Zwischen Licht und Schatten: Der Erste Tanz
Von Tonkix
**Zwischen Licht und Schatten: Der Erste Tanz**
Das Loft atmete Elektrizität. Die unverputzten Backsteinwände, gezeichnet von der Zeit, pulsierten nun im Widerschein der Stroboskoplichter, die die Luft in blauen, roten und goldenen Blitzen durchschnitten, als wäre der Raum selbst lebendig und tanzte im Rhythmus der Musik. Der Bass des elektronischen Beats vibrierte in der Brust jedes Näherkommenden, eine fast körperliche Kraft, die die Körper näher zueinander, ins Zentrum der Tanzfläche drängte, wo die Menge sich wie ein einziger fiebriger Organismus bewegte. Flaschen klirrten, Lachen verlor sich zwischen den schrillen Tönen der Synthesizer, und der Geruch von Alkohol, Schweiß und teurem Parfüm vermischte sich zu einem dichten, fast greifbaren Dunst.
Clara stand nahe einer der Eisenstützen, die die hohe Decke trugen, die Finger um ein Glas Gin Tonic geschlungen, das schon lange kein Eis mehr enthielt. Die lauwarme Flüssigkeit rann in langsamen Schlucken ihre Kehle hinab, mehr aus Gewohnheit als aus Genuss. Sie war nicht der Typ für solche Partys – laut, chaotisch, wo die Menschen sich aneinander rieben, als würde die Welt in einer Stunde untergehen. Doch hier war sie, weil ihre Freundin Marina darauf bestanden hatte, weil sie nach Monaten, in denen sie in Gerichtsakten und schlaflosen Nächten versunken war, etwas brauchte, das nicht das kalte Licht des Büros oder die bedrückende Stille ihrer Wohnung war. *„Du wirst vor Langeweile sterben, wenn du so weitermachst“*, hatte Marina gesagt und sie mit einem verschmitzten Lächeln in den Uber geschoben. *„Und wer weiß, vielleicht stirbst du heute an etwas anderem.“*
Clara glaubte nicht an „andere Tode“. Doch hier, in dieser halb beleuchteten Ecke, wo das blaue Licht lange Schatten auf den Betonboden malte, gestand sie sich ein, dass die Szene etwas Hypnotisches hatte. Vielleicht lag es an der Art, wie die Körper sich bewegten, als würde jeder von ihnen ein Geheimnis hüten, das nur die Musik enthüllen konnte. Oder vielleicht war es sie, Clara, die etwas verbarg – etwas, das sie nicht einmal selbst zu benennen wagte.
Dann sah sie sie.
Sofia.
Sie stand im Zentrum der Tanzfläche, doch sie war nicht einfach nur ein weiterer Körper unter vielen. Es war, als hätte das Universum beschlossen, dass genau dort, an diesem Punkt, die Schwerkraft anders wäre. Die Arme hoben sich über den Kopf in fließenden Bewegungen, die Hüften zeichneten langsame, präzise Kreise, als würde sie die Luft mit der Kurve ihrer Taille malen. Das schwarze, eng anliegende und kurze Kleid rutschte bei jeder Drehung ein wenig höher, enthüllte wohlgeformte Oberschenkel und den dunklen Streifen des Slips – ein Anblick, der Clara den Atem stocken ließ. Der Stoff glänzte im Licht, als wäre er aus Obsidianfäden gewebt, und der Schweiß ließ Sofias Haut schimmern, was ihr ein fast übernatürliches Aussehen verlieh.
Doch was am meisten auffiel, war nicht der Körper, nicht der Tanz. Es war die Art, wie Sofia sich bewegte: als gäbe es kein Publikum. Als wäre jeder Schritt, jedes Zittern der Schultern, jedes Keuchen der halb geöffneten Lippen nur für sie selbst. Da war keine Scham, kein Kalkül. Nur Hingabe.
Clara spürte, wie das Glas in ihrer Hand leicht zitterte. Es war unmöglich, dass eine Person so viel… *Leben* ausstrahlte. So viel *Hunger*. Als wäre Tanzen das Einzige, was zählte, als könnte die Welt um sie herum einstürzen und sie würde trotzdem weitertanzen, weiterdrehen, bis nichts mehr übrig wäre außer der Musik und ihrem eigenen Körper.
— Du starrst.
Die Stimme kam von hinten, leise und amüsiert. Clara drehte sich abrupt um und traf auf Marina, die mit einem Lächeln, das zu viel wusste, vor ihr stand. Die rot geschminkten Lippen waren leicht feucht, die Augen funkelten mit einer Boshaftigkeit, die Clara nur zu gut kannte – es war derselbe Blick, den Marina ihr zuwarf, wenn sie sie bis spät in die Nacht Akten wälzen sah, als wüsste sie, dass hinter dieser makellosen Anwältinnenfassade noch etwas anderes steckte.
— Tu ich nicht — log Clara und führte das Glas erneut an die Lippen. Der Gin war schon warm, doch sie trank trotzdem, als könnte der Alkohol die Röte vertreiben, die ihren Hals hinaufkroch.
Marina lachte, ein tiefer, rauer Klang, der im Lärm der Musik unterging.
— Doch, tust du. Und sie starrt auch zurück.
Clara musste Marinas Blick nicht folgen, um zu wissen, von wem sie sprach. Trotzdem verrieten ihre Augen sie und wandten sich wie von einem Magneten gezogen zur Tanzfläche. Und da war Sofia, jetzt ihr zugewandt, die dunklen – fast schwarzen – Augen unter den Lichtern auf sie gerichtet. Es war kein beiläufiger Blick. Es war eine Einladung. Eine Herausforderung. Eine Frage, auf die Clara keine Antwort wusste.
Ihr Herz schlug schneller, so laut, dass sie sicher war, Marina könnte es hören.
— Sie ist wunderschön — murmelte Marina und beugte sich vor, damit ihre Worte nur Clara erreichten. — Und gefährlich. Die Sorte Frau, die dich deinen eigenen Namen vergessen lässt.
Clara schluckte trocken. Es war keine Angst. Es war etwas Primitiveres, Dringenderes. Ein Funke, der in ihrem Magen brannte.
— Ich… — begann sie, doch die Worte erstarben in ihrer Kehle.
Marina klopfte ihr leicht auf die Schulter, als wollte sie sagen *Ich weiß*.
— Entspann dich. Lass dich nur nicht von ihr verschlingen.
Dann verschwand sie in der Menge, ließ Clara allein mit dem Gewicht ihres eigenen Schweigens.
Sofia blickte sie noch immer an.
Und Clara fühlte sich zum ersten Mal seit Jahren bloßgestellt. Als hätten sich all ihre Schutzmechanismen – der makellose Hosenanzug, die aufrechte Haltung, die feste Stimme vor Gericht – unter diesem Blick aufgelöst. Als wäre sie plötzlich nur noch eine Frau. Eine Frau, die *wollte*.
Die Musik wechselte. Ein langsamerer, tieferer Beat, wie ein beschleunigter Herzschlag. Sofia hob einen Arm, die Finger streckten sich in Claras Richtung in einer fast unmerklichen Geste. *Komm.*
Clara spürte, wie ihr die Luft wegblieb.
Sie sollte wegschauen. Sie sollte ihren Drink austrinken und gehen, bevor sie etwas tat, das sie bereuen würde. Bevor sie diese unsichtbare Linie überschritt, die Kontrolle von Chaos trennte.
Doch ihre Füße bewegten sich bereits.
Ein Schritt. Dann ein weiterer. Das leere Glas rutschte aus ihren Fingern, vergessen auf dem Boden, während sie sich der Tanzfläche, dem Licht, Sofia näherte.
Und als sich ihre Blicke erneut trafen, wusste Clara, dass es kein Zurück mehr gab.
Clara bahnte sich ihren Weg durch die Körper, die sich wie Wellen bewegten, die Hitze der Tanzfläche löste sich langsam auf, je näher sie der Bar kam. Die Luft dort war kühler, durchzogen vom zitrusartigen Duft der Cocktails und Sofias süßlichem Parfüm, das zwischen den von blauem Licht beleuchteten Glasflaschen zu schweben schien. Die Künstlerin stand mit dem Rücken zu ihr, die Finger trommelten im Takt der Musik auf die Theke, das dunkle Haar fiel in losen Wellen über die nackten Schultern – ein Detail, das Clara mit einem Stich des Verlangens registrierte. Die schwarze Bluse, eng genug, um den Rücken zu betonen, hatte einen tiefen Ausschnitt, der die sanfte Kurve der Wirbelsäule freilegte, markiert von einem dezenten Tattoo: eine dünne schwarze Linie, die sich zwischen den Schulterblättern schlängelte, als hätte jemand dort einen geheimen Pfad gezogen.
Sofia drehte sich um, bevor Clara sie erreichte, als hätte sie ihre Anwesenheit gespürt. Die Augen – grün, intensiv, mit einem Glanz, der das Licht der bunten Lampen einzufangen schien – trafen die ihren, und das Lächeln, das sich auf ihren Lippen ausbreitete, war langsam, fast träge, als wüsste sie genau, welche Wirkung sie hatte.
— Du hast dich Zeit gelassen — sagte sie mit rauer Stimme, leicht vom lauten Musikpegel verzerrt. — Ich dachte schon, du hättest es dir anders überlegt.
Clara zögerte einen Moment, die Finger um den Henkel ihrer Tasche geklammert. *Anders überlegt.* Das Wort klang jetzt absurd. Als wäre das möglich, nach diesem Blick auf der Tanzfläche, nachdem sie sich hatte hierherziehen lassen.
— Ich wusste nicht, ob du Gesellschaft möchtest — antwortete sie und überraschte sich selbst mit der Ehrlichkeit in ihrer Stimme.
Sofia neigte den Kopf, die Lippen noch immer zu einem amüsierten Lächeln verzogen.
— Und jetzt weißt du es?
Der Barkeeper tauchte zwischen ihnen auf und unterbrach den Moment für einen Augenblick. Clara bestellte einen Gin Tonic, die Worte kamen automatisch, während Sofia ihr fast leeres Glas – eine bernsteinfarbene Flüssigkeit mit Eis, wahrscheinlich Whisky – leicht schwenkte.
— Noch einen — sagte sie zum Barkeeper, ohne den Blick von Clara zu wenden. — Und schreiben Sie es auf meine Rechnung.
— Das musst du nicht tun.
— Ich *will* es tun.
Der Ton war bestimmt, aber nicht aufdringlich. Clara spürte das Gewicht dieser einfachen Aussage, als wäre jedes Wort ein unausgesprochenes Versprechen. Sie nickte zustimmend, und als der Barkeeper sich entfernte, breitete sich eine angenehme Stille zwischen ihnen aus, gefüllt nur von der Musik und dem Klirren der Gläser.
Sofia stützte die Ellbogen auf die Theke und rückte ein wenig näher. Ihr Duft – etwas Blumiges mit einem Hauch von Gewürzen – erfüllte den Raum zwischen ihnen, vermischte sich mit dem Geruch von Alkohol und lackiertem Holz.
— Also, Anwältin — sagte sie und ließ ihre Zunge auf eine Weise über die Lippen gleiten, die Clara für einen Moment den Blick abwenden ließ. — Was macht eine Frau wie du auf einer Party wie dieser?
Clara lachte überrascht über die direkte Frage.
— Eine Frau wie ich?
— Reserviert. Elegant. — Sofia gestikulierte mit der Hand, deutete auf Claras makellosen Hosenanzug, die Seidenbluse darunter, die hohen Absätze, die sie fast auf dieselbe Höhe wie sie brachten. — Du wirkst nicht wie der Typ, der solche Orte frequentiert.
— Und du scheinst viel über mich zu wissen, nur vom Hinschauen.
— Das ist nicht schwer. — Sofia zuckte mit den Schultern, doch ihre Augen funkelten. — Du hast diese Ausstrahlung, als würdest du mehr Zeit in Gerichtssälen als auf Tanzflächen verbringen. Und trotzdem bist du hier.
Clara nahm ihren Gin Tonic, die Finger streiften das kalte Glas. Der Kontrast zur Hitze ihrer eigenen Haut ließ sie erschaudern.
— Vielleicht habe ich genug von Gerichtssälen.
— Oder vielleicht — Sofia beugte sich vor, die Stimme zu einem verschwörerischen Flüstern gesenkt — brauchtest du nur eine Ausrede, um loszulassen.
Ihr Atem roch nach Whisky und Minze, und Clara spürte, wie die Hitze ihren Hals hinaufkroch. Sie nahm einen Schluck von ihrem Drink, ließ den Alkohol in ihrer Kehle brennen, als könnte sie diese Empfindung nutzen, um sich zu verankern.
— Und du? — fragte sie und versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen. — Was macht eine Künstlerin wie du auf einer Party wie dieser?
Sofia lachte, ein tiefer, kehliger Laut, der Clara die Finger um das Glas krallen ließ.
— Ich tanze. Ich trinke. Ich flirte. — Sie hob ihr neues Glas und ließ das Eis klirren. — Und manchmal finde ich jemanden Interessanten.
Clara zog eine Augenbraue hoch.
— Und ich bin interessant?
— Du bist hier, oder nicht?
Ein unwillkürliches Lächeln breitete sich auf Claras Lippen aus. Sie konnte sich nicht erinnern, wann jemand sie das letzte Mal so bloßgestellt, so *lebendig* hatte fühlen lassen. Es war, als würde Sofia mit jedem Wort Stück für Stück ihre Schutzmauern abbauen.
— Bist du immer so? — fragte sie, die Stimme weicher als beabsichtigt.
— So wie?
— So… direkt.
Sofia zuckte mit den Schultern, doch ihre Augen ließen Claras nicht los.
— Das Leben ist zu kurz für Umschweife. — Sie streckte die Hand aus, die Finger streiften leicht Claras Handgelenk. — Besonders, wenn es um etwas geht, das es wert ist.
Die Berührung war kurz, doch sie reichte aus, um einen elektrischen Strom Claras Arm hinaufzujagen. Sie blickte nach unten, dorthin, wo Sofias Finger gewesen waren, als könnte sie die Spur sehen, die sie hinterlassen hatten.
— Und du denkst, ich bin es wert? — Die Frage entschlüpfte ihr, bevor sie sich zurückhalten konnte.
Sofia antwortete nicht sofort. Stattdessen nahm sie Claras Glas, ihre Finger streiften absichtlich die ihren, und trank einen langsamen Schluck, die Augen nie von Claras lassend. Als sie das Glas zurückgab, waren ihre Lippen feucht, und Clara musste sich zwingen, nicht hinzusehen.
— Ich denke — sagte Sofia schließlich —, dass du kurz davor bist, es herauszufinden.
Der Lärm der Party schien sich um sie herum zu verstärken, als würde die Welt auf den nächsten Zug warten. Clara spürte, wie ihr Herz schneller schlug, ihr Atem kürzer wurde. Sie wusste, sie sollte etwas sagen, irgendetwas, um diesen Moment zu brechen. Doch die Worte erstarben in ihrer Kehle, als Sofia sich noch näher beugte, das Knie leicht gegen ihres unter der Theke.
— Tanzt du? — fragte Sofia mit rauer Stimme.
Clara zögerte. Tanzen hieß, sich bloßzustellen. Tanzen hieß, zuzugeben, dass sie *das* wollte – dass sie *sie* wollte. Doch dann lächelte Sofia, ein langsames, wissendes Lächeln, und Clara wusste, dass sie bereits verloren war.
— Ich… — begann sie, doch die Worte versagten.
Sofia wartete nicht auf eine Antwort. Stattdessen nahm sie Claras Hand, ihre Finger verschränkten sich mit ihren in einer Bestimmtheit, die keinen Raum für Ablehnung ließ. Die Berührung war warm, sicher, und Clara spürte, wie sich die Wärme in ihrem Körper ausbreitete, als würde jede Zelle nach einem langen Schlaf erwachen.
— Komm — sagte Sofia und zog sie sanft mit sich. — Ich verspreche, ich beiße nicht.
*Lüge*, dachte Clara und blickte auf Sofias Lippen. *Du würdest beißen, wenn ich es zulasse.*
Und zum ersten Mal seit langer Zeit wollte sie gebissen werden.
Das Loft drehte sich in Zeitlupe, die Stroboskoplichter durchschnitten die Luft wie Neonmesser, der Beat der elektronischen Musik pulsierte in Claras Rippen wie ein zweites Herz. Sie ließ sich von Sofia führen, die Finger noch immer verschränkt, wo sie sich berührt hatten, die Handfläche feucht vor Erwartung. Die Menge teilte sich vor ihnen wie ein Meer, Körper bewegten sich im Einklang, doch Clara sah nur die Konturen von Sofias Schultern, die Kurve ihres Nackens, der durch das zu einem unordentlichen Dutt hochgesteckte Haar freigelegt war, einige widerspenstige Strähnen klebten an der verschwitzten Haut.
— Du bist nervös — sagte Sofia, drehte sich zu ihr um und lächelte mit einem Ausdruck, der gleichzeitig Provokation und Einladung war. Es war keine Frage.
Clara schluckte trocken. — Ist das so offensichtlich?
— Nur ein bisschen. — Sofia neigte den Kopf, die dunklen Augen funkelten unter den bunten Lichtern. — Aber es ist süß.
Bevor Clara antworten konnte, zog Sofia sie ins Zentrum der Tanzfläche, wo der Boden unter dem Gewicht der Körper vibrierte. Die Luft war dicht, erfüllt von Parfüm, Schweiß und etwas anderem – etwas Elektrischem, wie der Geruch von Ozon vor einem Gewitter. Clara spürte, wie die Hitze ihren Hals hinaufkroch, Sofias Hände lagen nun auf ihren Hüften und führten sie mit einer Bestimmtheit, die kein Zögern duldete.
— Entspann dich — flüsterte Sofia, ihr Mund so nah an Claras Ohr, dass ihr Atem die empfindliche Haut kitzelte. — Niemand schaut hin.
Doch das war eine Lüge. Clara spürte die Blicke, auch wenn sie nur Projektionen ihrer eigenen Unsicherheit waren. Sie hatte noch nie so getanzt, mit jemandem, der genau zu wissen schien, wie ihr Körper reagieren würde, noch bevor sie es selbst wusste. Sofia bewegte sich, als wäre die Musik Teil ihres Blutes, die Hüften kreisten in trägen Bewegungen, die Arme hoben sich über den Kopf in einer Geste, die gleichzeitig Hingabe und Befehl war.
Clara versuchte, es ihr gleichzutun, doch ihre Bewegungen waren steif, mechanisch. Sofia lachte leise, ein tiefer, rauer Klang, und zog sie näher zu sich, bis ihre Körper nur noch durch eine dünne Luftschicht getrennt waren.
— Das ist keine Choreografie — sagte Sofia, ihre Hände glitten über Claras Rücken und drückten sie an sich. — Es geht nur um dich. Und mich.
Und dann, als hätten die Worte eine unsichtbare Barriere durchbrochen, spürte Clara, wie sich etwas in ihr löste. Es war nicht nur die Musik, nicht nur der Alkohol – es war die Art, wie Sofia sie ansah, als wäre sie die einzige Person auf der Welt, die zählte. Ihre Hüften begannen, sich von selbst zu bewegen, folgten dem langsamen, hypnotischen Rhythmus des Beats, ihre Hände fanden Halt an Sofias Schultern, die Finger verhedderten sich im dünnen Stoff ihrer Bluse.
Sofia stöhnte leise, ein Geräusch, das unter dem Lärm der Musik fast unhörbar war, doch Clara hörte es. Hörte es und spürte es, denn das Geräusch vibrierte gegen ihre Brust, wo sich ihre Brüste aneinanderdrückten. Sofias Atem war heiß an ihrem Hals, und Clara neigte den Kopf zurück, ohne nachzudenken, bot ihre Kehle dar, als würde sie etwas anbieten.
— So — flüsterte Sofia, ihre Lippen streiften Claras Haut, kein Kuss, sondern ein Versprechen. — Genau so.
Die Menge um sie herum löste sich auf. Es gab niemanden mehr, nur noch die Hitze der Körper, der Geruch von Schweiß und Parfüm, vermischt, das gedämpfte Geräusch der Musik, das sich in etwas verwandelte, das Clara in der Magengrube spürte. Sofias Hände glitten nach unten, blieben an der Kurve von Claras Taille stehen, die Daumen drückten leicht, als wollten sie testen, wie viel sie aushalten würde, bevor sie nachgab.
Clara gab nach.
Ihre Finger verhedderten sich in Sofias Haar und zogen sie näher, bis sich ihre Lippen fast berührten. Es war kein Kuss – noch nicht. Es war etwas Gefährlicheres, Intimeres. Ihre Atemzüge vermischten sich, heiß und feucht, und Clara konnte Sofias Geschmack spüren, süß wie der Cocktail, den sie an der Bar geteilt hatten, mit einem Hauch von etwas Bitterem, wie unterdrücktes Verlangen.
— Du bist wunderschön — sagte Sofia mit rauer Stimme, die dunklen Augen auf Claras gerichtet. — Ich wusste, dass du so sein würdest.
Clara antwortete nicht. Sie konnte nicht. Stattdessen schloss sie die Augen und ließ sich von der Musik führen, ließ sich von Sofia führen, ihre Körper bewegten sich in perfektem Einklang, als hätten sie ihr ganzes Leben zusammen getanzt. Sofias Hand glitt über Claras Rücken, die Finger verhedderten sich in ihrem Nacken und zogen sie nach unten, bis sich ihre Stirnen berührten.
— Ich will dich küssen — gestand Sofia, die Worte gingen fast im Rhythmus der Musik unter.
Clara öffnete die Augen. Sofias Gesicht war so nah, dass sie die kleinen Sommersprossen auf ihrer Nase sehen konnte, die vor Verlangen geweiteten Pupillen. Sie leckte sich über die Lippen und spürte, wie ihr eigenes Herz so stark schlug, dass sie sicher war, Sofia könnte es hören.
— Dann küss mich — antwortete sie mit einem Flüstern.
Sofia lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln, und Clara wusste, dass sie verloren war. Doch es war ihr egal. Denn zum ersten Mal seit langer Zeit wollte sie nicht gefunden werden.
Sofias Hände glitten zu Claras Gesicht, die Daumen streichelten ihre Wangen, während sie sich langsam vorbeugte, als würde sie Clara eine letzte Chance geben, sich zurückzuziehen. Doch Clara wich nicht zurück. Stattdessen schloss sie die Augen und wartete, der ganze Körper angespannt vor Erwartung.
Und dann berührten sich endlich Sofias Lippen mit ihren.
Es war ein sanfter Kuss, fast zögerlich am Anfang, als würde Sofia den Moment auskosten. Doch dann stöhnte Clara gegen ihren Mund, ihre Finger verhedderten sich in Sofias Haar, und alles änderte sich. Der Kuss wurde tiefer, drängender, ihre Zungen trafen sich in einem Tanz, der so intim war wie der ihrer Körper. Clara spürte Sofias Geschmack, süß und süchtig machend, und wusste, dass sie diesen Moment nie wieder vergessen würde.
Die Musik spielte weiter, die Menge tanzte weiter, doch für Clara und Sofia hatte sich die Welt auf diesen Kuss reduziert, auf diese Berührung, auf diese Hitze, die zwischen ihnen wie eine Flamme wuchs, bereit, alles zu verschlingen.
Und als Sofia sich schließlich zurückzog, die Lippen geschwollen und die Augen funkelnd, wusste Clara, dass es kein Zurück mehr gab.
— Lass uns von hier verschwinden — sagte Sofia mit vor Verlangen rauer Stimme.
Clara nickte wortlos und ließ sich von Sofia von der Tanzfläche wegführen, weg vom Lärm, weg von allem, was nicht sie beide waren.
Und was als Nächstes kommen würde, darauf konnte Clara es kaum erwarten, es zu entdecken.
Das Loft wirkte jetzt kleiner, als hätten sich die Wände gekrümmt, um nur den Raum zwischen ihnen beiden zu umschließen. Sofia hielt Claras Hand fest, die Finger verschränkt, und führte sie zwischen Körpern hindurch, die sich in fremden Rhythmen bewegten, Stimmen, die im tiefen Bass der Musik untergingen. Die Luft war erfüllt von Gerüchen – Alkohol, Schweiß, das süße Parfüm einer Vorbeigehenden –, doch Clara konnte nur Sofias Duft wahrnehmen, etwas Zitroniges und Warmes, wie Bergamotte vermischt mit Haut, die gerade erst der Sonne entkommen war.
Die Küche tauchte wie ein unerwarteter Zufluchtsort auf. Nicht gerade still – das Summen des Kühlschranks, das Klirren von Gläsern, die von einem Unbekannten gespült wurden –, doch hier, zwischen der kühlen Marmorarbeitsplatte und den indirekten Lichtern, die alles in ein sanftes Gold tauchten, schien der Lärm der Party fern, gedämpft. Sofia blieb mit dem Rücken zur Spüle stehen und zog Clara mit einer fließenden Bewegung zu sich, als wüsste sie genau, wo sich jede von ihnen einfügen würde.
— Hier — murmelte sie, die Stimme leise, fast im Umgebungslärm untergehend. — Hier wird uns niemand stören.
Clara spürte die Wärme von Sofias Händen, noch bevor sie sie berührten. Zuerst waren es die Daumen, die über ihre Schläfen strichen, dann glitten die Finger die Linie ihres Kiefers entlang, als würden sie die Konturen ihres Gesichts nachzeichnen. Es war eine langsame, bedachte Geste, als würde Sofia jedes Detail memorieren – die Form der Augenbrauen, die Kurve der Unterlippe, die Art, wie Claras Haut unter der Berührung zu kribbeln begann. Sofias dunkle Augen funkelten, reflektierten das Licht der Küchenlampen, und etwas darin ließ Claras Magen sich zusammenziehen: ein Hunger, ja, aber auch eine Zärtlichkeit, die sie überraschte.
— Du bist wunderschön — flüsterte Sofia, und ihr warmer Atem an Claras Lippen war fast zu viel. — Ich wollte dir das sagen, seit ich dich dort stehen sah, in der Ecke, als würdest du entscheiden, ob du eintreten oder fliehen sollst.
Clara lachte nervös, doch der Laut erstarb in ihrer Kehle, als Sofia den Kopf neigte und sich noch näher beugte. Die erste Berührung war sanft, fast zögerlich: Lippen streiften Lippen, eine wortlose Frage. Clara schloss die Augen und spürte, wie sich die Welt leicht neigte, als stünde sie am Rand eines Abgrunds. Dann küsste Sofia sie.
Es war kein schüchterner Kuss. Kein Test. Es war eine süße Invasion, eine gegenseitige Hingabe. Sofias Mund bewegte sich über ihren mit einer Präzision, die Clara nach Luft schnappen ließ, ihre Finger verhedderten sich instinktiv in Sofias Bluse und zogen sie näher. Der Geschmack war besser, als sie es sich vorgestellt hatte – Rotwein und etwas mehr, etwas ausschließlich Sofia, ein Geschmack, den Clara nicht benennen konnte, den sie aber immer wieder kosten wollte. Sofias Zunge glitt gegen ihre, langsam, erkundend, und Clara stöhnte leise, der Laut wurde von der Druck der Lippen erstickt.
Sofias Hände blieben nicht untätig. Während eine weiterhin Claras Gesicht hielt, glitt die andere ihren Hals hinab, zeichnete die Linie des Schlüsselbeins nach, bevor sie sich um ihre Taille schlang und sie näher an sich zog. Clara spürte die Kante der Arbeitsplatte in ihrem Rücken, den Kontrast zwischen der Kühle des Marmors und der Hitze, die von Sofia ausging und durch den dünnen Stoff ihrer Kleidung brannte. Sie reagierte instinktiv, ihre eigenen Hände fanden Sofias Arme, Schultern, Rücken – als müsste sie sich vergewissern, dass das real war, dass Sofia real war, dass dieser Moment nicht in Rauch aufgehen würde.
— Du hast keine Ahnung — murmelte Sofia gegen ihren Mund, ihre Lippen bewegten sich zum Mundwinkel von Clara, dann zum Kiefer, hinterließen eine Spur feuchter Küsse —, wie sehr ich das tun wollte.
Clara neigte den Kopf zurück und bot ihren Hals dar, und Sofia verlor keine Zeit. Ihre Lippen fanden die empfindliche Haut direkt unter dem Ohr, und Clara erschauderte, als Sofias Zunge einen langsamen Pfad bis zur Basis ihres Halses zeichnete. Ein Stöhnen entwich ihren Lippen, und sie spürte, wie Sofia gegen ihre Haut lächelte.
— Pssst — flüsterte Sofia, doch es lag kein Vorwurf in ihrer Stimme, nur Belustigung und ein Verlangen, das ihre Worte zittern ließ. — Wir wollen doch kein Publikum.
Clara lachte, doch der Laut verwandelte sich in ein Seufzen, als Sofia sie erneut küsste, diesmal mit mehr Dringlichkeit. Claras Hände glitten nach unten und fanden den Saum von Sofias Bluse, ihre Finger streiften die warme Haut ihrer Taille. Sofia bog den Rücken durch und presste sich gegen sie, und Clara spürte, wie ihr ganzer Körper reagierte – das Blut strömte schneller, das Herz schlug so stark, dass sie sicher war, Sofia könnte es hören.
— Du bist so… — Sofia hielt inne, als suchte sie nach dem richtigen Wort, doch dann gab sie auf und eroberte Claras Lippen erneut in einem Kuss, der ihre Knie weich werden ließ. — So lecker.
Clara antwortete nicht mit Worten. Stattdessen zog sie Sofia näher, eine Hand verhedderte sich in ihrem Haar, die Finger verloren sich in den dunklen Strähnen. Der Kuss wurde tiefer, wilder, und Clara spürte, wie das Verlangen zwischen ihnen wie eine Welle anschwoll, bereit, sie mitzureißen. Sofia biss leicht in Claras Unterlippe, dann saugte sie daran, und das Stöhnen, das Claras Kehle entwich, war fast eine Bitte.
— Sofia… — flüsterte sie, der Name klang wie ein Flehen.
Sofia wich gerade so weit zurück, um ihr in die Augen zu sehen, die Lippen geschwollen, die Augen dunkel vor Verlangen.
— Was willst du, Clara? — fragte sie mit rauer Stimme, ihre Finger zeichneten langsame Kreise auf die freiliegende Haut von Claras Taille.
Clara zögerte. Es lag nicht am Verlangen – Gott, sie wollte alles. Doch da war etwas in diesem Moment, das sie verletzlich machte, als stünde sie am Rand von etwas viel Größerem als einem einfachen Kuss. Etwas, das alles verändern könnte.
— Ich… — begann sie, doch die Worte erstarben, als Sofia sich erneut vorbeugte und ihre Lippen Claras Ohrläppchen streiften.
— Du kannst es mir sagen — murmelte Sofia, ihr heißer Atem ließ Clara erschaudern. — Oder ich kann es selbst herausfinden.
Und dann, bevor Clara antworten konnte, küsste Sofia sie erneut, ihre Hände glitten über Claras Rücken und zogen sie mit einer Dringlichkeit an sich, die keinen Raum für Zweifel ließ. Clara spürte, wie ihr ganzer Körper reagierte, das Verlangen wuchs und breitete sich wie Feuer aus. Als Sofia sich schließlich zurückzog, waren Claras Lippen rot, ihre Augen funkelten mit einer Mischung aus Erregung und etwas anderem – etwas, das sie noch nicht benennen konnte.
— Lass uns gehen — sagte Sofia mit leiser, vor Verlangen rauer Stimme. — Es gibt einen… privateren Ort.
Clara widersprach nicht. Es gab keinen Raum mehr für Zögern. Sie ließ sich von Sofia aus der Küche führen, weg von den Lichtern, weg von allem, was nicht die Hitze zwischen ihnen, die Berührung der Hände, das Versprechen dessen war, was noch kommen würde. Und während sie dem dunklen Flur folgten, wusste Clara, dass, egal was danach passieren würde, diese Nacht bereits alles verändert hatte.
Der Flur war eng, die unverputzten Backsteinwände von der Dämmerung verschluckt, nur ein schmaler Streifen bläulichen Lichts drang durch einen Spalt in der Tür am Ende. Die Luft roch nach altem Holz und etwas Süßem – vielleicht Sofias Parfüm, nun vermischt mit dem Schweiß des Tanzes, der Hitze der Körper, die sich suchten. Clara spürte ihr Herz so stark schlagen, dass es in ihren eigenen Knochen widerzuhallen schien, jeder Schritt ein Pulsschlag, jeder Atemzug ein elektrischer Funke, der über ihre Haut lief.
Sofia führte sie mit fester Hand, die Finger noch immer mit ihren verschränkt, doch in der Berührung lag eine Zärtlichkeit, als fürchte sie, Clara könnte sich zwischen ihren Armen auflösen. Als sie in der abgelegensten Ecke des Lofts ankamen, einem Raum hinter einem roten Samtvorhang – an einigen Stellen zerrissen, sodass man die Umrisse der Schatten erkennen konnte –, blieb Sofia stehen. Sie drehte sich zu Clara um, die dunklen Augen funkelten selbst in der Dunkelheit, und lächelte. Nicht das breite Lächeln der Party, nicht das der Künstlerin, die tanzte, als gehöre ihr die Welt, sondern etwas Intimeres, fast Geheimnisvolles.
— Hier — flüsterte sie mit rauer Stimme. — Hier sieht uns niemand.
Clara schluckte trocken. Der Raum war klein, gerade groß genug für zwei Personen, die sich an die Wand lehnten, doch die hohe Decke und die freiliegenden Balken vermittelten das Gefühl eines Refugiums, eines Ortes außerhalb der Zeit. Sofia wartete nicht. Sie beugte sich vor, ihre Lippen streiften Claras Ohr, und die bloße Berührung ließ einen Schauer über ihren Rücken laufen.
— Weißt du — flüsterte Sofia, ihr warmer Atem an Claras Haut —, wie oft ich dich heute beobachtet habe? Seit du hereingekommen bist, in diesem schwarzen Kleid, so elegant, so… beherrscht. — Ihre Hände glitten über Claras Arme, langsam, als würden sie jede Kurve memorieren. — Ich wollte wissen, wie es wäre, dich zu berühren. Ob deine Haut so weich wäre, wie sie aussieht. Ob du leise stöhnst oder die Kontrolle verlierst.
Clara schloss für einen Moment die Augen und spürte, wie ihr ganzer Körper auf die Worte reagierte. Als sie sie wieder öffnete, war Sofia da, so nah, dass sie die kleinen Sommersprossen auf ihrer Nase sehen konnte, die leicht schweren Lider, die halb geöffneten Lippen. Ohne nachzudenken, hob sie die Hand und berührte Sofias Gesicht, ihre Finger zeichneten die Linie ihres Kiefers nach, die Kontur ihres Mundes. Sofia hielt den Atem an, wich aber nicht zurück.
— Und jetzt? — fragte Clara, ihre Stimme fester, als sie erwartet hatte. — Hast du es herausgefunden?
Sofia lachte leise, ein Geräusch, das in Claras Brust vibrierte.
— Noch nicht. Aber ich arbeite daran.
Und dann, ohne Vorwarnung, zog sie Clara an sich, ihre Körper prallten mit einer Dringlichkeit zusammen, die sie beide atemlos machte. Sofias Lippen fanden die ihren erneut, doch diesmal gab es keine Eile. Es war ein langsamer, tiefer Kuss, als hätten sie alle Zeit der Welt. Clara spürte den Geschmack von Wein und etwas Süßerem, vielleicht Sofias Lippenstift, vielleicht einfach nur ihren Geschmack. Sofias Hände glitten über Claras Rücken und zogen sie näher, bis kein Raum mehr zwischen ihnen war, bis Clara jede Linie von Sofias Körper an ihrem spüren konnte.
— Du bist wunderschön — flüsterte Sofia gegen ihren Mund, die Worte gingen im Kuss unter. — So wunderschön, dass es wehtut.
Clara antwortete nicht. Sie konnte nicht. Stattdessen ließen ihre eigenen Hände Sofias Hals hinabgleiten, über die Schultern, bis sie den Saum ihrer Bluse fanden. Sofia protestierte nicht, als Clara sie nach oben zog und die warme, weiche Haut ihres Bauches enthüllte. Claras Finger zitterten bei der ersten Berührung, doch bald wurden sie sicherer, zeichneten langsame Kreise und spürten, wie Sofias Atem schneller ging.
— Darf ich? — fragte Clara mit fast tonloser Stimme.
Sofia nickte nur, die dunklen Augen auf sie gerichtet, und Clara brauchte keine weitere Erlaubnis. Sie schob die Hände nach oben und zog die Bluse mit, bis Sofia nur noch mit dem schwarzen Spitzen-BH vor ihr stand, die kleinen, festen Brüste hoben und senkten sich mit ihrem schnellen Atem. Clara widerstand nicht. Sie beugte sich vor und küsste das Tal zwischen ihnen, spürte den salzigen Geschmack von Sofias Haut und hörte das gedämpfte Geräusch, das ihren Lippen entwich.
— Clara… — stöhnte Sofia, ihre Hände fanden Claras Haar und zogen leicht daran.
Clara hörte nicht auf. Ihre Lippen glitten über Sofias Bauch, knabberten sanft, spürten, wie sich die Muskeln unter ihrer Berührung anspannten. Als sie den Bund von Sofias Jeans erreichte, blickte sie auf und suchte ihren Blick. Da war etwas – eine Frage, eine Erlaubnis, ein Bedürfnis, das ihr eigenes widerspiegelte.
— Ja — sagte Sofia, noch bevor Clara fragen konnte. — Bitte.
Clara zögerte nicht. Sie öffnete den Knopf der Jeans und zog sie nach unten, enthüllte den passenden Spitzen-Slip, der in der Mitte bereits feucht war. Sofia kickte das Kleidungsstück beiseite, ihre Finger verhedderten sich erneut in Claras Haar und führten sie dorthin, wo sie sie am meisten wollte. Clara brauchte keine Anleitung. Sie küsste die Innenseiten von Sofias Oberschenkeln, spürte, wie die Haut unter ihren Lippen zitterte, hörte die gedämpften Stöhnen, die ihrer Kehle entkamen. Als sie schließlich das Zentrum erreichte, gab es keine Eile. Sie benutzte ihre Zunge langsam, erkundend, spürte, wie Sofia sich unter ihrer Berührung wand.
— Mehr — bat Sofia mit unterbrochener Stimme. — Bitte, mehr.
Clara gehorchte. Sie steigerte das Tempo, ihre Hände hielten Sofias Oberschenkel fest, spürten, wie sich die Muskeln anspannten. Sofia bog den Rücken durch, ein lauteres Stöhnen entwich ihr, und Clara wusste, dass sie kurz davor war. Sie hörte nicht auf. Sie fuhr fort, bis Sofia sich in ihren Armen auflöste, ihr ganzer Körper zitterte, ihre Finger krallten sich fest in Claras Haar.
Als sie sich schließlich zurückzog, war Sofia außer Atem, die Augen geschlossen, die Haut glänzte vor Schweiß. Clara stand langsam auf, die Lippen feucht, und küsste Sofia erneut, ließ sie ihren eigenen Geschmack spüren. Sofia zog sie näher, ihre Hände glitten mit erneuter Dringlichkeit über Claras Körper.
— Jetzt bist du dran — flüsterte sie und ihre Lippen streiften Claras Ohr.
Clara spürte einen Schauer über ihren Körper laufen. Sie protestierte nicht, als Sofia ihre Hände zum Saum ihres Kleides gleiten ließ und es mit langsamen, bedachten Bewegungen nach oben schob. Der Stoff glitt über Claras Haut und enthüllte den weißen Spitzen-BH, die Brustwarzen bereits hart unter dem Stoff. Sofia verlor keine Zeit. Sie öffnete den Verschluss mit geübten Bewegungen, befreite Claras Brüste, und schon waren ihre Lippen dort, saugten, knabberten, ließen Clara den Rücken durchbiegen, um mehr zu spüren.
— Sofia… — stöhnte Clara, ihre Hände fanden Sofias Haar und zogen leicht daran.
Sofia antwortete nicht. Stattdessen glitten ihre Hände zu Claras Slip, die Finger schoben sich unter den Stoff und spürten die Feuchtigkeit, die sich dort bereits angesammelt hatte. Clara hielt den Atem an, als Sofias Finger sie zum ersten Mal berührten, eine leichte, fast zögerliche Berührung, als fürchte sie, sie zu verletzen.
— Du bist so nass — murmelte Sofia, ihre Lippen noch an Claras Brüsten. — So bereit für mich.
Clara konnte nicht antworten. Die Worte verloren sich in einem Stöhnen, als Sofia einen Finger in sie schob, langsam, erkundend, jeden Zentimeter spürend. Clara klammerte sich an Sofias Schultern, die Nägel gruben sich in ihre Haut, ihre Hüften bewegten sich instinktiv, suchten mehr.
— Bitte — flehte Clara, ihre Stimme fast ein Schluchzen. — Hör nicht auf.
Sofia hörte nicht auf. Sie steigerte das Tempo, ihre Finger bewegten sich in Clara mit einer Präzision, die sie an den Rand des Abgrunds brachte. Clara spürte den Orgasmus nahen, eine heiße, intensive Welle, die in ihrem Bauch begann und sich durch ihren ganzen Körper ausbreitete. Als er schließlich kam, war es mit einem gedämpften Stöhnen, Sofias Finger blieben in ihr, verlängerten das Vergnügen, ließen sie zittern.
Für einen Moment gab es nichts außer dem Geräusch ihrer keuchenden Atemzüge, der aneinandergedrückten Körper, der beschleunigten Herzschläge. Clara legte ihre Stirn an Sofias Schulter, atmete ihren Duft ein, die Wärme ihrer Haut, die Realität dieser Nacht legte sich wie eine zweite Haut über sie.
Sofia küsste Claras Hals, die Lippen weich, die Zähne streiften leicht.
— Es ist noch nicht vorbei — murmelte sie.
Clara hob den Kopf, ihre Blicke trafen sich. Da war etwas – ein Versprechen, eine Frage, etwas, das über diese Nacht hinausging.
— Nein — stimmte Clara mit rauer Stimme zu. — Es ist noch nicht vorbei.
Das Morgenlicht drang durch die Ritzen der Metalljalousien und malte goldene Streifen auf den Betonboden des Lofts. Clara spürte noch immer das Gewicht von Sofias Körper an ihrem, ihr Atem jetzt langsamer, fast träge, als hätte sich die Zeit nur für sie beide gedehnt. Die Laken waren am Fußende des provisorischen Bettes auf dem Sofa verknäult, und die Luft roch nach Schweiß, Sex und Sofias zitronigem Parfüm – etwas, das Clara für immer mit dieser Nacht verbinden würde.
Sofia bewegte sich zuerst, ihre Finger zeichneten träge Kreise auf Claras Haut, als würde sie jede Kurve memorieren. Die Berührung war leicht, fast abwesend, doch sie trug eine Intimität in sich, die Claras Brust eng werden ließ.
— Du bist so still — murmelte Sofia, ihre Stimme rau vom Schlaf und den Stunden des Flüsterns und Stöhnens. — Woran denkst du?
Clara drehte das Gesicht zur Decke und beobachtete, wie Staubkörner im Licht tanzten. Es war nicht einfach, in Worte zu fassen, was sie fühlte – eine Mischung aus Schwindel und Angst, als wäre sie von einer Klippe gesprungen und würde erst jetzt bemerken, dass kein Boden unter ihren Füßen war.
— Dass ich nicht will, dass das hier endet — gab sie schließlich zu.
Sofia lachte leise, ein warmer Klang, der gegen Claras Schulter vibrierte. Sie stützte sich auf einen Ellbogen, das zerzauste Haar fiel ihr ins Gesicht, und blickte sie mit diesen grünen Augen an, die mehr zu sehen schienen, als Clara preisgeben wollte.
— Wer sagt, dass es endet?
Clara biss sich auf die Lippe. Da war etwas Gefährliches in dieser Frage, etwas, das über das Versprechen eines weiteren Treffens hinausging. Es war, als würde Sofia ihr einen Weg ohne Rückkehr anbieten, und Clara war zum ersten Mal unsicher, ob sie ausweichen wollte.
— Du weißt, was ich meine — antwortete sie und wich ihrem Blick aus. — Das hier ist nicht… normal. Für mich.
Sofia antwortete nicht sofort. Stattdessen beugte sie sich vor und küsste Claras Schulter, ihre Lippen verweilten auf der Haut, als würde sie ihren Geschmack im Gedächtnis bewahren. Als sie sprach, war ihre Stimme sanft, aber bestimmt:
— Clara, sieh mich an.
Sie gehorchte. Sofias Augen waren jetzt ernst, ohne den provokativen Glanz, den Clara bereits kannte. Da war noch etwas anderes, etwas, das sie den Atem anhalten ließ.
— Ich bin kein Experiment — sagte Sofia langsam. — Und du auch nicht. Was hier passiert ist, war nicht nur Sex. Es war… — Sie zögerte, suchte nach den richtigen Worten. — Es war, als würden wir uns schon kennen, bevor wir uns überhaupt berührt haben.
Clara spürte einen Kloß im Hals. Sofias Worte hallten in ihr wider, resonierten in Orten, von denen sie nicht einmal wusste, dass sie existierten. Denn genau so fühlte es sich an: als hätte sie ihr ganzes Leben auf diesen Moment, auf diese Person gewartet, ohne zu wissen, dass sie wartete.
— Und wenn ich nicht weiß, wie man das macht? — flüsterte Clara. — Und wenn ich alles ruiniere?
Sofia lächelte, ein langsames, versprechenreiches Lächeln. Sie rückte näher, bis ihre Lippen nur noch Zentimeter von Claras entfernt waren.
— Das hast du schon — murmelte sie. — Und du hast nichts ruiniert.
Dann küsste sie sie. Es war kein hungriger Kuss wie in der Nacht zuvor, auch kein drängender wie die, die sie im Dunkeln getauscht hatten. Es war sanft, fast ehrfürchtig, als würde Sofia versuchen, alles zu vermitteln, was sie nicht in Worte fassen konnte. Clara schloss die Augen und ließ sich fallen, ihre Finger verhedderten sich in Sofias Haar und zogen sie näher.
Als sie sich trennten, war die Sonne bereits ein Stück höher gestiegen, und das Licht badete ihre Körper nun, betonte jede Spur, jeden Kratzer, jede Erinnerung an die geteilte Nacht. Sofia stand als Erste auf, streckte die Arme über den Kopf und stöhnte zufrieden. Clara beobachtete, wie sich die Muskeln unter ihrer Haut bewegten, wie das Licht über sie tanzte, und spürte einen Stich des Verlangens – selbst nach allem wollte sie noch mehr.
— Ich muss los — sagte Sofia, während sie ihre verstreuten Kleidungsstücke aufsammelte. — Ich muss eine Ausstellung vorbereiten.
Clara nickte und versuchte, die Enttäuschung zu ignorieren, die sich in ihrer Brust zusammenzog. Sie setzte sich auf und zog das Laken über ihren Körper, plötzlich bewusst ihrer Nacktheit.
— Ich auch — log sie. In Wahrheit hatte sie nichts vor, doch die Vorstellung, allein hier zurückzubleiben und jede Sekunde der vergangenen Nacht zu durchleben, war unerträglich.
Sofia blieb mitten im Raum stehen und blickte sie an, als wüsste sie genau, was Clara dachte. Dann kehrte sie ohne ein Wort zum Sofa zurück, kniete sich vor sie und nahm ihr Gesicht in die Hände.
— Tu das nicht — sagte sie mit fester Stimme. — Versteck dich nicht vor mir.
Clara spürte, wie ihre Augen brannten. Es war unglaublich, wie Sofia ihre Gedanken lesen konnte, als wären die Mauern, die sie über Jahre aufgebaut hatte, für sie nicht existent.
— Ich verstecke mich nicht — murmelte sie.
— Doch, das tust du — antwortete Sofia und strich mit dem Daumen über Claras Unterlippe. — Aber das ist okay. Ich warte auf dich.
Clara schloss die Augen und ließ sich von Sofias Berührung beruhigen. Als sie sie wieder öffnete, lächelte Sofia, dieses Lächeln, das ihr Herz schneller schlagen ließ.
— Wann? — fragte Clara mit fast tonloser Stimme.
— Wenn du bereit bist — antwortete Sofia und küsste sie erneut. — Ich gehe nirgendwo hin.
Sie zogen sich schweigend an, tauschten verstohlene Blicke und schüchterne Lächeln aus. Clara beobachtete, wie Sofia ihre Stiefel anzog und die Schnürsenkel mit schnellen, präzisen Bewegungen band, und spürte, wie eine Welle der Zärtlichkeit sie überkam. Es war seltsam, wie diese Frau in so wenigen Stunden so wichtig geworden war.
Als sie fertig waren, nahm Sofia Claras Hand und zog sie aus dem Loft. Die Morgenluft war frisch, und Clara erschauderte, doch nicht wegen der Kälte. Es war das Gefühl, am Rande von etwas Neuem zu stehen, etwas, das wundervoll oder verheerend sein konnte.
— Ruf mich an — sagte Sofia, als sie auf dem Gehweg standen. — Oder schreib mir. Oder komm in meine Galerie. Oder… — Sie lachte und schüttelte den Kopf. — Oder irgendetwas. Hauptsache, du verschwindest nicht.
Clara lächelte trotz der Angst, die noch immer in ihr pochte.
— Ich verschwinde nicht.
Sofia zog sie in eine letzte, feste Umarmung, voller Versprechen. Clara schloss die Augen und ließ sich von ihrem Duft, der Wärme ihres Körpers, der Gewissheit, dass diese Nacht alles verändert hatte, umhüllen.
Als sie sich trennten, funkelten Sofias Augen.
— Bis bald, Clara.
— Bis bald, Sofia.
Und dann, mit einem letzten Lächeln, drehte sich Sofia um und ging den Gehweg entlang, ihre Schritte leicht, fast tänzerisch. Clara blieb stehen und beobachtete sie, bis sie um die Ecke bog und aus ihrem Blickfeld verschwand.
Für einen Moment dachte sie daran, ihr nachzulaufen. Ihren Namen zu rufen, sie zurückzuziehen, ihr alles zu sagen, was sie noch nicht zuzugeben wagte. Doch sie tat nichts davon. Stattdessen atmete sie tief durch und ließ das Gewicht dieser Nacht auf sich wirken, wie eine zweite Haut.
Denn Sofia hatte recht.
Das hier war nicht vorbei.
Und zum ersten Mal wollte Clara nicht, dass es endete.