hitze zwischen ihren Körpern und die Gewissheit, dass die Nacht noch lange nicht vorbei war.
Als sie Rafaels Gebäude erreichten, ein modernes Haus mit diskretem Pförtner, tippte er den Zugangscode mit einer Hand ein, während die andere noch immer mit ihrer verschränkt war. Der Aufzug brachte sie in die oberste Etage in Stille, doch die Luft zwischen ihnen war geladen, als würde jede Sekunde ein Countdown zu etwas Unvermeidlichem ablaufen.
Die Tür der Wohnung öffnete sich zu einem geräumigen Raum mit bodentiefen Fenstern, die die beleuchtete Stadt zeigten. Rafael schaltete das Licht nicht ein. Stattdessen zog er Clara hinein, schloss die Tür mit einem Tritt und drückte sie dagegen, noch bevor sie sich umsehen konnte.
— Endlich – murmelte er, seine Lippen fanden die ihren erneut.
Diesmal gab es keine Eile. Es bestand keine Notwendigkeit, sich zurückzuhalten. Rafaels Hände erkundeten Claras Körper mit quälender Langsamkeit, als hätte er alle Zeit der Welt, um jede Kurve, jede Reaktion auswendig zu lernen. Sie antwortete auf dieselbe Weise, ihre Finger öffneten sein Hemd mit einer Geduld, die nicht zu der Dringlichkeit passte, die beide spürten.
Als das Hemd zu Boden fiel, fuhr Clara mit den Nägeln über seine Brust und entlockte ihm ein leises Stöhnen. Rafael hob sie hoch, ihre Beine schlangen sich um seine Taille, und trug sie durch die Wohnung zum Sofa, wo er sie vorsichtig ablegte, als wäre sie aus etwas Kostbarem gemacht.
Doch Clara wollte keine Vorsicht. Sie wollte Feuer.
Sie zog ihn nach unten, ihre Lippen fanden die seinen in einem hungrigen Kuss, ihre Hände arbeiteten bereits an seinem Gürtel. Rafael stöhnte auf, als sie ihn befreite, ihre Finger umschlossen ihn fest und bewegten sich in einem Rhythmus, der ihn die Zähne zusammenbeißen ließ.
— Clara… – ihr Name kam wie eine Warnung, aber auch wie eine Bitte.
Sie lächelte, schob ihn zurück, sodass er sich hinlegte, und positionierte sich über ihm, ihre Lippen zogen eine Spur von Küssen über seine Brust, seinen Bauch, bis sie dort ankam, wo er es am meisten wollte. Rafael bog den Rücken durch, als sie ihn in den Mund nahm, seine Finger verhedderten sich in ihren Haaren und führten sie ohne Worte.
Doch er würde nicht mehr lange durchhalten.
Mit einer schnellen Bewegung drehte er die Positionen, drückte sie unter sich, seine dunklen Augen brannten in ihren.
— Ich will in dir sein – sagte er mit rauer Stimme. – Jetzt.
Clara antwortete nicht. Sie hob nur die Hüften und lud ihn ein.
Rafael brauchte keine weitere Ermutigung. Mit einer fließenden Bewegung drang er in sie ein und füllte sie vollständig aus. Clara stöhnte auf, ihre Nägel gruben sich in seinen Rücken, während Rafael sich langsam zu bewegen begann, dann aber mit jedem Stoß an Tempo gewann.
Das Sofa knarrte unter ihnen, die Stadt draußen war ein verschwommener Lichtfleck, doch nichts davon war wichtig. Es gab nur ihre verschlungenen Körper, die erstickten Stöhnen und das Gefühl, dass sie in diesem Moment die einzigen auf der Welt waren.
Und als Rafael sie erneut an den Rand brachte, wusste Clara, dass diese Nacht erst der Anfang war.
Die Tür von Rafaels Wohnung schloss sich mit einem leisen Klicken, doch der Klang hallte zwischen ihnen wider wie eine Einladung. Clara spürte das Gewicht des Moments, noch bevor sie sich umdrehte – die dichte Luft, geladen mit unausgesprochenen Versprechungen, die Wärme, die von seinem Körper hinter ihr ausging. Als Rafael sie an der Taille zu sich zog, leistete sie keinen Widerstand. Seine Lippen fanden die ihren in einem Kuss, der nicht mehr drängend, sondern bedacht war, als hätten sie alle Zeit der Welt, um sich ineinander zu verlieren.
Claras Hände glitten über seine Brust, spürten den beschleunigten Rhythmus seines Herzens unter dem noch zugeknöpften Hemd. Rafael stöhnte gegen ihren Mund, ein tiefer, kehliger Laut, bevor er sich gerade so weit zurückzog, um zu murmeln:
— Du hast keine Ahnung, wie sehr ich darauf gewartet habe.
Sie lächelte, ihre Finger arbeiteten bereits an den Knöpfen seines Hemdes, einen nach dem anderen, und enthüllten die warme, gebräunte Haut darunter. Das sanfte Licht der Stehlampe warf tanzende Schatten über die definierten Muskeln, und Clara konnte nicht widerstehen: Sie beugte sich vor, um eine Spur feuchter Küsse von seinem Hals bis zu seiner Brust zu ziehen, spürte den salzigen Geschmack seiner Haut, den Duft von Seife, vermischt mit dem holzigen Parfüm, das sie bereits mit Rafael verband.
— Ich habe eine Vorstellung – antwortete sie mit rauer Stimme, ihre Zähne streiften leicht über seine Brustwarze. Rafael atmete scharf ein, seine Hände vergruben sich in ihren Haaren und zogen sie näher zu sich heran.
— Dann zeig es mir.
Sie bewegten sich, als würden sie tanzen, ein langsamer, instinktiver Rhythmus, der keine Musik brauchte. Rafael führte sie zum Sofa, legte sie aber nicht hin – stattdessen setzte er sich und zog sie auf seinen Schoß, ihre Beine spreizten sich über seinen. Clara spürte seine Härte, die sich durch die Kleidung gegen sie presste, und ein Schauer lief ihr über den Rücken. Rafaels Hände glitten ihre Oberschenkel hinauf, seine Daumen zeichneten langsame Kreise auf den dünnen Stoff ihrer Hose, während seine Lippen ihren Hals erkundeten und seine Zähne sanft an der empfindlichen Haut knabberten.
— Du bist wunderschön – murmelte er, seine Stimme ein Flüstern an ihrem Ohr. – Jeder Zentimeter von dir.
Clara bog den Rücken durch und bot sich ihm an, ihre Finger gruben sich in seine Schultern. Sie wollte mehr – brauchte mehr. Mit einer flinken Bewegung knöpfte sie ihre eigene Bluse auf und ließ sie zu Boden fallen, enthüllte den schwarzen Spitzen-BH, der ihre Brüste kaum bedeckte. Rafael verlor keine Zeit: Er beugte sich vor, nahm eine Brustwarze zwischen die Lippen und umkreiste sie mit der Zunge, bevor er sie mit den Zähnen leicht zog. Clara stöhnte auf, ihre Nägel kratzten über seinen Rücken, spürte, wie sich die Muskeln unter der Berührung anspannten.
— Rafael… – sein Name entwich ihr wie eine Bitte, und er lächelte gegen ihre Haut.
— Was willst du, Clara? – fragte er, seine Finger glitten nun in ihre Hose und fanden sie bereits feucht und bereit. – Willst du, dass ich aufhöre? Oder willst du, dass ich weitermache?
Sie antwortete nicht mit Worten. Stattdessen zog sie ihn in einen hungrigen Kuss, ihre Zungen verschlangen sich, während ihre Hände zu seinem Hosenbund glitten und ihn mit Dringlichkeit öffneten. Rafael half ihr, hob die Hüften, damit sie alles nach unten ziehen konnte, und befreite sich. Clara umschloss ihn mit den Fingern, spürte die pulsierende Hitze, die seidige Haut über der Härte.
— Verdammt – stöhnte er, seine Augen schlossen sich für einen Moment, bevor sie sich wieder öffneten, dunkel und hungrig. – Du bringst mich um.
— Nur, wenn du aufhörst – flüsterte sie und drückte ihn leicht, neckte ihn.
Rafael ließ es nicht zu. Mit einer schnellen Bewegung legte er sie auf das Sofa und bedeckte ihren Körper mit seinem. Seine Hände erkundeten jede Kurve, jeden Zentimeter freigelegter Haut, als wollte er sich jedes Detail einprägen. Clara wand sich unter ihm, ihre Hüften hoben sich auf der Suche nach mehr Kontakt, mehr Reibung. Als seine Finger schließlich die empfindlichste Stelle zwischen ihren Beinen fanden, bog sie den Rücken durch, ein stummer Seufzer entwich ihren leicht geöffneten Lippen.
— So – murmelte er, seine Lippen an ihrem Ohr. – So, Clara. Spür mich.
Und sie spürte. Jeden Zentimeter von ihm, jede Bewegung, jeden Stoß seiner Hüften gegen ihre, als wollte er sie von innen markieren. Clara grub ihre Fersen in seinen Rücken und zog ihn näher, tiefer, ihre Stöhnen entkamen unkontrolliert. Die kühle Wand kontrastierte mit der Hitze ihrer Körper, und das Geräusch ihrer aufeinandertreffenden Haut hallte durch den Raum, vermischt mit ihren Seufzern und Rafaels schmutzigen Flüstern.
— Gefällt dir das, nicht wahr? – fragte er, seine Stimme tief, seine Zähne streiften ihr Ohrläppchen. – Gefällt es dir, so genommen zu werden, gegen die Wand, ohne Scham, ohne Kontrolle…
Clara stöhnte, ihr ganzer Körper zitterte, ihre Nägel kratzten über seine Schultern.
— Ja – gab sie zu, ihre Stimme gebrochen. – Ja, das gefällt mir.
Rafael lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln, bevor er ihre Haare nach hinten zog und ihren Hals freilegte. Seine Lippen glitten über die empfindliche Haut, knabberten, saugten, hinterließen Male, von denen sie wusste, dass sie bis zum nächsten Morgen bleiben würden. Clara bog ihren Körper, bot sich ihm an, spürte, wie das Vergnügen in Wellen wuchs, jede Berührung, jeder Biss, jeder Stoß brachte sie näher an den Rand.
— Rafael… – flüsterte sie, sein Name kam wie eine Bitte über ihre Lippen.
Er hob den Kopf, seine dunklen Augen fixierten ihre, die Pupillen vor Verlangen geweitet.
— Was willst du, Clara? – fragte er, seine Stimme rau, seine Hüften bewegten sich in einem langsamen, quälenden Rhythmus. – Willst du, dass ich aufhöre? Willst du, dass ich tiefer gehe?
Sie biss sich auf die Lippe, spürte, wie ihr ganzer Körper bebte.
— Hör nicht auf – bat sie, ihre Stimme fast ein Stöhnen. – Hör nicht auf, bitte…
Rafael brauchte keine weitere Aufforderung. Mit einem tiefen Knurren packte er ihre Oberschenkel fester, hob sie noch höher und begann sich mit Kraft zu bewegen, jeder Stoß tiefer, intensiver, als wollte er sie ganz verschlingen. Clara schrie auf, der Laut wurde an seiner Schulter erstickt, ihre Finger gruben sich in seine Haut, spürte, wie sich das Vergnügen in ihrem Bauch sammelte, immer intensiver, immer unerträglicher.
— So – murmelte Rafael, seine Stimme rau, seine Lippen streiften ihr Ohr. – Komm für mich, Clara. Komm mit mir.
Und sie kam. Der Orgasmus traf sie wie eine Welle, ihr ganzer Körper zitterte, ihre Muskeln zogen sich um ihn zusammen, ihre Stöhnen entkamen unkontrolliert. Rafael hörte nicht auf, bewegte sich weiter und verlängerte das Vergnügen, bis sie spürte, wie seine Hitze sich in ihr ausbreitete, seine Bewegungen langsamer und sanfter wurden, bis er auf ihr zusammensackte, ihre schweißnassen Körper verschlungen.
Für einen Moment gab es nichts außer ihrem keuchenden Atem, Claras Herz, das heftig gegen seine Brust schlug. Rafael küsste ihre Schulter, seine Lippen waren sanft auf ihrer feuchten Haut.
— Es ist noch nicht vorbei – murmelte er und wiederholte die Worte der letzten Nacht.
Clara lächelte, schmiegte sich an ihn.
— Ich weiß – antwortete sie, ihre Finger zeichneten träge Kreise auf seine Brust. – Und ich will nicht, dass es aufhört.
Das erste Morgenlicht drang durch die Ritzen des Leinenvorhangs und zeichnete goldene Streifen auf ihre verschlungenen Körper. Clara erwachte langsam, als würde sie aus einem tiefen Traum auftauchen, ihre Glieder schwer, ihre Haut noch immer von den Nachwirkungen der Lust kribbelnd. Rafaels Wärme hinter ihr war eine feste Präsenz, sein Arm umschloss ihre Taille mit besitzergreifender Lässigkeit, sein Atem warm an ihrem Nacken. Für einen Moment blieb sie reglos, nahm die Empfindung in sich auf – das Gewicht seines Körpers an ihrem, der Geruch von Sex und Schweiß vermischt mit dem zitronigen Duft seines Parfüms, das leise Geräusch der Stadt draußen, die bereits erwachte.
Rafael murmelte etwas Unverständliches, seine Lippen streiften die Kurve ihrer Schulter, und Clara lächelte. Langsam drehte sie sich um, das Laken glitt zwischen ihnen hindurch und enthüllte die gezeichnete Haut – leichte Bissspuren an ihren Brüsten, Kratzer auf seinem Rücken, die anhaltende Röte auf ihren Wangen. Rafaels Augen waren halb geöffnet, schläfrig, doch das Lächeln, das sich auf seinen Lippen ausbreitete, war voller Zufriedenheit.
— Guten Morgen – sagte er, seine Stimme rau vom Schlaf und von den Stunden des Gebrauchs.
— Guten Morgen – antwortete sie und strich mit den Fingern durch sein zerzaustes Haar. – Wie spät ist es?
Rafael streckte den Arm aus, um sein Handy vom Nachttisch zu nehmen, die Muskeln seines Arms spannten sich unter der gebräunten Haut.
— Halb sieben – verkündete er und legte sich wieder neben sie. – Noch früh.
Clara gähnte und schmiegte sich enger an ihn, sein Körper schmiegte sich an ihren, als wären sie füreinander gemacht. Rafael strich mit der Hand über ihren Rücken und zeichnete träge Kreise auf ihre Haut, und sie erschauderte, nicht vor Kälte, sondern vor dem Nachklang der Lust, jenem Kribbeln, das auch nach allem noch anhielt.
— Hast du Hunger? – fragte er, seine Lippen fanden ihre Stirn in einem sanften Kuss.
— Ein bisschen – gab sie zu. – Aber ich habe keine Eile.
Rafael lachte leise und biss sanft in ihre Schulter.
— Ich auch nicht. Aber ich glaube, wir brauchen Kaffee. Und Wasser. Und vielleicht eine Dusche.
— Zusammen? – neckte sie und zog eine Augenbraue hoch.
— Klar – antwortete er. – Spart Wasser.
Das Badezimmer war geräumig, mit dunklen Fliesen und einer großen Dusche, die fast die gesamte Wand einnahm. Rafael drehte das Wasser auf und stellte die Temperatur ein, während Clara sich gegen den Türrahmen lehnte und ihn beobachtete. Er drehte sich zu ihr um, seine Augen glitten langsam über ihren Körper, als würde er sich jede Kurve einprägen.
— Komm – rief er und streckte die Hand aus.
Sie trat in die Duschkabine, das warme Wasser lief über ihre Haut und wusch den Schweiß der letzten Nacht ab. Rafael nahm die Flüssigseife und goss eine großzügige Menge in seine Handfläche, bevor er begann, sie mit langsamen, fast ehrfürchtigen Bewegungen einzuseifen. Seine Finger glitten über ihre Schultern, ihre Arme, ihren Bauch und blieben nur stehen, als sie ihre Brüste erreichten, wo er länger verweilte und mit einem köstlichen Druck massierte.
Clara lehnte den Kopf zurück und ließ das Wasser über ihr Gesicht laufen, ihre Lippen öffneten sich in einem Seufzer. Rafael kam näher, sein Mund fand den ihren in einem nassen Kuss, seine Zunge erkundete mit einer Intimität, die über das Körperliche hinausging. Als er sich zurückzog, waren seine Augen dunkel vor Verlangen.
— Du bist wunderschön – murmelte er, seine Finger glitten tiefer, zwischen ihre Beine.
Clara hielt sein Handgelenk fest und stoppte ihn.
— Kaffee zuerst – sagte sie mit etwas zitternder Stimme. – Danach sehen wir weiter.
Rafael lachte, küsste sie erneut, bevor er sie fertig wusch, diesmal mit schnelleren, effizienteren Bewegungen. Als sie aus der Dusche stiegen, wickelte er ein Handtuch um seine Hüften und warf ihr ein weiteres zu, das sie zwischen ihren Brüsten festhielt, ihr nasses Haar tropfte auf ihre Schultern.
Die Küche war modern, mit Marmorarbeitsplatten und Edelstahlgeräten. Rafael bereitete den Kaffee zu, während Clara auf einem der Barhocker saß und ihn beobachtete. Er bewegte sich mit einer natürlichen Selbstsicherheit, als wäre dieser Raum eine Erweiterung seiner selbst – die Art, wie er die Tassen nahm, wie er das Pulver abmaß, wie er die Maschine mit einem präzisen Klick einschaltete.
— Kochst du? – fragte sie und nahm die Tasse entgegen, die er ihr reichte.
— Ein bisschen – antwortete er und lehnte sich neben ihr an die Arbeitsplatte. – Nichts Aufwendiges. Aber ich mache ein anständiges Omelett.
— Ich überlebe von Lieferdiensten – gestand sie und nahm einen Schluck Kaffee. – Und Kaffee. Viel Kaffee.
Rafael lächelte und strich mit dem Daumen über ihre Unterlippe, um einen Kaffeetropfen zu entfernen.
— Eine vielbeschäftigte Anwältin?
— Immer – seufzte sie. – Aber heute… heute will ich nicht an die Arbeit denken.
— Perfekt – sagte er und beugte sich vor, um sie zu küssen. – Denn ich habe andere Pläne für dich.
Das Frühstück war einfach – geröstetes Brot, Butter, Himbeermarmelade, geschnittenes Obst. Sie aßen schweigend, tauschten verschwörerische Blicke und Lächeln aus, die mehr sagten als Worte. Clara beobachtete Rafael, während er in eine Apfelscheibe biss, die Bewegung seines Kiefers, die Art, wie das Morgenlicht die Konturen seines Gesichts erhellte. Es lag etwas Intimes darin, so eine Mahlzeit zu teilen, nach allem, was sie getan hatten, als wäre dieser Moment eine natürliche Fortsetzung der letzten Nacht.
— Woran denkst du? – fragte Rafael und bemerkte, wie sie ihn ansah.
Clara zögerte einen Moment, dann lächelte sie.
— Wie seltsam das ist – gab sie zu. – Ich kenne dich kaum, und doch… es fühlt sich an, als würde ich dich schon seit Jahren kennen.
Rafael streckte die Hand aus und verschränkte seine Finger mit ihren.
— Manchmal braucht eine Verbindung keine Zeit – sagte er mit leiser Stimme. – Manchmal passiert sie einfach.
Clara spürte eine Wärme in ihrer Brust, etwas, das über das Verlangen hinausging. Es war ein Gefühl des Wiedererkennens, als wären sie auf eine Weise füreinander bestimmt, die sie nicht erklären konnte.
— Und jetzt? – fragte sie und drückte seine Finger. – Was machen wir jetzt?
Rafael führte ihre Hand an seine Lippen und küsste ihre Fingerknöchel.
— Jetzt – sagte er und blickte ihr in die Augen –, finden wir heraus, wie weit das gehen kann.
Das Frühstück blieb unberührt, als Rafael sie zu sich zog, seine Hände glitten über ihre Taille und zogen sie auf seinen Schoß. Clara lachte, doch der Laut verwandelte sich in ein Stöhnen, als er sie küsste, seine Zunge drang mit erneuertem Hunger in ihren Mund ein. Sie klammerte sich an seine Schultern, spürte, wie ihr Körper sofort reagierte, die Hitze sich zwischen ihren Beinen sammelte.
— Du hast gesagt, du hast keine Eile – murmelte sie an seinen Lippen.
— Ich habe gelogen – antwortete Rafael, hob sie vom Hocker und trug sie zurück ins Schlafzimmer.
Die Laken waren noch zerwühlt, ihr Geruch haftete am Stoff. Rafael legte sie vorsichtig hin, als wäre sie etwas Kostbares, und positionierte sich zwischen ihren Beinen, seine Augen glitten mit einer Intensität über ihren Körper, die sie erschaudern ließ.
— Ich will dich wieder schmecken – sagte er mit rauer Stimme. – Ich will spüren, wie du in meinem Mund kommst.
Clara hatte keine Zeit zu antworten. Rafael glitt bereits nach unten, seine Lippen hinterließen eine Spur von Küssen über ihren Bauch, ihre Oberschenkel, bis er ihr Zentrum erreichte. Als seine Zunge sie berührte, bog sie den Rücken durch, ihre Hände vergruben sich in den Laken. Rafael leckte sie mit quälender Langsamkeit, erkundete jede Falte, jede Empfindung, bis sie keuchend war, ihre Hüften sich gegen sein Gesicht bewegten.
— Bitte – bat sie mit gebrochener Stimme. – Bitte, Rafael…
Er ließ sie nicht warten. Er glitt an ihrem Körper hinauf, küsste sie mit einer Intensität, die ihr den eigenen Geschmack auf seiner Zunge gab. Als er in sie eindrang, war es langsam, als wollte er sich jeden Zentimeter, jede Empfindung einprägen. Clara schlang ihre Beine um seine Taille und zog ihn tiefer, ihre Körper bewegten sich in einem uralten, perfekten Rhythmus.
— Du bist unglaublich – murmelte Rafael, seine Lippen an ihrem Ohr. – So schön, so mein…
Clara schloss die Augen und ließ sich von seinen Worten umhüllen, vom Vergnügen durchfluten. Als sie kam, war es mit einem erstickten Schrei an seiner Schulter, ihr Körper zitterte, ihre Muskeln zogen sich um ihn zusammen. Rafael folgte ihr kurz darauf, ihr Name entwich seinen Lippen in einem rauen Stöhnen.
Für einen langen Moment blieben sie so, verschlungen, ihre schweißnassen Körper, ihr Atem beruhigte sich langsam. Rafael küsste ihre Stirn, seine Lippen waren sanft, bevor er sich neben sie legte und sie näher an sich zog.
— Es ist noch nicht vorbei – murmelte er und wiederholte die Worte der letzten Nacht.
Clara lächelte und schmiegte sich an ihn.
— Ich weiß – antwortete sie und zeichnete träge Kreise auf seine Brust. – Und ich will nicht, dass es aufhört.
Draußen setzte die Stadt ihren Alltag fort, gleichgültig gegenüber dem, was zwischen diesen vier Wänden geschah. Doch hier, in dieser Wohnung, schien die Zeit stillzustehen. Und zum ersten Mal seit langer Zeit wollte Clara nicht, dass sie wieder begann.