Die Nachbarin aus 302

Von Tonkix
Die Nachbarin aus 302
**Renata** zog an einem Januarsamstag in die Wohnung 302 ein. Pedro, der Bewohner von 301, hörte den Umzug durch die dünne Wand und dachte sich nicht viel dabei. Nur eine weitere Nachbarin. Das Haus war alt, sechs Stockwerke ohne Aufzug, Wände, die jeden Laut über ein Flüstern hinaus durchließen. Am Montag sah er sie zum ersten Mal im Flur. Sie stand mit dem Rücken zu ihm und schloss die Tür ab. Ein geblümtes Kleid, braune Haare zu einem lockeren Dutt gebunden, gebräunte Beine. Als sie sich umdrehte und bemerkte, dass er da war, lächelte sie. — Hi! Ich bin Renata. Ich bin am Samstag eingezogen. — Pedro. 301. — Er zeigte auf seine eigene Tür. — Willkommen im Haus. — Danke. Wenn du etwas brauchst, klopf einfach an die Wand, dann höre ich es. — Sie lachte, und Pedro bemerkte, dass sie die Dicke der Wände bereits bemerkt hatte. In den folgenden Wochen begann Pedro, Dinge zu bemerken. Der Kaffeeduft, der morgens aus ihrer Wohnung drang. Die gedämpften Klänge von Musik — immer MPB, Marisa Monte, Adriana Calcanhotto. Das Geräusch der Dusche um sieben Uhr morgens, das er perfekt aus seinem Schlafzimmer hören konnte, da die Badezimmer Wand an Wand lagen. Und die Stöhner. Das erste Mal, als er sie hörte, dachte er, er bilde es sich ein. Es war ein Mittwochabend, fast Mitternacht. Ein leises, rhythmisches Geräusch, das langsam lauter wurde. Pedro blieb regungslos im Bett liegen und hielt den Atem an. Es war kein Fernseher. Es war Renata. Allein, soweit er es beurteilen konnte — keine männliche Stimme, kein Bett, das unter dem Gewicht zweier Personen quietschte. Er war sofort hart. Er fühlte für einen Moment Schuld, dann gab er auf. Er schloss die Augen und hörte zu. Ihre Stöhner waren zunächst sanft, dann drängender, bis hin zu einem langen, zitternden Seufzer, der Pedro dazu brachte, sich auf die Lippe zu beißen. Danach passierte es fast jede Nacht. Manchmal um elf, manchmal um ein Uhr morgens. Pedro begann, auf dieses Geräusch zu warten, wie man auf eine Lieblingssendung wartet. Er wusste, dass es falsch war — aufdringlich, voyeuristisch — aber die Wände ließen ihm keine Wahl. An einem Samstagmorgen traf er sie in der Waschküche des Hauses. Sie trug kurze Shorts und ein weißes Tanktop ohne BH. Pedro versuchte, nicht auf die Brustwarzen zu starren, die sich unter dem Stoff abzeichneten. — Pedro! Alles klar? — Sie lächelte wie immer. — Entschuldige, wenn ich nachts Lärm mache. Diese Wände sind aus Papier. Sein Gesicht brannte. Wusste sie, dass er lauschte? — Nein, stell dir vor. Ich höre nichts — log er. Renata neigte den Kopf, ein anderes Lächeln auf den Lippen. Fast verschmitzt. — Lügner — sagte sie leise und faltete weiter ihre Kleidung. Pedro wusste nicht, was er antworten sollte. Er ging mit klopfendem Herzen in seine Wohnung hinauf. In dieser Nacht waren die Stöhner lauter. Als ob sie wollte, dass er sie hörte. Als ob sie wüsste, dass er auf der anderen Seite der Wand stand und jedem Seufzer lauschte. Pedro berührte sich im gleichen Rhythmus wie sie und versuchte, sich ihrem Tempo anzupassen. Als sie kam — ein langes Stöhnen, fast ein unterdrückter Schrei — kam er ebenfalls, wobei er seinen eigenen Laut im Kissen erstickte. Am folgenden Dienstag klopfte jemand um neun Uhr abends an seine Tür. Es war Renata, mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern. — Hi Nachbar. Ich langweile mich, und diese Flasche ist zu groß für eine Person allein. Pedro ließ sie herein. Sie setzte sich auf sein Sofa, als würde sie schon dort wohnen. Die Beine übereinandergeschlagen, das Kleid rutschte an ihren Oberschenkeln hoch. Er schenkte den Wein ein und versuchte, seine Hände ruhig zu halten. Sie unterhielten sich eine Stunde lang. Sie war Grafikdesignerin, Freiberuflerin, arbeitete von zu Hause aus. Sie war nach einer fünfjährigen Beziehung eingezogen. Sie „entdecke“ ihr Singleleben neu, sagte sie mit einem Lächeln, das klar machte, was das bedeutete. Beim zweiten Glas wurde sie lockerer. Beim dritten berührte sie mit dem Bein seines auf dem Sofa. — Pedro — sagte sie und blickte über den Rand ihres Glases zu ihm. — Darf ich dir eine ehrliche Frage stellen? — Nur zu. — Hörst du mich nachts? Die Stille dauerte drei Sekunden. Pedro beschloss, ehrlich zu sein. — Ja. Renata schien weder überrascht noch verlegen. Sie stellte ihr Glas auf den Tisch und drehte sich zu ihm um. — Und was machst du, wenn du mich hörst? Die Luft zwischen ihnen war elektrisch geladen. Pedro spürte, wie sein Mund trocken wurde. — Was denkst du, was ich mache? Renata rückte näher. Ihre Hand legte sich auf seinen Oberschenkel. — Ich denke, du berührst dich und denkst an mich — flüsterte sie. — Und ich finde das sehr erregend. Sie küsste ihn. Geschmack von Rotwein, weiche Lippen, eine entschlossene Zunge. Pedro erwiderte den Kuss mit der Dringlichkeit von Wochen aufgestauten Verlangens. Seine Hände glitten zu ihrer Taille und zogen sie auf seinen Schoß. Renata setzte sich ohne zu zögern auf ihn. Das Kleid rutschte bis zur Hüfte hoch, und Pedro spürte, dass sie keinen Slip trug. Die Hitze zwischen ihren Beinen an seiner Hose war wahnsinnig. — Seit Wochen mache ich das und denke an dich — gestand sie zwischen Küssen. — Ich wusste, dass du zuhörst. Es erregt mich, zu wissen, dass du da bist. Pedro stöhnte. Er zog ihr das Kleid über den Kopf. Kein BH, kein Slip. Sie war völlig nackt auf seinem Schoß, und sie war noch schöner, als er es sich in den einsamen Nächten vorgestellt hatte. Mittlere, feste Brüste, dunkle, bereits harte Brustwarzen. Eine schmale Taille, breite Hüften, ein kleines Mond-Tattoo an der Rippe. Pedro verschlang sie mit den Augen, bevor er sie mit dem Mund verschlang. Er saugte an einer Brustwarze, während seine Hand zwischen ihre Beine glitt. Renata war klitschnass. Als seine Finger sie berührten, stöhnte sie — dieses gleiche Stöhnen, das er durch die Wand hörte, aber jetzt live, an seinem Ohr, und es war tausendmal besser. — Schlafzimmer — keuchte sie. Pedro trug sie. Sie war leicht, die Beine um ihn geschlungen. Er warf sie aufs Bett und zog sich selbst in Sekunden aus. Renata musterte ihn von oben bis unten und biss sich auf die Lippe. — Komm — sagte sie einfach. Er ging zuerst zu ihr hinunter. Er wollte diese Stöhner aus der Nähe hören, von ihm verursacht. Seine Zunge fand ihre Klitoris, und Renata bog den Rücken durch, krallte sich in das Laken. Er leckte, saugte, reizte sie, bis sie zitterte. — Pedro, bitte — flehte sie. — Ich brauche dich in mir. Er stieg zu ihr hoch, zog ein Kondom über und drang langsam in sie ein. Renata grub ihre Nägel in seine Schultern und stieß ein kehliges Stöhnen aus, das Pedro fast die Kontrolle verlieren ließ. — Fester — bat sie. Er gehorchte. Jeder Stoß entlockte ihr einen Laut — dieselben Laute, die er durch die Wand hörte, aber verstärkt, ohne Filter, ohne Scham. Renata war laut, expressiv, sagte, was sie wollte. — So... hör nicht auf... tiefer... Pedro drehte sie auf die Seite, hob eines ihrer Beine über seine Schulter und drang in diesem Winkel ein. Renata schrie vor Lust, die Augen verdrehten sich. — Ich bin gleich so weit — warnte sie mit brüchiger Stimme. Er beschleunigte, eine Hand glitt nach unten, um sie gleichzeitig zu stimulieren. Renata kam mit einem Schrei, den wahrscheinlich das ganze Haus hörte — ihr ganzer Körper zuckte, umschloss ihn so eng, dass er mitgerissen wurde. Pedro kam mit dem Gesicht in ihrem Hals vergraben und stöhnte ihren Namen. Sie lagen verschwitzt und lachend beieinander. — Jetzt — sagte Renata — musst du nicht mehr nur zuhören. Pedro küsste ihre Stirn. — Und die Nachbarn aus 303? Ich glaube, die werden uns jetzt hören. Renata lachte. — Sollen sie doch. Von dieser Nacht an verdoppelte sich die Lautstärke der Stöhner aus dem dritten Stock. Und sie kamen aus beiden Wohnungen gleichzeitig.

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