Nach Feierabend: Feinheiten der Begierde
Von Tonkix

**Nach Feierabend: Feinheiten der Begierde**
Das Büro war fast leer, als Clara den Monitor mit einem leisen Klicken ausschaltete. Das bläuliche Licht erlosch wie ein Seufzer am Ende eines langen Tages. Die Neonröhren, nun ohne das geschäftige Treiben der Mitarbeiter, wirkten kälter und warfen lange Schatten über die Mahagonitische und die metallenen Aktenschränke. Die Stille, einst durch das Klappern von Tastaturen und das Klingeln von Telefonen durchbrochen, war nun dicht, fast greifbar, als hätte sich die Luft selbst in einem langsamen, tiefen Atemzug niedergelassen.
Sie strich mit den Handflächen über ihren Bleistiftrock, spürte, wie der seidige Stoff unter ihren Fingern glitt. Die Bewegung war automatisch, eine Geste der Ordnung, die sie begleitete, seit sie die Bedeutung von Details gelernt hatte – kleine Rituale, die das Chaos der Außenwelt in Schach hielten. Clara war so: effizient bis in die intimsten Gesten, als wäre selbst die Art, wie sie Papiere auf ihrem Schreibtisch ordnete, eine Erweiterung ihrer eigenen Disziplin. Ihr kastanienbraunes Haar, zu einem tiefen Dutt gebunden, saß perfekt, und die Brille mit dem schmalen Gestell ruhte auf ihrer geraden Nase, was ihr einen ernsten Ausdruck verlieh, der im Kontrast zu dem schelmischen Funkeln stand, das manchmal aus ihren grünen Augen blitzte.
Auf der anderen Seite des Stockwerks, hinter der angelehnten Tür seines Büros, arbeitete Lucas. Durch den Spalt konnte sie ihn sehen, die hohe, leicht vorgebeugte Silhouette über dem Schreibtisch, die breiten Schultern angespannt unter dem dunkelgrauen Sakko. Die Krawatte, einst makellos gebunden, hing nun locker um den geöffneten Kragen, als hätte er stundenlang gegen sie angekämpft. Ab und zu fuhr er sich mit der Hand durch das dunkle Haar, verwühlte es zu widerspenstigen Wellen – eine Geste, die Clara gut kannte. Es war das Zeichen, dass die Müdigkeit seinen Widerstand zu brechen begann.
Sie beobachtete ihn seit Monaten, seit sie als seine Sekretärin eingestellt worden war. Es war kein aufdringlicher Blick, sondern eine fast unbewusste Aufmerksamkeit, wie jemand, der die Details eines Gemäldes auswendig lernt, ohne es zu merken. Sie wusste zum Beispiel, dass er seinen Kaffee schwarz und ohne Zucker trank, dass er blaue statt schwarze Tintenstifte bevorzugte, dass er seine Krawatte immer nach sieben Uhr abends lockerte. Sie wusste auch, dass er, wenn er konzentriert war, leicht auf seiner Unterlippe kaute – eine Angewohnheit, die ihren Magen jedes Mal zusammenzucken ließ, wenn sie es bemerkte.
Doch heute lag etwas anderes in der Luft. Vielleicht lag es daran, dass sie zum ersten Mal seit Wochen die Einzigen im Büro waren. Oder vielleicht daran, wie Lucas von dem Bericht aufblickte, den er gerade las, und für einen Moment ihre Blicke durch den Türspalt trafen. Es war kein beiläufiger Blick. Es war einer dieser Momente, in denen die Zeit sich dehnt wie ein Gummiband, das kurz davor ist zu reißen, und Clara spürte, wie ihr die Hitze den Hals hinaufstieg und sich auf ihren Wangen ausbreitete.
Er wich nicht sofort aus. Stattdessen hielt er den Blickkontakt einen Sekundenbruchteil länger aufrecht, als es der Professionalität entsprochen hätte, als würde auch er die Grenzen dieser schweigenden Spannung austesten. Dann, mit einer langsamen Bewegung, hob er die Hand und rückte seine Krawatte zurecht, zog sie nach oben, als wolle er sich daran erinnern, dass er noch die Kontrolle hatte.
Clara senkte als Erste den Blick und tat so, als würde sie etwas in der Schublade ordnen. Ihr Herz schlug zu schnell, als hätte sie gerade einen Marathon gelaufen. *Verdammt.* Sie war sonst nicht der Typ, der sich von Fantasien mitreißen ließ, aber an Lucas war etwas – die Art, wie er den Konferenzraum mit dieser tiefen, ruhigen Stimme leitete, die Weise, wie seine langen Finger auf den Tisch trommelten, wenn er nachdachte –, das sie Dinge denken ließ, die sie nicht denken sollte.
Mit einem Seufzer schloss sie die Schublade und stand auf, strich den Rock noch einmal glatt. Das Büro war zu still, und seine Anwesenheit, selbst aus der Ferne, schien jeden Winkel auszufüllen. Clara wusste, dass sie gehen sollte. Es war schon nach acht, und die U-Bahn wartete nicht. Doch ihre Füße trugen sie wie von selbst in Richtung von Lucas’ Büro.
Die Tür stand einen Spalt offen. Sie klopfte leicht mit den Knöcheln, spürte das kalte Metall der Klinke in ihrer Handfläche.
— Herr Lucas? — Ihre Stimme klang weicher als beabsichtigt, fast wie ein Flüstern. — Sind Sie noch da?
Er hob den Blick vom Dokument, und für einen Moment hatte Clara den Eindruck, als wäre er überrascht, sie zu sehen. Doch dann breitete sich ein langsames Lächeln auf seinen Lippen aus, jenes Lächeln, das die Lachfalten um seine Augen vertiefte und das sie absurd anziehend fand.
— Clara. — Ihr Name klang wie eine Liebkosung aus seinem Mund. — Ich hatte nicht mehr mit jemandem gerechnet.
Sie trat langsam ein, die hohen Absätze versanken leicht im dicken Teppich. Der Geruch des Büros – eine Mischung aus Leder, Papier und Lucas’ holzigem Parfüm – schien nun intensiver, als hätte die Abwesenheit anderer Menschen die Atmosphäre intimer gemacht.
— Ich wollte gehen, aber ich habe gesehen, dass Sie noch arbeiten. — Sie blieb ein paar Schritte vor dem Schreibtisch stehen und verschränkte die Hände vor dem Körper. — Brauchen Sie Hilfe bei irgendetwas?
Lucas lehnte sich in seinem Stuhl zurück, die Finger trommelten auf die Armlehne aus Leder. Die Geste wirkte lässig, doch Clara bemerkte, wie sein Blick sie schnell und berechnend musterte, als würde er etwas jenseits der Worte abwägen.
— Eigentlich ja. — Er schob eine Mappe in ihre Richtung. — Dieser Bericht muss bis morgen früh überarbeitet werden. Normalerweise würde ich das Finanzteam bitten, aber die sind schon gegangen.
Clara nahm die Mappe, spürte das Gewicht des dicken Papiers zwischen ihren Fingern. Als sich ihre Blicke erneut trafen, lag etwas Neues in der Luft – etwas, das vorher nicht da gewesen war. Vielleicht war es die Art, wie er sie ansah, als sähe er nicht nur die effiziente Sekretärin, sondern die Frau hinter dem makellosen Kostüm.
— Ich kann bleiben und helfen, wenn Sie möchten — sagte sie, und das Angebot klang kühner, als sie beabsichtigt hatte.
Lucas antwortete nicht sofort. Stattdessen beugte er sich vor, die Ellbogen auf den Schreibtisch gestützt. Das Licht der Schreibtischlampe beleuchtete eine Hälfte seines Gesichts, während die andere im Halbdunkel lag, als wäre er zwei Menschen zugleich: der ernste Chef und der Mann, von dem Clara vermutete, dass er unter dieser Fassade existierte.
— Haben Sie keine Verpflichtungen? — Die Frage kam in einem tiefen, fast intimen Ton.
Clara spürte das Gewicht dieser Frage. Es war nicht nur eine Frage nach Terminen. Es war eine Einladung zu bleiben. Oder vielleicht ein Test.
— Nichts, was nicht warten kann — antwortete sie und lächelte.
Ihr Lächeln schien eine unsichtbare Barriere zu durchbrechen. Lucas stieß ein leises, fast unhörbares Lachen aus und schüttelte den Kopf, als würde er sich etwas ergeben, dem er schon lange widerstanden hatte.
— Dann bleiben Sie — sagte er und schob seinen Stuhl zurück, wobei er ihr bedeutete, näher zu kommen. — Mal sehen, ob wir das vor Mitternacht schaffen.
Clara trat einen Schritt vor, spürte, wie die Luft zwischen ihnen sich mit Elektrizität auflud. Lucas’ Schreibtisch war groß, aber nicht groß genug, als dass sich zwei Körper nicht zufällig berühren könnten. Und plötzlich wurde ihr klar, dass es ihr nicht das Geringste ausmachen würde, wenn das passierte.
Das Büro war in eine dichte Stille getaucht, wie sie nur die Nacht hervorbringen kann. Die Neonröhren waren eine nach der anderen ausgeschaltet worden, übrig blieb nur das bernsteinfarbene Licht von Lucas’ Lampe, das lange Schatten über die dunklen Holzmöbel warf. Clara blieb einen Moment regungslos stehen, lauschte dem leisen Summen der Klimaanlage und dem fernen Echo eines Aufzugs, der im Stockwerk darunter seine Türen schloss. Das ganze Gebäude schien langsam zu atmen, als wäre auch es müde.
Langsam stand sie auf, die Absätze versanken mit einem gedämpften Geräusch im dicken Teppich. Der Bleistiftrock, eng genug, um die Kurve ihrer Hüften zu betonen, streifte über ihre Oberschenkel, während sie den Schreibtisch umrundete. Lucas saß noch dort, die Finger trommelten unregelmäßig auf die Tastatur, die Augen auf den Bildschirm gerichtet, als könnte er die fehlenden Worte allein durch die Kraft seines Blicks hervorzaubern. Die einst makellose Krawatte hing locker um den geöffneten Kragen, und die ersten Knöpfe seines Hemdes enthüllten die Basis seines Halses, wo eine Ader in schnellem Rhythmus pochte.
— Brauchen Sie Hilfe damit? — Claras Stimme klang weicher als beabsichtigt, fast wie ein Flüstern.
Lucas blickte überrascht auf. Für einen Moment huschte etwas über sein Gesicht – Erleichterung, vielleicht, oder etwas Gefährlicheres. Er lehnte sich im Stuhl zurück, die Arme vor der Brust verschränkt, und musterte sie mit einer Intensität, die die Luft zwischen ihnen schwerer werden ließ.
— Sollten Sie nicht zu Hause sein?
— Und Sie? — Sie neigte den Kopf, ein Lächeln spielte um ihre Lippen. — Oder wollen Sie mir erzählen, dass Sie die Nächte lieber allein mit Verkaufsberichten verbringen?
Er lachte, ein kurzes, raues Geräusch, und schüttelte den Kopf.
— Touché. — Dann, nach einer Pause, fügte er hinzu: — Aber es ist dringend. Der Vorstand will das morgen früh auf dem Tisch haben.
Clara trat einen weiteren Schritt vor und blieb neben seinem Stuhl stehen. Lucas’ Duft – etwas Holziges mit einem Hauch von Leder und Gewürzen – erreichte sie, vermischte sich mit dem Aroma des kalten Kaffees, der noch in der Tasse auf dem Schreibtisch stand. Sie streckte die Hand aus, die Finger streiften leicht die Armlehne seines Stuhls.
— Dann lassen Sie mich helfen. Vier Augen sehen schneller.
Er zögerte. Es ging nicht nur um Professionalität – das wusste sie. Es ging um den Raum, die Nähe, die Tatsache, dass niemand mehr da war, der als Barriere hätte dienen können. Doch die Müdigkeit in seinen Augen, die Art, wie seine Schultern sich leicht unter dem Gewicht des Hemdes krümmten, verrieten seine Entscheidung, noch bevor er sie aussprach.
— In Ordnung. — Er schob den Stuhl zur Seite, um Platz zu machen. — Aber nur, wenn Sie versprechen, nicht über meine Grafiken zu lachen.
— Versprechen kann ich nichts — murmelte sie, während sie sich auf die Kante des Schreibtischs setzte, ihm zugewandt.
Die Bewegung ließ ihren Rock einige Zentimeter hochrutschen und enthüllte mehr von der Haut ihrer Oberschenkel. Lucas blickte für einen Moment zur Seite, aber nicht schnell genug. Clara bemerkte es, und ein zufriedenes Lächeln spielte um ihre Lippen. Langsam kreuzte sie die Beine, absichtlich, und beugte sich vor, die Ellbogen auf die Knie gestützt.
— Also. Was blockiert Sie?
Er räusperte sich, als müsste er nicht nur seine Kehle, sondern auch seinen Verstand klären.
— Die Zahlen der Filiale in Curitiba. Sie weichen vom Muster ab, und ich verstehe nicht, warum.
Clara streckte die Hand aus, die Finger schwebten über der Maus.
— Darf ich?
Lucas nickte und überließ ihr die Kontrolle. Sie scrollte nach unten, die Augen überflogen die Datenspalten mit einer Effizienz, die er immer bewundert hatte. Doch jetzt, mit ihr so nah, war es schwer, sich auf etwas anderes zu konzentrieren als auf die Wärme, die von ihrem Körper ausging, auf die Art, wie ihr kastanienbraunes Haar in losen Wellen über ihre Schultern fiel, auf den dezenten Glanz des Lippenstifts, den sie Stunden zuvor aufgetragen hatte und der noch immer hielt.
— Hier — sie zeigte auf eine Zelle. — Dieser Wert ist doppelt. Und schauen Sie, hier gibt es eine Diskrepanz bei der Frachtkostenberechnung.
Er beugte sich näher, seine Schulter streifte ihre. Clara wich nicht zurück. Stattdessen drehte sie ihr Gesicht leicht, ihre Lippen fast an seinem Ohr.
— Sehen Sie? Es war nicht so kompliziert.
Lucas spürte ihren warmen Atem auf seiner Haut, und ein Schauer lief ihm über den Rücken. Er zwang sich, auf den Bildschirm zu schauen, doch Claras Worte tanzten vor seinen Augen, ohne Sinn zu ergeben.
— Sie haben recht — murmelte er. — Immer.
Sie lachte leise, ein Geräusch, das in seiner Brust vibrierte.
— Dafür werde ich bezahlt.
— Nein — korrigierte er mit rauer Stimme. — Dafür werden Sie für viel mehr bezahlt.
Die darauf folgende Stille war geladen, elektrisch. Langsam stieg Clara vom Schreibtisch, die Absätze klackten leise auf dem Boden. Sie umrundete Lucas’ Stuhl und blieb hinter ihm stehen, legte die Hände auf seine Schultern. Die Muskeln waren unter dem Hemdstoff angespannt, hart wie Seile.
— Sie sind müde — sagte sie, die Daumen drückten leicht in seinen Nacken.
Lucas schloss für einen Moment die Augen und ließ sich in die Berührung sinken.
— Das sollte ich nicht tun.
— Was tun? — Ihre Finger glitten nach oben, massierten seine Schultern in kreisenden Bewegungen.
— Das. — Er stöhnte leise, als sie einen besonders schmerzhaften Punkt fand. — Mich ablenken.
— Und wenn ich Sie ablenken *will*? — Die Frage war ein Flüstern, ihre Lippen fast an seinem Nacken.
Lucas drehte den Stuhl plötzlich herum, packte sie an den Hüften und zog sie zu sich. Clara stieß einen überraschten Seufzer aus, die Hände stützten sich auf die Armlehnen des Stuhls, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Nun stand sie zwischen seinen Beinen, ihr Rock rutschte noch ein Stück höher, seine Knie streiften die Innenseite ihrer Oberschenkel.
— Clara — sagte er, ihr Name klang wie eine Warnung und eine Bitte zugleich.
— Ja? — Sie beugte sich vor, ihre Lippen schwebten nur Zentimeter von seinen entfernt.
— Wissen Sie, was Sie da tun?
Sie lächelte, die Finger glitten über seine Brust und öffneten einen weiteren Knopf seines Hemdes.
— Ich hoffe es.
Lucas hielt ihr Gesicht mit einer Hand, die Finger vergruben sich in ihrem Nacken. Clara schloss die Augen, spürte, wie sein Daumen die Kontur ihres Kiefers nachzeichnete, die raue Haut gegen die Weichheit ihres Gesichts.
— Wenn Sie so weitermachen — murmelte er —, werde ich mich nicht mehr beherrschen können.
— Und wenn ich nicht will, dass Sie sich beherrschen?
Die Luft entwich seinen Lungen in einem zitternden Seufzer. Lucas zog sie näher, ihre Lippen berührten sich fast, ohne den Kontakt zu vollenden. Clara spürte seinen Atem an ihrem Mund, heiß und unregelmäßig, und der Geruch von Kaffee und männlichem Parfüm umhüllte sie wie ein Versprechen.
— Dann — sagte er mit rauer Stimme — müssen Sie die Konsequenzen tragen.
Sie lächelte, ihre Lippen streiften seine, als sie sprach.
— Ich kann es kaum erwarten.
Das Dokument lag zwischen ihnen wie ein unerforschtes Territorium, Zeilen von Zahlen und Grafiken, die im gelblichen Licht der Schreibtischlampe zu pulsieren schienen. Clara rückte ihre Brille mit dem schmalen Gestell zurecht, die Finger glitten über den Rand des Papiers, während sie die Seiten mit fast chirurgischer Präzision durchblätterte. Die Stille des nun verlassenen Büros war dicht, durchbrochen nur vom Rascheln der Blätter und dem gedämpften Geräusch von Lucas’ Atem, der neben ihr saß.
Er hatte seinen Stuhl näher herangezogen, sein Knie streifte fast ihres unter dem Tisch. Die Wärme seines Körpers drang durch den Stoff seiner Anzughose, ein subtiler Kontrast zur kühlen Luft der Klimaanlage, die noch leise in der Ecke des Raumes summte. Clara spürte das Gewicht seines Blicks auf sich, als würde jede ihrer Bewegungen beobachtet, entschlüsselt. Und vielleicht war es auch so. Lucas war nicht der Typ, der Details entgehen ließ.
— Hier — sagte sie und zeigte auf eine Zeile im Bericht. — Die Zahlen stimmen nicht mit der Prognose des letzten Quartals überein. Könnte ein Tippfehler sein.
Lucas beugte sich vor, sein Arm streifte ihren. Die Berührung war kurz, fast unmerklich, aber genug, um einen Schauer über Claras Rücken zu jagen. Sie wich nicht zurück. Stattdessen blieb sie regungslos, die Finger noch über der Seite schwebend, als würde sie erwarten, dass er die Geste wiederholte.
— Sie haben recht — murmelte er mit tiefer, fast intimer Stimme. — Ich prüfe das im System.
Seine Finger glitten über die Tastatur des Laptops, und Clara beobachtete die Bewegung, wie seine kurzen Nägel leicht auf die Tasten klopften. Es lag etwas Erotisches in dieser Konzentration, in der Art, wie sich die Muskeln seines Unterarms unter dem hochgekrempelten Hemdsärmel anspannten. Sie fragte sich, wie es sich anfühlen würde, diese Arme um sich zu spüren, die darin enthaltene Kraft.
— Sie bemerken immer diese Details — kommentierte er, ohne den Blick vom Bildschirm zu wenden. — Beeindruckend.
Clara lächelte, ein Mundwinkel hob sich.
— Das gehört zum Job.
— Oder zu Ihrer Natur — erwiderte er und blickte sie endlich an. Seine dunklen Augen, fast schwarz unter dem künstlichen Licht, schienen jede Nuance ihres Gesichts in sich aufzunehmen. — Sie sind gründlich. Fast schon besessen.
— Und das stört Sie?
— Im Gegenteil. — Seine Stimme war wie ein Seidenfaden, der sich um sie legte. — Ich mag Menschen, die nichts übersehen.
Die Luft zwischen ihnen schien schwerer zu werden, aufgeladen mit etwas, das keiner von beiden benannte. Clara spürte, wie ihr Herz schneller schlug, doch sie behielt einen neutralen Ausdruck bei, als würden sie nur über Zahlen und Fristen sprechen. Es war ein Spiel, und sie wusste, wie man es spielte.
— Also — sagte sie und blätterte weiter im Bericht —, vertrauen Sie mir, die Fehler zu finden?
— Ich vertraue Ihnen in vielen Dingen.
Die Worte hingen in der Luft, voller Bedeutung. Clara hob den Blick und traf seinen. Da lag eine Frage, ein stilles Angebot. Sie hielt seinem Blick stand, ließ den Moment sich dehnen, die Spannung wachsen, bis sie fast greifbar wurde.
— In vielen Dingen? — wiederholte sie mit sanfter, provokanter Stimme.
Lucas antwortete nicht sofort. Stattdessen streckte er die Hand aus, seine Finger streiften leicht die ihren, als er einen Stift vom Tisch nahm. Die Berührung war diesmal absichtlich, eine unter dem Deckmantel der Beiläufigkeit versteckte Liebkosung. Clara zuckte nicht zurück. Ihre Haut kribbelte dort, wo er sie berührt hatte, und sie fragte sich, ob auch er das spürte – diesen elektrischen Strom, der sie zu verbinden schien.
— Sie wissen, wovon ich spreche — sagte er schließlich mit rauer Stimme.
Clara biss sich auf die Unterlippe, eine unwillkürliche Geste, die seine Aufmerksamkeit erregte. Lucas verfolgte die Bewegung mit den Augen, und sie sah, wie sich seine Pupille weitete, seinen Blick noch dunkler werden ließ.
— Vielleicht möchte ich es Sie sagen hören.
Er stieß ein kurzes, fast knurrendes Lachen aus und beugte sich näher. Sein Duft – eine Mischung aus Sandelholz und etwas Dunklerem, Primitiverem – drang in ihre Sinne und ließ sie für einen Moment die Augen schließen.
— Sie spielen mit dem Feuer, Clara.
— Und Sie tun so, als würden Sie nicht brennen.
Seine Finger schlossen sich um ihr Handgelenk, nicht fest, aber mit einer Bestimmtheit, die keinen Zweifel daran ließ, wer die Kontrolle hatte. Clara hielt den Atem an, spürte, wie sein Daumen langsame Kreise auf die empfindliche Haut an der Innenseite ihres Arms zeichnete. Es war eine leichte, fast unschuldige Berührung, aber voller Versprechen.
— Sie haben keine Ahnung, was ich fühle — murmelte er.
— Dann zeigen Sie es mir.
Die Worte entglitten ihr, bevor sie sie zurückhalten konnte, und Clara wusste in dem Moment, in dem sie sie aussprach, dass sie eine Grenze überschritten hatte. Lucas starrte sie an, die Lippen leicht geöffnet, als würde er alle Möglichkeiten abwägen. Die Luft zwischen ihnen knisterte, aufgeladen mit Verlangen und Zögern.
Für einen langen Moment rührte sich keiner von ihnen. Dann, langsam, ließ Lucas ihr Handgelenk los und lehnte sich im Stuhl zurück, als bräuchte er Raum zum Atmen.
— Sie sind gefährlich — sagte er mit rauer Stimme.
— Oder einfach nur ehrlich.
Er lachte erneut, doch der Klang war angespannt, fast erstickt. Clara wusste, dass sie an Boden gewann, dass jedes Wort, jede Berührung seinen Widerstand untergrub. Und, Gott, wie sehr sie wollte, dass er nachgab.
— Lass uns das zu Ende bringen — sagte er und wandte den Blick wieder dem Bericht zu. — Bevor ich etwas tue, das wir beide bereuen.
Clara lächelte zufrieden. In diesen Worten lag ein Sieg, auch wenn er es nicht zugab. Sie beugte sich vor, streifte absichtlich seine Schulter, während sie die Papiere vor sich zurechtrückte.
— Oder etwas, das wir beide wiederholen wollen.
Lucas antwortete nicht. Doch die Art, wie sich sein Atem veränderte, wie sich seine Finger fester um den Stift schlossen, war Antwort genug.
Der Bericht lag noch immer zwischen ihnen, doch jetzt war er nur noch ein Vorwand. Das eigentliche Spiel hatte begonnen, und Clara war mehr als bereit, es zu spielen.
Lucas’ Stift kratzte über das Papier, als er eine Zeile im Bericht mit mehr Druck als nötig unterstrich. Das Geräusch hallte in der Stille des Büros wider, scharf wie ein unterdrückter Seufzer. Clara beobachtete die Bewegung seiner Finger – lang, präzise, daran gewöhnt zu befehlen – und spürte, wie ihr die Hitze den Hals hinaufstieg. Die Luft zwischen ihnen war schwer, aufgeladen mit etwas, das keiner von beiden zu benennen wagte. Doch sie wollte keine Namen mehr.
Sie beugte sich vor, die Ellbogen auf den Tisch gestützt, der dünne Stoff ihrer Bluse streifte leicht seinen Arm. Lucas’ Duft – verbranntes Holz und gealtertes Leder – drang in ihre Sinne, als sie ihr Gesicht näher an seines brachte, fast so, als wollte sie ein Geheimnis teilen. Claras Augen funkelten dunkel und herausfordernd, spiegelten das bernsteinfarbene Licht der Lampe wider.
— Arbeiten Sie immer so spät? — fragte sie mit leiser, fast flüsternder Stimme.
Lucas hob den Blick und traf ihren. Etwas Raubtierhaftes lag in der Art, wie er sie jetzt musterte, als würde er abschätzen, wie weit er gehen konnte, bevor er die Kontrolle verlor.
— Nur, wenn ich eine so... engagierte Sekretärin habe — antwortete er mit rauer Stimme.
Sie lächelte, die Lippen zu einer spöttischen Linie verzogen.
— Engagiert? Oder nur daran interessiert, sicherzustellen, dass der Chef keine Fehler macht?
Er stieß ein kurzes Lachen aus, wich aber nicht aus.
— Fehler? — wiederholte er, als hätte das Wort einen neuen Beigeschmack. — Glauben Sie, ich mache Fehler, Clara?
Sie rückte noch näher, ihr Knie streifte sein Bein unter dem Tisch. Die Berührung war kurz, aber genug, um seinen Körper versteifen zu lassen.
— Manchmal — flüsterte sie, ihre Lippen fast sein Ohr berührend. — Manchmal glaube ich, Sie vergessen, dass Sie nur ein Mensch sind.
Sein warmer Atem kitzelte die empfindliche Haut an ihrem Hals, und Lucas schloss für einen Moment die Augen, als müsste er sich daran erinnern, wie man atmet. Als er sie wieder öffnete, brannte ein Feuer in ihnen.
— Und Sie? — fragte er mit rauer Stimme. — Erinnern Sie sich daran, dass Sie ein Mensch sind?
Clara antwortete nicht. Stattdessen wich sie gerade so weit zurück, dass er das Funkeln in ihren Augen sehen konnte, die stille Herausforderung. Dann, mit einer langsamen, absichtlichen Bewegung, fuhr sie sich mit der Zungenspitze über die Lippen und befeuchtete sie.
— Warum finden Sie es nicht heraus? — murmelte sie.
Das reichte.
Lucas dachte nicht nach. Er kalkulierte nicht. Er kümmerte sich nicht um die Konsequenzen. Mit einer schnellen Bewegung packte er Claras Gesicht mit beiden Händen, die Finger gruben sich in ihr weiches Haar, während er sie zu sich zog. Ihre Lippen trafen sich in einem Kuss, der weder sanft noch zögerlich war – es war reiner Hunger, aufgestautes Verlangen, das in einem einzigen Moment explodierte.
Clara stöhnte gegen seinen Mund, der Laut gedämpft, fast wie ein Seufzer der Erleichterung. Ihre Hände flogen zu seinen Schultern, krallten sich in den Stoff seines Sakkos, als bräuchte sie etwas, an dem sie sich festhalten konnte. Er zog sie näher, seine Zunge drang mit einer Dringlichkeit in ihren Mund ein, die Claras Körper dahinschmelzen ließ. Sie schmeckte den Kaffee, den er früher getrunken hatte, vermischt mit etwas Primitiverem – dem Geschmack von Verlangen.
Ohne Mühe hob Lucas sie hoch und setzte sie mit einer abrupten Bewegung auf den Tisch, sodass die Papiere des Berichts durch die Luft wirbelten. Clara kümmerte das nicht. Sie schlang die Beine um seine Taille und zog ihn näher, bis kein Raum mehr zwischen ihren Körpern blieb. Seine Hände glitten über ihre Oberschenkel, drückten das Fleisch durch den engen Rock, während sein Mund ihren Hals hinabwanderte und eine Spur heißer Küsse und leichter Bisse hinterließ, die sie den Rücken durchbiegen ließen.
— Sie haben keine Ahnung, wie sehr ich das wollte — murmelte er gegen ihre Haut, die Zähne streiften ihr Schlüsselbein.
Clara lachte, ein tiefer, rauer Laut, die Nägel kratzten leicht über seinen Rücken.
— Lügner — neckte sie. — Sie haben wochenlang so getan, als würden Sie mich nicht bemerken.
Er hob den Kopf, seine dunklen Augen brannten in ihren.
— Ich habe jedes verdammte Detail bemerkt — gab er zu, die Stimme rau. — Jedes Mal, wenn Sie sich vorbeugten, um etwas aufzuheben, jedes Mal, wenn Sie sich beim Tippen auf die Lippe bissen. Jeden Seufzer.
Claras ganzer Körper zitterte bei seinen Worten. Sie hielt sein Gesicht zwischen den Händen und zog ihn zurück in einen tiefen Kuss, als wollte sie jedes unausgesprochene Geständnis verschlingen. Seine Hände glitten zum Saum ihrer Bluse, die Finger öffneten geschickt die ersten Knöpfe mit einer Eile, die sie zum Lachen brachte.
— Hier? — fragte sie atemlos, während er den Stoff zur Seite schob und den schwarzen Spitzen-BH darunter enthüllte.
— Hier — bestätigte er mit fester Stimme, bevor er eine Brustwarze durch den dünnen Stoff mit den Lippen umschloss.
Clara stöhnte auf, der Kopf fiel nach hinten, während er saugte, die heiße, feuchte Zunge durch den Spitzenstoff hindurch reizte. Ihre Hände vergruben sich in seinem Haar und zogen ihn näher, als wollte sie ihre Körper genau dort verschmelzen. Lucas gehorchte, sein Mund wanderte zwischen ihren Brüsten hinab, die Zähne hinterließen leichte Male auf der weichen Haut, bevor er sie mit einer Intensität küsste, die ihr den Atem raubte.
Sie schob ihn gerade so weit zurück, dass sie sein Hemd aufknöpfen konnte, die zitternden Finger glitten über die definierten Muskeln seiner Brust. Lucas beobachtete sie mit hungrigem Blick, die Lippen leicht geöffnet, der Atem beschleunigt. Als sie schließlich das Hemd von seinen Schultern schob und es zu Boden fallen ließ, zog er sie mit einem tiefen Knurren wieder an sich, die Hände umfassten ihren Po und drückten sie gegen die Erektion, die gegen den Reißverschluss seiner Hose drückte.
— Sie sind unerträglich — murmelte er gegen ihren Mund, doch in seiner Stimme lag kein Ärger, nur Verlangen.
— Und Sie lieben es — erwiderte sie, biss leicht in seine Unterlippe und zog ihn in einen weiteren Kuss.
Das Büro um sie herum verschwand. Es gab keine Berichte mehr, keine Fristen, keine Hierarchien – nur die Hitze ihrer Körper, das Geräusch ihrer abgehackten Atemzüge, das Streifen ihrer Haut. Lucas legte sie auf den Tisch, sein Körper bedeckte ihren, während seine Hände jede Kurve, jeden Zentimeter freigelegter Haut erkundeten. Clara bog sich ihm entgegen, die Finger krallten sich in seine breiten Schultern, spürte sein Gewicht, die in jeder Bewegung enthaltene Kraft.
— Lucas... — flüsterte sie, sein Name klang wie eine Bitte.
Er hielt für einen Moment inne, die dunklen Augen auf ihre gerichtet, als wollte er sich vergewissern, dass sie das genauso sehr wollte wie er. Clara sagte nichts. Stattdessen nahm sie seine Hand und führte sie nach unten zum Saum ihres Rocks, der bereits um ihre Taille geschlungen war.
— Hör nicht auf — bat sie mit rauer Stimme.
Lucas brauchte keine weitere Ermutigung. Seine Finger glitten in ihren Slip, fanden sie feucht und bereit. Clara stöhnte laut auf, als er sie berührte, der Daumen umkreiste ihre Klitoris mit einer Präzision, die sie erzittern ließ. Sie biss sich auf die Lippe, um den Laut zu unterdrücken, doch Lucas hielt ihr Kinn fest und zwang sie, ihn anzusehen.
— Unterdrück dich nicht — befahl er mit tiefer, autoritärer Stimme. — Ich will dich hören.
Und sie gehorchte.
Clara stieß ein langes, tiefes Stöhnen aus, als seine Finger in sie eindrangen, ihr Körper wand sich auf dem Tisch, während er sie mit langsamen, absichtlichen Bewegungen penetrierte. Seine andere Hand hielt ihren Nacken fest, hielt sie regungslos, während sein Mund ihre Laute verschlang, die sie nicht zurückhalten konnte. Der Kuss war wild, verzweifelt, als würden sie versuchen, einander zu verschlingen.
— Verdammt — knurrte Lucas gegen ihren Mund, die Finger beschleunigten den Rhythmus. — Du fühlst dich so gut an...
Clara spürte, wie sich der Orgasmus näherte, eine heiße, überwältigende Welle, die in ihrem Bauch begann und sich durch ihren ganzen Körper ausbreitete. Sie krallte sich in seine Arme, die Nägel gruben sich in seine Haut, während das Vergnügen sie übermannte. Er hörte nicht auf, verlangsamte nicht das Tempo, trieb sie über die Grenze hinaus, bis sie keuchend dalag, die Augen geschlossen, der Körper unter ihm zitternd.
Als sie schließlich die Augen öffnete, beobachtete Lucas sie mit einem Blick, den sie noch nie zuvor gesehen hatte – etwas zwischen Bewunderung und Besitzanspruch. Clara lächelte langsam und zufrieden und streckte die Hand aus, um ihn in einen weiteren Kuss zu ziehen.
— Jetzt sind Sie dran — murmelte sie gegen seine Lippen.
Lucas brauchte nichts weiter. Er zog sie hoch, setzte sie auf die Tischkante und begann, seine Hose mit einer Dringlichkeit zu öffnen, die Clara zum Lachen brachte. Doch das Lachen erstarb in ihrer Kehle, als er sich schließlich befreite, seine Erektion hart und heiß in ihrer Handfläche.
— Sind Sie sicher? — fragte er mit angespannter Stimme, als würde er sich an einem seidenen Faden festhalten.
Clara antwortete nicht mit Worten. Stattdessen führte sie ihn in sich ein, die Augen auf seine gerichtet, während er sie mit einer langsamen, tiefen Bewegung ausfüllte. Lucas stöhnte auf, der Kopf fiel für einen Moment nach hinten, bevor er sie wieder ansah, die Hände umfassten fest ihre Hüften.
— Clara... — murmelte er, ihr Name klang wie ein Gebet.
Sie schlang die Beine um seine Taille und zog ihn näher, bis kein Raum mehr zwischen ihnen war. Und dann, mit einem provokanten Lächeln, flüsterte sie:
— Jetzt, Chef... zeigen Sie mir, wozu Sie fähig sind.
Claras erster Impuls war es, den Rücken durchzubiegen, als Lucas sie vollständig ausfüllte, das Gefühl, ihn in sich zu spüren, so intensiv, dass es ihr den Atem raubte. Der Konferenztisch, kühl und poliert unter ihren Oberschenkeln, kontrastierte mit der Hitze, die von ihren verschlungenen Körpern ausging, jede Bewegung ein Funke mehr in dem Feuer, das sie beide schon verzehrte. Sie grub die Nägel in seine Schultern, nicht aus Schmerz, sondern aus dem Bedürfnis, sich an etwas festzuhalten, während das Vergnügen sie an einen Ort riss, an dem nur sie beide existierten – die Reibung, der Schweiß, der abgehackte Atem.
Lucas hielt sich nicht zurück. Mit einem rauen Stöhnen zog er ihre Bluse nach oben und entblößte den schwarzen Spitzen-BH, der ihre festen Brüste kaum noch hielt. Seine geschickten Finger fanden den Verschluss auf dem Rücken, und innerhalb von Sekunden fiel der Stoff, befreite die bereits von der Lust verhärteten Brustwarzen. Er verlor keine Zeit – senkte den Kopf und umschloss eine mit dem Mund, die Zunge zeichnete langsame Kreise, während seine freie Hand die andere Brust drückte, die Finger mit der empfindlichen Spitze spielten, bis Clara ein zitterndes Seufzen entwich.
— Gefällt Ihnen das? — murmelte er gegen ihre Haut, die Stimme rau, die Lippen feucht, als er sich gerade so weit zurückzog, um zu sprechen. — Oder wollen Sie mehr?
Clara antwortete nicht mit Worten. Stattdessen hielt sie sein Gesicht zwischen den Händen und zog ihn in einen gierigen Kuss, ihre Zunge drang mit derselben Dringlichkeit in seinen Mund ein, mit der er sie penetrierte. Der salzige Geschmack von Schweiß vermischte sich mit seinem männlichen Duft und ließ sie schwindelig werden, und sie biss leicht in seine Unterlippe, was ein tiefes Knurren bei ihm auslöste.
— Ich will *alles* — flüsterte sie mit rauer Stimme, die Augen halb geschlossen, während er sich weiter in ihr bewegte, jeder Stoß tiefer, besitzergreifender. — Hör nicht auf.
Lucas hatte nicht die Absicht aufzuhören. Mit einer schnellen Bewegung hob er sie an den Hüften und legte sie auf den Tisch, ihr Körper breitete sich zwischen den verstreuten Papieren und leeren Kaffeetassen aus. Der Anblick von ihr dort – von der Taille aufwärts entblößt, die Beine um seine Taille geschlungen, die Lippen leicht geöffnet in einem stummen Stöhnen – ließ ihn noch härter werden. Er beugte sich über sie, stützte sich auf die Ellbogen, um sie nicht zu erdrücken, und nahm den Rhythmus wieder auf, jetzt langsamer, absichtlicher, als wollte er sich jede ihrer Reaktionen einprägen.
— So? — fragte er mit spöttischer Stimme, während er das Tempo noch weiter verlangsamte, fast vollständig aus ihr herausglitt, bevor er sich wieder bis zum Anschlag in sie schob. Clara biss sich auf die Unterlippe, die Finger krallten sich so fest in die Tischkante, dass sie Spuren hinterließen.
— Spiel nicht mit mir — keuchte sie und hob die Hüften, um mehr Kontakt zu suchen. — Ich weiß, dass du überzeugender sein kannst.
Lucas lachte, ein tiefer, gefährlicher Laut, bevor er gehorchte. Er zog sich fast vollständig zurück, ließ nur die Spitze in ihr, und dann, mit einem festen Stoß, füllte er sie wieder ganz aus. Clara bog sich, ein erstickter Schrei entwich ihrer Kehle, während er die Bewegung wiederholte, jedes Mal schneller, jedes Mal tiefer. Das Geräusch von Haut, die auf Haut klatschte, hallte durch das stille Büro, vermischte sich mit ihren Stöhnen und seinen Knurren, eine primitive Sinfonie, die keinen Zweifel daran ließ, was hier geschah.
— Verdammt, Clara... — stöhnte er, die Finger gruben sich in ihre Oberschenkel, während er das Tempo noch weiter beschleunigte. — Du bist so eng... so *gut*.
Sie konnte nicht antworten. Der Orgasmus traf sie wie eine Welle, raubte ihr die Stimme, den Atem, sogar die Fähigkeit zu denken. Ihr ganzer Körper zog sich um ihn zusammen, die inneren Muskeln pressten ihn fest, während sie sich in Wellen der Lust auflöste. Lucas widerstand nicht – mit einem letzten Stoß vergrub er sich bis zum Anschlag in ihr und kam, sein Körper zitterte, während er sie mit heißen Schüben füllte, ihr Name entwich seinen Lippen wie ein Gebet.
Für einige Sekunden gab es kein Geräusch außer ihren keuchenden Atemzügen, die Luft schwer vom Geruch nach Sex und Schweiß. Lucas stützte die Stirn auf ihre, die Augen geschlossen, versuchte, die Kontrolle zurückzugewinnen. Clara strich mit den Fingern durch sein nun feuchtes Haar und lächelte zufrieden.
— Das war... — begann sie, fand aber keine Worte.
— *Besser*, als ich es mir vorgestellt habe — beendete Lucas den Satz, hob den Kopf und blickte ihr in die Augen. Da war etwas, etwas jenseits des körperlichen Verlangens – eine Verbindung, die keiner von beiden noch zu benennen wagte.
Clara lachte leise und zog ihn in einen weiteren Kuss, diesmal langsamer, süßer. Doch als er sich zurückziehen wollte, hielt sie ihn fest.
— Wir sind noch nicht fertig — murmelte sie, ihre Lippen streiften seine. — Ich glaube nicht, dass ich dich von diesem Tisch gehen lasse, ohne dass du dich revanchierst.
Lucas hob eine Augenbraue, ein spöttisches Lächeln spielte um seine Lippen.
— Und was hatten Sie im Sinn, *Sekretärin*?
Clara antwortete nicht. Stattdessen schob sie ihn zurück, sodass er sich auf den Ledersessel neben dem Tisch setzte. Bevor er reagieren konnte, glitt sie zu Boden, kniete sich zwischen seine Beine und machte sich bereits am Reißverschluss seiner Hose zu schaffen.
— Ich glaube — sagte sie mit tiefer, provokanter Stimme, während sie seine bereits halb harte Erektion befreite —, dass Sie etwas *besondere Aufmerksamkeit* verdienen.
Lucas hatte keine Zeit zu antworten. Im nächsten Moment umschloss ihr warmer, feuchter Mund ihn, und er stieß ein raues Stöhnen aus, die Hände vergruben sich instinktiv in ihrem Haar. Die Nacht war noch lange nicht vorbei.
Der Raum roch noch immer nach Sex und altem Papier, eine Mischung, die nun zu dieser Nacht gehörte. Die Klimaanlage summte leise, wie ein beharrliches Flüstern, während Clara langsam aufstand, die Knie noch immer kribbelnd vom Kontakt mit dem groben Teppich. Sie strich den zerknitterten Rock glatt, spürte, wie der Stoff leicht an der feuchten Haut ihrer Oberschenkel klebte, und warf einen Blick über die Schulter zu Lucas, der noch immer im Sessel saß, die Finger langsam auf die Lederarmlehne trommelnd.
— Bleiben Sie die ganze Nacht hier? — fragte sie mit rauer Stimme, die jedoch bereits wieder ihren spöttischen Tonfall annahm.
Lucas hob den Blick, ließ ihn über ihre noch immer geschwollenen Lippen gleiten, bevor er ihren Körper musterte, als würde er sich jedes Detail einprägen. Er stand mit einer fließenden Bewegung auf und richtete das Hemd, das Clara zuvor ohne Eile aufgeknöpft hatte, ihre Finger hatten leichte Spuren auf den Perlmuttknöpfen hinterlassen. Als er sich schließlich näherte, umfing sie die Wärme seines Körpers, noch bevor er sie berührte, und sie widerstand nicht, als er sie an sich zog, eine Hand auf der Kurve ihrer Taille, die andere in die losen Strähnen ihres Dutts verflochten, den sie ohne es zu merken gelöst hatte.
— Ich dachte — murmelte er, die Lippen streiften ihr Ohr, der warme Atem ließ sie erschauern —, dass wir vielleicht ein paar Regeln aufstellen sollten.
Clara neigte den Kopf, ließ zu, dass er an ihrem Ohrläppchen knabberte, der leichte Zug sandte einen elektrischen Impuls direkt in ihren Unterleib.
— Regeln? — wiederholte sie und tat desinteressiert, doch der Tonfall verriet sie. — Das klingt nicht sehr *spontan* von Ihnen.
— Ach, aber es geht genau darum, die Spontaneität zu gewährleisten — antwortete er, die Hand glitt langsam an ihrer Seite hinab, die Finger drückten leicht die Kurve ihrer Hüfte. — Zum Beispiel: *nie wieder* werden wir so tun, als wäre das nur professionell.
Sie lachte, ein leises, zufriedenes Geräusch, und wich gerade so weit zurück, dass sie ihn ansehen konnte, die Augen funkelten im gelblichen Licht der Lampen.
— Und was noch?
— Dass Sie aufhören, mich *Herr Lucas* zu nennen, wenn wir allein sind — sagte er mit tieferer Stimme. — Es sei denn, Sie möchten, dass ich anfange, Sie vor allen *Fräulein Clara* zu nennen.
Clara biss sich auf die Unterlippe, unterdrückte ein Lächeln.
— Das wäre interessant. Aber ich denke, ich kann eine Ausnahme machen.
— Gut. — Er zog sie wieder an sich, ihre Körper passten sich mit einer Natürlichkeit an, die beide überraschte. — Und dass wir beim nächsten Mal nicht warten, bis das Büro leer ist.
Sie hob eine Augenbraue.
— Sie schlagen vor, dass wir das *während* der Arbeitszeit tun?
— Nicht genau — korrigierte er, die Hand glitt in ihren Nacken, die Finger spielten mit den losen Strähnen. — Aber dass wir aufhören, so zu tun, als würden wir nicht die ganze Zeit daran denken.
Clara antwortete nicht sofort. Stattdessen trat sie einen Schritt zurück, nahm die Handtasche, die sie auf dem Konferenztisch abgelegt hatte, der nun Fingerabdrücke und zerknitterte Papiere aufwies. Sie holte einen Lippenstift aus der Innentasche und trug ihn langsam auf, die Augen auf sein Spiegelbild in der dunklen Scheibe gerichtet, wo die Lichter der Stadt tanzende Schatten auf das Glas malten.
— In diesem Fall — sagte sie, steckte den Lippenstift ein und drehte sich zu ihm um —, denke ich, dass Sie ab und zu eine *Erinnerung* brauchen werden.
Lucas rührte sich nicht, doch sein Körper reagierte, noch bevor sie den Satz beendet hatte. Clara näherte sich erneut, diesmal mit berechneter Langsamkeit, und als sie nah genug war, stellte sie sich auf die Zehenspitzen und biss leicht in sein Kinn, die Zähne kratzten mit einem Druck über die Haut, der Lucas zwischen den Zähnen zischen ließ.
— Sie sind gefährlich — murmelte er, die Hände fanden wieder ihre Hüften und zogen sie an sich.
— Und Sie lieben das — antwortete sie, die Stimme ein Flüstern gegen seine Lippen.
Für einen Moment blieben sie regungslos stehen, atmeten dieselbe Luft, spürten das Gewicht dessen, was geschehen war und was noch kommen würde. Dann trat Lucas zurück, nahm das Sakko, das er zuvor über einen Stuhl geworfen hatte. Clara beobachtete, wie er es anzog, die Bewegungen präzise, als würde er sich auf ein wichtiges Meeting vorbereiten. Doch seine Augen verließen nie die ihren.
— Morgen — sagte er mit fester Stimme, doch mit einem Hauch von etwas, das Clara nicht deuten konnte. — Nach sechs.
Sie lächelte, nahm die Handtasche und hängte sie sich über die Schulter.
— Ich bringe Kaffee mit. Stark. Ohne Zucker.
— Und der Bericht?
— Liegt schon auf Ihrem Schreibtisch — antwortete sie und strich mit den Fingern über die Kante des Konferenztisches, als würde sie etwas viel Intimeres streicheln. — Zusammen mit einer zusätzlichen Kopie. *Zur Sicherheit.*
Lucas lachte, ein tiefer, aufrichtiger Laut, und für einen Moment sah Clara etwas in ihm, das sie noch nie zuvor bemerkt hatte: Verletzlichkeit. Nicht die Schwäche, die er so sehr im Beruf zu verbergen fürchtete, sondern etwas Menschlicheres, Echteres. Sie trat erneut näher, diesmal ohne Eile, und küsste ihn sanft, die Lippen streiften seine wie ein Versprechen.
— Bis morgen, *Lucas* — murmelte sie.
Er hielt ihr Gesicht zwischen den Händen, die Daumen strichen über ihre Wangenknochen, und küsste sie zurück, diesmal länger, tiefer, als wollte er diese Nacht irgendwo jenseits der Erinnerung besiegeln.
— Bis morgen, Clara.
Sie trennten sich im Aufzug, als wären sie zwei Fremde, die zufällig denselben Weg teilten. Clara drückte den Knopf für das Erdgeschoss, und als sich die Türen schlossen, lehnte sie die Stirn gegen das kalte Metall und ließ die kühle Luft der Kabine ihre noch immer heiße Haut beruhigen. Draußen pulsierte die Stadt, gleichgültig gegenüber dem, was zwischen diesen vier Wänden geschehen war. Doch in ihr hatte sich etwas verändert.
Auf dem Parkplatz entriegelte Lucas das Auto mit einem trockenen Klicken der Fernbedienung. Er stieg ein, stellte den Rückspiegel ein und blieb einen Moment sitzen, die Finger trommelten auf das Lenkrad. Ihr Duft haftete noch an seinen Händen, ein süßlicher, leicht zitroniger Parfümgeruch, vermischt mit Schweiß und Sex. Er schloss die Augen, atmete tief ein und startete dann den Motor.
Die Fahrt nach Hause war ein Nebel aus zusammenhanglosen Gedanken. Er fuhr an Ampeln vorbei, wich Autos aus, doch sein Geist war in diesem Raum gefangen, im Klang ihres Atems, wenn er sie berührte, in der Art, wie sie den Rücken durchbog, wenn er ihren Hals küsste. Er wusste, dass er sich Sorgen machen sollte – um die Firma, den Ruf, die Konsequenzen. Doch alles, was er spürte, war eine fast unerträgliche Vorfreude.
Als er in seiner Wohnung ankam, zog er sich langsam aus, als wäre jedes Kleidungsstück eine Schicht einer Rüstung, die er nicht mehr brauchte. Unter der Dusche rann das heiße Wasser über seinen Körper, spülte die Müdigkeit des Tages weg, doch nicht die Erinnerung an ihre Berührung. Er strich mit den Händen über seinen eigenen Körper und stellte sich vor, es wären ihre, und für einen Moment spürte er fast, wie ihre schlanken Finger über seine Haut glitten, jeden Zentimeter mit gieriger Neugier erkundeten.
Später, im Bett liegend, blickte er zur Decke, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Die Uhr auf dem Nachttisch zeigte halb eins. Er sollte erschöpft sein, doch er war hellwach, elektrisiert, als hätte er drei Tassen Kaffee auf einmal getrunken. Er schloss die Augen und ließ seinen Geist wandern.
Und dann, als würde das Universum zu ihren Gunsten konspirieren, vibrierte das Handy auf dem Nachttisch. Er streckte die Hand aus und nahm es, ihr Name leuchtete auf dem Display.
*"Ich habe vergessen, dir etwas zu sagen."*
Er lächelte, noch bevor er die Nachricht öffnete.
*"Was?"*
Die Antwort ließ einige Sekunden auf sich warten, doch als sie kam, ließ sie seinen Körper sofort reagieren.
*"Dass dein Konferenztisch viel bequemer ist, als er aussieht. Und dass ich es kaum erwarten kann, die anderen Oberflächen im Büro zu testen."*
Lucas stieß ein leises Lachen aus, das im leeren Zimmer widerhallte. Er tippte eine Antwort, löschte sie, tippte eine andere und gab dann auf. Stattdessen rief er sie an.
Clara nahm beim zweiten Klingeln ab.
— Ich dachte schon, du wärst eingeschlafen — sagte sie mit schläfriger, aber provokanter Stimme.
— Nicht mal annähernd — antwortete er mit rauer Stimme. — Ich habe nur überlegt, ob ich auf deine Nachricht antworten oder bis morgen warten soll, um dir genau zu zeigen, was sie mit mir gemacht hat.
Sie lachte, ein sanftes, intimes Geräusch, und er konnte sie sich im Bett vorstellen, die Laken um ihren Körper gewickelt, das Haar auf dem Kissen ausgebreitet.
— Und was hast du beschlossen?
— Dass ich nicht warten will — gab er zu, die Hand glitt unwillkürlich über seinen eigenen Körper. — Aber ich will auch nicht, dass das nur um heute geht.
Eine Pause entstand am anderen Ende der Leitung. Als Clara wieder sprach, klang ihre Stimme ernster, weicher.
— Ich auch nicht.
Die darauf folgende Stille war angenehm, erfüllt von etwas, das keiner von beiden benennen musste. Dann seufzte sie, ein fast unhörbares Geräusch.
— Gute Nacht, Lucas.
— Gute Nacht, Clara.
Er legte auf und legte das Handy zurück auf den Nachttisch. Für einen Moment blieb er liegen, blickte in die Dunkelheit und spürte das Gewicht dessen, was begonnen hatte. Es war nicht nur Verlangen. Es war nicht nur Neugier. Es war etwas Tieferes, etwas, das ihn gleichzeitig erschreckte und erregte.
Und zum ersten Mal seit langer Zeit hatte er keine Angst vor dem, was kommen würde.
Am nächsten Tag kam Clara fünfzehn Minuten früher ins Büro. Sie legte die Handtasche in die Schublade, schaltete den Computer ein und ging zu Lucas’ Büro, klopfte leicht an die angelehnte Tür, bevor sie eintrat. Er stand am Fenster und blickte auf die Stadt, eine Tasse Kaffee in der Hand. Als er sie sah, breitete sich ein langsames Lächeln auf seinem Gesicht aus.
— Guten Morgen — sagte sie und schloss die Tür hinter sich.
— Guten Morgen — antwortete er, die Augen musterten ihren Körper mit einer Intensität, die ihren Magen zusammenziehen ließ. — Kaffee?
— Habe schon getrunken — log sie und trat näher. — Aber ich nehme etwas anderes.
Lucas brauchte keine weitere Aufforderung. Er stellte die Tasse auf den Tisch und zog sie an sich, die Hände fanden ihre Taille mit einer Vertrautheit, die beide überraschte. Als er sie küsste, war es nicht mit der Dringlichkeit der letzten Nacht, sondern mit einer absichtlichen Langsamkeit, als wollte er sich ihren Geschmack, die Textur ihrer Lippen, die Art, wie ihr Körper sich an seinen schmiegte, einprägen.
Clara wich als Erste zurück, die Finger spielten mit seinem Hemdkragen.
— Wir haben in zwanzig Minuten eine Besprechung — erinnerte sie ihn, doch ihre Stimme klang nicht überzeugend.
— Dann sollten wir keine Zeit verlieren — antwortete er, die Hand glitt nach unten und drückte leicht die Kurve ihrer Hüfte.
Sie lachte und schob ihn sanft zurück.
— Später. Erst die Arbeit.
— Später — stimmte er zu, ließ sie aber nicht los. Stattdessen beugte er sich vor und flüsterte ihr ins Ohr: — Aber erwarte nicht, dass ich es vergesse.
Clara lächelte, ihr Körper kribbelte noch immer von der Verheißung.
— Ich auch nicht.
Und als sie das Büro verließ und die Tür hinter sich schloss, wussten beide, dass dieses Büro nie wieder dasselbe sein würde. Denn jetzt gab es zwischen diesen Wänden etwas Neues.
Etwas, das keiner von ihnen ignorieren wollte.