Zwischen Laken und Zeitzonen
Von Tonkix

**Zwischen Laken und Zeitzonen**
Der Bankettsaal des Hotel Excelsior atmete eine kalkulierte Eleganz, bei der jedes Detail bis zum perfekten Glanz der Diskretion poliert schien. Kristalllüster hingen wie gefangene Sternbilder von der Decke und warfen ein goldenes Lichtspiel über die Tische, das über Kristallgläser und Silberbesteck tanzte. Das Gemurmel der Gespräche, durchsetzt von verhaltenem Lachen und dem gelegentlichen Klirren einer Gabel gegen Porzellan, schuf eine Symphonie urbaner Vornehmheit. In der Luft lag der Duft von Jasmin, vermischt mit dem leichten Zitrusaroma der Willkommenscocktails, während Kellner in makellosen Handschuhen wie gut trainierte Schatten zwischen den Gästen hindurchglitten.
Clara rückte die schwarze Perlenkette an ihrem Hals zurecht und spürte das Gewicht eines Blicks auf sich, noch bevor sie sich umdrehte. Es war nicht das erste Mal in dieser Nacht, dass sie diese Aufmerksamkeit bemerkte – diskret, aber beharrlich – und aus irgendeinem Grund störte es sie nicht. Im Gegenteil. Langsam drehte sie sich um, als wäre die Bewegung Teil eines Rituals, und entdeckte Rafael, der sich gegen eine Marmorsäule lehnte, ein Glas Whisky in der Hand, die Lippen zu einem Lächeln verzogen, das Geheimnisse zu bergen schien. Er hob das Glas zu einem stummen Toast, die dunklen Augen auf sie gerichtet, und Clara spürte, wie ihr eine Hitze den Hals hinaufstieg, als wäre der Stoff ihres schwarzen Seidenkleides plötzlich enger geworden.
— *Du starrst mich an, Rafael*, sagte sie und trat mit der Selbstsicherheit einer Frau näher, die weiß, dass jeder Schritt beobachtet wird. Ihre Stimme war sanft, aber mit dem Kommandoton einer Frau, die es gewohnt ist, Meetings zu leiten.
— *Und du tust so, als hättest du es nicht bemerkt*, erwiderte er und beugte sich leicht vor. Sein Duft – etwas Holziges mit einem Hauch von Gewürzen – erreichte sie, noch bevor er die Bewegung vollendete. Rafael war nicht übermäßig groß, aber er hatte eine Präsenz, die den Raum zwischen ihnen ausfüllte, als würde die Luft dichter werden. — *Oder soll ich etwa glauben, dass du dieses Kleid nur gewählt hast, um die Investoren zu beeindrucken?*
Clara lächelte, nahm ein Champagnerglas von einem vorbeigehenden Tablett. Die eiskalte Flüssigkeit glitt ihre Kehle hinab, doch es reichte nicht, um das Feuer zu löschen, das seine Worte entfacht hatten.
— *Vielleicht habe ich es gewählt, um jemanden Bestimmten zu beeindrucken*, gab sie zu und drehte das Glas zwischen den Fingern. — *Aber das wusstest du doch schon, oder?*
Rafael lachte, ein tiefer, rauer Klang, der Clara fragen ließ, wie es wohl wäre, ihn in einer intimeren Umgebung zu hören. Er trat einen Schritt näher, sodass der Abstand zwischen ihnen gefährlich kurz wurde.
— *Clara Vasconcelos*, murmelte er, als würde er ihren Namen auf der Zunge kosten. — *Immer so direkt. Das ist eine der Eigenschaften, die ich am meisten an dir bewundere. Aber auch eine derer, die mich am meisten faszinieren.*
— *Und warum fasziniert dich das?*
— *Weil du nicht der Typ Frau bist, der Dinge dem Zufall überlässt*, antwortete er, während seine Augen über ihren Ausschnitt glitten, bevor sie wieder zu ihrem Gesicht zurückkehrten. — *Und doch sind wir hier, in einem Spiel, das keiner von uns beiden zu unterbrechen scheint.*
Sie hob herausfordernd eine Augenbraue.
— *Wer sagt, dass es ein Spiel ist?*
— *Ach, Clara*, seufzte er und kam noch näher, sodass sie die Wärme seines Körpers spürte. — *Alles zwischen uns war immer ein Spiel. Schon seit diesem Meeting in New York, erinnerst du dich? Als du mich vor allen korrigiert hast und ich mit dieser Bemerkung über deine Präsentation konterte, die so scharf war wie deine Absätze.*
Sie lachte, als sie sich an die Szene erinnerte. Damals hatte sie das ärgerlich gefunden. Doch jetzt hatte die Erinnerung einen anderen Beigeschmack.
— *Du warst an diesem Tag unerträglich.*
— *Und du hast jede Sekunde genossen.*
Der Maître kündigte an, dass das Dinner serviert werde, und die Gäste begannen, sich zu den Tischen zu begeben. Rafael bot Clara seinen Arm an, eine galante Geste, die im Kontrast zur Intensität ihres Blickwechsels stand.
— *Gehen wir? Schließlich können wir nicht zulassen, dass der Abend endet, bevor er richtig begonnen hat.*
Sie nahm seinen Arm, spürte, wie der Stoff seines Sakkos über ihre nackte Haut am Unterarm strich. Während sie zwischen den Tischen hindurchgingen, bemerkte Clara, dass sie zum ersten Mal seit langem nicht an Berichte, Deadlines oder Strategien dachte. Sie spürte nur – das Gewicht seines Arms, den Duft seines Parfüms, das stille Versprechen von etwas, das noch keinen Namen hatte.
Als sie sich nebeneinander an einen Tisch nahe dem Fenster setzten, bemerkte Clara, dass Rafael den Platz mit Bedacht gewählt hatte. Das sanfte Kerzenlicht spiegelte sich in seinen Augen und ließ sie noch tiefer wirken. Jedes Mal, wenn er sich vorbeugte, um zu sprechen, streifte sein Knie ihres unter dem Tisch – eine flüchtige, aber absichtliche Berührung.
— *Glaubst du, jemand hat es bemerkt?*, fragte sie, während der erste Gang serviert wurde.
— *Was bemerkt?*
— *Dass wir dieses Spiel schon viel länger spielen, als wir sollten.*
Rafael nahm die Gabel, aß aber nicht. Stattdessen hielt er ihren Blick fest, als würde er abschätzen, wie weit er gehen konnte.
— *Clara*, sagte er mit gesenkter Stimme, — *wenn es jemand bemerkt hat, dann nicht, weil wir unvorsichtig waren. Sondern weil sie selbst mitspielen.*
Sie lächelte, nahm ihre eigene Gabel. Doch bevor sie das Essen zum Mund führte, ließ sie ihre Finger einen Moment länger als nötig über seine gleiten.
— *Dann lass uns sehen, wohin uns dieses Spiel führt.*
Und in diesem Moment, mit dem Geschmack des Weins auf der Zunge und der Wärme seines Körpers so nah, wusste Clara, dass die Nacht gerade erst begonnen hatte.
Der Aufzug fuhr lautlos nach oben und trug das Gewicht des Nachmittags mit sich, der sich zwischen Tabellenkalkulationen und Marktprognosen hingezogen hatte. Clara spürte die Müdigkeit in den Schultern, eine Anspannung, die nicht nur von den Stunden über Verträgen herrührte, sondern von dieser anderen, subtileren, gefährlicheren Sache, die sich zwischen ihren Rippen wand, wann immer Rafael einen dieser Blicke über den Bildschirm seines Laptops warf. Sie drückte den Knopf für das Erdgeschoss fester als nötig, als könnte sie so die Zeit beschleunigen.
Als sich die Türen öffneten, pulsierte die Hotelbar bereits mit einer anderen Energie als der des Konferenzraums. Bernsteingelbe Lichter breiteten sich wie Honigflecken über die Mahagonitheke aus, und das Gemurmel der Gespräche vermischte sich mit dem Klirren der Gläser. Rafael stand dort, an die hinterste Ecke gelehnt, ein halbvolles Whiskyglas in der Hand. Er hob das Glas zum Gruß, sobald er sie sah, und Clara spürte, wie ihr Magen einen kleinen Satz machte, als hätte der Boden unter ihren Füßen für einen Moment nachgegeben.
— *Ich dachte schon, du hättest mich aufgegeben*, sagte er, als sie näher kam. Seine Stimme war rauer als sonst, als wären die Worte zwischen seinen Zähnen hindurchgezogen worden, bevor sie herauskamen.
— *Ich brauchte nur eine Minute, um mich davon zu überzeugen, dass das eine schlechte Idee ist.* Sie glitt auf den Hocker neben ihm, kreuzte die Beine so, dass der Stoff ihres Kleides einige Zentimeter über den Knien hochrutschte. — *Aber offenbar hat mein Wille Grenzen.*
Rafael lachte, ein tiefer, warmer Klang, der in der Luft zwischen ihnen vibrierte. — *Zum Glück. Denn meiner war schon nach mindestens drei Meetings am Ende.*
Der Barkeeper kam näher, und Clara bestellte einen Gin Tonic mit einer Scheibe Sizilianischer Zitrone. Rafael beobachtete, wie sie die Schale der Frucht zwischen den Fingern rollte und drückte, bis das Öl die Luft parfümierte. — *Du machst das immer*, bemerkte er. — *Die Zitrone auspressen, als hätte sie dich persönlich beleidigt.*
— *Es ist ein Ritual. Ich muss das Gefühl haben, wenigstens etwas unter Kontrolle zu haben.* Sie führte das Glas an die Lippen und ließ den ersten Schluck leicht in ihrer Kehle brennen. — *Vor allem, wenn ich es nicht habe.*
Er neigte den Kopf, die dunklen Augen auf sie gerichtet mit einer Intensität, die Claras Körper reagieren ließ, noch bevor sie denken konnte. — *Und glaubst du, jetzt hast du die Kontrolle?*
— *Nein.* Das Wort kam schneller heraus, als sie beabsichtigt hatte, fast ein Seufzer. — *Aber ich mag es, so zu tun.*
Rafael antwortete nicht sofort. Stattdessen streckte er die Hand aus und strich mit den Fingerknöcheln über die freiliegende Haut ihres Knies, eine leichte, fast unmerkliche Berührung, die Clara den Atem anhalten ließ. — *So tun ist gut*, murmelte er. — *Bis man vergisst, dass es nur so tun ist.*
Die Bar war voll, doch in dieser Ecke der Theke schienen sie in einer Blase zu existieren. Clara konnte die Wärme seines Körpers spüren, den Duft seines Parfüms – etwas Holziges mit einem Hauch von Gewürzen – vermischt mit dem Zitrusaroma des Gins. Sie beugte sich leicht vor, als wollte sie ein Geheimnis teilen, und die Bewegung ließ ihr Kleid noch einen Zentimeter höher rutschen. — *Flirtest du immer so mit deinen Kolleginnen?*
— *Nur mit denen, die mich herausfordern.* Er lächelte langsam, räuberisch. — *Und du, Clara, forderst mich seit dem ersten Tag heraus.*
— *Oder vielleicht magst du nur denken, dass es so ist.*
— *Ah, ich weiß, dass es so ist.* Rafael hob das Glas und drehte die bernsteinfarbene Flüssigkeit, bevor er einen Schluck nahm. — *Du bist nicht der Typ, der sich mit einfachen Antworten zufriedengibt. Weder bei Tabellenkalkulationen noch bei... anderen Dingen.*
Sie hob eine Augenbraue. — *Und was wären das für andere Dinge?*
— *Das weißt du.* Er kam näher, seine Stimme sank zu einem Flüstern. — *Die Dinge, die man in Meetings nicht sagt. Die Dinge, die man sich selbst kaum eingesteht.*
Clara spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Es lag etwas köstlich Perverses darin, die Worte in der Luft hängen zu lassen, nicht auszusprechen, was beide wussten, dass es passierte. Sie führte das Glas erneut an die Lippen und ließ den Alkohol ihr Mut geben. — *Und wenn ich sage, dass ich nicht weiß, wovon du sprichst?*
Rafael lachte, ein tiefer, rauer Klang, der die Härchen an ihren Armen aufstellte. — *Dann muss ich es dir zeigen.*
Er streckte die Hand erneut aus, doch diesmal war es keine beiläufige Berührung. Seine Finger glitten langsam, absichtlich über ihren Oberschenkel und hielten nur wenige Zentimeter vor dem Saum ihres Kleides inne. Clara rührte sich nicht. Atmete nicht. Die Welt schien zu schrumpfen, bis nur noch sie beide übrig waren, die Hitze seiner Hand, die durch den dünnen Stoff brannte, das stille Versprechen dessen, was als Nächstes kommen würde.
— *Rafael...* Sein Name kam wie eine Warnung, doch in ihrer Stimme lag keine Überzeugung.
— *Clara...* Er ahmte ihren Ton nach, die Lippen zu einem Lächeln verzogen, das pure Sünde war. — *Willst du, dass ich aufhöre?*
Sie hätte ja sagen sollen. Sie hätte aufstehen, ihr Kleid richten und die Rechnung verlangen sollen. Doch die Worte starben in ihrer Kehle, als er sich noch näher beugte, sein heißer Atem an ihrem Ohr. — *Denn ich kann aufhören. Aber ich glaube, wir beide wissen, dass du das nicht willst.*
Ihr Körper reagierte, bevor ihr Verstand protestieren konnte. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, und sie spürte, wie sich ihre Brustwarzen unter dem Spitzen-BH aufrichteten. Rafael bemerkte es – natürlich bemerkte er es – und seine Finger bewegten sich höher, zeichneten träge Kreise auf die empfindliche Haut ihres Oberschenkels. — *Das*, murmelte er. — *Das ist es, was ich sehen will.*
Clara schloss für einen Moment die Augen und ließ die Empfindung in sich eindringen. Die Bar um sie herum verschwand. Es gab keine Stimmen mehr, keine Musik, kein Klirren der Gläser. Nur die Hitze seines Körpers, der Duft seiner Haut vermischt mit Whisky, der Druck seiner Finger, die sich nun etwas höher wagten, als würden sie testen, wie weit sie gehen durfte.
— *Du bist unerträglich*, sagte sie schließlich und öffnete die Augen.
— *Und du liebst es.* Er wich gerade so weit zurück, dass er ihrem Blick begegnen konnte, die dunklen Augen funkelten vor einer Selbstsicherheit, die Clara gleichzeitig herausfordern und sich ergeben lassen wollte. — *Gib es zu.*
Sie nahm einen langen Schluck Gin und ließ den Alkohol ihr Mut geben. — *Na gut. Vielleicht mag ich es ein bisschen.*
— *Ein bisschen?* Rafael hob eine Augenbraue. — *Clara, du zitterst.*
Sie zitterte. Es war etwas, das sie nicht kontrollieren konnte, nicht wenn er sie so ansah, als könnte er durch die Schichten von Professionalität und Ehrgeiz direkt zu der Frau durchdringen, die sich darunter verbarg. — *Das ist die Klimaanlage.*
— *Klar.* Er glaubte ihr keine Sekunde, und das Lächeln, das er ihr schenkte, machte das deutlich. — *Dann sollten wir vielleicht an einen wärmeren Ort gehen.*
Die Einladung hing zwischen ihnen, geladen mit Möglichkeiten. Clara wusste, was er vorschlug. Sie wusste es und wollte ja sagen. Doch es lag etwas Aufregendes darin, dieses Spiel zu verlängern, die Spannung wachsen zu lassen, bis beide am Rande der Explosion standen.
— *Oder vielleicht sollten wir einen Spaziergang machen*, schlug sie vor und überraschte damit sogar sich selbst. — *Die Stadt ist nachts wunderschön. Und ich brauche frische Luft.*
Rafael musterte sie einen Moment, als würde er abschätzen, ob sie es ernst meinte. Dann, langsam, zogen sich seine Finger von ihrem Oberschenkel zurück und hinterließen ein Gefühl der Leere, das Clara hasste. — *Ein Spaziergang also*, sagte er und stand auf, um ihr die Hand zu reichen. — *Aber ich warne dich: Wenn du denkst, dass das die Dinge abkühlen wird, liegst du völlig falsch.*
Sie nahm seine Hand und spürte die warme Haut an ihrer. — *Ich erwarte nicht, dass es abkühlt.* Clara lächelte, ein Lächeln, das pure Herausforderung war. — *Ich will nur sehen, wie viel du aushältst.*
Rafael drückte ihre Finger fester und zog sie nah genug an sich, dass sie die Wärme seines Körpers spürte. — *Herausforderung angenommen*, murmelte er, bevor er sie aus der Bar führte und die halbvollen Gläser sowie das Versprechen einer Nacht, die kaum begonnen hatte, zurückließ.
Die nächtliche Luft São Paulos empfing sie wie eine feuchte Umarmung, erfüllt vom Duft heißen Asphalts und Jasmin, der sich um die Gitter der Gärten wand. Clara atmete tief ein, spürte, wie der Sauerstoff ihre Lungen mit einer fast schmerzhaften Dringlichkeit füllte, als hätte sie bis dahin in einer kontrollierten, von Klimaanlagen und Tagesformalitäten sterilisierten Umgebung gelebt. Rafael ging neben ihr, ihre Schritte synchronisiert in einem Rhythmus, der entweder einstudiert wirkte – oder einfach nur Chemie war, diese unsichtbare Kraft, die sie seit dem ersten Händedruck an der Hotelrezeption gegeneinander drückte.
— Kennst du diesen Teil der Stadt?, fragte sie, obwohl sie wusste, dass auch er ein Fremder hier war, ein temporärer Gast wie sie.
— Nein. Aber ich verliere mich gern. — Seine Stimme war leise, fast verschwörerisch, als würde er ein Geheimnis teilen. — Ich habe festgestellt, dass die besten Dinge passieren, wenn man vom Weg abkommt.
Clara lächelte und blickte zu den Lichtern der Gebäude, die sich in den Pfützen auf dem Gehweg spiegelten. Es lag etwas Befreiendes darin, hier zu sein, fernab der Scheinwerfer der Konferenz, weit weg von PowerPoint-Präsentationen und berechneten Händeschütteln. Die Stadt pulsierte um sie herum, lebendig und gleichgültig, und für einen Moment erlaubte sie sich zu glauben, dass auch sie so sein konnte: ungebunden, spontan, ohne Fesseln.
Sie bogen um eine Ecke, und das Geräusch der Hauptstraße verblasste, ersetzt durch gedämpfte Stimmen und Lachen, das aus den halb geöffneten Türen winziger Bars drang. Die Straßen wurden enger, die Gebäude neigten sich über sie wie alte Komplizen, und die Luft wurde dichter, erfüllt vom Duft von Frittiertem und Gewürzen, die Clara nicht identifizieren konnte. Rafael verlangsamte seinen Schritt und betrachtete die abgeblätterten Fassaden mit einer Neugier, die an Faszination grenzte.
— Glaubst du, wir gehen in die richtige Richtung?, fragte sie, obwohl die Frage rhetorisch war. Es spielte keine Rolle.
— Nein. — Er blieb plötzlich stehen und drehte sich zu ihr um, ein Lächeln auf den Lippen, das pure Bosheit war. — Aber du genießt es, dich zu verlieren, gib es zu.
Clara öffnete den Mund, um zu widersprechen, doch die Worte erstarben in ihrer Kehle, als er näher kam und den Abstand zwischen ihnen auf ein gefährlich kurzes Maß verringerte. Sie konnte seine Wärme spüren, vermischt mit dem zitrusartigen Duft seines Parfüms – etwas Teures, Männliches, mit Noten von Bergamotte und Leder. Das Verlangen, das bis dahin ein langsames Feuer gewesen war, begann unter ihrer Haut zu knistern.
— Und du?, gab sie zurück, die Stimme rauer als beabsichtigt. — Genießt du es, mich ins Nirgendwo zu führen?*
— Ja. — Seine Finger streiften ihre, eine leichte, fast beiläufige Berührung, die dennoch einen elektrischen Strom durch Claras Arm sandte. — Denn ich weiß, dass du es im Grunde auch willst.
Sie hätte es leugnen sollen. Hätte einen Schritt zurücktreten und die Kontrolle über die Situation zurückgewinnen sollen. Doch ihr Körper gehorchte nicht. Stattdessen lehnte sie sich leicht nach vorne, als würde sie von einem Magneten angezogen, und ihre Lippen öffneten sich in einer stummen Einladung.
Rafael brauchte keine weitere Ermutigung.
Der Kuss begann langsam, fast zögerlich, als würde er noch die Grenzen testen. Doch beim ersten Kontakt löste sich jede Zurückhaltung auf. Seine Lippen waren weich, fordernd, und als seine Zunge auf ihre traf, entfuhr Clara ein leises Stöhnen, ein Geräusch, das zwischen den Gebäuden widerhallte und in der Nacht verlorenging. Rafaels Hände glitten über ihre Taille und zogen sie näher an sich, und sie konnte jeden Zentimeter seines Körpers spüren – hart, heiß, hungrig.
Die Welt um sie herum verschwand. Es gab keine Straßen mehr, keine Stadt, kein Gewicht der Verantwortungen, die am nächsten Tag auf sie warteten. Es gab nur sie beide, die Wärme ihrer ineinander verschlungenen Körper, den Geschmack von Whisky und Minze, vermischt mit dem salzigen Geschmack seiner Haut. Clara vergrub die Finger in Rafaels Haar und zog ihn näher an sich, als wollte sie mit ihm verschmelzen, hier auf dem schmalen Gehweg, unter dem gleichgültigen Blick der Sterne.
Als sie sich voneinander lösten, waren beide außer Atem. Rafael legte seine Stirn an ihre, die dunklen Augen funkelten mit einer Intensität, die Clara noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte.
— Das — murmelte er mit rauer Stimme — passiert, wenn wir aufhören, so zu tun, als wollten wir es nicht.
Clara antwortete nicht. Sie musste es nicht. Stattdessen nahm sie seine Hand und zog ihn in eine noch schmalere Gasse, wo das Licht der Laternen nicht hinreichte und die Schatten an den feuchten Wänden tanzten. Der Ort war intim, fast geheim, als wäre er für verbotene Begegnungen gemacht.
— Und jetzt?, fragte sie und drückte ihn gegen die unverputzte Ziegelwand. — Denkst du immer noch, ich will so tun?*
Rafael lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln, bevor er sie zu einem weiteren Kuss an sich zog, diesmal drängender, verzweifelter. Seine Hände glitten unter ihre Bluse und fanden die nackte Haut ihres Rückens, und Clara bog sich mit einem Seufzer gegen ihn. Das Verlangen, das bis dahin eine kontrollierte Flamme gewesen war, brannte nun frei und verzehrte jeden Rest von Rationalität.
— Ich denke — sagte er zwischen Küssen, während seine Finger die Kurve ihrer Taille nachzeichneten —, dass du gleich herausfinden wirst, wie viel ich aushalte.
Clara lachte, ein tiefer, provozierender Klang, bevor sie leicht in seine Unterlippe biss.
— Dann beweis es.
Und Rafael bewies es.
Seine Hände erkundeten jeden Zentimeter ihres Körpers mit einer Präzision, die sie atemlos machte – die Finger zeichneten langsame Kreise auf die empfindliche Haut ihres Bauches, die Lippen hinterließen eine Spur aus Feuer an ihrem Hals, die Zähne streiften leicht ihr Ohrläppchen. Clara klammerte sich an seine Schultern, die Nägel gruben sich in den Stoff seines Hemdes, während die Welt um sie herum verschwamm. Die Gasse, die Stadt, alles löste sich in Empfindungen auf: der Geruch feuchter Erde, das gedämpfte Geräusch entfernter Musik, der salzige Geschmack seiner Haut vermischt mit ihrem eigenen Parfüm.
Als Rafael sie hochhob und gegen die Wand drückte, schlang sie die Beine um seine Hüften und stöhnte auf. Der Stoff seiner Hose rieb genau dort, wo sie es am meisten brauchte, und Clara stieß einen zitternden Seufzer aus.
— Rafael...
— Ich weiß — murmelte er, die Lippen an ihrem Ohr. — Ich auch.
Doch bevor sie weitergehen konnten, unterbrach sie ein Geräusch: Schritte, die sich näherten, laute Stimmen und Gelächter. Rafael erstarrte, die dunklen Augen auf sie gerichtet, als würde er abwägen, ob sie weitermachen oder sich zurückziehen sollten. Clara biss sich auf die Lippe, hin- und hergerissen zwischen Frustration und der Erregung, fast entdeckt zu werden.
— Lass uns gehen — flüsterte sie, löste die Beine von seiner Hüfte und richtete ihre Bluse mit zitternden Händen. — Bevor uns jemand sieht.
Rafael widersprach nicht. Stattdessen nahm er ihre Hand fest in seine und zog sie zurück auf die Hauptstraße, wo das Treiben der Stadt sie wieder verschluckte. Doch das Verlangen war nicht geringer geworden. Wenn überhaupt, hatte es sich noch verstärkt und ließ beide mit beschleunigtem Atem und Körpern zurück, die noch immer von dem vibrierten, was kommen würde.
— Dein Zimmer oder meins?, fragte er mit rauer Stimme.
Clara lächelte, ihr Herz schlug so schnell, als würde es gleich aus ihrer Brust springen.
— Das nächstgelegene. — Sie drückte seine Hand, die Finger mit seinen verschränkt. — Denn ich kann nicht länger warten.
Der Aufzug fuhr lautlos nach oben, die Stockwerkszahlen blinkten wie Sternschnuppen auf dem polierten Metallpanel. Clara spürte das Gewicht von Rafaels Blick, der ihre Haut verbrannte, selbst durch den Stoff ihrer Kleidung hindurch. Er berührte sie nicht – noch nicht –, doch die Nähe war fast unerträglich, als hätte sich die Luft zwischen ihnen in etwas Dichtes, Elektrisches verwandelt. Als sich die Türen im zwölften Stock öffneten, trat sie zuerst hinaus, die Absätze versanken im dicken Teppich, die Hüften wiegten sich, ohne dass sie darüber nachdenken musste. Hinter ihr atmete Rafael tief ein, und sie hörte das gedämpfte Geräusch seiner Hand, die über den Stoff seiner Hose glitt, als würde er etwas zurechtrücken, das dort nicht mehr hineinpasste.
Sein Zimmer lag am Ende des Flurs. Clara blieb vor der Tür stehen und wartete, während Rafael den Schlüssel aus der Tasche holte. Das Metall klirrte gegen das Schloss, dann das leise Klicken der sich öffnenden Tür. Er hielt sie auf, den Arm ausgestreckt, und lud sie ein einzutreten. Sie ging an ihm vorbei und streifte absichtlich seine Schulter an seiner Brust, spürte die Hitze, die von seinem Körper ausging. Das Zimmer war geräumig, nur vom goldenen Licht der Nachttischlampen erhellt, das lange Schatten über das Kingsize-Bett mit den karamellfarbenen Seidenlaken warf. Die Klimaanlage flüsterte leise, doch die Hitze zwischen ihnen war bereits genug, um den Raum stickig wirken zu lassen.
Rafael schloss die Tür mit einem leisen Klicken, und bevor Clara sich umdrehen konnte, spürte sie seine Hände an ihrer Taille, die sie gegen seinen festen Körper zogen. Sie bog den Rücken durch und presste sich gegen ihn, spürte den unmissverständlichen Beweis seines Verlangens an der Kurve ihres Pos. Er neigte den Kopf, sein heißer Atem an ihrem Hals, die Lippen streiften die empfindliche Haut direkt unter ihrem Ohr.
— *Du hast keine Ahnung, wie sehr ich das wollte*, murmelte er, die Stimme rau vor Schlaf und etwas anderem, das Claras Magen zusammenzog. — *Seit diesem ersten Meeting, als du in diesem schwarzen Kleid hereinkamst und dieses Lächeln hattest, das sagte: *Ich weiß genau, was ich tue*.*
Clara lachte leise und drehte sich in seinen Armen, um ihn anzusehen. Rafaels dunkle Augen waren halb geschlossen, die Pupillen geweitet, und sie hob eine Hand, um die Kontur seines Kiefers nachzuzeichnen, spürte den leichten Bartschatten, der ihre Finger kitzelte.
— *Lügner*, neckte sie mit einem Flüstern. — *Du hast mich in diesem Meeting nicht einmal angesehen. Du warst zu sehr damit beschäftigt, so zu tun, als wärst du nicht beeindruckt.*
— *Beeindruckt?* Er hielt ihr Handgelenk fest und führte ihre Hand an seinen Mund, um die Handfläche zu küssen, die Lippen warm und feucht. — *Ich war *am Boden zerstört*. Du hast von Zahlen und Prognosen gesprochen, und alles, woran ich denken konnte, war, wie es wohl wäre, diese Lippen um meinen Schwanz zu spüren.*
Sie keuchte auf, ihr ganzer Körper reagierte auf die Direktheit seiner Worte. Rafael war nicht der Typ, der sich zurückhielt, und das erregte sie mehr als jedes berechnete Verführungsspiel. Sie zog ihre Hand zurück und öffnete mit einer schnellen Bewegung die ersten Knöpfe ihrer Bluse, sodass der schwarze Spitzen-BH darunter sichtbar wurde.
— *Warum hast du dann nichts unternommen?*, forderte sie ihn heraus und ließ die Bluse von ihren Schultern gleiten, die zu Boden fiel wie ein Seidenpfützchen. — *Warum hast du bis jetzt gewartet?*
Rafael antwortete nicht sofort. Stattdessen glitten seine Augen langsam über ihren Körper, als würde er jede Kurve, jeden Schatten memorieren. Dann zog er mit einer fließenden Bewegung sein eigenes Hemd aus und warf es beiseite. Clara konnte nicht anders, als leise zu seufzen, als sie seinen definierten Oberkörper sah, die Muskeln unter der gebräunten Haut, die Spur dunkler Haare, die bis zum Bund seiner Hose führte. Sie streckte die Hand aus und zeichnete mit den Fingern die Linie seines Bauches nach, spürte, wie sich die Muskeln unter ihrer Berührung zusammenzogen.
— *Weil* — sagte er schließlich mit rauer Stimme —, *ich sicher sein wollte, dass du es auch willst. Dass es nicht nur Neugier war, oder Langeweile, oder eine Laune für eine Nacht. Ich wollte, dass du mich ansiehst, wie du es jetzt tust.*
Clara lächelte, beugte sich vor und küsste ihn. Seine Lippen waren weich, doch der Kuss war tief, hungrig, ihre Zungen verschlangen sich in einem Rhythmus, der vorwegnahm, was ihre Körper bald tun würden. Rafael zog sie näher an sich, eine Hand in ihrem Nacken, die andere glitt ihren Rücken hinab, um den BH zu öffnen. Der Verschluss gab mit einem leisen Klicken nach, und der Stoff rutschte herunter, sodass ihre Brüste frei lagen. Er brach den Kuss nur ab, um sie anzusehen, die dunklen Augen funkelten vor Verlangen.
— *Verdammt, Clara*, murmelte er, die Stimme fast ehrfürchtig. — *Du bist wunderschön.*
Sie antwortete nicht. Stattdessen schob sie ihn sanft zurück, sodass er sich auf das Bett setzte. Rafael fiel auf die Matratze, die Augen auf sie gerichtet, während Clara den Knopf ihrer Hose öffnete und sie fallen ließ, sodass sie nur noch in einem schwarzen, fast durchsichtigen Spitzenhöschen dastand. Sie stieg aufs Bett, setzte sich rittlings auf ihn und spürte seine Erektion durch den dünnen Stoff, der sie noch trennte. Rafael stöhnte auf, die Hände umfassten ihre Hüften, die Daumen streichelten die bereits harten Brustwarzen und ließen sie den Rücken durchbiegen.
— *Du liebst es, mich zu provozieren, nicht wahr?*, fragte er mit rauer Stimme.
— *Ich gebe nur zurück, was ich bekommen habe*, antwortete sie und wiegte die Hüften leicht, spürte, wie er gegen sie pulsierte. — *Du hast mich die ganze Nacht verrückt gemacht.*
Rafael verlor keine Zeit. Mit einer schnellen Bewegung drehte er sie auf den Rücken und drückte sie unter sich. Clara stieß einen überraschten Schrei aus, doch dann beruhigte sie sich, als er begann, ihren Hals zu küssen, langsam hinabzugleiten, die Lippen hinterließen eine Spur aus Feuer auf ihrer Haut. Er blieb bei ihren Brüsten, saugte erst an der einen, dann an der anderen Brustwarze, die Zunge heiß und feucht, sodass sie sich vor Lust wand. Sie vergrub die Finger in seinem Haar und zog ihn näher an sich, während sich ihre Beine instinktiv öffneten, auf der Suche nach Erlösung für den Druck, der zwischen ihnen wuchs.
— *Rafael…*, stöhnte sie, sein Name kam wie eine Bitte über ihre Lippen.
Er hob den Kopf, die Lippen glänzten, die Augen dunkel vor gefährlichem Versprechen.
— *Was willst du, Clara? Sag es.*
Sie biss sich auf die Lippe, spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss. Sie war es nicht gewohnt, zu bitten, zuzugeben, was sie wollte, doch bei ihm, in diesem Moment, gab es keinen Raum für Scham.
— *Ich will dich in mir spüren*, flüsterte sie und grub die Nägel in seine Schultern. — *Jetzt.*
Rafael brauchte keine zweite Aufforderung. Er rückte gerade so weit von ihr ab, um seine Hose und die Unterwäsche auszuziehen, befreite seine Erektion, die bereits schmerzhaft hart war. Clara konnte den Blick nicht abwenden, bewunderte seinen Körper in all seiner Pracht, die Art, wie sich die Muskeln bei jeder Bewegung anspannten. Er griff nach einem Kondom auf dem Nachttisch und rollte es mit geschickten Händen über, die Augen nie von ihren lassend.
— *Bist du sicher?*, fragte er, die Stimme sanft, doch die Augen brannten vor Verlangen.
Clara nickte und zog ihn zu sich zurück. Rafael positionierte sich zwischen ihren Beinen, die Spitze seiner Erektion drückte gegen ihren Eingang. Sie hob die Hüften, lud ihn ein, einzudringen, und er tat es langsam, Zentimeter für Zentimeter, füllte sie auf eine Weise, die sie laut stöhnen ließ, die Finger in seinen Rücken krallte.
— *Verdammt*, knurrte er und hielt einen Moment inne, um sich zu beherrschen. — *Du bist so eng…*
Clara antwortete nicht. Stattdessen schlang sie die Beine um seine Hüften und zog ihn tiefer in sich, bis er vollständig in ihr war. Rafael stöhnte auf, die Hüften begannen sich in einem langsamen, tiefen Rhythmus zu bewegen, jeder Stoß entlockte ihr ein Seufzen. Die Seidenlaken rutschten unter ihren Körpern, verstärkten das Gefühl von Bewegung, von Hingabe.
— *Schneller*, bat sie mit unterbrochener Stimme. — *Bitte.*
Rafael gehorchte, beschleunigte das Tempo, die Hüften schlugen gegen ihre mit einer Kraft, die sie Sterne sehen ließ. Clara bog den Rücken durch, die Brüste wippten bei jeder Bewegung, die Brustwarzen streiften seine Brust. Er senkte den Kopf und nahm eine davon in den Mund, saugte fest, während er weiter in sie stieß. Die Lust war fast unerträglich, eine Welle, die mit jeder Sekunde höher wurde und sie jeden Moment zu verschlingen drohte.
— *Rafael… ich komme…*, brachte sie hervor, die Worte verloren sich in einem Stöhnen.
— *Komm für mich, Clara*, befahl er mit rauer Stimme. — *Ich will spüren, wie du meinen Schwanz umklammerst.*
Das reichte. Mit einem erstickten Schrei gegen seine Schulter kam Clara, der Orgasmus riss durch sie hindurch wie ein Blitz, ließ sie zitternd und atemlos zurück. Rafael hörte nicht auf, bewegte sich weiter in ihr, verlängerte ihr Vergnügen, bis sie schlaff und gesättigt unter ihm lag. Dann, mit einem kehligen Stöhnen, folgte er ihr, vergrub sich ein letztes Mal tief in ihr, bevor er kam, der ganze Körper zuckte in Ekstase.
Eine lange Weile lagen sie so da, keuchend, die Körper ineinander verschlungen, die Haut mit einem feinen Schweißfilm bedeckt. Rafael stützte sich auf die Ellbogen und blickte sie mit einem zufriedenen Lächeln an.
— *Das* — sagte er mit noch rauer Stimme — *war besser, als ich es mir vorgestellt habe.*
Clara lachte und strich mit den Fingern durch sein feuchtes Haar.
— *Und du hast dir viel vorgestellt, wie es scheint.*
— *Mehr, als du dir vorstellen kannst*, gab er zu und küsste sie sanft auf die Lippen. — *Aber jetzt, wo ich weiß, wie es ist, kann ich nicht mehr aufhören.*
Sie lächelte, spürte seinen Körper noch in sich, der bereits wieder hart wurde.
— *Dann hör nicht auf*, flüsterte sie und hob die Hüften in einer stummen Einladung. — *Es ist noch nicht vorbei.*
Das Zimmer lag in einem goldenen Halbdunkel, nur durch das bernsteinfarbene Licht der Nachttischlampe erhellt, das tanzende Schatten auf die zerwühlten Laken warf. Rafael war noch in ihr, sein Körper warm und schwer, die Muskeln seines Rückens spannten sich unter Claras Händen. Sie spürte jeden seiner Atemzüge, jeden beschleunigten Herzschlag an ihrer Brust, als wären sie zu einem einzigen Rhythmus verschmolzen. Die Luft roch nach Sex und Schweiß, nach salziger Haut und dem zitrusartigen Parfüm, das er trug, vermischt mit dem süßen Duft ihres eigenen Körpers.
Er bewegte sich langsam, fast träge, als wollte er diesen Moment hinauszögern, bevor die Realität sie einholte. Doch Clara wollte keine Langsamkeit. Nicht jetzt. Nicht, wenn das Verlangen noch zwischen ihren Beinen pochte, hartnäckig, fordernd. Mit einem leisen Stöhnen grub sie die Nägel in seine Schultern und zog ihn näher an sich, die Hüften hoben sich in einer klaren Einladung.
— *Provozier mich nicht*, murmelte sie, die Stimme rau, die Lippen an seinem Ohr. — *Nicht jetzt.*
Rafael lachte, ein dunkler, zufriedener Klang, während er sich auf die Arme stützte, um sie anzusehen. Seine Augen waren dunkel, fast schwarz, die Pupillen geweitet vor Lust.
— *Du willst mehr?*
Clara antwortete nicht mit Worten. Stattdessen schlang sie die Beine um seine Hüften und zog ihn mit einem Ruck tiefer in sich, bis er vollständig in ihr war. Ein Stöhnen entwich Rafaels Lippen, und sie lächelte triumphierend, spürte die Macht dieser Verbindung. Er widerstand nicht. Seine Bewegungen wurden schneller, drängender, als würden sie beide auf etwas Unvermeidliches zurasen.
Das Geräusch ihrer aufeinandertreffenden Körper hallte durch das Zimmer, vermischt mit unterdrückten Seufzern und Stöhnen. Clara spürte jeden Zentimeter von ihm, jede Bewegung, die sie näher an den Abgrund brachte. Sie krallte sich in die Seidenlaken, die Nägel hinterließen Spuren im Stoff, während Rafael sie immer wieder ausfüllte, jeder Stoß intensiver als der vorherige. Die Lust wuchs in ihr wie eine Welle, drohte sie jeden Moment zu verschlingen.
— *Rafael…*, stöhnte sie, sein Name kam wie eine Bitte über ihre Lippen.
Er senkte den Kopf und eroberte ihren Mund in einem hungrigen Kuss, die Zunge erkundete ihren Mund mit derselben Dringlichkeit, mit der er sich in ihr bewegte. Seine Hände glitten über ihren Körper, umfassten ihre Brüste, zwickten in die bereits harten Brustwarzen, während seine Hüften weiterhin gegen ihre stießen. Clara spürte den Schweiß zwischen ihren Brüsten, die Haut brannte unter seiner Berührung, der ganze Körper vibrierte vor Intensität.
— *Komm für mich*, flüsterte er an ihren Lippen, die Stimme rau, fast unkenntlich. — *Ich will dich spüren.*
Die Worte reichten aus. Clara spürte, wie sich ihr ganzer Körper anspannte, die Lust explodierte in Wellen, die sie atemlos und gedankenlos zurückließen, nichts als das Gefühl von ihm in ihr, um sie herum, in jedem Teil ihres Wesens. Rafael hielt sie fest, ihre Körper stießen ein letztes Mal zusammen, bevor auch er den Höhepunkt erreichte, ein tiefes Stöhnen entwich seinen Lippen, während er sich in ihr ergoss.
Sie fielen gemeinsam auf die Laken, die Körper noch immer verschlungen, die Atemzüge vermischten sich in der warmen Luft des Zimmers. Clara spürte das Gewicht Rafaels auf sich, sein Herz schlug gegen ihres, und sie lächelte zufrieden, während sie mit den Fingern durch sein feuchtes Haar strich.
— *Das* — murmelte sie und wiederholte seine Worte — *war viel besser, als ich es mir vorgestellt habe.*
Rafael lachte, rollte sich zur Seite, doch ein Arm blieb um sie geschlungen, als wollte er sie nicht entkommen lassen. Er zog sie näher an sich, küsste ihre Schulter, ihren Hals, ihre Lippen, als könnte er nicht aufhören, sie zu berühren.
— *Und du hast dir viel vorgestellt, wie es scheint.*
— *Mehr, als du dir vorstellen kannst*, gab er zu und küsste sie sanft auf die Lippen. — *Aber jetzt, wo ich weiß, wie es ist, kann ich nicht mehr aufhören.*
Sie lächelte, spürte seinen Körper noch in sich, der bereits wieder hart wurde. Clara bewegte leicht die Hüften, eine stumme Einladung, und Rafael stöhnte leise, die Augen schlossen sich für einen Moment.
— *Dann hör nicht auf*, flüsterte sie und zog ihn näher an sich. — *Es ist noch nicht vorbei.*
Er widerstand nicht. Küsste sie erneut, die Hände glitten über ihren Körper, erkundeten jede Kurve, jeden Zentimeter Haut. Clara spürte, wie das Verlangen langsam, aber unaufhaltsam in ihr wieder erwachte, wie eine Flamme, die sich weigerte zu erlöschen. Rafael stützte sich auf die Knie, zog sie hoch, sodass sie auf ihm saß, die Körper noch immer verbunden. Sie stöhnte auf, als sie die Positionsänderung spürte, die neue Tiefe, und klammerte sich an seine Schultern, während sie sich zu bewegen begann.
Diesmal bestimmte sie den Rhythmus. Clara erhob sich langsam, spürte jeden Zentimeter von ihm, der aus ihr glitt, bevor sie mit einem festen Stoß wieder hinabsank, die Hüften kreisten in langsamen, quälenden Bewegungen. Rafael stöhnte, die Hände umfassten ihre Taille, die Finger gruben sich in ihr weiches Fleisch. Er beobachtete sie mit halb geschlossenen Augen, das Gesicht angespannt vor Lust, während sie ihn ritt mit einer Selbstsicherheit, die ihn noch mehr erregte.
— *Verdammt, Clara…*, murmelte er, die Stimme rau, fast ein Knurren. — *Du bringst mich um.*
Sie lächelte, beugte sich vor und küsste ihn, die Lippen streiften seine, während sie sich weiter bewegte, immer schneller, immer tiefer. Die Lust wuchs zwischen ihnen, eine Spirale, die sie ins Zentrum zog, wo es keinen Raum für etwas anderes gab als diese Verbindung, diesen Moment. Clara spürte, wie sich der Orgasmus erneut näherte, intensiver diesmal, als wäre der erste nur ein Vorspiel gewesen.
Rafael bemerkte es. Er hielt ihr Gesicht zwischen den Händen und zwang sie, ihn anzusehen, während er sich mit mehr Kraft, schneller, bewegte, als wollte er sicherstellen, dass sie ihn bis zum Ende begleitete.
— *Komm mit mir*, befahl er mit tiefer, autoritärer Stimme. — *Jetzt.*
Und sie gehorchte. Clara spürte, wie sich ihr ganzer Körper zusammenzog, die Lust explodierte in Wellen, die sie atemlos und zitternd zurückließen. Ein Schrei entwich ihren Lippen, erstickt von seinem Mund, der sie mit noch mehr Gier küsste, als wollte er jeden Laut verschlucken, den sie von sich gab.
Rafael hielt nicht inne. Er bewegte sich weiter, verlängerte ihr Vergnügen, bis sie schlaff und gesättigt unter ihm lag. Dann, mit einem kehligen Stöhnen, folgte er ihr, vergrub sich ein letztes Mal tief in ihr, der ganze Körper zuckte in Ekstase.
Sie blieben so liegen, keuchend, die Körper noch immer verbunden, die Herzen schlugen langsam wieder im normalen Rhythmus. Rafael vergrub das Gesicht in ihrem Hals und küsste sie sanft auf die feuchte Haut, die Lippen streiften ihre Schulter, das Schlüsselbein, die Kehle.
— *Ich glaube, ich brauche eine Dusche*, murmelte Clara und lachte leise.
— *Ich auch*, stimmte er zu, machte aber keine Anstalten, sich zu bewegen. Stattdessen rollte er sich zur Seite und zog sie an sich, die Körper noch immer verschlungen. — *Aber vorher…* Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die Finger zeichneten die Kontur ihrer Wange nach. — *Ich möchte dich etwas fragen.*
Clara hob eine Augenbraue, neugierig.
— *Frag.*
— *Was passiert jetzt?*
Sie lächelte und strich mit der Hand über seine Brust, spürte die angespannten Muskeln unter ihren Fingern.
— *Jetzt frühstücken wir*, sagte sie scherzhaft. — *Und dann sehen wir, was der Tag bringt.*
Rafael lachte, doch in seinen Augen lag ein ernster Glanz.
— *Das meinte ich nicht.*
— *Ich weiß*, seufzte Clara und legte das Kinn auf seine Brust, blickte zu ihm auf. — *Aber wir müssen nicht jetzt alles entscheiden, oder? Die Konferenz dauert noch zwei Tage. Und danach…* Sie zuckte mit den Schultern. — *Sehen wir weiter.*
— *Wie weiter?*
— *Ob das* — sie gestikulierte zwischen ihnen — *nur eine Sache für eine Nacht ist. Oder ob wir mehr wollen.*
Rafael schwieg einen Moment, die Finger spielten mit einer Strähne ihres Haares.
— *Und wenn ich schon weiß, dass ich mehr will?*
Claras Herz machte einen Sprung, doch sie behielt ihren leichten, herausfordernden Gesichtsausdruck bei.
— *Dann musst du mich überzeugen.*
Er lächelte, zog sie zu einem langsamen, tiefen Kuss heran, der nach Zukunft schmeckte.
— *Herausforderung angenommen.*
Später, nach einer gemeinsamen Dusche – bei der sich die Hände in Seife und heißem Wasser verloren, bei der sich ihre Körper erneut trafen, diesmal gegen die kalten Fliesen der Duschkabine –, zogen sie sich schweigend an. Clara beobachtete, wie Rafael sein Hemd zuknöpfte, die geschickten Finger über die Knöpfe glitten, und spürte ein Stechen von etwas, das sie nicht benennen konnte. Es war nicht nur Verlangen. Es war etwas Tieferes, Gefährlicheres.
— *Reist du heute ab?*, fragte sie, während sie ihr Haar zu einem lockeren Dutt band, die Finger zitterten leicht.
Rafael blickte sie an, die dunklen Augen reflektierten das Licht des Fensters.
— *Nein. Ich habe meinen Flug verschoben.* Er trat auf sie zu und zog sie in eine Umarmung. — *Ich dachte, wir könnten zusammen essen gehen. Ohne Meetings, ohne Ausreden. Nur wir beide.*
Clara lächelte und schlang die Arme um seinen Hals.
— *Das würde ich sehr gern.*
Und als er sie erneut küsste, diesmal mit einer Zärtlichkeit, die ihr die Brust eng werden ließ, wusste sie, dass er nicht nur ein Abendessen vorschlug. Es war der Beginn von etwas Neuem. Etwas, das vielleicht kein Verfallsdatum hatte.
Draußen ging São Paulo weiter seinem hektischen Alltag nach, gleichgültig gegenüber den beiden Körpern, die sich zwischen Laken und Zeitzonen gefunden und verloren hatten. Doch hier, in diesem Hotelzimmer, schien die Zeit stillzustehen. Und vorerst war das alles, was sie brauchten.