Die dünne Wand
Von Tonkix

**Die dünne Wand**
Die Wohnung roch nach frischer Farbe und gealtertem Holz, ein Duft, den Lúcia mit Neuanfängen verband. Die Wände, in milchigem Weiß gestrichen, reflektierten das blasse Nachmittagslicht, das durch die noch verpackten Leinenvorhänge drang. Sie strich mit den Fingern über die glatte Oberfläche des frisch ausgepackten Küchentischs und seufzte. Vierunddreißig Jahre, ein Umzug in eine neue Stadt, ein neuer Job an einer exklusiven Privatschule. Alles war sorgfältig geplant, um *richtig* zu sein.
Doch das Gebäude, ach, das Gebäude war alt. Die Flure hallten von Schritten wider, als wäre die Zeit dort in Schichten gelegt, und die Türen quietschten in Angeln, die Geheimnisse zu flüstern schienen. Der Hausmeister, ein Mann mit schwieligen Händen und einem leichten Lächeln, hatte sie gewarnt: *„Hier, Dona Lúcia, die Wände sind dünn wie Seidenpapier. Aber man gewöhnt sich dran.“* Sie hatte es damals nicht ernst genommen, zu sehr damit beschäftigt, zu prüfen, ob der Kühlschrank lief, ob die Dusche warm wurde.
Es war in der ersten Nacht, als sie es bemerkte.
Die Stille der Wohnung war dicht, unterbrochen nur vom Ticken der Wanduhr, die sie von ihrer Großmutter geerbt hatte. Lúcia lag im Bett, ein Buch auf der Brust, die Brille rutschte ihr von der Nase. Dann kam es. Ein gedämpftes Geräusch, fast unmerklich, als würde jemand auf der anderen Seite der Wand den Atem anhalten. Sie runzelte die Stirn, schob die Brille zurecht. Ein weiteres Geräusch. Ein leises, raues Stöhnen, das sich in ihrem Rücken einrollte und ihre Finger sich in den Rand des Lakens krallen ließ.
Lúcia setzte sich langsam auf, das Herz schlug schneller als es sollte. Die Wohnung nebenan. Der Nachbar. *Daniel*, lautete das Messingschild an der Tür 302. Sie hatte ihn nur einmal gesehen, am Umzugstag, ein großer Mann mit breiten Schultern, der mit einem Werkzeugkasten in der Hand die Treppe hinabging. Dunkles Haar, leicht ergraut an den Schläfen, ein Dreitagebart, der ihm den Anschein gab, als wäre er gerade aus tiefem Schlaf erwacht. Er hatte sie mit einem Kopfnicken begrüßt, die grünen – *grünen?* – Augen einen Sekundenbruchteil zu lange auf ihr verweilt.
Jetzt war er dort. Auf der anderen Seite der Wand. Und er war nicht allein.
Ein weiteres Stöhnen, länger diesmal, begleitet von einem Seufzer, der die Worte zu ziehen schien: *„Verdammt, so…“* Die Stimme war tief, moduliert, als wäre jede Silbe darauf berechnet, zu provozieren. Lúcia spürte, wie die Hitze ihr den Hals hinaufstieg, die Wangen brannten. Sie drehte sich auf die Seite, drückte das Kissen gegen das Ohr, doch der Klang durchdrang den Stoff, das Holz, den Raum zwischen ihnen. Ein Rhythmus setzte ein, gleichmäßig, feucht, und sie wusste mit peinlicher Klarheit, was dort geschah.
Sie schloss die Augen fest, als könnte das das Gehör blockieren. *Das geht dich nichts an. Das geht dich nichts an.* Doch ihr Körper gehorchte nicht. Zwischen ihren Beinen pochte es, ein Kribbeln, das sich wie heißes Quecksilber ausbreitete. Lúcia biss sich auf die Unterlippe, die Zähne gruben sich in das weiche Fleisch. Das Buch rutschte mit einem dumpfen Aufprall zu Boden. Auf der anderen Seite ein gedämpftes Lachen, weiblich, gefolgt von einem *„Pssst, jemand könnte hören.“*
*Jemand hört zu.*
Sie stand auf, die nackten Füße versanken im flauschigen Teppich. Sie ging zur Wand, zögernd, und legte die Handfläche gegen die kühle Oberfläche. Die Tapete, ein verblasster Blumenprint, schien unter ihren Fingern zu vibrieren. Ein weiteres Stöhnen, lauter, drängender, und dann ein Name – *„Camila“* – ausgesprochen mit einer Dringlichkeit, die ihren Magen zusammenzog.
Lúcia wich zurück, als hätte die Wand sie verbrannt. Sie kehrte zum Bett zurück, legte sich auf den Bauch, die Finger verkrampften sich in der Bettdecke. Doch die Fantasie hatte bereits die Oberhand gewonnen. Sie sah Daniel, die großen Hände, die die Hüften einer Frau umfassten, die Muskeln seines Rückens spannten sich bei jeder Bewegung. Sie sah den leicht geöffneten Mund, die Zähne, die sich in die Unterlippe gruben, die grünen – *grünen, definitiv grünen* – Augen, halb geschlossen vor Lust.
Der Orgasmus kam schnell, fast gewaltsam, ihr entrissen durch die Kombination aus Geräuschen, Bildern und dem Gefühl, etwas Intimes ohne Erlaubnis zu durchdringen. Lúcia vergrub das Gesicht im Kissen, erstickte ihr eigenes Stöhnen, die Nägel gruben sich in den Stoff. Als der Atem sich wieder normalisierte, breitete sich eine heiße Scham in ihrem Körper aus. *Was stimmt nicht mit mir?*
In den folgenden Tagen versuchte sie, es zu ignorieren. Sie schaltete das Radio in der Küche ein, während sie das Frühstück zubereitete, drehte den Fernseher lauter am Abend, erwog sogar, eines dieser Weißrauschgeräte zu kaufen, die ihre Schwester ihr empfohlen hatte. Doch das Gebäude hatte eine verräterische Akustik. Die Geräusche fanden Lücken – in der Pause zwischen zwei Liedern, in der Stille zwischen den Dialogen eines Films, in dem Moment, in dem sie die Dusche abstellte und das Wasser aufhörte zu fließen.
Und Daniel schien einen sechsten Sinn dafür zu haben.
Am Dienstag hörte sie ihn stöhnen, während sie einen Schulbericht las, die Brille rutschte ihr von der Nase, während sich die Worte auf der Seite vermischten. Am Donnerstag war er am Telefon, die Stimme tief und rau, sagte *„Ich weiß, dass du es magst, wenn ich es so mache…“*, und Lúcia ließ den Löffel fallen, das Metall klirrte gegen die Fliesen. Am Freitag war er mit jemand anderem zusammen – eine männliche Stimme diesmal, und die Dynamik war anders, langsamer, erkundender. *„Du bist so heiß, wenn du dich entspannst…“*, murmelte Daniel, und Lúcia spürte, wie ihr ganzer Körper erschauerte.
Am Samstag ertappte sie sich dabei, wie sie sich an die Schlafzimmerwand lehnte, die Finger Kreise auf die Tapete malten, als könnte sie seine Wärme auf der anderen Seite spüren. *Wer bist du, Daniel?* Die Frage hallte in ihrem Kopf wider, vermischt mit anderen, gefährlicheren: *Wie wäre es, dich zu berühren? Von dir berührt zu werden?*
Dann hörte sie die Tür der Nachbarwohnung aufgehen. Schritte im Flur. Ein leichtes Klopfen an ihrer Tür.
Lúcia erstarrte. Das Herz raste. *Er weiß es.* Nein, das konnte nicht sein. Es war unmöglich. Doch was, wenn…?
Die Schritte entfernten sich. Die Aufzugtür öffnete und schloss sich. Sie atmete die Luft aus, die sie unwillkürlich angehalten hatte.
Doch die Neugier, ach, die Neugier hatte bereits zu tiefe Wurzeln geschlagen, um ausgerissen zu werden.
Am nächsten Morgen vermied Lúcia die Wand. Nicht aus Angst vor dem, was sie hören würde – obwohl sie immer noch spürte, wie ihr die Röte in die Wangen stieg, nur beim Gedanken an diese männliche Stimme, an Daniels gedehnte Stöhnen –, sondern weil sie sich selbst beweisen musste, dass sie die Kontrolle hatte. Dass es sich nur um vorübergehender Zeitvertreib handelte, eine Nebenwirkung des Alleinlebens nach so langer Zeit. Sie nahm ein Buch zur Hand, schaltete das Radio auf einen Jazzsender, versuchte sogar zu meditieren. Doch die Wohnung schien kleiner, die Wände dünner, als würde die Luft selbst seinen Geruch tragen: eine Mischung aus Zitronenseife und etwas Dunklerem, Holzartigem, das sie nicht benennen konnte.
Es war am späten Nachmittag, als die Sonne sich faul über die Gebäude neigte, dass sie ihn traf.
Sie kam von der Wäscherei zurück, die Arme voller frisch gebügelter Kleidung, als sich die Tür von 302 plötzlich öffnete. Daniel trat mit einer Einkaufstüte in der einen und einem Schlüsselbund in der anderen Hand heraus, und für einen Moment blieben beide im engen Flur stehen, als hätte das Universum einen Ruck gemacht. Lúcia spürte, wie das Gewicht der Kleidung zwischen ihren Fingern entglitt, doch bevor sie reagieren konnte, trat er vor, fing den Stapel auf, bevor er zu Boden fallen konnte.
— Entschuldigung — sagte er, die Stimme leise, fast intim. — Ich habe Sie nicht gesehen.
Sie hob den Blick. Er war barfuß, trug ein schwarzes T-Shirt, das seine breiten Schultern betonte, und eine abgetragene Jeans, die perfekt auf seinen Hüften saß. Das dunkle Haar war noch feucht, Wassertropfen rannen seinen Hals hinab, und Lúcia musste sich beherrschen, um ihnen nicht mit den Augen zu folgen.
— Schon gut — brachte sie heraus und nahm die Kleidung zurück. — Ich habe auch nicht aufgepasst.
Eine Stille. Nicht unangenehm, aber geladen, als wüssten beide genau, was der andere dachte. Daniel neigte den Kopf, ein langsames Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus.
— Sie sind neu hier, nicht wahr?
— Ich bin vor zwei Wochen eingezogen.
— Und haben schon das Beste und das Schlimmste des Gebäudes entdeckt — murmelte er, die dunklen Augen auf sie gerichtet. — Die dünnen Wände.
Lúcia spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. *Er weiß es.* Die Gewissheit durchfuhr sie wie ein Schock, gefolgt von einer Welle von etwas Gefährlicherem: Erregung. Doch bevor sie antworten konnte, fuhr er fort, die Stimme sanft, fast amüsiert:
— Sie müssen sich nicht schämen. Ich höre auch Dinge von Ihrer Seite.
— Was? — entfuhr es ihr entsetzt. — Was zum Beispiel?
Daniel lachte, ein tiefer, warmer Klang, der in ihrer Brust widerhallte.
— Sie singen unter der Dusche. *Das Mädchen aus Ipanema*, in der Version von Astrud Gilberto. Und manchmal… — er machte eine Pause, die Augen funkelten — …stöhnen Sie, wenn das Wasser zu heiß ist.
Lúcia öffnete den Mund, doch kein Wort kam heraus. Er spielte mit ihr. Das musste so sein. Doch die Art, wie er sie ansah, als könnte er durch ihre dünne Bluse hindurchsehen, ließ keinen Zweifel: Er log nicht.
— Sie sind ein Mistkerl — sagte sie, doch es lag kein Ärger in ihrer Stimme.
— Und Sie sind eine Lügnerin — konterte er und trat einen Schritt näher. — Denn ich weiß, dass es Ihnen genauso gefällt, mich zu hören, wie es mir gefällt, Ihnen zuzuhören.
Die Luft zwischen ihnen wurde dicht, geladen mit etwas, das Lúcia nicht zu benennen wagte. Sie hätte ihm die Tür vor der Nase zuschlagen sollen. Hätte lachen und ihres Weges gehen sollen. Doch stattdessen fand sie sich in diesem Blick gefangen, in diesem Lächeln, das Dinge versprach, die sie nur im Geheimen erträumt hatte.
— Kaffee — sagte er plötzlich, als wäre das Wort ein Zauber. — Möchten Sie welchen?
Sie hätte nein sagen sollen. Hätte sich eine Ausrede einfallen lassen sollen, irgendetwas. Doch die Wahrheit war, dass sie bleiben wollte. Dass sie wissen wollte, wie es wäre, ihn zu berühren, die Wärme seiner Haut zu spüren, herauszufinden, ob der Geruch, den sie sich vorstellte, real war.
— Nur, wenn Sie versprechen, mich nicht mit meinen eigenen Stöhnen zu erpressen — antwortete sie und überraschte sich damit selbst.
Daniel lachte erneut, und der Klang umhüllte sie wie eine Umarmung.
— Keine Versprechungen.
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Seine Wohnung war kleiner als ihre, aber lebendiger. Bücher stapelten sich in Ecken, eine Gitarre lehnte am Sofa, schmutziges Geschirr stand in der winzigen Küchenspüle. Der Duft von frischem Kaffee mischte sich mit dem Aroma von etwas Süßem – *Zimt?*, dachte sie – und Lúcia spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog.
— Entschuldigen Sie die Unordnung — sagte er und räumte die Einkaufstüte vom Tisch. — Ich habe keinen Besuch erwartet.
— Sie müssen sich nicht entschuldigen — antwortete sie und strich mit den Fingern über den Buchrücken eines Gedichtbands von Drummond. — Ich mag Orte, die bewohnt wirken.
Daniel beobachtete sie einen Moment, als würde er etwas abwägen. Dann zog er mit einer schnellen Bewegung einen Stuhl für sie hervor.
— Setzen Sie sich. Der Kaffee ist gleich fertig.
Sie gehorchte, schlug die Beine übereinander und versuchte, das Gefühl zu ignorieren, wie der Jeansstoff zwischen ihren Schenkeln rieb. Daniel bewegte sich in der Küche mit einer Natürlichkeit, die sie faszinierte – er schaltete den Herd ein, rührte Zucker in die Tasse, schnitt ein Stück Karottenkuchen mit einem Messer, das schon bessere Tage gesehen hatte. Jede Bewegung war präzise, sparsam, und Lúcia ertappte sich dabei, sich vorzustellen, wie diese Hände an anderen Stellen wären.
— Kochen Sie? — fragte sie, nur um das Schweigen zu brechen.
— Wenn ich Zeit habe. — Er goss den Kaffee in zwei angeschlagene Tassen und stellte eine vor sie hin. — Und Sie?
— Nur das Nötigste. — Lúcia umschloss die Tasse mit den Händen und spürte, wie sich die Wärme in ihren Fingern ausbreitete. — Aber ich esse gern.
Daniel hob eine Augenbraue, ein langsames Lächeln bildete sich.
— Ist das eine Einladung?
Sie verschluckte sich fast am Kaffee. *Verdammt.* Er spielte schon wieder mit ihr, testete Grenzen. Und das Schlimmste war, dass sie nicht wusste, ob sie zurückweichen wollte.
— Kommt drauf an — sagte sie und hielt seinem Blick stand. — Nehmen Sie Einladungen von neugierigen Nachbarinnen an?
— Nur von denen, die an der Wand lehnen und meinen… Hobbys lauschen.
Die Luft zwischen ihnen knisterte. Lúcia spürte, wie ihr ganzer Körper reagierte, als wäre jede Nervenendung auf ihn eingestellt. Daniel trat näher, stützte die Ellbogen auf den Tisch und fixierte sie mit seinem Blick.
— Sei ehrlich, Lúcia. — Seine Stimme war ein raues Flüstern. — Hast du dir nie überlegt, wie es wäre?
— Wie was wäre?
— Das. — Er streckte die Hand aus, die Finger streiften leicht über ihren Handrücken. Eine minimale Berührung, fast unschuldig, doch sie ließ sie den Atem anhalten. — Ich und du. Auf der anderen Seite der Wand.
Sie hätte lachen sollen. Hätte nein sagen sollen, dass es lächerlich war. Doch die Wahrheit war, dass sie daran gedacht hatte. *Viele Male.* Seit der ersten Nacht, in der sie seine Stöhnen gehört hatte, seit dem ersten Mal, als sie sich selbst berührt hatte und sich vorstellte, er wäre es, der sie zum Zittern brachte.
— Und wenn ich ja sage? — murmelte sie und überraschte sich damit selbst.
Daniel lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln.
— Dann würde ich sagen, dass Sie eine sehr mutige Frau sind.
Er stand auf, umrundete den Tisch, bis er neben ihr stand. Lúcia spürte, wie ihr Herz so stark schlug, dass sie sicher war, er könnte es hören. Daniel beugte sich vor, die Lippen fast ihr Ohr berührend, als er sprach:
— Oder sehr unvorsichtig.
Sie schloss die Augen für einen Moment und spürte den warmen Atem auf ihrer Haut. Als sie sie wieder öffnete, stand er aufrecht und reichte ihr die Hand.
— Komm.
— Wohin?
— Zum Sofa. — Er zog sie sanft mit sich. — Es sei denn, du möchtest hier weitermachen, wo jeder uns durch die Tür sehen kann.
Lúcia ließ sich von ihm führen, die Finger mit seinen verschränkt. Das Sofa war alt, abgenutzt, aber bequem, und als Daniel sie neben sich zog, leistete sie keinen Widerstand. Sein Körper war warm, fest, und sie roch den Duft seiner Haut, vermischt mit Kaffee und Zimt.
— Du bist gefährlich — murmelte sie und zeichnete mit den Fingern Kreise auf seinen Arm.
— Und du magst das.
Es war keine Frage. Es war eine Feststellung. Und er hatte recht.
Daniel nahm ihr Kinn und hob ihr Gesicht an. Seine Augen waren dunkel, intensiv, und Lúcia spürte, wie ihr ganzer Körper sich ergab, als er sich näherte.
— Darf ich? — fragte er, die Stimme rau.
Sie antwortete nicht. Sie schloss nur die Augen und wartete.
Der Kuss war zunächst sanft – ein Streifen der Lippen, eine langsame Erkundung. Doch dann vertiefte Daniel ihn, die Zunge suchte die ihre, und Lúcia stöhnte gegen seinen Mund, die Hände fuhren hoch, um seine Haare zu packen. Er schmeckte nach Kaffee und Sünde, und sie spürte, wie ihr ganzer Körper sich entzündete, als würde jede Zelle nach mehr betteln.
Daniel zog sie auf seinen Schoß, die großen Hände umfassten ihre Taille, und Lúcia ließ sich treiben, rittlings auf ihm, ohne nachzudenken. Der Stoff seiner Jeans war rau gegen die empfindliche Haut ihrer Oberschenkel, und sie rieb sich schamlos an der harten Wölbung zwischen seinen Beinen.
— Verdammt, Lúcia — stöhnte er und drückte ihren Po. — Du bringst mich um.
— Nicht bevor ich dich zuerst umbringe — antwortete sie und biss leicht in seine Unterlippe.
Daniel lachte, ein tiefer, kehliger Laut, und küsste sie erneut, drängender. Seine Hände glitten unter ihr Shirt, die schwieligen Finger kratzten leicht über ihre Haut, und Lúcia bog den Rücken durch, bot sich an.
— Zieh es aus — bat sie mit erstickter Stimme.
Er brauchte keine zweite Aufforderung. Mit einer schnellen Bewegung zog er ihr Shirt über den Kopf und warf es auf den Boden. Seine Augen glitten über ihren Körper, verschlangen jeden Zentimeter, und Lúcia spürte, wie ihre Brust sich unter seinem Blick hob.
— Wunderschön — murmelte er und zeichnete mit den Fingern die Konturen ihres Spitzen-BHs nach. — So wunderschön.
Sie beugte sich vor, um ihn erneut zu küssen, doch Daniel hielt sie an den Schultern fest und hielt sie auf Abstand.
— Warte. — Seine Stimme war rau, die Augen dunkel vor Verlangen. — Ich will dich ansehen.
Lúcia spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, doch sie wich seinem Blick nicht aus. Stattdessen griff sie nach hinten und öffnete den BH, ließ ihn zwischen ihnen fallen. Ihre Brustwarzen waren bereits hart, empfindlich, und sie sah, wie Daniels Augen sich darauf richteten, der Atem schneller ging.
— Scheiße — flüsterte er, die rechte Hand hob sich, um eine Brust zu umfassen. Der Daumen strich über die Brustwarze, und Lúcia stöhnte auf, bog sich gegen die Berührung. — Du bist perfekt.
Sie antwortete nicht. Sie konnte nicht. Stattdessen nahm sie seine Hand und führte sie nach unten, zum Knopf ihrer Jeans.
— Bitte — bat sie mit zitternder Stimme.
Daniel zögerte nicht. Er öffnete ihre Jeans mit einer schnellen Bewegung und zog sie zusammen mit dem Slip herunter. Lúcia stand auf, um sich von den Sachen zu befreien, und setzte sich dann wieder rittlings auf ihn, völlig nackt.
Er zog sie in einen hungrigen Kuss, die Hände erkundeten jeden Zentimeter freiliegender Haut. Als seine Finger zwischen ihren Beinen ankamen, stöhnte Lúcia gegen seinen Mund, nass, bereit.
— Du bist klitschnass — murmelte er, die Finger glitten mühelos hinein. — Wegen mir.
— Ja — gab sie zu und grub die Nägel in seine Schultern. — Nur wegen dir.
Daniel stöhnte, die Finger bewegten sich in langsamen Kreisen, und Lúcia spürte, wie sich ihr ganzer Körper zusammenzog. Doch bevor sie den Höhepunkt erreichen konnte, hielt er inne und zog die Hand zurück.
— Nicht hier — sagte er mit rauer Stimme. — Nicht so.
Lúcia öffnete die Augen, verwirrt.
— Was?
Er nahm sie an der Taille, hob sie mühelos hoch und legte sie auf das Sofa. Dann kniete er sich zwischen ihre Beine, die Augen auf sie gerichtet.
— Ich will dich schmecken — sagte er, die Stimme ein sündiges Flüstern. — Ich will dich auf meiner Zunge spüren.
Lúcia hatte keine Zeit zu antworten. Daniel senkte den Kopf, der warme Mund bedeckte ihre Mitte, und sie bog den Rücken durch mit einem Schrei. Seine Zunge war unerbittlich, erkundete, leckte, saugte, und Lúcia spürte, wie sich die Lust in ihr wie eine Feder aufbaute, die kurz davor war, zu explodieren.
— Daniel — stöhnte sie und griff in seine Haare. — Bitte, hör nicht auf.
Er hörte nicht auf. Er steigerte das Tempo, die Finger gesellten sich zum Mund, und Lúcia spürte, wie sich der Orgasmus wie eine Welle näherte. Als er kam, war er intensiv, überwältigend, und sie schrie seinen Namen, ihr ganzer Körper zitterte.
Daniel stand auf, die Lippen glänzten, und Lúcia zog ihn zu einem Kuss heran, schmeckte sich selbst in seinem Mund. Er küsste sie hungrig, die Hände glitten zum Reißverschluss seiner Jeans.
— Jetzt — bat sie mit rauer Stimme. — Ich will dich in mir spüren.
Daniel brauchte keine zweite Aufforderung. Mit einer schnellen Bewegung zog er die Hose und die Unterwäsche aus und befreite seinen harten, dicken Schwanz. Lúcia umschloss ihn mit der Hand, spürte die seidige Textur, das pulsierende Verlangen.
— Kondom — murmelte er, doch sie zog ihn zurück und küsste ihn drängend.
— Ich nehme die Pille — sagte sie zwischen Küssen. — Und ich bin sauber.
Daniel zögerte einen Moment, die dunklen Augen auf sie gerichtet.
— Ich auch.
Und dann, ohne weitere Worte, drang er in sie ein.
Lúcia stöhnte, ihr Körper passte sich seiner Größe an, und Daniel stieß einen rauen Seufzer aus, die Hände umklammerten ihre Hüften mit festem Griff.
— Verdammt, Lúcia — stöhnte er und begann sich zu bewegen. — Du bist so eng.
Sie antwortete nicht. Sie konnte nicht. Stattdessen schlang sie die Beine um seine Taille und zog ihn tiefer, schneller. Das Geräusch ihrer aufeinandertreffenden Körper hallte durch die Wohnung, vermischt mit Stöhnen und Flüstern, und Lúcia spürte, wie die Lust erneut wuchs, intensiver, drängender.
Der Wind heulte gegen die Fenster der alten Wohnung, rüttelte an den Scheiben, als wollte er sie aus den Rahmen reißen. Lúcia saß auf dem Sofa, ein Buch lag offen auf ihrem Schoß, doch die Worte tanzten vor ihren Augen, ohne Sinn. Der Sturm draußen war ein Spiegel der Unruhe in ihr – die Donnerschläge hallten wie ihr rasendes Herz wider, und jeder Blitz erhellte für einen Moment den Raum und enthüllte Schatten, die verbotene Geheimnisse zu flüstern schienen.
Dann flackerten die Lichter. Einmal, zweimal. Und plötzlich war es dunkel.
Die darauf folgende Stille war abrupt, als hätte die Welt den Atem angehalten. Lúcia blieb regungslos sitzen, die Finger krallten sich noch immer in den Rand des Buches. Der Geruch von Regen drang herein, vermischt mit dem Duft von altem Holz und dem leichten Lavendelparfüm, das sie trug. Für einen Moment dachte sie daran, eine Kerze anzuzünden, doch die Vorstellung aufzustehen, sich zu bewegen, schien zu viel. Dann hörte sie es.
Ein sanftes *Klopf-Klopf* an der Tür.
Es war nicht der Wind. Nicht das Knarren des Holzes. Es war real.
Sie stand langsam auf, die nackten Füße versanken im abgetretenen Teppich. Die Dunkelheit war dicht, doch ihre Augen begannen sich bereits anzupassen, erkannten die Umrisse der Tür, den kalten Metallknauf. Ein weiteres Klopfen, diesmal drängender.
— Lúcia?
Daniels Stimme drang durch das dünne Holz, tief und rau, als würde auch er etwas in sich zurückhalten. Sie zögerte, die Finger schwebten über dem Schloss. Es war keine Angst. Es war etwas Gefährlicheres – eine Vorahnung, die ihre Haut kribbeln ließ.
Sie öffnete die Tür.
Er stand da, durchnässt vom Regen, das dunkle Haar klebte an der Stirn, das weiße Hemd an den Körper geschmiegt und zeichnete die Muskeln nach, die sie sich schon so oft vorgestellt hatte. In den Händen hielt er eine Flasche Rotwein, das Etikett von der Feuchtigkeit verschmiert. Seine Augen trafen die ihren, und für einen Moment sagte keiner von beiden etwas. Sie starrten sich nur an, als würden sie sich zum ersten Mal sehen.
— Ich dachte, du könntest Gesellschaft brauchen — sagte er schließlich, die Stimme voller etwas, das nicht nur Höflichkeit war. — Und Licht.
Lúcia trat zur Seite und ließ ihn eintreten. Die Wohnung schien mit seiner Anwesenheit zu schrumpfen, als wäre der Raum zwischen ihnen etwas Lebendiges, Pulsierendes.
— Du hast Wein mitgebracht — bemerkte sie und versuchte, lässig zu klingen, doch ihre Stimme klang tiefer, intimer als beabsichtigt.
— Das ist das Mindeste, was ich tun kann — antwortete Daniel und hob die Flasche. — Immerhin bin ich ein hilfsbereiter Nachbar.
Sie lachte, ein leises Geräusch, das im Donnergrollen unterging. Er beobachtete sie einen Moment, als würde er jedes Detail in sich aufnehmen – wie ihr Haar über die Schultern fiel, die Kurve ihres Halses, die Art, wie sich ihre Lippen leicht öffneten, wenn sie atmete.
— Du zitterst — murmelte er.
— Nicht vor Kälte.
Die Worte entschlüpften ihr, bevor sie sie zurückhalten konnte. Daniel lächelte, ein langsames, gefährliches Lächeln, und trat einen Schritt näher. Sein Geruch umhüllte sie – Regen, Seife, etwas Tieferes, Männlicheres. Lúcia spürte, wie ihr die Luft in den Lungen stockte.
— Ich auch nicht — gab er zu.
Sie nahm ihm die Flasche aus der Hand, ihre Finger streiften seine. Eine kurze Berührung, doch genug, um einen elektrischen Strom durch ihren Körper zu jagen. Sie ging in die Küche, holte zwei Gläser, und als sie sich umdrehte, stand er direkt hinter ihr, so nah, dass sie die Wärme seines Körpers spüren konnte.
— Erscheinst du immer an meiner Tür bei Gewittern? — fragte sie und versuchte, die Spannung zu lösen, doch ihre Stimme zitterte.
— Nur, wenn ich weiß, dass du allein bist — antwortete er, die Augen auf sie gerichtet, während sie den Wein einschenkte.
Lúcia reichte ihm ein Glas, und als sich ihre Finger erneut berührten, wich keiner von beiden zurück. Daniel führte das Glas an die Lippen, trank aber nicht. Stattdessen beugte er sich vor, die Lippen streiften ihr Ohr.
— Ich höre dich, weißt du?
Sie schluckte schwer.
— Was?
— Nachts — murmelte er, die Stimme ein raues Flüstern. — Wenn du dich berührst. Ich höre dich.
Lúcia spürte, wie ihr das Blut in die Wangen schoss, doch es war keine Scham. Es war etwas Primitiveres, Dringenderes. Sie hätte es leugnen, Empörung vortäuschen sollen, doch die Wahrheit war, dass sie *wollte*, dass er es hörte. Dass er es wusste.
— Und du? — fragte sie, die Stimme fast ein Stöhnen. — Was machst du, wenn du mich hörst?
Daniel antwortete nicht mit Worten. Stattdessen nahm er ihr das Glas aus der Hand und stellte es zusammen mit seinem auf die Arbeitsplatte. Dann zog er sie mit einer langsamen, bedachten Bewegung an sich, die Hände glitten über ihre Taille und drückten sie fest.
— Das — sagte er, der Mund nur Zentimeter von ihrem entfernt. — Genau das.
Und dann küsste er sie.
Es war kein sanfter Kuss. Er war hungrig, verzweifelt, als hätten beide seit Wochen auf diesen Moment gewartet – denn das hatten sie. Lúcia stöhnte gegen seinen Mund, die Hände fuhren in sein nasses Haar und zogen ihn näher. Daniel drängte sie gegen die Wand, sein Körper presste sich gegen ihren, und sie spürte jeden Zentimeter von ihm, hart, heiß, *bereit*.
— Ich fantasiere über dich — gestand er zwischen Küssen, der Mund glitt über ihren Hals, die Zähne streiften die empfindliche Haut. — Über deine Stöhnen. Über die Art, wie du dir auf die Lippe beißt, wenn du erregt bist.
Lúcia bog den Rücken durch, die Nägel gruben sich in seine Schultern.
— Ich auch — gab sie zu, die Stimme gebrochen. — Über dich, wie du mich beobachtest. Wie du mich berührst.
Daniel stieß ein kehliges Stöhnen aus, die Hände glitten unter ihr Shirt, die Finger fanden die bereits harten Brustwarzen. Er drückte sie, entlockte Lúcia einen scharfen Seufzer, die sich fester an ihn klammerte.
— Verdammt, Lúcia — murmelte er und kehrte mit dem Mund zu ihrem zurück. — Ich will dich jetzt hören.
Sie brauchte keine weitere Aufforderung. Mit einer schnellen Bewegung zog sie ihr Shirt über den Kopf und ließ es zu Boden fallen. Daniel betrachtete sie, die Augen dunkel vor Verlangen, bevor er vor ihr auf die Knie ging. Seine Hände glitten über ihre Taille, die Hüften, und dann zog er ihr den Slip langsam aus, als würde er ein Geschenk auspacken.
Lúcia hielt den Atem an, als er sie dort küsste, die Zunge heiß und feucht, die sie mit einer Intimität erkundete, die sie erschauern ließ. Sie stützte die Hände an der Wand hinter sich ab, die Beine wurden weich, während Daniel sie verschlang, jede Bewegung darauf berechnet, sie an den Rand zu bringen.
— Daniel… — stöhnte sie, sein Name eine Bitte.
Er hörte nicht auf. Nicht, bis sie keuchend war, die Finger in sein Haar verkrallt, der ganze Körper zitterte vor dem nahenden Orgasmus.
Dann stand er auf, die Lippen glänzten, die Augen brannten.
— Ich will dich in meinem Bett — sagte er mit rauer Stimme. — Jetzt.
Lúcia antwortete nicht. Sie nahm nur seine Hand und zog ihn ins Schlafzimmer, wo der Sturm draußen im Vergleich zu dem Feuer, das zwischen ihnen loderte, fern und unbedeutend wirkte.
Die Schlafzimmertür schloss sich hinter ihnen mit einem leisen Klicken, doch der Klang hallte in Lúcias Körper wider wie ein Donnerschlag. Daniels Zimmer war kleiner als ihres, enger, mit einem Doppelbett, das an der Wand stand, die sie von der Nachbarwohnung trennte – dieselbe Wand, die wochenlang stummer Zeuge ihrer Sehnsüchte gewesen war. Jetzt sollte sie die Bühne für etwas viel Intensiveres sein.
Daniel zog sie an sich, bevor sie einen weiteren Schritt machen konnte. Seine großen, warmen Hände umfassten ihre Taille, und sie spürte die Hitze seiner Haut selbst durch den dünnen Stoff seines Hemdes. Er sagte nichts. Musste er auch nicht. Seine dunklen Augen, fast schwarz im schwachen Licht der Nachttischlampe, sprachen für sich: ein Versprechen von Lust, Hingabe, etwas, das weit über das hinausging, was sie sich je vorgestellt hatten.
Lúcia hob die Arme und schlang die Finger in sein Haar, zog ihn zu einem Kuss heran. Daniels Mund war fordernd, die Zunge glitt gegen ihre mit einer Dringlichkeit, die sie leise stöhnen ließ. Sie spürte den Geschmack des Weins, den sie geteilt hatten, vermischt mit seinem einzigartigen Geschmack – etwas Salziges, Männliches, Süchtigmachendes. Seine Hände glitten zu ihrem Po, drückten sie an sich, und sie spürte die Erektion, die sich gegen ihren Bauch presste, hart, unnachgiebig.
— Du hast keine Ahnung, wie sehr ich das wollte — murmelte er gegen ihre Lippen, die Stimme rau. — Wie sehr ich dich durch diese Wand gehört und mir vorgestellt habe, wie es wäre, dich so zu berühren.
Lúcia erschauderte. Zu wissen, dass auch er sie begehrte, dass er sie sich genauso vorstellte wie sie ihn, war ein mächtiges Aphrodisiakum. Sie biss ihm leicht in die Unterlippe und spürte, wie er stöhnte, der ganze Körper sich anspannte.
— Ich auch — gestand sie, die Worte ein atemloses Flüstern. — Jedes Mal, wenn du gestöhnt hast, habe ich mich berührt und an dich gedacht.
Daniel stieß ein kehliges Geräusch aus, irgendwo zwischen Knurren und Seufzen, und drückte sie gegen die Wand. Nicht die dünne Wand – noch nicht. Aber die andere, die das Schlafzimmer vom Flur trennte, fest und kalt an ihrem Rücken. Er hielt ihre Handgelenke fest und drückte sie über ihrem Kopf, sein Körper presste sich von oben bis unten gegen ihren.
— Du hast dich berührt? — fragte er, die Stimme ein raues Flüstern. — Erzähl mir wie.
Lúcia bog den Körper gegen seinen, spürte, wie sich die Erektion zwischen ihren Beinen rieb. Der Stoff seiner Hose war eine grausame Barriere, doch die Reibung war köstlich.
— Ich habe mir vorgestellt, dass du es bist — sagte sie und hielt seinen Blick. — Dass es deine Hände sind, deine Finger… dein Mund.
Daniel ließ eines ihrer Handgelenke los und glitt mit der freien Hand über ihren Körper, bis er den Knopf ihrer Jeans erreichte. Mit einer schnellen Bewegung öffnete er sie, und seine Finger tauchten hinein, fanden sie feucht und bereit.
— So? — fragte er, der Daumen kreiste um ihre Klitoris, während zwei Finger langsam in sie eindrangen.
Lúcia stöhnte, zu laut, und biss sich auf die Lippe, um den Klang zu unterdrücken. Doch Daniel schüttelte den Kopf.
— Nein — befahl er. — Unterdrück dich nicht. Ich will dich hören.
Sie konnte nicht widerstehen. Als er begann, die Finger zu bewegen, in einem langsamen, quälenden Rhythmus hinein und hinaus, ließ sie ein langes Stöhnen hören, fast ein Schluchzen. Die Wand hinter ihr schien mit dem Klang zu vibrieren, als würde sie antworten.
— Genau so — murmelte er und streifte mit dem Mund ihr Ohrläppchen. — Lass mich dich hören.
Lúcia spürte, wie sich der Orgasmus näherte, eine heiße, pulsierende Welle, doch bevor sie den Höhepunkt erreichen konnte, zog Daniel die Finger zurück. Sie öffnete die Augen, verwirrt, und sah, wie er die Hand zum Mund führte und die Finger langsam ableckte.
— Du schmeckst nach Sünde — sagte er mit rauer Stimme. — Und ich will mehr.
Bevor sie antworten konnte, hob er sie hoch, die Beine schlangen sich um seine Taille. Das Bett war nur wenige Schritte entfernt, doch er ging nicht dorthin. Stattdessen drückte er sie gegen die dünne Wand, die so lange eine Grenze zwischen ihnen gewesen war.
— Daniel… — protestierte sie atemlos. — Jemand könnte uns hören.
Er lachte, tief und boshaft, und biss ihr in den Hals.
— Ich weiß — flüsterte er. — Das macht es ja so viel besser.
Und dann küsste er sie erneut, hart, während eine Hand unter ihr Shirt glitt und ihren BH fand. Seine Finger waren geschickt, öffneten ihn mit Leichtigkeit, und bald waren ihre Brüste frei, die Brustwarzen hart unter der rauen Berührung seiner Handfläche.
Lúcia bog den Rücken durch und bot sich an, und Daniel zögerte nicht. Er senkte den Kopf und nahm eine Brustwarze in den Mund, saugte fest, während die freie Hand den Reißverschluss seiner Hose öffnete. Sie spürte, wie seine Erektion gegen ihre Hand pulsierte, als sie ihn berührte, heiß und seidig, und ein Stöhnen entwich seinen Lippen.
— Verdammt, Lúcia…
Sie streichelte ihn langsam, erkundete jeden Zentimeter, spürte, wie er unter ihrer Berührung zitterte. Doch Daniel ließ sie nicht lange die Kontrolle behalten. Mit einer schnellen Bewegung drehte er sie um, drückte sie gegen die Wand, ihre Hände stützten sich an der kalten Oberfläche ab, während er ihre Jeans und den Slip herunterzog und sie von der Taille abwärts entblößte.
— Schau dich an — murmelte er, die Stimme voller Bewunderung. — So schön, ganz mein.
Lúcia spürte, wie seine Hände über ihren Rücken glitten, der Kurve ihrer Wirbelsäule folgten, bis sie ihren Po erreichten. Er drückte zu, spreizte sie leicht, und sie spürte die kühle Luft auf der feuchten Haut. Ein Schauer durchlief ihren Körper.
— Daniel, bitte…
Er ließ sie nicht warten. Mit einer fließenden Bewegung drang er von hinten in sie ein und füllte sie auf einmal aus. Lúcia schrie auf, der Klang erstickte sich in ihrem Arm, während er sie festhielt, die Hüften in einem langsamen, tiefen Rhythmus bewegte.
— Genau so — flüsterte er, der Mund nahe an ihrem Ohr. — Stöhn für mich. Lass sie hören.
Und sie stöhnte. Sie konnte sich nicht zurückhalten. Jeder Stoß war eine Welle der Lust, immer intensiver, immer drängender. Die Wand hinter ihr schien mit dem Aufprall ihrer Körper zu vibrieren, als wäre sie lebendig, als würde sie teilnehmen. Lúcia drehte den Kopf, suchte Daniels Mund, und er küsste sie hungrig, die Zunge drang in ihren Mund ein, während die Hüften sich weiter bewegten, immer schneller.
— Ich komme — warnte sie mit gebrochener Stimme.
— Komm — befahl er mit rauer Stimme. — Komm für mich.
Und sie gehorchte. Der Orgasmus traf sie wie ein Sturm, ein Blitz der Lust, der sie von Kopf bis Fuß erzittern ließ. Daniel hörte nicht auf. Er bewegte sich weiter in ihr, verlängerte das Gefühl, bis sie spürte, wie auch er den Höhepunkt erreichte, der Körper sich anspannte, die Finger sich in ihre Hüften gruben, während er ihren Namen wie ein Gebet flüsterte.
Für einen Moment gab es nichts außer dem Geräusch ihrer keuchenden Atemzüge und dem starken Herzschlag in ihrer beider Brust. Lúcia lehnte die Stirn gegen die Wand, spürte den Schweiß über ihren Rücken laufen, der Körper zitterte noch von den letzten Zuckungen der Lust.
Daniel zog sie zurück, umarmte sie und drehte sie zu sich um. Seine Augen waren dunkel, intensiv, als wäre auch er überrascht von der Intensität dessen, was gerade passiert war.
— Das war… — begann er, beendete den Satz aber nicht.
— Ich weiß — antwortete sie, denn sie wusste es. Es gab keine Worte, um zu beschreiben, was sie gerade geteilt hatten.
Er küsste sie erneut, diesmal sanft, die Lippen weich auf ihren. Doch selbst in diesem Kuss lag ein Versprechen – dass dies nicht das Ende war. Dass es mehr gab.
Und als er sie zum Bett trug und sie behutsam zwischen die zerwühlten Laken legte, wusste Lúcia, dass die dünne Wand keine Barriere mehr sein würde.
Sie würde eine Einladung sein.
Das Morgenlicht drang wie ein Eindringling in Lúcias Schlafzimmer ein, sickerte durch die dünnen Vorhänge und zeichnete goldene Streifen auf die zerknüllten Laken. Sie erwachte mit dem Gewicht von Daniels Arm auf ihrer Taille, seinem warmen Atem im Nacken, dem Geruch von Sex und Schweiß, der noch auf ihrer Haut haftete. Für einen Moment ließ sie sich in das Gefühl von Geborgenheit sinken, in die Wärme seines Körpers, der sich an ihren schmiegte. Doch dann, wie ein Schlag in die Magengrube, kam die Realität.
*Und wenn uns jemand gehört hat?*
Die Frage hallte in ihrem Kopf wider, während sich ihre Finger um das Laken krallten und es bis zum Kinn hochzogen, als könnte sie sich vor der Welt verstecken. Neben ihr bewegte sich Daniel, die dunklen Wimpern flatterten, bevor sie sich öffneten. Seine Augen, noch schlaftrunken, trafen die ihren, und für einen Augenblick existierte nichts außer dem trägen Lächeln, das sich auf seinen Lippen ausbreitete.
— Guten Morgen — murmelte er, die Stimme rau vom Schlaf und von allem, was sie in der Nacht zuvor getan hatten.
Lúcia antwortete nicht sofort. Stattdessen drehte sie sich auf die Seite und musterte ihn mit einer Intensität, die sein Lächeln ins Wanken brachte. Ihre Finger glitten über seine Brust, zeichneten träge Kreise auf die Haut, die noch von ihren Nägeln gezeichnet war.
— Glaubst du, jemand hat uns gehört? — fragte sie schließlich, die Stimme leise, fast ein Flüstern.
Daniel runzelte die Stirn, als hätte die Frage ihn aus einem Traum gerissen. Dann entwich ihm ein kurzes Lachen, und er rückte näher, strich mit der Nasenspitze über ihre.
— Wahrscheinlich — gab er zu, ohne eine Spur von Scham. — Aber es ist mir egal.
Sie stieß ihn leicht an der Schulter, gerade genug, dass er zurückwich.
— *Mir* ist es nicht egal — sagte sie und setzte sich im Bett auf, zog das Laken über die Brüste. — Ich bin Lehrerin, Daniel. Ich kann nicht… ich kann nicht *diese* Nachbarin sein.
Er stützte sich auf die Ellbogen, beobachtete sie mit einem Ausdruck, der zwischen Belustigung und Frustration schwankte.
— *Diese* Nachbarin? — wiederholte er und zog eine Augenbraue hoch. — Die, die Lärm macht, oder die, die mit dem Typen aus 302 schläft?
Lúcia warf ihm einen vernichtenden Blick zu, doch sie konnte nicht verhindern, dass ihr das Blut in den Hals schoss. Er lachte erneut, diesmal lauter, und bevor sie protestieren konnte, zog er sie zurück ins Bett und hielt sie unter dem Gewicht seines Körpers gefangen.
— Entspann dich — murmelte er und küsste sie in den Mundwinkel. — Niemand wird es erfahren. Es sei denn, *du* erzählst es.
Sie seufzte und gab sich der Berührung hin, doch nicht der Gelassenheit. Ihre Finger verkrampften sich in seinen Haaren und zogen ihn näher, als könnte sie diesen Moment für sich allein bewahren.
— Wir brauchen Regeln — sagte sie zwischen Küssen. — Wenn wir damit weitermachen…
— *Wenn*? — unterbrach Daniel sie und hob den Kopf, um sie anzusehen. — Glaubst du wirklich, dass du nach letzter Nacht von mir wegbleiben kannst?
Lúcia biss sich auf die Lippe und spürte, wie sich zwischen ihren Beinen allein bei der Erinnerung Hitze ausbreitete. Er hatte recht. Sie war bereits süchtig nach seinem Geschmack, danach, wie seine Hände sie zeichneten, wie sich ihre Stöhnen vermischten, bis sie nicht mehr wusste, wo das eine aufhörte und das andere begann.
— Nein — gab sie schließlich zu. — Aber wir müssen vorsichtig sein.
Daniel nickte ernst und rollte sich zur Seite, sodass sie atmen konnte. Lúcia setzte sich auf, zog die Knie an die Brust, während er sich gegen das Kopfende lehnte und sie beobachtete.
— Erste Regel: Keine Treffen im Flur — begann sie. — Wenn wir zusammen gesehen werden, muss es beiläufig wirken. Ein *Hallo*, ein *Guten Morgen*, nichts weiter.
— Einverstanden — sagte er und streckte die Hand aus, um mit einer Strähne ihres Haares zu spielen. — Zweite Regel?
— Keine kompromittierenden Nachrichten. Wenn wir uns schreiben müssen, benutzen wir Codes. Zum Beispiel… *Ich brauche Zucker* bedeutet, dass du zu mir kommst.
Daniel lachte, nickte aber.
— Und wenn ich *Mehl* brauche? — fragte er, die Augen funkelten vor Bosheit.
Lúcia spürte, wie ihr Körper reagierte, bevor sie die Frage überhaupt verarbeitet hatte. Er bemerkte es natürlich, und sein Lächeln wurde breiter.
— Mehl bedeutet, dass ich dich in meiner Wohnung will — erklärte er mit tiefer, gefährlicher Stimme. — Und, Lúcia… — seine Finger glitten über ihren Oberschenkel, langsam nach oben — ich werde immer Mehl wollen.
Sie schluckte schwer und versuchte, das Kribbeln in ihrem Rücken zu ignorieren.
— Dritte Regel — sagte sie und zwang sich, mit fester Stimme zu sprechen. — Kein übermäßiger Lärm.
Daniel zog eine Augenbraue hoch.
— Übermäßig? — wiederholte er, als wäre das Wort absurd. — Schatz, die Wand ist dünn. Wenn wir das noch einmal tun, wird uns *jemand* hören.
— Dann machen wir es leise — konterte sie, doch ihre Stimme versagte, als seine Finger den empfindlichen Punkt zwischen ihren Beinen fanden.
— Leise? — murmelte er und beugte sich vor, um ihre Schulter zu küssen. — Glaubst du wirklich, dass du still sein kannst, wenn ich in dir bin?
Lúcia schloss die Augen und spürte, wie ihr Körper sie verriet. Er hatte recht. Seit dem ersten Mal, als sie seine Stöhnen durch die Wand gehört hatte, wusste sie, dass es kein Entkommen gab. Und jetzt, nachdem sie ihn gekostet hatte, wusste sie, dass sie es auch nicht wollte.
— Dann… — begann sie, doch die Worte erstarben, als er sie auf seinen Schoß zog, ihre Beine öffneten sich automatisch um seine Taille. — Dann finden wir andere Orte.
Daniel lächelte langsam, räuberisch.
— Andere Orte? — wiederholte er und ließ die Hände über ihren Rücken gleiten, zog sie näher an sich. — Zum Beispiel?
Lúcia biss sich auf die Lippe und spürte die Hitze seines Körpers an ihrem, die Erektion, die sich genau dort presste, wo sie sie am meisten wollte.
— Zum Beispiel… die Wäscherei — flüsterte sie. — Oder der Aufzug. Oder… — sie zögerte, doch die Kühnheit siegte. — Oder gegen die Tür deiner Wohnung, während du so tust, als würdest du mir mit einer schweren Kiste helfen.
Daniels Augen verdunkelten sich, und er küsste sie hart, die Hände umklammerten ihre Taille mit Besitzanspruch.
— Verdammt, Lúcia — stöhnte er gegen ihren Mund. — Du bringst mich um.
Sie lachte leise, zufrieden, und schob ihn zurück, setzte sich rittlings auf ihn.
— Noch nicht — murmelte sie und beugte sich vor, um seinen Hals zu küssen. — Aber ich habe vor, es weiter zu versuchen.
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Die folgenden Tage waren ein gefährlicher Tanz. Lúcia ertappte sich dabei, wie sie auf die Uhr sah und die Minuten zählte, bis sie eine harmlose Nachricht schicken konnte, in der sie um „Zucker“ oder „Mehl“ bat. Daniel wiederum erschien an ihrer Tür mit fadenscheinigen Ausreden – ein geliehenes Buch, eine kaputte Glühbirne, eine Flasche Wein „die von der Party eines Freundes übrig geblieben war“.
Sie trafen sich im Dunkeln des Aufzugs, die Hände berührten sich auf eine Weise, die zu beiläufig war, um unschuldig zu sein, die Körper streiften sich, während sie vorgaben, es nicht zu bemerken. Einmal traf sie ihn in der Wäscherei, und innerhalb von fünf Minuten waren sie im Dienstbadezimmer eingeschlossen, die Kleidung auf dem Boden verstreut, die Stöhnen gegen die kalte Wand gedämpft.
Doch je mehr sie sich hingaben, desto schwieriger wurde es, die Kontrolle zu behalten.
Eines Abends, nach einem schnellen Abendessen in seiner Wohnung, stand Lúcia auf, um zu gehen, doch Daniel zog sie zurück auf das Sofa und hielt sie zwischen seinen Armen gefangen.
— Bleib — bat er, die Lippen streiften ihr Ohr. — Nur noch ein bisschen.
Sie hätte nein sagen sollen. Hätte sich an die Regeln erinnern sollen, an die Gefahr, gesehen zu werden. Doch als er sie küsste, als seine Hände unter ihr Shirt glitten und die bereits harten Brustwarzen fanden, löste sich jede Vernunft in Luft auf.
— Nur noch ein bisschen — stimmte sie zu und zog ihn auf sich.
Sie liebten sich dort, auf dem Sofa, die Körper bewegten sich im Einklang, die Atemzüge vermischten sich mit dem Geräusch des Regens, der draußen zu fallen begann. Als sie fertig waren, kuschelte sich Lúcia an seine Brust und lauschte dem starken Herzschlag unter ihrem Ohr.
— Du musst gehen — murmelte er, ließ sie aber nicht los.
— Ich weiß — antwortete sie, bewegte sich aber auch nicht.
Sie blieben so, schweigend, bis das Geräusch von Schritten im Flur sie erstarren ließ. Jemand blieb vor Daniels Wohnungstür stehen, und für einen Moment war Lúcia sicher, dass sie entdeckt worden waren.
Doch dann drehte sich ein Schlüssel im Schloss, und eine weibliche Stimme rief:
— Dani? Bist du da?
Lúcia zuckte zusammen, die Augen weit aufgerissen, trafen Daniels Blick. Er fluchte leise und stand auf, zog sich hastig die Hose an.
— Das ist meine Schwester — flüsterte er und warf Lúcia ihr Shirt zu. — Versteck dich im Schlafzimmer. Ich schicke sie weg.
Lúcia gehorchte, rannte ins Schlafzimmer und schloss die Tür hinter sich. Von draußen hörte sie Daniels Stimme, entspannt, als wäre nichts passiert.
— Hi, Manu. Was machst du hier?
— Ich wollte dir die Autoschlüssel bringen, die du bei mir vergessen hast — antwortete die Schwester. — Und außerdem wollte ich wissen, ob du schon gegessen hast, weil…
Ihre Stimme wurde leiser, und Lúcia hielt den Atem an, stellte sich vor, was auf der anderen Seite der Tür passierte. Dann hörte sie Daniels Schwester lachen.
— Ach, *verdammt*, Dani. Du hast jemanden hier, oder?
Lúcia schloss die Augen, das Herz schlug so laut, dass sie sicher war, sie könnten es hören. Doch dann antwortete Daniel mit ruhiger Stimme:
— Das geht dich nichts an.
Die Schwester lachte erneut, und Lúcia hörte Schritte, die sich entfernten.
— Schon gut, schon gut. Aber erzähl mir später davon. Und vergiss nicht, die Tür abzuschließen, wenn sie geht.
Lúcia wartete, bis sie die Haustür ins Schloss fallen hörte, bevor sie aus dem Schlafzimmer kam. Daniel lehnte an der Wand, die Arme verschränkt, ein undefinierbarer Ausdruck im Gesicht.
— Tut mir leid — sagte er schließlich. — Ich wusste nicht, dass sie kommt.
Lúcia zog ihr Shirt an und spürte, wie die Schwere der Situation auf sie niedersank.
— Sie hat Verdacht geschöpft — murmelte sie.
— Sie verdächtigt immer alles — antwortete er und zog sie in eine Umarmung. — Aber sie wird es niemandem erzählen.
Lúcia antwortete nicht. Stattdessen wich sie zurück und nahm ihre Tasche.
— Ich muss gehen — sagte sie und vermied es, ihm in die Augen zu sehen.
Daniel versuchte nicht, sie aufzuhalten. Er nickte nur ernst.
— Lúcia… — begann er, doch sie war bereits an der Tür.
— Wir reden später — sagte sie und ging, bevor er antworten konnte.
Im Flur atmete sie tief durch und versuchte, ihr rasendes Herz zu beruhigen. Doch als sie in ihrer Wohnung ankam, war eines klar: Die Regeln funktionierten nicht.
Und das Schlimmste daran?
Sie wollte nicht, dass sie funktionierten.
Der Regen prasselte gegen das Fenster von Daniels Wohnung wie Finger, die ungeduldig trommelten, ein Rhythmus, der sich seit Wochen mit dem ihrer Körper zwischen den Laken vermischte. Lúcia lag auf der Seite, die Kurve von Daniels Hüfte passte sich der Vertiefung ihres Körpers an, seine Hand lag auf ihrem Bauch, die Finger zeichneten träge Kreise. Der Geruch von Sex hing noch in der Luft, vermischt mit dem erdigen Aroma des Kaffees, der auf dem Nachttisch kalt wurde.
— Du bist so still — murmelte er, die Stimme rau an ihrem Nacken.
Lúcia schloss die Augen und spürte seinen warmen Atem auf der Haut. Es war kein Schweigen, es war Gewicht. Die Art von Stille, die einer Entscheidung vorausgeht, wie die Pause vor einem Sprung.
— Ich habe nachgedacht — sagte sie schließlich und drehte sich langsam zu ihm um.
Daniels Augen waren dunkel, fast schwarz im schwachen Licht der Nachttischlampe, doch in ihnen lag eine Klarheit, die sie noch nie zuvor gesehen hatte. Es war nicht mehr das Funkeln der Neugier, noch das Feuer des verbotenen Verlangens. Es war etwas Tieferes, Gefährlicheres.
— Worüber?
— Darüber, wie wir so tun, als würden wir die Blicke im Flur nicht bemerken. Wie du die Badezimmertür abschließt, wenn deine Schwester zu Besuch kommt. Wie ich meine Mutter anlüge, wenn sie fragt, ob ich mit jemandem ausgehe.
Daniel wich nicht aus. Er hob nur die Hand und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die Finger verweilten an ihrem Kiefer.
— Und was willst du damit machen?
Lúcia biss sich auf die Unterlippe. Die Worte lagen ihr auf der Zunge, doch sie ließ sie trotzdem heraus, denn es gab keinen Platz mehr für Zweifel.
— Ich will aufhören, so zu tun.
Ein langsames Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, doch es war nicht erleichtert. Es war ein Erkennen. Als hätte er im Grunde schon gewusst, dass dieser Moment kommen würde.
— Bist du dir sicher?
— Nein — gab sie zu und lachte leise. — Aber ich bin es leid, mir in meinem Leben über alles sicher zu sein und mich trotzdem so… unvollständig zu fühlen.
Daniel zog sie näher, die Lippen streiften die ihren in einem sanften, fast keuschen Kuss, der doch das Versprechen von allem enthielt, was danach kommen würde.
— Unvollständig — wiederholte er, die Stimme ein Flüstern. — Ich kenne dieses Gefühl.
Und dann zog er sie an sich, und der Kuss vertiefte sich, nicht mehr drängend wie in den ersten Begegnungen, sondern langsam, bedacht, als hätten sie alle Zeit der Welt. Seine Hände glitten über ihren Rücken, zogen sie näher, und Lúcia spürte die Wärme seines Körpers an ihrem, fest, real.
Als sie sich voneinander lösten, hielt Daniel ihr Gesicht zwischen den Händen.
— Wenn wir das tun, gibt es kein Zurück.
— Ich will nicht zurück.
Er musterte ihr Gesicht lange, als würde er nach einem Zögern suchen. Doch Lúcia zögerte nicht. Stattdessen streckte sie die Hand aus und berührte seine Brust, spürte den starken Herzschlag unter ihrer Handfläche.
— Dann machen wir es richtig — sagte er schließlich.
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Das Frühstück wurde auf dem Balkon serviert, zwischen Lachen und dem Klirren von Tassen. Die Morgensonne fiel durch die Bäume im Hinterhof und malte goldene Streifen auf den Holztisch. Lúcia trug eines von Daniels Hemden, die Knöpfe nur halb geschlossen, der weite Stoff rutschte von einer Schulter. Er, in Jogginghose und ohne Shirt, beobachtete sie, während sie Butter auf eine Scheibe Brot strich, die Finger flink, die Lippen leicht geöffnet in Konzentration.
— Du schaust mich an — sagte sie, ohne aufzublicken.
— Ja.
— Warum?
— Weil ich jetzt darf.
Lúcia lächelte und biss in das Brot, wobei sie einen Buttertropfen auf der Unterlippe hinterließ. Daniel widerstand nicht. Er beugte sich über den Tisch und leckte den Rest ab, die Zunge warm und langsam, bevor er ihren Mund in einem salzigen Kuss einfing.
— Köstlich — murmelte er gegen ihre Lippen.
— Du bist ein Klischee — lachte sie und schob ihn leicht weg, ohne sich jedoch zu entfernen.
— Und du liebst es.
Sie liebte es. Sie liebte die Art, wie er sie ansah, als wäre sie das Einzige auf der Welt, das es wert war, gesehen zu werden. Sie liebte die Weise, wie seine Hände die ihren fanden, als wäre es das Natürlichste der Welt. Sie liebte sogar die Art, wie er ihr Brotstücke stahl, als würden sie noch immer ein Geheimnis spielen.
Doch es war kein Geheimnis mehr.
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Die Entscheidung wurde auf dem Sofa getroffen, zwischen zerknüllten Laken und dem Geruch von Sex, der noch in der Luft hing. Daniel saß mit ausgestreckten Beinen da, Lúcia zwischen ihnen, den Rücken an seine Brust gelehnt. Er spielte mit ihren Fingern, verschränkte sie, löste sie wieder, als würde er jedes Detail auswendig lernen.
— Wir könnten langsam anfangen — schlug er vor. — Zusammen essen gehen. Im Park spazieren. Dinge, die normale Paare tun.
— Normale Paare — wiederholte Lúcia und drehte den Kopf, um ihn anzusehen. — Findest du, dass wir normal sind?
— Nein — gab er zu und lächelte. — Aber wir können so tun.
Sie lachte, ein leises Geräusch, das im Donnergrollen unterging. Er beobachtete sie einen Moment, als würde er sich jedes Detail einprägen – wie ihr Haar über die Schultern fiel, die Kurve ihres Halses, die Art, wie sich ihre Lippen leicht öffneten, wenn sie atmete.
— Ich will nicht mehr so tun — sagte sie ernst. — Nicht mehr.
Daniel nahm ihr Gesicht in die Hände, die Daumen strichen über ihre Wangenknochen.
— Dann tun wir es nicht mehr.
Und so fiel mit diesen einfachen Worten die letzte Barriere zwischen ihnen. Es gab keine Regeln mehr, keine verschlossenen Türen, keine gegen Kissen gedämpften Flüstern. Es gab nur noch sie und die Welt da draußen, die jetzt lernen musste, damit umzugehen.
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Das erste Mal, dass sie zusammen ausgingen, war an einem Samstagnachmittag, Hand in Hand, als hätten sie es schon immer so gemacht. Die Sonne brannte heiß, und Lúcia spürte den Schweiß ihren Nacken hinablaufen, doch es war ihr egal. Sie war zu sehr damit beschäftigt, Daniel anzusehen, wie er lächelte, wenn sie auf etwas Albernes im Schaufenster eines Ladens zeigte, wie seine Finger ihre fester umschlossen, wenn sie an jemandem vorbeigingen, den sie kannten.
— Bist du nervös? — fragte er, als sie vor einer Eisdiele stehen blieben.
— Ein bisschen — gab sie zu. — Und du?
— Nicht im Geringsten.
— Lügner.
Er lachte und zog sie zu einem schnellen Kuss heran, die Lippen kalt vom Eis, das sie teilten.
— Okay, ich bin es. Aber es ist eine gute Art von Nervosität. Die Art, die das Herz schneller schlagen lässt.
Lúcia lächelte und leckte ihr Eis, spürte den süßen Geschmack von Vanille, vermischt mit dem Salz seines Kusses.
— Diese Art von Nervosität mag ich.
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Die Nacht brach herein, und sie kehrten in Daniels Wohnung zurück. Es gab keine Eile, kein Bedürfnis, sich zu verstecken. Lúcia zog die Schuhe aus und warf sich aufs Sofa, während Daniel die Musik einschaltete und eine leise Melodie wählte, etwas mit Klavier und geflüsterten Stimmen. Er beobachtete, wie sie sich in dem nun so vertrauten Raum bewegte, und spürte eine Welle von Zärtlichkeit, die so intensiv war, dass es fast wehtat.
Als er zu ihr zurückkehrte, reichte er ihr die Hand.
— Tanz mit mir?
Lúcia zögerte einen Moment, doch dann nahm sie sie. Er zog sie nah an sich, und die beiden begannen, sich langsam zu bewegen, die Körper eng aneinandergedrückt, die Schritte klein, als würden sie zum ersten Mal miteinander tanzen.
— Erinnerst du dich an das erste Mal, als wir uns gesehen haben? — fragte er mit leiser Stimme.
— Im Flur — antwortete sie und erinnerte sich an den Schock, die Anspannung, die Art, wie er sie angesehen hatte, als würde er sie bereits kennen.
— In diesem Moment wusste ich, dass du Ärger bedeuten würdest.
— Und bin ich das?
— Den besten Ärger.
Lúcia lachte und legte den Kopf an seine Brust, lauschte seinem Herzschlag. Die Musik endete, doch sie blieben dort, wiegten sich leicht, als hätte die ganze Welt angehalten, um ihnen diesen Moment zu schenken.
— Ich liebe dich — sagte sie, die Worte kamen heraus, bevor sie darüber nachdenken konnte.
Daniel blieb stehen. Für einen Moment spürte Lúcia, wie ihr das Herz bis zum Hals schlug. Doch dann nahm er ihr Gesicht in die Hände und küsste sie, langsam, tief, als wollte er die Worte verschlucken und für immer bewahren.
— Ich liebe dich auch — murmelte er gegen ihre Lippen. — Seit dem ersten Stöhnen, das ich durch die Wand gehört habe.
Lúcia lachte, doch der Klang verwandelte sich in ein Seufzen, als er sie hochhob und ins Schlafzimmer trug. Diesmal gab es keine Eile. Kein Bedürfnis nach Stille. Sie liebten sich langsam, erkundeten jeden Zentimeter des anderen mit Händen, Mündern und geflüsterten Worten, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Und zum ersten Mal war das wahr.
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Am nächsten Morgen erwachte Lúcia mit dem Geräusch von Regen und dem Duft von frischem Kaffee. Daniel war nicht im Bett, doch sie fand ihn in der Küche, mit dem Rücken zu ihr, etwas in der Pfanne rührend. Das Hemd, das er trug, war dasselbe, das sie am Vortag getragen hatte und das nun über der Stuhllehne hing.
Sie trat leise näher und schlang die Arme um seine Taille, legte die Wange an seinen breiten Rücken.
— Guten Morgen — sagte er und drehte sich zu ihr, um sie zu küssen.
— Guten Morgen.
— Hast du gut geschlafen?
— Besser als je zuvor.
Daniel lächelte und wandte sich wieder der Pfanne zu, doch eine Hand blieb auf ihrer Taille, als bräuchte er den Kontakt.
— Ich habe nachgedacht — sagte er nach einem Moment. — Wir könnten verreisen. Die Stadt für ein paar Tage verlassen. Nur wir beide.
Lúcia hob die Augenbrauen.
— Und die Schule?
— Du hast eine Pause verdient. Und ich auch.
Sie lachte und küsste ihn erneut, spürte den Geschmack von Kaffee auf seinen Lippen.
— Ich bin dabei.
Daniel schaltete den Herd aus und zog sie näher an sich, die Hände glitten über ihren Rücken, bis sie den Bund ihres Slips fanden.
— Gut — murmelte er mit rauer Stimme. — Denn ich habe dich schon vermisst.
Und dann gab es keine Worte mehr. Nur das Geräusch des Regens, die Wärme ihrer Körper und die Gewissheit, dass sie endlich keine Wände mehr brauchten, um sich zu verstecken.